Herrschaftszeiten! Es ist so weit. Meine persönliche Audienz bei Kaiser Karl IV. Die Karlsbrücke in Prag, wo er 1316 als Wenzel geboren wurde, ist nach ihm benannt und auch Karlsbad. Vor mir sitzt aber nicht „Karl der Große“, das war wieder ein anderer, offiziell „Kaiser Karl I.“, 747 geboren, also 569 Jahre vor Karl IV. Kann man alles leicht verwechseln. Die Nürnberger Kaiserburg wurde erst um das Jahr 1000 herum gebaut. Nicht weiter schlimm. Hauptsache, ich spreche ihn nicht falsch an. Aber ich glaube, dass man das Wort sowieso nicht von sich aus an den Kaiser richtet, sondern abwartet, ob er mit einem spricht, dann darf man antworten. Ich habe mich vorbereitet, ich will schließlich nicht geköpft werden! Angeblich ist er aber friedliebender und kultivierter als seine Vorgänger, von denen er vier auf Gemälden um sich hat. Der Spiegel hat geplaudert, wie er sich so benommen hat.

„Bei Audienzen verzichtete er auf jedweden Schmuck und aufs Schwert, meist trug er schlichte Kleidung – in einer Zeit, die von fürstlicher Prachtentfaltung glänzte. Die glatten, dunklen Haare hingen bis zur Schulter, Bart und Schnäuzer wirkten gepflegt. (…) Die Bittsteller, die vor ihm knieten, schaute Karl kaum an, er ließ den Blick umherschweifen. Dabei saß er selten. Manchmal schnitzte er, scheinbar versunken, mit einem kleinen Messer an einem weichen Stück Holz. Es sah so aus, als interessierten ihn die Petenten nicht sonderlich – das Gegenteil war richtig: Er hörte aufmerksam zu, konzentriert. Dann antwortete er kurz und knapp und auf den Punkt. (…) Er schrieb und redete deutsch, böhmisch, lateinisch, französisch, italienisch. Selbst Dialekte, wie etwa das Lombardische oder das Toskanische, beherrschte er.“

Oha. Für meine Audienz hat er nicht aufs Schwert verzichtet, aber er hält mir einen Apfel entgegen, was ich als freundliche Geste deute. Ich esse sehr gerne Äpfel! Er erinnert mich ein bißchen an den Sänger Rea Garvey. Was gesprochen wurde, ist geheim. Es ging jedenfalls nicht um die Goldene Bulle, die in meiner Schulzeit ein ewiges Thema war, und wo ich mir nie merken konnte, dass es so eine Art Gesetzbuch war. Ich habe mir immer so eine große goldene Kapsel mit geheimnisvollem Inhalt vorgestellt. Eine goldene Buddel sozusagen. Aber der Apfel hat sehr gut geschmeckt. Er hat ihn mir mit dem Schwert zerteilt, in kleine, mundgerechte Schnitze – wo er doch für sein Leben gerne schnitzt! Und dann hat er mir noch gestattet, dass ich mich weiter oben im Palas umschaue, wie der Trakt heißt, nämlich in seiner guten Stube und sogar in der Kammer, dem kaiserlichen Schlafgemach!

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