Gefiel mir. Elektrisierte und berührte mich. Die anfängliche Irritation über vier Benjamins statt einem, löste sich in Wohlgefallen auf. Ich wusste nicht, dass so viel Musik, und vor allem live gespielte Musik in der Inszenierung ist. Als die Szene mit den Rammsteinzitaten kam, blieb mir lLuft weg. Später, zwischen BE und Ballhaus, in einem arabischen Laden, wo Jenny ihren Hunger stillte, fragte sie mich, ob ich mir vorstellen könne, mich jemals so nackt zu machen, wie Stuckrad-Barre mit diesen abgründigen Offenbarungen. Wir sprachen über Tabus. Ich sagte ihr, dass ich durchaus Tabus habe, die damit zu tun haben, Verbindungen, Beziehungsgeflechte zu schützen. Wobei ich mir vorstellen kann – das sagte ich nicht, weil sich das Gespräch dann anderweitig entwickelte – dass man Jahrzehnte später etwas offenbart, wenn es nicht mehr atmet, oder der zwiespältige, überempfindliche Aspekt nicht mehr in der Form existiert. Wenn es überwunden ist. Das habe ich nicht gesagt, dafür schreibe ich es jetzt hier. Ich freute mich darüber, von ihr zu hören, dass sie nicht das Empfinden hat, dass ich eine Grenze überschreite. Manchmal, wie gerade jetzt, hier in diesem Eintrag, erwähne ich sie namentlich. Das könnte man ja bereits als zu persönlich empfinden. Meine Antennen sind ganz weit ausgefahren, wenn ich schreibe, denn eigentlich soll es so persönlich wie möglich sein, man möchte die eigene Berührtheit oder Erschütterung vermitteln, ohne plakative Bekenntnisse auszustellen. Wir haben den Anfang vom Stück verpasst, weil auf der Seite vom BE stand 19:30, dann warteten wir eine Weile vor den geschlossenen Logen, bis ein Klingelzeichen signalisierte, dass man die Loge nun betreten könne. Beim Warten habe ich die Bilder gemacht. Während der Vorstellung blieb die Kamera weggepackt, das hätte mich selbst gestört, ich hätte mich über mich selbst beschweren müssen, hätte ich angefangen zu fotografieren, auch wenn ich diskret vorgehe. So habe ich den einen Benjamin auf meiner inneren Festplatte gespeichert, mit seinem fünf-Tage-Bart, und Licht und Schatten auf dem Körper.


Nur am Ende packte ich die Kamera kurz aus, das sind die Bilder der leeren Bühne nach dem Schlussapplaus. Wir trafen uns unten im Foyer, wir waren in getrennten Logen, da es bei den begehrten Plätzen keine nebeneinanderliegenden mehr gab, das hielt uns aber nicht ab und wir haben es nicht bereut. Dann hinaus in die Kälte, mit dem Auto in die Chausseestraße, Richtung Ballhaus. Das ist der erste Eintrag, den ich parallel veröffentliche, auf twoday und der neuen Seite. Ich will noch keinen Cut machen, ich bin erst dazu bereit, wenn es sich entscheiden sollte, dass Antville die alten twoday-Blogs doch nicht unter die Fittiche nimmt. Ein bißchen doppelte Buchführung. Ich schreibe doch am liebsten in das twoday-Fenster. Es ist nicht nur Gewohnheit, sondern die Farbe der Umgebung. Ich sehe keine Admin-Umgebung, sondern mein Layout, meine Farbwelt. Schwarz und Elfenbein. Ich kopiere es gleich mal auf gaganielsen.com, meine frisch bezogene Exilheimat.



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