Delbrückstraße Heringsdorf
Delbrückstraße Heringsdorf
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Wer bliebe nicht kurz stehen, angesichts der Villa Franz Josef im Eichenweg 5, Ecke Delbrückstraße. Imposant wie eine Festung. Mutmaßliches Erbauungsjahr 1919. Heute darin Ferienwohnungen. Zu DDR-Zeiten diente das Gebäude zeitweise als Schulinternat, lese ich. Mich ließ vor allem die Irritation über die seltsame, für mich unstimmige Oberfläche sämtlicher Pilaster inne halten. Dieser extra grobe Kellenwurfputz, der wie der Webpelz eines alten Teddybärs an den Säulen wächst – oder ein seltener, haariger Pilz. Kann so eine Oberflächenstruktur historisch sein? Falls ja, wohl eines von mehreren bizarren Stilexperimenten, wie man sie in der Bäderarchitektur immer wieder findet. Elemente aus zeitlich weit auseinander liegenden Epochen kraut- und rübenhaft kombiniert.

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Dass der extra grobe Kellenwurfputz tatsächlich ein historisches Detail ist, lässt eine vergilbte Postkarte erahnen. Bildunterschrift der Postkarte: „Erholungsheim des Reichs-Offiziers-Bundes e. V., Seebad Heringsdorf, Eichenweg 5“. Zum „Reichs-Offiziers-Bund e. V.“ eruierte ich: „Der Reichsoffizierbund wurde im Jahr 1921 als Dachorganisation ehemaliger Offiziere des kaiserlichen deutschen Heeres und der Marine gegründet, nachdem der Versailler Vertrag von 1919 die deutsche Armee drastisch verkleinert und die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft hatte. Der Reichsoffizierbund entwickelte sich in den 1920er Jahren zu einer der größten Veteranenorganisationen in Deutschland. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde auch der ROB in das nationalsozialistische System eingegliedert. Im Zuge der Gleichschaltung wurden die Veteranenverbände umstrukturiert und mussten sich ideologischen Vorgaben des Regimes unterordnen.“

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U. a. zur Geschichte dieses Putzes gelernt: „Kellenwurfputze als Gestaltungsmittel an der Gebäudefassade stammen aus der Zeit des Historismus-, Jugendstils. Ihre erste Anwendung fanden sie an flächig abgesetzten Putzspiegeln und Gliederungselementen.“ Und dass grober Kellenwurfputz prägendes Element der Reformarchitektur sowie des Landhausstils zwischen 1900 und 1914 war, entstanden als bewusste Abkehr vom glatten Stuckputz des 19. Jahrhunderts. Er sollte traditionelles Handwerk und durch eine natürliche Oberflächenstruktur Erdverbundenheit betonen.

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