Lasse nebenher „Maigret kennt kein Erbarmen“ von 1959 mit Jean Gabin (gerade auf arte) laufen. Ich verfolge die Geschichte gar nicht richtig, liebe aber die Tonspur mit der vertrauten Synchronstimme und der feinen Musikuntermalung. Wie eine Lampe in der Ecke, die sehr warmes Licht spendet, diese alten Filme….
27. Oktober 2025

Mein finnischer Anorak. Vorgestern angehabt. Ich war mal total ausgeschlafen, das sieht man mir richtig an. Leider zu selten. Aber selber schuld. Heute Mittag habe ich meinen Teller nur halb leer gegessen. Es gab „Blutwurst Berliner Art“ mit Sauerkraut und Salzkartoffeln. Das vegetarische Gericht hat mich noch weniger angelacht. Ich finde „Blutwurst“ hört sich nicht sehr appetitanregend an, kann aber hin und wieder auch gut schmecken. Nur einmal habe ich vorher Blutwurst freiwillig gegessen. Das war vor einundzwanzig Jahren an einem Lagerfeuer in Utah. Scheibchen von Blutwurst wurden scharf in einer Pfanne über dem Feuer angebraten, ich probierte und es war sehr delikat, so ähnlich wie angebratene Salamischeibchen. Heute aber gab es keine Blutwurst nach Cowboy- und Indianer-Art, sondern Berliner Art. Vielleicht war der Koch auch nicht routiniert genug, um alles aus der Blutwurst herauszuholen. Ich probierte den breiigen rotbraunen Haufen, hatte sicherheitshalber noch frisch gemahlenen Pfeffer drüber getan. Das war ja gar nicht meins. Der Blutgeschmack ist deutlich hervorgetreten. Ob das so sein soll, weiß ich nicht. Konnte ich nicht essen. Zweimal gekostet. Auch nicht in Kombi mit Kraut oder Kartoffel auf der Gabel. Das Sauerkraut und die Salzkartoffeln alleine waren ok, habe ich aufgegessen. Beim Teller-Zurückbringen war es mir ein Bedürfnis zu erklären, wieso ich heute ausnahmsweise mal nicht aufgegessen habe, wo ich doch sonst so ein artiges Kind bin. Ich habe entschuldigend erklärt, dass ich es wirklich wirklich versucht habe, aber es einfach nicht essen könnte. Es tut mir so leid. „Die Blutwurst schmeckt so nach Blut“. Ähm. Die supernette Dame vom Service, die weiß, wie es mir sonst immer schmeckt, hat nicht pikiert geguckt, sondern als ob sie Verständnis hat. Ich wollte dann noch ein Dessert kaufen, um ein bisschen satter zu werden und einen guten Nachgeschmack zu haben, aber sie hat mitleidig geblickt und wollte kein Geld dafür haben. War Joghurt mit roter Grütze obendrauf. Hat mir gut geschmeckt. Nach dem Essen hab ich erst mal gegoogelt, ob „Blutwurst Berliner Art“ ein klassisches Gericht ist und wie das sonst so aussieht. Auf den Fotos im Internet sah die Blutwurst nicht so breiig aus, mehr krümelig. Und in den Rezepten stand immer, dass man die Wurst vorher in Scheiben schneidet und in der Pfanne anbrät, bevor dann wohl noch Gewürze drankommen. Das hörte sich doch recht schmackhaft an. Die Blutwurst von heute hatte kein einziges Röstaroma drin. Es ist vielleicht doch irgendein Verarbeitungsschritt ausgelassen worden. Warum die Wurst so breiig war, weiß ich nicht. Ob der Koch Wasser reingerührt hat? Jedenfalls bin ich nicht sehr stark motiviert, demnächst ein neues Blutwurst-Experiment einzugehen.

Was mir am Wochenende auch nicht geschmeckt hat, war ein griechischer Joghurt von Edeka, von einer Marke mit griechischem Namen (Greco). Der andere, der mir ganz gut schmeckt (Apostels) war ausverkauft. Eigentlich bevorzuge ich Bulgaria-Joghurt stichfest, den gibt es aber leider nicht überall. Jedenfalls hat der griechische Joghurt in der dunkelblauen Packung im Abgang einen unangenehmen Nachgeschmack nach Kalzium-Pulver oder Stärke. Als hätte man hinterher was eingerührt, nicht delikat. Ich rate ab!

Nachher hab ich unterwegs noch überschaubares Abendprogramm: zu Rossmann, Großpackung Glitzi-Schwämme holen und dann nebenan zu Edeka, Getränke, Obst et cetera. Daheim dann in bequeme Klamotten, Sachen wegräumen, was brutzeln, essen, trinken und faulenzen. Komplett unspektakulär und äußerst erholsam. Die Versace-Borte hab ich schon gestern fertig angenäht. Keine Handarbeiten! Gäbe zwar noch eine Hose, wo ein Stück Naht auszubessern ist, aber darauf hab ich keine Lust. So wichtig ist die Hose nicht. Lieber ausführliches Schonprogramm!
27. Oktober 2025
In der kleinen Pause während der Lesung hatte ich eine angeregte Konversation mit der blonden Lady im Animal Print. Manchmal hat man sofort einen Flow, ohne jede Mühe, als ob man sich bereits kennt. Einfach so. Sie fing die Unterhaltung an, schon vor der Lesung, als ich reinkam, kommentierte sie angetan meinen Anorak mit dem großen grafischen Muster, gefiel ihr ausnehmend gut. In der gar nicht so langen Pause, vielleicht gut zehn Minuten, ging es dann weiter. Sie reichte mir die Flasche mit dem Schaumwein und dann stellten wir fest, dass wir beide in der Nähe wohnen, sie erzählte, wie sie zu der Wohnung gekommen war und dass sie eigentlich den größeren Teil ihres Lebens, wohl vierzig Jahre in Südafrika verbracht hatte, in Kapstadt. Sie plauderte über einige familiäre Einzelheiten (die ich nicht erfragt hatte). Ich war aber auch auskunftsfreudig. Später stellte sich heraus, dass sie eine enge Freundin der Mutter des Inhabers des Antiquariats war. Die Mutter, die auch da war, hatte ähnliche Lachfalten um den Mund wie ihr Sohn, aber sonst wenig Ähnlichkeit. Ich weiß ja nicht, ob er der leibliche Nachkomme ist, aber falls ja, ein schönes Beispiel, was für ein breites Spektrum an Ergebnissen zwei mutmaßlich sehr konträre Genpools hervorbringen können. Ich tippe darauf, dass er äußerlich überwiegend nach dem Vater kommt. Die Lady im Leopardenprint und ich verabschiedeten uns nett, beinah familiär.

Wer der junge Mann links im Foto mit Bart und Brille ist, weiß ich nicht. Er kam als einer der letzten Gäste und verhielt sich sehr merkwürdig. Er kam hinein, es wurde bereits gelesen, er stellte sich an eine freie Stelle, nah der improvisierten Bühne und hörte erkennbar nicht zu, sondern tippte in sein Smartphone oder las, was auf dem kleinen Monitor seines Apparats geboten wurde. Dachte ich so bei mir: der hat ja überhaupt keine Kinderstube, obwohl er insgesamt, zumindest von der Kleidung her, nicht unkultiviert wirkte. Später setzte er sich an die Rückwand auf einen Stuhl, da hatte ich ihn nicht mehr auf meiner Sichtachse (außer bei diesem Foto nach der Lesung), insofern kann ich nicht beurteilen, ob er sich zu irgendeinem Zeitpunkt erkennbar auf die Lesung konzentrierte. Ich konnte auch nicht sehen, dass er mit irgendwem gesprochen hätte. Mysteriös, was ihn dorthin führte. Ich langweile mich auch schnell bei uninteressanten Lesungen, aber hier war das Programm ausgesprochen kurzweilig und inhaltlich und stilistisch sehr verschieden, es gab keine nennenswerten durchzustehenden Längen. Ein Text ging in eine elendiglich uferlose Wiederholung, die aber genau deswegen sehr wirkungsvoll und unterhaltsam war. Ich glaube, es war Clemens Schittko, der uns einen Text präsentierte, der aus gefühlt sämtlichen Schlagzeilen der vergangenen dreißig Jahre bestand, in denen Hitler vorkam. Immer gut für eine Überschrift. Dauerbrenner. Evergreen. Gruseliger Superstar der Weltgeschichte. Niemals mehr auszuradieren. Bizarr unterhaltsam.
26. Oktober 2025
26. Oktober 2025

Dieser freundliche Mann mit der Mütze ist der großzügige Gastgeber u. Inhaber des Antiquariats Jason Anton Düssel.

Auf dem Gruppenfoto alle Autoren, die uns unterhalten haben. Namentlich von links nach rechts: Clemens Schittko, Kai Pohl, Lydia Gebel, Gerd Adloff und Jannis Poptrandov.

26. Oktober 2025

Schöne Lesung gestern im Kunst-Antiquariat Jason Düssel in der Gipsstraße. Neben Lydia lasen noch vier weitere Autoren, die ich vorher nicht kannte. Es waren beeindruckende Texte darunter.



25. Oktober 2025
24. Oktober 2025

Hätte statistisch damit gerechnet, dass mir erst 2027 wieder jemand die Tür aufhält – wundersamerweise aber nach dem gestrigen Ereignis heute gleich noch mal, an derselben Stelle, anderer Herr. Alter ca. dreißig, dunkelhaarig. „Glutäugig“ wollte ich jetzt nicht schreiben, das hat so eine erotisierte Anmutung, er hat einfach nur sehr freundlich gelächelt. Auf mutmaßliche Nationalitäten einzugehen, habe ich keine Lust, die menschliche Qualität zählt. Wie derart kleine, nur Sekunden beanspruchende Gesten doch den Tag für einen Moment erhellen. Oder die – ich nenne sie jetzt mal wegen der Anschaulichkeit „Drei Damen vom Grill“, die heute Mittag wie zu einer Begrüßungsparade hinter dem Essensausgabe-Tresen aufgereiht herzerwärmend lächelten und beinah einem Chor gleich ein munteres „Hallo!“ vernehmen ließen. Und sogar mein Lieblingsplatz war frei. Gab Hühnchenbrust mit einer komisch geformten gelblich-grünen Brokkolisorte, Bezeichnung vergessen – edit – gegoogelt: „Romanesco“ (bisschen langweilig) und Pellkartoffeln. Und noch eine sahnige Soße dazu.

Nach dem Essen hab ich einen Geburtstagsgutschein eingelöst. In meinem Schrank gibt es eine eigentlich gut sitzende, schwarze und dazu sehr bequeme Schlaghose neueren Datums, die ich aber streng betrachtet als zu kurz beurteilen muss. Können mindestens sieben Zentimeter mehr dran. Da es aber nichts zum Auslassen gibt, kann ich nur etwas annähen. In dem Gutschein-Geschäft gibt es neben allem erdenklichen Künstlerbedarf auch Nähzubehör und Borten und Stoffe. Hatte es gerade aufgegeben, dort etwas Passendes zu finden, da sah ich in letzter Minute einen schwarzen Stoffballen mit sehr extravaganter Struktur, ähnlich einem Gitter, aufwändig grafisch gewebt. Wie stabile schwarze Spitze aber ohne ornamentale Schnörkel oder Blüten. Konnte ich mir gut vorstellen als Verlängerung, die nicht wie eine nachträglich hin geklöppelte Verlängerung aussieht, sondern beabsichtigte Extravaganz. Hoffe.

Der Gutschein war vierzig Euro, ich gab der Mitarbeiterin die Aufgabe auszurechnen, wieviel Zentimeter ich dafür bekomme. Preis pro Meter war 49 Euro. Sie drückte sich ein bisschen darum, mir die exakt 40 Euro entsprechende Länge auszurechnen und auszumessen. Bzw. schlug ihr der Taschenrechner eben was Glatteres vor, nämlich 80 Zentimeter. Was auf jeden Fall mehr als ausreichend für die Verlängerung ist. Der Stoff liegt wohl 120 oder 130 cm breit. Leider sind jetzt aber immer noch 80 Cent auf der Gutscheinkarte. Ich wollte nicht ihre Nerven strapazieren, indem ich sie nötige, die Länge zu ermitteln, die am Exaktesten den 40 Euro entspricht. Wäre aber am Zuschneide-Tisch auch nicht einfach auszumessen gewesen, habe gerade mal gerechnet. Das wären entweder 81,64 cm zum Preis von 40,0036 € gewesen oder 81,63 cm zum Preis von 39,9987 €. Letzteres wäre schon sehr nah dran, wenn man von den hinteren Stellen kaufmännisch aufrundet. Die 0,0013 € hätte ich dem Laden geschenkt. Bei der ersten Variante hätte mir der Laden 0,0036 € erlassen müssen. Nun ja. Womöglich hätte sie dann an einer Stelle ins Muster schneiden müssen, wo die recht kompakten, kleinen wulstigen, quadratischen Elemente sind, die Ärmste. Verkaufspersonal mit extravaganten Wünschen zu schikanieren, liegt mir komplett fern. Leider finde ich online kein Foto vom Stoff. Erst beim Kaufabschluss erfahren, dass es ein Stoff von Versace ist. Wusste gar nicht, dass die auch Stoffe verkaufen. Aber wie gesagt, nirgendwo irgendwas dazu zu finden, kein offensiv beworbenes Verkaufssegment vom Hause Versace.

Noch was Nettes heute. Ein lieber Kollege, jüngerer Mann in den Dreißigern (glücklich verh., drei kleine Kinder), war Anfang der Woche beim Friseur, es fiel mir gleich auf, gut geschnitten. Er meinte: „Ja. Aber jetzt reichts mal wieder für ein halbes Jahr.“. Ich: „Was? So selten gehst du?“ Er hatte vorher auch keine so viel längere Haarfrisur. Als ich ihn heute sah, kam es mir vor, als wäre er noch mal beim Friseur gewesen, der Schnitt sah dermaßen akkurat und gestriegelt aus. Ich: „Warst Du schon wieder beim Friseur? Sieht irgendwie so aus!“ Er lacht: „Nee, erst in einem halben Jahr wieder!“ Ich: „Oder hast Du Pomade drin? Oder so ein Styling-Zeugs?“. Er: „Jaah… ich hab da so ne Creme…“ Ich: „Aha – aber sieht richtig gut aus!“ Anderer Kollege im Zimmer nebenan (Ende Dreißig, glücklich verh., zwei kleine Kinder), hat durch die offen stehende Tür mitgehört, grient Richtung gegenüber sitzender jüngerer Kollegin (in den Zwanzigern): „Ahaa! Gaga hat am Wochenende noch keine Verabredung!“ zwinker-zwinker, gacker-gacker. Ich rüber zu ihm: „Ich fange nichts mit verheirateten Männern an. Die müssten mir schon G A N Z deutliche Avancen machen!“. Wäre das auch geklärt.

In meinem Alter freut man sich ja über jede Andeutung, die durchblicken lässt, dass man noch nicht „Jenseits von Gut und Böse“ verschubladet ist. Ich jedenfalls. Und Demi Moore wohl auch. Die hat sich gerade anlässlich aktueller, figurbetonter Fotos für das Glamour Magazin sinngemäß dergestalt geäußert. Hier: „Demi Moore wehrt sich gegen die Entsexualisierung älterer Frauen“. Auf Intellekt, Talent und guten Charakter reduziert zu werden, ist jedenfalls auch kein Sechser im Lotto. Dass ich nicht doof in der Birne und mit einigen Talenten und hoffentlich auch Herzensbildung gesegnet bin, weiß ich recht zuverlässig selber, das wird ja auch nicht weniger, mit zunehmendem Alter, eher im Gegenteil. Spricht einem auch kaum einer ab. Aber erotische Relevanz ist nicht so gesichert. Da hat man nicht irgendwann seine Schäfchen im Trockenen und kann darauf vertrauen, dass sich das Vermögen automatisch mehrt, eher im Gegenteil. Ist mir nicht egal.

24. Oktober 2025

Eleanor Scott Davis – „Life Can Only Be Understood Backwards“
23. Oktober 2025
Donnerstag, 23. Oktober 2025, 10 Uhr vormittags, Hardenbergstraße, Berlin Charlottenburg. Eingangsbereich eines Gebäudes, in dem sich (neben meiner Zahnarztpraxis im Erdgeschoss) auf mehreren Etagen u. a. auch das Kulturbüro der Botschaft der Arabischen Republik Ägypten in Berlin, Verwaltungen verschiedener Institutionen, sowie Seminarräume befinden. Ich kenne den Zugangscode, der auf einer Tastatur einzugeben ist. Gerne gehe ich durch das Gebäude durch, weil ich glaube, dass es eine Abkürzung zu meinem Ziel in einem anderen Gebäude in der Nähe ist. Als ich mich nähere, sehe ich schon von weitem, direkt vor der Tür mit der Tastatur auf der Treppe verteilt, eine Ansammlung von ca. sechs Männern, alle etwa im Alter um die dreißig und vierzig, manche mit Zigarette, sie unterhalten sich. Konversationssprache ist nicht Deutsch, ich höre aber auch nicht genauer hin. Ich vermute eine Sprache aus dem arabischen Raum.
Ansammlungen von Gruppen, auch mit Frauen, auch mit anderen Konversationssprachen, sind an dieser Stelle im Berliner Stadtbild Alltag, weil der Bereich gerne für Zigarettenpausen während eines Seminars genutzt wird. Die Treppe lässt sich auch als Sitzgelegenheit nutzen, obwohl es jetzt langsam ein bisschen kalt auf den Stufen sein dürfte. Wie immer steuere ich mit festem Blick zur Tastatur direkt auf diese Treppe zu, an meiner Zielgerichtetheit können die jeweiligen Grüppchen identifizieren, dass es sich empfiehlt, mir nun alsbald Platz zu machen, damit ich an die Tastatur rankomme. Ich muss selten darum bitten, nur in ungefähr einem von zehn Fällen bleibt jemand direkt davor stehen und ich muss meinen Wunsch artikulieren, da rankommen zu wollen. In dem Fall sage ich dann meistens „Entschuldigung, darf ich mal bitte…“ (deute zur Tastatur).
Heute war es nun so, dass in dem Moment, wo ich mich annäherte (etwa zwanzig Meter vor der Gruppe), Bewegung in die Männer kam, sozusagen Aufbruchstimmung Richtung ins Gebäude. Verschiedene (zumeist falsche) Zahlenkombinationen wurden laut hin- und hergeworfen, der Mastermind an der Tastatur wusste jedenfalls nicht die richtige. Da mir der gesunde Menschenverstand suggerierte, dass es sich um befugte Personen und nicht um böswillige Einbrecher oder sonstige Kriminelle handelt, da ich dieses Szenario mit vergleichbarer Besetzung aus dem Effeff kenne, nannte ich mit großer Bestimmtheit, die anderen übertönend, die einzig brauchbare Zahlenkombination. Der Herr an der Tastatur parierte, die Tür öffnete sich, Simsalabim. Alles drängte nun gleichzeitig Richtung Eingang. Nur einer der Männer blieb stehen und pfiff die anderen mit der wiederholten Ansage zurück: „Ladies first! (zweites Mal, autoritärer) LADIES FIRST!“ Ich erfreut: „Danke. DANKE!“ Die Männer parierten (ohne Widerworte), ließen mir Vortritt.
Auf der anderen Seite der nun für mich aufgehaltenen Tür, also von innen, kam im selben Moment ein Lieferant mit einer Karre und einem Paket entgegen, wollte das Gebäude verlassen. Der Mann war groß gewachsen, kräftig, rotblond, Vollbart, ca. Ende Zwanzig, Anfang Dreißig, Typ Wikinger. Er drängte gemäß des U-Bahn- und S-Bahn-Credos „Erst aussteigen, dann einsteigen“ in die Tür, um mit der Karre zuerst rauszugehen. Wieder machte sich der Wortführer der Männertruppe bemerkbar: „LADIES FIRST!“ Und setzte nach: „WIR haben Manieren, Alter! Nicht wie Du!“ Ich nochmals: „Danke, danke!“. Selbstverständlich lächelnd. (Aber kurz vorm Grinsen).
Hätte natürlich auch anders ausgehen können und die Herren aus dem Morgenland hätten mir tötende Blicke zuwerfen können, ihre Dolche zücken und mich vergewaltigen können. Schon klar. Wenn ich rekapituliere, wie oft mir in den vergangenen ca. zehn Jahren an der Stelle die Tür aufgehalten wurde und von welcher mutmaßlichen Herkunft die betreffenden Herren waren, muss ich leider die bittere Bilanz ziehen, dass sich mutmaßliche Bio-Deutsche jüngerer Generation nicht sehr mit Tür-Aufhalten alter Schule hervorgetan haben, jedenfalls nicht mehr als anderweitig herkunftsmäßig verwurzelte Kandidaten. Ich hingegen halte ständig Türen auf, genau an der Stelle. Älteren gebrechlichen Menschen, bepackten Leuten, die die Hände nicht so frei haben wie ich. Ungeachtet des Geschlechts und der vermuteten Herkunft. Ich liebe altmodisch gutes Benehmen und Rücksichtnahme. Das wünsche ich mir im Stadtbild. Und gerne darf die Abwesenheit von fehlendem friedlichen und höflichem Umgang geahndet werden. Dann wollen wir aber bitte ganz genau hinsehen, worin der Nachholbedarf in Sachen Rücksichtnahme und Erscheinungsbild im Stadtbild besteht.
Ich wäre da eventuell sogar noch ein bisschen schärfer als Herr Merz, was meine diesbezüglichen Wünsche anbelangt. Beispielsweise finde ich es nicht schön für das Stadtbild, wenn jemand eine rote Plastikfunktionsjacke mit giftgrünen Paspeln anhat. Oder Mittelklasse-Autos, die sich durch eine explizit beliebige Silhouette auszeichnen. Vor allem in aufdringlichem Signalrot. Oder besoffene Biodeutsche, die auf U-Bahnsteigen herumkrakeelen. Ich hätte eigentlich gerne alles, was mir so im Stadtbild lästig ist, weg. Auch schlimme Architektur! Hässliche Stadtmöblierung. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Insofern. Die Welt ist halt rund und bunt und alles andere als perfekt. Zumal in Städten. Außer in Kampen natürlich! Halt – nein – nehme ich zurück: die Unmengen Fahnenmasten stören meines Erachtens auch ganz empfindlich das Stadtbild. Die könnten gerne mal dahin zurück, wo sie hergekommen sind. Ansonsten zeige ich mich tolerant, vorausgesetzt, die zusammengerotteten Herren aus aller Herren Länder halten sich an die Kaschmir-Verordnung. Die Anzüge von unserem Kanzler finde ich ganz nebenbei auch nicht optimal für das Stadtbild. Vom Schnitt her unvorteilhaft, sehen immer aus wie zwei Nummern zu groß. Sorry, kein Body Shaming.
22. Oktober 2025
Kleine Pause
21. Oktober 2025

Nach sehr langer Zeit heute in vier Kaufhäusern nach Kleidung Ausschau gehalten, nicht gefunden, was ich erhoffte, aber zwei andere Teile, unter anderem, den Pullover hier. Das Muster hat mich aus mehreren Metern Entfernung hypnotisiert. Fand es schön, einmal wieder in einem Kaufhaus einzukaufen. Man weiß nicht, wie lange es die noch gibt. Früher war ich bestimmt einmal im Monat im Kaufhaus. Den Pullover habe ich am Kudamm bei Galeria gefunden. Seltsam fand ich, als ich davor stand, also vor der Eingangstür, dass da immer noch groß und deutlich der alte „Karstadt“-Schriftzug dran ist. Ich konnte mir in den vergangenen dreissig Jahren nicht merken, ob es immer noch Wertheim ist, oder inzwischen Karstadt. Nun aber „Galeria“, was aber nicht außen dran steht, nur drinnen überall. Jedenfalls sieht es nicht viel anders aus, wie schon vor dreissig Jahren. Nur andere Pullover. Vorher war ich bei P&C am Tauentzien, nichts gefunden, und danach im KadeWe, hat mich auch nichts angesprungen, hatte ich aber auch nicht so viel Zeit. Bei Galeria hat mich dann noch eine Fellweste im Vorbeigehen gestreichelt, die war so flauschig gewebt, wollte auch zu mir. Zuguterletzt noch zu C&A, verkleinertes Sortiment, immer wieder gute Sachen darunter. Mich interessierten aber speziell langärmlige Shirts in Jumbo-Größe, die ich gerne zuhause anziehe, die so weit sind, dass man sie gar nicht spürt. Ein schwarzes und ein dunkelblaues mitgenommen. Das dunkelblaue hab ich jetzt an, ganz weicher Baumwolljersey-Stoff, superbequem.
20. Oktober 2025
Lese viel. Jetzt müde.
19. Oktober 2025
18. Oktober 2025
Ich wasche meine Hände in Unschuld. Bin aber leider immer noch etwas blockiert, mental. Keine kreative Blockkade, eine rationale.

Soll ich mich um Verkaufsausstellungen kümmern, damit die Dinge in Fluss kommen und ich wieder Platz habe? Seit Mai gibt es drei große Pakete mit den gerahmten Fotografien der Ausstellung im Amano. Könnte ich griffbereit direkt woanders hinbringen und aufhängen. Aber ich scheue Wiederholungen. Vor einiger Zeit die Überlegung gehabt, alles auszupacken und dann hinter den großen, an der Wand lehnenden Leinwänden im großen Zimmer gleichmäßig verteilt, senkrecht hochzustapeln, so dass weiterhin vorne nur die bemalten Leinwände zu sehen sind, nur ein bisschen mehr in den Raum gerückt. Das wäre am wenigsten auffällig. Ich will keine Lager-Anmutung um mich haben. In den Keller würde ich niemals etwas packen. Einmal vor Jahren gemacht, nur ein Teil. Beim Exhumieren hatte es Feuchtigkeitsspuren, eklig und finster und darauf eine kohleartige Staubschicht. Der Keller existiert für mich praktisch nicht mehr. Ich mag dieses Verlies einfach nicht, will da keine Minute sein, wie ein Grab. Obwohl die Kellerräume allgemein eher als vergleichsweise trocken gelten, ich will das nicht schlechter machen, als es ist. Was meinen gelähmten Schaffensdrang anbelangt, muss ich dauernd an die mit Hingabe gesammelten, unverarbeiteten Materialien denken, die ich in petto habe, mein Sammelsurium, in Schachteln nach Farbwelten sortiert.

Aber ich bin auch noch nicht so alt, dass ich nichts mehr bewegen könnte. Gestern schickte mir Jan ein Foto aus seinem jahrelangen Atelier auf der Zitadelle, das er seit einigen Wochen auflöst, leere Bilderrahmen, die er mir gerne überlassen will. Reflexartig schrieb ich ihm sofort zurück „au ja!“ Fühle mich immer noch wie siebzehn. Wohl bei mir so eine Art Werkseinstellung, bei Reset wieder später Teenie, alles auf Anfang. Mein Leben fängt doch eigentlich erst an.


17. Oktober 2025
Vor einigen Tagen eine neuere NDR-Doku aus der Reihe „Die Nordreportage“ gesehen, über Blankenese. Genauer: (neben Anderen) über die dort langjährig tätige, zuständige Briefträgerin. Sie wurde bei ihren täglichen Wegen durchs Treppenviertel portraitiert. Ein Anwohner bemerkte, dass man eigentlich ja nur noch Rechnungen als Brief bekäme, weiter nichts. Kann ich nicht bestätigen. Rechnungen trudeln inzwischen überwiegend als Mail-Anhänge ein, zumal nach Online-Bestellungen. Eigentlich bekomme ich nur Gas-/Strom- und Betriebskostenabrechnungen als Papierpost. Und amtliche Schreiben. Gestern gleich zwei. Eines von einem Berliner Bezirksamt, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ein Verfahren eingestellt wurde, was mich beruhigte, ich hatte es aber schon erhofft bzw. damit gerechnet. Es auf Papier bestätigt zu bekommen, war erleichternd nachdrücklich und abschließend. Der andere Brief war vom Finanzamt, weil ich demnächst eine (für mich) neue Steuer entrichten muss, eventuell-wahrscheinlich-vielleicht auch ein paar Jahre rückwirkend. Habe daraufhin zurückgeschrieben, den gewünschten Bogen ausgefüllt und erklärt, wieso mir diese Steuer all die Jahre für mich nicht relevant schien.

Bin sehr gespannt, ob ich auf Verständnis treffe, mit dem Brief. Die Mitarbeiter von Institutionen und Ämtern haben ja zum Teil Ermessensspielräume. Da macht auch der Ton die Musik. Wenn es ein bisschen menschelt, können Paragrafen im Rahmen des Legitimen günstiger ausgelegt werden. Ich habe noch nie einen Rechtsanwalt beschäftigt, bisher immer alles im Alleingang durchgefochten und stets einen verbindlichen Ton gewahrt. Im Hinblick auf eine Annäherung der Kontrahenten. Ich sehe ausführende Mitarbeiter von Ämtern nicht als feindliche Personen, sondern Menschen, die einen Job machen, der oft langweilig bürokratisch ist und nervig wird, wenn die Kundschaft aggressiv fordernd auftritt. Im Gegensatz dazu, ist so ein Bezirksamt-Mitarbeiter oder Finanzbeamter doch auch froh, wenn ein netter Ton angeschlagen wird und man sich kooperativ zeigt. Nun ist wieder die andere Seite am Zug. Bin schon gespannt. Ich bin gar kein Steuersparfuchs, eher fast schon das Gegenteil in Richtung „Zieht einfach die fälligen Steuern ein, aber lasst mich mit Bürokratie und Schreibkram in Ruhe.“ Wenn dergleichen dann doch notwendigerweise ansteht, bin ich ganz schnell und fleißig, arbeite mich turboschnell in die Thematik ein und formuliere dann inhaltlich wasserdichte, nett erklärende Briefe. Das Foto von dem Zebra-Sessel ist aus einer Reihe von Aufnahmen, die (u. a.) zur Einstellung des Verfahrens führten. Leider kann ich im Sinne des Datenschutzes keine mehr erhellenden Einzelheiten ausplaudern.
16. Oktober 2025

Ausblick beim Warten aufs Taxi. Blickrichtung aus der Tür vom Anwesen Kurhausstraße 6 zur gegenüberliegenden Straßenseite, Wo ein Porsche 356 C parkt. Gebaut zwischen 1963 und 1965, letzte Generation des 1948 erstmals serienmäßig hergestellten Porsche 356. Günstigstes Angebot 50.000 €, gut erhaltene, fahrtüchtige, liegen um die 70.000 bis 80.000. Teurer geht freilich immer. Viele Elemente des ersten Porsche 356 waren baugleich mit dem VW Käfer, der ja auch von Ferdinand Porsche entwickelt wurde. Nun also doch noch ein Porsche-Foto aus Kampen. Man hätte einige fotografieren können. Auch Bentley ist eine beliebte Marke auf Sylt. Vor allem in Kampen und Keitum. Überhaupt Oldtimer – davon soll es viele geben, die aber wohlbehütet in geheimen, unterirdischen Garagen versteckt und gepflegt werden.

Was man nur erkennt, wenn man ganz genau hinsieht, heranzoomt, ist der Schriftzug PONY, auf der dunkleren der Fahnen im hinteren Bereich. Das Haus mit meiner Ferienwohnung ist quasi auf der identischen Höhe wie der berühmt-berüchtigte Pony-Club, nur in der Parallelstraße, dem Strönwai, auch gerne Whiskey-Meile oder Whiskey-Straße genannt. Auch das Gogärtchen ist nur wenige Reethäuser daneben. Dior ist auch da. Und Louis Vuitton. Ich war weder im Pony, noch im Gogärtchen, noch bei Dior, noch bei Louis Vuitton. Hat sich nicht ergeben, sollte auch kein Restaurant-, Club- und Luxus-Shopping-Marathon werden, meine vier Geburtstagsflucht-Übernachtungen auf Sylt.

Gleichfalls nicht besucht: die Sansibar. Was mich aber nicht so schmerzlich zurücklässt. Immer viel Trara um das Lokal. Ich hatte für den Abend meiner Anreise eine kurzfristige Einladung zu einer Geburtstagsfeier dort, aber ich bin durch die Verzögerungen der Bahn derart spät in Kampen angekommen, dass ich nur noch meine Ruhe haben wollte, auspacken, ausruhen. Und geregnet hatte es auch. Später erfuhr ich, dass die Feier dort zwangsläufig an den Tischen und in den Strandkörben draußen war, weil drinnen wieder ausgebucht war – und alle wurden klatschnass. Das ist eigentlich bekannt, dass es nicht so leicht ist, drinnen kurzfristig einen Tisch zu reservieren. Ich habe schon Bilder davon gesehen, auch dem Außenbereich. Ein Pärchen hat auch mal ein youtube Video gemacht, in dem u. a. ein Besuch in der Sansibar gefilmt wurde, aber auch nur im äußeren Bereich. Anhand des Bildmaterials wirkte das wie eine Massenveranstaltung (wollte jetzt nicht schreiben -abfertigung, da ich nicht beurteilen kann, ob der Service toll, naja oder mäßig ist.) Vielleicht stellt sich drinnen ein exklusives Gefühl ein, weiß ich nicht, schon möglich. Für noch Ortsunkundigere als meine Wenigkeit: die Sansibar ist nicht in Kampen, sondern in Rantum, am anderen, eher unteren Ende von Sylt. Da muss man schon sehr hinwollen, läuft man nicht mal eben rüber, wenn man in Kampen ist. Kann aber durchaus sein, dass ich mir eines nicht so fernen Tages noch die anderen Ecken ansehe, die ich jetzt nicht erkunden konnte. Man muss sich auch darüber im Klaren sein, dass in den meisten der zu Bekanntheit gekommenen Lokale, sofern sie überhaupt noch existieren, mittlerweile eine jüngere Generation am Ruder ist, die Anekdoten über Gunter Sachs, Arndt v. Bohlen, Augstein und Fritz Raddatz auch nur noch aus zweiter bis dritter Hand kennt – wenn überhaupt.

Die Zeitzeugen der Sixties und Seventies, als es partymäßig hoch herging, sind ausgestorben. Vielleicht wachsen Paradiesvögel nach, aber das ist nicht so sicher. Und Quiz- und Talkshow-Moderatoren wie Herr Jauch oder Herr Kerner oder Fußballtrainer sind auch nicht so ultimativ glamourös. Ob es noch Nester der Elite aus dem Verlagswesen gibt, wie früher zuhauf? Ich weiß es nicht. Die Augstein-Kinder haben das Anwesen in Archsum auch verkauft. Dennoch: von ausgelotet kann nicht die Rede sein, das wäre anmaßend. Auf eine Dünenwanderung in List hätte ich auch Lust. Darf man nur mit Führer hinein, in dieses Naturschutzgebiet. Sind wohl auch oft ausgebucht, jene Führungen. Jetzt lese ich noch ein bisschen weiter, in dem vielleicht schönsten Buch über Sylt. Wenn ich es fertig habe, teile ich mit welches, und welche Sylt-Bücher sonst noch unbedingt lesenwert sind und welche nicht.
15. Oktober 2025


Es ist, wonach es aussieht: der Abreisetag, erster September 2025, gegen halb elf in Kampen. Das gewünschte Taxi zu zehn Uhr war nicht machbar, weil es auf Sylt stark regnete, alle Fahrer ausgebucht waren. Auf ein elf-Uhr-Taxi vertröstet worden, das führte dazu, dass eine spätere Zugverbindung erforderlich war. Die Bushaltestelle „Kampen Mitte“ war ca. nur hundert Meter entfernt, aber mein dreiteiliges Gepäck sehr schwer und der Bus fährt auch nicht alle zehn Minuten nach Westerland. Und dann musste ich vorher ja noch zum Büro der Ferienwohnung, Schlüssel und Kurkarte zurückgeben. Das Büro war in einer südlichen Ecke von Kampen, zu weit von einer Bushaltestelle entfernt, alles zu beschwerlich, das wollte ich mir nicht antun, das elende Herumgewuchte (und ohne Gewissheit, dadurch den früheren Zug zu kriegen), zumal im strömenden Regen – und am Geburtstag. Da möchte man doch verwöhnt werden – oder sich wenigstens selbst im Rahmen der Möglichkeiten verwöhnen. Im Reisetagebuch u. a. vermerkt: „Frau von Kampen bei der Abreise. Gestern Vormittag, leicht verknautscht wegen zu wenig Schlaf, im Entrée der Unterkunft fotografiert. Warten. Warten. Warten aufs bestellte Taxi. (…) So ein Abreisetag ist vorzüglich geeignet, um davon abzulenken, dass man einen irgendwie runden Geburtstag hat.“


14. Oktober 2025


Jetzt noch ein diskreter Blick auf die andere Seite, die mit dem Bett. Eingebaute Regale. Links davon zwei bis drei Schranktüren in die Schräge eingebaut. Mehrere Einbauschränke unten in der Küche, im Wohnzimmer und im Bad habe ich nicht fotografiert. Ich weiß nicht, wie religiös die Sylter sind, aber Einbauschränke in cremeweiß scheinen bis mindestens in die Neunziger heilig gewesen zu sein. Angefangen hat diese Einrichtungsmode wohl in den Siebzigern. Was sich die feudalen Kampener leisteten, wollten nun alle haben: maßgefertigte Einbauschränke und Vertäfelungen in Schleiflack in jedem Raum, Bad inclusive. Friesisch-französischer Landhausstil. Aber alles stabil! Und jetzt: Licht aus.


14. Oktober 2025
14. Oktober 2025


Da war es September, Wunderkerze abgebrannt, Zeilen aus Kampen nach Mitternacht: „(…) Strandweg nach oben, ins Herz von Kampen. Die sandigen Schuhe und Strümpfe und restlichen Klamotten vom Körper gestreift, unter die Dusche (…), in trockene bequeme Klamotten. Kühlschrank gesichtet, letzte Bestände vorgenommen. Eine der guten Flaschen vom Kampen-Kaufmann geöffnet. Die ist jetzt leer. Ach… da ist ja noch ein Rest spanischer Rotwein… Gute Nacht aus Kampen, ein letztes Mal. War schön.“






14. Oktober 2025


Letzte Augustnacht, letzte Notiz, letzte Bilder, letzter Spaziergang: „Der Himmel zeigte furiose Farben und das noch lange, nachdem die Sonne bereits ins Meer gesunken war. Facetten zwischen Blaubeer- und Brombeer- und Himbeereis. Meine Füße wurden nass, ich hatte die Turnschuhe anbehalten. Die Socken fühlten sich noch überraschend lange nicht unangenehm nass und kalt an. Aber auch menschliche Strandvögel, drei Surfer mit ihren Brettern hatten Lust, ihre Kunst in dieser Nacht am Meer auszuprobieren. Die Surfbretter und ihre Silhouetten wie Scherenschnitte.“ (Letztere leider nicht fotografiert)



14. Oktober 2025
13. Oktober 2025

Gestern bestellt, Trostpflaster für Regenwetter – „showerproof“ – hoffe, er passt. Letzte Woche den seltenen Fall gehabt, dass ich eine Retoure in einem Hermes-Shop loswerden wollte, Klamotte war zu eng. Der erste Hermes-Shop, ein Späti am Rosenthaler Platz, wollte mein Päckchen nicht entgegennehmen – Begründung: „kein Platz“. Na, super. Ob die das bei Hermes wissen, dass ihre Kooperationspartner mitunter rumzicken? Er hat mich dann zum nächsten Hermes-Laden, so viele gibts gar nicht in meiner Ecke, in der Torstr. 113 geschickt. Der Inhaber war gnädig, hat es angenommen. Dass man da zum Bittsteller wird, finde ich ja kurios.
13. Oktober 2025




Letztes Herumkaspern am Strand. Die Luft war an dem Tag gar nicht meins, arg hohe Luftfeuchtigkeit, bin ich nicht dafür gemacht. Ich sehe auf den Fotos definitiv munterer aus, als ich war. Wohl letztes Aufflackern kurz vor Kampen. Nach diesem langen Spaziergang und zuletzt ein paar Kilometern durch den Sand laufen, der mitunter die Schritte ganz schön bremst, sehr bettschwer. Hätten andere vermutlich als Wanderung bezeichnet. Ich rückwirkend aber auch. War mir beim Losgehen überhaupt noch nicht klar, dass es so ein Marathon-Spaziergang mit zwei Unterbrechungen in der Kupferkanne und in der Vogelkoje würde. Einfach neugierig immer weitergelaufen, keine allzu konkreten Pläne gemacht, Zeit vergessen. Immerhin sehr bequeme Turnschuhe an. Dachte, hoffte, es ergäbe sich noch, den Abend in einer der alteingesessenen Kampener Lokal-Legenden, wie etwa „Manne Pahl“ oder dem Dorfkrug zu beschließen, aber da hätte ich dringend vorher das Bedürfnis gehabt, mir den Sand abzuduschen und mich umzuziehen, dafür war es dann schon viel zu spät. Zurück in der Wohnung rekonstruiert, dass es rund zwanzig Kilometer waren, zuerst kreuz und quer durch Kampen zur Kupferkanne, dann am Watt entlang, Vogelkoje, Akademie des Meeres in List, Klappholttal, dann auf der anderen Seite von Sylt den Weststrand entlang zurück, Richtung Rotes Kliff, Kampen.

13. Oktober 2025

Und das ist die Ratswaage in Lankwitz bei Nacht. Wo mich der Unfall-Kavalier freundlicherweise absetzte. Ich konnte mir zunächst gar nicht vorstellen, dass in dem kleinen Gebäude von 1917 eine Ausstellung mit mehr als zwei Bildern möglich ist – aber ja. Ich war ja da, hab es gesehen. Mich schlau gemacht, was es damit auf sich hat. Was das ist oder war – eine „Ratswaage“. Solche Gebäude gab es früher an vielen Orten, wo nicht jeder Händler eine eigene große Waage haben konnte, um große Warenmengen zu wiegen. Eine Gemeindewaage. Es gab einen Wiegemeister, der die Waren wog. Da konnte nicht geschummelt werden, auf den Wiegemeister war Verlass, er war ja neutral und die Gewichte waren geeicht – grob zusammengefasst. Heute ist die Lankwitzer Ratswaage ein vom Senat geförderter Treffpunkt für Frauen. Gibt allerhand Seminare und Workshops dort. Und Ausstellungen, wie die von Nora. Hier vor Ort von mir eingefangen. Die Ecke in Lankwitz hat gutbürgerlichen Charme. Schöne alte Häuser, ruhig, unaufgeregt, ungefährlich. Ich kenne nur eine einzige Berlinerin, die in Lankwitz wohnt. Sie ist dort aufgewachsen und etliche Jahre nach eigener Familiengründung wieder hingezogen, ins ehemalige Elternhaus, dort wurde extra angebaut, Vater Architekt. Die Ecke von Berlin hat man selten auf dem Schirm. S-Bahn gibts auch, Lankwitz und Lichterfelde Ost. Von letzterer kam ich, mit der S 25.




12. Oktober 2025


Mein kleines Sylt. Nicht die Mittelmeer-Wolfsmilch, aber das Gras (genauer China-Schilf) in so einem Korb, das ist schon ikonenhaft. Wenn man mir ein Foto von einem Friesenhaus mit zwei Graskübeln links und rechts und schickem Boutique-Ladenschild zeigen würde, hätte ich sofort den Reflex: Kampen! Als ich vor ein paar Jahren die Hochzeitsberichtserstattung zu Guido Maria Kretschmers Vermählung auf Sylt mitbekam (man konnte der ja gar nicht entgehen), nahm ich interessiert, ja fasziniert zur Kenntnis, dass sein Wunsch, was die Blumen-Dekoration anging, explizit: NUR GRÄSER! war. Gefiel mir, hielt ich für ästhetisch ansprechend und originell, ja fast schon gewagt. Nun aber, nachdem ich mir ausgiebigst Kampen angesehen habe, stelle ich fest, dass das so eine Mode in gehobenen Kreisen zu sein scheint, unaufgeregt wirkende Ziergräser in großen Kübeln hinzustellen. Ist auch wieder so ein bisschen Richtung Hamptons Style, klar. „Mein ‚kleines‘ Strandhaus mit dem Dünengras“. Understatement zum Lachen. Aber ich finde es auch schön. Bisschen Wildnis und unkompliziert.


12. Oktober 2025
12. Oktober 2025
12. Oktober 2025
12. Oktober 2025

Meine Feststellung, dass der Tag nur grau, kein bißchen rosa sei, ist nicht zutreffend. Die letzten Blüten auf meinem Balkon sind es.



12. Oktober 2025


Daheim, im Kämmerlein. Oktobertag, nicht golden, nicht rosa, alle Facetten von Grau. Hellgrau, steingrau, blaugrau, dunkelgrau. Fotos von jenem anderen dämmernden Morgen, der sich auch farblos entwickelte. Hat Gott wohl den Farbfilm vergessen, mein Michael… Gerade Fotos von Diane Keatons Anwesen gesehen, ihrem kalifornischen Haus, das sie im März für 29 Millionen zum Verkauf anbot. Hat mir erstaunlicherweise überhaupt nicht gefallen, weder von außen, noch von innen. Diese Interpretation von „industrial chic“. Überall reihenweise schwarze Blechlampen an den Decken. Käme ich mir vor, wie in so einem stundenweise mietbaren Co-Working Space, nur ohne fremde Co-Worker. Früher, also ganz ganz früher, so vor fünfunddreissig Jahren, kaufte ich mir häufiger Mode- und Interior-Hochglanz-Zeitschriften, in denen auch Editorials über Celebrity-Heime waren. Es gab mal eine Strecke über das Haus von Diane Keaton, das war aber ein anderes, das sie vor ihrem letzten bewohnte. Faszinierende Architektur von einem berühmten Architekten, leider vergessen wer (muss mal recherchieren). War interessant verwinkelt, aber auch geradlinig, tolle Licht- und Schattenspiele. Warum Diane das wohl verließ… Oh là là… lese gerade bei Architectural Digest, dass sie quasi eine Obsession pflegte, die darin bestand, namhafte, historische Häuser zu erwerben, zu renovieren und dann wieder zu verkaufen. Das heißt, sie hat bis zu ihrem Tod allermindestens sieben verschiedene bemerkenswerte Anwesen besessen und bewohnt. Kann ich gar nicht verifizieren, welches darunter das war, das mich so faszinierte. Auf den Fotos in dem gerade erschienenen AD-Artikel ist es jedenfalls nicht. Es war nicht im Kolonialstil, moderner.


P.S. Habe das Haus, das mich seinerzeit so faszinierte, anhand von Bildern identifiziert. Es war ihr erstes Haus, das sie denkmalgerecht renovierte, gebaut vom legendären Frank Lloyd Wright, das sogenannte „Samuel Novarro House“ – Art Déco.

P.P.S. In diesem Artikel hier, auch soeben anlässlich ihres Todes erschienen, sieht man den traumhaften Poolbereich des Samuel Novarro Hauses und ganz unten den Pool ihres letzten Hauses mit den freudlosen schwarzen Blech-Lampen allenthalben.
11. Oktober 2025

Nach dem Schreck. Nicht erwähnt, dass ich angefahren wurde. Am vergangenen Sonntag, 5. Oktober, auf dem Weg zu Noras Ausstellungseröffnung, stand ich an der stark befahrenen Lankwitzer Straße, wollte die Straßenseite wechseln, es war schon halbdunkel. Mein Blick geradeaus zum Verkehr, auf eine Lücke wartend, an der Stelle war keine Ampel. Plötzlich rammt mich ein Auto von rechts hinten. Ein gewaltiger Rumms gegen meine rechte Seite, vor allem den Arm, ich wankte, der Fahrer bremste. Konnte mich gerade noch fangen, was für ein Schreck. Er war entweder dabei, rechts hinter mir zu parken und wollte ein Stück zurücksetzen, oder war im Begriff wegzufahren. Er stieg erschrocken aus, wir guckten uns perplex an. Ich: „Das war aber ganz knapp. Da haben wir jetzt ja beide Glück gehabt, Glück im Unglück.“ Er sieht mich entschuldigend an, war natürlich keinerlei Absicht, klar. Gutaussehender Mittfünfziger (schätzungsweise). Groß, schlank, grauhaarig, markantes Gesicht, könnte modeln. Ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt, ihm gesagt, wo ich hinwollte, ob er mich hinfahren könnte. Ich hatte sowieso keine rechte Lust, zumal in der verwirrten Verfassung, das noch ganz schöne Stück zu Fuß zu laufen. Er meinte, er wollte gerade zum Fitness-Studio, kennt sich hier auch nicht aus, wo das sei. Palaver über den Weg dahin. Wir unterhielten uns ganz nett. Ich erklärte, dass ich zur Ausstellung einer Freundin wollte. Er daraufhin, die letzte Ausstellung wo er war, sei in der Newton Foundation gewesen. Eine alte Freundin von ihm, Jasmin Tabatabai, hätte ihn gefragt mitzukommen. Sie hätten sich kennengelernt, als sie im selben Jahr nach Berlin gezogen waren. Vermutlich beide Wurzeln im Iran. Beim Aussteigen er, wir sollten vielleicht in Kontakt bleiben, wollte meine Telefonnummer. Ich geoutet, dass ich ungern telefoniere, wollte ihm aber meine Mailadresse aufschreiben. Er wieder: nein, bitte Deine Nummer, nachsetzend, ihm ginge es nicht darum, mich zu belästigen, so Mann-Frau-mäßig. Ich wieder, dass ich einfach nicht gerne telefoniere, das so gut wie nie mache. Kritzelte meine Mailadresse und die von meiner Seite auf den Zettel. Wir verabschiedeten uns freundlich, einen schönen Abend wünschend.

11. Oktober 2025


Nicht zu vergessen: ich war am fünften Oktober bei der Ausstellungseröffnung von Nora Sturm in der Lankwitzer Ratswaage. Ein putziges historisches Bauwerk. Die Bilder passten so sehr, dass man dachte, die hingen immer hier. Ich mag Noras Sachen, sie ist eine virtuose Malerin. Die Ausstellung geht bis 9. November, hauptsächlich sonntags geöffnet, von 14 – 17 Uhr.




11. Oktober 2025
10. Oktober 2025

Vierter Oktober. So vielversprechend fing ein ganz trüber Tag an. 7.11 Uhr bis 7.16 Uhr. Ich musste mal, sah rosa Licht aus den halboffenen Augen, Fotos gemacht, zurück ins Bett geschlüpft und bis Mittag weitergeschlafen. War ja ein Samstag. Nur dunkle Wolken und Regen verpasst. Am späten Nachmittag beim Regenradar geguckt, wann mal eine Regenlücke ist. Zu Edeka in der Großen Hamburger, hat geklappt. Dort hab ich der Kassiererin eine Rückmeldung zum verkleinerten Sortiment im Weinregal gegeben, das mich nicht erfreut hat. Neue Filialleiterin kennt meinen Geschmack noch nicht. Dann kam der Schichtleiter, weil die Filialleiterin in Urlaub ist. Er hat sich ganz aufmerksam meine Wünsche angehört, was ich gerne wieder zurück im Sortiment hätte. Er will es weiterleiten. Die Idee war wohl, erst mal zu gucken, was wie läuft. Nur, wenn das, was bei mir und anderen „gut läuft“, gar nicht mehr im Regal steht, lässt sich daraus schwer etwas ablesen. Jedenfalls brauchen wir hier in der Ecke keine sechs Sorten Rotkäppchen halbtrocken. Das Regal war an der Stelle randvoll. Habe mitgeteilt, wo traditionell immer mal Lücken waren, weil schnell vergriffen. Sämtliche drei der weißen Crémantsorten wurden bevorzugt genommen. Rosé war immer übrig. Am besten lief der weiße Mon Mousseau. Hab ich auch am häufigsten gekauft. Man muss dem Fachpersonal auch unterstützend zuarbeiten. Habe dann zur einzigen vorrätigen, mir gesundheitlich verträglichen Alternative gegriffen, der Edeka-Eigenmarke Grand Plaisir. Kann man auch mal trinken. Gab nur noch drei Flaschen, habe nur zwei genommen, aus Rücksicht auf die Nachbarn. Das war das zweite Mal, das ich nachfragte, ob es eine neue Filialleitung gäbe, die Woche davor hatte mir das schon mal eine Kassiererin in etwa bestätigt, der ich mein kleines Einkaufsleid geklagt hatte und die solidarisch die Augen verdrehte.


Ich kam mir ein bisschen wie die Prinzessin auf der Erbse vor, Frau von Kampen sozusagen, aber die junge Frau hatte komplettes Verständnis. Aus mir kam der unsympathisch-elitäre Satz „Man muss sich doch auch ein bisschen darüber im Klaren sein, in welcher Ecke wir hier sind… ich meine – äh – das ist hier nicht – – – „ (hilflos um Worte ringend, keine politisch korrekten findend). Die junge Einzelhandelskauffrau mein Dilemma realisierend, sachlich ergänzend: „Neukölln.“. Ich (mit gesenkter Stimme): „Eben.“ Sie: „Ick weeß – ick versteh et ooch nich“. Sie empfahl mir dann am Tag Soundso gegen soundsoviel Uhr nochmal vorzusprechen, da sei die Filialleitung da, aber den Tag konnte ich mir nicht merken. Champagne Problems halt, aber veritable! Bin guter Hoffnung – die wollen doch Umsatz machen. In meinem Alter muss ich noch stärker als früher auf meine Gesundheit achten, ich darf nur alkoholische Getränke mit einer ganz bestimmten Qualität trinken.


09. Oktober 2025
08. Oktober 2025
We were very tired, we were very merry, we had gone back and forth, all night on the ferry. It was bare and bright, and smelled like a stable. But we looked into a fire, we leaned across a table, we lay on a hill-top underneath the moon; and the whistles kept blowing, and the dawn came soon.
We were very tired, we were very merry, we had gone back and forth, all night on the ferry; and you ate an apple, and I ate a pear, from a dozen of each we had bought somewhere; and the sky went wan, and the wind came cold, and the sun rose dripping, a bucketful of gold.
We were very tired, we were very merry, we had gone back and forth, all night on the ferry. We hailed „Good morrow, mother!“ to a shawl-covered head, and bought a morning paper, which neither of us read; and she wept, „God bless you!“ for the apples and pears, and we gave her all our money, but our subway fares.
„Recuerdo“, A Few Figs from Thistles (1920), Edna St. Vincent Millay 1892 – 1950
07. Oktober 2025




Daumenkino. Gaga auf Sylt. Lustig finde ich immer, wenn manche nur so husch-husch querlesen/-gucken und den Eindruck gewinnen, ich befände mich mittlerweile die sechste Woche auf Sylt, vorzugsweise Kampen. Muss man sich natürlich leisten können! Ganz falsch ist es auch nicht. Ich lese immer noch Bücher über Sylt, von Syltern bzw., in denen Sylt kapitelweise vorkommt. Wenn ich die alle durch habe, bin ich qualifiziert, dort als Reiseleiterin tätig zu werden, ich kenne jetzt schon fast jede Anekdote und jeden Klatsch der vergangenen hundert Jahre. Unter den betreffenden Büchern waren ein- bis zwei echte Highlights, aber auch eine große Enttäuschung, alles Bestseller. Komme ich noch darauf zurück. Seit meiner körperlichen Rückkehr am ersten September war ich in Berlin nicht viel unterwegs. Ich trete etwas kürzer. Bin aber noch nicht auf Rente! Ich war beim Sommerfest vom LCB und bei vier Ausstellungseröffnungen, zweimal im Atelier, aber nix fabriziert, außer nebenher ein paar Fotos, sonst nur Sachen erledigt, u. a. vor Ort wegen Einbau neuer Rauchmelder, die ferngesteuert gewartet werden können. Mal echter Fortschritt!



06. Oktober 2025
06. Oktober 2025

Sonntag, 31. August 2025, 20.43 Uhr. Galgenfrist drei Stunden und siebzehn Minuten. Countdown. 197 Minuten bis zur nächsten Dekade. Mein Gott, ist das hier etwa der Galgen? Was steht da?

60?!? Ach ich hab ja meine Brille nicht auf. 16… Buhne 16. Ich werde ja schon hysterisch! Was hab ich denn geschrieben? Ah ja, hier: „Ein langer, langer Spaziergang am Spülsaum zurück Richtung Süden, Richtung Kampen. Buhne 16 auf dem Weg. Über viele Kilometer nur zwei besetzte Strandkörbe. Wer am Sonntag Abend noch auf Sylt ist, hat wohl um die Zeit eher Dinner im Sinn.“


06. Oktober 2025

Fortsetzung Sylt-Fotoroman. Am Tag darauf notiert: „Es war noch nicht komplett dunkel, man konnte noch eine Kolonie von Strandvögeln erkennen, die sich in Reihen sammelten. Spezies kann ich gerade nicht benennen.“ Auf den Bildern sieht es dämmrig aus, aber doch noch recht hell, gegenüber war die Sonne komplett ins Meer gesunken, der Himmel schon rosa verfärbt und viel dunkler. Gerade das Schlafverhalten von Möwen nachgelesen: „Der Schlaf beginnt, sobald es dunkel wird, und endet mit dem Sonnenaufgang. Die Vögel versammeln sich an ihren Schlafplätzen, die sich an Land befinden können, und bleiben dort die ganze Nacht.“ So viele Fotos habe ich gar nicht gemacht, ich meine im Vergleich mit vielen Smartphone-Fotografen, die ich beobachte. Ständig den Finger am Auslöser. Ganz verrückt finde ich dabei, dass die meisten meines Wissens gar nicht bloggen, aber Tausende von Fotos auf ihrem Gerät haben, die sie dann auch nur punktuell mal anderen zeigen. Das ist offenbar eine neue Herangehensweise, die ich nicht nachvollziehen kann. Ich mag es überhaupt nicht, wenn ich sehe, dass jemand unterwegs in der Natur ohne Unterlass sein Smartphone hält und darauf schaut, entweder um zu knipsen oder Messages oder womöglich Weltnachrichten zu lesen. Dafür muss man nicht nach Sylt fahren, kann man günstiger haben. Ich bin daheim, allein im stillen Kämmerlein, auch immer online, aber unterwegs in schöner Natur brauche ich das überhaupt nicht. In selbstgewählter Gesellschaft und im Restaurant ebenso wenig. Ich geißle nicht, mit Notebook im Café sitzen und arbeiten, schreiben, whatever, das ist mir durchaus nachvollziehbar und ja im Grunde ein Rendezvous mit sich selbst. Oder den Lesern, die man von dort schreibend beglückt. Ich gestatte hiermit alleine Bloggen, Kommentieren, Chatten, Messages Checken, SMSen, Onlinelektüre und Schriftstellern in darauf ausgerichteten Lokalitäten. Aber nicht während Essens- oder sonstwie-Verabredungen mit mir – egal wo: Genickschuss! Einzige gestattete Ausnahme ist naher Angehöriger auf Intensivstation auf der Kippe zu Schnappatmung auf dem Sterbebett oder Babysitter hat Herz-Infarkt oder Schlaganfall. Alles andere kann warten und ist eine Frage der Organisation! Und: der Prioritäten. Ich war ja auch schon in Situationen, wo es um letzte Dinge bei Angehörigen ging. Aber tagtäglich hat man das nicht.


05. Oktober 2025


Weil ich nur dieses Donnern wieder höre, dies Mahlen einer ungeheuren Mühle, weil ich nur diesen Flugsand wieder fühle und dieser Möwen Ruhe wieder störe! Du abendliche Klarheit dort im Westen, sei mir ein Bild von naher Tage Glück. Stille leg ich mich ins Dünengras zurück. Nicht wie i c h will, — wie E s will ist’s am besten. – Christian Morgenstern, Sylt, 1895

05. Oktober 2025
05. Oktober 2025
05. Oktober 2025

Sylt. Deutschland, der äußerste Rand. Bis 1866 dänisch, nach dem dänisch-deutschen Krieg preußisch. Bis dahin gehörten Nord- und Südschleswig zum Königreich Dänemark. Die Zugehörigkeit von Südschleswig zu Deutschland wurde 1920 durch eine Volksabstimmung besiegelt. Nordschleswig ging wieder zurück an Dänemark. Kriegsgemetzel um Länderzugehörigkeit hat mich als Schulkind arg belastet. Herausgehobene Daten im Geschichtsunterricht, die Profilierung von Heeresführern hofieren.


05. Oktober 2025
05. Oktober 2025
05. Oktober 2025

Die Vogelkoje verlassen, über die Lister Straße, vorbei an der „Akademie des Meeres“, in die Dünen vom Klappholttal, südlichster Teil von List, dem nördlichsten Ort von ganz Deutschland. Was ich kurz danach schrieb war das: „Von der Vogelkoje kann man waagerecht links gehen (die Landkarte denken), dann kommt da eine Akademie des Meeres, scheinbar ein Veranstaltungsort für verschiedene Workshops. Eine orientierungslose Passantin erfragte die Richtung, erwähnend sie sei auf dem Weg zu einer Yoga-Week. Auf der Höhe dann gab es einen direkten Wanderweg zum Meer. Dort war es annähernd komplett leer.“ Es war weit nach neunzehn Uhr, ein bißchen spät, um noch bis zum angedachten Lister Ellenbogen zu wandern, dem nördlichsten Punkt. Letztes Mal den Strand ins Auge gefasst. Dünenweg zur sinkenden Sonne.




04. Oktober 2025

Letzte Fotos Vogelkoje, Sonntag, 31. August 2025, 18.46 Uhr. Gestern erst auf die Idee gekommen, nachzulesen, was ich wenige Stunden nach dem Besuch in der Vogelkoje geschrieben hatte, in der Nacht zum ersten September. Mir war noch in Erinnerung, dass ich eine Schwarzweiß-Fotografie, die Samuel Beckett zeigt, im Gastraum gesehen hatte und noch weitere… von wem noch? Andy Warhol? Ja. Da las ich, dass es auch knuspriges Brot gab, mit einer besonderen Butter, hatte ich vergessen, und gab es nicht auch Oliven? Wie schnell Details entfallen, nur vier Wochen später. Ich hielt fest: „In der Richtung unterwegs bietet sich an, die Vogelkoje anzupeilen, ein ganz lauschiges Restaurant, das auch einen Garten hat. Mich amüsierten die patinierten, leergetrunkenen Methusalem-Champagner Flaschen auf Seitentischen mit Blütenarrangements (auch wieder gerne Hortensien). Der Service war so fix, dass es nicht zu überbieten war. Das Schwarzbrot mit gereichtem Aufstrich unfassbar knusprig, das Pils in Lichtgeschwindigkeit serviert. Ein Süppchen und den Cesar Salad gekostet. Alles bestens. Das Damen WC und die Innenräume mit viel Liebe zum Detail dekoriert. Schwarzweiß-Portraitfotografien, die Samuel Beckett und Andy Warhol zeigen, im Gastraum – neben anderer großformatiger Fotokunst. Im Lady’s Room eine Tapete mit Reptilienstruktur, das Waschbecken eine silbern patinierte, runde Schale. Wie viele virtuose Interior Designer haben sich auf Sylt verwirklicht. Speziell in den exklusivsten Restaurants. Ich vermag es nicht zu beantworten.“ Ist schön bei Dir, Vogelkoje.



03. Oktober 2025

Die Vogelkoje hat traditionelle, für Damen und Herren separierte WCs, es geht durchs Restaurant, die Treppe nach oben. Natürlich habe ich keine Fotos vom mittlerweile sehr gut gefüllten Gastraum gemacht. Beim Durchgehen spürte ich die entspannte Atmosphäre, familiär, freundliche Blicke überall. Man hat das Gefühl, es wird einem von allen Seiten lächelnd zugenickt. Aber vielleicht war das auch nur in meiner Phantasie, nach den zwei kleinen Pils. Oben wagte ich dann zu fotografieren. Tapete und Handwaschbecken waren aber auch sehenswert, ebenso der gerahmte Akt, innen im Toilettenraum. Außen, an den eher konventionellen WC-Türen Fototapete mit Dünengras. Die ebenso sehenswerten Damen- als auch Herrentoiletten im Austernrestaurant Sylter Royal leider, leider nicht fotografiert. Spektakulär schöne, handgetöpferte geblümte Bodenfliesen auf „Damen“, bei „Herren“ eine mächtige antiquarische, hölzerne Werkbank mit eingelassenen Waschbecken. So viel visueller Schöngeist. Willkommen auf Sylt.





03. Oktober 2025


Es gab von der Karte Beef Tea (kräftige Rinderbrühe), Cesar Salad und König Pilsener vom Fass. Für Wein war es mir noch zu früh, hatte mehr Lust auf kleines Pils (und dann noch eins), sollte ohnehin nur ein kleiner Imbiss sein, Päuschen beim Spaziergang, keine abschließende Abendveranstaltung bis in die Puppen. Dann hätte ich mir auch ganz andere Sachen bestellt, nicht nur aus der Vorspeisenabteilung. Aber so früh, vor achtzehn Uhr, esse ich nie zu Abend, der große Hunger kommt später. Keine Essensfotos gemacht, ich geniere mich da sehr und finde Rinderbrühe auch nicht so spektakulär als Motiv. Cesar Salad visuell auch nicht so superspeziell. Die Fotos mit Speisekarte etc. habe ich auch nur deswegen so hemmungslos gemacht, da so früh am Abend noch kaum Gäste da waren, bzw. die wenigen lieber drinnen sein wollten, anstatt unter den moos-patinierten Sonnenschirmen. Das Essen hat erwartungsgemäß gut geschmeckt. Besonders mochte ich den traditionell geschult wirkenden, sehr höflichen und fixen Service, beinah schon altmodisch, gefiel mir. Auch das gut in der Pilstulpe eingeschenkte Bier mit schönem Schaumkrönchen. Wenn ich meine Einträge schreibe, google ich vorher oder nebenher weitere Infos zu einem Ort. Zum Vogelkoje-Restaurant gab es etliche Suchergebnisse von 2022, die sich en detail mit der Berichterstattung zur Hochzeit von Christian Lindner und Franca Lehfeldt auf Sylt befassten. Offenbar war das frisch getraute Paar im Anschluss an die standesamtlichen Vermählung in Keitum, mit der Festgesellschaft nach Kampen gefahren, um in der Vogelkoje den Hochzeitsschmaus einzunehmen. Kann ich gut verstehen, hab das Lokal auch von innen gesehen, später beim zum WC gehen.



03. Oktober 2025


Weiter im Sylt-Album. Der Spaziergang ging weiter nach Norden, da musste irgendwann die Kampener Vogelkoje kommen. Die Lister Straße, wo auch der Bus Linie 1 entlangfährt, ist nicht so abwechslungsreich, dass man jeden Meter davon unbedingt selber laufen müsste, also ins Haltestellenhäuschen unter Reet, um bequem eine Bushaltestellen-Etappe zu fahren. Bei „Vogelkoje“ dachte ich mehr an das Restaurant, das ich mir schon vorher zuhause in Berlin ausgeguckt hatte, weniger an das Naturschutzgebiet. Die liegen aber eng nebeneinander. Erst später, wieder in Berlin, beschäftige ich mich mit der Bedeutung von Vogelkojen. Nämlich, als ich lernte, dass es insgesamt drei ehemalige Vogelkojen auf Sylt gibt, das sind historische, ausgefuchste Entenfanganlagen, jetzt aber schon hundert Jahre außer Betrieb und nur noch dem Naturschutz gewidmet. Was also so lauschig klingt, war einst eine riesige Mausefalle für Wildenten. Und eine der beiden anderen Vogelkojen, die in Rantum, wurde jetzt auf dem Immobilienmarkt zur Versteigerung angeboten und tatsächlich auch zum Mindestgebot von 195.000 Euro versteigert, was als absolutes Schnäppchen gelten darf. Das hätte ja sogar ich mir fast noch aus der Portokasse leisten können. Aber warum so günstig? Großer Pferdefuß: auf dem putzigen Stück Wiese mit dem alten Entenfang-Teich in der Mitte, kann man nicht viel veranstalten. Zumindest bautechnisch nicht. Kein Reethäuschen drauf bauen etc. Aber vielleicht machen die Neubesitzer dort Glamping im temporären Luxus-Beduinenzelt. Immerhin sowohl nah am Weststrand als auch am Wattenmeer gelegen, da Sylt an der Stelle ein schmales Handtuch ist. Kann man sich ja mal als Spielwiese leisten. Das wusste ich alles noch nicht, als ich mich um siebzehn Uhr fünfunddreissig zur Eröffnung der Abendkarte im Vogelkoje-Restaurant-Garten niederließ.



02. Oktober 2025


Nicht auf dem Weg zur Buhne 16, zur Kampener Vogelkoje. Aber man kommt an dem Schild vorbei. Wahrzeichen, wie der Hollywoodschriftzug. War kein Wetter für FKK und Drinks in Dünen.

01. Oktober 2025

Der Klenderhof. Die „Springer-Burg“ am nördlichen Rand von Kampen. Von weit unten, einem Weg namens Grönning, nach weit oben geblickt, gesehen. Nah am Watt, auf direkter Sichtachse der Galloways (oder doch Angus – whatever), genau gegenüber der grasenden Herde. Möglicherweise das teuerste Reethaus auf Sylt. Es ist im Vergleich mit den anderen, ebenfalls stattlichen Häusern in Kampen unvergleichlich auffallend. Selbst wenn man nichts darüber weiß, ist man beeindruckt und fragt sich, wem das wohl gehört. Gehörte. Was sich dort abspielt. Sofort der Gedanke: „eine Burg“, obwohl ich da noch nicht wusste, dass die Sylter vom Klenderhof bis heute von der „Springer-Burg“ sprechen. Das geschichtsträchtige Ensemble hat einen Wikipedia-Eintrag:

„Geplant (…) im Jahr 1932 vom Berliner Architekten Otto Firle im Auftrag von Charlotte Baldner, einer Tochter des jüdischen Warenhausbesitzers Leopold Lindemann, der seine 17 Kaufhäuser an Karstadt verkauft hatte. Den ersten Entwurf hatte Firle auf der Rückseite einer Speisekarte des Kampener Kurhauses skizziert. Die Bauherrin schenkte die Anlage ihrem Mann, dem renommierten Cellisten Max Baldner, der mit dem Klingler-Quartett internationale Bekanntheit erlangt hatte. Am Tag der Machtergreifung durch Hitler, war der Rohbau fertig, im Herbst 1933 zog die Familie Baldner ein. (…) Wahrzeichen des reetgedeckten Klenderhofs war der Turm mit dem nur über eine Holzbrücke zu erreichenden Haupteingang und einem runden, bis in die Giebel ragenden Musikzimmer des Hausherrn darüber. Daran schlossen sich im Norden und im Westen zwei mächtige Flügel an, dazwischen ein windgeschützter Innenhof. Da das Gebäude mehr einer Burg als einem Sommerhaus ähnelte, wurde es fortan auf der Insel die Baldner-Burg genannt. (…) Einer der ersten Bewunderer des Hauses war Nazi-Größe Hermann Göring, der das Anwesen am 31. Juli 1933 inspizierte. Charlotte Baldner bereute es später, ihn hereingelassen zu haben. Der Besucher war aber so begeistert, dass er Firle beauftragte, ihm auf der Ostsee-Halbinsel Darß ein ähnliches Haus zu errichten. Dieses Haus brannte 1945 ab. 1937 ließ Göring außerdem auf Sylt das Haus Min Lütten errichten. In der Folgezeit besuchten viele illustre Gäste den Klenderhof (…). 1936 wurde Max Baldner aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen und bekam Berufsverbot.

Seine Frau erhielt einen sogenannten Judenstempel in ihren Reisepass. Ihre Kinder wurden der Schule verwiesen. Juden wurde der Aufenthalt auf Sylt verboten und der Klenderhof stand leer und verwaist am Watt. In der Reichskristallnacht wollten SA-Leute die „Judenburg“, wie sie den Klenderhof nannten, anzünden. Couragiertes Eintreten Sylter Bürger und Gäste verhinderte die Brandstiftung im letzten Moment. Im Krieg wurde Baldner aufgefordert, sich von seiner Frau zu trennen, damit er wieder auftreten könne. Der Cellist lehnte jedoch ab und wurde in ein Arbeitslager der Leuna Werke bei Halle eingewiesen, das er als schwer kranker Mann verließ. Er verstarb 1946 im Alter von 59 Jahren. (…) Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus konnte die inzwischen verwitwete Charlotte Baldner ihren Besitz wieder übernehmen. Sie vermietete das Anwesen zunächst an den Verlag der Wochenzeitung Die Zeit. Hausverwalter war der Schriftsteller Ernst von Salomon, der mit seinem Buch Der Fragebogen“ den ersten Bestseller der Nachkriegszeit schrieb. Den Roman in Form einer Autobiografie hatte er in Kampen konzipiert. Nach der Währungsreform leitete Charlotte Baldner das Haus wieder in eigener Regie und nahm zahlende Gäste, wie die Underbergs, Bertha Krupp von Bohlen und Halbach und Ernst Rowohlt auf. Gegessen wurde an einer gemeinsamen Tafel. Ende der 1950er Jahre kaufte Axel Springer den Klenderhof von Charlotte Baldner. Er ließ das Haus modernisieren und richtete eine Tagungsstätte für Verlagskonferenzen ein. Diese wurde auch zur geselligen Begegnung zwischen Politikern, Wirtschaftlern, Künstlern und Publizisten seiner Blätter genutzt. Am 5. August 1973 stand der Klenderhof in Flammen. Unbekannte Täter hatten Brandsätze im Reetdach und im Innern entzündet. (…) Springer ließ den Klenderhof in seiner alten Form wieder aufbauen. Nach seinem Tod ’85 verkaufte seine Witwe Friede Springer den Klenderhof an die Schweizer Familie Theler und den Münchner Architekten Victor Erdmann, der in jedem Sommer zu rauschenden Partys einlud.“

Hier endet die Eigentümer-Historie im Wikipedia-Eintrag. Aber jede Änderung der Eigentümerverhältnisse war früher oder später eine Nachricht bei Bild oder der Welt. Offenbar ging die Ära der Schweizer Eigentümer-Gemeinschaft 2001, also fünfzehn Jahre nach Erwerb von Friede Springer (im Todesjahr von Axel Springer 1985), zu Ende. Die Welt vermeldete im August 2001: „(…) Nun will sich die Eigentümergemeinschaft von dem Prestigeobjekt trennen: Zwei in Kampen ansässige Immobilienmakler wurden beauftragt, den „Klenderhof“ mit seinen 600 Quadratmetern Wohnfläche und das 20 000 Quadratmeter große Grundstück für 22 Mio. DM auf dem Markt anzubieten.“ Das mit dem Verkauf schien sich aber eine ganze Weile hinzuziehen, da die gut informierte Kampen-affine Welt-Reporterin Inga Griese (selbst dort ansässig) zwei Jahre später, Ende Juli 2003 ausplauderte: „(…) Wenn Victor „Peanuts“ Erdmann, im wahren Leben Architekt aus München, in Kampen Teil der „Schweitzer“ vom Klenderhof und eine der letzten überlebenden Partylegenden, mit seinem Motorroller durch Kampen knattert und die Freunde abklappert, um zum Essen einzuladen, dann weiß man, dass die „Festwochen“ wirklich begonnen haben.“ Erst weitere zwei Jahre später, offenbar um 2005, ging der Verkauf über die Bühne, und zwar an den Hamburger Immobilien-Entwickler Wolf-Peter Schneider, der den stark renovierungsbedürftigen Klenderhof gekauft hatte und umfassend renovieren ließ. Schneider: „Der Klenderhof ist jetzt ein Neubau im Altbau.“ Auf der Internetpräsenz von Schneider finden sich auch endlich einmal Bilder, wie das Objekt aus der Nähe und aktuell von innen aussieht. Nach Fertigstellung der Modernisierung wurde Engel & Völkers 2007 beauftragt, das Objekt zu verkaufen.

Und wieder hat sich ein Eidgenosse dafür erwärmt. Bild vermeldet im Juli 2007 den Kaufabschluss: „(…) Der neue Besitzer wird den Bau als privates Ferienhaus nutzen, im Oktober einziehen. Wer der neue Herr des Klenderhofs ist, verrät Schneider nicht. Nach Informationen von BILD ist es der Schweizer Unternehmer Dr. h.c. Thomas Straumann, Gründer einer Firma für Zahnimplantate und Besitzer von Luxus-Hotels in Basel und Gstaad. In seinem neuen Ferien-Domizil stehen ihm 17 Zimmer (allein sieben Schlafräume!) mit 800 Quadratmetern Wohnfläche und ein 20 000 Quadratmeter großes Grundstück zur Verfügung.“ Aber auch Chefreporterin Inga Griese kommt ihrer Berichterstattungspflicht für die Welt zeitgleich am 29. Juli 2007 nach und meldet den Verkauf und nennt launig Ross und Reiter, Familienstand inclusive: „Nicht mittellos ist auch der Schweizer und vierfache Vater Thomas Straumann, 44, der nun den Klenderhof, das berühmteste Haus auf der Insel, gekauft hat. Für mehr als 20 Millionen Euro, die genaue Summe wird nicht verraten. Damit hat der Heidefunk ein beliebtes Thema verloren. Schließlich ist das ehemalige Gästehaus von Axel Springer ein legendäres Gebäude. Als der Hamburger Architekt und Immobilienentwickler Wolf-Peter Schneider den Klenderhof vor zwei Jahren von „den Schweizern“ um die Familie Theler und Victor „Peanuts“ Erdmann kaufte, wurde wild darüber spekuliert, was er mit dem denkmalgeschützten Haus vor und ob er sich da mal nicht überhoben habe. Wer sollte 800 Quadratmeter Wohnfläche und 20 000 Quadratmeter Grund kaufen? Herr Fielmann? Die Begum?? Russen?!? Zu früh geunkt. Das Haus ist ein Traum geworden und der Kaufpreis wahr. Und ab Oktober weht wieder die Schweizer Flagge. Jetzt müssen wir Herrn Straumann nur noch erklären, dass am 1. August alle in seinem Garten stehen und Nationalfeiertag feiern wollen.“ Nun wird es noch einmal interessant. Offenbar weiß auch bei der Welt nicht immer die linke, was die rechte (Hand) macht, denn vier Tage nach der umfassenden und eloquenten Mitteilung vom 29. Juli 2007 von Frau Griese für die Welt, schreibt Gisela Schütte am 3. August 2007, ebenfalls für Welt, gleichfalls vom Verkauf des Klenderhofs, nur nicht so kenntnisreich und detailverliebt, den vergleichsweise blutleeren Artikel „Traditionsreicher Klenderhof verkauft“. Nun musste man nach dem für Oktober 2007 anberaumten Einzug in den Klenderhof durch Familie Straumann fast ganze zwei Jahre auf eine neue Mitteilung über die gute alte Springer-Burg warten.

Am 1. September 2009 war es dann endlich wieder so weit: Baby Schimmerlos aka Michael Graeter wusste für die Münchner Abendzeitung von einer feierlichen Buchpräsentation in exclusiven Kreisen der Münchner Schickeria zu berichten: „Ein Erinnerungsband an das Springer-Gästehaus weckt Sehnsüchte (…) Graeter kann es nachfühlen. Der AZ-Kolumnist über turbulente Zeiten im Sylter Sandschloss (…): Wohl aus Sehnsucht nach vergangenen Zeiten, die vermeintlich prickelnder schienen, kommen immer mehr kostbare Privatbücher in den Umlauf, die nicht zu kaufen sind. Nach dem grandiosen Fotoband von Henkel-Erbin Antje Debus, bei dem selbst Annie Leibovitz blass vor Neid geworden wäre, ist jetzt das 144-seitige Erinnerungsalbum „Klenderhof“ (Produktion: Heino Stamm) von Flensburg bis Garmisch an den befreundeten Jetset verschickt worden. Zum Schwelgen in Erinnerung, die schönste Lektüre. Das ehemalige Gästehaus von Großverleger Axel Cäsar Springer in Kampen auf Sylt, das einmal bei einem Brandbomben-Anschlag auf Ex-Minister Karl Schiller zerstört wurde, war von 1982 bis 2005 fest in Schweizer Hand. Zusammen mit dem Münchner Lagerhallen-Lord Pini Erdmann fungierten die unternehmungslustigen Eidgenossen Chrigl Hardmeyer, Rolex-Ruler Jörg Bucherer, Baumwoll-König Oli Stahel und Versicherungs-As Dr. Rene Theler als Wake-up-Quartett auf Hamburgs Haus-Insel. Die fantastischen Vier sorgten auf Sylt die ganzen Jahre für Furore, wie einst Brigitte Bardot für St. Tropez. Wenn sie da waren und am 1. August eine Art Silvester feierten, war der Sand auf Sylt heiß, sehr heiß. Die turbulente Zeit im reetgedeckten Sandschloss ist leider vorbei und manche schauen schon von oben herab (…) Zeitlos-Playboy Gunter Sachs und Frau Mirja, Verleger-Witwe Friede Springer und Freundin Florentine Pabst, Journalist Claus Jacobi (steuerte ein paar Zeilen für den „Klenderhof“- Bildband bei), Bild-Chefredakteur Peter Boenisch, Kunstsammler Frieder Burda (überholte mit seinen Gemäldesammlungen sogar Bruder Hubert). (…) Designer Reimer Claussen, Hairstylist Gerhard Meir, Interieur-Designer Heino Stamm, (…) Möbel-Kreateur Rolf Sachs mit Frau Maryam, Tennis-Crack Boris Becker, Sängerin Vicky Leandros, Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Weimar, Fürst Ferdinand und Fürstin Elisabeth von Bismark, Sportfabrikant Willy Bogner und Frau Sonia und manchmal auch meine Wenigkeit zu Gast waren.“ Usw. usf. mindestens F. J. Raddatz dürfte da fehlen. Mittlerweile hatte sich Familie Straumann fertig eingerichtet und sehr gut auf dem Kampener Klenderhof am Norderende 1 eingelebt. Nur die Straßenverhältnisse vor der Haustür – da war noch Luft nach oben.

Im März 2011 vermeldete die Schleswig-Holsteinische Zeitung die großzügige Kostenübernahme durch einen Anwohner i. H. v. 350.000 Euro, für Straßenausbauarbeiten am Norderende. Der Artikel hat eine Bezahlschranke, so ist mir nur die Überschrift und die Bildunterschrift zugänglich. Ich habe da aber so eine Vermutung. (Blick zum Klenderhof). Daneben ein anderes schönes Anwesen. Auch imposant und einladend. Adresse Hans-Hansen-Wai. Aber ohne Wikipedia-Eintrag und Zeitungsberichterstattung. In der Ecke ist aber noch ein weiteres, häufiger zitiertes Haus unter Reet. Im Hobokenweg, in den alle gerne wollen. Wohl Hausnummer 13. Dort befindet sich das ehemalige Haus von Verlagsgründer Peter Suhrkamp. Die Historien des Suhrkamp-Hauses im Hobokenweg und vom Klenderhof werden teilweise durcheinandergewürfelt. Beiden ist gemeinsam, dass sie prominente Eigentümer hatten und das Haus im Hobokenweg 13 befand sich ebenfalls im Besitz von Axel Springer. Die Eigentümergeschichte ging so: 1927 erwarb der Musikwissenschaftler Anthony van Hoboken eine Villa, die er seiner Frau schenkte. Nach der Scheidung heiratete diese, nämlich Annemarie Seidel, Schauspielerin, Lektorin und Übersetzerin, Peter Suhrkamp und das Haus wurde als Gästehaus genutzt. Fortan gaben sich die Größen der Kunst- und Literaturszene in Kampen die Klinke in die Hand. Auch Max Frisch schrieb Erinnerungen an seinen dortigen Aufenthalt nieder. Bis der Verleger Suhrkamp 1953 Geld brauchte, um die deutschen Rechte an Marcel Proust zu erwerben. Um das Vorhaben zu finanzieren, verkaufte er das Anwesen im Hobokenweg an Zeitungsverleger Axel Springer. Denkbar, dass Springer das Haus behielt, als er den Klenderhof erwarb. Vielleicht hielt es seine Witwe Friede auch noch gleichzeitig im Familienbesitz. Spätestens 2015, vielleicht früher, ging es in den Besitz des Unternehmers Ralph Dommermuth (Inhaber von 1&1, gmx, web.de etc.) über, der das Haus dreifach unterkellern ließ, um auf einer der drei Etagen seine Oldtimer- und Ferrarisammlung unterzubringen, auf der zweiten einen Weinkeller, und in der dritten Kelleretage ein riesiges Aquarium einbauen zu lassen. Aufstockungen und Anbauten wären unzulässig gewesen. In seinem Wikipediaeintrag ist ein Foto der Baustelle von 2015. Also alles kein Herrschaftswissen, was ich hier kolportiere, aber feinsäuberlich zusammengegoogelt und verlinkt. Wegen der Parallele, dass Axel Springer einst Eigentümer der beiden zu Ruhm gelangten Häuser Klenderhof und Hobokenweg 13 in Kampen war, generiert die google-AI bei der Frage nach dem Besitzer des Klenderhofs auch schon mal Herrn Dommermuth. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob nach dem Erwerb Anno 2007 des Klenderhofs durch den Schweizer Dental-Unternehmer mit den vier Kindern, nicht noch ein Verkauf stattgefunden hat. Aber ich glaube es eher nicht, denn das hätten wir doch bestimmt längst aus allererster Hand von Bild und Welt erfahren. Aber still ruht der See, seit der Straßenausbesserung am Norderende 1. Insofern…

30. September 2025
Faszinierender Film über den letzten Krupp-Erben, Paradiesvogel Arndt v. Bohlen u. Halbach, mit erdachten Doku-Sequenzen und echten Wegbegleitern, aus 2014: „Herr von Bohlen privat„.
29. September 2025
Ich glänze ganz ungern mit Halbwissen. Mir ist es nicht gelungen, die ultimative Rasse dieser Rindviecher hier festzustellen. Googelt man „Kühe/Rinder auf Sylt“ kommt unweigerlich immer das Ergebnis, dass auf Sylt Galloway gezüchtet wird und rund ums Jahr auf den Salzwiesen grast. Aber Galloway sieht meistens lockiger aus. Nun gibt es aber bei der Suche anhand dieser Fotos das hartnäckige Ergebnis „Aberdeen Angus“. Kein Feinkostgeschäft und kein Fleischer auf Sylt wirbt mit „Angus“ aus Sylt. Bei genauerer Betrachtung kam ich auf die Idee, dass die Tiere eventuell geschoren wurden und deshalb nicht so lockig daherkommen. Weitere Recherche führte zu kontroversen Diskussionen bzw. zu der Information, dass Galloway NIE geschoren würde. Andere, wenige Züchter empfohlen hingegen, die Rinder zu scheren, das sei auch hygienischer. Des weiteren fand ich in Österreich einen Bio-Zuchtbetrieb, der Galloway und Angus kreuzt. Sehen aus, wie die Exemplare auf meinen Fotos.


Eindeutig Galloway ist aber das helle Tier. Da sieht das Fell entsprechend flauschiger und welliger aus. Eventuell „Neandertal Galloway“. Was es so alles gibt. War nun auf so vielen Züchter-Seiten, dass ich einen kleinen Narren an den Tierportraits gefressen habe. Ganz schöne Beschreibungen wie: „Körfähiger Jungbulle mit sehr interessanter Genetik! Sehr typvoller mittelrahmiger Jungbulle zu verkaufen. Thor vom Winzelbach ist ein Sohn des Besamungsbullen Tramp hinter dem sich über 30 Jahre alte schottische Genetik der Herden Grange, Glenapp und Penninghame und Over Barkeoch verbirgt. Sehr seltene Genetik!“

Oder: „Unser Zuchtbulle Cosmo sucht einen neuen Wirkungskreis. Sehr gut entwickelter typvoller Herdbuchbulle mit viel Potenzial, gekört 7/7/7 (…) sehr ruhig und sehr umgänglich im Charakter, (…) Wir wünschen uns einen tollen Platz für ihn wo er aktiv werden kann.“ Oder: „Der kleine Sultan stellt sich schon mal vor: Sein gekörter Vater Cosmo ist ein white Galloway, toll in der Herde insbesondere mit den Kleinen und sehr umgänglich. Seine Mutter Sunday (Herdbuch A) ist handzahm und bringt jedes Jahr schöne Kälber mit tollem Wesen zur Welt. (…) Sultan ist zutraulich und von ruhigem Wesen.“ Da wird einem schon warm ums Herz und man überlegt doch für zwei Minuten, ins Zuchtgeschäft einzusteigen!

Gemeinsam ist Galloway und Angus, dass sie keine Hörner haben, komplett wetterfest sind, immer draußen bleiben können, nie zimperlich sind, leichtkalbig (!) und schön marmoriertes Fleisch liefern. Außerdem gibt es in Keitum ein Paar, das eine Rasse namens Dexter züchtet und damit sogar schon Preise gewonnen hat. Er ist ein ehemaliger Koch von der Sansibar, später war er Koch im Superduperluxus-Spa Lanserhof und jetzt hat er wohl selbst ein Lokal in Keitum aufgemacht. Um Corona herum hat der letzte Milchkuhbauer auf Sylt das Geschäft aufgegeben, was viele bedauerten. Wir sehen hier also Tiere zur Landschaftspflege oder für Fleisch und Wurst, was man dann beim „Gänsehof Sylt“ oder der „Sylter Landschlachterei“ oder beim „Kampen Kaufmann“ kaufen kann. Usw. usf. Aber wie gesagt: Halbwissen.
29. September 2025

Spaziergang an der Wattseite entlang. Der Osten von Sylt, immer noch Kampen. Schilf, Watt. Dann kommt ein langer Abschnitt, der Grönning heißt, der Blick schweift über die Salzwiesen, darauf eine robuste kleine Rinderherde. Das eher unspektakulär wirkende Naturschutzgebiet Nielönn. Hinter den fernen Dünenhügeln liegt Strandabschnitt Buhne 16. Hier im nördlichen Teil von Kampen werden die Abstände zwischen den Anwesen immer größer, bis sich die Besiedelung verliert. Eine unvorstellbar begehrte Einöde.



28. September 2025
28. September 2025
28. September 2025
28. September 2025



Zwei Stunden in der Kupferkanne verbracht. Nun weiter spazieren Richtung Watt. Da liegt dieses Anwesen, auf dem Stein ist „Brigadoon“ zu lesen. Einer schottischen Legende zufolge ein mythischer, zumeist unsichtbarer Ort. 1947 wurde daraus ein Broadway Musical und 1954 wurde die Geschichte mit Gene Kelly und Cyd Charisse in Hollywood verfilmt. Das Anwesen ist für die Besitzer sicher ein Stückchen Glücksseligkeit. In dieser Ecke von Kampen gibt es keinerlei Namen der Bewohner an Türen. Auch Hausnummern sucht man im Osterheideweg zumeist vergeblich.

28. September 2025



Dieses Gemälde, ebenfalls von Heide Dahl, trägt den Titel: „Genoveva auf dem Sessel“. Öl auf Leinwand, 8.250 €. Die kleine Signatur rechts unten vermerkt entweder das Jahr 82 oder 93. Es hängt nah beim Ausgang. Ich ging erst vorbei, hielt inne, ging wieder zurück. Es faszinierte mich. Eine überaus virtuose Malerin.


28. September 2025

An einigen Wänden der Kupferkanne hängen Bilder der Kampener Malerin Heide Dahl. Das Bild trägt den Titel „Marktkinder“, auf dem Schild darunter steht: „Aquarell auf Papier, 55 x 65 cm, 3.750,- €„. Heide Dahl führte viele Jahre eine Galerie in der Kupferkanne, sie malte häufig Kinder und Blumen. Sie starb 2014.



28. September 2025
28. September 2025

Danach noch übers Gelände geschlendert, in einer Ecke ein Stand mit Kunsthandwerk, Arnbändern, gehäkelten und gestrickten Mützen, liebevoll arrangiert, auf alten Schaufensterpuppenköpfen mit bröckelnder Oberfläche. Schönes Motiv. Ich frage, ob ich ein Foto machen darf. „Nein, keine Fotos.“ Ich etwas überrascht. Die Dame, von der die Häkelmützen stammen, die mich eigentlich weniger interessierten, als die Köpfe der alten Puppen, erklärt, dass sie nicht möchte, dass ihr Design geklaut wird. So speziell und markant fand ich die gehäkelten Stäbchenreihen in den mehrfarbigen Mützen nicht, aber sie kann das natürlich so halten. Dann habe ich mir noch die Kupferkanne von innen angeschaut.


28. September 2025
27. September 2025


Sieht doch gut aus, die Rote Grütze. Ordentliche Portion. Hat auch geschmeckt. Auf der Facebookseite der Kupferkanne ist die aktuelle Speisekarte zu sehen. Darunter hat sich eine kommentarreiche Debatte entsponnen. Volkes Stimme meldet sich zu Wort! Die einen empören sich über die Preise, die anderen verteidigen die Preise. Sylt-/Kampen-/Kupferkannenfans kontern durchaus ein bisschen von oben herab, dass die anderen doch einfach wegbleiben sollen, dann wäre mehr Platz! Überhaupt auf der Insel! Die Gegenseite, die mit dem Empörungspalaver über die Preise angefangen hat („unverschämt!“) plädiert für Boykott und Frühstück ‚daheim‘ in der Ferienwohnung. Wieder andere treten als Vermittler auf („Kampen halt“) und nennen gleichwertige Preise für Kaffee und Kuchen in Köln, allerdings ohne Wattblick, u.s.w., u.s.f.


27. September 2025
27. September 2025


Hier kommt ja schon die Karte! „Haben Sie recht vielen Dank!“ Zügiger Service, gut organisiert, kann man nicht anders sagen.


27. September 2025

Sind die Tage des Aufenthalts an einem Ort sehr überschaubar, verzettelt man sich weniger und ortet die Highlights. Dazu gehört unbedingt ein Besuch in der Kupferkanne. Nicht KupferPFanne. So hieß ein italienisches Lokal, wo ich aufgewachsen war. Die KupferKanne ist in Kampen, im Stapelhooger Wai 7 und eine der gastronomischen Legenden. Heute eher ein braves Café, vor allem der Garten ist grandios. Das Prädikat „Künstlerlokal“ rührt aus der Anfangsära, als im Keller wohl so eine Art Club geführt wurde, in dem man Nächte durchtanzte. Heute unvorstellbar. Drinnen sieht es immer noch sehr lauschig aus, ein Sammelsurium von Kleinigkeiten mit der Patina der Siebziger Jahre. Sehr sehenswert.

Um im großen, ja geradezu unüberschaubaren Kaffeegarten einen Platz zu bekommen, muss man sich am Eingang einreihen und bekommt dann eine Tischnummer in die Hand gedrückt. Auf dem Zettel in meiner Hand stand 37, ein Kellner gab die grobe Richtung vor, da, bei dem dritten Schirm. War gut zu finden. Auch im Kupferkannen-Garten kann man die typischen Gewächse bewundern, wie sie in den Vorgärten der Reethäuser stehen, alles wird wie in einem japanischen Garten rundlich zurechtgestutzt.

Zeitweise kam mir der Gedanke, ob es mittlerweile Züchtungen geben könnte, die schon so rundlichen Wuchs haben, aber darüber hat mich neulich eine Gärtnerin bei unserem Berliner „Holländer“ aufgeklärt, wo genauso aussehende Gewächse zum Kauf angeboten wurden. Erstmal, dass die sehr langsam wachsen und so rund zurechtgeschnitten werden. Ein Heckenscherenkünstler auf Sylt, insbesondere in Kampen, wird niemals arbeitslos werden.
27. September 2025

Kampen zwischen Wattweg und Stapelhooger Wai. Das Bild mit dem gepflegen Rasen zeigt eine öffentliche Fläche. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je irgendwo herumspaziert wäre, wo sich öffentliche Wege in derart privater Gepflegtheit präsentieren. Man fragt sich mitunter, ob man das Schild „privat“ evt. übersehen hat.

27. September 2025



Kampener Standard gemäß Ortsgestaltungssatzung. In dieser ist unter anderem vermerkt, dass Dächer ausschließlich mit Naturreet gedeckt werden dürfen. Nur bestehende, bereits genehmigte Gebäude mit Hartdächern dürfen mit Ziegeln in Braun oder Schiefer gedeckt werden. Garagen dürfen nur in einer Vertiefung angelegt werden und maximal 100 cm über die normale Bodenhöhe ragen und müssen dann aber auch entsprechend mit Bepflanzung kaschiert werden. Was ich eine sehr gute Vorgabe finde, ein ganz wichtiger Teil der Verordnung, da die Besitzer der schönen Reethäuser in Kampen zumeist mindestens ein Automobil besitzen. Hier ist kein Weg zugeparkt. Auch ging mir durch den Kopf, dass bei den Kampener Ferienwohnungen keine Balkone vorhanden sind. Die sind nämlich nicht erlaubt, entsprechen nicht dem friesischen Baustil. Nach eingehender Lektüre der Ortsgestaltungssatzung fiel mir auf, dass der jetzige Eigentümer der früheren Suhrkampvilla im Hobokenweg 18, Multimilliardär Ralph D. aus M., in einem Detail von der Satzung abweicht. Sein Gartentürchen im Friesenwall ist anthrazit. Das ist nicht gestattet! Erlaubt sind die Farben Weiß, Blau, Grün, Grau und Braun oder Naturfarben. Aber vielleicht ist das Tor aus portugiesischem Schwarzschiefer und er hat die Behörde überzeugt, dass es sich damit um „naturfarben“ handelt. Werde von der Anzeige absehen.

26. September 2025

Kampen. Im Radius rund um den Hobokenweg. VW Käfer geht auch, zumal von Ferdinand Porsche entwickelt, aber bitte Cabrio.



26. September 2025
26. September 2025


Noch ein Geschäft in der Kampener Kurhausstraße, Ecke Haupstraße, das in mir leider keine Kundin gefunden hat. Juwelier Spliedt, der hier auf Sylt sein Stammhaus hat, führt weitere Filialen in Hamburg am Jungfernstieg und in München in der Maximilianstraße. Ein wichtiges Geschäftssegment sind „Pre-owned Luxusuhren„. Scheinbar spielt Geld doch manchmal eine Rolex (höhöhö). Sei jedem gegönnt, der sich hier verwirklichen kann. Sehr speziell finde ich den Menüpunkt „Termin buchen„, um einen persönlichen Beratungstermin zu vereinbaren. Da kommt eine Idee von gehobenem Einkaufserlebnis über die Rampe. Wollte sagen, den Friesenwall. Wobei, wenn man sich mit der Absicht trägt, eine gebrauchte Patek Phillipe-Armbanduhr für 249.000 Euro zu shoppen, hat man vielleicht schon die Erwartung, dass es sich dabei um ein Erlebnis handelt. Sehr gerne begleitet von einem Jahrgangs-Champagner.

25. September 2025

Schräg gegenüber meiner Unterkunft in Kampen war ein Haus mit gemischtem Geschäftsmodell, der sog. „Art Store“ von Beton.Gold Immobilien, ausgewähltes Mobiliar, Designobjekte und an den Wänden wechselnde Ausstellungen. In diesem Fall Fotografien von Jenny Jürgens, die man früher als Schauspielerin kannte.

Heute lebt sie eher zurückgezogen mit Mann und vielen Tieren auf einer Art Bauernhof auf Mallorca – und fotografiert. Die Schauspielerei hat keine große Rolle mehr in ihrem Leben, wenn ich das recht verstanden habe, aber sie ist auch nicht abgeneigt. In den vergangenen zehn Jahren war sie sicher auch mit dem komplexen Nachlassverfahren ihres Vaters Udo beschäftigt. Was bei großen Namen sicher noch mehr Zeit beansprucht, als es in meinem Fall mit der Nachlassregelung war. Und die war schon nicht ohne. Am meisten haben mich die Schwarzweißfotografien von Jenny Jürgens angesprochen. Nun tritt sie in die Fußstapfen ihrer Mutter, der Fotografin Panja Jürgens (die übrigens noch lebt).

Allerdings alles entspannt, wie ich es aus der Distanz mitbekomme, ohne nervösen Aktionismus. Kann sie sich auch leisten. Sei ihr gegönnt. Ich finde Jenny Jürgens sehr sympathisch, immer schon. Einen besonderen Bezug zu Sylt hat sie wohl nicht, wird sich irgendwie ergeben haben. Gerade gesehen, dass die Ausstellung bis 30. August ging, also war es eher ein Zufall, dass die dreissig Bilder am 31. noch hingen, als ich da war. Da die Immobilienfirma in diesen Räumen, auch die Wohnung, die ich gemietet hatte, im Portfolio hat, habe ich vor Ort nach dem Preis gefragt. Der war interessanterweise ein wenig niedriger, als die Preise, die ich heute gefunden habe. „Nur“ 785.000 Euro anstatt (wie heute bei anderen Immobilien-Anbietern gelesen) 990.000.

25. September 2025



Am Sonntag, 31. August 2025, kurz nach 13 Uhr, nach dem Bloggen meines Eintrags, diese Fotos gemacht, vor dem Aufbruch zum Erkundungsspaziergang durch Kampen. Mit Regendings. Hat dann aber gar nicht geregnet. Ein paar Ecken vom kleinen Wohnzimmer. Am Fenster hab ich meine täglichen Einträge getippt. Ich habe nicht so sehr viele Fotos der Wohnung gemacht, weil sie auch privat genutzt wird, ich weiß gar nicht von wem. In einigen Schränken in der Küche und oben im Schlafzimmer lagen hinter den Schranktüren kleine Zettelchen mit Vermerk „privat“. Habe ich nicht weiter untersucht, man sah alltägliche Sachen wie weiteres Küchenzubehör, Spiele in Kartons, persönliches Bettzeug. Die Wohnung steht zum Verkauf. Man kann sie bei einigen Immobilienportalen finden. 990.000 Euro Stand heute. Ich würde sie nicht kaufen, obwohl sie viele positive Merkmale hat. Das Schlafzimmer in der Dachschräge hat keine richtigen Fenster nach draußen, nur welche zum unteren Wohnbereich und zum Lüften eine Art Belüftungsluke an der Decke. Ich brauche mehr Frischluft. Ist vielleicht auch psychologisch. Habe dann die beiden Fenster vom unteren Bereich nachts zusätzlich aufgemacht und diese Innenfenster vom Schlafzimmer zur unteren Etage, damit die Luft mehr zirkuliert.

24. September 2025

Zuhause in Kampen für vier Nächte. Mit einer derart noblen Eingangshalle hatte ich nicht gerechnet. Hinter der zweiten Tür ging es zur Treppe, die nach oben zur Maisonettewohnung führte, über Stufen mit superdickem, flauschigem Teppichboden. Nach unten kam man zum Spa-Bereich mit Pool und Sauna etc. Sobald man durch die zweite Tür schritt, hatte man Schwimmbad-Déjà-Vues vom gechlorten Pool. War mir aber gar nicht unangenehm.



24. September 2025

Die Sonne geht schlafen, das Quermarkenfeuer von Kampen wacht über diesem Frieden. Letzte Aufnahmen von 20.30 Uhr. In der Viertelstunde zwischen dem letzten Sonnenuntergangsfoto am Meer und diesen beiden hier gab es noch einen kurzen Schlenker zu einem Strandlokal namens Kaamps 7. Ich war aber nur ganz, ganz kurz da. Ein Gast oder Mitarbeiter (?) tanzte bewegungsreich und animierend grinsend, offenkundig stark von sich selbst begeistert, als sei er auf der erhöhten Bühne eines Partywagens bei der Love Parade oder beim Karneval in Rio, sein Blick gerichtet zum eher ruhigen Publikum des Sonnenuntergangs. Das hätte mich nicht weiter tangieren müssen, man kann ja wegschauen, aber leider war die Musik, zu der er sich exponierte, überhaupt nicht auf meiner Wellenlänge. Merengue. Für mein Empfinden das uninspirierteste, langweiligste Gedudel auf unserem Planeten. Ich habe – egal wann und wo – schon bei den ersten Takten sofort Fluchtreflexe, denen ich auch nachgebe. Ich kann das Lokal daher nicht beurteilen. Von mir aus hätte gerne ein Nord- oder auch Ostfriese ein Shanty mit Gitarre spielen können. Oder irgendwas auf dem Schifferklavier. Oder Sylt-Fan Reinhard Mey seine Balladen. Oder meinethalben die Gipsy Kings unplugged ihre drei Hits. Oder ein nordafrikanischer Virtuose frei Improvisiertes auf der Oud. Aber bitte nicht Merengue. Dümmeliges Gedudel ohne Spannungsbogen, leidenschaftsloses Geplapper mit Instrumenten. Ähnlich wie Dixieland. War selbst überrascht, in welchem Ausmaß und Tempo mich diese unangenehme Musikkonserve in schlechte Stimmung versetzte. Mir gingen auch die Vibes des Selbstdarstellers komplett gegen den Strich. Ein angeknipstes Gewackel und Gefuchtel zwischen besoffen, verkokst und Animateur uffm Ballermann. Gerne hätte ich nur das Meer gehört. Wellen. Möwen. Fernes, leises Lachen. Die Nacht. Wind, Sand.


24. September 2025
24. September 2025



Und so weiter und so fort. Langer Spaziergang, aber nicht der längste. Ich bin im Kopf schon immer noch ein bisschen auf Sylt – vorhin schrieb mir jemand, der mir Sylt auch vorab ans Herz gelegt hatte, dass es mir offenbar gefallen hätte und man meinen könnte, ich hätte dort drei Wochen, anstatt nur gute drei Tage verbracht. Es waren genau vier Übernachtungen. Am Tag der Anreise gab es nicht viel für mich zu sehen, außer der Unterkunft, von der ich auch noch ein paar Fotos zeigen werde. Der erste Tag mit Insel Erkunden begann mit Einkaufen beim Kampen Kaufmann, Einräumen der Einkäufe, danach zum Strand am Roten Kliff bei herrlich blauem Himmel. Später nach List zum Austernrestaurant. Am Tag darauf nach Keitum, Altfriesisches Haus, Nielsens Kaffeegarten am Wattenmeer, Rumspazieren bis zum Stutenhof, mit dem Bus zurück nach Kampen, Umziehen, wieder los zum Roten Kliff, Sonnuntergangsspaziergang. Da bin ich jetzt also mit meiner Berichterstattung. Das Urlaubsgefühl stellt sich ja erst in einer gewissen Selbstvergessenheit ein, wenn man sich keine Dramaturgie auferlegt, eine lange Weile beruhigende, schöne Landschaft sieht. Während ich diese etwas gleichförmigen Einträge mache, erhole ich mich. Außerdem lese ich noch ein paar Bücher nebenher, in denen Sylt eine Rolle spielt. Doch dazu später mehr.
23. September 2025
23. September 2025
23. September 2025
23. September 2025


Abendliche Wanderungen am Meeressaum dauern meist bis die Sonne endgültig ins Meer sinkt. Unvorstellbar zu gehen, bevor sie der Horizont geschluckt hat. Man weiß auch, dass man inflationäre Serien schießt, künstlerisch unverwertbar. Sonnenuntergänge sind Kaufhaus-Kalender-Motive. Das alles weiß man und hält doch immer wieder drauf, wie ferngesteuert. Bis zum letzten Leuchten.

23. September 2025


Denke an die im 19. Jahrhundert von Kierkegaard in einem Tagebucheintrag formulierte Erkenntnis, dass das Leben nach vorne gelebt werden muss und erst rückwärts verstanden wird. Seltsame Begebenheiten später (scheinbar/vermeintlich?) mehr Sinn ergeben/schlüssiger werden als zur Zeit des Erlebens. Das liegt aber auch daran, dass man später oft zusätzliche Details kennt, um Befindlichkeiten weiß. Fragt sich nur, ob man mit vorzeitigerem Wissen tatsächlich anders gehandelt hätte, oder ob es doch eine schicksalshafte, eingebaute Autopilot-Funktion in einem gibt, die möglicherweise dafür sorgt, dass bestimmte Informationen und Erkenntnisse gar nicht an einen herankommen, herausgefiltert werden. Bis man eines Tages bei geklärtem Verstand die Einzelteile des Puzzles betrachtet – und glaubt(?) die späten Erkenntnisse schon früher hätte haben können. Lange Strandspaziergänge verführen (mich) zu derlei Betrachtungen. Vielleicht auch, weil ich ohne Blick auf ein Smartphone spaziere.

23. September 2025
22. September 2025
22. September 2025

Selber Standort, zwei Perspektiven: gen Süden das Rote Kliff. Richtung Nordost, am Horizont, das Reetdach von Haus Kliffende. Vorzugslage, ich beneide den Schweizer Eigentümer doch etwas. Nur wenige Anwesen sind so nah am Strand. Dem schönsten von Sylt, wie nicht Wenige finden. Thomas Mann hatte mit dem damaligen Gästehaus Kliffende nicht nur eine der ersten, sondern auch eine der bequemsten Adressen für seine Sylt-Sommerfrischen gewählt. Im Züricher Thomas Mann Archiv gibt es Fotos von ihm und seiner Familie, er beim durch die Kampener Dünen wandern, Füße im Sand. Wie schön, dass man noch dieselben Perspektiven einnehmen kann wie 1927 und 1928, fast hundert Jahre später. Das lässt sich nicht von vielen gefragten Orten unserer Zivilisation sagen. Hier sind alle Fotos von Thomas Mann und seiner Familie auf Sylt zu sehen. Die Familienalben.



21. September 2025


Den ersten Sonnenuntergang am Meer, am Abend nach der Anreise, hatte ich verpasst, weil ich später als geplant, schwer bepackt und reisemüde ankam, da hatte ich kein Bedürfnis, irgendwohin zu spazieren, es regnete dann auch. Dafür spätnachts den indoor Swimmingpool der von privat gemieteten Unterkunft inspiziert und ausprobiert. Der zweite Abend auf Sylt begann schon recht früh, kurz vor Sieben, in jenem Austern-Restaurant in List, da sah ich nur bei der Hinfahrt duch das Taxifenster ein bißchen Abendhimmel. Obwohl am Tag darauf, nach viel Busfahren und Hin- und herlaufen in Keitum, auch faul Herumliegen nett gewesen wäre, war der Drang zum Sonnenuntergang wesentlich stärker. Also auf zum Roten Kliff. Der Fußweg dorthin dauerte ca. fünfzehn Minuten. Die Kurhausstraße bis zum Ende, beim Hotel Rungholt in den Strandweg abbiegen, vorbei am Findling, runter zum Strand.


21. September 2025
21. September 2025

Auch ein Wahrzeichen, diese Silhouette vom kleinen Leuchtturm von Kampen, offiziell heißt er „Quermarkenfeuer Kampen“ oder „Quermarkenfeuer Rotes Kliff“. Wohl erster Betonturm an einer deutschen Küste, 1913 fertiggestellt, seit 1975 stillgelegt. Früher wichtiger Orientierungspunkt für die Seefahrt und Ergänzung zum Kampener Leuchtturm. Leuchtet nicht, fällt aber immer ins Auge.
21. September 2025

Nicht Island oder Norwegen oder Lüneburger Heide – auch Sylt. Heidekraut um die Kampener Uwe-Düne herum. Man findet leicht einsame Landstriche, hier am 30. August, 20.24 Uhr, kurz vor Sonnenuntergang. Da sind die meisten Gäste entweder noch oder schon wieder unten am Strand, im Sand oder einem Restaurant.


20. September 2025

Gedenkminute für Gunter Sachs. Auch in Keitum, ein Apfelbaum, einer von vielen. An besonderer Adresse, am Gurtstig. Er wohnte meistens dort, Stutenhof heißt das Anwesen. Ich klaubte einige der heruntergefallenen Äpfelchen auf und nahm sie mit. Vorhin die letzten beiden gegessen, in der Sonne. Schmeckten wunderbar.
20. September 2025
20. September 2025
20. September 2025

Herzlich Willkommen in Nielsens Kaffeegarten mit Blick aufs Wattenmeer! Im Mai 1919 eröffnet und läuft immer noch. Die Kuchen und Torten werden nach alten Rezepten hergestellt. Gut, dass es auf der Internetseite Fotos davon gibt, ich habe leider kein eigenes Bildmaterial. Man sitzt recht schön da, in Premiumlage, im Garten. Sollte bei keinem Besuch in Keitum ausgelassen werden. Ganz nett, die Nielsens! All die Jahre in der Familie geblieben. Auffallend, wie selbstverständlich die Friesen jeden duzen, jedenfalls hier auf Sylt. Das wirkt interessanterweise nie plump übergriffig, sondern nett familiär, man fühlt sich wie eingemeindet.


19. September 2025

Kinderzimmerchen, Babywiege, Schlafkojen, Alkoven… in der Küche ist auch so eine eingebaute Schlafstelle. Nicht weil die Menschen etwa so kleinwüchsig gewesen wären, sind die Betten nicht wie unsere zwei Meter lang, sondern weil im Sitzen geschlafen wurde. In der Mitte ein Seil zum Festhalten, um nicht ins Liegende zu rutschen. Warum nur? Frage ich die Mitarbeiterin vom Altfriesischen Haus, die die Eintrittskarten verkauft und gut Bescheid weiß. Die Menschen hatten wohl früher Angst vor einer Kohlenmonoxidvergiftung, so nah am Herdfeuer. Das Sitzen sollte dafür sorgen, dass man nur im Halbschlaf war und es bemerkt hätte, wenn die Luft dünn wird. Das mag uns kurios vorkommen, aber vor genau einem halben Jahr starb eine liebe Bekannte aus Berlin an genau so einer Vergiftung im Schlaf. Soll ein sanfter Tod sein. Das Bettzeug in den alten Kojen sah wirklich betagt aus und könnte auch mal wieder frisch bezogen werden. Gerade mit Lydia im Chat drüber ausgetauscht, dass wir Bettenbeziehen hassen. Aber in frischer Bettwäsche zu schlafen, ist ein herrliches Gefühl.












































































































