August Macke, Kairouan I, 1914

Ich muss gestehen, mir ist jetzt erst bei der Lektüre von Mackes Wikipedia-Eintrag bewusst geworden, dass er nur 27 wurde und im ersten Weltkrieg 1914 (dem Jahr, in dem er die Kairouan-Reihe malte) „fiel“, wie man es immer so merkwürdig abgeschwächt nannte, wenn ein Soldat im Krieg einem tödlichen Schuss der gegnerischen Truppen zum Opfer fiel. Ja fiel. Zum Opfer fiel. Das ergibt für mich plötzlich einen ganz anderen, dramatisch verschärften Kontrast zu seinem weltberühmten Lebenswerk, das in nur zehn Jahren entstanden ist (Parallele zu Van Gogh übrigens), diesen vor Leben und Lebenslust strotzenden Gemälden, feinsinnig, atmosphärisch dicht, hingebungsvoll. Die Tunisreise habe ich als Bildband, die Motive dieser Reise fingen mich schon als sehr junge Frau ein. Dieses Licht aus Nordafrika, das Gleißen, die reduzierte, kubistische Architektur…

Kairouan I ist mir auch als Kalenderblatt zugeflogen, ebenso wie van Goghs Ebene bei Auvers. Merkwürdig, da kauft irgendjemand einen Kalender mit schön gedruckten Bildern und dann ist das Jahr passé und der ganze Kalender landet im Papierkorb oder angelehnt daneben… Banausen! Ich kaufe gar nicht erst Kalender, weil ich das Datum bei Bedarf von Displays ablese und für längerfristige Planungen würde ich mich auch nicht vor einen Bildkalender stellen und hin und herblättern. Das ist doch unpraktisch! Auch finde ich nicht, dass ein Bildmotiv durch Zahlen unterhalb des Bildrandes aufgewertet wird. Gut, das kann jeder halten, wie er will.

Immerhin ist mir auf diesem Weg gratis Kairouan I in die Hände geflattert. Ich fand passenderweise sogar ganz in der Nähe des ausrangierten Kalenderblattes ein Bild mit einer Industrie-Fotografie, auf Spanplatte aufgeleimt. Das Schicksal wollte es, dass das Kairouan I-Format wie angegossen auf die Spanplatte mit dem uninteressanten Foto passte und ich holte den Klebestift und schritt zur Tat. Seither lehnt es an einer der Wände, die meinen Schreibtisch umgeben. Es ist im Lauf der Jahre etwas verblasst, aber das steht dem Motiv sehr gut. Als wäre der Sonnenwind der nordafrikanischen Wüste darübergeweht.

Auch dieses Aquarell befindet sich im Original in der Sammlung der Pinakothek. Macke ist selten auf dem Markt und wenn dann natürlich im Millionenbereich, wie alle Superstars.

24 Antworten auf „14. Februar 2020

  1. Dieses Bild gefällt mir ebenfalls, allerdings assoziere ich die Blässe eher mit dem frühen Morgen. Und ich frage mich gerade, ob es in der Wüste am frühen Morgen vielleicht auch manchmal dunstig oder gar neblig ist.

  2. Guter Gedanke… es soll ja zum Teil eisig kalt werden bei Nacht, ganz extreme Temperaturunterschiede in der Wüste. Ich war nur einmal in den USA in Wüstengegenden über Nacht, in Nevada, Utah und Arizona, da brauchte man auch dringend einen dicken Schlafsack und machte immer ein Feuer nach Sonnenuntergang. Nicht so heiße Sommernächte, wie wir das hier haben, wo man vor sich hinschwitzt…

  3. Ah, die berühmte Tunisreise im April 1914 mit Paul Klee und Louis Moilliet. Ich meine, dieses Bild habe ich als Postkarte in meiner Sammlung für mein kleines Privatmuseum: ein großer flacher Stein mit Schlitz auf meinem Tisch vor dem Fenster, dort veranstalte ich Wechselausstellungen, es wird immer nur ein Werk gezeigt. Derzeit ist es das „Bildnis Marianne von Werefkin“ (um 1910) von Erma Bossi. Hängt im Lenbachhaus.

  4. Erma Bossi war mir gar nicht bekannt! Das Bildnis von Marianne von Werefkin nenne ich virtuos und sehr elegant, sie hat unheimlich schön die Silhouette der Dame eingefangen, es hat nicht den Beigeschmack einer innerlich widerwillig gepinselten Auftragsarbeit, selbst wenn es eine solche gewesen sein sollte. Die Idee mit den exclusiven Wechselausstellungen ist auch sehr gut, um nicht zu sagen nachahmenswert. Das jeweilige Exponat kommt voll zur Geltung und genießt größte Aufmerksamkeit!

  5. Ich mochte Bossis Bild auch sehr. Es zeigt Marianne Werefkin auch ganz anders als sie sich selbst um 1910 mit Hypnoseblick malte. Gabriele Münter portraitierte die Werefkina 1909 ebenfalls elegant, wenn auch nicht ganz so mondän. Im Alter von 33 Jahren portraitierte sich Marianne selbst in einer Matrosenbluse als selbstbewusste Malerin. Damals nannte man sie den „russischen Rembrandt“. Welch Unterschied zwischen den Bildern von 1893 und 1910.

  6. Das ist ja hoch spannend. Habe mir alle Portraits angeschaut. Das Selbstbildnis mit Hypnoseblick… äh na ja. Das Münterbild, etwas trutschig und schwerfällig wirkend, wie eine harmlose Gouvernante, dagegen das Matrosenselbstbildnis Richtung „Kesser Vater“, mit Abstand am souveränsten vom Ausdruck. Aber das Bossi-Portrait ist am Schmeichelhaftesten, vielleicht aber nicht am Wahrhaftigsten… wer weiß, jeder Mensch hat mehrere Gesichter und Wahrheiten, sicher treffen alle zu. Aber Gemälde ebenso wie Fotografien zeigen auch immer ein Ideal des- oder dergenigen der oder die das Portrait verfertigt hat. Ich habe noch ein Selbstportrait als „Engel von ihr gefunden. Ich finde es gruselig. Wenn Engel so grimmig und frustriert aus der Wäsche gucken, möchte ich lieber keinem begegnen: https://www.akg-images.de/archive/Selbstbildnis-als-Engel-2UMEBMYGU1DBR.html

    Ich bin kein großer Münter-Fan, habe zwar exakt 1 Postkarte von ihr mit einem Stilleben mit Obst und Vase, so blaugrau gehalten, aber ansonsten finde ich ihre Werke oft recht holzschnittartig, wenn auch farblich mitunter ganz hübsch.

  7. P.S. Das ist das allseits bekannte Münter-Stilleben, von dem ich eine Postkarte habe. Ich finde es ganz nett und dekorativ, falle aber nicht tot um vor Begeisterung und brauche es auch nicht als Original oder größeren Druck oder dergleichen.

  8. Das Selbstbildnis als Engel kannte ich noch gar nicht und musste laut lachen. Nein, solchen Engeln möchte ich auch nicht begegnen. Alexej von Jawlensky hat die Werefkina um 1906 übrigens so dargestellt.

  9. heieiei… so schöne Farben und dann – – – ob Werefkina ihr Umfeld gebeten hat, verewigt zu werden? Diese wahnsinnig moderne Bildaufteilung und Farbdramaturgie und mitten drin als Kuckucksei Trachtenhuberei… Jawlenski hat doch wirklich Bilder und Portraits zustande gebracht, denen man die Leidenschaft für das Motiv ansieht, aber bei dem – niente. Ich vermute, er hat sie als sorgende Mutterfigur gesehen. Bei Klimts Auftragsportraits gibt es auch bei einigen dieses Dilemma, dass man spürt, wie Klimt versucht ein unattraktives, ausstrahlungsarmes Gesicht mit herrlichen Blütenranken und phantastischen Gewändern gefällig zu umschmeicheln. Man merkt die Absicht und ist verstimmt. Seine besten Portraits hat er aus freien Stücken gemalt und hatte eine erotische Beziehung zu der abgebildeten Frau. Es gab aber auch vielfach einseitige Schwärmerei für Klimt, auch von wohlhabenden, älteren Damen, die von ihm erotisiert waren und sich seine exorbitanten Preise leisten konnten. Klimt galt bereits zu Lebzeiten als absolut hochpreisig. Es wurden Vergleiche in den Raum gestellt wie: ein Portrait von Klimt hatte etwa den Preis des Gegenwertes einer Stadtwohnung in Wien oder eines kleineren Landhauses.

  10. Nein, ich glaube nicht, dass Marianne von Werefkin ihr Umfeld darum gebeten hat, sie zu malen, sondern dass es umgekehrt war. In ihrem Münchner Haus an der Giselastraße führte sie einen sehr gefragten Salon („Giselisten„), bei ihr gingen Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle ein und aus.

    Die Verbindung zwischen ihr und Jawlensky war, gelinde gesagt, kompliziert. In den Jahren 1892 bis 1896 waren sie sich künstlerisch und menschlich am nächsten. Da waren sie wohl verliebt und wie im Rausch. Es existiert ein Foto, wo jeder ein Bild auf der Staffelei hat und man kann nicht genau sagen, welches Bild von wem ist, was man später immer sofort erkennt. Marianne hat auch nach der endgültigen Trennung von Jawlensky vier seiner Bilder bis zu ihrem Tod behalten. Als Künstler hat sie ihn weiterhin geschätzt und sie standen auch dann noch im Austausch.

    Ich glaube übrigens auch nicht, dass Mariannes Dienstmädchen Helene Nesnakomoff, die Dritte im Bunde, glücklich war, auch wenn er sie 1922 dann doch noch heiratete. Jawlensky hat aber auch davor und danach nichts anbrennen lassen. Man vermutet, dass er sogar mit der Ehefrau eines wohlhabenden Sammlers und Mäzens eine Affaire hatte. Irgendwie hatte er einen Schlag bei den Frauen, obwohl er äußerlich nun nicht gerade attraktiv war. Marianne blieb nicht die einzige Künstlerin, die seinetwegen ihre eigene künstlerische Arbeit vernachlässigte.

  11. Witwe Bolte, hihi, das stimmt. Scheint Mode gewesen zu sein, es gibt ein Jawlensky Gemälde namens „Helene mit rotem Turban“. Ich weiß nicht genau, ob das berühmte Portrait von Madame Matisse, auf dem sie einen roten Turban trägt, älter oder jünger ist, das müsste ich nachschauen, ich glaube aber, das ist früher entstanden. Matisse hat jedenfalls auch öfter einmal Frauen mit Turban gemalt.

  12. Aber es war doch schon so, dass Jawlenski von Werefkin durchgefüttert und angeleitet und unterrichtet wurde. Da ist es eine billige Dankesgeste, sie auch zu malen. Gleiches kann auch für die Freunde ihres Salons zugetroffen haben. Man kann sich ja auch etwas davon versprochen haben, dass man sie hofiert hat und auf einen Multiplikatoreffekt hoffen, indem man beim nächsten Salon präsentiert wurde, gewürdigt, weiterempfohlen… Aber vielleicht waren sie ja auch alle inniglich miteinander befreundet und zutiefst fasziniert voneinander. Jemanden zu malen, ist immer eine Schmeichelei, wenn das Bild nicht beauftragt wurde. Ich tippe weiterhin auf Mutter-Sohn-Beziehung, wahrscheinlich weil ich das ähnlich schon oft beobachtet habe. Künstlergenies (selbst ernannte auch gerne), die sich eine stabile Gefährtin zugelegt haben, die den Alltag und das Profane richtet und für die wahre Erotik gibt es dann diverse Geliebte und Affären. Sie war ihm doch treu und ergeben und hat ihre eigene Malerei dann hinten angestellt, liest man.

  13. P.S. Matisse ist in Sachen Turban allerdings ein Sonderfall, da er nach seiner Rückkehr aus dem Orient ja einen orientalischen Maskenball mit seinen Modellen für die Odalisken-Bilder veranstaltete. Da mussten Pluderhosen und Turban übergezogen werden, damit das gesamte Styling nach Orient ausschaut, die Odalisken-Damen sind außerhalb seines Ateliers nicht in diesen malerischen Gewändern herumspaziert.

  14. Jawlensky bekam eine Offiziersrente. Es stimmt jedoch, sie kam aus wohlhabendem Haus und höherem Adel als er, auch war ihre zaristische Waisenrente als unverheiratete adelige Frau üppig – was auch ein Grund war, ihn nicht zu heiraten, das Geld wäre dann futsch gewesen. Außerdem hätte ihr zufolge ihre Familie eine Heirat mit einem Mann niederen Adels nicht akzeptiert.

    Die beiden waren sicherlich von einander fasziniert – und beide starke Persönlichkeiten. Für Helene war das bestimmt nicht einfach mit denen zusammenzuleben. Erst recht nicht im erzwungenen Exil in der Schweiz 1914 bis 1918 auf engem Raum und fast ohne Geld, dafür aber mit Sohn im Teenageralter, der war damals 16 – so alt wie sie, als sie Jawlenskys Geliebte wurde. Die Schwierigkeiten im Exil dürften der Beziehung zwischen Marianne und Alexej den Rest gegeben haben. Bereits Ende 1920 schreib sie an die gemeinsamen Freunde Paul und Lily Klee:

    Nun liegt unser 27-jähriges Leben auf der Piazza von Ascona in Staub und Dreck.

    Im Abschiedsbrief schrieb er im Mai 1922:

    Ich kehre nicht mehr zu Dir zurück. Nach allem, allem, was vorgegangen war – kann man nicht mehr zusammen leben. Dort, wo so ein Hass und solch eine Verachtung herrscht – kann keine Liebe sein, und ohne Liebe kann es kein gemeinsames Leben geben.

    1937 diktierte Jawlensky seine Memoiren, über Werfekin heißt es:

    Die Bekanntschaft sollte mein Leben ändern. Ich wurde der Freund von ihr, von dieser klugen, genial begabten Frau.

    Ihr Tod im Februar 1938 erschütterte ihn sehr. Zu ihrer Beerdigung kam fast ganz Ascona, sie war dort sehr beliebt. Von daher denke ich auch nicht, dass die Leute, die in ihrem Salon ein- und ausgingen, sie aus Berechnung hofierten oder malten.

    Alexander Sacharoff – der Maler war, bevor er sich entschloss, Tänzer zu werden – war mit beiden Künstlern befreundet und blieb es auch, nachdem sie sich trennten. Er und seine Tanzpartnerin und Ehefrau* Clothilde von Derp hätten sich später bestimmt nicht von der Werefkina als Bühnenmeisterin auf Tourneen begleiten lassen, wenn die nur nervig gewesen wäre.

    Der Artikel Fatale Nähe über Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin ist sehr interessant, er geht auch auf ihre Motive ein, ihn zu fördern.

    * Er war bekanntlich schwul.

  15. „16 – so alt wie sie, als sie Jawlenskys Geliebte wurde.“ ??? Das Dienstmädchen war 16? Werefkin doch sicher nicht, die war ja älter als er, es war doch keine Teenager-Liebe… Ich kenne die Leute ja alle nicht, aber ich kenne vergleichbare Verhältnisse und Szenen, das ist heute wie damals alles recht ähnlich. Dass bei einer schillernden, prominenten Figur das ganze Dorf zur Beisetzung kommt, hat ja auch eine starke Entertainment- und Eventkomponente. Als in München der gute Moosi beerdigt wurde, waren bestimmt auch zahllose Schaulustige unterwegs, die ihn vorher belächelt haben. Kann gut sein, dass sie Charisma hatte, das habe viele Salondamen, also die so etwas installieren, und das macht ihre Gesellschaft ja auch attraktiv. Ich wollte nur erhellen, dass es nicht nur schöngeistige Ambition gibt, wenn ein Portrait entsteht. Man kann dadurch auch am Ruhm dessen Teil haben, den man portraitiert. Das ist wie ein gemeinsames Selfie mit einem Prominenten, wenn es dann bei Insta erscheint und geteilt und geliked wird, nimmt man plötzlich auch den No Name neben der Celebrity zur Kenntnis. Den Zeitartikel kann ich leider nicht sehen.

    P.S. ich haben noch mal Nachhilfe bei Wikipedia gesucht, also sie war 32, er war 27 als die Chose anfing. Aber was muss ich lesen, er hat sich an der 9-jährigen Gehilfin der Zofe von Werefkin „vergangen“… wie soll man so jemandem irgendwie über den Weg trauen? Der Mann ist für mich indiskutabel!

  16. Aber was muss ich lesen, er hat sich an der 9-jährigen Gehilfin der Zofe von Werefkin „vergangen“

    Diese Information ist nicht gesichert, auch die allseits zitierte Passage aus Werefkins Brief aus Ascona an August Schädl 1919 belegt das nicht eindeutig, dazu müsste man schon wissen, was in dem Zitat zwischen den Sätzen ausgelassen wurde. Wer saß „trotz ihrer Jahre“ Jawlensky Modell und wurde „bis zur Tollheit von ihm verliebt gemacht“ und von wessen Psychose ist da die Rede? „Um sie von ihren Psychosen zu heilen“, ging die Werefkin mit der Zofe – nicht Helene – und dem Vater nach Petersburg. Ich las irgendwo, dass Jawlensky auch mit jener Zofe ein Verhältnis hatte. Leider find ich die Quelle nicht mehr, dabei stieß ich erst kürzlich darauf. Möglicherweise liegt der Aussage, Jawlensky habe sich an der neunjährigen Helene „vergangen“, eine Verwechslung zu Grunde. Helene war nämlich zehn Jahre alt, als sie von Marianne Werefkin aufgenommen wurde. Der Vater von Helene, ihrer älteren Schwester Maria und beider Bruder war tot, die Mutter alkoholkrank.

    Fest steht, dass 1901 der dann 36-jährige Jawlensky mit der 16-jährigen – mithin immer noch minderjährigen – Helene Sex hatte. Der gemeinsame Sohn André kam im Januar 1902 zur Welt. Zur Vertuschung – Jawlensky hätte in München rechtlich Ärger bekommen können und die Baronin empfand es wahrscheinlich als demütigend – kam das Kind im Zarenreich zur Welt und wurde lange Zeit als Neffe ausgegeben. Außerdem sorgte Werefkin dafür, dass nach der Rückkehr nach München die bayerischen Behörden die Geburtsjahre von Helene und Maria vertauschten. Maria wohnte und arbeitete nach der Geburt Andrés die ersten beiden Jahre auch im Münchner Haushalt, bis sie von Marianne von Werefkin wieder nach Russland geschickt wurde.

    Jawlensky war ein Schürzenjäger, wegen seiner zahlreichen Affairen bekam er den Spitznamen Lulu. Mariannes Vater Vladimir soll er übrigens einst versprochen haben, dass er Marianne heiratet, sobald er zu Geld kommt.

    Der Mann ist für mich indiskutabel!

    Erinnern Sie sich noch an die lebhafte Diskussion unter den Bäumen über die Persönlichkeit eines Künstler und das Werk? Lange her.

    Erst sechs Jahre her ist die Debatte um nackte Kinder in der Kunst. Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel oder Otto Mueller zogen mit minderjährigen Modellen hinaus in die Natur und malten sie in sexualisierten Posen. Paul Gauguin lebte mit einer 13-jährigen Tahitianerin zusammen. Egon Schiele stand gar wegen angeblicher Schändung einer 13-jährigen Ausreißerin vor Gericht. Sein Freund und Mentor Gustav Klimt besorgte ihm aber einen teuren Anwalt und der ließ durch ein medizinisches Gutachten nachweisen, dass das Mädchen noch Jungfrau war. Das Gericht verurteilte Schiele dann wegen Pornographie und ließ Bilder vernichten. Er starb 1918 an der Spanischen Grippe.

  17. Oh Gott oh Gott oh Gott… ich hoffe, man kann sich nicht diesen Kommentar lesendwerweise an diesen Psychosen anstecken. Die Beschäftigung mit den psychologischen Hintergründen und dem wissenschafltichen Stand der Forschung und dem Abgleich überfordert mich nun doch etwas, da ich ja stark in meine eigenen Psychosen und deren Aufarbeitung verstrickt bin. Diese Einlassungen zu den Nymphenmodellen bei den verschiedensten Malern sind auch alle absolut berechtigt. Ich will das gar nicht genauer wissen, denn eines weiß ich sicher: Künstler sind keine besseren Männer, eher im Gegenteil! Wer glaubt, dass eine sensible oder sensitive Darstellung, Verarbeitung in künstlerischem Kontext ein Zeugnis einer empfindsamen Seele über das durchschnittliche Maß hinaus und damit einhergehender Empathie wäre, irrt gewaltig! Aber total. Die meisten Künstler, die ein starkes Profil in der Welt entwickeln, sind hochgradige Egozentriker, für die alles sie umgebende ledigliich Material und Inspirationsinstrument ist, das mehr oder weniger geeignet ist, ihrem Werk und damit ihrem Ruhm zuzuarbeiten. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung! ((wenn ich hier auch gerade ein wenig jammere, genieße ich unseren ausführlichen Kommentarstrang doch sehr, auch weil er mich in seiner Opulenz und investigativen Beharrlichkeit ein bißchen an früher erinnert!)

  18. P.S. habe gerade in unserem alten Kommentarstrang geschmökert, war mir völlig entfallen, interessant, was alle Beteiligten so zu sagen hatten und anwaltlich hervorzubringen (ich eingeschlossen). Würde ich so wohl nicht mehr kommentieren, fehlt mir der Impuls zur derart beharrlichen Anwaltschaft. Jedenfalls zu dem dort verhandelten Thema. In Teilen versteh ich es aber auch noch.

  19. Ich fand interessant, wie mancher Kreis sich wieder schließt – mir war nicht bewusst, dass Klimt, von dem Sie hier ja Werke zeigten, der Freund und Mentor Schieles war. Und die alle erlebten auch eine Pandemie.

    Ebenfalls fand ich es interessant, den alten Kommentarstrang wieder zu lesen. Jene gedankliche Verknüpfung mit Borderline habe ich aber selbst heute noch nicht kapiert, wie die zustande kam. War nicht das Thema.

  20. musste gerade über den angezickten Palaver mit der Unterstellung des „Missionierens“ lachen… ein Strang voller Leidenschaft! Das mit der Borderlineferndiagnose, die dann wieder eingschränkt wurde, ist auch recht absurd, fand ich bestimmt damals schon nicht aufgreifenswert, schätzungsweise ;-)

  21. Was ich von dieser Borderlineferndiagnose hielt, kann man unschwer an meiner Bemerkung erkennen: Schön, dass wir uns jetzt alle einig sind, dass Borderline hier nicht das Thema ist, damit hätten wir das dann also auch erledigt. :-)

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