Kirchenorgeln sind auch so eine Wissenschaft für sich. In St. Sebald wird erst die dritte Orgel seit 1440 bespielt. Die erste, die „Traxdorff“-Orgel von 1440 ist 1945 verbrannt. Auf der hat in den 505 Jahren (1/2 Jahrtausend!), die sie funktioniert hat, u. a. zwischen 1695 und 1706 Johann Pachelbel, der Lehrmeister von Johann Sebastian Bach gespielt. Sie wurde vielfach restauriert und war sie bis zu ihrer Zerstörung am 2. Januar 1945 die älteste noch spielbare Orgel der Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Sebalduskirche 1947 eine ausrangierte Orgel aus dem Jahr 1904. Erst 1975 wurde das Provisorium mit dem Orgelneubau der Peter-Orgel beendet. Auf meinen Fotos ist also die vergleichsweise blutjunge Peter-Orgel von 1975 zu sehen. Tolle Begriffe in der Beschreibung des Instruments: „(…) II. Manual Schwellpositiv III. Manual Schwelloberwerk Schwiegel Nachthorn Rohrgedeckt Flaut d’amore Bärpfeife Rohrpommer Grobgedeckt Weidenpfeife Gemsterz Rohrgedeckt Bombarde (…)“ klingt für mich wie aus einem mittelalterlichen Pornoheft! Wie man sofort erkennt: ich bin überhaupt nicht fachkundig was Orgeln und Orgelmusik angeht, ich bekomme aber zuverlässig wahlweise metaphysische oder furchterregende Schauer, wenn eine Orgel ertönt, je nach Werk und Spielweise. Gehört unbedingt in jeden guten alten Horrorfilm.

2 Antworten auf „12. August 2022

  1. Lydia G.
    „Rohrgedeckt Flaut d‘amore“ 😬 … Ja Ja, so sind sie, diese Katholiken!

    Gaga Nielsen
    hihi…. die Sebalduskirche, in der seit 1975 dergestalt georgelt wird, ist aber evangelisch 🙂

    Lydia G.
    Ach, die doch auch.

  2. Für mich ist Orgelmusik auch etwas ganz Besonderes, hier im „Arp-Schnitger-Land“!

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