Heringsdorf
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VILLA STAUDT. Delbrückstr. 6 in Heringsdorf, vis à vis Villa Oechsler. Kann man mieten. Denn Elisabeth Staudt, die auf der Tafel in Deutsch, Polnisch und Englisch zum Tee bittet, ist nicht mehr. In die Geschichtsbücher sind beide eingegangen, Villa und Frau Staudt, da sich Kaiser Wilhelm II. (seinerzeit war er Anfang Fünfzig) ab 1909 bis 1912 wohl jeden Sommer bei der verwitweten Konsulin Staudt im Salon der damaligen „Villa Miramar“ wiederholt zum Tee einfand. Allein, ohne Begleitung seiner Gemahlin Kaiserin Auguste Viktoria. In Heringsdorf wurde gemunkelt. Kennengelernt hatte man sich in Berlin, wo Konsulin Staudt die Geschäfte ihres verstorbenen Gatten Wilhelm fortführte.

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1938 verlegte Elisabeth Staudt ihren Wohnsitz in die Schweiz und verkaufte die Villa samt Einrichtung an Hitlers Leibarzt Theodor Morell, der dort entweder ein Privatsanatorium betrieb und/oder die Villa später zur Nutzung als nationalsozialistisches Volkswohlfahrt-Mütterheim zur Verfügung stellte/stellen musste(?) – nicht eruiert.

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1943 beschlagnahmte die Wehrmacht das Haus als Lazarett. Nach Kriegsende 1945 erklärte die sowjetische Militäradministration den Bereich des Zentrums von Heringsdorf und damit auch Villa Staudt bis 1950 zum Militärsanatorium. Zu DDR-Zeiten wurde die Villa zunächst als staatliches FDGB-Betriebserholungsheim „Heim Völkerfreundschaft“ geführt und später als „Wilhelm Pieck Heim I“ Ferienheim des ZK der SED sowie von Angehörigen der DDR-Fluglinie „Interflug“ zur Erholung genutzt. Nach der Wende zuletzt 2015 – 2017 saniert und aufgeteilt in 15 Ferien-Apartments.

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Die stolze Büste im Vorgarten zeigt auch Kaiser Wilhelm, aber den anderen, nämlich Kaiser Wilhelm I., Großvater von Kaiser Wilhelm II. Was etwas verwirrt, aber wie folgt erhellt werden kann: bei Aufräumarbeiten wurde die Büste gefunden und Heringsdorf vermacht, um sie im öffentlichen Raum aufzustellen, aber die Gemeinde sprach sich dagegen aus, so ergab sich die Idee, das Denkmal auf privatem Grund aufzustellen und die Villa Staudt schien recht geeignet. Da steht sie nun seit 2003, also noch gar nicht so lange. Recht passend zur großen Kaiserbäder-Kampagne.

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