Noch ein Blick in die Vitrine mit dem Vergolderzubehör. Zwar ist Dürer nicht dafür bekannt, bei seinen Tafelbildern in größerem Umfang Blattgold eingearbeitet zu haben, aber beim Bild seines Löwen heißt es, dass es mit „Gold gehöht“ ist, also hier und da Glanzpunkte mit Pinselgold aufgesetzt wurden. Vielleicht wurden in der Werkstatt auch Vergoldungen von Rahmen vorgenommen. Außerdem hat er den großen Saal im alten Nürnberger Rathaus ausgemalt, die Wandbemalung ist leider zerstört, die Fotos davon legen aber nah, dass in all der Pracht auch Gold vorgekommen ist.

In der Vitrine ist jedenfalls ein heutzutage handelsübliches Blattgoldheft der Größe 10 x 10 Zentimeter. Das orange Heft kenne ich, und darunter ein kleineres, vermutlich 8 x 8 Zentimeter. Das letztere könnte Blattgold von den Goldschlägern aus Schwabach sein, das dünnste Blattgold, das erhältlich ist, und traditionell das Format 82 x 82 mm hatte, heute 8 x 8 Zentimeter. Der Lehrer von Albrecht Dürer, Michael Wolgemut hat es an einem Flügelaltar in einer Kirche in Schwabach nachweislich benutzt, es gilt als Bestes.

Die ersten zunftmäßigen Goldschläger sind 1373 in Nürnberg belegt. Das nah gelegene Städtchen Schwabach war die Goldschlägermetropole in ganz Europa und versorgt heute noch 40 Prozent des gesamten weltweiten Bedarfs mit dem extradünnen Blattgold. Mit Blattgold kenne ich mich einigermaßen aus, ich verwende es selbst gerne und finde den Vorgang jedes mal geradezu magisch, wenn man die Nahtstellen der Blätter wie durch Zauberhand einfach so wegpinselt, bis es eine glatte Fläche ergibt, und das Stückwerk nicht mehr zu erkennen ist. Wer einmal damit gearbeitet hat, will es in seiner Werkstatt nicht mehr missen. Man möchte es einfach zur Hand haben. Es wäre sonst wie eine fehlende Farbe in der Farbpalette. Aber die Anwendung muss geübt werden. Dass Albrecht das auch virtuos beherrscht hat und in seiner Werkstatt immer da war, steht für mich außer Frage!

Hiermit ist der Werkstattbesuch beim großen Albrecht Dürer beendet. Es gibt jetzt nur noch einen Raum, den ich noch nicht gezeigt habe, den Dürersaal (außer dem „geheimen Gemach“, wie die Toilette früher verschämt genannt wurde, den Luxus hatte Albrecht schon, das ist zugesperrt, vielleicht eine Besenkammer). Der Dürersaal zeigt eine Ausstellung mit hochkarätigen, wertvollen, historischen Kopien seiner wichtigsten Tafelbilder, er ist in einem Anbau vom Dürerhaus und sehr sehenswert. Ach ja, unterm Dach ist auch noch ein Ausstellungsbereich, da sind wechselnde Ausstellungen mit originalen Kupferstichen und Drucken, aber fotografieren verboten. Die Besuchertoiletten im Untergeschoss hab ich auch nicht abgelichtet, sind auch nicht historisch. Für heute ist der Unterricht beendet! Es gibt wie immer keine Hausaufgaben, einen schönen Nachmittag, ich bin nun in meiner kleinen Werkstatt.

Eine Antwort auf „24. August 2022

  1. Jens F.
    Vielen Dank, liebe Gaga für die unterhaltsamen und lehrreichen Berichte aus Nürnberg. Ich bin selber noch nicht dort gewesen, denke aber, dass ich das dringend mal nachholen sollte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s