Berliner sind hilfsbereit! Heute wieder erlebt. Mit schwerem Gepäck, nämlich neben meiner um den Hals gehängten Umhängetasche, einem recht großen, flachen, aber ersichtlich schweren Karton (mit vier gewichtigen Bilderrahmen) in der einen Hand, in der anderen einen großen Bilderrahmen, unterwegs in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich rangiere und jongliere dann immer mit viel Bedacht, um mit niemanden zu kollidieren, nicht unnötig Platz wegzunehmen. Freundliches Platzmachen in der U 9 von Zoo bis Bundesplatz, Mit-Trage-Angebot einer ca. 23-jährigen Mitfahrerin beim Aussteigen am Bundesplatz.

Nächstes Angebot oben am S-Bahnsteig von einem älteren Herrn: „Soll ich tragen helfen?“ – ich: „Nein danke, ich habe vorher geübt, aber VIELEN DANK für das nette Angebot! :-) Aufmunterntes Lächeln beim Rangieren Richtung S-Bahn-Ausgang von Herrn, der mir zuvorkommend auf den Türöffnungs-Knopf drückt. Wer sagt, Berliner sind nicht freundlich? Hat mich heute direkt an meinen allerersten Tag in Berlin erinnert, den 2. April 1986. So viel Freundlichkeit. Ich habe Berlin heute wieder so richtig ins Herz geschlossen.

Auch witzig irgendwie, später bei Netto. Ich kaufte ein, war an der Kasse gerade dran, hörte mit, dass eine Kundin, die allerdings Hausverbot hatte, in einen Palaver verwickelt war, weil sie wohl schon mehrfach durch Aneignungen aus dem Warensortiment auffiel. Sie stellte sich aber dumm, als wüsste sie von nichts. Eine andere Kundin meinte, sie in Schutz nehmen zu müssen, woraufhin die Netto-Fachkraft sie darüber aufklärte, dass es schon seine Gründe hätte, warum die junge Frau Hausverbot hat. Ihr Einkaufsmodell ist wohl, durch die Gänge zu laufen, verschiedene Lebensmittel zu konsumieren und an der Kasse eine winzige Kleinigkeit aufs Band zwecks Bezahlung zu legen. Mir tat eigentlich mehr die Netto-Fachkraft leid, die sich rechtfertigen sollte, warum sie das Hausrecht durchzusetzen versucht. Aber ich hielt mich komplett raus, packte nur mein Zeug ein.

Dann raus, zur Rolltreppe nach unten. Auf der Rolltreppe seh ich aus dem Augenwinkel, dass mich die junge Frau mit dem speziellen Einkaufsmodell von oben anschaut und geradezu anstrahlt. Ich konnte nicht anders, als zurückzulächeln, obwohl ich ihr Verhalten nicht richtig super finde. Irgendwie war heute ein besonderer Vibe in der Luft. Einfach nett.

Eine Antwort auf „03. März 2023

  1. kid37 – 4. Mär, 01:33
    Heißt es im Volksmund nicht auch „auf berlinerisch einkaufen“? Na gut, vielleicht habe ich mir das gerade ausgedacht. „Freundlichkeit kostet nichts“, heißt es auf jeden Fall, und das zurecht. Vielleicht wächst in der Krise der Zusammenhalt.

    g a g a – 4. Mär, 10:45
    Vielleicht war es auch der Kontrast von meinem „wohlhabend“ wirkenden (Kunst-)Pelzmantel und der schweren Last. Da hatten die Berliner Mitgefühl, mit der Frau, die den Gürtel enger schnallen muss und ihr Hab und Gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert, anstatt ins nächste Taxi zu steigen.

    iGing – 4. Mär, 08:31
    Bei meinem letzten Berlinbesuch habe ich selbst Bekanntschaft mit einem solchen Ausmaß an Hilfsbereitschaft gemacht, dass ich nicht anders konnte, als mich mit einer von Herzen kommenden Namaste-Geste bei der Frau zu bedanken, die mich ohne Rücksicht auf ihre eigenen Pläne durch den reichlich bevölkerten Bahnhof gelotst und mich gleichsam auf den rechten Weg gebracht hatte. Wäre sie nicht gewesen, hätte es leicht passieren können, dass ich umsonst nach Berlin gefahren wäre.

    g a g a – 4. Mär, 10:48
    Das hört man gerne! Wenn ich selbst nicht total unter Termindruck bin, habe ich auch solche Anwandlungen, mit orientierungslosen Besuchern ein Stück mitzugehen, um sie in die richtige Spur zu bringen. Man repräsentiert die Stadt ja auch selbst und ist dann für die anderen DER Berliner :-)

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