10:27 uhr, gleis 3. stralsund. morgen. wenn der zug erst mal losfährt, kommt auch die reiselust, die ich im moment nicht habe, wie selten zuvor. bei regengrau vor dem fenster kommt man nicht so recht in stimmung, den rucksack zu packen. irgendwann wird die sonne schon wieder auftauchen. ich weiß gar nicht, wann ich zurückkommen werde.
zuerst also bis stralsund und dann nach sassnitz, da sehe ich mir endlich mal die schöne weiße küste an, die wissower klinken, die vielbesuchten, vielfotografierten, vielzitierten. np jasmund.
und dann kann ich meine sauklaue fast schon nicht mehr richtig entziffern. krampaser berg: bronzezeitliches kegelgrab. herthasee (?) tempelplatz mit opferstein? rugeshus (??) au weia. dann blandow (?) ruschritz (?) eigene steilküste. hm. salsitz. hagen. ich versteh nur bahnhof.
bei usedom steht: gnitz. freesendorf, ückeritz (steilufer). bei hidden- see: links von sellin nsg werder (?), nsg frankenberge, granitz, nsg. kloster, oberhalb: steilküste mit signalmasthuk u. swantiburg. anreise: von stralsund oder von schaprode auf rügen per fähre. dann darß. libbertsee, fukareksee (ehem. bernsteininsel) ottosee. zingst. kukshüren, pramart, büllen, bresewitz.
soll jetzt nicht heißen, dass ich da überall hinfahre. vielleicht komme ich an und finde es überall öde und allzu zivilisiert, so wie es mir in warnemünde oder heiligendamm, wo ich einmal vor zehn jahren für wenige tage war, erging. aber ich glaube es eigentlich nicht. hoffe ich doch. wenn ich mich an den naturschutzgebieten entlang bewege, kann eigentlich nicht so viel schief gehen.
vielleicht sollte ich mir beim warten auf den zug nach sassnitz eine karte kaufen. so eine landkarte. ja. ich glaube, das wäre eine gute idee.

5 Antworten auf „23. juli 2005

  1. Granitz? Wollen Sie etwa zum Jagdschloss?

    Bei Wissow werden Sie jetzt nur noch die abgestürzten Klinken vorfinden, den Fotos in den Zeitungen zufolge sieht das jetzt ziemlich traurig aus. Damals waren sie spektakulär.

  2. hilfe. genau das was ich absolut nicht sehen will… wieso habe ich mir bloß granitz aufgeschrieben. da muß auf der karte irgendeine sache gewesen sein, die mich gereizt hat. aber jagdschlösser gehören nicht dazu. ich will keine gebäude besichtigen. nur wildnis. ich kann es mir nur so erklären, dass die küste dort besonders reizvoll aussehen muß. und jagdschlösser werden im zweifel ja auch eher in den schöneren ecken errichtet. mal gucken. ich kann das schloss ja ignorieren.

    auch abgestürzte klinken sind schön. das ist der lauf der dinge. es arbeitet eben überall. aber dass es keine platte küste ist, macht es auf jeden fall interessant. ich langweile mich an flachen sandstränden.

  3. nachtrag die region granitz ist ausgewiesenes naturschutzgebiet, daher ist es auf meiner krakel-liste. (ich hatte mir vor einiger zeit geliehene landkarten vorgenommen und nach unverbauter küste ausschau gehalten – so sind meine notizen entstanden – bzw. habe ich orte notiert, von denen aus die naturschutzgebiete gut erreichbar sind, und wo ich übernachten könnte)

  4. Sie wollen mit der Bimmelbahn fahren, deshalb. Ich war einmal in Sellin (das Örtchen mit der wirklich sehr hübschen Seebrücke). Dort in der Nähe spielt auch Christopher Isherwoods „Lebwohl Berlin“, das ich dort noch einmal las. (Eine bezeichnende Koinzidenz, jetzt, wo ich darüber nachdenke. Aber das können Sie nicht wissen.)

  5. !!! mir ist auch einmal auf einer reise mit einem buch – sogar zweimal etwas wahnwitziges passiert. das buch heißt: „der liebhaber ohne festen wohnsitz“ von fruttero & lucentini. ich war auf dem weg nach sizilien, flug nach catania. ich machte es mir gemütlich, guckte zum fenster hinaus, döste. nach etwa eineinhalb stunden hatte ich lust, mir das buch zu nehmen, damit zu beginnen.

    ich las den ersten satz: „als mr. silvera endlich (look, look, mir. silvera) den sicherheitsgurt lockert und sich über seine sitznachbarn hinüber- reckt, um aus dem flugzeugfenster zu spähen, ist venedig schon wieder verschwunden; er sieht nichts als ein fernes stück aluminium- farbenes meer und ein ganz nahes, massiges aluminiumtrapez, den flügel.“ im exakt selben moment sagt der pilot meines fluges nach sizilien: „wenn sie jetzt aus dem fenster schauen, sehen sie sehr schön unter uns die lagune von venedig.“

    das war nummer eins. eine gute woche später, ich war bereits von einem ort zum anderen, immer entlang der nördlichen küste gereist, mit dem zug. ich hatte inzwischen weitergelesen. und war mittlerweile auf dem weg nach san vito lo capo, im nordwesten siziliens. das buch spielt nahezu vollständig in venedig. an einer stelle gibt es einen parallelen handlungsstrang – leider finde ich die stelle jetzt nicht auf anhieb – wo davon die rede ist, dass jemand in einem bus an einen ort namens san vito fährt. als ich die stelle las, war ich gerade in san vito angekommen und lag auf dem bett im hotelzimmer. da bekam ich eine gänsehaut.

    ich kenne christopher isherwoods buch nicht. ob ich es lesen sollte? als ich gestern in „a gun for hire“ war (es hat sich absolut gelohnt; ich blieb vier stunden, auch wegen der filmdokumentation einer vorlesung, die er 1995 gab, in der er ausgiebig über seinen antrieb und seine inspirationsquellen sprach – sehr erhellend – oder wie alice sagte: „just talk about what makes you tick“), besuchte ich auch die neue ausstellung von junes portraits, überschrieben „june’s darkroom“. faszinierende großformatige s/w- portraits. u. a. eines von isherwood .

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