Im Bild die Königsberger Klopse, die Jenny und ich nach der Ausstellung in der „Letzten Instanz“ verzehrt haben. Bzw. mein Teller, Jenny hatte einen eigenen. Mittig ein Scheibchen Rote Bete, die grüne Soße schmeckte nach Meerrettich, Wasabi nicht ganz ausgeschlossen. Die rostfarbenen Krümel auf den Klopsen waren entweder zerkleinerte Röstzwiebeln oder in Butter gebräunte Semmelbrösel, konnte ich nicht genau eruieren. Bisschen fancy neu interpretiert, schon gelungen. Mir waren die Klopse innen ein bisschen zu trocken, fast krümelig, habe ich lieber etwas cremiger. Nachfolgend kopierte Auszüge aus meiner gestrigen Konversation mit Ina, der ich ausführlich von unserem Besuch dort berichtete:

„(…) In der Instanz war netter Service, wir haben mit Ach und Krach den letzten Tisch bekommen, nix reserviert, ein frecher Gastgeber, aber so Richtung Herz mit Schnauze. Die Weinkarte war gar nix für mich, die hatten 7 Sorten offenen Wein, davon 5 Rieslinge !!!!!! Die anderen beiden irgendein Weißburgunder, war ganz ok, und ein Dessertwein. Der Schaumwein war leider auch nicht meins. Vier zur Auswahl, darunter zweimal Rieslingsekt (nicht meins, wie du weißt), ein dritter, weiß nicht mehr was an dem unattraktiv war und ein Rosésekt, hab ich genommen, obwohl auch nicht mein Favorit, war sauer wie Riesling. Sie hätten doch einen Wein, den ich favorisiert hätte, aber den gabs leider nicht offen, nur flaschenweise, einen fränkischen Silvaner… Jenny mag auch Riesling, war gut bedient.

Bier hatte ich zuerst, wurde aber, obwohl Pils vom Fass, nicht im Pilsglas, sondern so einem normalen Weißbierglas mit dickem Rand serviert. Die Königsberger Klopse waren etwas fancy, neu interpretiert mit einer Merrettichsoße, ziemlich große Klopse, innen trocken krümelig, hab schon bessere gegessen. Also war nicht schlecht, aber Jenny, die auch K. Klopse mag, fand, es wären die besten gewesen, die sie je aß. Publikum war schon älter und ganz interessant. Das Lokal hat Für und Wider. Gemütlich, kurzweilig. Ich würde schon nochmal hingehen, und dann die Keule essen 🙂 Wenn du mal Lust hast!

Der Nachtisch, die Apfelringe, die ich hatte, war hingegen sehr gut. Die Klopse sehen natürlich schon auch gut aus. Was aber nett war, ich hab Jenny von dem Maria Callas Buch von der Freundin von Callas erzählt, dem ganz alten, der Wirt hat immer unverblümt so halb mitgehört und dann hat er etwas später „Casta Diva“ auf seiner Musikanlage laufen lassen, was die anderen Gäste irritiert hat, weil vorher so neuere Sachen, aber dezent, liefen. Also sehr zugewandt, unbekannterweise. Die Instanz ist recht klein, überschaubar, passen schätzungsweise zehn bis zwölf kleine Tische für zwei Personen rein und dann noch ein, zwei größere. Nette Ecke mit Eckbank für ca. 6 Personen gibts auch.

Uns gegenüber saß einsam ein dunkelhaariger jüngerer Mann mit runder, schwarzgerahmter Brille und so einer Art D’Artagnan-Schnurrbart. Der guckte immer wieder verstohlen zu Jenny und mir auf, als ob er auch unser Gespräch verfolgen würde, seither überlege ich, woher ich das Gesicht kenne. Ich habe das dunkle Gefühl, dass das irgendein Schriftsteller war, den ich schon mal in irgendeiner Sendung gesehen habe, komme einfach nicht drauf.

Jenny hingegen meinte, wenn er etwas gesagt hat (zum Ober), dann hätte er so „gestützt“ gesprochen, sie hätte ein Gehör dafür und meinte, das wäre bestimmt ein Schauspieler, aber ich verorte ihn irgendwie anders. Dann meinte Jenny noch, sie hätte zeitweise das Gefühl gehabt, er wäre kurz davor gewesen uns anzusprechen. Das hab ich aber nicht mitbekommen, nur dass man ihm angesehen hat, dass er bisschen die Ohren spitzt. Er war direkt auf unserer Sichtachse. Mir war, als hätte er auch Notizen gemacht oder gelesen und die Konversation mit dem Wirt etc. war so familiär, als säße er dort auf seinem Stammplatz und würde jeden Abend dort verbringen 🙂 Ein Mysterium!“

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