Trulla

Das war eine blöde Trulla. Nicht wie man denken könnte, eine gouvernantenhaft gestrenge Studienrätin, sondern eine Mitschülerin. Ich kann mich beim besten Willen nicht an den Namen erinnern. 1982 war ich zwischen 16 und 17 und die meisten in dieser Klasse waren so alt wie ich. Man hätte denken können, sie hätte schon das Klimakterium hinter sich, tantiges, besserwisserisches Getue und biedere Klamotten wie eine Sekretärin aus den Fünfzigern. Seltsame Frisur mit Außenwelle und Perlenohrclips. Darf man sich jetzt aber nicht stylish retromäßig vorstellen, sondern wie stehengeblieben.

Ich weiß, das klingt geradezu extravagant aus heutiger Sicht, aber das war sie nicht. Wenn ein Lehrer etwas gerügt hat, oder um Ruhe bat, hat sie eifrig genickt und tadelnde Blicke in die Runde geworfen. Die Unruhe enstand auch schon mal, weil sich meine Mitschüler über meine Kritzeleien amüsierten. Dieses Portrait hat das Opfer selbstverständlich nie gesehen. Ich habe den Abgebildeten nur schmeichelhafte Sachen gezeigt. Ja, ich gebe es zu, die Zeichnungen waren manchmal auch ein bißchen gemein, aber so ging die Zeit ganz gut rum.

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