23. Februar 2021

STALKING! Gaga Nielsen, Februar 2021, Schlüsseletui, Schokoladenpapier, Glammy Geschenkpapier, Spiegelscherben, Acryl, Holzbrett, 30 x 37 x 3 cm, Staatliche Museen von Gaganien

Wer kennt es nicht, mit funkelnden Pupillen vor einem Insta- oder Facebook-Profil zu sitzen und Eins und Eins zusammenzuzählen. Ergebnis: Zwei. Oder auch Drei. Und so weiter. Früher war man auf Getratsche angewiesen, heute ist das etwas einfacher, ja man könnte sagen eleganter, diskreter geworden. Die Bildersprache hat inzwischen einen Subtext entwickelt. Ein bestimmtes Bild zu einem bestimmten Zeitpunkt, das mit einem bestimmten Bild zu einem bestimmten Zeitpunkt eines anderen Profils korrespondiert, hilft beim Lösen anstehender Rechenaufgaben. Die Grundrechenarten werden leichter beherrscht. Eine Freundin bekannte einmal mit gesenkter Stimme, eine Zeit lang ein gewisses Instagram-Profil vehement verfolgt zu haben. Wie man sich schon denken kann, stand es in direktem Zusammenhang zu ihren persönlichen Beziehungen. Sie guckte, als hätte sie das Briefgeheimnis verletzt. Dabei handelte es sich um aller Welt zugängliches Bildmaterial. Ich wiegelte ab, dass das völlig normal und verständlich sei, wenn man Klarheit gewinnen will. Das ist quasi eine therapeutische Maßnahme. Ebenso wie aus ähnlicher Motivation, bestimmte Profile gerade nicht (mehr) anzusehen, um den Seelenfrieden wieder zu erlangen. Darüber könnte man Bücher schreiben, vermutlich wurden sie auch schon geschrieben. In einer Welt, in dem es einzelne Menschen zu einem höchsten Wert erkoren haben, in allen EInzelheiten betrachtet zu werden, muss man es aushalten, auch aus anderen Gründen seziert zu werden. Wen das stört, muss mit öffentlichen Bildern ganz viel Zurückhaltung üben.

„Aber Jesus bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie nun anhielten, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein (…)“ Die Bibel, Neues Testament, Johannes 8

22. Februar 2021

Sonne! Schon der dritte sonnige Tag in Folge. Den ersten, am Samstag, konnte ich leider gar nicht genießen, mir gings nicht gut und ich blieb bis Sonnenuntergang im Bett. Gestern schon viel besser, ich war im Atelier, bißchen herumgepuzzelt, wie man so sagt. Tatsächlich war es so ähnlich wie Puzzeln, was ich gemacht habe. Das tu ich oft, wenn etwas Neues entsteht. Ich sitze am Boden mit meinen Puzzleteilen verschiedenster Provenienz und finde heraus, welche Anordnung die ideale ist.

Das sind Stücke aus Metall, Papier, Leder, Spiegelscherben, übrig gebliebene kleine Sachen, die ich nicht brauche, aber aus einem interessanten Material sind, oder eine inspirierende Silhouette haben, in der ich etwas völlig anderes sehe.

Zum Beispiel ein kleines Täschchen aus schwarzem, groben Leder mit Reißverschluss, um einen Schlüsselbund aufzubewahren. Hat mir meine Tante geschickt. Brauch ich nicht, ich hab meine Schlüssel in einer aufgenähten Tasche an meiner Umhängetasche. Auseinandergeklappt sieht es aus wie eine Sonnenbrille. Ich hab goldene Augen reingemalt und blitzende Pupillen aus Spiegelscherben aufgeklebt und werde es auf einem vergoldeten alten Holzbrett fixieren. Das Werk heißt „Stalking“ :-) Genauso sieht Stalking aus! Was man ja selber auch manchmal im Internet macht, nicht wahr.

Das Foto ist symbolisch, genau das sehe ich gerade. Da ich schon ewig hier wohne, kann ich alte Bilder aufwärmen, und muss sie nicht neu machen. Nur der Fuß stimmt nicht ganz. Ich hab nämlich Socken an! Mein erster Ferientag und Ferienwetter und ich bin fit wie ein Turnschuh! Von selbst um 8:45 Uhr aufgewacht (ICH!). Jetzt noch Kaffee und Augen anmalen und los!