11. Juli 2019

Gerade in einer kleinen Unterhaltung mit meiner musikalischen Freundin Sabine darauf gekommen, wie sehr man die Hits der Sixties in Fleisch und Blut hat, auch wenn man in den Sechzigern noch ein Kleinkind war. Oder vielleicht auch gerade deswegen. Eine meiner ältesten Erinnerungen ist, dass mich meine Mama nach dem Baden abgetrocknet und in ein flauschiges großes rosa Frotteetuch mit weißem Wabenmuster gewickelt hat (das ich heute noch habe), und aus dem Radio kam Puppet on a String von Sandie Shaw. Dazu hab ich dann herumgewackelt, es war eines meiner Lieblingslieder. Müsste im Frühling oder Sommer 1967 gewesen sein, da war ich so zwischen eineinhalb und eindreiviertel Jahre alt. Also ich brauche bestimmt keinen Nachhilfeunterricht in Sachen „Die größten Hits der Sechziger Jahre“. Im Wiki steht zum Grand Prix-Sieg von dem Lied (wir haben immer nur vom „Grand Prix“ gesprochen, das mit dem Eurovision Song Contest oder cool ESC abgekürzt, ist eine neumodische Erfindung!):

„Der Eurovision Song Contest 1967 war der 12. seit Bestehen dieses Musikwettbewerbs der Eurovisionsländer. Er fand am 8. April 1967 in Wien im Großen Festsaal der Wiener Hofburg unter dem offiziellen Titel 12. Grand Prix de la Chanson statt, da der Vorjahressieger Udo Jürgens aus Österreich gekommen war. Sandie Shaw, die für das Vereinigte Königreich angetreten war, gewann erdrutschartig mit dem Lied Puppet on a String.“

Erdrutschartig! Ich wusste ja als Kleinkind gar nicht, dass das Lied was gewonnen hat, das beweist, dass ich das absolute Gehör für Lieder mit Hitpotenzial besitze. Daher sollte man im Zweifel immer mich befragen, bevor man ein Lied auf Schallplatte veröffentlicht. Ich kann dann genau vorhersagen, ob es in der Hitparade gespielt wird. Alles andere wäre unverantwortlich! Wer darauf verzichtet, ist dann halt selber schuld!

08. Juli 2019

Als ich vorhin zwischen Acht und Neun auf den ISTA-Mann gewartet habe, war ich kurz davor einen ungehaltenen Eintrag zu verfassen, aber dann hat er ja geklingelt. Ich habe nämlich fast die ganze Stunde damit zugebracht, aus einem Oberteil und einer Hose die Reste von den eingenähten Etiketten, die ich schon herausgeschnitten hatte, mit der Nagelschere herauszuoperieren. So ein Scheiß-Gefrickel! Ich glaube, ich brauche für solche leider Gottes wiederkehrenden Tätigkeiten eine noch stärkere Lesebrille. Schnell ist ein Loch im Hosenbund oder hinten am Halsausschnitt, weil man statt der Naht den Stoff erwischt hat. Ich war kurz davor eine Petition im Europäischen Parlament einzureichen (Bundestag reicht hier nicht, aufgrund des internationalen Warenhandels bei Oberbekleidung, an dem ich mich stark beteilige).

Ich würde mal schätzen, ich habe bei 99,99 Prozent aller Anziehsachen, die direkt auf der Haut getragen werden, also Leibchen, T-Shirts, Unterwäsche, Kleider, Pullover, Hosen, Röcke, sämtliche Etiketten entfernt. Wieviele Stunden habe ich schon operiert, es ist zum Weinen! Das ist meine kostbare Lebenszeit. Nicht, dass ich ein Problem mit dem Vermerk des Herstellers hätte, nur: mich kratzen fast alle Etiketten und dann kriege ich ganz, ganz schlechte Laune. So wie bei zu engen Schuhen.

Am aller-allerschlimmsten sind die Etiketten, die auch noch einen superkratzigen Glitzerfaden im Logo haben und dann auch noch mit einem Perlonfaden eingenäht sind. Das ist pure Folter! Aber eigentlich kratzt mich fast jedes Etikett. Ich glaube, ich habe nur zwei Kleidungsstücke der o. g. Kategorie (also mit Hautkontakt), wo die Etiketten noch drin sind, weil ich sie gar nicht spüre! Unglaublich aber wahr, es handelt sich um zwei hautschmeichelnde Zebramusterkleider von Herrn Glööckler. Überhaupt scheint er viel Wert auf Qualität und Tragekomfort zu legen. Die Kleider sitzen hervorragend und machen eine gute Silhouette, sind aber bequem wie ein Schlafanzug, ganz kuscheliger Stoff. Auch alles ganz liebevoll verpackt, in Seidenpapier und mit einem Grußkärtchen mit Satinschleifchen. Da kann sich Donna Karan mal eine Scheibe abschneiden. Habe mir neulich aus ihrer Sport-Kollektion ein schickes Oberteil gekauft, wenn ich es einmal verlieren sollte, können nur noch Fachleute feststellen, von wem es hergestellt wurde.

Ich schlage als Alternative vor, den Herstellerverweis an einer Stelle anzubringen, die am wenigsten Hautkontakt hat, aber nicht mit einem Etikett, sondern mit einem inwendigen Aufdruck aus hautverträglicher Druckfarbe. Es ist ja nicht so, dass ich nur meckere, ich biete auch Alternativen an.

08. Juli 2019

Während ich das tippe, montiert der ISTA-Mann Funkmodule an den Wasserzählern in der Küche und im Bad und am Wärmezähler. Wie lange habe ich mir das schon gewünscht! Jahre sind es nun, seit ich weiß, dass es so etwas gibt. Habe gar nicht mehr damit gerechnet. Das bedeutet: nie mehr Ablesetermine! Manches wird doch besser. Technisch eigentlich sogar fast alles. Keinesfalls möchte ich im Zeitalter der Romantik leben, wo es die ganzen tollen technischen Sachen noch nicht gegeben hat, obwohl ich eine hoffnungslose Romantikerin bin. Das hat Clark (Kent) neulich auch eingestanden, dass er zwar gerne in der Ästhetik und Kultur der Romantik leben möchte, aber keinesfalls auf seine Dusche usw. usf. verzichten wollte. Heute Nachmittag wird das romantische Fachgespräch dann fortgesetzt. Um sechzehn Uhr ist der erste Termin der neuen Behandlungsreihe.

Mann! Der ISTA-Mann ist ja schon fertig, das ging ja ruckzuck! Neun Minuten. War auch ein hübscher junger Mann. So leuchtende Bambi-Augen. Habe ihm gerade alles Gute für seinen weiteren Lebensweg gewünscht, da man sich ja nicht mehr sehen wird. Außer wenn halt mal was repariert werden muss. „Genau!“ meinte er. Ich kann es gar nicht fassen, dass ich nun keine ISTA-Postkarten mehr bekommen werde mit Ablesezeitfenster „8 – 10 Uhr“. Manchmal war es auch schon ab 7 Uhr. Schlimme Sache! Aber vorbei. Ich danke dem Gott der Heizungs- und Wärmetechnik. Amen.

06. Juli 2019

Aus meinem goldenen Notizbuch XIX.
05. Juli 2019:

„S 7 – bizarres Dekolleté, Frau ca. Anfang Fünfzig
(alles nach oben gedrückt, Busen fängt direkt unter Hals an)“

Eine Beobachtung zum Thema Passform von Büstenhaltern. Die Dame mir gegenüber in der S 7 präsentierte sich in einem Ensemble aus schwarzer Hose, schwarzem T-Shirt mit V-Ausschnitt oder so ähnlich, und etwas martialisch angehauchtem Finger-, Arm- und Ohrschmuck sowie einigen Tätowierungen. Ingesamt wirkte das Outfit wie der Brite sagen würde, etwas „dated“, aber nicht im Sinne des deutschen Wörtchens „altbacken“, sondern, als ob das Verfallsdatum etwas überschritten wäre. Die Dame machte den Eindruck, dass sie ein Styling aus einer jugendlicheren Phase hartnäckig fortführt, auch das Make up war leicht brutal und etwas holzschnittartig in dunklem Schwarz gehalten. Die Augenbrauen im Schablonenlook, obwohl man das ja jetzt auch oft bei jüngeren Frauen sieht, die ansonsten den Eindruck erwecken, Wert auf aktuelle Mode zu legen.

Aber ich verzettle mich gerade mit der Beschreibung der übrigen Kleidung, ich wollte ja auf den Büstenhalter näher eingehen. Unter dem gar nicht so stark ausgeschnittenen Shirt, zeichnete sich ein strammer Büstenhalter ab, also die Kontur, das Hemdchen war ja nicht durchsichtig. Nun war die Trägerin obenherum recht stark gebaut. Sie war insgesamt keine Elfe, mancher würde Begriffe wie moppelig oder auch üppig verwenden. Vom Wuchs eher klein und untersetzt. Jedenfalls war der absolute Blickfang der Ausschnitt, der den Blick auf das Dekolleté freigab. Die stattliche Oberweite wurde mit viel Druck ganz nach oben gepresst, was zur Folge hatte, dass der Busen, also die Brustfalte, bereits am oberen Sternum anfing. Das wirkte anatomisch nicht korrekt. Vermutlich, um etwas Taille zu produzieren und einen keck nach vorne stehenden Balkon, hat die gute Frau die Träger von ihrem Büstenhalter auf die maximale Kürze gezurrt. Das wäre doch nicht notwendig gewesen! Kein schöner Anblick. Ich verstehe ja, dass sie ihre weiblichen Reize zur Geltung bringen wollte, aber das war dann doch zuviel des Guten. Die Träger hätten gut und gerne zehn Zentimeter mehr Länge vertragen, dann wäre das Ganze auf einer anatomisch plausibleren Höhe gewesen. Es war ganz offensichtlich, dass es sich hier um keine naturgegeben extrem hoch angesetzte Brust handelte, eher im Gegenteil. Das ist doch auch nicht komfortabel, mit so einem nach oben gequetschten Vorbau den Arbeitstag zu verbringen. Ich empfehle in jedem Fall eine längere Trägereinstellung.

Insgesamt bin ich nicht dafür, dass man am Arbeitsplatz den Brustansatz zur Schau stellt. Das lenkt die Kollegen nur unnötig von dem Tagwerk ab. Es sei denn, man arbeitet bei Orion oder auf der Pornomesse. Dann ist das natürlich hochgradig erwünscht. Ich möchte auch nicht, dass sich männliche Mitarbeiter bauchfrei präsentieren, um mir mit dieser zarten Haarlinie, die vom Nabel Richtung Unterhose verläuft, die Konzentration zu rauben. Ich bin in dieser Hinsicht ausgesprochen prüde, da leicht ablenkbar. In der Freizeit darf natürlich jeder machen, was er gerne möchte, auch FKK und Sauna-Besuch sind erlaubt. Aber natürlich ohne mich.


Dessous-Kollektion DHM

02. Juli 2019

Aus meinem goldenen Notizbuch XVII.
26. Juni 2019:

„U 8, Kottbusser Tor
Alt-Hippie ca. Ende Vierzig hat Badelatschen (Flip Flops aus blauem und weißem Plastik) an.
Auf jedem Latschen in der Mitte oben drauf ein Telekom-T, blau.
(macht die Telekom jetzt Badelatschen?)“

Ich gebe zu, das ist jetzt fast ein bißchen zu banal für mein goldenes Notizbuch. Aber die Vorstellung war doch sehr prägnant und auch amüsant, dass die Telekom so vom Schick ihres Logos überzeugt ist, dass man nun auch Freizeitmode anbietet, für den echten Fan. Ein bißchen Merchandising für noch mehr Kundenbindung und völlig innovativ nun neben Pink auch in weiteren Farben. Der Wiederkennungswert ist schon hoch. Mein Verstand hat mir dann trotz der enormen Hitze die plausiblere Erklärung geliefert, dass es wahrscheinlich irgendeine Klamotten- oder Schuhmarke mit einem T-Logo gibt. Bei der Telekom ist ja auch noch das kleine Klötzchen, der Punkt neben dem T, das war nicht. Aber sonst total gleich. Der Mann saß ein paar Sitzreihen weiter in meiner Blickrichtung, sonst wäre es mir nicht aufgefallen. Ich hatte mein Lesebuch noch nicht ausgepackt, manchmal hole ich es auch nicht raus, wenn es so wenig Stationen bis zu meinem Ziel sind, oder relativ wenig. Oder ich ein bißchen zu müde bin, kommt vor! Insgesamt bin ich kein Freund von Badelatschen, auch nicht von Premiummarken, da hilft auch das adidas- oder Puma- oder Chanel-Logo nicht. Die einzigen Badelatschen, die nicht total schlimm ausgesehen haben, waren neulich an einem Mann, der leicht gebräunte, sehr schöne Waden und Füße hatte. Seine Schlappen waren von Tommy Hilfiger, ich glaube zwei- oder dreifarbig, dezent längs in schwarz, dunkelblau und weiß gemustert, mit dem Hilfiger-Schriftzug, ganz klein. Die sahen fast straßentauglich aus, nicht so nach Schwimmbad. Man sieht aber auch eher selten gepflegte Männerfüße, meistens kann man es ganz schwer ertragen, da länger hinzuschauen. Ich ekle mich dann auch und schlußfolgere, dass der Rest auch nicht so tiptop ist, ohne da jetzt ins Detail gehen zu wollen.

01. Juli 2019

Aus meinem goldenen Notizbuch XVI.
25. Juni 2019:

„S-Bahn: 5- (oder 6-)jähriges Mädchen m. Stroh-Schlapphut mit Kirschen! Wie bei Schwarzwald-Tracht. Sommerkleid m. gesmokten Puffärmeln + Glitzer-Birkenstocksandalen
(schulterlange Haare, m. Oma oder Mama unterwegs)“

Damit es wieder etwas fröhlicher wird. Es fällt mir ja selber schon auf, dass sich fast alle meine Merkwürdigkeitsnotizen in der S-Bahn oder in der U-Bahn (oder bei meinem Physiotherapeuten) zutragen. Wahrscheinlich meine aufregendsten Erlebnisse – das könnte einen ja schon wieder traurig stimmen! Andererseits auch ein Hinweis, dass ich mit offenen Augen durchs Leben gehe und die ganze Fülle der Sehenswürdigkeiten unserer schönen Stadt bemerke, die so manch anderem entgehen. Der Hut des Mädchens war der absolute visuelle Höhepunkt an diesem Tag. Ich konnte nicht mehr wegschauen. Immer wieder blieb mein Blick an den puscheligen Kirschen-Paaren auf dem Hut hängen. Einfach zu schön. Ich musste auch an Liselotte Pulver und „Ich denke oft an Piroschka“ denken, obwohl der Film ja meines Wissens in der ungarischen Puzta und nicht im Schwarzwald spielt. Vielleicht verwechsle ich da auch was. Oder hat Liselotte Pulver auch noch in einem Film namens „Schwarzwaldmädel“ mitgespielt? Den Piroschka-Film habe ich jedenfalls mindestens fünf mal gesehen, immer Sonntagnachmittag im Wohnzimmer, zwischen ca. 1970 – 1980. Vielleicht auch noch öfter. Liselotte-Pulver-Filme mochte ich sowieso, bis auf das Wirtshaus im Spessart, der war mir langweilig und auch Kohlhiesels-Töchter war mir kein Augenschmaus. Ich mochte die Filme, wo sie gut aussieht, diese Paul Hubschmid-Schmonzetten, zum Beispiel „Die Zürcher Verlobung“, mein absoluter Favorit! Mit Bernhard Wicki, tolle Besetzung, das waren noch Schauspieler! Noch lebt sie ja, also kein Nachruf!