Und nun zu den Stones. Was hier nach einem Waldspaziergang aussieht, ist der Insider-Block M wie „Murellenschlucht“, direkt links von den Blöcken H und E. Eintritt: 0,00 €. Vgl.: Block H und E: 296,15 € (sofern man diese günstigeren Preise bei Eventim bekam). Wie bereits angedeutet, waren Ina und ich durchaus bereit vor Ort Tickets zu kaufen, aber das einzige Angebot waren zwei Karten im hintersten Rang zu je 460 €.

Auf dem Weg zum Haupteingang der Waldbühne kommt man an diversen Catering-Trucks, Toiletten und auch Merchandise vorbei und natürlich langen Warteschlangen am Einlass. Im Unterschied zum Konzert im Olympiastadion vor vier Jahren, gab es hauptsächlich Leute, die Schilder hochhielten mit „Suche Ticket“, damals bekam man alle zehn Meter welche angeboten. Es war tatsächlich ausverkauft, sogar die Wuchertickets auf Viagogo wurden noch weitgehend genommen.

Wieder nach Hause zu gehen war keine Option, da es ja auf der Hand lag, dass die Schallwellen auch über den Zaun gehen. Also begaben wir uns zur Murellenschlucht, was außer uns auch viele andere Fans taten, die sich die Tickets nicht leisten konnten oder nicht leisten wollten. Unsere Schmerzobergrenze war bei 300 pro Nase, hatte sich aber nun erübrigt!

Im Prinzip umrundet man links vom Eingang die Waldbühne, immer an der Absperrung entlang. Wie unterschiedlich gut bzw. schlecht der Sound ist, hängt von der Stelle ab, die man sich in der Schlucht sucht. Am besten war er weiter oben, auf Höhe der mittleren Ränge, geradezu exzellent. Man konnte jeden Song sofort deutlich erkennen, nur die Ansagen hab ich nicht so genau verstanden. Ziemlich gut hat sich auch Miss you angehört.

Und gesehen hat man ein bißchen buntes Gelichter, aber nichts Genaues. Stellenweise war es wie eine Mischung aus Woodstock und Familienpicknick. Ich konnte aber ganz weit hinten, beim Entdeckungsspaziergang, noch etwas Exclusives beobachten. Dort traf mein Pfadfinderblick auf das 2018 neu gebaute Backstagegebäude und ich setzte mein neues kleines Tierbeobachtungsfernglas an, das ich für alle Fälle dabeihatte.

Zuerst konnte ich ein weißes Beduinengartenzelt neben dem Gebäude sehen, in dem Gartenmöbel standen und Leute rumsaßen, da war immer Bewegung. Erkennen konnte ich niemanden, dafür war es zu unruhig, aber dann, Schwenk nach links, wo zusätzliche weiße WC-Container für die Security etc. zu stehen schienen, hatte ich plötzlich ein bekanntes Gesicht vorm Objektiv.

Nämlich eine brünette, langhaarige junge Dame, die exakt wie Mick Jaggers Freundin Melanie Hamrick aussah. Sie trug ein dunkelblaues Shirt und eine dunkelblaue Hose und scherzte mit zwei Wachleuten, die gerade vom Klo kamen. Alle anderen, die ich sehen konnte, hatten Backstagepässe um den Hals, sie nicht. Ich könnte es jetzt natürlich nicht beschwören, aber ich bin mir zu 97 Prozent sicher, dass sie es war. Sie ist jetzt ja immer überall dabei gewesen.

Dort an an der ungefähr 70 Meter vom Backstage entfernten Absperrung versuchte eine Truppe von ungefähr vier jungen Männern und zwei Frauen, das Gitter aufzubiegen, um hindurchzuschlüpfen, was ihnen auch gelang. Man musste die defekte, mit Gewalt aufgerissene Stelle des Gitters mit viel Kraft auseinanderdrücken. Sie waren dann zwar drin und konnten sich durchs Gebüsch schlagen, aber wie weit sie dann innerhalb der Waldbühne gekommen sind, ist mir unbekannt. Wenn die Situation einschätzbarer gewesen wäre, hätten wir es vielleicht auch gewagt. Allerdings habe ich Zweifel, dass es einer allein geschafft hätte, das Gitter so weit aufzudrücken, dass man ohne Kratzer und Hängenbleiben durchgekommen wäre.

Fotos habe ich keine gemacht und auch nicht machen können, da ich meine Kamera vorschriftsmäßig daheimgelassen hatte. Alle Bilder hier sind von Ina, ihrem Smartphone. Das Konzert fing Punkt 19:45 mit Street Fightin Man an und endete um 22:00 Uhr mit Sympathy for The Devil und Satisfaction als Zugaben. Die Setlist kann man hier nachlesen.

Im letzten Drittel schwankte ein vermutlich alkoholisierter Stonesfan zu Ina und mir und fragte uns „Wo werden denn hier die Kinder gezeugt?“. Ina deutete auf den Waldboden und meinte „Da unten“. Ich zeigte nach rechts und erklärte ihm: „Siebeneinhalb Meter da lang und dann links.“ Die widersprüchlichen Angaben schienen ihn zu verwirren, er wankte unentschlossen weiter.

Nach Ende des Konzerts reihten wir uns wieder in den Besucherstrom Richtung S-Bahn Pichelsberg ein, wie schon beim Herkommen. Ich war bettschwer nach über fünf Stunden ununterbrochenem unterwegs sein bei weit über dreißig Grad.

Gegen 23 Uhr daheim fand ich schon die ersten Berichte und youtube-Uploads vom Konzert, tolle Aufnahmen von ganz vorne aus dem Diamond Pit. Aber auch Fotos der Waldbühne in der Totalen, der gesamte Innenraum. Sehr schön. Wir waren rein entfernungsmäßig eindeutig näher an der Bühne als jemand ganz rechts im äußersten Ring.

In der Erinnerung verbanden sich sofort die eigenen Eindrücke und das Gehörte mit den youtube- und Fotobildern, und so war man doch eigentlich richtig dabeigewesen. Erkenntnis: wenn schon Wucherpreis, dann direkt ganz vorne im Diamond Pit, ansonsten ist man ja auch auf Video-Nachlese angewiesen. Für ein ausverkauftes oder sehr teures Klassikkonzert, wo man nicht so versessen darauf ist, auch die Klamotten und die Mimik zu sehen, eine schöne Idee, gut ausgestattet mit Decke und Kühlbox direkt die Murellenschlucht anzupeilen. Unser Resümee: unter den gegebenen Bedingungen war das die beste Idee von allen.

6 Antworten auf „05. August 2022

  1. Da hat sich doch die gute Ausbildung bei den Pfadfindern bezahlt gemacht!?! 🌳🐾

  2. Wie kann man nur so elegant und sexy altern!?!? Nun ja, bei DIESEN Liedern…

  3. kid37 – 6. Aug, 12:31
    Ah, sehr gut. Rock’n’Roll-Rebellen wie anno 196irgendwann. Zum Glück wurden Sie nicht vom Lampenmast geschüttelt, wie die Leute damals. „Besser gut mitgehört als schlecht mitgeschaut“, notierte ich mal in einem meiner Notizbücher. Gleich neben: „Wo man nichts sehen kann, ist hören keine Schande.“ War bestimmt toll.
    antworten – löschen

    g a g a – 6. Aug, 14:37
    Wo wir sind, ist es immer toll! Und wo die Stones sind, ist es auch immer toll. It’s a match!

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