31. Januar 2023

Atmosphärisch ungeheuer dichter Song von David Crosby, veröffentlicht vor drei Jahren, „Rusty and Blue„. Ich erwischte davon einen Fetzen in einer Doku über ihn, die sehr sehenswert ist, „Remember my Name, in der arte-Mediathek. Ich bin schlicht nicht in der Lage zu beurteilen, ob die Doku auch für jemanden interessant ist, den die Musik von Crosby, Stills & Nash & Young nicht durch Jugendjahre begleitet hat. Es ist ein sehr ungewöhnliches, charaktervolles Portrait einer störrischen Persönlichkeit. Gerade das gefiel mir darin an ihm. Und wie er gegen Ende klein bei gibt, demütig und doch aufrecht zugibt, wie oft er sich menschlich daneben verhalten hat und es ihm leid tut. Ein starker, ungewöhnlicher Film. Der Song „Rusty and Blue“ auch, stark und ungewöhnlich. Ich wusste gar nicht, dass er so eine intensive Beziehung mit Joni Mitchell hatte. Also nicht ZU, sondern MIT. Wie gesagt: ich vermag nicht einzuschätzen, für wen, der das liest, dieser Film von Interesse ist. Bei „Rusty and Blue ist außerdem bemerkenswert, dass sich David Crosby einen relativ jugendlichen Ton seiner Stimme bewahrt hat, er klang 2020 nicht wie kurz vor Achtzig. Im selben Alter hatte Udo Jürgens wesentlich stärkere, altersbedingte stimmliche Einbußen, und er wollte es nicht wahrhaben, äußerte allen Ernstes, er würde im hohen Alter besser singen als je zuvor. Da hat wohl auch das Gehör nachgelassen. Eine häufige, tragische Beobachtung bei Berufs-Sängern. Aber zum Glück sind ihre besten Zeiten und Aufnahmen für immer und ewig konserviert. Mögen beide in Frieden ruhen.

31. Januar 2023

Es gibt existenzielle Momente im Leben, die einem auch in genau dem Moment bewusst sind. Begleitet von innerem Zittern, großer Aufregung. Wenn man den Ausgang einer Entwicklung nicht kennt, aber weiß, das könnte jetzt ein Wendepunkt werden. Ich hatte das schon einige Male im Leben, zuletzt vorgestern, am Sonntag Abend. Ich hatte in den letzten drei Monaten, seit Oktober 2022 erfolgreich verdrängt, dass es eine Veränderung bei der Konstellation mit meiner kleinen Werkstatt geben könnte. Wenn es zu meinem Nachteil wäre, würde ich mich in einer mir wichtigen Hinsicht neu orientieren müssen. Ich habe ein Liebesverhältnis mit meiner kleinen Werkstatt. Sie empfängt mich immer mit offenen Armen, bereichert mich seelisch, wärmt mich, lässt mich Raum und Zeit und alle Schwierigkeiten irdischer Existenz vergessen. Der Flow und die damit verbundene Erholung stellt sich immer ein. Was mache ich, wenn ich das verliere? Kann ich mir je wieder etwas Vergleichbares leisten? Wohin mit all den Bildern….? Meinem Herzblut? Gestern teilte ich Lydia mit:

„(…) hab gerade der neuen Vermieterin meines Ateliers geschrieben, es ist die Witwe meines Vermieters, hab ihr mein Beileid ausgedrückt und dass ich froh bin, dass sie es übernimmt…. (…) bin so erleichtert deswegen… hab ihren Brief gestern spätabends in der U-Bahn aufgemacht und gelesen, total aufgeregt, was da jetzt drinsteht, war eine liebe Karte drin mit Foto von ihrem verstorbenen Mann und Danksagung für die Beileidsbekundungen und dass sie das Haus selbst weiterverwalten möchte. Uff.

Liebe Frau (…).,

als langjährige Mieterin in der (…) Straße (…)7, möchte ich mich hiermit gerne bei Ihnen melden und Ihnen mein Mitgefühl aussprechen. Ich habe erst am Wochenende die Karte und Ihr Schreiben aus dem Briefkasten geholt, nachdem ich mehrere Wochen mit einer Lungenentzündung krank war. Jetzt bin ich erholt und wieder regelmäßig dort.

Es ist mir auch ein Anliegen, Ihnen zu sagen, dass Herr (…). für uns Mieterinnen und Mieter ein Glücksfall war. Nie davor und danach habe ich in einem Mietverhältnis so ein Verantwortungsgefühl und so eine Fairness erlebt. Menschlich ein ganz großer Verlust, auch wenn man als Mieterin nur gelegentlich Kontakt hatte. Als ich den Aushang im Oktober sah, war ich regelrecht geschockt. Sie können sich denken, dass einem vieles durch den Kopf geht, wenn eine Änderung des Mietverhältnisses ansteht. Umso froher bin ich, von Ihnen zu hören, dass Sie die Verwaltung in Nachfolge Ihres Mannes übernehmen werden.

Sie wissen ja, dass ich die kleine Wohnung als Atelier zum Malen nutze (…) es ist für mich der dritte Raum, der mir in meiner eigentlichen Wohnung fehlt. Ich bin bis heute unendlich dankbar, dass ich diese kleine Einzimmerwohnung in der zweiten Etage vor zwanzig Jahren gefunden habe und Herr (…). hatte auch keine Einwände. Er meinte nur: „Hauptsache, die anderen Mieter werden nicht belästigt. Wenn es nicht im Treppenhaus nach Farbe riecht, dann ist es völlig in Ordnung.“ Da konnte ich ihn beruhigen, da ich lösungsmittelfreie Farben benutze, ich male mit Acryl, das riecht gar nicht.

Es ist eine sehr stabile und nette Mietergemeinschaft mit einem freundlichen Umgangston in dem Haus, man fühlt sich wohl und sicher. Ich bin mir sicher, dass das unter Ihrer sorgsamen Verwaltung auch so bleiben wird, dafür und auch sonst wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute.

Mit freundlichen Grüßen

Gaga Nielsen
vom gaga-atelier