Interessante Doku, über das Neueste aus der Glücksforschung. Gucke ich gerade in der VOX NOW-Mediathek. Ist noch eine Woche kostenlos zum Angucken, danach gegen kleine Gebühr. Ich schaue gleich mal alle drei Teile hintereinander.
16. März 2012

Hereinspaziert. Ja, ja. Genau vier Wochen her. So lange brauchen die Bilder im Labor zum Entwickeln. Kraft meiner Wassersuppe beanspruche ich auch im Zeitalter der digitalen Daguerrotypie eine gewisse Zeit, um meinem geschätzten Publikum Bildmaterial von nachhaltigem Wert zu präsentieren. Machen wir uns doch nichts vor: die Räumlichkeiten sehen vier Wochen später auch nicht anders aus. Keine Bombe ist eingeschlagen und renoviert wurde auch nicht. Selbst ich bin nicht dramatisch gealtert in den letzten Wochen. Eher im Gegenteil, schließlich experimentiert keine andere mir bekannte Bloggerin derart forciert am eigenen Leib im von mir erfundenen Wissenschaftsseitenzweig „Maximales Anti-Aging mit Billig-Kosmetik, sehr wenig Sport, Discounter-Produkten und Beten“. Ja gut, Orchideenstudium. Sei’s drum! Zum Dom von innen kann ich berichten, dass in der Bildstrecke schon nur die beeindruckenden Sachen drin sind. Das heißt, es gibt auch so ein paar Ecken, die ich ein klein wenig anders tapeziert hätte.

Gerade die Tapete hinter dem Altar. Das ist doch alles sehr bunt und viel. Aber ich will meinen Dom nicht schlecht machen! In der Kaiser-Loge habe ich mich gleich wie daheim gefühlt. Auch die Prunksärge haben mich angesprochen. Unten drunter sind noch viel mehr Särge, da ist nämlich die Hohenzollerngruft, aber dazu kommen wir später. Eins nach dem anderen. Auf jeden Fall lohnt es sich immer, solche Prachtbauten auch einmal von innen anzuschauen. Gerade wenn man um die Ecke wohnt. Ich schäme mich auch ein bißchen, dass ich das jetzt erst mache. Ich war vor einigen Jahren zwar schon auch einmal da oben im Eingangsbereich bei den Säulen, aber drinnen jetzt erst. Es war schön leer, das gefällt mir immer gut. Aber die Menschen sind auch sehr rücksichtsvoll, wenn sie sehen, dass ich die Kamera hochhalte. Meistens halten sie inne auf ihrem Weg und warten bis ich fertig bin oder laufen schnell aus meinem Fokus. Manchmal ist es sehr schade und ich sage dann auch ab und zu „Gehen Sie ruhig!“ oder „Bleiben Sie ruhig da stehen!“. Das ist ja manchmal sehr schön und belebend, so ein anderer Mensch auf dem Bild. Wenn er gut ausschaut, versteht sich! Ich bin nicht so einverstanden, wenn die Menschen in solchen schönen alten Gebäuden bauschige Jacken von Outdoorbekleidungsherstellern anhaben und Kunststoff-Rucksäcke auf dem Rücken. Das macht sich einfach nicht gut und lässt den Menschen im Rückenbereich auch immer recht unförmig aussehen. Man möchte doch auch als Touristin oder einfacher Besucher das Gesamtbild aufwerten, nicht wahr. Ich denke andauernd an solche Sachen. Aber ich weiß eben natürlich auch insgeheim, dass ich später auf meinen Bildern zu sehen sein werde. Ganz schön clever und vorausschauend von mir!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
11. März 2012

So ist’s recht. Am heutigen heiligen Sonntag gehen wir gemeinsam zur Kirche! Wir schreiten die stolzen barocken Stufen empor und lassen uns feierlich vom Anblick stolzer Säulen und Portale erheben. Ich muss sagen: ich war dann doch erstaunt, wie groß und hoch der Eingangsbereich gebaut ist. Kein Vergleich mit dem Entrée meiner Wohnung! Man hat auch als großer Mensch etwas zum Schauen und Emporblicken. Und das wünscht man sich ja im Grunde. Man möchte auch einmal zu jemandem emporschauen. Das ist taktisch sehr schlau eingefädelt vom Baumeister Julius Carl Raschdorff. Man kriegt eine gewisse Ehrfurcht vor dem imposanten aufwändigen Bauwerk, was natürlich gut für die Kirche und Berlin ist. Der Berliner Dom ist übrigens protestantisch, was nicht weiter verwundert. Verwunderlich ist vielleicht eher, dass er überhaupt noch (auch) als Kirche genutzt wird und nicht nur für die alljährliche Theateraufführung von der geschätzten Frau Grothum, mit der ersten Riege der Kudamm-Boulevard-Schauspieler. Ein wenig war ich aber doch irritiert, in welchem Ausmaß hier Gotteshäuser zu weltlichen Lokalitäten, vor allem für belehrende Ausstellungen, umfunktioniert werden. Aber da bin ich natürlich genauso schuld wie alle anderen Berliner, die die Mitgliedschaft im Kirchenverein aufgekündigt haben. Nun zahlt man halt die Domerhaltungsgebühr von sieben Euro im guten alten Berliner Dom und alles kann schön instandgehalten werden. Das gefällt mir eigentlich ganz gut so, weil es das Gefühl vermindert, sich als heidnischer Trittbrettfahrer schmarotzerhaft bigott an den Sehenswürdigkeiten zu delektieren. Ich habe den Beitrag gerne entrichtet. Natürlich kann ich nicht jeden Tag derart mit dem Geld prassen, also habe ich mir den Eintrittspreis wochenlang vom Munde abgespart, und bin nicht verhungert! Die nette Dame an der Kasse wollte mich noch beim Sparen unterstützen, indem sie mir riet, eine oder zwei Wochen später zum Dombesuch zu kommen, weil dann der luftige Kuppelrundgang draußen geöffnet sei. Die eigentliche Spitzenattraktion für mich! (Ich hatte mir einen Kostenvoranschlag für das Gesamtpaket geben lassen.) „Ich weiß ja nicht, wie lange Sie noch hier sind?“ Ich kam schließlich als Touristin, mit Fotoapparat und lebhaftem Gesichtsausdruck! Es schien mir dann aber doch unartig, im Gotteshaus, direkt vor Gottes Angesicht, aktiv zu lügen, und so antwortete ich wahrheitsgemäß „So die, äh nächsten Jahre bin ich sicher noch hier!“ Nun war ich aber schon einmal da und schließlich: was kostet die Welt! Man muss die Feste feiern wie sie fallen, Kuppelrundgang außen hin oder her! Aber dazu später. Zunächst nähern wir uns gemessenen Schrittes dem Portal. Bitte mir nach.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

05. März 2012
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Jetzt geht’s los. So: mein neuester Fimmel ist für einige wenige weltweite Blogger ein alter Hut. Jeden Tag mehr oder weniger an derselben Stelle ein Foto, natürlich von mir selber. Das interessanteste Beobachtungsobjekt in meinem Umfeld. Es hat auch den Hintergrund, mir einen noch stärkeren Kick zu geben, was die Alltags-Dramaturgie anbelangt. Irgendwo hat jemand gesagt, man sollte sich jeden Tag so anziehen, als hätte man eine Verabredung. Okay, JEDEN Tag werde ich das nicht machen, und ich muss auch gar nicht so tun als „hätte“ ich eine Verabredung.

Ich habe ja eine. Mit der Person, die mich am besten kennt und am meisten liebt. Äh ja. Ich natürlich. Das ist natürlich schon an gewisse Vorkehrungen gebunden. Zudem sei klarzustellen, dass ich unter sich verabredungsmäßig anziehen, nicht verstehe, sich jeden Tag aufzustrapsen, als ob man jemanden flachlegen will. Ich lege in der langjährigen Beziehung zu mir eher Wert darauf, dass ich mir in einer Art und Weise gegenübertrete, die authentisch wirkt. Ich möchte meiner Lebensgefährtin im Spiegelbild ansehen, dass sie sich wohlfühlt und sich im Rahmen ihrer Tagesform angemessen angezogen hat. Und zwar in einer Art und Weise, in der man auch keine Scheu hat, vor die Tür zu gehen. Was ja nun auch in der Tat immer der Fall ist, wenn ich im Mantel zu sehen bin. Den werfe ich mir nicht nur zu heimischen Fotozwecken über.

Also ist das Bildmaterial in dem Sinne nicht inszeniert. Ich habe schon eine schöne Sammlung seit dem 16. Februar, wo ich mit dem Späßchen angefangen habe. Es ist auch bei mir nicht so neu, dass ich mich vor dem Kleiderschrank im Flur ablichte, aber die lückenlose Beharrlichkeit, die Systematik durchaus. Nur einmal habe ich geschwächelt, am 18. Februar glaub ich. Da habe ich es einfach vergessen und musste auch nirgends hin. Einfach nur so in der warmen Wohnung herumgewurstelt. Man muss sich auch mal eine Pause gönnen. Aber sonst bin ich schon recht viel unterwegs in den letzten Wochen. Schließlich muss ja irgendwo das Geld für die Webpelze herkommen. Den etwas exzentrischen Mantel, übrigens ein Gemisch aus Baumwolle und Viskose, habe ich vor ziemlich vielen Jahren mal im KaDeWe erstanden und seitdem sehr selten angehabt. Aber nun stelle ich fest, das Ding bringt meine exzentrische Seite ganz gut zum Vorschein. Ich bin halt eine Exzentrikerin, wenn auch mit angenehmen Umgangsformen. Das ist schon alles okay. An dem Tag wurden noch viele weitere Bilder gemacht. Aber diese Reihe ist der Auftakt vor dem Kleiderschrank. Das andere später. Aber nicht mehr heute. Schließlich muss auch das Level gehalten werden. Bildtechnisch. Und ästhetisch. Und überhaupt. Und sowieso. Weil ich es so will.

11. März 2012

So ist’s recht. Am heutigen heiligen Sonntag gehen wir gemeinsam zur Kirche! Wir schreiten die stolzen barocken Stufen empor und lassen uns feierlich vom Anblick stolzer Säulen und Portale erheben. Ich muss sagen: ich war dann doch erstaunt, wie groß und hoch der Eingangsbereich gebaut ist. Kein Vergleich mit dem Entrée meiner Wohnung! Man hat auch als großer Mensch etwas zum Schauen und Emporblicken. Und das wünscht man sich ja im Grunde. Man möchte auch einmal zu jemandem emporschauen. Das ist taktisch sehr schlau eingefädelt vom Baumeister Julius Carl Raschdorff. Man kriegt eine gewisse Ehrfurcht vor dem imposanten aufwändigen Bauwerk, was natürlich gut für die Kirche und Berlin ist. Der Berliner Dom ist übrigens protestantisch, was nicht weiter verwundert. Verwunderlich ist vielleicht eher, dass er überhaupt noch (auch) als Kirche genutzt wird und nicht nur für die alljährliche Theateraufführung von der geschätzten Frau Grothum, mit der ersten Riege der Kudamm-Boulevard-Schauspieler. Ein wenig war ich aber doch irritiert, in welchem Ausmaß hier Gotteshäuser zu weltlichen Lokalitäten, vor allem für belehrende Ausstellungen, umfunktioniert werden. Aber da bin ich natürlich genauso schuld wie alle anderen Berliner, die die Mitgliedschaft im Kirchenverein aufgekündigt haben. Nun zahlt man halt die Domerhaltungsgebühr von sieben Euro im guten alten Berliner Dom und alles kann schön instandgehalten werden. Das gefällt mir eigentlich ganz gut so, weil es das Gefühl vermindert, sich als heidnischer Trittbrettfahrer schmarotzerhaft bigott an den Sehenswürdigkeiten zu delektieren. Ich habe den Beitrag gerne entrichtet. Natürlich kann ich nicht jeden Tag derart mit dem Geld prassen, also habe ich mir den Eintrittspreis wochenlang vom Munde abgespart, und bin nicht verhungert! Die nette Dame an der Kasse wollte mich noch beim Sparen unterstützen, indem sie mir riet, eine oder zwei Wochen später zum Dombesuch zu kommen, weil dann der luftige Kuppelrundgang draußen geöffnet sei. Die eigentliche Spitzenattraktion für mich! (Ich hatte mir einen Kostenvoranschlag für das Gesamtpaket geben lassen.) „Ich weiß ja nicht, wie lange Sie noch hier sind?“ Ich kam schließlich als Touristin, mit Fotoapparat und lebhaftem Gesichtsausdruck! Es schien mir dann aber doch unartig, im Gotteshaus, direkt vor Gottes Angesicht, aktiv zu lügen, und so antwortete ich wahrheitsgemäß „So die, äh nächsten Jahre bin ich sicher noch hier!“ Nun war ich aber schon einmal da und schließlich: was kostet die Welt! Man muss die Feste feiern wie sie fallen, Kuppelrundgang außen hin oder her! Aber dazu später. Zunächst nähern wir uns gemessenen Schrittes dem Portal. Bitte mir nach.
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10. März 2012
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Oh, oh. Das Anschauungs-Material meines wallraffwürdigen Touristen-Experiments im Radius meiner Heimstatt reicht wohl für den Rest des Jahres. Ich muss hinne machen, mit Hochladen und Zeug dazu schreiben. Also erst mal muss man zumindest punktuell den Weg zum Berliner Dom dokumentieren, jedenfalls die prominentesten Kritzeleien. Wenn wir dann direkt am Objekt der touristischen Erkundung sind, gibt es eine weitere Extra-Strecke, versteht sich. Das war auch der König-Ludwig-Kuhfell-Mantel-Tag. Nachdem ich nun Jahr und Tag auf die Kuppel schaue, dachte ich so bei mir: wie wäre es eigentlich, wenn ich auch nur einen Funken Vorstellung hätte, wie das Bauwerk von innen aussieht? Ich könnte ganz anders mitreden! Fragt sich nur mit wem, haha. Nicht, dass man auf Schritt und Tritt Berlinern begegnen würde, die den Berliner Dom aus dem Effeff kennen. Weit gefehlt. Die meisten verwechseln die drei Dome in Mitte munter, zumal, wenn sie nicht die eigene Hütte hier in Mitte haben. Berliner Dom, Französischer Dom, Deutscher Dom? Äh, öh… welcher ist gleich nochmal welcher? Ich tippe mal so ins Blaue, dass ein bedeutend höherer Prozentsatz von wahrhaftigen Berlin-Touristen den Dom, die Dome von innen kennt als der gemeine Berliner. Aber ich schaffe hier endgültig Aufklärung! Die sind alle noch dran. Überall war ich drin! Und wie es so meine Art ist, habe ich jeden sehenswerten Winkel ultimativ für die Ewigkeit und mein kleines Internet dokumentiert. Nicht, dass da bei meinen Lesern irgendwelche Bildungslücken übrig bleiben. Was ich mache, mache ich gründlich! Gepaart mit meinem langatmigen, monothematischen Beharrungsvermögen, das seinesgleichen sucht. Bitte folgen Sie mir oder halt auch nicht!

10. März 2012
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Oh, oh. Das Anschauungs-Material meines wallraffwürdigen Touristen-Experiments im Radius meiner Heimstatt reicht wohl für den Rest des Jahres. Ich muss hinne machen, mit Hochladen und Zeug dazu schreiben. Also erst mal muss man zumindest punktuell den Weg zum Berliner Dom dokumentieren, jedenfalls die prominentesten Kritzeleien. Wenn wir dann direkt am Objekt der touristischen Erkundung sind, gibt es eine weitere Extra-Strecke, versteht sich. Das war auch der König-Ludwig-Kuhfell-Mantel-Tag. Nachdem ich nun Jahr und Tag auf die Kuppel schaue, dachte ich so bei mir: wie wäre es eigentlich, wenn ich auch nur einen Funken Vorstellung hätte, wie das Bauwerk von innen aussieht? Ich könnte ganz anders mitreden! Fragt sich nur mit wem, haha. Nicht, dass man auf Schritt und Tritt Berlinern begegnen würde, die den Berliner Dom aus dem Effeff kennen. Weit gefehlt. Die meisten verwechseln die drei Dome in Mitte munter, zumal, wenn sie nicht die eigene Hütte hier in Mitte haben. Berliner Dom, Französischer Dom, Deutscher Dom? Äh, öh… welcher ist gleich nochmal welcher? Ich tippe mal so ins Blaue, dass ein bedeutend höherer Prozentsatz von wahrhaftigen Berlin-Touristen den Dom, die Dome von innen kennt als der gemeine Berliner. Aber ich schaffe hier endgültig Aufklärung! Die sind alle noch dran. Überall war ich drin! Und wie es so meine Art ist, habe ich jeden sehenswerten Winkel ultimativ für die Ewigkeit und mein kleines Internet dokumentiert. Nicht, dass da bei meinen Lesern irgendwelche Bildungslücken übrig bleiben. Was ich mache, mache ich gründlich! Gepaart mit meinem langatmigen, monothematischen Beharrungsvermögen, das seinesgleichen sucht. Bitte folgen Sie mir oder halt auch nicht!

05. März 2012
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Jetzt geht’s los. So: mein neuester Fimmel ist für einige wenige weltweite Blogger ein alter Hut. Jeden Tag mehr oder weniger an derselben Stelle ein Foto, natürlich von mir selber. Das interessanteste Beobachtungsobjekt in meinem Umfeld. Es hat auch den Hintergrund, mir einen noch stärkeren Kick zu geben, was die Alltags-Dramaturgie anbelangt. Irgendwo hat jemand gesagt, man sollte sich jeden Tag so anziehen, als hätte man eine Verabredung. Okay, JEDEN Tag werde ich das nicht machen, und ich muss auch gar nicht so tun als „hätte“ ich eine Verabredung.

Ich habe ja eine. Mit der Person, die mich am besten kennt und am meisten liebt. Äh ja. Ich natürlich. Das ist natürlich schon an gewisse Vorkehrungen gebunden. Zudem sei klarzustellen, dass ich unter sich verabredungsmäßig anziehen, nicht verstehe, sich jeden Tag aufzustrapsen, als ob man jemanden flachlegen will. Ich lege in der langjährigen Beziehung zu mir eher Wert darauf, dass ich mir in einer Art und Weise gegenübertrete, die authentisch wirkt. Ich möchte meiner Lebensgefährtin im Spiegelbild ansehen, dass sie sich wohlfühlt und sich im Rahmen ihrer Tagesform angemessen angezogen hat. Und zwar in einer Art und Weise, in der man auch keine Scheu hat, vor die Tür zu gehen. Was ja nun auch in der Tat immer der Fall ist, wenn ich im Mantel zu sehen bin. Den werfe ich mir nicht nur zu heimischen Fotozwecken über.

Also ist das Bildmaterial in dem Sinne nicht inszeniert. Ich habe schon eine schöne Sammlung seit dem 16. Februar, wo ich mit dem Späßchen angefangen habe. Es ist auch bei mir nicht so neu, dass ich mich vor dem Kleiderschrank im Flur ablichte, aber die lückenlose Beharrlichkeit, die Systematik durchaus. Nur einmal habe ich geschwächelt, am 18. Februar glaub ich. Da habe ich es einfach vergessen und musste auch nirgends hin. Einfach nur so in der warmen Wohnung herumgewurstelt. Man muss sich auch mal eine Pause gönnen. Aber sonst bin ich schon recht viel unterwegs in den letzten Wochen. Schließlich muss ja irgendwo das Geld für die Webpelze herkommen. Den etwas exzentrischen Mantel, übrigens ein Gemisch aus Baumwolle und Viskose, habe ich vor ziemlich vielen Jahren mal im KaDeWe erstanden und seitdem sehr selten angehabt. Aber nun stelle ich fest, das Ding bringt meine exzentrische Seite ganz gut zum Vorschein. Ich bin halt eine Exzentrikerin, wenn auch mit angenehmen Umgangsformen. Das ist schon alles okay. An dem Tag wurden noch viele weitere Bilder gemacht. Aber diese Reihe ist der Auftakt vor dem Kleiderschrank. Das andere später. Aber nicht mehr heute. Schließlich muss auch das Level gehalten werden. Bildtechnisch. Und ästhetisch. Und überhaupt. Und sowieso. Weil ich es so will.

03. März 2012
Kleines Mitbringsel von meinem heutigen Ausflug! Bildungslücken haben mitunter ja auch Vorteile. Zum Beispiel war mir bis letzter Woche nicht so richtig geläufig, dass der Französische Dom zu jeder (?) vollen Stunde eine kleine Melodie auf dem Glockenspiel spielt. Ich habe da eben nie zu tun! Und bis zur Auguststraße hört man das nun auch nicht. Ich stand also am letzten Sonntag so auf dem Gendarmenmarkt rum und da ging es los. Ich war regelrecht entzückt über das kleine glockenhelle Lied! Wie im Märchenbuch und so ein schöner Klang auf dem ganzen Platz. Und heute war ich oben, auf der Aussichtsplattform! Und als ich so die Treppe hochgehe, hatte ich ja schon wieder völlig vergessen, dass es dieses Glockenspiel gibt. Und wieder habe ich mich gefreut wie ein Christkind! Und schnell die Kamera angemacht. Wenn man drinsteht, im Dom, oben im Turm kann man die Glocken auch sehen, aber soweit war ich noch nicht oben, als es plötzlich losging. Ich war gerade auf der Treppe, deswegen kann man in dem Filmchen nur das sehen, was man sieht, wenn man nach oben steigt und noch nicht draußen ist! Der Ausblick ist enorm!
http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=76826787&color=55514e&server=0&title=0&byline=0&portrait=0&fullscreen=1&autoplay=0&loop=0
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Und die champagnerfarbene Balustrade von königlicher Eleganz! Das ist der Riesenvorteil von meinen vielfältigen Bildungslücken in Sachen Sehenswürdigkeiten in Mitte. Man entdeckt dauernd neue Sachen, wie verreist! Ich fühle mich komplett als Touristin, nur mit dem Unterschied, dass ich schon seit dreizehn Jahren da wohne. Und ich muss sagen: die Berliner sind sehr nett zu mir als Touristin. Ich kann mich nicht beschweren! Natürlich habe ich wieder viele Fotos gemacht, die auf der Festplatte warten. Gemach, gemach! Aber immerhin schon mal Glockenspiel hören. Das ist doch was. Dafür gehe ich sogar extra spät ins Bett. Ein echtes Opfer für meine hochgeschätzten Leser! Und so als Tipp: das ist ja gut und schön, dass sich in Hollywoodfilmen die Leute für ihr Blind Date auf dem Empire State Building verabreden, aber wir als Europäer haben da ganz andere Sachen in petto. Ich sage nur: falls Blind Date in Berlin, dann ganz oben auf der Kuppel-Balustrade vom Französischen Dom. Dafür würde ich mich sogar zu einem kleinen Gläschen Champagner überreden lassen. Muß man einfach gewesen sein. Au weia, ist das spät. (Ich muss wieder die Uhrzeit fälschen, es ist in echt nämlich schon 2.38 Uhr, bitte nicht petzen!) Aber ich habe eine super Entschuldigung. In Wahrheit spielt das Glockenspiel das Lied übrigens viel länger, ich habe nur die Hookline aufgenommen! Außerdem habe ich ein neues Wort gelernt: Carillon. Glockenspiele, die in Türmen drin sind und Lieder spielen können, heißen Carillon. Gute Nacht!
03. März 2012
Kleines Mitbringsel von meinem heutigen Ausflug! Bildungslücken haben mitunter ja auch Vorteile. Zum Beispiel war mir bis letzter Woche nicht so richtig geläufig, dass der Französische Dom zu jeder (?) vollen Stunde eine kleine Melodie auf dem Glockenspiel spielt. Ich habe da eben nie zu tun! Und bis zur Auguststraße hört man das nun auch nicht. Ich stand also am letzten Sonntag so auf dem Gendarmenmarkt rum und da ging es los. Ich war regelrecht entzückt über das kleine glockenhelle Lied! Wie im Märchenbuch und so ein schöner Klang auf dem ganzen Platz. Und heute war ich oben, auf der Aussichtsplattform! Und als ich so die Treppe hochgehe, hatte ich ja schon wieder völlig vergessen, dass es dieses Glockenspiel gibt. Und wieder habe ich mich gefreut wie ein Christkind! Und schnell die Kamera angemacht. Wenn man drinsteht, im Dom, oben im Turm kann man die Glocken auch sehen, aber soweit war ich noch nicht oben, als es plötzlich losging. Ich war gerade auf der Treppe, deswegen kann man in dem Filmchen nur das sehen, was man sieht, wenn man nach oben steigt und noch nicht draußen ist! Der Ausblick ist enorm!
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Und die champagnerfarbene Balustrade von königlicher Eleganz! Das ist der Riesenvorteil von meinen vielfältigen Bildungslücken in Sachen Sehenswürdigkeiten in Mitte. Man entdeckt dauernd neue Sachen, wie verreist! Ich fühle mich komplett als Touristin, nur mit dem Unterschied, dass ich schon seit dreizehn Jahren da wohne. Und ich muss sagen: die Berliner sind sehr nett zu mir als Touristin. Ich kann mich nicht beschweren! Natürlich habe ich wieder viele Fotos gemacht, die auf der Festplatte warten. Gemach, gemach! Aber immerhin schon mal Glockenspiel hören. Das ist doch was. Dafür gehe ich sogar extra spät ins Bett. Ein echtes Opfer für meine hochgeschätzten Leser! Und so als Tipp: das ist ja gut und schön, dass sich in Hollywoodfilmen die Leute für ihr Blind Date auf dem Empire State Building verabreden, aber wir als Europäer haben da ganz andere Sachen in petto. Ich sage nur: falls Blind Date in Berlin, dann ganz oben auf der Kuppel-Balustrade vom Französischen Dom. Dafür würde ich mich sogar zu einem kleinen Gläschen Champagner überreden lassen. Muß man einfach gewesen sein. Au weia, ist das spät. (Ich muss wieder die Uhrzeit fälschen, es ist in echt nämlich schon 2.38 Uhr, bitte nicht petzen!) Aber ich habe eine super Entschuldigung. In Wahrheit spielt das Glockenspiel das Lied übrigens viel länger, ich habe nur die Hookline aufgenommen! Außerdem habe ich ein neues Wort gelernt: Carillon. Glockenspiele, die in Türmen drin sind und Lieder spielen können, heißen Carillon. Gute Nacht!
02. März 2012
Tut mir leid, komme nicht hinterher!
Aber Hauptsache: gesund!
Ja, schon. Wie mir das als Kind unverständlich war, wenn die alten Tanten und Onkel in der Verwandtschaft einem selber als Kind aber auch den anderen, den Erwachsenen, zum Geburtstag unaufhörlich langweilige Sachen wie „und viel Gesundheit!“ oder „und das Wichtigste: Gesundheit!“ gewünscht haben. Anstatt: „….und das Wichtigste: eine Reise zum Mond!“ oder „und vor allem: ein Haus am Meer!“ oder „Sechs Richtige im Lotto!“ Na ja. Heute verstehe ich das natürlich besser. Gehe aber nicht mit der Sichtweise mit, Gesundheit sei letztlich ein komplett unwägbares Glücksspiel. Wie Sechs Richtige im Lotto eben. Aber was weiß ich. Die meisten Verwandten haben nicht so furchtbar gesund gelebt, nach heutigen Maßstäben. Und tun es wahrscheinlich immer noch nicht, sofern sie noch nicht unter der Erde sind. Eigentlich wollte ich nur einen Entschuldigungseintrag schreiben, warum ich gerade so wenig schreibe. Ich muss mich einfach zunehmend um die Optimierung meiner Gesundheitswahrscheinlichkeit kümmern. Nein, nein, es geht mir gut. Eben drum. Nun habe ich es doch gestern tatsächlich gewagt, nach längerer Zeit der Disziplin, weit nach Mitternacht zu Bett zu gehen. Also schlafen zu gehen. Es war bestimmt schon 1.17 Uhr nach Mitternacht oder so ähnlich, als ich den Rechner runtergefahren habe. Aber nun muss ich ja neuerdings immer diese ganzen gesundheitsförderlichen Maßnahmen treffen, vor dem Schlafengehen! Das kostet auch wieder Zeit! Zum Beispiel: Zähneputzen! Zum Beispiel: Abschminken! Zum Beispiel: Wimpernpflege! Zum Beispiel: Wärmflasche! Bestimmt insgesamt zehn Minuten zusätzliche Verzögerung. Aber ich ziehe das durch. Und nun war es gestern also NACH Mitternacht und nicht Schlag oder davor. Und schon bekomme ich die Rechnung präsentiert: schwer aus den Federn gekommen. Wie früher, als ich mir die Nächte um die Ohren geschlagen habe, zuzüglich Alkoholgenuss. Man darf sich wirklich keine Ausreißer mehr erlauben, schon geht das hart erarbeitete Wohlbefinden flöten. Ich warne jetzt auch immer junge Menschen vor Alkohol! Ich denke, man hört vielleicht eher auf mich, weil ich doch eher wie jemand wirke, der keine Feier auslässt und kein Kind von Traurigkeit ist. Dann erzähle ich – immer positiv! – dass ich es jetzt wieder so ähnlich wie früher empfinde, wo man Kind war und keine Probleme beim Aufstehen in der Frühe gehabt hat. Na gut, in die Schule bin ich jetzt auch nicht mit Begeisterung und länger hätte ich auch gerne geschlafen, aber so schwerfällig wie nach einer Flasche Rotwein am Abend voher war man doch nie. Wenn man ehrlich ist. Die jungen Menschen hören mir eigentlich immer interessiert zu. Ich warne dann aber auch davor, überhaupt keinen Rotwein mehr zu trinken, wegen der kostbaren einmaligen Antioxidantien. Ein kleines Glas als Frau sollte es schon sein. Aber nicht mehr! Außerdem ist meine Schwierigkeit weiterhin, dass ich mir Veranstaltungen nicht mehr schön trinken kann, nur so mit Kaffee oder Saft. Ein nicht zu unterschätzendes Problem. Man gerät quasi innerlich ins soziale Abseits. Also trinken Sie bitte weiter, aber in Maßen. Und ich kriege diese Sache vielleicht auch noch eines Tages in den Griff.

Morgen wahrscheinlich wieder früh aus dem Bett und ein gesundheitsförderlicher sowie preisgünstiger Spaziergang im angekündigten Sonnenschein in die nähere Umgebung. Ich sage nur: Friedrichswerder! Gerne verbringe ich meine Wochenenden in Friedrichswerder. Tja, da staunen Sie. Wo mag das sein. Auf jeden Fall bietet dieses Friedrichswerder jede Menge Postkartenmotive und Ausflugsmöglichkeiten auch für das kleine Portemonnaie! Und dennoch kann man sich wie eine kleine Königin fühlen. Ich bin ja immer ganz beruhigt, wenn ich höre, dass andere dieselben schwerwiegenden Bildungslücken in Sachen Heimatkunde haben. Die Ecke da, zwischen Berliner Dom, Zeughaus und Gendarmenmarkt, da gleich beim Deutschen Historischen Museum heißt nämlich so. Quasi eine Gemeinde innerhalb meines Wohnbezirks, der da heißt Mitte. Schön, dass ich das auch mal erfahre. Bis jetzt konnte ich noch jeden mit dieser Information überraschen. Und auch ein Kirchlein gibt es dort, zwischen dem ganzen Dom-Gedöns. Die Friedrichswerdersche Kirche, welche ich am letzten Wochenende aufgesucht habe. Verdammt, jetzt weiß ich gar nicht, ob die katholisch oder evangelisch war. Ich tippe auf katholisch. Man kann es auch schwer erkennen, weil ja jetzt das Schinkelmuseum drin ist. Eine neugotische Kirche mit kunterbunten Hippie-Fenstern. Der Fachausdruck ist natürlich anders, aber Sie wissen schon, was ich meine. Und natürlich muss ich dann immer auf den Auslöser bei dem Apparat drücken, den ich immer statt Handtasche über der Schulter hängen habe. Und weil das so viele Bilder ergibt, die man kaum schafft, von der Kamera zu laden und zu sichten und zu drehen und auszumisten, komme ich zu nix. Also nicht zu vernünftigen Blogeinträgen mit ansprechendem Bildmaterial. Wo fängt man an, wo hört man auf? Der Tag ist einfach zu kurz! Und außerdem muss ich morgen einen kaputten Deckenstrahler auswechseln. Im Flur. Irgendwas stimmt mit dem Anschlusskontakt bei den Phasen nicht. Nein, ich habe die nicht verwechselt. Seit über zwanzig Jahren habe ich sämtliche Lampen im Haushalt selber angeschlossen. Und damit meine ich nicht die Nachttischlampe. Also ich denke, das war jetzt Entschuldigungseintrag genug. Und natürlich spätestens um Mitternacht schlafen! Also jetzt! Als künftige Bundespräsidentin möchte ich unbedingt einen ausgeschlafenen Eindruck vermitteln.
02. März 2012
Tut mir leid, komme nicht hinterher!
Aber Hauptsache: gesund!
Ja, schon. Wie mir das als Kind unverständlich war, wenn die alten Tanten und Onkel in der Verwandtschaft einem selber als Kind aber auch den anderen, den Erwachsenen, zum Geburtstag unaufhörlich langweilige Sachen wie „und viel Gesundheit!“ oder „und das Wichtigste: Gesundheit!“ gewünscht haben. Anstatt: „….und das Wichtigste: eine Reise zum Mond!“ oder „und vor allem: ein Haus am Meer!“ oder „Sechs Richtige im Lotto!“ Na ja. Heute verstehe ich das natürlich besser. Gehe aber nicht mit der Sichtweise mit, Gesundheit sei letztlich ein komplett unwägbares Glücksspiel. Wie Sechs Richtige im Lotto eben. Aber was weiß ich. Die meisten Verwandten haben nicht so furchtbar gesund gelebt, nach heutigen Maßstäben. Und tun es wahrscheinlich immer noch nicht, sofern sie noch nicht unter der Erde sind. Eigentlich wollte ich nur einen Entschuldigungseintrag schreiben, warum ich gerade so wenig schreibe. Ich muss mich einfach zunehmend um die Optimierung meiner Gesundheitswahrscheinlichkeit kümmern. Nein, nein, es geht mir gut. Eben drum. Nun habe ich es doch gestern tatsächlich gewagt, nach längerer Zeit der Disziplin, weit nach Mitternacht zu Bett zu gehen. Also schlafen zu gehen. Es war bestimmt schon 1.17 Uhr nach Mitternacht oder so ähnlich, als ich den Rechner runtergefahren habe. Aber nun muss ich ja neuerdings immer diese ganzen gesundheitsförderlichen Maßnahmen treffen, vor dem Schlafengehen! Das kostet auch wieder Zeit! Zum Beispiel: Zähneputzen! Zum Beispiel: Abschminken! Zum Beispiel: Wimpernpflege! Zum Beispiel: Wärmflasche! Bestimmt insgesamt zehn Minuten zusätzliche Verzögerung. Aber ich ziehe das durch. Und nun war es gestern also NACH Mitternacht und nicht Schlag oder davor. Und schon bekomme ich die Rechnung präsentiert: schwer aus den Federn gekommen. Wie früher, als ich mir die Nächte um die Ohren geschlagen habe, zuzüglich Alkoholgenuss. Man darf sich wirklich keine Ausreißer mehr erlauben, schon geht das hart erarbeitete Wohlbefinden flöten. Ich warne jetzt auch immer junge Menschen vor Alkohol! Ich denke, man hört vielleicht eher auf mich, weil ich doch eher wie jemand wirke, der keine Feier auslässt und kein Kind von Traurigkeit ist. Dann erzähle ich – immer positiv! – dass ich es jetzt wieder so ähnlich wie früher empfinde, wo man Kind war und keine Probleme beim Aufstehen in der Frühe gehabt hat. Na gut, in die Schule bin ich jetzt auch nicht mit Begeisterung und länger hätte ich auch gerne geschlafen, aber so schwerfällig wie nach einer Flasche Rotwein am Abend voher war man doch nie. Wenn man ehrlich ist. Die jungen Menschen hören mir eigentlich immer interessiert zu. Ich warne dann aber auch davor, überhaupt keinen Rotwein mehr zu trinken, wegen der kostbaren einmaligen Antioxidantien. Ein kleines Glas als Frau sollte es schon sein. Aber nicht mehr! Außerdem ist meine Schwierigkeit weiterhin, dass ich mir Veranstaltungen nicht mehr schön trinken kann, nur so mit Kaffee oder Saft. Ein nicht zu unterschätzendes Problem. Man gerät quasi innerlich ins soziale Abseits. Also trinken Sie bitte weiter, aber in Maßen. Und ich kriege diese Sache vielleicht auch noch eines Tages in den Griff.

Morgen wahrscheinlich wieder früh aus dem Bett und ein gesundheitsförderlicher sowie preisgünstiger Spaziergang im angekündigten Sonnenschein in die nähere Umgebung. Ich sage nur: Friedrichswerder! Gerne verbringe ich meine Wochenenden in Friedrichswerder. Tja, da staunen Sie. Wo mag das sein. Auf jeden Fall bietet dieses Friedrichswerder jede Menge Postkartenmotive und Ausflugsmöglichkeiten auch für das kleine Portemonnaie! Und dennoch kann man sich wie eine kleine Königin fühlen. Ich bin ja immer ganz beruhigt, wenn ich höre, dass andere dieselben schwerwiegenden Bildungslücken in Sachen Heimatkunde haben. Die Ecke da, zwischen Berliner Dom, Zeughaus und Gendarmenmarkt, da gleich beim Deutschen Historischen Museum heißt nämlich so. Quasi eine Gemeinde innerhalb meines Wohnbezirks, der da heißt Mitte. Schön, dass ich das auch mal erfahre. Bis jetzt konnte ich noch jeden mit dieser Information überraschen. Und auch ein Kirchlein gibt es dort, zwischen dem ganzen Dom-Gedöns. Die Friedrichswerdersche Kirche, welche ich am letzten Wochenende aufgesucht habe. Verdammt, jetzt weiß ich gar nicht, ob die katholisch oder evangelisch war. Ich tippe auf katholisch. Man kann es auch schwer erkennen, weil ja jetzt das Schinkelmuseum drin ist. Eine neugotische Kirche mit kunterbunten Hippie-Fenstern. Der Fachausdruck ist natürlich anders, aber Sie wissen schon, was ich meine. Und natürlich muss ich dann immer auf den Auslöser bei dem Apparat drücken, den ich immer statt Handtasche über der Schulter hängen habe. Und weil das so viele Bilder ergibt, die man kaum schafft, von der Kamera zu laden und zu sichten und zu drehen und auszumisten, komme ich zu nix. Also nicht zu vernünftigen Blogeinträgen mit ansprechendem Bildmaterial. Wo fängt man an, wo hört man auf? Der Tag ist einfach zu kurz! Und außerdem muss ich morgen einen kaputten Deckenstrahler auswechseln. Im Flur. Irgendwas stimmt mit dem Anschlusskontakt bei den Phasen nicht. Nein, ich habe die nicht verwechselt. Seit über zwanzig Jahren habe ich sämtliche Lampen im Haushalt selber angeschlossen. Und damit meine ich nicht die Nachttischlampe. Also ich denke, das war jetzt Entschuldigungseintrag genug. Und natürlich spätestens um Mitternacht schlafen! Also jetzt! Als künftige Bundespräsidentin möchte ich unbedingt einen ausgeschlafenen Eindruck vermitteln.
28. Februar 2012
Schon spaßig. Am lustigsten finde ich das mit der koketten Frau Streep und Hitler. Obwohl unsere eigene Angie ist auch nicht schlecht. Als Bildmontage.
28. Februar 2012
Schon spaßig. Am lustigsten finde ich das mit der koketten Frau Streep und Hitler. Obwohl unsere eigene Angie ist auch nicht schlecht. Als Bildmontage.
26. Februar 2012
24. Februar 2012

Musste eben lachen. Morgenpost von heute: „(…) zur Wahl stehen Joachim Gauck, der von CDU, FDP, SPD und Grünen unterstützt wird. Als Mögliche Kandidatin der Linkspartei wird Beate Klarsfeld gehandelt.“ Dem Schreiberling ist die satirische Quallität seiner grammatikalischen Fehlkonstruktion womöglich gar nicht präsent.

Leider ist der ganze Artikel nur für Abonnenten zugänglich. Und falls Sie es nicht wussten: „wählbar ist jeder Deutsche, der das Wahlrecht zum Bundestage besitzt und das vierzigste Lebensjahr vollendet hat.“
Ich bin bereit.
23. Februar 2012
Kleine Botschaft. Vorhin in der Küche im Stehen gegessen, beim Kochen eine Kleinigkeit nebenher. Nämlich: einen kleinen Becher Joghurt ohne Zeugs mit selber dazugerührten folgenden Geschmacksverstärkern: einem Hauch Tonkabohnen-Raspeln, einer Messerspitze gemahlene Bourbon-Vanille, einer Kinderhand voll Heidelbeeren aus Chile, 1 Erdbeere aus Takatukaland, einer Spur Zimt aus Tausendundeinernacht, einem Brandenburger Apfel und einem Teelöffelchen feinster Heilerde. Brandenburger Äpfel, Tonkabohnen-Raspel und die letzte Zutat gehören zu meinem täglichen Ernährungsrepertoire. Die anderen Sachen wechseln. Jawohl, die letzte Zutat ist Heilerde. Die darf man sich jetzt aber nicht so Waldboden-mäßig dunkelbraun, fett und feucht vorstellen, sondern mehr wie sandfarbenen Puderzucker und so ist es auch vom Gefühl beim Essen her. In Joghurt oder im Müsli kommt es einem vor, als ob man kleine Zuckerkristalle von Puderzucker isst, ohne dass es aber süß macht. Das Zeug kann innerlich und äußerlich angewendet viele gute Sachen bewirken. Und wenn man gar nicht krank ist, tut es auch gut. Ich will damit sagen, ich brauche keine Krankheit, um mir nützliche Substanzen einzuverleiben. Und da stehe ich so in der Küche und rühre in der Pfanne und esse und schmecke die Heidelbeeren und den Apfel und den Zimt und die Tonkabohnen und die Vanille und die Erdbeere und es schmeckt ganz aufregend, ja euphorisierend, um nicht zu sagen beglückend. Und da denke ich, wieso sind so viele Menschen eigentlich davon überzeugt, dass Medikamente aus der Apotheke, die man durch den Mund einführt und deren Substanzen über die Verdauung aufgeschlossen werden und in die Blutbahn und das Nervensystem gelangen, Depressionen durch heilsam empfundene Wirkung positiv beeinflussen können, was sicher auch stimmt, aber warum halten es dieselben Menschen für so unwahrscheinlich, dass diese Depressionen möglicherweise überhaupt erst durch die Einverleibung von unzuträglichen anderen Substanzen über die Nahrung verursacht werden? Ich halte das für gar nicht unwahrscheinlich. Mir fällt auf, dass ich in euphorische Stimmungslagen komme, wenn ich so ein angenehmes Rotieren im Bauchbereich spüre. Nein, nein, ich meine nicht die Fortpflanzungsorgane. Der Bereich, in dem das Kraftwerk arbeitet, wo die Nahrung durch Zauberwerk in Menschenkraft umgewandelt wird. Wenn sich dieser Bereich gut anfühlt, wenn dort die Energie auf einem hohen Level arbeitet, kriegt man seine Bärenkräfte zu spüren. Das fühlt sich besser an als jeder Alkoholrausch. Schade, wahrscheinlich weiß wieder keiner, wovon ich rede. Ach. Und natürlich viel Schlaf! Ja, es ist wieder spät geworden. Ja, ich werde langsam zur Betschwester und Wanderpredigerin. Da müssen die Leserinnen durch oder halt woanders herumgurken. Gute Nacht!

24. Februar 2012

Musste eben lachen. Morgenpost von heute: „(…) zur Wahl stehen Joachim Gauck, der von CDU, FDP, SPD und Grünen unterstützt wird. Als Mögliche Kandidatin der Linkspartei wird Beate Klarsfeld gehandelt.“ Dem Schreiberling ist die satirische Quallität seiner grammatikalischen Fehlkonstruktion womöglich gar nicht präsent.

Leider ist der ganze Artikel nur für Abonnenten zugänglich. Und falls Sie es nicht wussten: „wählbar ist jeder Deutsche, der das Wahlrecht zum Bundestage besitzt und das vierzigste Lebensjahr vollendet hat.“
Ich bin bereit.
23. Februar 2012
Kleine Botschaft. Vorhin in der Küche im Stehen gegessen, beim Kochen eine Kleinigkeit nebenher. Nämlich: einen kleinen Becher Joghurt ohne Zeugs mit selber dazugerührten folgenden Geschmacksverstärkern: einem Hauch Tonkabohnen-Raspeln, einer Messerspitze gemahlene Bourbon-Vanille, einer Kinderhand voll Heidelbeeren aus Chile, 1 Erdbeere aus Takatukaland, einer Spur Zimt aus Tausendundeinernacht, einem Brandenburger Apfel und einem Teelöffelchen feinster Heilerde. Brandenburger Äpfel, Tonkabohnen-Raspel und die letzte Zutat gehören zu meinem täglichen Ernährungsrepertoire. Die anderen Sachen wechseln. Jawohl, die letzte Zutat ist Heilerde. Die darf man sich jetzt aber nicht so Waldboden-mäßig dunkelbraun, fett und feucht vorstellen, sondern mehr wie sandfarbenen Puderzucker und so ist es auch vom Gefühl beim Essen her. In Joghurt oder im Müsli kommt es einem vor, als ob man kleine Zuckerkristalle von Puderzucker isst, ohne dass es aber süß macht. Das Zeug kann innerlich und äußerlich angewendet viele gute Sachen bewirken. Und wenn man gar nicht krank ist, tut es auch gut. Ich will damit sagen, ich brauche keine Krankheit, um mir nützliche Substanzen einzuverleiben. Und da stehe ich so in der Küche und rühre in der Pfanne und esse und schmecke die Heidelbeeren und den Apfel und den Zimt und die Tonkabohnen und die Vanille und die Erdbeere und es schmeckt ganz aufregend, ja euphorisierend, um nicht zu sagen beglückend. Und da denke ich, wieso sind so viele Menschen eigentlich davon überzeugt, dass Medikamente aus der Apotheke, die man durch den Mund einführt und deren Substanzen über die Verdauung aufgeschlossen werden und in die Blutbahn und das Nervensystem gelangen, Depressionen durch heilsam empfundene Wirkung positiv beeinflussen können, was sicher auch stimmt, aber warum halten es dieselben Menschen für so unwahrscheinlich, dass diese Depressionen möglicherweise überhaupt erst durch die Einverleibung von unzuträglichen anderen Substanzen über die Nahrung verursacht werden? Ich halte das für gar nicht unwahrscheinlich. Mir fällt auf, dass ich in euphorische Stimmungslagen komme, wenn ich so ein angenehmes Rotieren im Bauchbereich spüre. Nein, nein, ich meine nicht die Fortpflanzungsorgane. Der Bereich, in dem das Kraftwerk arbeitet, wo die Nahrung durch Zauberwerk in Menschenkraft umgewandelt wird. Wenn sich dieser Bereich gut anfühlt, wenn dort die Energie auf einem hohen Level arbeitet, kriegt man seine Bärenkräfte zu spüren. Das fühlt sich besser an als jeder Alkoholrausch. Schade, wahrscheinlich weiß wieder keiner, wovon ich rede. Ach. Und natürlich viel Schlaf! Ja, es ist wieder spät geworden. Ja, ich werde langsam zur Betschwester und Wanderpredigerin. Da müssen die Leserinnen durch oder halt woanders herumgurken. Gute Nacht!

20. Februar 2012

Nicht misszuinterpretieren, nicht zu missinterpretieren, nicht missinterpretieren, keine Missinterpretation, keine Missinspiration, keine Missinspirationspause. Gar nicht, es wird nur gerade im Hintergrund verarbeitet. Eindrücke, Bilder. Aus nächster Umgebung. Faszinierend nächster Umgebung. Ja, ja Berlin. Und immer ich. Klar. Eh kloa. Im meine: die Hohenzollerngruft kann jeder fotografieren. So einen alten schwarzen Sarg. Aber mich in der Hohenzollerngruft nur ich. Na ja, usw. usf. Bleiben Sie dran. Beinah beschämt lote ich das Naheliegende aus. Nach so vielen Jahren. heieiei. Muss ins Bett, Schönheitsschlaf! Ist ja nun nicht egal wie ich auf den ganzen später historischen Bildern ausschaue!
15. Februar 2012

Fünfzehnter Februar. Arbeit war heute nur ein Motiv, beim Vorbeigehen in der Sophienstraße. Ich weiß das zu schätzen, wenn das Gekritzel gekonnt platziert wird und der Strich gut ist, eine gewisse Intelligenz in der Impulsivität zum Ausdruck kommt. Findet man gar nicht so selten, wenn man die Augen aufmacht. Ich gehöre nicht zu denen, die aufschreien, wenn der Puppenstubencharakter eines alten Straßenzugs ein bißchen aufgemischt wird, so lange es dem Credo folgt: nichts gegen lange Haare, aber gepflegt müssen sie sein. Die Unbegabteren dürfen an Bauzäunen üben, da bin ich dann doch eigen. In der Neuen Nationalgalerie hängen ja auch keine Volkshochschularbeiten. Ein bißchen Ordnung muss schon sein. Übrigens wieder Temperatur über dem Nullpunkt. Nicht mehr in Watte gepackt vor die Tür, und die Sibirien-Mütze darf auch im Hutkoffer bleiben. Das Schild mit dem Hackeschuh fällt mir seit Jahr und Tag angenehm auf, mach doch mal ein Bild, sage ich mir schon ein Weilchen. Somit geschehen. Aber es war schon ein bißchen schummrig. Die Sophienstraße hat sonst, an helleren Tagen, immer wieder sehr schönes Licht, besonders am frühen Morgen, spät im Jahr, wenn die Sonne tief steht. Im späten Sommer und noch mehr im Herbst.

Die Gipsstraße auch. Die beiden laufen parallel, wobei die Sophienstraße schon die schönere ist. Ich muss mal die Filmkamera drauf halten, wenn die Sonne so tief steht und einfach nur entlang gehen. Weiter nichts. Und WILD ist ein Teppichladen am Eingang der Sophie-Gips-Höfe, an dem ich auch jeden Tag zweimal vorbeikomme und noch nie drin war. Ich brauche auch gerade keinen Teppich. Das Interessante ist, dass der Durchgang gegenüber der Fensterschreiben verspiegelt ist. Wenn man morgens vorbeigeht, oder natürlich auch am Abend oder wann auch immer, kann man sich wie in einem Film von der Seite beim Laufen zuschauen. Von mir aus könnten noch viel mehr verspiegelte Wände an den Mauern sein. Das ist sehr unterhaltsam. Man sieht auch viel mehr als in der Spiegelung der Schaufenster. Das ist doch ein etwas unzulänglicher Eindruck. Mir fällt immer auf, dass ich sehr schnell gehe, wenn ich zur Seite in den Spiegel gucke. Pfeilschnell und zielgerichtet. Aber immer gucke ich nicht. So schlimm ist es dann doch nicht um mich bestellt. Ein später Eintrag. Ich werde das Datum und die Uhrzeit der Veröffentlichung manipulieren und zurückdatieren, auf den fünfzehnten. Vor dem Schlafengehen ist für mich gefühlt immer noch der Tag mit dem Datum vorher, auch wenn es schon nach Mitternacht ist. Das geht doch bestimmt allen so. Noch Zähneputzen und dann Gute Nacht!
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14. Februar 2012

Man kann schon sagen, dass es an eine Kunstform grenzt, die eigene mentale Kraft, den Gefühlspegel ohne psychoaktive Substanzen in Form von legalen oder illegalen Drogen auf einem interessanten, hohen Level zu halten. Alkohol, Zucker, Kokain, Schokolade, Psychopharmaka, Gras, Verliebtheit. Es ist schwer. Aber es lohnt sich, sich unabhängig von diesen Hilfsmitteln zu machen. Der Lohn ist das Geschenk, sich an seiner ureigenen Kraft zu berauschen, ohne Kater. Besonders schwer scheint es, wenn man mit Schicksalsschlägen konfrontiert wird. Das bleibt ja in keinem Leben aus. Abschied durch Tod oder das Ende einer Verbindung. Gerade dann ist man in Gefahr, sich etwas zugänglich zu machen, das die Wucht der Gefühle abfedert. Aber dann verschenkt man einen tiefgehenden Entwicklungsprozess. Wenn man den Verlust der Lebensmotivation abdämpft, verliert sich der Antrieb, nach dem Verbleib der ureigenen, durch die Trümmer des Infernos verschütteten Kraft zu graben. Alkohol und diese leicht zugänglichen Substanzen führen immer und immer zu einem zusätzlichen Kraftverlust, dabei ist man ohnehin schon nicht mit Kraft gesegnet. Das ist fatal. Für wenige Minuten des Gefühls von Auftrieb, kleiner Euphorie bezahlt man mit stundenlangem Lamento des gesamten Organismus. Es gehört eine Art Disziplin der sinnlichen Wahrnehmung dazu, zu lernen sich an der eigenen nüchternen Existenz zu berauschen. Der eigenen Kraft zuliebe. Angelica Domröse, die viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte ihres Lebens mit einem schweren Alkoholproblem kämpfte und es seit geraumer Zeit im Griff hat, sagte in einem Interview, die Zeit ihrer Abhängigkeit resümierend, dass sie ihr Leuchten verloren hatte. Ich denke sie hat recht. Man sollte schon aus Eitelkeit, Liebe zur eigenen Schönheit von all dem Abstand nehmen. Letzten Endes ist das was wir als schön in einer Kreatur wahrnehmen, immer ein besonderes Strahlen, ein Gleißen, das Freude transportiert, sichtbar werden lässt. Man muss seine Freude behüten und pflegen. Das bringt mehr als teure Creme um die Augen schmieren. Und das ist die Kunst und die Schwierigkeit. Ich weiß. Ja, ich weiß.
13. Februar 2012
Todesmutig am Nordpol! Also fast. Ich habe vorgestern meinen ganzen Mut zusammengenommen und mich in die Kälte gewagt. An den Beinen hatte ich sicherheitshalber unter der Überhose eine langbeinige andere Hose aus Nickistoff und an den Füßen dicke Socken, ein paar andere Socken drüber und dann noch so Wadenwärmer, wie lange Kniestrümpfe ohne Füße dran. Heißen die auch Leggings? Oder „Leg Warmer“? Wie heißen die Dinger auf Deutsch? An den Füßen des weiteren Stiefel mit extra Sohle drin und oben rum auch so mehrere Schichten schwarze langärmlige Baumwollhemden, davon eins mit Rollkragen, dann eine schwarze Nickijacke mit Kapuze dran und drüber meine dicke alte Rockerjacke, obwohl ich nie Rocker war, Rockerin auch nicht, aber ich rocke natürlich trotzdem. Und die Mütze, die ich letztes Jahr bei H&M im Sonderangebot gekauft habe. Das Teddyfell ist aus Baumwolle und noch was. Und natürlich einen extra Schal aus so flauschigem Teddyzeugs (schwarz, surprise surprise) und dicke, mit Flanell gefütterte Lederhandschuhe aus dem Hause Roeckl, welche ich sehr empfehlen kann. Weil ich aber natürlich dringend Beweisfotos meiner Nordpolexpedition vor der Haustür machen musste, habe ich die Handschuhe ungefähr drei Minuten ausgezogen, was ich nicht empfehlen kann. Aber die Fotos mussten einfach gemacht werden, es half ja alles nichts! Zum Glück bin ich schnell und konnte genug Material fabrizieren, bevor mir die Fingerkuppen weiß verfärbt abgefallen sind. Aber dann musste ich ja blöderweise noch zu Rossmann, das war ja ein zentraler Anlass der Expedition. Müll runterbringen und zwei Sachen bei Rossmann holen, die Aldi nicht hat. Ich also zackig mit wieder Handschuhen an Richtung Rossmann, durch die Sophien- und Rosenhöfe, schnell rüber. Da hätte man natürlich auch jede Menge fotografieren können, aber dann könnte ich mit Sicherheit keinen Blogeintrag mehr tippen, weil ich dann ja leider keine Fingerkuppen mehr hätte, bzw. die Stummel erst abheilen müssten und dann die Finger-Prothesen und der ganze Zirkus. Nein Danke!

Ohne mich. Meine Verpflichtung in Sachen Reportagetätigkeit hat Grenzen. Bei Rossmann dann erst mal ausgiebig aufgewärmt.

Zum Glück war gut geheizt! Ich habe dann etwas länger vor dem Regal mit den Kerzen herumgetrödelt als unbedingt notwendig, zwecks Aufwärmung. Hat geklappt, man hat mich nicht angesprochen. Dann zügig zurück in die warme Hütte! War jedenfalls mal interessant, draußen zu sein, man kann dann noch besser nachfühlen, wie es den anderen Menschen da draußen so gehen mag. Und natürlich auch super: ich kann endlich mitreden!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
02. Februar 2012

Kein Wunder, dass die „Erinnerungen“ von Albert Speer seinerzeit ein Bestseller waren. Ich bin noch ziemlich am Anfang und fühle mich bestens „unterhalten“, würde ich ohne Gänsefüßchen schreiben, wenn ich wüsste, dass den Beitrag nur Menschen lesen, die diese Lektüre ihrerseits kennen. Wie gesagt, ich bin noch am Anfang. Gerade wird die „Neue Reichskanzlei“ auf dem Reißbrett geplant und die alte Reichskanzlei (übrigens hat der alte Bismarck und nicht etwa Hitler sich diese Bezeichnung ausgedacht) umgebaut, renoviert, neu eingerichtet. Albert Speer verbringt demzufolge recht viel Zeit mit Hitler, da dieser an jedem Detail des Umbaus sehr interessiert ist. Architektonische Angelegenheiten sind quasi sein Steckenpferd. Und am Abend wird in Hitlers vorübergehender Bleibe, auch irgendwo in Mitte, gemeinsam zu Abend gegessen und privaten Filmvorführungen beigewohnt. Bei Tisch kann man dann den privaten „Führer“ mit seinen zum Teil ulkig anmutenden Äußerungen aus nächster Nähe erleben. Das hat mich heute schon zum Lachen gebracht. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass man immer diesen überdrehten abgehackten Duktus seiner Reden dabei im Ohr hat, obwohl er privat ganz ruhig und melodiös sprechen konnte. Damit hat er sie um den Finger gewickelt, seine Adepten. Ich habe mir passend zum Thema einen Architekturführer über die Bautätigkeiten in der Nazi-Ära in Berlin bestellt. Vieles von der großen Welthauptstadt „Germania“ war ja nur geplant, vieles wurde durch den Krieg zerstört und die Reste planvoll beseitigt, um keine Pilgerstätten zu provozieren. Moment, ich muss mal das Buch holen und ein Stelle abschreiben, wo ich lachen musste. Charlie Chaplin hätte diese kruden Sätze von Hitler wohl kaum schöner erfinden können.
„Manchmal sprach er von seinen Reisen: »Schreck war der beste Fahrer, den ich mir vorstellen kann und unser Kompressor machte 170. Wir fuhren immer sehr schnell. Aber in den letzten Jahren habe ich Schreck befohlen, nicht mehr über 80 zu fahren. Nicht auszudenken, wenn mir etwas passiert wäre! Ein besonderer Spaß war das Hetzen großer Amerikaner. Immer hinterher, bis die der Ehrgeiz packte. Diese Amerikaner sind ja Dreck verglichen mit einem Mercedes. Ihr Motor hielt das nicht aus, lief nach einiger Zeit sauer und sie mußten mit langem Gesicht am Straßenrand anhalten. Geschah ihnen recht!«“
A. Speer, Erinnerungen, S. 48
[ Diesen Eintrag habe ich bereits vorgestern, am zweiten Februar, verfasst und wurde dann leider kurz nach Fertigstellung am Veröffentlichen gehindert. Zeitweise hatte ich schon den Gedanken, ob Blogeinträge in denen die Buchstabenfolge Hitler vorkommt, womöglich automatisch gesperrt werden. Aber nachdem beim Testen auch einem aus Pünktchen bestehenden Eintrag kein Erfolg beschieden war und ich sehen konnte, dass auch andere twoday-Blogs seit dem selben Zeitpunkt keine neuen Einträge und Kommentare mehr hatten, habe ich diese Erklärung wieder fallen lassen. Nun scheint ja wieder alles zu funktionieren. Wie sehr man an seinem kleinen Blog und der Veröffentlichungsfunktion hängt… ]
13. Februar 2012
Todesmutig am Nordpol! Also fast. Ich habe vorgestern meinen ganzen Mut zusammengenommen und mich in die Kälte gewagt. An den Beinen hatte ich sicherheitshalber unter der Überhose eine langbeinige andere Hose aus Nickistoff und an den Füßen dicke Socken, ein paar andere Socken drüber und dann noch so Wadenwärmer, wie lange Kniestrümpfe ohne Füße dran. Heißen die auch Leggings? Oder „Leg Warmer“? Wie heißen die Dinger auf Deutsch? An den Füßen des weiteren Stiefel mit extra Sohle drin und oben rum auch so mehrere Schichten schwarze langärmlige Baumwollhemden, davon eins mit Rollkragen, dann eine schwarze Nickijacke mit Kapuze dran und drüber meine dicke alte Rockerjacke, obwohl ich nie Rocker war, Rockerin auch nicht, aber ich rocke natürlich trotzdem. Und die Mütze, die ich letztes Jahr bei H&M im Sonderangebot gekauft habe. Das Teddyfell ist aus Baumwolle und noch was. Und natürlich einen extra Schal aus so flauschigem Teddyzeugs (schwarz, surprise surprise) und dicke, mit Flanell gefütterte Lederhandschuhe aus dem Hause Roeckl, welche ich sehr empfehlen kann. Weil ich aber natürlich dringend Beweisfotos meiner Nordpolexpedition vor der Haustür machen musste, habe ich die Handschuhe ungefähr drei Minuten ausgezogen, was ich nicht empfehlen kann. Aber die Fotos mussten einfach gemacht werden, es half ja alles nichts! Zum Glück bin ich schnell und konnte genug Material fabrizieren, bevor mir die Fingerkuppen weiß verfärbt abgefallen sind. Aber dann musste ich ja blöderweise noch zu Rossmann, das war ja ein zentraler Anlass der Expedition. Müll runterbringen und zwei Sachen bei Rossmann holen, die Aldi nicht hat. Ich also zackig mit wieder Handschuhen an Richtung Rossmann, durch die Sophien- und Rosenhöfe, schnell rüber. Da hätte man natürlich auch jede Menge fotografieren können, aber dann könnte ich mit Sicherheit keinen Blogeintrag mehr tippen, weil ich dann ja leider keine Fingerkuppen mehr hätte, bzw. die Stummel erst abheilen müssten und dann die Finger-Prothesen und der ganze Zirkus. Nein Danke!

Ohne mich. Meine Verpflichtung in Sachen Reportagetätigkeit hat Grenzen. Bei Rossmann dann erst mal ausgiebig aufgewärmt.

Zum Glück war gut geheizt! Ich habe dann etwas länger vor dem Regal mit den Kerzen herumgetrödelt als unbedingt notwendig, zwecks Aufwärmung. Hat geklappt, man hat mich nicht angesprochen. Dann zügig zurück in die warme Hütte! War jedenfalls mal interessant, draußen zu sein, man kann dann noch besser nachfühlen, wie es den anderen Menschen da draußen so gehen mag. Und natürlich auch super: ich kann endlich mitreden!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
08. Februar 2012

Demütig werden wir alle Abbitte leisten, wenn sich das Thermometer im März zu sieben oder gar siebzehn Grad aufschwingt! Schon eine super Dramaturgie hier, im guten neuen Jahr. Erst ewiger Herbst, für mich sehr in Ordnung, dann arschkalt und die langsame Erwärmung wird wie das Happy End von dem Titanic Film mit Pausbacke – wie heißt er noch – egal. (Oder war da gar kein Happy End?) Er soll ja ein guter Schauspieler sein. Den Titanic-Film fand ich seinerzeit ganz schlimm. Also nicht schlimm „schlimm“, sondern schlimm kitschig. Wenn ich mich nicht irre, habe ich sogar extra zwei Packungen Tempo (Entschuldigung, ich bin im kapitalistischen, markenversauten Westen sozialisiert) Papier-Taschentücher eingesteckt. Und wenn ich mich weiterhin nicht irre, habe ich kein einziges davon gebraucht. Es war auch recht anstrengend, die für mich unattraktive Paarung Dingsbums-Winslet bis zum Ende durchzuhalten. Gar nicht zu reden von dem anderen Quark mit Schiffsbug und Wallawalla vor pink-orangem Himmel und Untergangsgefiedel der Bordkapelle. Aber eine einzige Szene war drin, die mich rührte, also so ansatzweise. Fatalerweise ganz am Anfang. Als sich die alte Dame an ihre Liebe erinnerte und diese Sache mit dieser Kette mit dem Stein. Da waren drei Sekunden, die mir ans Herz gingen. Schade, dass die alte Dame nicht die Hauptdarstellerin der dann folgenden gefühlten drei Stunden Film war. Eine Pause war glaub ich auch. Ach nein, keine Pause, ich habe eine Pause gemacht, weil ich aufs Klo musste, und die Freundin versicherte mir bei der Rückkehr, dass ich nichts verpasst hätte. Obwohl sie den Film nicht so langweilig gefunden hat wie ich. Wie komme ich denn jetzt bloß auf Titanic? Ach so, wegen der Metapher. Ist ja nun ewig her, dass die Schmonzette gelaufen ist. Nur noch mal für’s Protokoll: genau die Sorte Film, bei der mich so rein gar nichts fesselt. Kitschiger Kostümkrempel, süßliches Klischee-Geturtel und plüschiges Ambiente. Nein Danke! Tatsächlich bin ich zu romantisch für solche platten, halbherzigen Darbietungen. Ja, wirklich. Hier steht nicht zu cool, sondern zu romantisch. Ich habe mich nicht vertippt. Die Illusion der Wahrhaftigkeit ist freilich ein seltenes Gut im weltweiten Filmschaffen. Ein gutes Gegenbeispiel ist die Szene in „Die Brücken am Fluss“, wo Meryl Streep nach dem Abschied in ihrem Auto sitzt und Clint Eastwood noch einmal vorbeifahren sieht. Der letzte Blick. Aber diesen Film mochte ich viel lieber in der deutschen Synchronfassung, weil Meryl Streep in der amerikanischen Originalfassung einen übertriebenen italienischen Akzent kultiviert, der mich ungemein stört und die Qualität des bis dahin nur auf deutsch gesehenen Films kippen lässt. Keine Empfehlung. Nicht „The Bridges of Madison County“ anschauen. Nur die deutsche Synchronfassung ohne albernen affektierten Italo-Akzent. Ach, so ein schöner Film. Jetzt ist mir der rechte Fuß eingeschlafen und ich muss mich mal anders hinsetzen. Und auch noch ein bißchen was essen, vor dem Zubettgehen. Und trinken (!).
11. Februar 2012
08. Februar 2012

Demütig werden wir alle Abbitte leisten, wenn sich das Thermometer im März zu sieben oder gar siebzehn Grad aufschwingt! Schon eine super Dramaturgie hier, im guten neuen Jahr. Erst ewiger Herbst, für mich sehr in Ordnung, dann arschkalt und die langsame Erwärmung wird wie das Happy End von dem Titanic Film mit Pausbacke – wie heißt er noch – egal. (Oder war da gar kein Happy End?) Er soll ja ein guter Schauspieler sein. Den Titanic-Film fand ich seinerzeit ganz schlimm. Also nicht schlimm „schlimm“, sondern schlimm kitschig. Wenn ich mich nicht irre, habe ich sogar extra zwei Packungen Tempo (Entschuldigung, ich bin im kapitalistischen, markenversauten Westen sozialisiert) Papier-Taschentücher eingesteckt. Und wenn ich mich weiterhin nicht irre, habe ich kein einziges davon gebraucht. Es war auch recht anstrengend, die für mich unattraktive Paarung Dingsbums-Winslet bis zum Ende durchzuhalten. Gar nicht zu reden von dem anderen Quark mit Schiffsbug und Wallawalla vor pink-orangem Himmel und Untergangsgefiedel der Bordkapelle. Aber eine einzige Szene war drin, die mich rührte, also so ansatzweise. Fatalerweise ganz am Anfang. Als sich die alte Dame an ihre Liebe erinnerte und diese Sache mit dieser Kette mit dem Stein. Da waren drei Sekunden, die mir ans Herz gingen. Schade, dass die alte Dame nicht die Hauptdarstellerin der dann folgenden gefühlten drei Stunden Film war. Eine Pause war glaub ich auch. Ach nein, keine Pause, ich habe eine Pause gemacht, weil ich aufs Klo musste, und die Freundin versicherte mir bei der Rückkehr, dass ich nichts verpasst hätte. Obwohl sie den Film nicht so langweilig gefunden hat wie ich. Wie komme ich denn jetzt bloß auf Titanic? Ach so, wegen der Metapher. Ist ja nun ewig her, dass die Schmonzette gelaufen ist. Nur noch mal für’s Protokoll: genau die Sorte Film, bei der mich so rein gar nichts fesselt. Kitschiger Kostümkrempel, süßliches Klischee-Geturtel und plüschiges Ambiente. Nein Danke! Tatsächlich bin ich zu romantisch für solche platten, halbherzigen Darbietungen. Ja, wirklich. Hier steht nicht zu cool, sondern zu romantisch. Ich habe mich nicht vertippt. Die Illusion der Wahrhaftigkeit ist freilich ein seltenes Gut im weltweiten Filmschaffen. Ein gutes Gegenbeispiel ist die Szene in „Die Brücken am Fluss“, wo Meryl Streep nach dem Abschied in ihrem Auto sitzt und Clint Eastwood noch einmal vorbeifahren sieht. Der letzte Blick. Aber diesen Film mochte ich viel lieber in der deutschen Synchronfassung, weil Meryl Streep in der amerikanischen Originalfassung einen übertriebenen italienischen Akzent kultiviert, der mich ungemein stört und die Qualität des bis dahin nur auf deutsch gesehenen Films kippen lässt. Keine Empfehlung. Nicht „The Bridges of Madison County“ anschauen. Nur die deutsche Synchronfassung ohne albernen affektierten Italo-Akzent. Ach, so ein schöner Film. Jetzt ist mir der rechte Fuß eingeschlafen und ich muss mich mal anders hinsetzen. Und auch noch ein bißchen was essen, vor dem Zubettgehen. Und trinken (!).
05. Februar 2012
Am besten ich fange jetzt schon mal mit dem Blogeintrag an, damit es nicht wieder bis in die Puppen wird. Gestern war es viel zu spät, vom gesundheitlichen Standpunkt betrachtet. Weit nach Mitternacht habe ich das Bett aufgesucht, ganz gegen meine neuen Gewohnheiten. Schlamperei! Wenn man der Welt wirklich etwas mitzuteilen hat, kann das ja wohl nicht von der Nachtstunde abhängig sein. Ach stimmt, ich habe mit den Bildern von gestern so herumgetrödelt. Heute gibt es keine neuen Bilder, nur ein altes von gestern, deswegen bin ich jetzt auch gleich ganz fertig mit dem Blogeintrag! Ich versuche meinen Lebensrhythmus neuerdings mehr den hiesigen geographischen Lichtverhältnissen anzupassen.

Eine Weile war ich davon überzeugt, dass Mitteleuropa einfach der falsche Standort für einen adäquaten Tag-Nacht-Rhythmus für mich ist, nachdem ich bei einer Reise vor ein paar Jahren sehr überrascht bemerkt hatte, dass ich in der Zeitzone, die in Amerika herrscht, auf einmal Frühaufsteherin bin und bei Sonnenuntergang rechtschaffen müde. Deswegen hatte ich wahrscheinlich auch keinen „jet lag“. Da wird ja immer viel Getue drum gemacht. Aber ich kann mich vielleicht doch umerziehen. Eine neue Erkenntnis! Man muss das nur mal über einen längeren Zeitraum ausprobieren. Also mit dem früh schlafen gehen. Auf einmal kriegt man Lust zum Sonnenaufgang aus den Federn zu springen. Hätte ich nie für möglich gehalten. Toll! Tageslicht ist schon eine besonders exklusive Sache, auch für die mentale Verfassung. Das Leben kommt einem irgendwie länger vor. Ich meine die Tage. Ergiebiger. Wenn die Stunde kommt, wo man Licht anknipsen muss, ist ja gefühlt der Tag vorbei und der Abend angebrochen, und wenn man also taktisch geschickt, schon die ersten taghellen Stunden ausgeschlafen erlebt, ist der Tag gefühlt länger als anders rum! Total clever. Andere Haushaltstipps habe ich für heute leider nicht!
04. Februar 2012

Dass ich da nicht früher drauf gekommen bin. Ich muss ja nur zum Fenster gehen und den guten alten Fernsehturm ein bißchen näher holen. So kann ich mir in Ruhe die Details anschauen. Ich sehe ihn aus meinem Schlafzimmer und dem anderen Zimmer nach Süden. Rechts daneben kommt die Kuppel vom Berliner Dom und noch weiter rechts die von der Synagoge. Und dazwischen noch der Turm von der Sophienkirche, hier in Metropolis. Ich muss endlich mal das Kinoprogramm besser verfolgen, damit ich sehe, wann die vor zwei Jahren neu geschnittene Fassung von Metropolis im Kino gezeigt wird. Die Fassung, die der Premierenfassung entspricht, die so viele Jahrzehnte unauffindbar war und mit Hilfe einer alten, schlechten Kopie aus Argentinien wieder hergestellt wurde. Die sehr abenteuerliche Geschichte der aufwändigen Rekonstruktion mit der jahrzehntelangen Spurensuche nach der Originalfassung kann man in der Dokumentation „Die Reise nach Metropolis“ verfolgen.
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02. Februar 2012
Kein Wunder, dass die „Erinnerungen“ von Albert Speer seinerzeit ein Bestseller waren. Ich bin noch ziemlich am Anfang und fühle mich bestens „unterhalten“, würde ich ohne Gänsefüßchen schreiben, wenn ich wüsste, dass den Beitrag nur Menschen lesen, die diese Lektüre ihrerseits kennen. Wie gesagt, ich bin noch am Anfang. Gerade wird die „Neue Reichskanzlei“ auf dem Reißbrett geplant und die alte Reichskanzlei (übrigens hat der alte Bismarck und nicht etwa Hitler sich diese Bezeichnung ausgedacht) umgebaut, renoviert, neu eingerichtet. Albert Speer verbringt demzufolge recht viel Zeit mit Hitler, da dieser an jedem Detail des Umbaus sehr interessiert ist. Architektonische Angelegenheiten sind quasi sein Steckenpferd. Und am Abend wird in Hitlers vorübergehender Bleibe, auch irgendwo in Mitte, gemeinsam zu Abend gegessen und privaten Filmvorführungen beigewohnt. Bei Tisch kann man dann den privaten „Führer“ mit seinen zum Teil ulkig anmutenden Äußerungen aus nächster Nähe erleben. Das hat mich heute schon zum Lachen gebracht. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass man immer diesen überdrehten abgehackten Duktus seiner Reden dabei im Ohr hat, obwohl er privat ganz ruhig und melodiös sprechen konnte. Damit hat er sie um den Finger gewickelt, seine Adepten. Ich habe mir passend zum Thema einen Architekturführer über die Bautätigkeiten in der Nazi-Ära in Berlin bestellt. Vieles von der großen Welthauptstadt „Germania“ war ja nur geplant, vieles wurde durch den Krieg zerstört und die Reste planvoll beseitigt, um keine Pilgerstätten zu provozieren. Moment, ich muss mal das Buch holen und ein Stelle abschreiben, wo ich lachen musste. Charlie Chaplin hätte diese kruden Sätze von Hitler wohl kaum schöner erfinden können.
„Manchmal sprach er von seinen Reisen: »Schreck war der beste Fahrer, den ich mir vorstellen kann und unser Kompressor machte 170. Wir fuhren immer sehr schnell. Aber in den letzten Jahren habe ich Schreck befohlen, nicht mehr über 80 zu fahren. Nicht auszudenken, wenn mir etwas passiert wäre! Ein besonderer Spaß war das Hetzen großer Amerikaner. Immer hinterher, bis die der Ehrgeiz packte. Diese Amerikaner sind ja Dreck verglichen mit einem Mercedes. Ihr Motor hielt das nicht aus, lief nach einiger Zeit sauer und sie mußten mit langem Gesicht am Straßenrand anhalten. Geschah ihnen recht!«“
A. Speer, Erinnerungen, S. 48
[ Diesen Eintrag habe ich bereits vorgestern, am zweiten Februar, verfasst und wurde dann leider kurz nach Fertigstellung am Veröffentlichen gehindert. Zeitweise hatte ich schon den Gedanken, ob Blogeinträge in denen die Buchstabenfolge Hitler vorkommt, womöglich automatisch gesperrt werden. Aber nachdem beim Testen auch einem aus Pünktchen bestehenden Eintrag kein Erfolg beschieden war und ich sehen konnte, dass auch andere twoday-Blogs seit dem selben Zeitpunkt keine neuen Einträge und Kommentare mehr hatten, habe ich diese Erklärung wieder fallen lassen. Nun scheint ja wieder alles zu funktionieren. Wie sehr man an seinem kleinen Blog und der Veröffentlichungsfunktion hängt… ]
01. Februar 2012

So ungefähr, Februar in Berlin. Kalt wie eben überall im Land. Aber ganz trocken und oft Sonne, die aber temperaturmäßig nichts Erwähnenswertes ausrichtet. Kapuzenanoraks, Mützen, Schals vor dem Mund, Kälteschutzbrille. Die Menschen laufen noch schneller als sonst von da nach da, wo sie halt hinmüssen. Ich auch. Zack zack. Alles schnell, Schnell zurück ins Warme. Auch bald wieder vorbei! Hauptsache dicke Strümpfe und Socken, viele Schichten. Es gibt heutzutage sogar flauschig weiche, dickere Strumpfhosen, auch wenn sich das viele traumatisierte Menschen meiner Generation nur schwer vorstellen können. Von Falke und Ergee, so Baumwoll-Elastan-Gemisch. Bestimmt auch noch von anderen tollen Marken. Muss man mal ausprobieren. Ich kann halt immer nur über die Marken reden, die ich kenne und die guten Sachen soll man beim Namen nennen! Bin ich froh, dass ich nicht für eine Zeitung oder ein öffentliches Organ schreibe, wo man nie das Kind beim Namen nennen darf. Ich schreibe ja sowieso fast nur die Namen von Sachen, die ich gerne mag. Die anderen müssen sich halt noch mehr anstrengen, mit ihrer Spitzen-Qualitäts-Produktion!
01. Februar 2012

So ungefähr, Februar in Berlin. Kalt wie eben überall im Land. Aber ganz trocken und oft Sonne, die aber temperaturmäßig nichts Erwähnenswertes ausrichtet. Kapuzenanoraks, Mützen, Schals vor dem Mund, Kälteschutzbrille. Die Menschen laufen noch schneller als sonst von da nach da, wo sie halt hinmüssen. Ich auch. Zack zack. Alles schnell, Schnell zurück ins Warme. Auch bald wieder vorbei! Hauptsache dicke Strümpfe und Socken, viele Schichten. Es gibt heutzutage sogar flauschig weiche, dickere Strumpfhosen, auch wenn sich das viele traumatisierte Menschen meiner Generation nur schwer vorstellen können. Von Falke und Ergee, so Baumwoll-Elastan-Gemisch. Bestimmt auch noch von anderen tollen Marken. Muss man mal ausprobieren. Ich kann halt immer nur über die Marken reden, die ich kenne und die guten Sachen soll man beim Namen nennen! Bin ich froh, dass ich nicht für eine Zeitung oder ein öffentliches Organ schreibe, wo man nie das Kind beim Namen nennen darf. Ich schreibe ja sowieso fast nur die Namen von Sachen, die ich gerne mag. Die anderen müssen sich halt noch mehr anstrengen, mit ihrer Spitzen-Qualitäts-Produktion!
30. Januar 2012
Ich will es einmal so formulieren, also irgendwie positiv. Eine große Freude kann man mir immer damit machen, wenn man mir nichts Selbstgestricktes schenkt. Zum Glück besteht keinerlei akute Gefahr. Zu den Dingen, über die ich mich nicht wirklich freuen kann, gehört der Anblick von Selbstgestricktem. Weder Socken (wobei die noch das kleinste Übel sind, aber auch nichts, wofür ich aus freien Stücken Verwendung hätte), noch Schals, noch Pullover und ganz bestimmt niemals Strickjacken. Neben den kratzigen Strickstrumpfhosen meiner Kindheit, die härteste Herausforderung. Aber man soll nicht denken, das sei ja nun alles lange her, irgendwann Ende der Sechziger Jahre, Anfang der Siebziger. Damals mussten sogar arme kleine Jungs gestrickte Höschen und Hosen anziehen. Von Mutti oder Oma gestrickt. Man konnte sich ja nicht wehren. Zum Glück blieb mir eine Strickhose erspart. Aber was macht man, wenn man über ein oder sogar mehrere Blogs stolpert, in denen Abbildungen von Selbstgestricktem in allerlei Farbkombinationen, die ich persönlich nie für möglich gehalten hätte, zur Ansicht dargeboten werden. Also nicht 1969, sondern 2012. Es gibt sogar Frauen, die nicht nur freiwillig „melierte“ Wolle zu unförmigen Strickjacken mit aufdringlichen Knopfleisten verarbeiten, sondern diese Wolle auch noch selbst färben. Mit Pflanzenfasern. Da kommen dann so schöne grün-kackbraun-dunkelrot-grau-Nuancen dabei raus. Ganz apart. Fortgeschrittene spinnen die Wolle nicht nur selber, sondern schnitzen sich auch die Spindel selbst. Ein die langen, langen dunklen Wintertage ausfüllendes Hobby. Ganz oft haben die strickenden Frauen Familie, Kleinkinder (die nonstop mit neuer Ware versorgt werden müssen, sie wachsen ja so schnell raus, die lieben Kleinen) und auch Männer, von denen aber nur so am Rande die Rede ist. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendein Mann auf diesem Planeten Frauen in Strickjacken mit Holzknöpfen attraktiv findet. Was ist da los? Fressen diese nebenher laufenden Familienväter ihre ästhetische Frustration in sich hinein? Oder setzt irgendwann ein Stadium der totalen visuellen Abstumpfung ein? Hauptsache Mutti kocht und backt immer schön und nachts unter der Bettdecke ist sie ja zum Glück nackig? Okay. Ich war mal wieder zu Besuch auf einem meiner „Studien„-Blogs. Sie wissen schon. Manchmal muss es einfach raus. Ja, das Blog mit den Astlochmöbeln.
30. Januar 2012
Ich will es einmal so formulieren, also irgendwie positiv. Eine große Freude kann man mir immer damit machen, wenn man mir nichts Selbstgestricktes schenkt. Zum Glück besteht keinerlei akute Gefahr. Zu den Dingen, über die ich mich nicht wirklich freuen kann, gehört der Anblick von Selbstgestricktem. Weder Socken (wobei die noch das kleinste Übel sind, aber auch nichts, wofür ich aus freien Stücken Verwendung hätte), noch Schals, noch Pullover und ganz bestimmt niemals Strickjacken. Neben den kratzigen Strickstrumpfhosen meiner Kindheit, die härteste Herausforderung. Aber man soll nicht denken, das sei ja nun alles lange her, irgendwann Ende der Sechziger Jahre, Anfang der Siebziger. Damals mussten sogar arme kleine Jungs gestrickte Höschen und Hosen anziehen. Von Mutti oder Oma gestrickt. Man konnte sich ja nicht wehren. Zum Glück blieb mir eine Strickhose erspart. Aber was macht man, wenn man über ein oder sogar mehrere Blogs stolpert, in denen Abbildungen von Selbstgestricktem in allerlei Farbkombinationen, die ich persönlich nie für möglich gehalten hätte, zur Ansicht dargeboten werden. Also nicht 1969, sondern 2012. Es gibt sogar Frauen, die nicht nur freiwillig „melierte“ Wolle zu unförmigen Strickjacken mit aufdringlichen Knopfleisten verarbeiten, sondern diese Wolle auch noch selbst färben. Mit Pflanzenfasern. Da kommen dann so schöne grün-kackbraun-dunkelrot-grau-Nuancen dabei raus. Ganz apart. Fortgeschrittene spinnen die Wolle nicht nur selber, sondern schnitzen sich auch die Spindel selbst. Ein die langen, langen dunklen Wintertage ausfüllendes Hobby. Ganz oft haben die strickenden Frauen Familie, Kleinkinder (die nonstop mit neuer Ware versorgt werden müssen, sie wachsen ja so schnell raus, die lieben Kleinen) und auch Männer, von denen aber nur so am Rande die Rede ist. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendein Mann auf diesem Planeten Frauen in Strickjacken mit Holzknöpfen attraktiv findet. Was ist da los? Fressen diese nebenher laufenden Familienväter ihre ästhetische Frustration in sich hinein? Oder setzt irgendwann ein Stadium der totalen visuellen Abstumpfung ein? Hauptsache Mutti kocht und backt immer schön und nachts unter der Bettdecke ist sie ja zum Glück nackig? Okay. Ich war mal wieder zu Besuch auf einem meiner „Studien„-Blogs. Sie wissen schon. Manchmal muss es einfach raus. Ja, das Blog mit den Astlochmöbeln.
29. Januar 2012

Da hat wer ein Strichmännchen in den Schnee auf dem einen Auto da unten gemacht. Sieht super aus. Ich bin aber zu faul zum Fotografieren. Wahrscheinlich, weil ich schon seit ungefähr sechs Uhr auf bin. Einfach so! Bin aufgewacht und habe dies und das gemacht. Und die größte Aktion war, bis gerade eben, Wachsflecken aus dem Teppich machen, die da schon ein Weilchen sind. Gestern habe ich wieder eine Kerze umgeschmissen, beim Drübersteigen und Hinsetzen mit dem Ellbogen umgekippt. Jetzt hat es sich richtig gelohnt. Ganz schön umständlich, so viel Wachs aus dem Teppich zu kriegen. Zuerst habe ich das trockene Wachs mit einem Salatlöffel aus Edelstahl so weit wie möglich abgekratzt. Dann die Krümel weggesaugt. Und dann mit dem Bügeleisen und Zeitungs- und Einwickelpapier drübergebügelt. Muss man ein paar mal machen. Dann Ergebnis prüfen! Noch mal mit dem Salatlöffel gegen den Strich kratzen, es darf keinen weißen Schatten vom Wachs mehr geben. War aber! Also nochmal mit dem Bügeleisen drüber. Nun ist es vollbracht. Die Sonne scheint und es liegt ein bißchen erster Schnee. Was mich aber, wie ich mich kenne, nicht dazu bewegen wird, mein kuscheliges Nest zu verlassen. Auf diese Art und Weise gelingt es mir seit mittlerweile – toi! toi! toi! – drei Jahren erkältungsfrei zu überleben! Ich sehe da einen Zusammenhang. Und niemals kalt duschen! Und immer dicker Schal und Handschuhe! Und warme Füße. Habe ich, glaube ich schon letztes Jahr gepredigt, wo es wirklich ein saukalter, eisiger Winter war. Nun kriegen wir halt auch so ein paar Tage Demoversion Winter. Ist schon okay. Meinethalben Februar in der Wintervariante und dann März. Super!

Ulkiges Foto mit Hasenzähnen! An was ich da wohl wieder gedacht habe. Wahrscheinlich, dass ich beim Fotografieren öfter mal die Zähne zeigen sollte, so lange ich noch welche, also echte, habe!
29. Januar 2012
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

Als ich vorhin noch mal aus dem Fenster geguckt habe, hat jemand noch ein zweites Strichmännchen unter das andere gemalt und kommentiert. Wie im Blog! Cool. Dann habe ich doch den Fotoapparat aus dem Schlafzimmer geholt und das inzwischen wieder verschwundene Werk für die Ewigkeit festgehalten. Und die Schaufel Schnee auf den Dachziegeln und dem Balkon. Demoversion Winter halt, völlig okay. Ich habe sogar kurz die Balkontür aufgemacht, um den Grashalm und den Schnee ein bißchen näher abzulichten. Dann aber gleich wieder zu und fix zurück ins Warme! Ich war bestimmt zwanzig Sekunden an der kalten Luft! Hoffentlich gibt das keine Lungenentzündung! Schnell noch einen Apfel extra gegessen, als zusätzlichen Abwehrschutz!
29. Januar 2012

Da hat wer ein Strichmännchen in den Schnee auf dem einen Auto da unten gemacht. Sieht super aus. Ich bin aber zu faul zum Fotografieren. Wahrscheinlich, weil ich schon seit ungefähr sechs Uhr auf bin. Einfach so! Bin aufgewacht und habe dies und das gemacht. Und die größte Aktion war, bis gerade eben, Wachsflecken aus dem Teppich machen, die da schon ein Weilchen sind. Gestern habe ich wieder eine Kerze umgeschmissen, beim Drübersteigen und Hinsetzen mit dem Ellbogen umgekippt. Jetzt hat es sich richtig gelohnt. Ganz schön umständlich, so viel Wachs aus dem Teppich zu kriegen. Zuerst habe ich das trockene Wachs mit einem Salatlöffel aus Edelstahl so weit wie möglich abgekratzt. Dann die Krümel weggesaugt. Und dann mit dem Bügeleisen und Zeitungs- und Einwickelpapier drübergebügelt. Muss man ein paar mal machen. Dann Ergebnis prüfen! Noch mal mit dem Salatlöffel gegen den Strich kratzen, es darf keinen weißen Schatten vom Wachs mehr geben. War aber! Also nochmal mit dem Bügeleisen drüber. Nun ist es vollbracht. Die Sonne scheint und es liegt ein bißchen erster Schnee. Was mich aber, wie ich mich kenne, nicht dazu bewegen wird, mein kuscheliges Nest zu verlassen. Auf diese Art und Weise gelingt es mir seit mittlerweile – toi! toi! toi! – drei Jahren erkältungsfrei zu überleben! Ich sehe da einen Zusammenhang. Und niemals kalt duschen! Und immer dicker Schal und Handschuhe! Und warme Füße. Habe ich, glaube ich schon letztes Jahr gepredigt, wo es wirklich ein saukalter, eisiger Winter war. Nun kriegen wir halt auch so ein paar Tage Demoversion Winter. Ist schon okay. Meinethalben Februar in der Wintervariante und dann März. Super!

Ulkiges Foto mit Hasenzähnen! An was ich da wohl wieder gedacht habe. Wahrscheinlich, dass ich beim Fotografieren öfter mal die Zähne zeigen sollte, so lange ich noch welche, also echte, habe!
24. Januar 2012
BESTELLBESTÄTIGUNG
Versand: Standardversand
Lieferung voraussichtlich: 27. Januar 2012
1 „Taste Nature Kakao Bohnen, Roh, Bio, Fair Trade, 250 g“
EUR 8,95
1 „Domori Kakaobohnen Fave di cacao 100 g“
EUR 9,95
1 „Tonkabohnen“
EUR 8,90
1 „Bourbon-Vanille gemahlen“
EUR 9,90
1 „Kakao Bohnen, Geröstet 400g“
EUR 12,99
Es gibt einige essentiell wichtige Baustoffe für den Organismus, welche ich noch nicht in erstrebenswerter Güte bei Aldi entdeckt habe. Hallo Aldi, wenn du mitliest, bitte nehme die oben aufgelisteten Sachen ins Programm. Ich meine Sortiment. Außerdem noch Kokosmilch und Kürbisse und italienischen Espresso. Auch noch wünsche ich mir: ungemahlenen Kümmel, ungemahlenen Fenchelsamen und ungemahlenen schwarzen Pfeffer und grob und fein gemahlene Chilischoten und Seitenbacher Müsli Nr. 107. Dann könnte ich noch mehr Sachen bei dir kaufen. Das wäre doch super fürs Geschäft oder? Andererseits ist es natürlich auch nicht schlecht, wenn ich mal woanders hinkomme und mit noch mehr Bevölkerungsschichten in Kontakt komme, so wie früher! Neulich beim Müslikaufen in der Rosenthaler Straße, beim Superspar-Edeka, gab es Kontaktbestrebungen, die nicht von mir ausgingen. Das war eigentlich ganz lustig. Ein buntes Völkchen ist da unterwegs. Okay, bei Aldi auch, aber unter den Leuten, die so wie ich früher, keine Lust haben Preise zu vergleichen, sind auch nette dabei. Also pass auf, Aldi: du musst die Sachen ja nicht dauerhaft ins Programm nehmen, damit ich ein bißchen Abwechslung habe. Die Sachen da oben haben die anderen normalen Supermärkte ja auch nicht im Programm, da musst du jetzt keine Komplexe kriegen, deswegen. Ich habe eben so ein paar Vorlieben, weil ich mich Raumschiff Enterprise-mäßig ernähren will, so Future-Shock-Vulkanier-mäßig, spacig visionär!

Wegen Hundertsieben werden! Ich glaube Madonna sagt immer, sie legt Wert auf „unprocessed food“. Nun ja, ganz unprocessed ist das natürlich auch nicht, wenn so ein Kakaoböhnchen fermentiert und geröstet wird. Aber im Prinzip ist das schon cool. Ich bin eine große Freundin von Zutaten, – also Einzelbestandteile aus identifizierbaren Herkunftsprodukten oder wie man das nennen soll, selber zusammenmischen. Lebensalter gemäß auf dem Torschlußpanik Alterungsprozess Reife bedingten Gesundheitstrip, aber mit extremen Hang zum Gourmet-Delikatessentum. Ich würde zum Beispiel nie Sachen essen, die als gesund gelten, aber langweilig schmecken. Zum Glück habe ich ein Händchen dafür, welches Gewürz zu welchem Dings passt. Aber ich esse schon auch noch dreieinhalb zusammengerührte Sachen. Zum Beispiel bei Joghurt und Kefir ist auch alles Mögliche noch extra drin. Wenn ich nur an den Pfirsich-Dingsbums-Sahne-Kefir von Aldi denke, von dem ich jeden Tag mindestens ein Töpfchen essen muss. Ich gucke auf das Kleingedruckte und sehe, dass da jetzt nicht direkt was drin ist, worauf ich nachweislich Pickel oder Asthmaanfälle kriege. Aber schon ein ziemlicher Mix an Zusatzstoffen und na ja. Bio steht jedenfalls nicht drauf. Aber es schmeckt! Also ich versuche auszuchecken, welche Zusatzstoffe okay sind und welche ich nicht so gut verstoffwechseln kann. Trial and Error. Ich denke, je weniger verschiedenes Zeugs zusammengerührt ist, desto einfacher zu verdauen. Ich kann mich aber auch irren. Schließlich weiß man ja inzwischen auch, dass alles Mögliche an Gemüse als schwer verdaulich gilt.
Wie auch immer. Ich freue mich schon auf das Kakao- und Tonkabohnen-Geschmackserlebnis. Sehr gesund nebenbei! Und reine gemahlene Vanille! Ich bin begeistert. Das Gefummel mit Vanilleschoten ausschaben ist meine Sache nicht. Das kostet zu viel Zeit. Was soll man abschließend von meinem Vorgehen halten? Ich probiere aus, was meinen Motor turbomäßig beschleunigt. Könnten unter Umständen auch Hormone in Milchprodukten sein. Ja ja, das ist nicht alles politisch korrekt. Das schafft doch sowieso niemand von uns. Aber man bemüht sich punktuell. Die Menschen sind sensibilisiert und machen sich ein Gewissen beim Einkaufen, das war früher nicht. Nicht in dem Ausmaß. Ich kaufe auch seit Jahren nur die Eier mit der Null-Nummer auf dem Stempel, in der Hoffnung, dass es manchmal wenigstens nicht gefaked ist. Ach, ich will an das Gute im Menschen glauben. Es ist nicht alles nur schlecht! Und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich das Gefühl, die Welt wird ganz langsam immer ein bißchen gewissenhafter. Nicht so Knall auf Fall, aber stetig. Glaube ich ganz fest! Auch natürlich, weil wir uns dank Internet nicht mehr so veräppeln lassen müssen wie früher.
Zum Beispiel konnte man früher gar nicht nachlesen, welche Aldi-Sachen in Wahrheit Marken-Produkte nur mit anderem Etikett drauf sind. Heute guckt man in sein Internet! Neulich war ich sogar fünf Minuten vor Acht bei Aldi. In der Früh! Ich gucke so in die Wolken und warte bis der Laden aufmacht. Da fährt ein großer goldgelber Laster vor. Auf dem Laster hat „Golden Toast“ draufgestanden. Zuerst habe ich noch gedacht, ist da nebenan noch ein Supermarkt, der beliefert wird? Aber ich habe schnell gemerkt, dass er direkt vor dem Aldi-Lieferanten-Zugang gehalten hat. Dann wurden lauter goldgelbe Körbchen ausgeladen und nach hinten getragen. So goldgelb wie die Verpackung von dem Toastbrot waren die Plastikkörbchen. Aber es waren lauter andere Sachen drin! Die ganzen Aldi-Brotsorten, die es eben so gibt. Ohne goldgelbe Verpackung. Auch wenn ich die Sachen nicht kaufe, war es schon interessant, das so in echt zu sehen. Ein paar Minuten später, ich war übrigens die erste Kundin, komme ich hinten an dem Brotregal vorbei und sehe wie die fleißige Mitarbeiterin die frisch angelieferten Sachen einsortiert. Aus den goldgelben Körbchen. Übrigens sind die Mais- und Bohnenkonserven bei Aldi aus dem Hause Bonduelle. Usw. usf. Nun gut, die Milchprodukte werden nicht heimlich auf tollen Demeterhöfen fabriziert, aber doch von diversen Global Playern der deutschen Milchindustrie. Ja, ja, soll man nicht unterstützen. Ich kaufe derzeit drei Sorten Milchprodukte bei Aldi, mit der irischen Butter vier. Und Emmentaler. Ich bin halt auch noch nicht perfekt. Aber fast! Bald.
Demnächst! Und dann wird dieses Blog leider geschlossen, weil es über mein dann perfektes Leben ja nicht mehr viel nachzudenken, in Frage zu stellen und zu grübeln geben wird. Vielleicht fängt Seal jetzt ja auch zu bloggen an. Ich meine richtig, nicht nur so ein Alibi-Blog, weil man das der Vollständigkeit halber eben auch auf seiner Seite als Link hat und dann doch nie weiß, was man da schreiben soll. Außer auf die Dauer für den Leser etwas langweilige Erfolgsmeldungen. Also bei mir ist da erst mal keine Gefahr. Großes IndiVulkanierehrenwort.
23. Januar 2012
Ich werde mich heute nicht zum Tagesgeschehen äußern. Klugscheißerisch verweise ich auf meinen Eintrag vom 7. 8. ZEILE.

23. Januar 2012
Ich werde mich heute nicht zum Tagesgeschehen äußern. Klugscheißerisch verweise ich auf meinen Eintrag vom 7. 8. ZEILE.

22. Januar 2012

Wenn man über das erschrickt, was man verloren hat, weil man sich einen Moment umgedreht hat und zurückgeschaut, ist es gut, sich gleich danach wieder in die andere Richtung zu drehen und nachzuschauen, ob nicht auch etwas gewachsen ist, mehr geworden ist. Etwas an Gutem nachgewachsen ist. Vielleicht sogar daraus. Aus der erstickten oder kranken oder abgeschnittenen Wurzel. Zum Beispiel kann es sein, dass etwas ganz Neues an derselben Stelle keimt. Vielleicht ein Gewächs, das besser mit dem Erdboden zurechtkommt, als das alte, das man zum Blühen bringen wollte. Das keinen Extra-Dünger braucht, von dem man nicht weiß, wo man ihn herkriegen soll. Oh weh, ich verheddere mich in einem Metapherngestrüpp, wenn ich weiterschreibe. Ich sehe etwas Verlorenes, eine Art verlorenes Barbiepuppenschloss. Pink und Orange. Und Schwarz. So ein schräges Hippie-Barbie-Puppen-Rocker-Gruftie-Schloss. Aber die schwarzpinkorange Hippie-Barbie ist noch da. Das bin ich. Sie hat keine albernen Blumen mehr auf den Sonnenbrillengläsern. Ein bißchen souveräner ist sie geworden. Unerschütterlicher. Und sehr stark. Sie hat wieder ein bißchen mehr gesehen, durch die transparenten bunten Tücher in ihrem Elfenbeinturm und kann noch besser die Wirklichkeit erkennen. Das ist ein Gewinn, weil man dann weniger verlieren kann und einen Bagger nicht mehr mit einem Einhorn verwechselt. Oder so ähnlich. Vergessen Sie diesen Eintrag. Der ist nur für mich allein daheim bestimmt. Ich kann derlei wirre Blogeinträge mit kryptischem Geschwafel auf den Tod nicht ausstehen! Zur Strafe bleibt der Eintrag stehen, als Mahnmal!
22. Januar 2012
VerUSCHKa bei Bettina Rust. Schöne Aufnahme von vorhin.
22. Januar 2012


BAMBÚ BAMBOU BAMBÙ
B A M B U S B A M B O O
22. Januar 2012
Heller ist schon schöner. Es muss nicht sonnig sein, aber so eine Ahnung davon hinter den Wolken ist doch inspirierender als die betonierte Wolkendecke, wenn man gerade keine Sachen vorhat, die sich nur vor dem Computer abspielen. Aber sogar dann. Ich bin gestern ganz früh schlafen gegangen, weil es den ganzen Tag so halbdunkel war und dann schon früh komplett. Mit Buch kurz nach Neun Uhr ins Bett, ein bißchen lesen und dann weg. Das ist eine zuverlässige Einschlaftechnik, so ein bißchen seitlich zur Lampe neben dem Bett gedreht, damit der kleine Lichtschein gerade auf die eine Buchseite fällt, die ich lese. Nach spätestens fünf Seiten merke ich, dass ich nur noch Buchstaben scanne und nichts mehr von der Geschichte mitkriege seit einer Weile, egal wie spannend das Buch ist. Dann klappe ich zu und mache die Lampe aus und bin nach wenigen Sekunden weg. Ja, heute ist es heller. Wenn die Sonne ein bißchen wärmend dabei wäre, würde ich vielleicht zum Trödelmarkt am Siebzehnten Juni fahren oder zu dem an der Museumsinsel. Ich hätte nämlich gerne eine Psyche. Jawohl, eine Psyche. Scheinbar einer der wenigen Begriffe bei Wikipedia, der nicht in dem Zusammenhang vertreten ist, den ich meine. Ich habe das auch gerade erst gelernt. Als Psyche hat man früher unter anderem auch ein kleines Möbel bezeichnet, das hauptsächlich aus einem schwenkbaren Frisier- oder Schminkspiegel mit einer kleinen Schublade unter dem Fuß besteht, aber ohne Tischbeine.

Am liebsten hätte ich eine Psyche aus einem schönen Holz, vielleicht Wurzelholz, Art Déco oder sehr schnörkelloses Biedermeier. Kirschbaum wäre auch schön. Und nicht zu groß. Hab schon das ganze Internet durchgeschaut. Eine schlichtere ist dabei, kostet stolze fünfhundertachtzig Euro, Biedermeier. Die ist mir allerdings zu groß. Ich mache mich nämlich am liebsten bequem im Sitzen zurecht, nicht im Badezimmer vor dem Spiegel. Im Stehen ist mir zu unbequem. Ich sitze lieber mit einem kleinen Standspiegel am Küchentisch, mit dem heißen Kaffee neben mir und mache alles ganz in Ruhe. Haare föhnen, Wimpern tuschen. Rummalen. Ich liebe dieses Ritual. Mein Spiegel hat einen kleinen Sprung, schon eine Weile. Er ist ganz schön, aber seit ich realisiert habe, dass es auch alte Psychen gibt, bin ich daran interessiert, eine besonders schöne zu finden. Ich bin drauf gekommen, als ich vorhin einen kurzen Film über das blaue Haus von Frida Kahlo gesehen habe und in einer kurzen Sequenz [bei 4:37] war ein besonders schöner Spiegel auf einem Fuß zu sehen und daneben Farben und Pinsel. Ich dachte einen Moment, das wäre ihr Frisiertisch gewesen, aber als ich das Standbild genau betrachtete, erkannte ich, dass es keine Schminkpinsel und -Farben waren sondern ihre Malsachen. Klar, sie brauchte ja einen Spiegel für ihre Selbstportraits. So ein Spiegel wie der von Frida wäre auch schön, nur nicht zu schnörkelig, das ist nicht mein Fall. Aber mit Schublade unten dran ist noch besser. Dann sind die Malsachen schon immer dabei. Vielleicht schaue ich nächstes Wochenende mal auf unseren schönen Flohmärkten. Außerdem muss man da ja dann ordentlich Bargeld mitnehmen. Ich schätze mal, dass man technisch noch nicht so fortgeschritten ist, um an den Tapeziertischen mit EC- oder Visakarte bezahlen zu können. Fände ich schön, wenn ich mir von meinen kleinen Ersparnissen eine Psyche kaufen könnte.
P.S. gerade überlegt, vielleicht kommt von dem alten Möbel ja sogar die gebräuchliche Metapher einen Sprung in der Psyche haben.
19. Januar 2012
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Kleines Dschungel–Buch. Die meisten Kreaturen wollte keiner mehr haben und ich habe sie vor dem Mülleimer gerettet. Der komische Kaktus, der auf einmal so grüne Blätter aus der Seite kriegt, nach vielen Jahren, ist lieblos in einer Art Raucher-Aufenthaltsraum verkümmert. Dann wurde das Rauchen verboten und alles ausgeräumt und gestrichen und das stachelige Wesen stand ziemlich eklig nach altem Rauch müffelnd in einer schattigen Ecke, von niemandem gepflegt, aber man war wohl auch zu faul den einen Meter hohen vergammelten Kaktus irgendwo zu begraben, geschweige denn zu retten. Mir tat er leid und ich wollte sehen, ob er nach all den Jahren des Kränkelns gesund und kräftig werden könnte. So ein großer Kaktus ist teuer! Ich habe ihn erst mal kräftig abgeduscht und ausgelüftet und in einen guten Topf mit so kleinen Wüstensteinchen. Das scheint er zu mögen, er ist ganz fit und kriegt auf einmal diese Blätter auf der Seite, wie eine kleine Diva mit einem Fächer oder einer Blume im Haar. Die anderen Gewächse sind auch irgendwo gefunden oder aussortiert worden. Nur die Agave und den Bambus hab ich mal gekauft. Alle anderen Sachen, die ich nicht identifizieren kann, sind ganz von selber gewachsen. Einen Grapefruitbaum habe ich erst nach Monaten identifiziert, an den Blättern und Stacheln. Ich schmeiße immer die Obstkerne in die Blumentöpfe. Manchmal aus zwei bis drei Metern Entfernung. Ich habe deswegen jede Menge Orangenbaumkinder, in allen Größen. Wenn also wer einen braucht. Dass es Orangenbäumchen sind, kann ich deswegen so sicher sagen, weil ich keine Zitronen esse und auch keine Mandarinen und Grapefruit nur ganz selten, alle zwei Jahre. In den nächsten Monaten dürften allerdings einige Pflaumenbäumchen das Licht der Welt meiner Wohnung entdecken, da hab ich einiges verteilt, in den letzten Wochen. Gießen ist so eine Gefühlssache. Früher ist mir viel eingegangen, weil ich überbemüht war, eben immer viel, viel zu gießen und hab manches Pflänzchen wohl ertränkt. Jetzt habe ich scheinbar nur Pflanzen und Gestrüpp, das nichts groß übel nimmt. Ich kann auch mal zwei Wochen verreisen, vorher schön gießen und wenn ich nach Hause komme, können sie wieder gut was vertragen aber keiner ist tot. Und auf dem Balkon, hinten raus, hab ich sowieso nur Zeugs aus dem Wald und was da eben wachsen mag. So Heckmeck gibt es bei mir nicht, mit Pflanzen im Frühling raus und im Winter rein. Das ist mir alles zu umständlich. Ich wollte ausnahmsweise in diesem Sommer meinem Grapefruitbaum eine Sommerfrische auf dem Südbalkon bescheren, als besondere Zuwendung. Keine gute Idee! Ich musste ihn anbinden, am Dach, so windig war es in seiner Zwei-Meter-Höhe, der knalligen Südsonne und dem Wind ausgesetzt. Er hat ganz beleidigt und vertrocknet ausgeschaut. Die Blätter sind immer blasser geworden und dann sind welche abgefallen und ich habe Panik gekriegt. Er sah schon halb tot aus. Dann hab ich ihn wieder reingestellt, nach mehrwöchiger Sommer-Tortur im Freien. Er hat sich sofort berappelt. Kein einziges neues Blatt hat er draußen gekriegt, im Gegenteil! Und sonst, voher, dauernd neue! Alle Nase lang! Ich hatte ein ganz schlechtes Gewissen. Und dann war er endlich wieder an seinem windgeschützen Platz an der Fensterscheibe zum Balkon und schon nach drei Tagen hat er wie verrückt angefangen, neue kleine Blätter zu machen. Ich habe fast geweint! Und nach zwei Wochen hab ich die Blätter gezählt. Siebzehn neue Blätter! Und große Blätter! Das war wahrscheinlich einer der schönsten Momente im letzten Jahr. Also ich bin eine faule aber bemühte Gärtnerin von meinem kleinen Dschungel. Ich denke, recht viel besser als bei mir ist es woanders auch nicht! Ebendrum.

19. Januar 2012
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Kleines Dschungel–Buch. Die meisten Kreaturen wollte keiner mehr haben und ich habe sie vor dem Mülleimer gerettet. Der komische Kaktus, der auf einmal so grüne Blätter aus der Seite kriegt, nach vielen Jahren, ist lieblos in einer Art Raucher-Aufenthaltsraum verkümmert. Dann wurde das Rauchen verboten und alles ausgeräumt und gestrichen und das stachelige Wesen stand ziemlich eklig nach altem Rauch müffelnd in einer schattigen Ecke, von niemandem gepflegt, aber man war wohl auch zu faul den einen Meter hohen vergammelten Kaktus irgendwo zu begraben, geschweige denn zu retten. Mir tat er leid und ich wollte sehen, ob er nach all den Jahren des Kränkelns gesund und kräftig werden könnte. So ein großer Kaktus ist teuer! Ich habe ihn erst mal kräftig abgeduscht und ausgelüftet und in einen guten Topf mit so kleinen Wüstensteinchen. Das scheint er zu mögen, er ist ganz fit und kriegt auf einmal diese Blätter auf der Seite, wie eine kleine Diva mit einem Fächer oder einer Blume im Haar. Die anderen Gewächse sind auch irgendwo gefunden oder aussortiert worden. Nur die Agave und den Bambus hab ich mal gekauft. Alle anderen Sachen, die ich nicht identifizieren kann, sind ganz von selber gewachsen. Einen Grapefruitbaum habe ich erst nach Monaten identifiziert, an den Blättern und Stacheln. Ich schmeiße immer die Obstkerne in die Blumentöpfe. Manchmal aus zwei bis drei Metern Entfernung. Ich habe deswegen jede Menge Orangenbaumkinder, in allen Größen. Wenn also wer einen braucht. Dass es Orangenbäumchen sind, kann ich deswegen so sicher sagen, weil ich keine Zitronen esse und auch keine Mandarinen und Grapefruit nur ganz selten, alle zwei Jahre. In den nächsten Monaten dürften allerdings einige Pflaumenbäumchen das Licht der Welt meiner Wohnung entdecken, da hab ich einiges verteilt, in den letzten Wochen. Gießen ist so eine Gefühlssache. Früher ist mir viel eingegangen, weil ich überbemüht war, eben immer viel, viel zu gießen und hab manches Pflänzchen wohl ertränkt. Jetzt habe ich scheinbar nur Pflanzen und Gestrüpp, das nichts groß übel nimmt. Ich kann auch mal zwei Wochen verreisen, vorher schön gießen und wenn ich nach Hause komme, können sie wieder gut was vertragen aber keiner ist tot. Und auf dem Balkon, hinten raus, hab ich sowieso nur Zeugs aus dem Wald und was da eben wachsen mag. So Heckmeck gibt es bei mir nicht, mit Pflanzen im Frühling raus und im Winter rein. Das ist mir alles zu umständlich. Ich wollte ausnahmsweise in diesem Sommer meinem Grapefruitbaum eine Sommerfrische auf dem Südbalkon bescheren, als besondere Zuwendung. Keine gute Idee! Ich musste ihn anbinden, am Dach, so windig war es in seiner Zwei-Meter-Höhe, der knalligen Südsonne und dem Wind ausgesetzt. Er hat ganz beleidigt und vertrocknet ausgeschaut. Die Blätter sind immer blasser geworden und dann sind welche abgefallen und ich habe Panik gekriegt. Er sah schon halb tot aus. Dann hab ich ihn wieder reingestellt, nach mehrwöchiger Sommer-Tortur im Freien. Er hat sich sofort berappelt. Kein einziges neues Blatt hat er draußen gekriegt, im Gegenteil! Und sonst, voher, dauernd neue! Alle Nase lang! Ich hatte ein ganz schlechtes Gewissen. Und dann war er endlich wieder an seinem windgeschützen Platz an der Fensterscheibe zum Balkon und schon nach drei Tagen hat er wie verrückt angefangen, neue kleine Blätter zu machen. Ich habe fast geweint! Und nach zwei Wochen hab ich die Blätter gezählt. Siebzehn neue Blätter! Und große Blätter! Das war wahrscheinlich einer der schönsten Momente im letzten Jahr. Also ich bin eine faule aber bemühte Gärtnerin von meinem kleinen Dschungel. Ich denke, recht viel besser als bei mir ist es woanders auch nicht! Ebendrum.

17. Januar 2012
11. Januar 2012
Bitte nicht meine dumme Angewohnheit übernehmen, sich niemals für Kündigungsfristen von freudig geschlossenen Verträgen zu interessieren. Will ich gar nicht weiter ausführen. Passt nicht so super zu meinen Ersparnisbestrebungen im guten neuen Jahr, aber das nenne ich dann immer euphemistisch Lehrgeld. Wird mir nimmer mehr passieren! Egal. Stets will ich aus meinen Fehlern lernen. Ich wäre auch so eine Kandidatin für irgendeine Knalltüte heiraten und dann aus, finito und ich habe irgendwelche dummen Sachen unterschrieben, in meiner für-immer-und-ewig-Verliebtheit. Oh je oh je. Besser, dass ich nie jemanden geehelicht habe. Die Tendenz zeichnet sich bei mir schon vorher ab, bevor das überhaupt ein Thema sein könnte. Dieses Unterstützende, Solidarische, stets hilfreich zur Stelle. Ein Problem, das ich jedenfalls gerade nicht habe. Wenn man es hat, nimmt man es meistens gar nicht wahr, das Materielle ist ja so ein schnödes, weltliches Thema, Hauptsache alles fließt usw. usf. und meine rosa Träumereien kriegen Futter. Dass ich jemals bei der Hinwendung zu Männern auf ihre materiellen Verhältnisse geachtet hätte, kann mir wirklich niemand nachsagen. Heute auch noch nicht. Aber ich bin vielleicht sensibilisiert, was den Ehrgeiz angeht, sich aus eigener Kraft zu erhalten. Ich deute das inzwischen auch als eine Art Charakterstärke, einen Zug von Rücksichtnahme, den Willen zu zeigen, in einem ausgewogenen Maß zu geben und zu beanspruchen. Zeit zu investieren, um einen gesellschaftlichen Beitrag zu liefern, der gebraucht und gefragt ist, nicht nur selbstgefällig egozentrisch zu definieren, welche Gegenleistung andere als brauchbar verifizieren sollen, weil es der bequemere Weg ist und dann griesgrämig Beschwerde führen, wenn die Hokuspokus-Ich-AG keine Kundschaft findet. Ich bin da erstaunlich streng, stelle ich fest. Ich habe größten Respekt vor den Menschen, die sich nicht zu schade sind, einfache aber notwendige und von mir hochgradig geschätzte Dienstleistungen zu erbringen, zum Beispiel an der Kasse von Aldi oder bei der Müllabfuhr. Die größten Helden des Alltags haben meistens keinen bekannten Namen. Da gab es neulich bei dieser Bambiverleihung den Preis für Menschen, die ehrenamtlich arbeiten. Großartig. Dagegen diese ganzen Poser-Jobs, wo nichts wirklich Notwendiges zustande kommt, diese ganzen Consultants und Blablabla-Berater. Täte sich die Erde auf, keiner würde auch nur einen vermissen. Außer vielleicht privat, haha. War da was? Nö.
Ein Hoch auf alle wahren Arbeiter und Arbeiterinnen. Ein Hoch auf alle Aldi-Kassiererinnen und die Damen und Herren hinter der Theke bei Butter Lindner. Und die Jungs von der BSR. Ich liebe, ehre und achte euch. Und alle Bus- und Taxifahrer. Und die ganzen anderen, die dauernd irgendetwas machen, damit Berlin funktioniert. Ich schließe alle Köche, Bäcker, Lieferanten, Kellner, Sanitäter, Handwerker, Montierer, Installateure, Pförtner, Friseure, Verkäuferinnen, Regaleinräumerinnen und Reinigungskräfte in mein Gute-Nacht-Gebet ein. Heute, morgen und immerdar. AMEN.

15. Januar 2012

Das Wochenende ist nun vorbei, bitte machen Sie sich bettfertig! Ich natürlich auch. Keiner ist ausgenommen. Davon ausgehend, dass hier keine Tagediebe mitlesen! Aber selbst wenn, gilt diese Empfehlung auch für Menschen mit unbegrenzter Tagesfreizeit, da ich aus eigener Erfahrung versichern kann, ein Tagesablauf frei von jeder Verpflichtung führt auf Dauer zur Verlotterung. Doch, doch. Man will es nicht wahrhaben, aber so ist es. Seinerzeit, also vor ungefähr fünfundwanzig Jahren, als ich wenig Veranlassung hatte, vor – sagen wir halbdrei – am Nachmittag aufzustehen, war ich im Anschluss vollauf damit beschäftigt, den damals noch auf achtzehn Uhr terminierten Ladenschluss nicht zu versäumen, sprich die letzte Möglichkeit abzupassen, die notwendigsten Sachen für das in den Abendstunden angedachte Frühstück zu erwerben. Das war vielleicht ein Stress. Ich war vollauf beschäftigt, es war praktisch kaum, bzw. nur unter absolutem Hochdruck zu schaffen. Ich hätte wirklich nicht gewusst, wann ich da noch hätte arbeiten sollen. Nach ausgiebigem Frühstück, man musste bereits Licht anmachen, war ich dann vollumfänglich mit der Aufgabe beschäftigt, mir zu überlegen, was ich zum Ausgehen anziehen soll. Schließlich wollte man nicht zweimal hintereinander in denselben Klamotten auftreten. Mit Auftreten meine ich jetzt nicht etwa ein Bühnenengagement, obwohl es schon auch einen gewissen Performance-Charakter hatte, jede zweite Nacht möglichst aufsehenerregend im Dschungel und im Anschluss in der Dominabar einzulaufen. Ich denke, ich habe es immer ganz gut hingekriegt, aber das war natürlich mit jeder Menge Vorarbeit verbunden. Ständig musste man sich neue Kombinationen der vorhandenen Abendgarderobe überlegen. Ein Glück, dass es damals schon Second Hand-Klamotten zum Kilopreis gab, da war ich dann glücklicherweise in Sachen Extravaganz immer ganz vorne mit dabei. Dann natürlich das Make up. Da musste ordentlich was drauf, schon wegen der Augenringe und dann schluckt die Beleuchtung in diesen schummrigen Etablissements ja auch unheimlich Farbe. Es war schon auch eine schöne Zeit, aber auf Dauer doch recht anstrengend. Denn wie bereits erwähnt, konnte ich diese Bühnenleistung nur jede zweite Nacht zu hundert Prozent absolvieren. Da man orts- und situationsbedingt genötigt war, das eine oder andere alkoholhaltige Getränk zu sich zu nehmen, sowie aus Solidarität und um die Form zu wahren, an der einen oder anderen Tüte gezogen hat, gab es im Anschluss einen nicht unbeträchtlichen Erholungsbedarf. Leider stand der zeitliche Aufwand, den man benötigte, um die verschiedenen Flüssigkeiten und Substanzen einzunehmen, in keinem Verhältnis zu den Bemühungen des Körpers, die Sachen wieder loszuwerden, um wieder aufs Neue loszulegen. Eine Nacht durchfeiern, eineinhalb Tage durchschlafen, im Anschluss erholen. Es war in jedem Fall ein hartes Stück Arbeit, das mir rückblickend irgendwann einfach zu anstrengend geworden ist. Burn out! Deswegen war irgendwann Schluss mit dem stressigen Nachtleben und dem Tagediebstahl! Ja gut, man mag mir nachsagen, ich bin da in gewisser Hinsicht bequem und leistungsunwillig. Sei’s drum! Es ist mir einfach zu anstrengend und außerdem bin ich seit geraumer Zeit in dem Alter, wo man mit jedem zusätzlichen Stündchen Nachtschlaf bei Tageslicht um mindestens ein Jahr besser aussieht. Nein, ich will nicht schreiben jünger, aber besser eben! Deswegen: Gute Nacht!
15. Januar 2012

Das Wochenende ist nun vorbei, bitte machen Sie sich bettfertig! Ich natürlich auch. Keiner ist ausgenommen. Davon ausgehend, dass hier keine Tagediebe mitlesen! Aber selbst wenn, gilt diese Empfehlung auch für Menschen mit unbegrenzter Tagesfreizeit, da ich aus eigener Erfahrung versichern kann, ein Tagesablauf frei von jeder Verpflichtung führt auf Dauer zur Verlotterung. Doch, doch. Man will es nicht wahrhaben, aber so ist es. Seinerzeit, also vor ungefähr fünfundwanzig Jahren, als ich wenig Veranlassung hatte, vor – sagen wir halbdrei – am Nachmittag aufzustehen, war ich im Anschluss vollauf damit beschäftigt, den damals noch auf achtzehn Uhr terminierten Ladenschluss nicht zu versäumen, sprich die letzte Möglichkeit abzupassen, die notwendigsten Sachen für das in den Abendstunden angedachte Frühstück zu erwerben. Das war vielleicht ein Stress. Ich war vollauf beschäftigt, es war praktisch kaum, bzw. nur unter absolutem Hochdruck zu schaffen. Ich hätte wirklich nicht gewusst, wann ich da noch hätte arbeiten sollen. Nach ausgiebigem Frühstück, man musste bereits Licht anmachen, war ich dann vollumfänglich mit der Aufgabe beschäftigt, mir zu überlegen, was ich zum Ausgehen anziehen soll. Schließlich wollte man nicht zweimal hintereinander in denselben Klamotten auftreten. Mit Auftreten meine ich jetzt nicht etwa ein Bühnenengagement, obwohl es schon auch einen gewissen Performance-Charakter hatte, jede zweite Nacht möglichst aufsehenerregend im Dschungel und im Anschluss in der Dominabar einzulaufen. Ich denke, ich habe es immer ganz gut hingekriegt, aber das war natürlich mit jeder Menge Vorarbeit verbunden. Ständig musste man sich neue Kombinationen der vorhandenen Abendgarderobe überlegen. Ein Glück, dass es damals schon Second Hand-Klamotten zum Kilopreis gab, da war ich dann glücklicherweise in Sachen Extravaganz immer ganz vorne mit dabei. Dann natürlich das Make up. Da musste ordentlich was drauf, schon wegen der Augenringe und dann schluckt die Beleuchtung in diesen schummrigen Etablissements ja auch unheimlich Farbe. Es war schon auch eine schöne Zeit, aber auf Dauer doch recht anstrengend. Denn wie bereits erwähnt, konnte ich diese Bühnenleistung nur jede zweite Nacht zu hundert Prozent absolvieren. Da man orts- und situationsbedingt genötigt war, das eine oder andere alkoholhaltige Getränk zu sich zu nehmen, sowie aus Solidarität und um die Form zu wahren, an der einen oder anderen Tüte gezogen hat, gab es im Anschluss einen nicht unbeträchtlichen Erholungsbedarf. Leider stand der zeitliche Aufwand, den man benötigte, um die verschiedenen Flüssigkeiten und Substanzen einzunehmen, in keinem Verhältnis zu den Bemühungen des Körpers, die Sachen wieder loszuwerden, um wieder aufs Neue loszulegen. Eine Nacht durchfeiern, eineinhalb Tage durchschlafen, im Anschluss erholen. Es war in jedem Fall ein hartes Stück Arbeit, das mir rückblickend irgendwann einfach zu anstrengend geworden ist. Burn out! Deswegen war irgendwann Schluss mit dem stressigen Nachtleben und dem Tagediebstahl! Ja gut, man mag mir nachsagen, ich bin da in gewisser Hinsicht bequem und leistungsunwillig. Sei’s drum! Es ist mir einfach zu anstrengend und außerdem bin ich seit geraumer Zeit in dem Alter, wo man mit jedem zusätzlichen Stündchen Nachtschlaf bei Tageslicht um mindestens ein Jahr besser aussieht. Nein, ich will nicht schreiben jünger, aber besser eben! Deswegen: Gute Nacht!
15. Januar 2012

Aber gestern war auch endlich Tag der Krankabine! Das Lied von Hilde trifft es schon sehr gut. Ich lebe wirklich seit ich hier bin zwischen Kränen. Fast immer zerschneidet ein gelber Arm eines Krans den Himmel aus mindestens einem Fenster. Manchmal sind die Bewegungen so dicht über meinem Balkon nach hinten raus, das sich die riesigen Arme wie gigantische Dinosaurier über mich zu beugen scheinen. Aber sie haben keine Grasbüschel im Maul sondern tonnenschwere Betongewichte. Sie bewegen sich wie in Zeitlupe, sehr gezielt und elegant. Ganz ruhig, mit einer exakten Choreographie. Ich habe mich ganz und gar daran gewöhnt. Im letzten Winter wäre es nicht möglich gewesen, eine Krankabine zu fotografieren. Viel zu viel Eis und Schnee. Aber in diesem Januar wird fleißig weiter gewerkelt. Die FR.tronic-Kabine gehört zum Kran der Baustelle, die ich mit einiger Aufregung beobachte. Hier entsteht das Berliner Architektenbüro von Sir David Chipperfield, dem letzten Preisträger des Mies van der Rohe Award for European Architecture. Seine Baustelle schräg vor dem Küchenfenster zu haben, macht mich ein bißchen stolz, obwohl ich in keinster Weise daran beteiligt bin. Es ist ein erhebendes Gefühl, dass er der Ecke derart die Ehre gibt und vor meinen Augen an einem Haus gebastelt wird, das er entworfen hat und in dem er an seinen europäischen Projekten arbeiten wird, wenn er nicht gerade in London oder Mailand oder Shanghai herumbastelt!
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15. Januar 2012

Den Blick nach Norden gerichtet, zeigt sich der Himmel Blau. Und im Osten. Heute auch. Gestern in der Auguststraße. Aus der Tür vom Balkon im Norden und aus dem Badezimmerfenster. Die Mauer begrenzt im hinteren Bereich die Südterrasse meiner netten Nachbarin. Ich schätze sie etwas jünger als mich. Wir tauschen nette Sätze im Fahrstuhl, ich weiß sonst nichts über sie, außer dass sie ein ziemlich cooler Typ ist und sie einen ziemlich interessanten Job zu haben scheint, weil sie mal mit einer großen Reisetasche mit mir auf den Aufzug nach unten wartete und ich fragte, ob sie in Urlaub fährt und sie meinte, nicht ganz. Beruflich, nach Australien. Ich habe mich dann aber nicht getraut, weiter nachzufragen. Und im Sommer hat sie öfter Besuch auf der Terrasse, mit dem sie Englisch spricht. Sie ist aber selber Berlinerin, sie hat diesem typischen Tonfall, den echte Berliner haben, auch wenn sie Hochdeutsch sprechen. Und neulich als Wahl war, sind wir zeitgleich auf den letzten Drücker losgedüst, in die Kastanienschule um die Ecke, in der Gipsstraße. Sie ist so schön zurückhaltend und unaufdringlich ohne dabei schüchtern zu wirken. Sehr angenehm. Und sie bohrt kein einziges Loch in die Wand, seit sie da wohnt. Auch schon ein paar Jahre. Ich glaube, ich bin mittlerweile die langjährigste Mieterin in unserem Haus. Sie hält es aber auch schon relativ lange hier aus. Wüsste gerade auch keinen Grund, woanders hinzuziehen. Eine Zeit lang dachte ich vorübergehend darüber nach, mir ein Häuschen in ländlicher Umgebung zu mieten, mit uneinsehbarem kleinen Garten. Aber das mit dem uneinsehbar war in meiner Preisliga nicht zu verwirklichen. Dann habe ich die Idee beiseite gelegt. Kein Gedanke mehr. Ich danke dem lieben Gott, dass ich so ein gutes Versteck gefunden habe. Blauen Himmel zu sehen und dabei nicht gesehen zu werden, ist eines der schönsten Dinge auf der Welt.
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13. Januar 2012
Why do I push myself so hard? Because I have demons.
Because I wanna live forever. [05:31]
1991
11. Januar 2012
Bitte nicht meine dumme Angewohnheit übernehmen, sich niemals für Kündigungsfristen von freudig geschlossenen Verträgen zu interessieren. Will ich gar nicht weiter ausführen. Passt nicht so super zu meinen Ersparnisbestrebungen im guten neuen Jahr, aber das nenne ich dann immer euphemistisch Lehrgeld. Wird mir nimmer mehr passieren! Egal. Stets will ich aus meinen Fehlern lernen. Ich wäre auch so eine Kandidatin für irgendeine Knalltüte heiraten und dann aus, finito und ich habe irgendwelche dummen Sachen unterschrieben, in meiner für-immer-und-ewig-Verliebtheit. Oh je oh je. Besser, dass ich nie jemanden geehelicht habe. Die Tendenz zeichnet sich bei mir schon vorher ab, bevor das überhaupt ein Thema sein könnte. Dieses Unterstützende, Solidarische, stets hilfreich zur Stelle. Ein Problem, das ich jedenfalls gerade nicht habe. Wenn man es hat, nimmt man es meistens gar nicht wahr, das Materielle ist ja so ein schnödes, weltliches Thema, Hauptsache alles fließt usw. usf. und meine rosa Träumereien kriegen Futter. Dass ich jemals bei der Hinwendung zu Männern auf ihre materiellen Verhältnisse geachtet hätte, kann mir wirklich niemand nachsagen. Heute auch noch nicht. Aber ich bin vielleicht sensibilisiert, was den Ehrgeiz angeht, sich aus eigener Kraft zu erhalten. Ich deute das inzwischen auch als eine Art Charakterstärke, einen Zug von Rücksichtnahme, den Willen zu zeigen, in einem ausgewogenen Maß zu geben und zu beanspruchen. Zeit zu investieren, um einen gesellschaftlichen Beitrag zu liefern, der gebraucht und gefragt ist, nicht nur selbstgefällig egozentrisch zu definieren, welche Gegenleistung andere als brauchbar verifizieren sollen, weil es der bequemere Weg ist und dann griesgrämig Beschwerde führen, wenn die Hokuspokus-Ich-AG keine Kundschaft findet. Ich bin da erstaunlich streng, stelle ich fest. Ich habe größten Respekt vor den Menschen, die sich nicht zu schade sind, einfache aber notwendige und von mir hochgradig geschätzte Dienstleistungen zu erbringen, zum Beispiel an der Kasse von Aldi oder bei der Müllabfuhr. Die größten Helden des Alltags haben meistens keinen bekannten Namen. Da gab es neulich bei dieser Bambiverleihung den Preis für Menschen, die ehrenamtlich arbeiten. Großartig. Dagegen diese ganzen Poser-Jobs, wo nichts wirklich Notwendiges zustande kommt, diese ganzen Consultants und Blablabla-Berater. Täte sich die Erde auf, keiner würde auch nur einen vermissen. Außer vielleicht privat, haha. War da was? Nö.
Ein Hoch auf alle wahren Arbeiter und Arbeiterinnen. Ein Hoch auf alle Aldi-Kassiererinnen und die Damen und Herren hinter der Theke bei Butter Lindner. Und die Jungs von der BSR. Ich liebe, ehre und achte euch. Und alle Bus- und Taxifahrer. Und die ganzen anderen, die dauernd irgendetwas machen, damit Berlin funktioniert. Ich schließe alle Köche, Bäcker, Lieferanten, Kellner, Sanitäter, Handwerker, Montierer, Installateure, Pförtner, Friseure, Verkäuferinnen, Regaleinräumerinnen und Reinigungskräfte in mein Gute-Nacht-Gebet ein. Heute, morgen und immerdar. AMEN.

09. Januar 2012
09. Januar 2012
08. Januar 2012

Gestern, am Samstag war ich nach sehr langer Zeit wieder einmal im KaDeWe. Vorher ein kleiner Schlenker zum Alex, bei Galeria Kaufhof was gucken. Das Gleiche wollte ich auch im Kadewe anschauen. Nach was bestimmten gucken, was ich vorher nur auf Fotos im Internet gesehen habe. Im Kadewe war das Teil da, das mich interessiert hat. Was, hab ich gestern schon beim Kommentieren erzählt. Ich gehe zwar neuerdings zu Aldi, aber bei Gegenständen, die ein Leben lang halten sollen und auch noch möglichst schön sein sollen, würde ich jetzt eher nicht beim Lebensmitteldiscounter gucken. Wie auch immer – ich war also im Kadewe, in meinem Kadewe sage ich ja immer ein bißchen angeberisch. Nicht, dass ich jetzt eine Kaufhaus-Erbin wäre, aber das Kadewe macht mich immer ein bißchen stolz. Und sentimental. Und glücklich. Es versöhnt komplett mit der Warenwelt und der Freude am Überfluss. Die Schaufenster sind so schön, dass man eigentlich dauernd fotografieren muss. Drinnen ist es leider nicht erlaubt, dabei könnte man mehrere Wochen nur damit zubringen, die schönsten Sachen zu fotografieren. In der Parfümeriewarenabteilung ist alles so glamourös und verspiegelt und für jede Marke extravagant möbliert, dass ich mir jedesmal wie Alice hinter den Spiegeln im Wunderland vorkomme. Und überall sieht man filigrane schöne junge Männer, die an Kundinnen ihre Visagisten-Kunst zeigen. Die Verkäuferinnen möchte man auch dauernd fotografieren. Die Pagenköpfe, die Coco Chanel-Gesichter, die Haltung. Attitude. Ich bin ganz verliebt. Eigentlich müsste ich mir auferlegen, zu jeder Jahreszeit wenigstens einmal hingehen, um die Auslagen und die neuen Schaufenster zu bewundern. Es gibt immer ein Thema und immer ist es zauberhaft umgesetzt. Und ein bißchen burlesk. Diesmal, zur Weihnachtszeit war das Thema „Märchen“. Das könnte jetzt furchtbar süß und kitschig sein, ist es aber nicht, weil diese unfassbaren Schaufenstergestalter einen absoluten Draht dafür haben, immer eine kleine Irritation einzubauen. Sie haben die Schaufensterpuppen anders geschminkt, den Puppen kleine beleidigte Schnuten gemalt und burleske Strümpfe und frivole Posen eingebaut. Rapunzel schlägt kess die Beine übereinander, der lange blonde Zopf liegt als Haarteil auf dem Boden. Rapunzel in ihrem kleinen Luxus-Boudoir, in ihrem plüschigen Ankleidezimmer, ihrer Garderobe vor dem Märchen-Auftritt. Man schaut sich das an und ist sofort in einer anderen Welt. Deswegen liebe ich das Kadewe so fürchterlich. Das passiert mir in keinem anderen Kaufhaus. So habe ich mir als Kind das schönste und aufregendste Kaufhaus der ganzen Welt vorgestellt. Ich glaube, der liebe Gott persönlich hat sich das Kadewe ausgedacht. Am Tauentzien fange ich jedesmal wieder an zu glauben, dass die Welt im Grunde gut und voll von Wundern ist.
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05. Januar 2012
Jetzt war es gerade wieder so weit. Ich habe ja neulich diese schlimme Beichte abgelegt. Ich sitze vor dem Geschreibsel und trete aus meinem Körper aus* und beobachte mich, wie ich zwischen fassungslos und kopfschüttelnd vor den gewissen Einträgen sitze. Ich muss glaube ich mal die Filmkamera installieren, wenn ich mich durch diese Beiträge arbeite. Mal abgesehen von meiner astrologischen Intention, Plutos Potenzial am Individuum zu studieren, ist es inzwischen auf eine leicht perverse Art interessant für mich, klischeehafte Gedankenwelten und die Kommentarresonanz darauf zu betrachten. Wenn ich es nicht soeben mit eigenen Augen gelesen und gesehen hätte, würde ich es für das Werk eines begabten Satirikers halten, der sich über esoterische Lebenswelten aus organischem Selbstanbau lustig macht. Aber das ist ernst gemeint, was ich da sehe. Ich kann ja leider nicht verlinken. Ein Jammer! Man muss sich in etwa vorstellen – verdammt, ich darf es ja nicht genauer beschreiben. Also stellen Sie sich mal ungefähr die Begriffe (ich wähle absichtlich andere!) „Steinzeit-Yoga“, „Filzen in der Frauengruppe“, „Beckenboden-Meditation“, „Rohkost-Wochenende Tübingen“ in kalligraphisch ambitionierter Schnörkelschrift vor. Und dann denken Sie doch bitte einmal über Ihre persönlichen großen Lebensthemen im vergangenen Jahr nach. Auch Ihnen sollte es möglich sein, sich in eine liebevolle Meditation über die wichtigsten Ereignisse zu begeben, die sie zum Abschluss als Collage unter der Zuhilfename von schadstofffreien Naturmaterialien gestalten dürfen. An sich eine schöne Idee, wenn ich so darüber nachdenke. Weiß gar nicht, was es da den Kopf zu schütteln gibt. Bin ich etwa neidisch auf die Kreativität, die mir da in aller Herrgottsfrühe in Pastellfarben entgegenschlägt? Ich muss vielleicht doch noch einmal in mich gehen. Und diese negativen Einträge, die müssen auch aufhören. Das ist ganz schlecht für mein Karma. Ich muss meinen Geist noch besser von diesen schlechten albernen Gedanken rein halten.

*Out of Body Experience
07. Januar 2012

Achten Sie in diesen Tagen und Wochen in Ihrem Bekannten- Freundes- und Verwandtenkreis auf Geburtstagskinder der letzten März- und der letzten Septemberwoche. Die haben es gerade nicht leicht. Turbulenzen, Machtkämpfe, Abrupte Lebensveränderungen. Stellungswechsel, Beziehungsende, unberechenbarer Wechsel der Lebensrichtung. Schon ein Weilchen. Zehn Monate. Macht sich auch noch ein Weilchen bemerkbar. Ebenfalls bei Geburtsdaten Ende Juni und Ende Dezember. Das Pluto-Uranus-Quadrat. Das mir im Übrigen ohnehin ‚gut‘ dafür scheint, scheinbar stabile Verbindungen zu überprüfen. Achte ich mehr darauf oder gibt es in den letzten Wochen wirklich mehr überraschende Trennungen von Paaren, die eine besonders stabile Verbindungen nach außen zu tragen schienen? Pluto in Steinbock, Uranus in Widder. Obwohl sich die Zeichen nicht gegenüber stehen, keine Opposition bilden, sondern ein noch unangenehmeres Quadrat, empfinde ich die beiden Zeichen als äußerst konträr. Berechnung trifft Impulsivität. Reglementiert, Die Erde erstickt nur erste Flammen. Aber der Feuerherd ist nicht oberflächlich genug, um erstickt werden zu können. Es schwelt im Untergrund. Eruptiv. Lava. Da nützen die ganzen schönen, akribischen Berechnungen nichts. Die explosiven Kräfte arbeiten sich an die Oberfläche und finden ein Ventil. Noch eine Schaufel Erde drauf oder zubetonieren wird nicht helfen. Die Unwägbarkeit des Lebens begreifen lernen. Akzeptieren. Verstehen lernen. Man muss es ja nicht lieben. Aber es hilft natürlich. Todsicher ist nur der Tod.
Von wegen Polyamory
„Sogenannte Schlafpläne, ein ausgeklügeltes Rotationsprinzip und fest vereinbarte Vetorechte sollen die konfliktträchtigen Mehrfachbeziehungen entschärfen. Dennoch, das räumen viele der in Felix Ihlefeldts Buch zu Wort kommenden „Polys“ ein, wird die andauernde Bearbeitung der Gefühle, der Zwang zur Dauerkommunikation als belastend empfunden, mündet nicht selten in den Terror der Intimität, der schließlich doch zu Heimlichkeiten führt und Fluchtreflexe auslöst. Es gehört zur Ironie solcher Avantgardismen, dass in ihnen längst überwunden geglaubte quasireligiöse Bewältigungsmuster wiederkehren, eine Art kollektiver pietistischer Seelenschau.“
Klingt dann ja doch etwas anstrengend. Von dem energetischen Wirrwarr im großen bunten Beziehungseintopf ganz zu schweigen. Ich glaube, dass es Menschen gibt, die gerne in ‚die Breite’ lieben und andere, die lieber in ‚die Tiefe’ lieben. Eine Frage der Lust und Freude an Konzentration und verbindender Intensität. Diese Spielart, die Liebessendung auf mehrere kleine Päckchen verteilt an verschiedene Adressen zu senden, entspricht astrologisch den Veranlagungen der Zeichen Zwillinge und Wassermann.
Jungfrau und Skorpion stehen im Quadrat zu einer oberflächlich-verspielten Handhabung dieses Bereiches. Wenn die Bereitschaft zur Hingabe eintritt, erwacht der Appetit, die Intensität auszuloten, die Energiespirale unverfälscht nach oben zu treiben. Das funktioniert, wenn es diesen positiven Erfahrungswert gibt, dass ungestreute Hingabe, absolute Konzentration, den Zugang zu einer reinen, (durchaus machtvollen), aufladenden Energie bietet, die auf dem Boden unerschütterten Vertrauens pulsiert. Ein starkes Ladegerät.
Insofern sind vertrauenswürdige, klare, transparente Verhältnisse auf beiden Seiten eine gute Voraussetzung für einen ungehinderten Elektrizitätsfluss. Ich wage zu bezweifeln, dass polyamouröse Konstellationen selbst bei maximaler propagierter Toleranz (denn diese müsste ja bei diesem hohen Anspruch an Nicht-Verheimlichung gegeben sein), frei von energetischen Störungen sind. Meiner Ansicht nach gibt es eine Ebene, eine unsichtbare aber dennoch vorhandene, sehr wohl spürbare Ebene, auf der sich verheimlichte Ressentiments und Eifersuchtsgefühle manifestieren und wirken. Auf das gesamte Beziehungsgeflecht einen Einfluss haben. Wie die Überlappung von zwei Radiofrequenzen. Man hört weder den einen, noch den anderen Sender unbeeinträchtigt. Der Genuss wird getrübt und die Wertschätzungsmöglichkeit jeder einzelnen Sendung gemindert. Man nimmt die Tonstörung wahr, hört weder das eine noch das andere Lied in seiner vollen Schönheit mit allen Frequenzen und allen lauten und leisen Tönen. Die filigrane Schönheit des einzelnen Stückes wird zertönt, gebrochen. Das große Konzert verkommt zu einem Klangbrei.
Natürlich ist meine Wahrnehmung skorpionisch. Für ein zwillings-dominiertes (Betonung auf dominiert, meint: auch in den Aspekten im Horoskop, die im Bezug auf Partnerschaft und Sexualität relevant sind) Bewusstsein ist die bunt gemischte Aufführung ein lustiges Spektakel mit ulkigen Tönen ohne tiefere Bedeutung. Skorpionische Hingabe ist Gottesdienst. Tief ernst. Und es darf muss sogar gelacht werden. Heiligstes Sakrament*.
*Unter einem Sakrament (von kirchenlateinisch sacramentum religiöses Geheimnis dies von spätlateinisch sacramentum Weihe [zum Kriegsdienst] von lateinisch sacer heilig unverletzlich; voraus liegt gr. mysterion ) wird in den christlichen Kirchen nach Augustinus ein sichtbares Zeichen verstanden das auf die unsichtbare Wirklichkeit Gottes hinweist sie vergegenwärtigt und an ihr Anteil gibt.
06. Januar 2012

HuiUiui. Wimperntusche hinüber, Germany sucht das SuperTEMPO. Aber mein heimlicher Favorit der ersten Stunde ist Mr. Simmons. Warum, hört man hier bei 0:32 im heutigen Eröffnungssong von Reas Team noch besser.
06. Januar 2012

HuiUiui. Wimperntusche hinüber, Germany sucht das SuperTEMPO. Aber mein heimlicher Favorit der ersten Stunde ist Mr. Simmons. Warum, hört man hier bei 0:32 im heutigen Eröffnungssong von Reas Team noch besser.
05. Januar 2012
Jetzt bin ich ja von den Socken. Wie kann Xavier den guten Rüdiger nicht „mitnehmen“ und dafür die zickige Katja, nur wegen langweiliger Frauenquote. Die fliegt als nächste raus. Zack. Völlig unangemessene Entscheidung. Rüdiger Skoczowsky ist in jeder Hinsicht zauberhaft. Also wirklich. Mir fehlen die Worte. Oder traut er sich das nur, weil er eh mit ihm arbeiten wird und schon alles Mögliche auf dem Weg ist. Kann gut sein. Ich habe ja nun in den letzten Wochen gelernt, dass er offenbar mit Bedacht entscheidet.

Was mich heute ja schwer irritiert hat, dass nicht alle Coaches zu allen Darbietungen etwas sagen durften. Oder wollten. Kryptisches System. Am Anfang hat man von Nena noch dreimal was gehört und dann war Sendepause aus ihrer Ecke. Wie hängt das zusammen? Mich hätte mal interessiert, was sie über die singenden Damen gesagt hätte. Aber vielleicht wäre das nicht begeistert genug gewesen. Sie ist ja sehr ehrlich. Und wenn sie dann schon mal sagt, sie möchte nichts dazu sagen, weil sie damit nichts anfangen kann, wie in den Battleshows zuvor öfter mal passiert, ist vielleicht Friede Freude Eierkuchen in der elektrisierten Voice-Showhalle da hinten in Adlershof gefährdet. Vielleicht kriegen dafür die BossHosse und Naidoo morgen ab und zu einen Maulkorb. Wäre aber schade. Mir sind inzwischen eigentlich alle Coaches ans Herz gewachsen, mit ihrem launig losen Mundwerk. Besonders das von diesem Rea. Der entwickelt sich langsam zu meinem Liebling in der Riege. Außer Nena natürlich. Nena ist die Königin. Ich war in den Achtzigern absolut kein Fan von ihrem Gequake, aber in den letzten Jahren ist stetiglich meine Zuneigung zu ihr gewachsen. Scheinen jedenfalls alle das Herz auf dem rechten Fleck zu haben. Bis auf die Sache da oben versteht sich. Dass mir so ein Schnitzer nicht noch mal passiert. Die BossHosse haben dieselbe Entscheidung getroffen, die ich auch getroffen hätte. Völlig richtig. Weiter so, Jungs.
05. Januar 2012
Jetzt war es gerade wieder so weit. Ich habe ja neulich diese schlimme Beichte abgelegt. Ich sitze vor dem Geschreibsel und trete aus meinem Körper aus* und beobachte mich, wie ich zwischen fassungslos und kopfschüttelnd vor den gewissen Einträgen sitze. Ich muss glaube ich mal die Filmkamera installieren, wenn ich mich durch diese Beiträge arbeite. Mal abgesehen von meiner astrologischen Intention, Plutos Potenzial am Individuum zu studieren, ist es inzwischen auf eine leicht perverse Art interessant für mich, klischeehafte Gedankenwelten und die Kommentarresonanz darauf zu betrachten. Wenn ich es nicht soeben mit eigenen Augen gelesen und gesehen hätte, würde ich es für das Werk eines begabten Satirikers halten, der sich über esoterische Lebenswelten aus organischem Selbstanbau lustig macht. Aber das ist ernst gemeint, was ich da sehe. Ich kann ja leider nicht verlinken. Ein Jammer! Man muss sich in etwa vorstellen – verdammt, ich darf es ja nicht genauer beschreiben. Also stellen Sie sich mal ungefähr die Begriffe (ich wähle absichtlich andere!) „Steinzeit-Yoga“, „Filzen in der Frauengruppe“, „Beckenboden-Meditation“, „Rohkost-Wochenende Tübingen“ in kalligraphisch ambitionierter Schnörkelschrift vor. Und dann denken Sie doch bitte einmal über Ihre persönlichen großen Lebensthemen im vergangenen Jahr nach. Auch Ihnen sollte es möglich sein, sich in eine liebevolle Meditation über die wichtigsten Ereignisse zu begeben, die sie zum Abschluss als Collage unter der Zuhilfename von schadstofffreien Naturmaterialien gestalten dürfen. An sich eine schöne Idee, wenn ich so darüber nachdenke. Weiß gar nicht, was es da den Kopf zu schütteln gibt. Bin ich etwa neidisch auf die Kreativität, die mir da in aller Herrgottsfrühe in Pastellfarben entgegenschlägt? Ich muss vielleicht doch noch einmal in mich gehen. Und diese negativen Einträge, die müssen auch aufhören. Das ist ganz schlecht für mein Karma. Ich muss meinen Geist noch besser von diesen schlechten albernen Gedanken rein halten.

*Out of Body Experience
04. Januar 2012

Die alte Narbe. Drücke mich vorm Staubsaugen. Und vorm dreißig Kleider von der linken Hälfte der Kleiderstange hängen, damit der Heizungsableser ohne Umstände den an der rückwärtigen Wand befindlichen Zähler ablesen kann. Und vorm Staubsauger und Zeugs aus dem Schränkchen unter der Spüle räumen und mal wieder durchwischen, damit der Ableser morgen früh zügig und ohne Zeitverlust den Wasserverbrauch ablesen kann. Morgen früh ab Sieben wohlgemerkt. Kann aber auch Neun werden. Man legt sich da nicht so fest. Ein echter Fortschritt für die gesamte Mietwohnungen bewohnende Menschheit wäre, sämtliche abzulesene Zähler und Facility-Gedöns in separate Kellerräume zu verlagern, wo sich der geschätzte Hausmeister gebündelt drum kümmert, den Zugang zu den Zählern zu gewährleisten. Völliger Planungsfehler. Das mag ja zur Jahrhundertwende 1899 erforderlich gewesen sein, aber ich wohne immerhin in einer Hütte Baujahr 1997 und da haben sie es erstaunlicherweise schon auf die Reihe gekriegt, die Stromzähler für alle Mietwohnungen in den Keller zu verlagern. Ich nehme an, dass in diesem Jahrtausend entstandene Wohnungen schon etwas fortschrittlicher bestückt sind. Wer litte nicht unter Ableseterminen. Selbst vergleichsweise gesellige Menschen brechen nicht in Begeisterung aus, wenn sie einem fremden Mann (und es sind immer Männer) die Wohnungstür öffnen müssen und ihn durch diverse private Räumlichkeiten lotsen, die man im Normalfall nicht einmal guten Bekannten zugänglich macht. Okay, ich mache den Zirkus nun auch schon ein paar Jahre mit. Aber früher wurde bei mir nie Warmwasser oder Heizung abgelesen, kann mich nicht erinnern. Dafür spar ich mir jetzt die Stromableserbesuche. Das macht übrigens auch dann noch Vattenfall, wenn man einen Vertrag bei greenpeace energy hat oder Lichtblick oder sonstwo. Hoheitlicher Stromableser-Monopol-Auftrag. Ist mir eigentlich egal. Und ist auch kein Geheimnis. Das wird in den diversen Stromverträgen der alternativen Anbieter haarklein erklärt, wie das zusammenhängt. Ich glaube, ich muss jetzt doch mal was machen, für das Erfolgserlebnis. Außerdem ist Prokrastinieren so Eighties, um nicht zu sagen Seventies. Frumpy.
04. Januar 2012

Die alte Narbe. Drücke mich vorm Staubsaugen. Und vorm dreißig Kleider von der linken Hälfte der Kleiderstange hängen, damit der Heizungsableser ohne Umstände den an der rückwärtigen Wand befindlichen Zähler ablesen kann. Und vorm Staubsauger und Zeugs aus dem Schränkchen unter der Spüle räumen und mal wieder durchwischen, damit der Ableser morgen früh zügig und ohne Zeitverlust den Wasserverbrauch ablesen kann. Morgen früh ab Sieben wohlgemerkt. Kann aber auch Neun werden. Man legt sich da nicht so fest. Ein echter Fortschritt für die gesamte Mietwohnungen bewohnende Menschheit wäre, sämtliche abzulesene Zähler und Facility-Gedöns in separate Kellerräume zu verlagern, wo sich der geschätzte Hausmeister gebündelt drum kümmert, den Zugang zu den Zählern zu gewährleisten. Völliger Planungsfehler. Das mag ja zur Jahrhundertwende 1899 erforderlich gewesen sein, aber ich wohne immerhin in einer Hütte Baujahr 1997 und da haben sie es erstaunlicherweise schon auf die Reihe gekriegt, die Stromzähler für alle Mietwohnungen in den Keller zu verlagern. Ich nehme an, dass in diesem Jahrtausend entstandene Wohnungen schon etwas fortschrittlicher bestückt sind. Wer litte nicht unter Ableseterminen. Selbst vergleichsweise gesellige Menschen brechen nicht in Begeisterung aus, wenn sie einem fremden Mann (und es sind immer Männer) die Wohnungstür öffnen müssen und ihn durch diverse private Räumlichkeiten lotsen, die man im Normalfall nicht einmal guten Bekannten zugänglich macht. Okay, ich mache den Zirkus nun auch schon ein paar Jahre mit. Aber früher wurde bei mir nie Warmwasser oder Heizung abgelesen, kann mich nicht erinnern. Dafür spar ich mir jetzt die Stromableserbesuche. Das macht übrigens auch dann noch Vattenfall, wenn man einen Vertrag bei greenpeace energy hat oder Lichtblick oder sonstwo. Hoheitlicher Stromableser-Monopol-Auftrag. Ist mir eigentlich egal. Und ist auch kein Geheimnis. Das wird in den diversen Stromverträgen der alternativen Anbieter haarklein erklärt, wie das zusammenhängt. Ich glaube, ich muss jetzt doch mal was machen, für das Erfolgserlebnis. Außerdem ist Prokrastinieren so Eighties, um nicht zu sagen Seventies. Frumpy.
02. Januar 2012
Schon komisch, wenn man zufällig über einen Wikipediaeintrag über den aktuellen Stand der privaten Verhältnisse von jemandem erfährt, dem man andere Verhältnisse zugeordnet hatte, miteinander zu tun habender Weise. Seltsam, das in einem Lexikoneintrag zu lesen, ohne es vorher durch den persönlichen Kontakt wenigstens am Rande mitbekommen zu haben. Na gut, gehen wir davon aus, dass man mit seinem Scheitern nicht hausieren geht, aber wie kommen solche Informationen in diese Wikipediaeinträge? Muss der Betroffene zustimmen, dass der Stand der privaten Beziehungen erwähnt wird? Grübel, grübel. Es betrifft mich zwar nicht weiter, aber ich stelle das Kuriosum fest, diese Irritation. Das muss schon nicht einfach sein, wenn bei zunehmender Öffentlichkeit die privaten Beziehungen von Außenstehenden abgehandelt werden. Vielleicht greifen deswegen so viele Prominente zu stimmungskonditionierenden Hilfsmitteln, um den ganzen Quatsch von Getratsche und Gerede auszuhalten. Aber sie haben es ja vorher gewusst. Einige beherrschen ja doch die große Kunst, ihre privaten Beziehungen völlig undercover zu pflegen. Und diejenigen, denen das gelingt, erklären es damit, dass sie der Presse bei diesem Thema nicht zuarbeiten, eine strikte Grenze ziehen. Kann man schlussfolgern, wer mit seinem privaten Beziehungskrempel in der Öffentlichkeit vorkommt, hat versäumt die Grenze zu setzen oder zeigt sich kooperativ. Na ja, alles nicht mein Problem. Musste angesichts dieser zufälligen Entdeckung an eine andere Geschichte denken. Eine Frau erzählte mir vor Jahren, sie sei als Patientin beim Arzt gewesen, im Wartezimmer lagen verschiedene Zeitschriften aus. Eine Publikation der aufgefächerten Magazine war aus dem Laden, bei dem sie arbeitete. Die neueste Ausgabe einer monatlich erscheinenden Zeitschrift. Beim eher absichtslosen Durchblättern der Neuerscheinung fand sie ihren Namen mit der Information, dass sie für eine bestimmte Sache die Ansprechpartnerin sei, wovon sie bis zu diesem Arztbesuch keinerlei Kenntnis hatte. Nach ihrer Rückkehr, wieder genesen, erfuhr sie in einem spontan anberaumten Gespräch, dass sie ab sofort dieses neue Wirkungsfeld inne hat. So richtig überraschend war die Überraschung dann aber leider nicht mehr. Kann alles passieren. Das Leben macht Purzelbäume, die man sich als Drehbuchautor nicht herausnehmen dürfte, ohne sich den Vorwurf einzuhandeln, hoffnungslos konstruierte Geschichten abzuliefern.

01. Januar 2012
Ich habe gerade das Datum getippt und bemerkt, dass die Zahl 2012 eine für mich viel interessantere Aura hat, als 2011. Kann ich schlecht erklären. Die Zahl wirkt schon rein visuell auf mich visionärer. Aufstrebender. Mögen andere an Weltuntergang denken, der stand ja schon häufiger auf der Agenda. Zweitausendelf wirkte als Zahl bereits passiv und zurückgezogen. Ich bin da natürlich auch befangen. 2012 ist offener. Moderner. Experimentierfreudiger. Dynamischer. Behaupte ich einfach mal so, Kraft meiner Wassersuppe. Astrologen gucken in dem Jahr gebannt auf das wiederkehrende, Unruhe stiftende, hochexplosive Pluto-Uranus-Quadrat, das wir im März 2011 an Fukushima studieren durften. Da ist die letzte Messe noch nicht gesungen. Die persönlichen Konstellationen von Individuen stehen aber auf einem anderen Blatt. Den Stier-Jupiter habe ich im letzten Jahr nicht großartig bemerkt. Von wegen schönes Trigon zu meiner Sonne. Dafür aber Pluto, der sich bereits im ermutigend kraftspendenden Sextil zu meinem Skorpionmars befand und sich nach einigem Hin und Her nun endlich wieder dynamisch auf diese Konstellation zubewegt. Ich glaube hoffe bete, etwas überwunden zu haben, eine Sache, die mich die letzten drei Monate sehr beschäftigte, mir Kraft nahm. Etwas körperliches. Ich habe tatsächlich angefangen zu beten. Und noch strikter gelebt. Ich vermute, denke, beides hat geholfen.

Aber nun das neue Jahr, das ich wirklich von Herzen willkommen heiße. Mir sind in den letzten zwei Jahren Dinge widerfahren, über die ich so schnell nichts schreiben werde können. Ich habe zwar keinen Weg gesehen, aber bin einfach weiter gegangen. Die Dinge vor Augen gehalten, die noch gut sind, in meinem Leben. Und jetzt möchte ich Hundertsieben werden. Oder eine andere schöne Zahl mit Sieben. Nur Siebenundvierzig wäre mir zu früh, um zu gehen. So alt werde ich in diesem Jahr. Und Siebenundfünfzig ist mir auch zu bald. Und Siebenundsechzig auch. Ab Siebenundsiebzig lasse ich mit mir reden. Aber auch nur bedingt. Immerhin ist Vera von Lehndorff im kommenden Mai Dreiundsiebzig und wenn ich sie so sehe, fände ich Siebenundsiebzig doch auch entschieden übereilt. Mein erster Januar 2012 begann in gewisser Weise spektakulär, da ich meiner bereits Ende November beendeten privaten Prohibiton endlich Taten folgen ließ. Ich bunkerte in meinem Kühlschrank seit einer Einladung zwei übriggebliebene Dosen Prosecco vom Berliner Currywurstmuseum. Die gab’s mal gratis und ich dachte, wenn du mal Gäste haben solltest, sorge vor! Punkt Mitternacht öffnete ich als mein exclusivster Gast eine der beiden gut gekühlten Dosen, mit einem eher mittelmäßigen Geschmackserlebnis rechnend. Der Augenblick war mir nicht zu schade, um die alkoholhaltige Flüssigkeit auf zwei Champagnergläser zu verteilen und mit mir selber anzustoßen. Aus so einem Champagnerkelch schmeckt doch alles gleich viel besser. Ein erfrischendes Getränk zur Mitternachtsstunde, das mir wohl bekommen ist. Ich war dann auch ein bißchen stolz deswegen, weil ich mich endlich überwunden habe, pünktlich zur Geburtstunde des neuen Jahres.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Gut ausgeruht nach festem Schlaf, unverkatert und insgesamt guter Dinge stand ich auf und war bereit, wichtige Dinge anzugehen. Ein kleiner Neujahrsausflug stand an. Zuerst den Müll runterbringen und dann mal Fotos von der Hütte hier mit mir drauf machen. Hab ich noch nie von unten fotografiert, meinen kleinen Kensington Palast. Die Luft war mild und ich musste gar nicht weinen. Die Sonnenbrille hab ich nur aus Gewohnheit aufgesetzt. So gefällt sogar mir spazierengehen. Frost und Schnee hat mir kein bißchen gefehlt, müsste ich lügen. Dann in mein Atelier – nein halt! – vorher war noch etwas ganz Wichtiges zu erledigen. Ich bin zur Sparkassenfiliale in der Hermannstraße und habe meinen Kontostand geprüft und neues Wirtschaftsgeld für Januar abgeholt. Den Kontostand hab ich sogar fotografiert! Na ja. Ein bißchen albern, aber ich kann mich eben noch freuen. Und dann bin ich in mein Atelier, mein stiefmütterlich vernachlässigtes Kabuff, und habe in den Briefkasten geguckt und zur Feier des Tages ein bißchen sauber gemacht. Man muss nach einigen Monaten immer ein paar Sachen machen, auch wenn man gar nicht da war. Zum Beispiel das alte Herbstlaub vom Balkon putzen. Und die Reste vom Feuerwerk. Hat sich gelohnt. Alles wieder picobello. Ging eigentlich ganz fix. Im Briefkasten war nur Reklame. Dann bin ich wieder heimgefahren, in die Auguststraße, mit meiner U 8. Und habe neue Umschläge präpariert. Ich bin bereit für das neue Jahr.

Allen, die mich gut leiden können, wünsche ich ein schönes, glückliches, gesundes und heilsames und so weiter Jahr. Was eben so gebraucht wird. Bei Eugene hab ich mit Panzerknackerlachen unter den Neujahrsglückwunsch geschrieben, dass ich durchaus nicht Allen ein gutes neues Jahr wünsche, aber dafür ein gerechtes. Ihr wünsche ich natürlich ein supergutes, weil sie es verdient hat. Und ihr auch. Und ich auch.
01. Januar 2012
Ich habe gerade das Datum getippt und bemerkt, dass die Zahl 2012 eine für mich viel interessantere Aura hat, als 2011. Kann ich schlecht erklären. Die Zahl wirkt schon rein visuell auf mich visionärer. Aufstrebender. Mögen andere an Weltuntergang denken, der stand ja schon häufiger auf der Agenda. Zweitausendelf wirkte als Zahl bereits passiv und zurückgezogen. Ich bin da natürlich auch befangen. 2012 ist offener. Moderner. Experimentierfreudiger. Dynamischer. Behaupte ich einfach mal so, Kraft meiner Wassersuppe. Astrologen gucken in dem Jahr gebannt auf das wiederkehrende, Unruhe stiftende, hochexplosive Pluto-Uranus-Quadrat, das wir im März 2011 an Fukushima studieren durften. Da ist die letzte Messe noch nicht gesungen. Die persönlichen Konstellationen von Individuen stehen aber auf einem anderen Blatt. Den Stier-Jupiter habe ich im letzten Jahr nicht großartig bemerkt. Von wegen schönes Trigon zu meiner Sonne. Dafür aber Pluto, der sich bereits im ermutigend kraftspendenden Sextil zu meinem Skorpionmars befand und sich nach einigem Hin und Her nun endlich wieder dynamisch auf diese Konstellation zubewegt. Ich glaube hoffe bete, etwas überwunden zu haben, eine Sache, die mich die letzten drei Monate sehr beschäftigte, mir Kraft nahm. Etwas körperliches. Ich habe tatsächlich angefangen zu beten. Und noch strikter gelebt. Ich vermute, denke, beides hat geholfen.

Aber nun das neue Jahr, das ich wirklich von Herzen willkommen heiße. Mir sind in den letzten zwei Jahren Dinge widerfahren, über die ich so schnell nichts schreiben werde können. Ich habe zwar keinen Weg gesehen, aber bin einfach weiter gegangen. Die Dinge vor Augen gehalten, die noch gut sind, in meinem Leben. Und jetzt möchte ich Hundertsieben werden. Oder eine andere schöne Zahl mit Sieben. Nur Siebenundvierzig wäre mir zu früh, um zu gehen. So alt werde ich in diesem Jahr. Und Siebenundfünfzig ist mir auch zu bald. Und Siebenundsechzig auch. Ab Siebenundsiebzig lasse ich mit mir reden. Aber auch nur bedingt. Immerhin ist Vera von Lehndorff im kommenden Mai Dreiundsiebzig und wenn ich sie so sehe, fände ich Siebenundsiebzig doch auch entschieden übereilt. Mein erster Januar 2012 begann in gewisser Weise spektakulär, da ich meiner bereits Ende November beendeten privaten Prohibiton endlich Taten folgen ließ. Ich bunkerte in meinem Kühlschrank seit einer Einladung zwei übriggebliebene Dosen Prosecco vom Berliner Currywurstmuseum. Die gab’s mal gratis und ich dachte, wenn du mal Gäste haben solltest, sorge vor! Punkt Mitternacht öffnete ich als mein exclusivster Gast eine der beiden gut gekühlten Dosen, mit einem eher mittelmäßigen Geschmackserlebnis rechnend. Der Augenblick war mir nicht zu schade, um die alkoholhaltige Flüssigkeit auf zwei Champagnergläser zu verteilen und mit mir selber anzustoßen. Aus so einem Champagnerkelch schmeckt doch alles gleich viel besser. Ein erfrischendes Getränk zur Mitternachtsstunde, das mir wohl bekommen ist. Ich war dann auch ein bißchen stolz deswegen, weil ich mich endlich überwunden habe, pünktlich zur Geburtstunde des neuen Jahres.
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Gut ausgeruht nach festem Schlaf, unverkatert und insgesamt guter Dinge stand ich auf und war bereit, wichtige Dinge anzugehen. Ein kleiner Neujahrsausflug stand an. Zuerst den Müll runterbringen und dann mal Fotos von der Hütte hier mit mir drauf machen. Hab ich noch nie von unten fotografiert, meinen kleinen Kensington Palast. Die Luft war mild und ich musste gar nicht weinen. Die Sonnenbrille hab ich nur aus Gewohnheit aufgesetzt. So gefällt sogar mir spazierengehen. Frost und Schnee hat mir kein bißchen gefehlt, müsste ich lügen. Dann in mein Atelier – nein halt! – vorher war noch etwas ganz Wichtiges zu erledigen. Ich bin zur Sparkassenfiliale in der Hermannstraße und habe meinen Kontostand geprüft und neues Wirtschaftsgeld für Januar abgeholt. Den Kontostand hab ich sogar fotografiert! Na ja. Ein bißchen albern, aber ich kann mich eben noch freuen. Und dann bin ich in mein Atelier, mein stiefmütterlich vernachlässigtes Kabuff, und habe in den Briefkasten geguckt und zur Feier des Tages ein bißchen sauber gemacht. Man muss nach einigen Monaten immer ein paar Sachen machen, auch wenn man gar nicht da war. Zum Beispiel das alte Herbstlaub vom Balkon putzen. Und die Reste vom Feuerwerk. Hat sich gelohnt. Alles wieder picobello. Ging eigentlich ganz fix. Im Briefkasten war nur Reklame. Dann bin ich wieder heimgefahren, in die Auguststraße, mit meiner U 8. Und habe neue Umschläge präpariert. Ich bin bereit für das neue Jahr.

Allen, die mich gut leiden können, wünsche ich ein schönes, glückliches, gesundes und heilsames und so weiter Jahr. Was eben so gebraucht wird. Bei Eugene hab ich mit Panzerknackerlachen unter den Neujahrsglückwunsch geschrieben, dass ich durchaus nicht Allen ein gutes neues Jahr wünsche, aber dafür ein gerechtes. Ihr wünsche ich natürlich ein supergutes, weil sie es verdient hat. Und ihr auch. Und ich auch.
31. Dezember 2011

Heute Nachmittag die Kamera aus dem schwarzen Kubus befreit. Hat funktioniert. Um mich meiner nicht nur geistigen Existenz zu vergewissern. Ich spielte mit dem Gedanken, anlässlich der finalen Gelegenheit ein festlich glitzerndes Kleid anzuziehen, hab es auch anprobiert, aber das war nicht das Gebot der Stunde. Am hellichten Nachmittag im silbernen Paillettenkleid Partystimmung vorzutäuschen, wirkt doch recht aufgesetzt. Also wieder ausgezogen. Dann ein anderes, langärmliges, eher kurzes, enganliegendes Kleid angezogen, aus flauschigem schwarzem Nickistoff mit großen roten Mohnblumen drauf. Jawohl, solche Kleider befinden sich in meinem Schrank. Immer wenn ich es anhabe, gibt es ein Kompliment. Ich habe dann ein paar Fotos gemacht und mich wieder umgezogen. In meine komfortablen Abhäng-Klamotten, ein langwärmliges schwarzes T-Shirt mit Charlie Chaplin drauf, eine bequeme, verwaschene Hose aus Nickistoff, die dereinst auch mal schwarz war und darüber ein dunkelblau-grün karierter Flanellponcho, mit anderen Worten: Kraut und Rüben. Dann hab ich die Bilder von der Kamera auf die Festplatte geladen und gemerkt, ich war mit der Situation offenbar noch nicht ganz vertraut. Nicht so toll. Bis auf eins alle Bilder gelöscht. Da die Kamera noch in Griffweite lag, hab ich noch mal von vorne angefangen, in meinen allein-daheim-und-kein-Besuch-zu-erwarten-Anziehsachen. Deswegen wirken die Bilder auch nicht ganz so unnatürlich, weil ich nur dasselbe gemacht habe, wie halt immer. Irgendwie gucken und ab und zu Faxen machen. Und die Klamotten sieht man sowieso kaum. Man muss das alles dokumentieren. Jedenfalls hin und wieder. Die Zeit rast und auf einmal ist man Siebzig oder Hundertsieben und versucht sich zu erinnern. Wie man war. Und alles. Wer, wie, wo, was. Bilder helfen auf die Sprünge. Man sieht dann auch, dass es einem besser geht, als man manchmal denkt. Jedenfalls sehe ich kein armes Schwein. Das beruhigt dann doch. Nun wird das Poesiealbum Zweitausendelf zugeklappt und am ersten Januar ein neues angelegt. Vielleicht wird es ja im neuen Jahr sogar wieder einmal Bilder mit Menschen geben. Ich mag gemeinsame Bilder gerne. Aber dafür kommt natürlich nicht jeder Passant an jeder Ampel in Frage. Mal gucken. Ich hege und pflege mich einfach weiter, dann habe ich mir wenigstens in dieser Hinsicht nichts vorzuwerfen. Das wäre auch so ein Vorsatz. Ich hab ja nie welche, weil gerade neues Jahr vor der Tür steht, sondern immer mal mittendrin welche. Aber das wäre ein guter Vorsatz. So zu leben, dass man sich nichts vorzuwerfen hat. Ein großer Vorsatz. Ich meine jetzt aber nicht etwa vorrangig meinen ökologischen Fußabdruck. So, Ende. FiNiTo.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
30. Dezember 2011
Das geht wohl nicht nur mir so. Diese Anwandlungen, hier und da noch ein bißchen Ordnung in die Dinge zu bringen, gegen Jahresende. Liegen gebliebene Sachen zu erledigen, das Köfferchen fertig zu packen, vor dem anstehenden Geburtsereignis. Man merkt das auch sehr schön in den bunten Blättern. Die Trennungsmeldungen häufen sich, je näher der letzte Tag des Jahres rückt. Ist mir auch schon untergekommen. Sogar mehrfach, wenn ich zurückdenke. zweimal auf der einen Seite, zweimal auf der anderen. Aber ich wollte jetzt eigentlich nicht zuguterletzt aus dem Nähkästchen plaudern. Ich räume nur Sachen auf, keine Menschen. Das ist gerade kein Thema, dafür ist mir das Kultivieren inniger Verbindungen im Augenblick zu fern. Ferner als Australien. Ungefähr so weit weg wie der gute alte Mond. Vielleicht sollte ich nicht so spät bloggen, da gerät die Sache leicht aus dem Ruder. Andererseits gibt es nun auch nicht viel über den Kürbis zu erzählen, den ich auf den Bildern geschlachtet habe. Ich meine natürlich transformiert. Ein bißchen wie Holzschnitzarbeiten. Bildhauerei im Grunde. Bei Aldi habe ich in den letzten Wochen keinen Kürbis gesehen. Schade. Ich hab dann auch schon mal einen bei meinem Superspar in der Rosi gekauft und Kokosmilch. Hat Aldi nämlich auch nie, soweit ich das Sortiment überblicke.

Jedenfalls räume ich nur die letzten Bilder auf, hier in meinem kleinen Archivschränkchen im weltweiten Internet. Morgen auch noch ein paar und dann wäre das auch erledigt. Wieder was vom Tisch! Und dann habe ich ja noch vor, zuguterletzt noch einmal in diesem Jahr ein Bild oder auch zwei von mir zu machen. Schon dreieinhalb Monate ohne aktuelles Gaga Nielsen-Bild, das schleift. Hoffentlich erkennt man mich noch. Ich gehe mal schlafen, damit ich morgen einigermaßen aussehe, fürs Bild. So machen das die Topmodels auch immer, habe ich gelesen. Ausreichend Schlaf und keinen Alkohol. Gute Nacht, Zweitausendelf, du komisches Jahr. Morgen sind wir noch einmal verabredet. Bitte sei recht pünktlich.
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31. Dezember 2011

Ich lebe zwischen
Kränen wo einmal
nichts als Krater
waren. Ich mag all
die vielen Seen
und Bäume, die
sie eng
umstehen.

Ich lieb die
Friedrichstraße,
Pariser Platz und
Kreuzbergs Stau.

Ich mag die
Linden Untern
Linden, die mit
und die noch
ohne Laub.
H. KNEF
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30. Dezember 2011
Das geht wohl nicht nur mir so. Diese Anwandlungen, hier und da noch ein bißchen Ordnung in die Dinge zu bringen, gegen Jahresende. Liegen gebliebene Sachen zu erledigen, das Köfferchen fertig zu packen, vor dem anstehenden Geburtsereignis. Man merkt das auch sehr schön in den bunten Blättern. Die Trennungsmeldungen häufen sich, je näher der letzte Tag des Jahres rückt. Ist mir auch schon untergekommen. Sogar mehrfach, wenn ich zurückdenke. zweimal auf der einen Seite, zweimal auf der anderen. Aber ich wollte jetzt eigentlich nicht zuguterletzt aus dem Nähkästchen plaudern. Ich räume nur Sachen auf, keine Menschen. Das ist gerade kein Thema, dafür ist mir das Kultivieren inniger Verbindungen im Augenblick zu fern. Ferner als Australien. Ungefähr so weit weg wie der gute alte Mond. Vielleicht sollte ich nicht so spät bloggen, da gerät die Sache leicht aus dem Ruder. Andererseits gibt es nun auch nicht viel über den Kürbis zu erzählen, den ich auf den Bildern geschlachtet habe. Ich meine natürlich transformiert. Ein bißchen wie Holzschnitzarbeiten. Bildhauerei im Grunde. Bei Aldi habe ich in den letzten Wochen keinen Kürbis gesehen. Schade. Ich hab dann auch schon mal einen bei meinem Superspar in der Rosi gekauft und Kokosmilch. Hat Aldi nämlich auch nie, soweit ich das Sortiment überblicke.

Jedenfalls räume ich nur die letzten Bilder auf, hier in meinem kleinen Archivschränkchen im weltweiten Internet. Morgen auch noch ein paar und dann wäre das auch erledigt. Wieder was vom Tisch! Und dann habe ich ja noch vor, zuguterletzt noch einmal in diesem Jahr ein Bild oder auch zwei von mir zu machen. Schon dreieinhalb Monate ohne aktuelles Gaga Nielsen-Bild, das schleift. Hoffentlich erkennt man mich noch. Ich gehe mal schlafen, damit ich morgen einigermaßen aussehe, fürs Bild. So machen das die Topmodels auch immer, habe ich gelesen. Ausreichend Schlaf und keinen Alkohol. Gute Nacht, Zweitausendelf, du komisches Jahr. Morgen sind wir noch einmal verabredet. Bitte sei recht pünktlich.
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29. Dezember 2011
Unterwegs in Berlin. Unterwegs in Australien. Unterwegs in Osttimor. Unterwegs im Wohnzimmer. Unterwegs im Kopf. Unterwegs in den Wolken. Unterwegs auf dem Teppich. Unterwegs im Herz. Farin macht das gut. Er fokussiert mit den Augen und drückt mit dem Herzen ab. Aus diesem Grund macht er das gut. Ich habe seine Bilderbücher gerne, auch wegen der kleinen Geschichten von unterwegs. Weil er als Musiker bekannt ist, ist er ab und zu dem Angriff ausgesetzt, dass er mit seinen Bildern nur deswegen professionelle Aufmerksamkeit bekommt, weil seine ergebene Fangemeinde hypnotisiert alles erwirbt, was er produziert, und er deshalb für den Verlag und für Lumas ein verlässlich lukrativer Künstler im Repertoire ist. Von den Lumas-Editionen will ich gar nicht reden, aber die Bildbände sind mit sehr viel Liebe gemacht. Ohne berufsglobetrottermäßigen Anspruch auf Vollständigkeit, gemäß seiner ganz persönlichen Reiseroute und Dramaturgie. Das erwarte ich vor anderem von so einem Bildband.

Foto: Farin Urlaub
Auch wenn er selbst selten zu sehen ist. Man sieht, worauf es ihm ankommt und damit erweckt er sofort mein Vertrauen. Gerne könnte es auch noch persönlicher sein. Der Film aus der Kamera und auch der Film aus dem Kopf. Aber das war ja nicht der letzte Streich. Vorausschauend hatte er gleich sein Erstlingswerk mit der Nummer Eins untertitelt. Nun macht er zum Glück sowieso immer weiter, weil er gar nicht mehr anders kann – so sehr wie er Blut geleckt hat – auch ohne den gnädigen Segen der ausgebildeten und spärlicher mit Erfolg gesegneten Kollegen. Tatsächlich zeichnet es die bemerkenswerteren unter den Kunstschaffenden aus, dass sie kein Diktat des Mediums hinnehmen, sich jegliches zueigen machen. So wie Kinder keinerlei Begrenzungen in ihrem Spieltrieb mögen. Und wenn er morgen anfinge, großformatig zu malen, hätte jede Leinwand seine furiose Farin Urlaub-Handschrift.
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Abgesehen davon meine ich durchaus, dass sich in der Handschrift sehr viel von der Kraft und des Potenzials eines Menschen andeutet. Und das begreife ich nicht im engeren Sinne graphologisch. Na gut, vielleicht im weiteren. Aber Wagemut, Kraft und Impulsivität zeigt sich in jedem Strich. Bei jeglichem Gekritzel. Kühner Strich, kühnes Herz. Nein, nein, ich meine keine prätentiösen Angeber-Poser-Kringel. Straight. Um ganz ehrlich zu sein, kann der Eindruck einer Handschrift großes Misstrauen bei mir erregen. Gefährlich sind übertrieben große, bauchige Unterschlaufen. Und auch ausgezirkelt extra große Oberschlaufen wie Luftballons. Nicht die Sorte, die eben auch mal zwischendurch groß wird, weil das Herz beim Schreiben gerade heiß war, sondern aus kultiviertem Prinzip. Ich habe das bei Menschen beobachtet, die gerne mehr in der Welt darstellen wollen, als die Substanz real ermöglicht. Mir auch sehr suspekt, angepasste, ewig gleichförmige kringelige Kleinmädchen-Schriften wie brave Häkelborten. Mit solchen Menschen kann ich keinen Draht finden. Nicht von Herzen. Und nicht vom Geist. Ich glaube ganz sicher, dass sich visionäres Potenzial in jeder Lebensregung und -bewegung Bahn bricht. In jedem Kringel und jedem Krakel. In jedem Strich und jedem Punkt.

28. Dezember 2011
Hey, ich war im Schwimmbad. Leider hab ich meinen Badeanzug vergessen und durfte nur am Beckenrand stehen und zugucken. War aber auch schön. Ich traue mich sowieso nicht vom Turm springen, wie die anderen. Toll, wie die das machen. Ich schaue aber gerne zu. Trauen würde ich mich das nie. Nie im Leben! Der Schwimmkurs, wo ich elf war, hat mir gelangt. Ich kann aber trotzdem ganz gut schwimmen. Am liebsten im Meer. Ganz weit raus. Und ganz allein. Bis man fast schon ein bißchen Kribbeln hat, ob es nicht zu weit ist, weil man muss ja auch noch zurück. Hab es bis jetzt aber immer geschafft. Lange her, dass ich am Meer war und drin geschwommen bin. Die ganzen letzten Ost- und Nordseeferien war mir immer das Wasser zu kalt. Ich bin da zimperlich. In einer sizilianischen Bucht war es schön. Und in ein paar griechischen. Bestimmt fahre ich bald wieder einmal ans Meer. An eins zum Schwimmen. Weil ich ja spare. Ich bin ganz schön gut darin und muss mich selber loben, so zum Jahresende.

Normalerweise kann und darf man ja gar keine Schwimmbad- oder Freibadfotos machen, ohne dass man sich komisch oder zurecht peinlich vorkommt. Aber das war ein besonderer Tag. Alle haben den Schwimmern und Springern begeistert zugeguckt. War nämlich auch ISTAF. Obwohl im Olympiabad gar kein Wettbewerb war, sondern normales Sommerfreibad. Man kann aber toll zugucken vom Olympiagelände, und das ist einfach schön, bei so einem Badewetter. Man fühlt sich gleich erfrischt, an einem heißen Sommertag in Berlin. Kleiner anachronistischer Eintrag, aber chronologisch. Mir ist jedes Wetter recht. Inzwischen. Früher war ich da auch mäkelig und hatte Befindlichkeiten. Aber seit ich weiß, dass Gesundheit viel wichtiger ist als Badewetter, finde ich alles gut, was da draußen so vor sich geht. Was sich der Wettergott so überlegt. Ich bin gewappnet. Hauptsache, ich kann selber bestimmen, ob ich vor die Tür gehe zum Spazierengehen. Das ist das Allerwichtigste. Ich gehe nämlich nie spazieren, wenn es kalt ist. Weil es mir nicht gefällt und ich weinen muss. Wegen der Kälte auf den Augäpfeln. Deswegen ist jetzt wieder Sonnenbrillenwetter für mich. Wenn jemand bei unter zehn Grad eine Frau, die mir ähnlich sieht durch Mitte laufen sieht, mit Brille auf der Nase, weil wieder der gute alte Ostwind weht, bin ich es.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
28. Dezember 2011
Hey, ich war im Schwimmbad. Leider hab ich meinen Badeanzug vergessen und durfte nur am Beckenrand stehen und zugucken. War aber auch schön. Ich traue mich sowieso nicht vom Turm springen, wie die anderen. Toll, wie die das machen. Ich schaue aber gerne zu. Trauen würde ich mich das nie. Nie im Leben! Der Schwimmkurs, wo ich elf war, hat mir gelangt. Ich kann aber trotzdem ganz gut schwimmen. Am liebsten im Meer. Ganz weit raus. Und ganz allein. Bis man fast schon ein bißchen Kribbeln hat, ob es nicht zu weit ist, weil man muss ja auch noch zurück. Hab es bis jetzt aber immer geschafft. Lange her, dass ich am Meer war und drin geschwommen bin. Die ganzen letzten Ost- und Nordseeferien war mir immer das Wasser zu kalt. Ich bin da zimperlich. In einer sizilianischen Bucht war es schön. Und in ein paar griechischen. Bestimmt fahre ich bald wieder einmal ans Meer. An eins zum Schwimmen. Weil ich ja spare. Ich bin ganz schön gut darin und muss mich selber loben, so zum Jahresende.

Normalerweise kann und darf man ja gar keine Schwimmbad- oder Freibadfotos machen, ohne dass man sich komisch oder zurecht peinlich vorkommt. Aber das war ein besonderer Tag. Alle haben den Schwimmern und Springern begeistert zugeguckt. War nämlich auch ISTAF. Obwohl im Olympiabad gar kein Wettbewerb war, sondern normales Sommerfreibad. Man kann aber toll zugucken vom Olympiagelände, und das ist einfach schön, bei so einem Badewetter. Man fühlt sich gleich erfrischt, an einem heißen Sommertag in Berlin. Kleiner anachronistischer Eintrag, aber chronologisch. Mir ist jedes Wetter recht. Inzwischen. Früher war ich da auch mäkelig und hatte Befindlichkeiten. Aber seit ich weiß, dass Gesundheit viel wichtiger ist als Badewetter, finde ich alles gut, was da draußen so vor sich geht. Was sich der Wettergott so überlegt. Ich bin gewappnet. Hauptsache, ich kann selber bestimmen, ob ich vor die Tür gehe zum Spazierengehen. Das ist das Allerwichtigste. Ich gehe nämlich nie spazieren, wenn es kalt ist. Weil es mir nicht gefällt und ich weinen muss. Wegen der Kälte auf den Augäpfeln. Deswegen ist jetzt wieder Sonnenbrillenwetter für mich. Wenn jemand bei unter zehn Grad eine Frau, die mir ähnlich sieht durch Mitte laufen sieht, mit Brille auf der Nase, weil wieder der gute alte Ostwind weht, bin ich es.
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26. Dezember 2011
Tief eingetaucht in Veras Lebenslauf. Manche Tagebuchgedanken und Erkenntnisse über das eigene Schicksal, die Bestimmung, auch im Privaten, so verblüffende gedankliche Parallelen, dass ich sie einerseits hier hinschreiben wollte, andererseits die ungeschützte Darbietung scheue. Als ob der Vorhang vollkommen beiseite gezogen ist, warum die Faszination von Anfang an für mich so groß war. Dieses zutiefst Vertraute. Nun leben wir beide in Berlin, äußerst zurückgezogen, auslotend und transformierend mit der eigenen Biographie beschäftigt. Zunehmend heiter […]. Ziemlich verrückt. Wer Ihre alten Einträge in dem Buch lesen würde, könnte auf diesem Umweg begreifen, wie ich in Vielem ticke. Als ich auch noch las, dass die Insel Spetsai eine besondere Bedeutung hatte in ihrem Leben, in einer tiefen Krise, war ich nur einmal mehr fasziniert. Diese griechische Insel, die mir Anfang der Neunziger etwas bedeutete, kennt niemand, dem ich je begegnete. Sie hatte dort einen entscheidenden Unfall. Einen frei gewählten Sturz von dem die Narbe an ihrem Kinn rührt. Danach wurde vieles leichter.

Davor war ich auch sehr bewegt von einem Buch. Und noch vor jenem las ich Friedrich Holländers Von Kopf bis Fuß, aus dem ich manches zitierte. Seit vielen Jahren hatte ich noch ein zweites Buch von ihm im Regal, beide lagen seit Ende der Neunziger dort, nur kurz angelesen und beiseite gelegt, anderes vorgezogen und beide vergessen. Es war nicht die richtige Zeit, als ich sie kaufte, mir fehlte die Konzentration. Jetzt hatte ich sie. Das Buch nach Holländers Erinnerungen war ein Roman, den er 1941 schrieb, in der deutschen Übersetzung heißt er Menschliches Treibgut. Dieser Roman, zehn Jahre nach der Emigration über Paris nach Amerika geschrieben, hat mich tief bewegt. Ich hätte gar nicht gewusst, was ich daraus zitieren sollte. Der Venedig-Effekt. Man ist dort und legt den Fotoapparat nieder, weil man der Flut der Eindrücke nicht Herr wird. Was soll man zuerst belichten. Jeden Schritt, 360 Grad? Holländer schrieb das Buch auf Englisch (Those Torn from Earth), er suchte die Herausforderung mit der Sprache, aber ich las es auf Deutsch, eine sehr gute Übersetzung, die erst nach seinem Tod entstand. Und sein Ton ist wunderbar getroffen. Eine warme Empfehlung. Mehr noch als seine Autobiographie. Obwohl diese mir noch transparenter und zugänglicher machte, in welchem Ausmaß er über diese Schicksale aus eigener Erfahrung schrieb. Im Nachwort zu Menschliches Treibgut von Volker Kühn, werden die fiktiven Figuren erhellt. Wer sich dahinter verbarg. Für fast jeden Protagonisten gab es das Vorbild eines Emigranten aus Holländers Umfeld. Thomas Mann schrieb betroffen das Vorwort.

Und nun liegt ein schwerer Brocken vor mir, Albert Speers Erinnerungen, nach der Veröffentlichung 1969 innerhalb kürzester Zeit ein Bestseller. Vieles wurde später in Frage gestellt, was er zu seinen Gunsten darstellt. Einer der wenigen Nazis im Büßergewand, dem man nachsagt, er hätte sein Bedauern so geschickt in den Fokus gestellt, dass viele Fakten zu seinen Ungunsten, die er unter den Teppich kehrte, gerne verdrängt wurden. Die Deutschen brauchten nach dem Krieg eine Identifikationsfigur wie Speer. Einen guten Nazi. Dann konnte man auch sich selbst vergeben, wenn er sich vergab, wenn ihm vergeben wurde, konnte man selbst Vergebung erhoffen. Aber wie gesagt, das Buch liegt vor mir. Ich mag das gerade sehr, tieferes Verständnis für Zusammenhänge zu erlangen, in dem ich mich mit Schlüsselfiguren und historischen Schlüsselmomenten beschäftige. Das hat durchaus sehr viel mit mir und meinem eigenen Leben zu tun. Es ist kein fluchtgleiches Verreisen wie ein Tauchgang in ferne Ozeane, mir begegnet währenddessen viel, das in mir und meiner Generation und der Gegenwart fortwirkt. Und es hilft meinem Verstehen über die oftmals, vielfach tragische Dynamik, die Dramaturgie der Zeit. Und des Schicksals.
20. Dezember 2011












http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Also nun. Ich war dann auch nicht mehr kompetent, etwas auszusortieren. Ja, das sind viele Bilder. Ich will nur mal zeigen, wie ein Sportereignis im Olympiastadion durch meinen unsportlichen Blickwinkel aussieht. Meine Güte, ich war noch nie bei so was dabei. Das war wirklich schön, nicht nur weil das Wetter schön war, sondern weil dreiundfünfzigtausendirgendwas Berliner auf einen Haufen gute Stimmung verbreiten, zumal wenn die Sonne scheint und ein derartiges Großereignis am Start ist. Unproblematisch und undepressiv. Auch mal schön! Man musste nicht damit rechnen, dass der Banknachbar eine Betroffenheitsdiskussion vom Zaun bricht. Auch die Kinder waren gut drauf und haben nicht genervt, weil sie was zu gucken hatten. Putzig, wie freiwillig konzentriert die kids dem Ganzen gefolgt sind. Alles so freiwillig. Hatte alles überhaupt keine Ähnlichkeit mit meinen Erinnerungen an den Sport- und Turnunterricht mit Trillerpfeife zu Schulzeiten. Freiwillige Körperdisziplin ist eine feine Sache, scheint mir. Die beiden da unten, die am oberen Ring die Eintrittskarten checkten, sind ein Sinnbild für die Stimmung. Ach, was soll ich noch schreiben. Selber gucken. Ich hab nicht so viel herumsortiert wie sonst, da ist viel ähnliches, aber das wird schon nicht gleich Muskelkater verursachen.

18. Dezember 2011

Seit zwei Monaten keine Kamera in der Hand gehabt. Blick auf schönes, selbst gemachtes Essen, besonders gestern. So farbig, der Nachtisch. Wie ein expressives Gemälde. rosa, weiß, violett. Auch die Suppe mit der Sahne, Rote Beete, Ingwer, Tomatenmark für Orange, der Bratling aus der Pfanne. Ich schaue es an, schiebe die Schüsseln auf die kleinformatige schwarze Holzstäbchenmatte. Es sieht überall schön aus. Jeder würde den Fotoapparat holen. Bei den meisten wäre er griffbereit. Nicht hier. Soll ich Wochen später erklären, dass ich das am 17. Dezember gerührt und gebrutzelt habe? Die Kamera, die ich am liebsten nehme, ist in einer schwarzen Schachtel in einem Schrank. Eine Schachtel wie ein matter schwarzer Würfel, mit dem Signet von Versace oben. Glänzend Schwarz auf Mattschwarz. Eine große Tasse war einst darin verpackt, ein sehr stabiler Karton. Wie ein Schatulle. Ideal für die Kamera. Die Tasse geht langsam kaputt vom vielen Kaffeetrinken. Sie hat schon einen Sprung und einen halben. Ja, ich mache mir schönes Essen für den einzigen Blick von mir selbst, nicht für die Nachwelt erhalten. Doch, schon ein bißchen schade. Das hätte einen bunten Blogeintrag gegeben. Ich hätte in Farbe fotografiert. Mich habe ich auch seit September nicht mehr abgelichtet. Seit dem großen Fest der Leichtathletik, am elften September. Also schon mehr als ein Vierteljahr. Aber letztendlich bin ich auch so wahrscheinlich weltweit die Bloggerin mit den meisten Bildern von sich im Netz. Das Jahr neigt sich dem Ende, weniger als zwei Wochen noch. Ich versuche noch die Sachen hochzuladen, die da dämmern, auch wenn mir gerade der Bezug ein wenig verloren gegangen ist, auch wegen der Jahreszeit. Vielleicht gibt es am Ende ja doch noch ein Bild, ein zeitlich näheres. Und vielleicht habe ich mich auch verändert. Mal sehen.
20. Dezember 2011












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Also nun. Ich war dann auch nicht mehr kompetent, etwas auszusortieren. Ja, das sind viele Bilder. Ich will nur mal zeigen, wie ein Sportereignis im Olympiastadion durch meinen unsportlichen Blickwinkel aussieht. Meine Güte, ich war noch nie bei so was dabei. Das war wirklich schön, nicht nur weil das Wetter schön war, sondern weil dreiundfünfzigtausendirgendwas Berliner auf einen Haufen gute Stimmung verbreiten, zumal wenn die Sonne scheint und ein derartiges Großereignis am Start ist. Unproblematisch und undepressiv. Auch mal schön! Man musste nicht damit rechnen, dass der Banknachbar eine Betroffenheitsdiskussion vom Zaun bricht. Auch die Kinder waren gut drauf und haben nicht genervt, weil sie was zu gucken hatten. Putzig, wie freiwillig konzentriert die kids dem Ganzen gefolgt sind. Alles so freiwillig. Hatte alles überhaupt keine Ähnlichkeit mit meinen Erinnerungen an den Sport- und Turnunterricht mit Trillerpfeife zu Schulzeiten. Freiwillige Körperdisziplin ist eine feine Sache, scheint mir. Die beiden da unten, die am oberen Ring die Eintrittskarten checkten, sind ein Sinnbild für die Stimmung. Ach, was soll ich noch schreiben. Selber gucken. Ich hab nicht so viel herumsortiert wie sonst, da ist viel ähnliches, aber das wird schon nicht gleich Muskelkater verursachen.

18. Dezember 2011

Seit zwei Monaten keine Kamera in der Hand gehabt. Blick auf schönes, selbst gemachtes Essen, besonders gestern. So farbig, der Nachtisch. Wie ein expressives Gemälde. rosa, weiß, violett. Auch die Suppe mit der Sahne, Rote Beete, Ingwer, Tomatenmark für Orange, der Bratling aus der Pfanne. Ich schaue es an, schiebe die Schüsseln auf die kleinformatige schwarze Holzstäbchenmatte. Es sieht überall schön aus. Jeder würde den Fotoapparat holen. Bei den meisten wäre er griffbereit. Nicht hier. Soll ich Wochen später erklären, dass ich das am 17. Dezember gerührt und gebrutzelt habe? Die Kamera, die ich am liebsten nehme, ist in einer schwarzen Schachtel in einem Schrank. Eine Schachtel wie ein matter schwarzer Würfel, mit dem Signet von Versace oben. Glänzend Schwarz auf Mattschwarz. Eine große Tasse war einst darin verpackt, ein sehr stabiler Karton. Wie ein Schatulle. Ideal für die Kamera. Die Tasse geht langsam kaputt vom vielen Kaffeetrinken. Sie hat schon einen Sprung und einen halben. Ja, ich mache mir schönes Essen für den einzigen Blick von mir selbst, nicht für die Nachwelt erhalten. Doch, schon ein bißchen schade. Das hätte einen bunten Blogeintrag gegeben. Ich hätte in Farbe fotografiert. Mich habe ich auch seit September nicht mehr abgelichtet. Seit dem großen Fest der Leichtathletik, am elften September. Also schon mehr als ein Vierteljahr. Aber letztendlich bin ich auch so wahrscheinlich weltweit die Bloggerin mit den meisten Bildern von sich im Netz. Das Jahr neigt sich dem Ende, weniger als zwei Wochen noch. Ich versuche noch die Sachen hochzuladen, die da dämmern, auch wenn mir gerade der Bezug ein wenig verloren gegangen ist, auch wegen der Jahreszeit. Vielleicht gibt es am Ende ja doch noch ein Bild, ein zeitlich näheres. Und vielleicht habe ich mich auch verändert. Mal sehen.
18. Dezember 2011
WOMEN KNOW YOUR LIMITS
18. Dezember 2011
11. Dezember 2011
DON’T WORRY ABOUT GETTING OLDER.
11. Dezember 2011
DON’T WORRY ABOUT GETTING OLDER.
10. Dezember 2011
Vorhin bei Aldi entdeckt: eine Dose Kidneybohnen, vierhundertfünfundzwanzig Milliliter, für fünfunddreißig Cent. Wenn es mal hart auf hart kommt, gibt es einen Monat lang Kidneybohnen-Diät, jeden Tag eine Dose, an besonderen Festtagen auch mal zwei. Dann müsste man für die Hauptmahlzeiten pro Monat nur noch knapp zehn Euro einkalkulieren. Unglaublich. Aber okay, so weit ist es noch nicht. Ich habe sogar geschafft, das Budget der letzten Woche nicht auszuschöpfen und nun runde zehn Euro bis zum nächsten Umschlag übrig. Ha!
Auf dem Rückweg von der U-Bahn am Rosenthaler Platz über die Linienstraße in meine Straße biegend, die neuere Baustelle schräg gegenüber von meiner Hütte genauer angeschaut. Seltsame Variante von Bauzaun oder wie man das nennen soll, aus rotlackierten Hölzern, so karierte Streben, wie Raumteiler im Chinarestaurant, aber haushoch. Auf das Schild geguckt: David Chipperfield Architects. Dachte erst, die bauen da was im Auftrag in die Lücke. Wunderte mich nur, dass das Objekt nicht wie üblich beschrieben wird, mit „Wohnhaus“ oder „Apartmenthaus“ oder „Bürohaus“. Tatsächlich bauen sie das Berliner Büro des Architekten selbst. Daher keine weiteren Erklärungen am Schild. Wird bestimmt toll. Ein großartiger Architekt. Er hat unter anderem die Dolce & Gabbana Stores entworfen. Ich sehe aus dem Küchenfenster den Kran von der Baustelle, der ist auch besonders schön, kommt es mir vor. So schön, dass ich ihn schon fotografiert habe. So einen hab ich noch nie hier in der Ecke gesehen, und in meiner Ecke gab es viele Kräne in den letzten dreizehn Jahren. Wahrscheinlich der Ferrari oder Rolls Royce unter den Kränen. Ganz schön spannend, was da wohl entsteht. Man sieht nichts, nur diese hohe rote Hölzerwand, wie ein Paravent. Das Haus gefällt mir besonders gut. America’s Cup Pavillon in Valencia. Furiose Baukunst. Das Berliner Architekten Team bringt bestimmt großartige Vibrations in die Ecke schräg gegenüber. Bei visionärer Architektur schlägt mein Herz ganz hoch.
10. Dezember 2011
„Im Schmerz ist für Sentimentalität kein Platz. Nur Wehwehchen machen sentimental. Beim Äußersten an Leid hören die Schnörkel auf. Wenn man nicht seelisch krepieren will, muss man in die tiefste Tiefe des Schmerzes hinabtauchen und sich irgendwann mit beiden Beinen vom Grund abstoßen.“
Erika Pluhar
Ein lesenswertes Interview.
10. Dezember 2011
Vorhin bei Aldi entdeckt: eine Dose Kidneybohnen, vierhundertfünfundzwanzig Milliliter, für fünfunddreißig Cent. Wenn es mal hart auf hart kommt, gibt es einen Monat lang Kidneybohnen-Diät, jeden Tag eine Dose, an besonderen Festtagen auch mal zwei. Dann müsste man für die Hauptmahlzeiten pro Monat nur noch knapp zehn Euro einkalkulieren. Unglaublich. Aber okay, so weit ist es noch nicht. Ich habe sogar geschafft, das Budget der letzten Woche nicht auszuschöpfen und nun runde zehn Euro bis zum nächsten Umschlag übrig. Ha!
Auf dem Rückweg von der U-Bahn am Rosenthaler Platz über die Linienstraße in meine Straße biegend, die neuere Baustelle schräg gegenüber von meiner Hütte genauer angeschaut. Seltsame Variante von Bauzaun oder wie man das nennen soll, aus rotlackierten Hölzern, so karierte Streben, wie Raumteiler im Chinarestaurant, aber haushoch. Auf das Schild geguckt: David Chipperfield Architects. Dachte erst, die bauen da was im Auftrag in die Lücke. Wunderte mich nur, dass das Objekt nicht wie üblich beschrieben wird, mit „Wohnhaus“ oder „Apartmenthaus“ oder „Bürohaus“. Tatsächlich bauen sie das Berliner Büro des Architekten selbst. Daher keine weiteren Erklärungen am Schild. Wird bestimmt toll. Ein großartiger Architekt. Er hat unter anderem die Dolce & Gabbana Stores entworfen. Ich sehe aus dem Küchenfenster den Kran von der Baustelle, der ist auch besonders schön, kommt es mir vor. So schön, dass ich ihn schon fotografiert habe. So einen hab ich noch nie hier in der Ecke gesehen, und in meiner Ecke gab es viele Kräne in den letzten dreizehn Jahren. Wahrscheinlich der Ferrari oder Rolls Royce unter den Kränen. Ganz schön spannend, was da wohl entsteht. Man sieht nichts, nur diese hohe rote Hölzerwand, wie ein Paravent. Das Haus gefällt mir besonders gut. America’s Cup Pavillon in Valencia. Furiose Baukunst. Das Berliner Architekten Team bringt bestimmt großartige Vibrations in die Ecke schräg gegenüber. Bei visionärer Architektur schlägt mein Herz ganz hoch.
10. Dezember 2011
Zwölf Uhr neununddreißig. Wie lange brauche ich eigentlich für so einen Blogeintrag, mal gucken. Ich trödle gerade rum, weil ich gerade ausgekundschaftet habe, dass Aldi in der Brunnenstraße bis 20:00 Uhr auf hat. Die Waschmaschine macht ihre lustigen Geräusche und der Kaffee schmeckt. Gestern neuen geholt, aber nicht bei Aldi sondern bei Edeka am Hackeschen Markt. Superspar heißt der Supermarkt. Die Preise sind allerdings nicht so supersparmäßig, wie ich ja nun gelernt habe. Vier Produkte habe ich gekauft, die nicht bei Aldi erhältlich sind: 1 Kürbis, 1 Dose Kokosmilch, 1 Päckchen Lavazza-Kaffee, 1 Tüte Seitenbacher No. 107. Schon am Gemüsestand bin ich fast mit einem Mann zusammengerumpelt, aber nur fast, der mir irgendwie bekannt vorgekommen ist. Ich weiß aber nicht wo ich ihn hintun soll. Er hat mich irgendwie so vertraulich angelächelt. Man hat gemerkt, dass ich ihm wohl sympathisch bin. Ich war ein bißchen verwundert über die Reaktion, weil es schon ein bißchen mehr war als das übliche Höflichkeitslächeln, wenn man jemandem ausweicht. Vorm Kaffeeregal war er dann auch zufällig zugange und lächelt die ganze Zeit so in sich hinein. An der Kasse standen wir dann parallel an und ich hatte das Gefühl, dass er guckt, was ich gekauft habe und überhaupt. Ich komme einfach nicht drauf wo ich ihn hintun soll. Als ob ich sein Gesicht von irgendeinem Foto kenne. Oder einem Bandplakat. Er passt jedenfalls in das klassische Rockmusiker-Klischee. Der macht bestimmt was mit Musik. Einen Moment überlegte ich, ob er vielleicht Blogs liest und mich von Fotos von meinem Blog her kennt und deswegen so lächelt. Es war schon nah am Grinsen. Irritierend. Er sah ziemlich interessant aus. Attraktiv. Größer als ich und ein bißchen längere dunkle Haare, aber nicht so eine schlimme Hippie-Matte. So Typ Anthony Kiedis in älter, Ende Vierzig – obwohl der ist ja auch nicht mehr so jung. Und irgendwie so ein leichter D’Artagnan-Bart, aber nur minimal, mehr so ausgezirkelt hinrasiert. Na ja, wie auch immer. Ich war relativ ungestylt, aber in der Spiegelung der Schaufensterscheiben hab ich gesehen, dass ich auf eine unprätentiöse Art irgendwie ganz cool rübergekommen bin, mit meiner schwarzen Rocker-Lederjacke und dem schwarzen Nicki-Kapuzen-Teil drunter. Von der morgendlichen Schminke war nicht mehr viel da, aber ich war ganz souverän drauf und das hat man wohl gesehen. Schätze ich mal. Ich entwickle immer mehr so ein Lausbuben-Ego, habe ich das Gefühl. Ganz weit weg von Tussi und Dame. Mehr so Pferdestehlen. So, Eintrag fertig. Sonne blendet gerade auch, ist gerade rausgekommen. Zwölf Uhr siebenundfünfzig. Achtzehn Minuten für den Blogeintrag!

05. Dezember 2011
Warnung – sehr langer Eintrag
Mit Vernunft (…) wird die Fähigkeit des menschlichen Geistes bezeichnet, von einzelnen Beobachtungen und Erfahrungen auf universelle Zusammenhänge in der Welt zu schließen, deren Bedeutung zu erkennen und danach zu handeln – insbesondere auch im Hinblick auf die eigene Lebenssituation (…) Wikipedia

Ich bemühe mich sehr um Vernunft. Mehr als je zuvor. Vernunft kann aber auch sein, über die Stränge zu schlagen, wenn die Kraft einen oben auf der Welle trägt, zu ungeahnten Horizonten. Jetzt ist eine andere Zeit, ich erkenne das. Die Wellen sind nicht furios, nicht sensationell, eher gleichmäßig, unspektakulär. Was war eher da, die Henne oder das Ei? Die Reduktion der Ereignisse oder die Reduktion der Motivation?. Oder beides parallel. Ich glaube ja, mehr oder weniger gleichzeitig. Die Welle zog sich zurück und ich mich mit ihr. Ich kümmere mich um Dinge, die mir sehr lange keinen Gedanken wert waren. Unerwarteterweise erfahre ich bei meiner relativ jungen Beschäftigung mit Preisen für Lebenshaltungskosten eine Art Forscherglück. Ach, das klingt so beschönigend. Es ist vielleicht auch nur deshalb wahr, weil ich es nur aus einem vorübergehenden Engpass betreibe. Vor etwa fünfzehn Jahren hatte ich das auch mal, da war es aber schlimmer und schwieriger in den Griff zu bekommen. Es ist nicht existentiell, das muss man hinzufügen. Wenn man innerhalb einiger Monate mit knallharter Disziplin wieder in den grünen Bereich kommt, ohne außerordentliche Zuwendungen, ist es noch kein Desaster.
Ich war einfach sehr leichtsinnig in den letzten Jahren. Bequem auch, viel unterwegs, viele Taxifahrten, um schneller im Bett zu sein. Ich habe mir allen Ernstes Holunderbeersaft aus der Privatkelterei van Nahmen zu Butter Lindner in der Rosenthaler Straße liefern lassen, vom Catering Service. Eine ganze Kiste. Damit ich möglichst bequem, im Vorbeigehen (ich laufe jeden Tag an dem Laden vorbei) immer mal wieder ein Fläschchen holen konnte. Dass die Flasche zum Preis von knapp sieben Euro mehr als einen Euro oder sogar noch mehr teurer war als in der Feinschmecker-Abteilung von Galeria Kaufhof am Alexanderplatz, war mir die Bequemlichkeit wert. Man muss vielleicht wissen, dass der Kaufhof am Alex nur eine sehr, sehr kurze Haltestelle von dem Butter Lindner-Laden in der Rosenthaler entfernt ist. Aber: hin und zurück inclusive an der Kasse anstehen bestimmt ein halbes Stündchen Lebenszeit.
Aber was ich mache, mache ich ganz. Über die Stränge schlagen oder Klausur. Mit großem Sportsgeist habe ich mir also seit Anfang November auferlegt, mit fünfzig Euro Wirtschaftsgeld pro Woche auszukommen. Bis jetzt hat es prima geklappt. Das Wirtschaftsgeld ist für Lebensmittel und Hygieneartikel zu verwenden. Alles andere wird, bis auf meine BVG-Monatskarte, vom Konto abgebucht. Für den ganzen Dezember habe ich insgesamt 220 Euro zur Verfügung. Ich packe die fünfzig Euro-Scheine für eine Woche immer in einen Umschlag, den ich beschrifte. Ich darf nur noch einmal pro Monat zum Geldautomaten gehen und da hebe ich das ganze mir zustehende Wirtschaftsgeld in einer Transaktion ab. Was für ein Gefühl neulich, nach längerer Zeit keinen Minusbetrag mehr auf der Kontostand-Zwangsanzeige des Sparkassen-Geldautomaten zu sehen. Neuerdings hole ich mir sogar freiwillig Kontoauszüge, was ich in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren tunlichst vermieden habe.
Wenn ich dann also das Bargeld habe, gehe ich freudig meine vier bis fünf Briefumschläge für den jungfräulichen Monat beschriften. Und zukleben! Das hat mir vor vielen Jahren schon einmal aus der Misere geholfen. Die Hemmschwelle ist viel, viel größer, als wie wenn das Geld so offen Kraut und Rüben griffbereit im Portmonnaie liegt. Ich würde mich vor mir selber schämen, wenn ich vor der Zeit einen neuen Umschlag öffnen würde. Lieber verzichte ich auf etwas! Es ist ja meistens nur ein paar Tage, bis der nächste Umschlag dran ist. Und wie groß die Freude dann ist! Unter anderem bin ich ja bis vor kurzem mehr oder weniger jeden Tag in dem einen oder anderen gastronomischen Betrieb zu Gast gewesen. Und wenn es nur die durchaus preisgünstige TU Mensa war. Kleinvieh macht auch Mist. Das läppert sich!
Um auf die oben erwähnte Welle zurückzukommen: da trifft es sich ganz gut, dass meine Verfassung im Moment sowieso etwas Klösterliches hat. Das passt eigentlich alles ganz gut zusammen. Schauen, was man wirklich braucht. Ich habe noch nie zuvor einen derartigen Genuss bei einer Tasse Lavazza-Cappuccino mit einer doppelten Portion Espresso oben drauf gehabt, wie in diesen Tagen. Mein größter Luxus nunmehr! Früher: gewöhnlich! Ich habe früher nicht mitgezählt. Was für eine Vorfreude auf kleine Dinge sich entwickeln. Es ist furios. Ich bin in kürzester Zeit eine Top-Fachkraft in Sachen Preisvergleich im Lebensmittelhandel geworden. Noch vor acht Wochen hätte ich nur vage beantworten können, was ein Stück Butter kostet, wenn es preisgünstig ist. Ich habe die Sachen einfach nach Appetit, Qualität und Schönheit der Verpackung ausgeguckt, in den Wagen gelegt und an der Kasse bezahlt. Hat immer einwandfrei geklappt. Bis ich nun doch dahinter gekommen bin, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen meinem Desinteresse am Preisvergleich und meinem unverändert homöopathischen Kontostand bestehen könnte.
Nun habe ich zwar kein Auto aber zwei Mieten zu bezahlen. Das haut schon ganz schön rein. Über die Höhe wollen wir hier nicht sprechen. Des weiteren bin ich seit vielen Jahren im Naturschutzbund stilles, zahlendes Mitglied, damit ordentlich viele Hektar Landschaft für Biosphärenreservate gekauft werden können. Dann habe ich einen Kabelanschluss, obwohl ich seit ungefähr vier Jahren nur noch zweimal im Jahr den Fernseher anschalte. GEZ, Ehrensache. Schließlich höre ich zu gerne die Internetkonserven von Bettina Rusts sonntäglicher Radiosendung. Ob meine zwei Greenpeace Energy-Verträge für die beiden Mietobjekte nun sonderlich preisgünstig sind, weiß ich gar nicht, aber das ist für mich eher ein Politikum, eine Frage, was und auch wen man unterstützen will mit seinem Schotter. Eine Frage der Vernunft.
Sehr wohl allerdings in Frage zu stellen ist mein Vertrag für den Internetzugang. Und hier muss ich endlich Schritte einleiten. Dieser mein Vertrag widerspricht nun jedweder Vernunft. Es ist direkt peinlich zuzugeben. Ich kriege es kaum über die Tasten. Ich habe vor vielen Jahren, zu vielen Jahren, eine Flatrate für Internet und Telefon gebucht, die seinerzeit quasi der Rolls Royce unter den Internetzugängen war. Aber die Zeiten ändern sich! Damals wollte ich einfach nur das schnellste Internet wo gibt, Geld spielt keine Rolle. Sehr freundlich war der Kundendienst zu mir, schon damals waren alle möglichen Extras drin, die ich gar nicht genutzt habe. Hauptsache schnelles Internet! Nun wurden aber alle Internets auf einmal ganz schnell, nicht nur meins mit dem teuren Vertrag. Und auf einmal kam ein Anruf, dass jetzt noch ein Extra dazukommt und ob ich das haben will, der Preis wäre der gleiche.
Oder so ähnlich. Oder nein, es war noch anders, es hieß glaube ich, es gibt jetzt noch ein schnelleres Internet und da ist auch gleich automatisch so ein Entertaiment-Paket dabei, irgendwas für den Fernseher, was mich aber gar nicht interessiert hat, weil ich wollte ja immer noch nur schnelles, schnelles Internet! Also hab ich ja gesagt, mir doch egal, ob da was für den Fernseher dabei ist. Auf einmal liegt irgendwann kurz nach diesem Anruf ein Paketzusteller-Zettel im Briefkasten, ich sollte bei der Schauspieleragentur in der ersten Etage ein Paket abholen. Ich hab mich erstmal gefreut, weil man weiß ja nie, Überraschung, Überraschung! Und bei der Schauspieleragentur im ersten Stock war ich auch noch nie, vielleicht geht die Tür auf und lauter tolle prominente deutsche männliche Schauspieler stehen vor mir, die in echt unerwartet attraktiv und sympathisch ausschauen. Also nichts wie hin und das Paket geholt.
Was soll ich sagen: die Agentur-Inhaberin öffnet die Tür, hinter ihr an der Wand sehe ich lauter Schwarzweiß-Portraitfotos von Schauspielern, sie ist aber leider alleine in den Räumlichkeiten, wie es scheint, da man keine Stimmen hört. Eine sehr attraktive Brünette, die mich angetan anlächelt. Schade, dass ich keine Schauspielerin bin, bestimmt könnte sie viel für mich tun. Aber um zur Sache zu kommen: ich zeige ihr meinen Paketzettel und sie hat das Ding schon gleich griffbereit neben der Tür. Ein nicht zu kleiner Karton. Ungefähr so groß wie die Verpackung für einen ziemlich großen Videorecorder. Also DVD-Player für die Jüngeren. So Stereoanlagen-Receiver-aus-den-Achtzigern-Größe. Um es kurz zu machen: es stand unverkennbar der Name von meiner Internet-Zugang-Firma drauf. Sehr verwirrend. Ich habe es ihr aus der Hand genommen und mich mit einem besonders verbindlichen Lächeln verabschiedet. Man weiß ja nie.
Oben, im fünften Stock mache ich den Karton vorsichtig auf, obwohl ja schon drauf stand, was drin ist. Ich wollte mich nur von der Größe des gewichtigen Objekts überzeugen. Ein großer, schwerer schwarzer Kasten, mit einem eingeschweißten Umschlag mit persönlichen Zugangsdaten für dieses Entertainment-Paket. Kann man irgendwie an den Fernseher anschließen, vorausgesetzt vermutlich, man hat ein besonders neuzeitliches Modell, was ich aber bestimmt nicht besitze. Mir eigentlich auch völlig schnurz. Das Ding hat nichts extra gekostet, weil ich den Vertrag in der Einführungswoche gemacht habe, wo der Kasten umsonst dabei war. Ein Receiver quasi für Fernsehprogramme auf Abruf. So ähnlich, wie man wahrscheinlich jetzt schon seit geraumer Zeit in den Internet-Mediatheken alles mögliche anschauen kann, nur halt weltweiter und unbegrenzter, was weiß ich. Egal. Wohin mit dem Kasten? Nun hat er seit einigen Jahren seinen Platz in der Bettwäschetruhe im Schlafzimmer.
Unangeschlossen. Ich brauche das alles nicht. Es interessiert mich nicht. Ich wollte den Kasten schon verschenken, aber dann bräuchte ja derjenige so einen blöden teuren Vertrag wie ich, so eine Scheiße! Ich zahle also seit ich-weiß-nicht-wann diesen Entertainment-Quatsch für den Fernseher und habe über Jahre überhaupt nicht das immense Spar-Potenzial realisiert, wenn ich den Vertrag nur etwas schlichter halten würde. Nun fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren! O.k. ich habe damit Arbeitsplätze gesichert, so was sage ich mir dann immer. Ist auch wichtig! Aber nun sind mal andere dran, ich habe mein Scherflein lange genug dazu beigetragen. Somit ist eines meiner nächsten Lebensziele, diesen komischen Entertainment-Internet-Vertrag meinen tatsächlichen Konsumgewohnheiten anzupassen. Damit könnte sich mein wöchentliches Wirtschaftsgeld glatt um zehn Euro erhöhen, wenn nicht mehr. So viel also zur Haushaltslage. Der Haushalt ist im Prinzip bereits konsolidiert, nun geht es darum Überschuss zu erwirtschaften.
Dann könnte ich vielleicht sogar mal wieder, so wie früher, die eine oder andere extravagante Fernreise in Betracht ziehen. Ich denke, das wird sich alles zur rechten Zeit finden. Im Moment wüsste ich sowieso noch nicht, wo ich als nächstes hinwollte. Es gibt also kein echtes Fernwehproblem. Ich habe noch so viele Bilder von früheren Reisen in mir. Das will alles wohl überlegt sein. Meine Prognose ist, wenn ich genug Extra-Geld auf dem Konto habe, und damit meine ich so viel, dass ich mir auch noch qualitativ hochwertigen Zahnersatz nach der Rückkehr leisten könnte, ohne in den roten Bereich zu kommen, ist es so weit. Dann wird sich alles fügen und plötzlich wird es einen fernen Ort geben, zu dem es mich unweigerlich zieht, ihn zu entdecken. Aber erst mal nicht.
Und das Gleiche gilt für die anderen Dinge. Menschen zu treffen, freiwillig. Mit ihnen zu sprechen. Im Moment muss ich verstehen und begreifen und sortieren. Das braucht viel Zeit. Es ist nämlich so, wenn man wie ich keine Lust auf Geplauder hat, in der Begegnung den Tiefgang sucht, kann das Gegenüber zu Recht erwarten, dass man um diese Qualität zu erreichen, von sich wesentliche Dinge preisgibt, sich offenbart. Was einen im Tiefsten bewegt. Und genau das kann ich im Augenblick nicht bieten. Es ist mir kein Bedürfnis, aus einem Schutzbedürfnis. Über manche Dinge, die man laut aussprach, denkt man später – ich hätte es gar nicht sagen sollen, nicht laut aussprechen. Ich habe es stark damit gemacht. Dem Unwürdigen dadurch Raum und Gewicht geschenkt.
Darum geht es. Darum ist es nicht immer gut, sich auszusprechen. Ich wünschte, ich hätte mich in einiger Hinsicht in den letzten Jahren weniger offenbart. Und ich wünschte, manche hätten mir manches nicht erzählt. Dinge, die ich nicht richtig fand, dass sie mein Ohr erreichten. Indiskretion aus Vertrauen. Nur gut gemeint, aber nicht gut, nicht richtig bei mir angekommen, auf einer filigranen, schwer greifbaren, vielleicht ätherischen Ebene mir nicht gut bekommen. Ich glaube, das ist ein fürchterlich langer Blogeintrag. Ich muss bestimmt ein paar Absätze reinmachen, bevor ich ihn veröffentliche. Die letzten Tage fühlte ich mich zu schwach etwas zu schreiben. Auch physisch. Deswegen ist es jetzt so viel geworden. Man muss die Gunst der Stunde nutzen. Auch beim Bloggen. Beim Schreiben. Immer. Auf der Welle reiten.
05. Dezember 2011
Warnung – sehr langer Eintrag
Mit Vernunft (…) wird die Fähigkeit des menschlichen Geistes bezeichnet, von einzelnen Beobachtungen und Erfahrungen auf universelle Zusammenhänge in der Welt zu schließen, deren Bedeutung zu erkennen und danach zu handeln – insbesondere auch im Hinblick auf die eigene Lebenssituation (…) Wikipedia

Ich bemühe mich sehr um Vernunft. Mehr als je zuvor. Vernunft kann aber auch sein, über die Stränge zu schlagen, wenn die Kraft einen oben auf der Welle trägt, zu ungeahnten Horizonten. Jetzt ist eine andere Zeit, ich erkenne das. Die Wellen sind nicht furios, nicht sensationell, eher gleichmäßig, unspektakulär. Was war eher da, die Henne oder das Ei? Die Reduktion der Ereignisse oder die Reduktion der Motivation?. Oder beides parallel. Ich glaube ja, mehr oder weniger gleichzeitig. Die Welle zog sich zurück und ich mich mit ihr. Ich kümmere mich um Dinge, die mir sehr lange keinen Gedanken wert waren. Unerwarteterweise erfahre ich bei meiner relativ jungen Beschäftigung mit Preisen für Lebenshaltungskosten eine Art Forscherglück. Ach, das klingt so beschönigend. Es ist vielleicht auch nur deshalb wahr, weil ich es nur aus einem vorübergehenden Engpass betreibe. Vor etwa fünfzehn Jahren hatte ich das auch mal, da war es aber schlimmer und schwieriger in den Griff zu bekommen. Es ist nicht existentiell, das muss man hinzufügen. Wenn man innerhalb einiger Monate mit knallharter Disziplin wieder in den grünen Bereich kommt, ohne außerordentliche Zuwendungen, ist es noch kein Desaster.
Ich war einfach sehr leichtsinnig in den letzten Jahren. Bequem auch, viel unterwegs, viele Taxifahrten, um schneller im Bett zu sein. Ich habe mir allen Ernstes Holunderbeersaft aus der Privatkelterei van Nahmen zu Butter Lindner in der Rosenthaler Straße liefern lassen, vom Catering Service. Eine ganze Kiste. Damit ich möglichst bequem, im Vorbeigehen (ich laufe jeden Tag an dem Laden vorbei) immer mal wieder ein Fläschchen holen konnte. Dass die Flasche zum Preis von knapp sieben Euro mehr als einen Euro oder sogar noch mehr teurer war als in der Feinschmecker-Abteilung von Galeria Kaufhof am Alexanderplatz, war mir die Bequemlichkeit wert. Man muss vielleicht wissen, dass der Kaufhof am Alex nur eine sehr, sehr kurze Haltestelle von dem Butter Lindner-Laden in der Rosenthaler entfernt ist. Aber: hin und zurück inclusive an der Kasse anstehen bestimmt ein halbes Stündchen Lebenszeit.
Aber was ich mache, mache ich ganz. Über die Stränge schlagen oder Klausur. Mit großem Sportsgeist habe ich mir also seit Anfang November auferlegt, mit fünfzig Euro Wirtschaftsgeld pro Woche auszukommen. Bis jetzt hat es prima geklappt. Das Wirtschaftsgeld ist für Lebensmittel und Hygieneartikel zu verwenden. Alles andere wird, bis auf meine BVG-Monatskarte, vom Konto abgebucht. Für den ganzen Dezember habe ich insgesamt 220 Euro zur Verfügung. Ich packe die fünfzig Euro-Scheine für eine Woche immer in einen Umschlag, den ich beschrifte. Ich darf nur noch einmal pro Monat zum Geldautomaten gehen und da hebe ich das ganze mir zustehende Wirtschaftsgeld in einer Transaktion ab. Was für ein Gefühl neulich, nach längerer Zeit keinen Minusbetrag mehr auf der Kontostand-Zwangsanzeige des Sparkassen-Geldautomaten zu sehen. Neuerdings hole ich mir sogar freiwillig Kontoauszüge, was ich in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren tunlichst vermieden habe.
Wenn ich dann also das Bargeld habe, gehe ich freudig meine vier bis fünf Briefumschläge für den jungfräulichen Monat beschriften. Und zukleben! Das hat mir vor vielen Jahren schon einmal aus der Misere geholfen. Die Hemmschwelle ist viel, viel größer, als wie wenn das Geld so offen Kraut und Rüben griffbereit im Portmonnaie liegt. Ich würde mich vor mir selber schämen, wenn ich vor der Zeit einen neuen Umschlag öffnen würde. Lieber verzichte ich auf etwas! Es ist ja meistens nur ein paar Tage, bis der nächste Umschlag dran ist. Und wie groß die Freude dann ist! Unter anderem bin ich ja bis vor kurzem mehr oder weniger jeden Tag in dem einen oder anderen gastronomischen Betrieb zu Gast gewesen. Und wenn es nur die durchaus preisgünstige TU Mensa war. Kleinvieh macht auch Mist. Das läppert sich!
Um auf die oben erwähnte Welle zurückzukommen: da trifft es sich ganz gut, dass meine Verfassung im Moment sowieso etwas Klösterliches hat. Das passt eigentlich alles ganz gut zusammen. Schauen, was man wirklich braucht. Ich habe noch nie zuvor einen derartigen Genuss bei einer Tasse Lavazza-Cappuccino mit einer doppelten Portion Espresso oben drauf gehabt, wie in diesen Tagen. Mein größter Luxus nunmehr! Früher: gewöhnlich! Ich habe früher nicht mitgezählt. Was für eine Vorfreude auf kleine Dinge sich entwickeln. Es ist furios. Ich bin in kürzester Zeit eine Top-Fachkraft in Sachen Preisvergleich im Lebensmittelhandel geworden. Noch vor acht Wochen hätte ich nur vage beantworten können, was ein Stück Butter kostet, wenn es preisgünstig ist. Ich habe die Sachen einfach nach Appetit, Qualität und Schönheit der Verpackung ausgeguckt, in den Wagen gelegt und an der Kasse bezahlt. Hat immer einwandfrei geklappt. Bis ich nun doch dahinter gekommen bin, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen meinem Desinteresse am Preisvergleich und meinem unverändert homöopathischen Kontostand bestehen könnte.
Nun habe ich zwar kein Auto aber zwei Mieten zu bezahlen. Das haut schon ganz schön rein. Über die Höhe wollen wir hier nicht sprechen. Des weiteren bin ich seit vielen Jahren im Naturschutzbund stilles, zahlendes Mitglied, damit ordentlich viele Hektar Landschaft für Biosphärenreservate gekauft werden können. Dann habe ich einen Kabelanschluss, obwohl ich seit ungefähr vier Jahren nur noch zweimal im Jahr den Fernseher anschalte. GEZ, Ehrensache. Schließlich höre ich zu gerne die Internetkonserven von Bettina Rusts sonntäglicher Radiosendung. Ob meine zwei Greenpeace Energy-Verträge für die beiden Mietobjekte nun sonderlich preisgünstig sind, weiß ich gar nicht, aber das ist für mich eher ein Politikum, eine Frage, was und auch wen man unterstützen will mit seinem Schotter. Eine Frage der Vernunft.
Sehr wohl allerdings in Frage zu stellen ist mein Vertrag für den Internetzugang. Und hier muss ich endlich Schritte einleiten. Dieser mein Vertrag widerspricht nun jedweder Vernunft. Es ist direkt peinlich zuzugeben. Ich kriege es kaum über die Tasten. Ich habe vor vielen Jahren, zu vielen Jahren, eine Flatrate für Internet und Telefon gebucht, die seinerzeit quasi der Rolls Royce unter den Internetzugängen war. Aber die Zeiten ändern sich! Damals wollte ich einfach nur das schnellste Internet wo gibt, Geld spielt keine Rolle. Sehr freundlich war der Kundendienst zu mir, schon damals waren alle möglichen Extras drin, die ich gar nicht genutzt habe. Hauptsache schnelles Internet! Nun wurden aber alle Internets auf einmal ganz schnell, nicht nur meins mit dem teuren Vertrag. Und auf einmal kam ein Anruf, dass jetzt noch ein Extra dazukommt und ob ich das haben will, der Preis wäre der gleiche.
Oder so ähnlich. Oder nein, es war noch anders, es hieß glaube ich, es gibt jetzt noch ein schnelleres Internet und da ist auch gleich automatisch so ein Entertaiment-Paket dabei, irgendwas für den Fernseher, was mich aber gar nicht interessiert hat, weil ich wollte ja immer noch nur schnelles, schnelles Internet! Also hab ich ja gesagt, mir doch egal, ob da was für den Fernseher dabei ist. Auf einmal liegt irgendwann kurz nach diesem Anruf ein Paketzusteller-Zettel im Briefkasten, ich sollte bei der Schauspieleragentur in der ersten Etage ein Paket abholen. Ich hab mich erstmal gefreut, weil man weiß ja nie, Überraschung, Überraschung! Und bei der Schauspieleragentur im ersten Stock war ich auch noch nie, vielleicht geht die Tür auf und lauter tolle prominente deutsche männliche Schauspieler stehen vor mir, die in echt unerwartet attraktiv und sympathisch ausschauen. Also nichts wie hin und das Paket geholt.
Was soll ich sagen: die Agentur-Inhaberin öffnet die Tür, hinter ihr an der Wand sehe ich lauter Schwarzweiß-Portraitfotos von Schauspielern, sie ist aber leider alleine in den Räumlichkeiten, wie es scheint, da man keine Stimmen hört. Eine sehr attraktive Brünette, die mich angetan anlächelt. Schade, dass ich keine Schauspielerin bin, bestimmt könnte sie viel für mich tun. Aber um zur Sache zu kommen: ich zeige ihr meinen Paketzettel und sie hat das Ding schon gleich griffbereit neben der Tür. Ein nicht zu kleiner Karton. Ungefähr so groß wie die Verpackung für einen ziemlich großen Videorecorder. Also DVD-Player für die Jüngeren. So Stereoanlagen-Receiver-aus-den-Achtzigern-Größe. Um es kurz zu machen: es stand unverkennbar der Name von meiner Internet-Zugang-Firma drauf. Sehr verwirrend. Ich habe es ihr aus der Hand genommen und mich mit einem besonders verbindlichen Lächeln verabschiedet. Man weiß ja nie.
Oben, im fünften Stock mache ich den Karton vorsichtig auf, obwohl ja schon drauf stand, was drin ist. Ich wollte mich nur von der Größe des gewichtigen Objekts überzeugen. Ein großer, schwerer schwarzer Kasten, mit einem eingeschweißten Umschlag mit persönlichen Zugangsdaten für dieses Entertainment-Paket. Kann man irgendwie an den Fernseher anschließen, vorausgesetzt vermutlich, man hat ein besonders neuzeitliches Modell, was ich aber bestimmt nicht besitze. Mir eigentlich auch völlig schnurz. Das Ding hat nichts extra gekostet, weil ich den Vertrag in der Einführungswoche gemacht habe, wo der Kasten umsonst dabei war. Ein Receiver quasi für Fernsehprogramme auf Abruf. So ähnlich, wie man wahrscheinlich jetzt schon seit geraumer Zeit in den Internet-Mediatheken alles mögliche anschauen kann, nur halt weltweiter und unbegrenzter, was weiß ich. Egal. Wohin mit dem Kasten? Nun hat er seit einigen Jahren seinen Platz in der Bettwäschetruhe im Schlafzimmer.
Unangeschlossen. Ich brauche das alles nicht. Es interessiert mich nicht. Ich wollte den Kasten schon verschenken, aber dann bräuchte ja derjenige so einen blöden teuren Vertrag wie ich, so eine Scheiße! Ich zahle also seit ich-weiß-nicht-wann diesen Entertainment-Quatsch für den Fernseher und habe über Jahre überhaupt nicht das immense Spar-Potenzial realisiert, wenn ich den Vertrag nur etwas schlichter halten würde. Nun fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren! O.k. ich habe damit Arbeitsplätze gesichert, so was sage ich mir dann immer. Ist auch wichtig! Aber nun sind mal andere dran, ich habe mein Scherflein lange genug dazu beigetragen. Somit ist eines meiner nächsten Lebensziele, diesen komischen Entertainment-Internet-Vertrag meinen tatsächlichen Konsumgewohnheiten anzupassen. Damit könnte sich mein wöchentliches Wirtschaftsgeld glatt um zehn Euro erhöhen, wenn nicht mehr. So viel also zur Haushaltslage. Der Haushalt ist im Prinzip bereits konsolidiert, nun geht es darum Überschuss zu erwirtschaften.
Dann könnte ich vielleicht sogar mal wieder, so wie früher, die eine oder andere extravagante Fernreise in Betracht ziehen. Ich denke, das wird sich alles zur rechten Zeit finden. Im Moment wüsste ich sowieso noch nicht, wo ich als nächstes hinwollte. Es gibt also kein echtes Fernwehproblem. Ich habe noch so viele Bilder von früheren Reisen in mir. Das will alles wohl überlegt sein. Meine Prognose ist, wenn ich genug Extra-Geld auf dem Konto habe, und damit meine ich so viel, dass ich mir auch noch qualitativ hochwertigen Zahnersatz nach der Rückkehr leisten könnte, ohne in den roten Bereich zu kommen, ist es so weit. Dann wird sich alles fügen und plötzlich wird es einen fernen Ort geben, zu dem es mich unweigerlich zieht, ihn zu entdecken. Aber erst mal nicht.
Und das Gleiche gilt für die anderen Dinge. Menschen zu treffen, freiwillig. Mit ihnen zu sprechen. Im Moment muss ich verstehen und begreifen und sortieren. Das braucht viel Zeit. Es ist nämlich so, wenn man wie ich keine Lust auf Geplauder hat, in der Begegnung den Tiefgang sucht, kann das Gegenüber zu Recht erwarten, dass man um diese Qualität zu erreichen, von sich wesentliche Dinge preisgibt, sich offenbart. Was einen im Tiefsten bewegt. Und genau das kann ich im Augenblick nicht bieten. Es ist mir kein Bedürfnis, aus einem Schutzbedürfnis. Über manche Dinge, die man laut aussprach, denkt man später – ich hätte es gar nicht sagen sollen, nicht laut aussprechen. Ich habe es stark damit gemacht. Dem Unwürdigen dadurch Raum und Gewicht geschenkt.
Darum geht es. Darum ist es nicht immer gut, sich auszusprechen. Ich wünschte, ich hätte mich in einiger Hinsicht in den letzten Jahren weniger offenbart. Und ich wünschte, manche hätten mir manches nicht erzählt. Dinge, die ich nicht richtig fand, dass sie mein Ohr erreichten. Indiskretion aus Vertrauen. Nur gut gemeint, aber nicht gut, nicht richtig bei mir angekommen, auf einer filigranen, schwer greifbaren, vielleicht ätherischen Ebene mir nicht gut bekommen. Ich glaube, das ist ein fürchterlich langer Blogeintrag. Ich muss bestimmt ein paar Absätze reinmachen, bevor ich ihn veröffentliche. Die letzten Tage fühlte ich mich zu schwach etwas zu schreiben. Auch physisch. Deswegen ist es jetzt so viel geworden. Man muss die Gunst der Stunde nutzen. Auch beim Bloggen. Beim Schreiben. Immer. Auf der Welle reiten.
04. Dezember 2011
Das Frag den Abendwind-Lied gefällt mir noch besser. Aber da ist nicht so eine tolle Ansage* von Thomas Fritsch drin. Schon lange die alten Françoise Hardy-Schallplatten nicht mehr gehört. Françoise Hardy hat mir schon immer gut gefallen, nicht nur wie sie singt. Sie guckt immer so eigenwillig. Dass sie super aussieht, immer schon sehr modern und untussimäßig, kommt noch erschwerend hinzu. So wollte ich von klein auf werden. Hosenanzüge haben mir immer schon besser gefallen als Kostüme. Vielleicht weil die Hosenanzug-Frauen nicht nach Mutti, Tante und Kaffeeklatsch sondern mehr nach schicken Abenteuern, Safari und um-die-Welt-Reisen ausgeschaut haben. Aber ohne Drei-Wetter-Taft. Und bunte Minikleider und lange Partykleider mit wilden Paisley- und Pucci-Mustern wollte ich auch noch anziehen.

Mini und Maxi hat man damals dazu gesagt. Midi war uninteressant. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Total spießig. Aber lange Partykleider, rückenfrei. Einfach super. Leider habe ich nie eines gehabt. Mangels Party-Einladungen in meiner Kindheit. Und später dann waren lange Partykleider auf einmal unmodern. Nie wäre man in die Disco mit langem Kleid gegangen, die Hippiezeit war auch schon vorbei. Schade. Und jetzt wo ich groß bin, läd mich auch keiner zu Parties mit langen Kleidern ein. Ganz schön blöd.
* „…im schwarzen Smoking von Yves Saint-Laurent, dem letzten Modeschrei.“
04. Dezember 2011
Das Frag den Abendwind-Lied gefällt mir noch besser. Aber da ist nicht so eine tolle Ansage* von Thomas Fritsch drin. Schon lange die alten Françoise Hardy-Schallplatten nicht mehr gehört. Françoise Hardy hat mir schon immer gut gefallen, nicht nur wie sie singt. Sie guckt immer so eigenwillig. Dass sie super aussieht, immer schon sehr modern und untussimäßig, kommt noch erschwerend hinzu. So wollte ich von klein auf werden. Hosenanzüge haben mir immer schon besser gefallen als Kostüme. Vielleicht weil die Hosenanzug-Frauen nicht nach Mutti, Tante und Kaffeeklatsch sondern mehr nach schicken Abenteuern, Safari und um-die-Welt-Reisen ausgeschaut haben. Aber ohne Drei-Wetter-Taft. Und bunte Minikleider und lange Partykleider mit wilden Paisley- und Pucci-Mustern wollte ich auch noch anziehen.

Mini und Maxi hat man damals dazu gesagt. Midi war uninteressant. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Total spießig. Aber lange Partykleider, rückenfrei. Einfach super. Leider habe ich nie eines gehabt. Mangels Party-Einladungen in meiner Kindheit. Und später dann waren lange Partykleider auf einmal unmodern. Nie wäre man in die Disco mit langem Kleid gegangen, die Hippiezeit war auch schon vorbei. Schade. Und jetzt wo ich groß bin, läd mich auch keiner zu Parties mit langen Kleidern ein. Ganz schön blöd.
* „…im schwarzen Smoking von Yves Saint-Laurent, dem letzten Modeschrei.“
02. Dezember 2011
– – zu erschöpft für Text – – –

Foto: catonbed, 19. Juni 2008
Danke für dieses Bild, Jan.
30. November 2011
»Ansonia«. Es ist eine Adresse. Wer braucht jetzt mehr als eine Adresse? Es ist ein Bett. Wer braucht jetzt mehr als ein Bett? Wer nicht aus dem Morgenmantel will, nicht über den Damm ins Bistro gehen, der hat einen Spirituskocher hinter der spanischen Wand versteckt. Wie Hanna Luke, die exilierte Schriftstellerin im vierten Stock, die in ein und demselben Topf, über dem blauen Flämmchen ihren Tee, ihre Eier und ihre Morphiumspritze abkocht. (…) Der eine wandert zum Montparnasse, zu seiner schäbigen Bleibe. Der andere zwei Querstraßen hinauf, zur Avenue Wagram. Dort macht ein Mädchen das Trottoir, ein rothaariges Mädchen, das »die Spinne« genannt wird. Sie hat einen Spezialpreis für Emigranten. Man kann bei ihr liegen, die ganze Nacht, und ihr von der Bayreuther Straße erzählen, und vom kleinen Grunewaldsee.
Friedrich Hollaender, Von Kopf bis Fuß, S. 268, 276, 277
27. November 2011

Die Protagonisten in meinen Träumen der letzten Nächte gehen immer weiter zurück in der Zeit, in meiner Biographie. Wie befremdlich, im Schlaf so lebendig Männern zu begegnen, die längst kein Teil meines Lebens mehr sind und wieder eine gemeinsame Gegenwart zu haben, mitten in der Nacht. Die Gefühle entsprechen auch nicht der Gegenwart. Der Vergangenheit auch nicht, eher so eine Melange. Unaufgeregt zwar, aber nicht annähernd so gleichgültig wie im Wachzustand. Verrückt. Zudem so scheinbar völlig unbrauchbar. Damit kann man nicht arbeiten. Es wirkt so unnütz, mit Erinnerungen aufgehalten zu werden, die keine Bedeutung für die Gegenwart mehr haben. Als ob man genötigt wird, Filme anzuschauen, die man vor zwanzig Jahren oder mehr interessant fand, aber schon seit zehn Jahren belanglos.
Wenigstens ist das Empfinden im Traum nicht so gelangweilt, immerhin. Ich erinnere mich deutlich, dass ich auf eine besitzergreifende Art den Arm um die Taille eines längst Verflossenen legte. Wir gingen nebeneinander und er hatte irgend etwas sehr Zugewandtes gesagt, eine Art Bekenntnis von unerwarteter Verbindlichkeit, das mich zu dieser Geste veranlasste. Es könnte sogar die Bekundung einer Heiratsabsicht gewesen sein, der ich zustimmte, wobei ich mich träumend über meine Zustimmung wunderte. Noch im Traum fragte ich mich einen Moment, ob es trotz des Antrages angemessen sei, jemanden so besitzergreifend mit dem Arm um die Taille zu halten und für andere sichtbar eine Straße entlangzulaufen. Wir haben das auch damals nie gemacht. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich mir das gewünscht hätte. Nein, ich glaube nicht. Nicht bei ihm. Er war gerade so groß wie ich und ich hatte keine Sehnsucht nach demonstrativen, körperlichen Gunstbezeugungen in aller Öffentlichkeit. So groß war meine Liebe auch nicht. Die körperliche Verbundenheit beschränkte sich auf unsere Wohnungen, da war es völlig normal, ineinander verhakt und verschlungen auf dem Sofa oder Bett liegend einen Film zu schauen. Bei anderen vermisste ich eine umarmende Geste unterwegs aber manchmal doch. Besonders wenn es draußen kalt war. Und besonders bei einem.
Ich hatte und habe große Scheu vor demonstrativen Gesten in der Öffentlichkeit, wenn sie nicht von dem anderen ausgehen. Ich sehe es auch nicht so gerne, wenn Paare sich raumgreifend an den Händen halten und wie selbstverständlich die ganze Breite des Gehweges einnehmen. Es wirkt auch eher selten unvermeidlich innig, oft wie antrainiert und von den Frauen ausgehend, und auf eine Art demonstrativ, die ich nicht mag. Es befremdet mich sogar. Deswegen ist mir dieser eine Moment des Traums vielleicht noch als einziger so konkret erinnerbar. Auf eine prägnante Art zu abstrakt, mir so wenig entsprechend. Alles andere ist versunken.
27. November 2011

Die Protagonisten in meinen Träumen der letzten Nächte gehen immer weiter zurück in der Zeit, in meiner Biographie. Wie befremdlich, im Schlaf so lebendig Männern zu begegnen, die längst kein Teil meines Lebens mehr sind und wieder eine gemeinsame Gegenwart zu haben, mitten in der Nacht. Die Gefühle entsprechen auch nicht der Gegenwart. Der Vergangenheit auch nicht, eher so eine Melange. Unaufgeregt zwar, aber nicht annähernd so gleichgültig wie im Wachzustand. Verrückt. Zudem so scheinbar völlig unbrauchbar. Damit kann man nicht arbeiten. Es wirkt so unnütz, mit Erinnerungen aufgehalten zu werden, die keine Bedeutung für die Gegenwart mehr haben. Als ob man genötigt wird, Filme anzuschauen, die man vor zwanzig Jahren oder mehr interessant fand, aber schon seit zehn Jahren belanglos.
Wenigstens ist das Empfinden im Traum nicht so gelangweilt, immerhin. Ich erinnere mich deutlich, dass ich auf eine besitzergreifende Art den Arm um die Taille eines längst Verflossenen legte. Wir gingen nebeneinander und er hatte irgend etwas sehr Zugewandtes gesagt, eine Art Bekenntnis von unerwarteter Verbindlichkeit, das mich zu dieser Geste veranlasste. Es könnte sogar die Bekundung einer Heiratsabsicht gewesen sein, der ich zustimmte, wobei ich mich träumend über meine Zustimmung wunderte. Noch im Traum fragte ich mich einen Moment, ob es trotz des Antrages angemessen sei, jemanden so besitzergreifend mit dem Arm um die Taille zu halten und für andere sichtbar eine Straße entlangzulaufen. Wir haben das auch damals nie gemacht. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich mir das gewünscht hätte. Nein, ich glaube nicht. Nicht bei ihm. Er war gerade so groß wie ich und ich hatte keine Sehnsucht nach demonstrativen, körperlichen Gunstbezeugungen in aller Öffentlichkeit. So groß war meine Liebe auch nicht. Die körperliche Verbundenheit beschränkte sich auf unsere Wohnungen, da war es völlig normal, ineinander verhakt und verschlungen auf dem Sofa oder Bett liegend einen Film zu schauen. Bei anderen vermisste ich eine umarmende Geste unterwegs aber manchmal doch. Besonders wenn es draußen kalt war. Und besonders bei einem.
Ich hatte und habe große Scheu vor demonstrativen Gesten in der Öffentlichkeit, wenn sie nicht von dem anderen ausgehen. Ich sehe es auch nicht so gerne, wenn Paare sich raumgreifend an den Händen halten und wie selbstverständlich die ganze Breite des Gehweges einnehmen. Es wirkt auch eher selten unvermeidlich innig, oft wie antrainiert und von den Frauen ausgehend, und auf eine Art demonstrativ, die ich nicht mag. Es befremdet mich sogar. Deswegen ist mir dieser eine Moment des Traums vielleicht noch als einziger so konkret erinnerbar. Auf eine prägnante Art zu abstrakt, mir so wenig entsprechend. Alles andere ist versunken.



