Dich trägt Erinnerung zu deiner Kindheit Schwelle,
Den vollen lauten Strom zurück zur stillen Quelle.

Dort aber angelangt, begehrst du weiter nur
Zu dringen und verlierst im Dunkel bald die Spur.

Und nur die Sternenschrift im Dunkeln kannst du lesen:
Du warest, eh‘ du warst, und bleibst, wann du gewesen.

Als wie aus einem Traum erwachtest du, geboren,
Und fandest eine Welt, wie eine du verloren.

Du sahest sie vor dir sich wechselnd umgestalten
Und lerntest deine Kraft im Kampf mit ihr entfalten.

So vieles kam und ging; laß alles gehn und schwinden!
Du wirst dich anders stets und stets denselben finden.

Friedrich Rückert (1788 – 1866)
Die Weisheit des Brahmanen, Neunte Stufe. Dämmerklarheit
(1836 – 1839)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s