02. Juli 2024

Statt in den Baumarkt zu fahren, weiße Holzlasur und ein Pinselset zum Anstreichen online prime bestellt. Ich gehe ganz gerne ab und zu in den Baumarkt, aber bei der Regenprognose, die mich hindert, das gleich heute zu verarbeiten, doch nicht. Der Südbalkon hat bröckelnde Farbe auf der Wetterseite. Ich streiche lieber selber drüber, als den Handwerker zu bestellen, ist entspannter und keine Wissenschaft. Der eine Balken sollte schon vor bald fünf Jahren mal ausgewechselt werden, ist nie zum Ausführungstermin gekommen, jetzt ist es mir auch langsam egal. Irgendwann kommt wieder der Rundumschlag-Termin für Außenanstrich und dann wird es neu aufgegriffen, nehme ich an. Bei Dachgeschoss, also Balkontüren- und Gauben-Holzverschalungs-Außenanstrich, müssen die Handwerker immer durch die Wohnung. Die Wohneinheiten unter mir haben sowas nicht, da gibts nur Außenfenster, die übers Gerüst gestrichen werden können. Nachteil einer Wohnung unterm Dach.

Apropos Baumarkt, beim Bachmannwettbewerb war ein Text dabei, der im Baumarkt spielt, den fand ich recht gut. „Die Möglichkeit einer Ordnung“ von Dennis Pfabe. Außerdem arbeitet der Autor tatsächlich drei Tage die Woche im Baumarkt. Die Jury hatte auch Lobendes vorzutragen, meine Aufmerksamkeit wurde auch recht gut gehalten, aber den Bachmann-Preis hat er nicht gekriegt. Schade.

Ich hatte sogar mitgevotet, aber nicht für den, weil ich dachte, der ist eh eine Erfolgsgeschichte, sondern für einen Text einer Österreicherin, der für mein Empfinden zu sehr unterging. „Schwestern“ von Ulrike Haidacher. Da ging es um den Besuch einer Enkelin bei der sterbenden Oma im Krankenhaus, dort trifft sie auch auf ihre Mutter. Der ganze Prozess wird minutiös beschrieben, was ihr da durch den Kopf geht, Ängste, schlechtes Gewissen, die Beziehung zur eigenen Mutter, die auch nicht einfach ist. Gefiel mir, weil glaubwürdig, dicht und unaffektiert. Auch der Vortrag war packend, im österreichischen Alltags-Duktus.

Ich konnte nicht verifizieren, wie das Ranking des Publikums-Votings war. Gewonnen hat den Publikumspreis ein vielgelobter, satirischer Text der Österreicherin Johanna Sebauer um „Das Gurkerl„, eine Posse in volkstümlichem, leicht zugänglichem Schreibstil. Ein Unfall eines Zeitungsreporters mit einer Essiggurke, bei dem ihm der Essig schmerzhaft ins Auge spritzt, wird von ihm zu einem Drama von Weltrang hochstilisiert, was ihm als Pressevertreter möglich ist. Woraufhin alle Welt Position pro oder contra Gurke (Gurkenverbot) beziehen muss und leidenschaftlich bezieht. Ein Sinnbild für Aufregungsmechanismen in unserer Zeit, Thema fast schon wurscht. Ich bin mir allerdings recht sicher, dass viele, die dem Text und dem Vorführen der zuweilen grotesk ausufernden Empörungsdynamiken Beifall zollen, auch nicht frei von Beteiligung an diesen Dynamiken sind.

Sei es pro oder contra Impfen, Maske, Gendern, Zuwanderung, Klimapolitik. Dezidierte, schulmeisternde Rechthaberei ist halt offenbar für viele ein befriedigendes Element der Äußerung und des sich Positionierens in der Welt. Thomas Strässle von der Jury (übrigens einer der vier Herausgeber des Bachmann-Frisch-Briefwechsels), bemängelte, dass sich der Text nicht mit Ursachenforschung dieser Dynamik befasst, sondern nur das Phänomen vorführt.

Ich ganz persönlich glaube, dass es vielen Menschen Sicherheit gibt in einer unsicheren Welt, sich auf eine Seite zu schlagen und an der Zementierung einer bestimmten Sichtweise zu bauen. Zudem spürt man sich intensiver, wenn man eine leidenschaftliche Äußerung vorbringt, auch die Reibung belebt, sorgt für erhöhte Intensität in einem langweiligen Alltag. Außerdem bietet es die Möglichkeit von Gruppensolidarität, sich eingebunden fühlen in die Gruppe, die den vermeintlich richtigen und einzigen Weg für das Menschheitsglück und damit das eigene kennt. Also ist es ein Beruhigungsmittel für alle, die Angst vor dem Verschwommenen, Diffusen, Unklaren und Unwägbaren haben. Vermute ich mal. Und die halt noch nicht die Weisheit der Queen haben, die als Alterserkenntnis wissen ließ: „Life is full of contradictions.“

Der zuletzt im Wettbewerb vorgetragene Text „Luft nach unten“ von Tamara Stajner konnte meine Aufmerksamkeit auch noch einigermaßen fesseln. Abermals das Thema Mutter-Tochter-Beziehung. Die Autorin hatte schon beim Lesen eine Körperhaltung, dicht über das Papier gebeugt, die klarmachte, wie autobiographisch es im Text zugeht, gegen Ende konnte sie stellenweise kaum weiterlesen, musste Tränen wegdrücken. Aber das war ihr persönliches Risiko, sie wusste ja selbst wie aufwühlend das Ganze für sie ist. Ich sehe nicht, dass man sie da hätte vor der Kamera-Situation schützen müssen und womöglich abbrechen, wie es auch z. T. Stimmen gab. Sie ist erwachsen und mündig und nicht gezwungen, derart filigrane Bekenntnisse in einem im Fernsehen übertragenen Wettbewerb darzulegen.

Außerdem fand ich „Eine Treppe aus Papier“ von Henrik Szanto über die Autobiographie eines Mietshauses über Jahrzehnte recht gelungen. Hat überraschenderweise auch keinen der Preise erhalten.

Zu den übrigen Texten und Vorträgen mag ich mich nicht äußern, weil sie entweder durchgerauscht sind oder mein Nervenkostüm strapaziert haben. Manches ist gehypt worden, was mir zu modisch und prätentiös daherkam, sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Der Preisträger des ultimativen Bachmann-Preises hatte wohl auch einen ganz guten Text, ich konnte aber nicht die erforderliche Konzentration aufbringen, um ihn vollständig zu verfolgen.

01. Juli 2024

Auf dem Heimweg in der S-Bahn links von mir eine Urberlinerin, die mit ihrem erwachsenen Sohn telefoniert. Ich habe ihr so gerne zugehört, dass ich mich nicht auf mein Buch konzentrieren konnte. Es ging drum, dass Oma, also ihre Mutter, ein Problem mit dem Fernseher hat, die Batterien von der Fernbedienung sind wohl alle und keiner weiß, ob irgendwo in der Küche noch welche liegen. Auf jeden Fall sieht man sich ja morgen bei Oma – er soll bitte Batterien mitbringen, „dicke und schlanke! Dann kann Oma heute eben mal nicht fernsehen! Denn isset eben so. Und nu guck weiter Fußball!“

30. Juni 2024

Habe gerade geschaut, was im Sommer 1961 für Schlager in der Hitparade in Österreich waren und demzufolge aus dem Transistor-Radio der beiden Urlauberinnen gekommen sind. Auf jeden Fall immer dabei: „Schöner fremder Mann“ von Connie Francis. Kennt ja jeder, ebenso „Weiße Rosen aus Athen“ von Nana Mouskouri. Die folgenden drei Hits waren mir aber nicht auf Anhieb geläufig: „Wie damals in Paris“ von den Blue Diamonds , „Pepito“ von Los Machucambos und „Sucu Sucu“ von Ping Ping – da kommt nostalgische Partystimmung auf, man möchte abwechselnd den Petticoat oder die Rumbakugeln🪇herausholen!

30. Juni 2024

August 1961, Mama mit Freundin in Kärnten, in Velden am Wörthersee. Sie waren achtzehn und hatten ein gemeinsames Zimmer in einer Frühstückspension, „Haus Kirchheim“ (o. ä.), mit Frühstück auf dem Balkon, in der Nähe zum Strandbad Bulfon. Das war schön, hat sie gerade gesagt. Die Freundin ist die mit der Sonnenbrille. Damals waren Kurzhaarschnitte modern, und zum Schlafen ein Baby Doll anzuziehen. Das war ein sommerlicher Schlafanzug aus einem Baumwollbatisthöschen mit Rüschen und einem passenden kurzen, ärmellosen Oberteil, das auch Rüschen an den Säumen hatte. Und kleine, aufgenähte Schleifchen. Must have! Den bunt gestreiften Bademantel finde ich auch ganz schön. Im Fotoalbum klebt außerdem eine Taxi-Quittung vom 17.08.1961 auf den Namen der Freundin, da haben sie einen Tagesausflug nach Grado in Italien gemacht. 185 km, Preis 260,- Schilling, das waren ca. 40 Mark. Von Grado gibt es auch Fotos vom Strandbad.

29. Juni 2024

Guten Morgen aus dem Badezimmer. Nun aber im Wohnzimmer. Demnächst in der Küche. Lasse nebenher die Übertragung des Bachmann-Wettbewerbs aus Klagenfurt laufen, von 3sat in Kooperation mit dem ORF im Stream übertragen. Gerade liest ein Herr, dessen Herkunft ich der Schweiz zuordne. Das Zuhören strengt mich etwas an, weil die Konsonanten so schwer und zögerlich über die Zunge kommen, als habe er sperrige, hinderliche Gegenstände im Mund, die den Lesefluss beeinträchtigen. Sein Text wirkt auf mich streng konstruiert und langweilt mich leider Gottes. Ich könnte nicht in einem Satz zusammenfassen, wovon er handelt. Im weitesten Sinne philosphische Betrachtungen über dies und das. Über Leichtigkeit und Schwerkraft gerade. Der Mann heißt Semi Eschmamp und häkelt gerne Metaphern, wie den Vergleich einer Sonnencremetube mit Angst. Die Angst macht Urlaub am Meer. Tja. In seiner Kurzbiographie ist zu lesen: „Semi Eschmamp wurde am Zürichsee geboren(,) wuchs dort auf. Er studierte darstellende Kunst in Bern, lebt und arbeitet seit fast 20 Jahren in Berlin. Wobei die Arbeit mehr lebt, als das Leben arbeitet.“ Wer Wortspielereien und allerlei Metaphern liebt, ist bei dem Text evt. gut aufgehoben.

28. Juni 2024

Kreuzfahrtschiff Mitte. Gruß vom Oberdeck, von der Reling, heute Morgen. Um sechs kurz aufgestanden, um einen Schluck Wasser in der Küche zu trinken, hatte den Wasserbecher neben dem Bett vergessen. Der Blick aus dem Fenster erinnerte mich an das Deck eines Kreuzfahrtdampfers. Oder wie ich es mir vorstelle. Der Schornstein vom Dach gegenüber. Ich morgens auf einem Schiff in Mitte. Bin dann noch mal für ein Stündchen schlafen gegangen.

27. Juni 2024

Und dann habe ich Abschied genommen vom Nesthäkchen. Vielleicht ist es heute Abend schon flügge geworden und wenn nicht, bestimmt morgen. Ich werde nicht dabei sein. Ein paar mal hab ich mich noch umgedreht und bin immer noch mal zur Balkontür, um einen letzten Blick auf das Jungtier zu werfen. Es ist mir doch ein bißchen ans Herz gewachsen. Das geht genauso schnell wie mit dem flügge werden, dass man die Tierkinder ins Herz schließt. Vielleicht kehrt es ja einmal zurück und bekommt eigene Küken. Und das könnte schon im nächsten Frühling sein.

27. Juni 2024

Heute früh. Ich hab damit gerechnet, dass das Nest leer ist und beide Taubenküken flügge geworden sind, aber das jüngere Geschwisterkind ist noch da. Ganz allein hat es das Nest für sich und schaut in alle Richtungen. Dass ich näher gekommen bin, hat es nicht gestört. Kein aufgeregter Flügelschlag. Nur vier Tage war ich nicht da und so groß ist es geworden, ein richtiger Teenager!

27. Juni 2024

In aller Herrgottsfrüh. Fotos von 6:41 Uhr. Bin gestern dermaßen früh schlafen gegangen, dass ich so früh aufgewacht bin, dass ich gegen meine sonstigen Gepflogenheiten sehr früh auf bin. Bei angenehmer Temperatur, 23 Grad, alle Fenster und Balkontüren weit auf. Ein frisches Lüftchen weht durch die Wohnung. Und nun sogar schon gebloggt! Vielleicht fahr ich noch zum Gießen in meine schlummernde Werkstatt. Ob die Täubchen schon flügge sind und weg? Ins Büro fahr ich noch nicht. Will meine Kollegen nicht erschrecken, die gewohnt sind, dass ich zwischen halbzehn und zehn eintrudle. Lieber später hin und länger in den angenehm temperierten Räumen weilen, wenn es draußen so tropisch ist, wie gestern. Hat mir auf den Kreislauf geschlagen, die plötzliche Hitze. Aber jetzt gut erholt. Sogar gefrühstückt, mach ich sonst auch nie!

26. Juni 2024

Eine Baustelle weniger. Der Klempner war gerade da und hat in meiner Küche eine neue Armatur installiert. Die zweite, seit das Haus 1997 erbaut wurde. Hab vormittags gearbeitet, als ich ins Treppenhaus kam, saß der Installateur schon auf den Stufen vor meiner Wohnung. Hat sich mit seinem Smartphone beschäftigt und so sicher keine Langeweile gehabt. Er war schon vor dem Termin um 14 Uhr da, ich auch, er konnte gleich loslegen. Nun keine vollgetropfte Plastikwanne mehr unter der Spüle, weil die Armatur oben und unten leckt. Heiß heute in Berlin, hab alle Rollos an meinen Fenstern runtergezogen. Ich leg mich für eine Siesta hin.

25. Juni 2024

Heimkommen, nach Sieben, zum Balkon, Blümchen gucken. Gießen. Ausziehen. Kaltes Getränk eingießen. Ausruhen. Sehe gerade eine Episode von Chris O’Dells Chick Chats-Youtube Channel, wo sie sehr familiär Weggefährtinnen aus den Sixties und Seventies interviewt. May Pang gerade, die Assistentin von John und Yoko, mit der John Lennon später einer Affäre hatte, mit quasi Segen von Yoko. Was haben diese Frauen erlebt und gesehen, was für Ikonen getroffen. Und dann wieder bei der Lektüre von Chris O’Dells Buch realisiert, was für eine riesige Rolle Drogen gespielt haben, kaum ein Bühnen-Alphatier, das nicht permament bekifft, angetrunken, auf Koks oder Heroin oder sonstigem war. Ist eigentlich keine riesige Neuigkeit, aber diese detaillierten Erinnerungen trichtern die Dimension noch einmal ein. Da wird es dann auch beliebig und bedauerlich. Aber was haben Drogen für einen wahnsinnigen Booster und Einfluss und Motor dargestellt. Was wäre ohne diese Exzesse alles verschüttet geblieben. Wir wissen es nicht. Chris O’Dell war auch immer wieder drauf – bis sie vor vielen Jahrzehnten zur Drogenberaterin wurde. Also Beratung im Hinblick darauf, ohne Abhängigkeit von Substanzen zu leben.

24. Juni 2024

Die zwei Beiden. Immer dicht aneinander gekuschelt. Wagen sich keinen Schritt aus dem Nest. Die Eltern sind unterwegs. Das jüngere Küken ist auf den Bildern immer weiter hinten. Der Schnabel ist noch dunkler und der Kopf noch kleiner und nicht so rund. Sie sind aber nicht mehr als ein, zwei Tage nacheinander geschlüpft, also ziemlich gleich alt. Aber weil die Entwicklung so turboschnell ist, sieht man schon bei einem Tag Altersunterschied ein anderes Entwicklungsstadium. Habe inzwischen einen geschulten Blick dafür entwickelt. Ganz unbeabsichtigt. Ich bin ja wie die Jungfrau zum Kind zum Ringeltauben-Studium gekommen. Weiterhin habe ich weder eine Vogeltränke, noch biete ich Futter. Aber eine ruhige Balkon-Wohnung mit viel Grün. Nicht schlecht! Übrigens geben weder die Kids noch die Eltern irgendwelche Geräusche von sich. Weder wird gepiept, noch gezwitschert, noch geschnattert, noch gekräht, noch gegurrt. Absolut idyllische Stille.

24. Juni 2024

Sonntagsbesuch. Gestern nach dem Rechten gesehen. Vielleicht sind das schon wieder die letzten Bilder. Beim Annähern hat das das ältere Taubenkind, hier zu sehen, die Flügel angehoben, wie es bald sein wird, wenn es wegfliegen kann. Noch ist es nur ein ungelenker Flügelschlag ohne Folgen, mit aufgeplusterten Federn.

23. Juni 2024

Die letzten Nähte gingen dann recht flott. Gestern den kaputten Überzug vom Schaumstoffblock repariert und neu eingefärbt, heute noch eine Reihe der weißen Borte ans Kleid angennäht. Fadenspannung richtig hinbekommen. So viel habe ich in meiner Jugend genäht, das steckt alles noch in mir drin. Ich konnte auf eine schlummernde Routine zurückgreifen, wie die Maschine funktioniert und wie sie am Schnürchen läuft. Eventuell verlängere ich noch andere Teile. Mir kam wieder in den Sinn, dass mir, bevor ich selber nähte, in den Siebzigern manche Schlaghosen unten mit Meterware von bunt bestickten Borten verlängert wurden, damit sie keine Hochwasserhosen waren. Meine Beine wuchsen so schnell, ich war immer das allergrößte Mädchen in der Klasse. Hochwasserhosen waren peinlich! Die Borten waren aber auch nicht so richtig cool. Manche passten farblich gar nicht zum Rest!

23. Juni 2024

Mein Sonntagskleid. Heute fertig und spazierengeführt. Es war noch Spitze für den himmelblauen Taschengurt übrig. Soeben noch einen himmelblauen Panama-Strohhut dazu bestellt. Wenn ich Glück habe, ist es das gleiche Blau, dann bekommt er noch ein Hutband dazu, vom letzten Spitzenrest. Jetzt hat das Kleid die richtige Länge. Bei Maxikleidern dürfen im Stehen nur ein bißchen die Schuhspitzen hervorgucken. Nie der Schuh und die Knöchel.

21. Juni 2024

Jetzt TV – VOX, Goodbye Deutschland, dann Nachtcafé. Ich fand es heute drückend, schwül. Gab kurzes Gewitter, mal Regen. Unattraktive Witterung. Gruselig hohe Luftfeuchtigkeit – bei jetzt 21 Grad bei 94 Prozent. Heimgekommen, hingelegt, Schläfchen gemacht von sieben bis halbneun. Jetzt wieder wach. Wiener gegessen. Fühle mich etwas erholt. Keinerlei Ehrgeiz, mich heute dem Haushalt zu widmen. Außer, mein überschaubares Geschirr abspülen. Aber das mache ich ja sowieso immer, im Vorbeigehen nebenher, gleich nach dem Verzehr. Da bleibt nie etwas liegen.

20. Juni 2024

Neue Fotos von Gaga Grzimek! Heute früh das doppelte Lottchen besucht. Bitte sehr. Der schwarze Schnabel von den Kleinen ist jetzt schon heller geworden. Sie haben ganz aufgeregt geatmet, als ich mit der Kamera und beim Gießen näher gekommen bin und sie konnten sich nicht wehren, die armen kleinen Dinger! Ich will doch nichts Böses, nur mal allen zeigen, wie Ringeltaubenkinder aussehen. Das struppige Dunenkleid ist fast schon weg, es geht alles so schnell. Heute früh war wieder Besichtigung vom Wasserschaden an der Wand vom Kämmerchen im Atelier, diesmal hatte die Vermieterin den Maler mit einbestellt. Aber gemalert werden konnte noch nicht. Es wurde festgestellt, dass das durchfeuchtete Mauerwerk mit abgeklopft werden muss und dann gespachtelt und geweißt. Das werden drei Dates mit dem Maler. Er erklärte, dass jeder Arbeitsschritt gründlich durchtrocknen muss, daher gehts nicht mit einem mal. Ich habe gesagt, dass ich das ein bißchen kenne, mit dem Durchtrocknen der verschiedenen Schichten, Geste zu den Bildern. Er grinste quasi kollegial und die Vermieterin freute sich: „Da können Sie Beide ja fachsimpeln!“ Na ja, wie auch immer, Hauptsache, es wird bald gemacht. Und nächste Woche habe ich auch noch Handwerker in Mitte, in der Küche. Der Klempner muss die Küchenarmatur erneuern, die tropft irreparabel aus dem Gewinde. Wundere mich nur, dass meine Waschmaschine nach 25 Jahren immer noch tadellos wäscht. Ein Wunder! War das billigste Modell damals, was Italienisches, „Indesit“, und sah von den Billigsten am besten aus. Toi toi toi…!

19. Juni 2024

Heute präsentiere ich zwei Beobachtungen in meinem Oeuvre:

Netto hat die Selbstbedienungskassen wieder abgeschafft, weil die Kundschaft in großem Umfang beim Scannen beschissen hat. Ich habe das nie benutzt, dachte mir aber immer schon mal, dass bei einer gewissen Klientel bestimmt nicht jede Sardinenbüchse gescannt wird. So wars dann auch. Hatte nachgefragt, als mir neulich der Rückbau des Kassenbereichs auffiel. War die Netto-Filiale an der Endhaltestelle U8, Hermannstr., in der Einkaufspassage.

Zweite Beobachtung (über Jahrzehnte!): auch Männer haben Wechseljahre, die da nun Andropause getauft wurden. Ist mir schon klar, dass ältere Herrschaften kein großes Interesse haben, dass das Nachlassen der Manneskräfte und Muskelspannung etc. pp. im breiten Bewusstsein derart zementiert wird, wie es bei den Damen der Schöpfung in geradezu aufdringlicher Weise mit den Wechseljahren der Fall ist. Aber bitte: man sieht es ja. Der Verfall macht vor keinem Geschlecht halt!

Zitat:

„Im Unterschied zu den Frauen treten die Wechseljahre des Mannes allerdings nicht plötzlich, innerhalb weniger Jahren auf. Vielmehr ist dies ein schleichender Prozess, der in der Zeit zwischen dem 40sten und 50sten Lebensjahr eintreten kann. Über die Jahre hinweg nimmt die Produktion des Testosterons ab bzw. nehmen die Testosteronwerte durch verminderte Durchblutung im Hodenbereich ab (die Hoden produzieren über 95 Prozent des Testosterons beim Mann). Auch die Zunahme von schlechtem Bauchfett (viszerales Bauchfettgewebe), der Verlust von Muskulatur, körperliche Inaktivität und Umweltgifte wie bspw. Nikotin tragen zu dieser Hormonumstellung bei. Bei den Wechseljahren des Mannes kommen häufig Symptome wie bspw. Nachlassen der Konzentrations- und Belastungsfähigkeit am Arbeitsplatz auf. In diesem Fall haben die Männer vor allem am Nachmittag häufig ein Tief. Weitere Symptome sind Abgeschlagenheit und Müdigkeit sowie Lustlosigkeit, abnehmende Sexualität und sexuelle Probleme.“ usw. usf.

Speziell den nachlassenden Muskel-Tonus habe ich öfter beobachten dürfen. Fazit: wir sind alle gleich arm dran! Im Grunde können Männer und Frauen eine Selbsthilfegruppe gründen, da die nachlassenden Hormone auf beiden Seiten eh zu einer gewissen Gleichmacherei führen. Auch sehe ich viele Parallelen in dem Aspekt, dass sich ältere Männer gerne mit knackigen Frauen jüngerer Jahrgänge beschäftigen und ältere Frauen ebenfalls nicht selten gerne mit jüngeren männlichen Exemplaren mit sehr guter Körperspannung. Personen jüngeren Alters jammern zwar auch gerne, aber über ganz andere Sachen. Das lenkt angenehm ab.

18. Juni 2024

Heute in Fake Chanel. Es ist noch perfider, als man meinen möchte – nicht etwa hat ein frecher Bekleidungshersteller dieses Shirt produziert. In der Hermannpassage oder wie dieser Shoppingcenter am U- und S-Bahnhof Hermannstraße heißt, gibt es einige überaus preisgünstige Klamottenläden. Einer davon hatte ein glitzerndes schwarzes Shirt, das mich neugierig machte. Das Motiv war das klassische Trauungs-Symbol: zwei ineinander verschlungene Ringe. Ich erkannte sofort Potenzial. Links und rechts ein paar Pailletten demontiert und fertig war mein Chanel-Shirt. Für zehn Euro, da kann man nicht meckern. Das hatte ich heute an. Wieder ein langer Arbeitstag. Zwischendurch gelesen, dass Anouk Aimée gestorben ist. Ganz zauberhafte Schauspielerin. Ihr letzter Film von 2019 „Die schönsten Jahre eines Lebens“ (franz. Original: Les plus belles années d’une vie) von Claude Lelouch mit Trintignant ging mir sehr zu Herzen, ich war damals mit Jenny im Kino, total hingerissen. Ach ja, und Jenny schickte mir vorhin ein Foto, dass sie Post von mir bekommen hat. Ich schickte ihr gestern einen Stoff, den ich nicht verwenden konnte, und aus dem sie etwas ganz Großartiges schneidern wird.

16. Juni 2024

Änderungsschneiderei für große Mädchen, mein Tagwerk. Borte mit Lochstickerei zwecks Verlängerung (mit der uralten, noch gut funktionierenden „Privileg“-Nähmaschine aus meiner Jugend) an Kleid genäht. Kommt noch eine dritte Reihe unten dran und der andere Ärmel kriegt auch noch adrette Borte. Dann ist das Kleid nicht mehr midi sondern maxi! Kann ich erst in der kommenden Woche fertig nähen, wenn die mir noch fehlende Borte geliefert ist.

15. Juni 2024

Abendverabredung abgesagt, nicht viel zustande gebracht. Außer Abendhimmelfoto. Ungewohnt in der Himmelsrichtung, im Norden. Im Westen war der Himmel ganz blass. Bin heute zu erschöpft für Gesellschaft und Konversation oder gar „Party“. Im abgedunkelten Schlafzimmer im Halbschlaf gewartet, dass die Triptane wirken, bevor der Kopfschmerz aus der Hölle seine Folterarbeit verrichtet. Kollegin, die im Thema steht, erzählte mir von einer Studie, die erhellt hat, dass Personen mit Migräne messbar erhöhte Gehirnaktivitäten haben. Nun denn. Hätte dann doch lieber ein anderes Status-Symbol zwecks Leute beeindrucken. Dass ich im Kopf immer hochtourig laufe, merke ich selber. Hat zwei Seiten.

15. Juni 2024

Guten Morgen gegen Mittag! Berlin abwechselnd leichter Regen, Wind und Sonne. Ich will nachher meine betagte Nähmaschine anwerfen, den kaputten Überzug vom Schaumstoffblock vom Atelier ausbessern. Stoffrest ist besorgt, danach neu Pink einfärben. Und ein neueres himmelblau-weiß groß geblümtes Lieblingskleid, das nach dem Waschen kürzer geworden ist, beträchtlich verlängern, indem ich unten eine Stoffbahn aus Baumwollstoff mit Lochstickerei, und auch an den Ärmeln eine passende Borte annähe, so dass es am Ende bodenlang wird. War mir eh einen Tick zu kurz. Falsche Kleiderlänge sieht einfach nicht aus. Saum kurz unterhalb vom Knie oder wadenlang bei glockigem Rock wirkt ganz schlimm plump und trutschig. Lieber richtig maxi!

Am späteren Abend verabredet zum Sommerfest im Literaturhaus in der Fasanenstraße. Lydia und Ina und Jan kommen sicher auch.

14. Juni 2024

Um mehr als „Gute Nacht“ zu schreiben – weiterhin viel, viel zu tun. Freizeitprogramm wenige Stunden am Abend zuhause, verpasste Sendungen in Mediatheken laufen lassen, dabei essen, trinken, einen kurzen Blogeintrag wie diesen. Außerdem kleines Freizeitintermezzo: in der S-Bahn oder beim Mittagessen ein Kapitel lesen. Chris O’Dell hat nun einen Orga-Job im Management der Rolling Stones angeboten bekommen. Mick kannte sie schon über eine Freundin, die ihm in London den Haushalt gemacht hat.

13. Juni 2024

Oh my goodness… ich fand gestern am Lieferantenzugang von einem großen Gebäude ein Smartphone auf dem Boden, eingeschaltet, mit einem unfassbar großen Konvolut von Messages, war aber nicht kenntnisreich genug, selbst zu eruieren, wer der Besitzer sein könnte. Hab es in der Sicherheitszentrale des Gebäudes abgegeben. Mir wurde ganz schwindelig angesichts des derart dichten Austauschs vom Messages mit unfassbar vielen verschiedenen Personen, hatte nur mal kurz durchgescrollt und quergelesen. Wie kann man nur privat derart viele Kontakte pflegen. Allerdings hab ich nicht das jeweilige Datum angeguckt. Vielleicht ist es doch weniger dicht, aber der unsortierte Kraut- und Rübeneingang hat mir das Gefühl vermittelt: GOTT SEI DANK bin ich nicht diese Person, der der Apparat gehört. Ich hatte interessanterweise sofort den Vibe, dass es das Smartphone von einem Mann ist. Der schnelle, pragmatische Duktus vielleicht. Hat sich gerade verifiziert, der Eigentümer hat mich kontaktiert. Ein Mann, so Mitte dreißig. Aus einigen Messages konnte ich auch herauslesen, dass es um Absprachen zur Kinderbetreuung ging, wer wann X abholt und dann da und dahin fährt. Was für ein anstrengendes Pivatleben, dachte ich mir. Wie geradezu eremitenhaft hingegen meine privaten Kontaktaktivitäten und Konversationen sind. Ich bin die personifizierte Entschleunigung.

12. Juni 2024

Danke Küken…! Für mich bist Du sehr süß. Ich weiß, dass Viele im Internet schreiben, dass Taubenküken nicht schön aussehen, manche sagen sogar hässlich – wie gemein! Sie haben eben keinen kugelrunden Kopf und nicht das Kindchenschema mit großen Kulleraugen. Mehr so punkig. Aber süß und unschuldig sind sie trotzdem. Ich könnte so einem Taubenküken nie etwas zuleide tun. Gut, dass die Eltern so gut aufpassen. Ich hab mich sehr gefreut, das Gesicht zu sehen. Das zweite Taubenbaby, das ich sehe. Bis zum letzten Jahr habe ich überhaupt keine Ahnung gehabt, wie frisch geschlüpfte Tauben aussehen. Weil sie so gut versteckt sind! Was hab ich für ein Glück, dass ich so ganz nah zuschauen kann, wie sie groß werden. Es gibt ja noch ein zweites und ich hab den Hintern gesehen! Das später geschlüpfte kuschelt sich noch unter Mama, aber es ist da! Wenn ich wieder dort bin, gibt es schon zwei aufgeregte Schnäbelchen und vielleicht kann ich Fotos vom Füttern machen. Da schnäbeln die Kleinen in den Schnabel der Eltern, nicht nur Mama, auch Papa Taube, um die Kropfmilch zu trinken. So geht das Füttern, wenn sie noch klein sind. Es ist eine bestimmte Milch, die im Hals von den Eltern für die Kleinen gemacht wird. Dafür müssen die Eltern viel Wasser trinken.

11. Juni 2024

Aber dann sehe ich ein flaumiges Hinterköpfchen, das an Mamas Bauch nach oben schlängelt. Ganz aufgeregt. Ich hoffte inständig, ich kriege noch ein unverwackeltes Foto zustande, wo man das zappelige Taubenküken von vorne sehen kann. Bleiben Sie dran!

11. Juni 2024

Es geht weiter. Gestern war ich also für den Stromzählerableser um zwölf Uhr mittags in meinem Atelier. Gleich zum Balkon! Gießen, aber vor allem gucken, was sich getan hat. Zuerst hat es wie am Sonntag ausgeschaut. Taube wie dicke Henne auf Küken. Ich konnte nicht sehen, was mit dem zweiten Ei ist, ob da auch was geschlüpft ist. Beim Gießen war die Taube wieder in Habachtstellung, nicht so relaxed wie vorher beim Brüten. Hat sich ein bißchen in Drohgebärde augeplustert, obwohl sie ja nun gelernt haben könnte, dass ich wirklich nur den Bambus gieße, der jetzt auch wieder schön grün ist. Auch mein anderes Gestrüpp, ganz herrliches Versteck für die Täubchen. Bis der Ableser gekommen ist, war noch ein bißchen Zeit zum Beobachten. Bleiben Sie dran!

09. Juni 2024

Status quo. Frau Nielsen heute Nachmittag. Ich glaube, gestern hat ein Scammer unter einem deutschsprachigen Eintrag von mir auf Facebook, über den Kinobesuch beim Ingeborg Bachmann-Film vom Oktober 2023, einen Kommentar abgesetzt, englischsprachig, der nicht das geringste mit dem Beitrag zu tun hatte. Außerdem den Beitrag geliked, von dem er mutmaßlich keine Silbe versteht. Der Name war leicht zu googeln, ein grauhaariger britischer Banker, der vermutlich für einen Scammer als Fake Profil herhalten muss. Hab den Kommentar gelöscht. Ich bin ja mitunter naiv, aber so dann doch nicht. Abgesehen davon bin ich weder mit Bankern, noch mit „Silber-Rücken“ zu verlocken.

09. Juni 2024

Nach dem Gießen und nach den Täubchen gucken, habe ich die noch im Kämmerchen hängenden pinken Bilder abgehängt und im großen Zimmer an der Wand abgestellt. Nun kann der Maler malern. Im Grunde könnte ich die Wände auch selber weißen, aber das kostet Zeit, die ich nicht habe. Kann ruhig der Fachmann ran. Dann noch den kaputten pinken Bezug vom Schaumstoffblock abgezogen und mit der Nähmaschine mitgenommen. Daheim in die Waschmaschine, dann wird repariert, ein Stück Stoff eingesetzt, wo der Stoff schon vom Schimmel verrottet war. Zum Glück eine Ecke vom Bezug, die man eh nicht sieht. Deswegen hab ich ja lange nichts von dem Schaden bemerkt. Seit Jahren die Nähmaschine nicht benutzt, hoffe sie geht noch. Wie es geht, weiß ich noch, gelernt ist gelernt. Muss noch ein Stück Stoff finden, dann wird ausgebessert und pink übergefärbt. Habe momentan den Eindruck, mein Leben besteht zu einem großen Teil aus Arbeit, Schadensbegrenzung und Reparaturarbeiten und Handwerker-Terminen, die völlig meine Zeit und Kraft beanspruchen. Dazwischen nur essen, trinken, schlafen, Haushalt und bißchen youtube gucken. Und bloggen natürlich. Ein bißchen Sonne tanken auf dem Balkon dazwischen. Die Europa-Wahl hab ich auf dem Weg zum Atelier dazwischengequetscht. Der eine Wahlhelfer am Begrüßungstisch war ein ganz junger, hipper, eventuell gerade mal volljährig, wenn überhaupt. Es durften ja auch schon Sechzehnjährige wählen, vielleicht durften die auch wahlhelfen. Er hatte gelbe Sachen an, längere Haare und lila lackierte Fingernägel und war leicht verpeilt. Hab DIE PARTEI angekreuzt.

09. Juni 2024

Erstes Kuscheln unterm aufgeplusterten Federkleid. Vielleicht ist das erste Küken heute geschlüpft oder gestern. Noch so klein. Ich habe den Kopf nicht gesehen, nur ein Stückchen vom kleinen schwarzen Schnabel. Morgen schau ich wieder hinein. Der Stromableser kommt gegen Mittag. Vielleicht sind es dann zwei.

09. Juni 2024

Vorhin, am Nachmittag. Behutsame Annäherung beim Gießen. Mir fiel sofort auf, dass die Taube so aufgeplustert aussieht, ganz anders wie beim normalen Eier-Brüten. Als ob sie in Habacht-Stellung ist und trotzdem auf keinen Fall wegfliegen möchte. Wie eine Henne saß sie da, eine Glucke. Und ich ahnte schon, warum.

09. Juni 2024

Nachher: Wahllokal Kastanienbaumschule in der Gipsstr., Atelier: Bambus gießen, höchstwahrscheinlich frischgeschlüpfte Küken gucken, Baby-Fotos. Restliche Bilder im Kämmerchen für Malern nach Wasserschaden abhängen, Kreuzschraubendreher und Nähmaschine und kaputten Überzug vom Schaumstoffblock mitnehmen. Bestellen: Simplicol Pink. Überzug waschen, ausbessern, Pink nachfärben. Denkzettel: Maler kommt mit Vermieterin am 20. Juni um 8 Uhr zur Besichtigung des Schadens, könnte meinethalben gleich malern. Morgen mal meine Vermieterin fragen, ob das drin wäre, ein Aufwasch.

09. Juni 2024

Ach… schade – ich habe gestern Wahl-O-Mat gemacht und bei der Parteien-Auswahl nur CDU, SPD, FDP, Linke, Grüne, Piraten, und DIE PARTEI angeklickt. Jetzt hätte mich spaßeshalber doch interessiert, wieviel Prozent Übereinstimmung ich mit der AfD gehabt hätte. Aber die Browser-History hat mein Ergebnis nicht gespeichert. Die Fragen nochmal durchzugehen bin ich zu faul, zumal ich nicht davon ausgehe, dass ich die höchste Übereinstimmung mit der vergessenen Partei gehabt hätte.

Mein Ergebnis-Ranking war dergestalt (Prozente grob erinnert):

  1. DIE PARTEI ca. 96 Prozent
  2. Piraten ca. 92 Prozent
  3. Grüne um die 80 Prozent
  4. Linke ähnlich
  5. SPD weiß nicht mehr
  6. FDP weiß nicht mehr
  7. CDU 60 Prozent (hätte mehr erwartet)

Interessant war für mich als Selbsterkenntnis beim Beantworten der Fragen, dass ich mich im Zweifel immer für die maximale Toleranz entschieden habe, obwohl ich im Laufe des Älterwerdens in manchen Aspekten konservativer als früher denke. Bei einigen Fragen, wo es um Steuern ging, habe ich teilweise „neutral“ geklickt, weil ich zu faul war, mir eine qualifiziertere Meinung zu bilden. Bei Ukraine in die EU habe ich ja angekreuzt. Eigene Währung für Deutschland will ich jetzt auch nicht mehr. Den Ökokram wie Solarzellen bei Neubauten unterstütze ich. Freie, straffreie Selbstbestimmung über Schwangerschaftsabbruch dito.

08. Juni 2024

To do-Liste, Montag

  • verrotzte Teppichfliesen austauschen, beide Büros nebenan, meins
  • Frontleisten graues Flurregal m. dc-fix weiß kaschieren
  • Schlieren an der Wand radieren
  • Bilder vor Oberlichter hängen, Streifenbild an Säule etc.
  • zwei bis drei übrige Tolomeo-Lampen verteilen, anschließen
  • Gastro-Roll up u. Prospekthalter zweckentfremden (ggf. Bilderhalterung in Dachschräge?)
  • Hängung „Evolution“ eruieren (Trennscheibe 7B hinter Drucker oder komplette Wand gegenüber, falls Wand, checken, ob die beim Umbau im Juli entfernt wird, dann irrelevant)
  • Kraut- und Rüben-Material auseinanderdividieren, aussortieren
  • schwarze Stativ- u. Roll up-Taschen verschenken bzw. mitnehmen
  • alten Lampenfuß wegschmeißen
  • Bilder vor Büroscheiben zur Küche testen, wo die Schrankrückwände zu sehen sind, falls passend, Holzrückwand weiß kaschieren, ggf. mit Rückseiten von aussortierten Posterrollen am Lastenfahrstuhl, falls noch nicht entsorgt
  • übrige Bilder positionieren, (ausreichend Haken?) hängen
  • Bohrlöcher Sichtfronten und Fehlbohrungen Fliesenspiegel Unisex-WC (Dübel ziehen) spachteln, kaschieren
  • Verbleib der aussortieren 40 cm schmalen, weißen Regale in der 7. oder im 2. OG eruieren, für Position ganz hinten, rechts vom Server-Schrank ausprobieren.
  • Flasche u. blaue Blume für S. deponieren (Budget? A. fragen)

06. Juni 2024

Hat nicht sollen sein. Das gestern gelegte Ei wurde über Nacht wieder geraubt. Nun wieder leeres Nest in meinem Taubenschlag in Mitte.

Gestern war ich bei der „Geführten Biofilm-Therapie“. Nie gehört? Ich auch nicht bis dato. In meiner Zahnarzt-Praxis standen drei dreidimensionale Großbuchstaben auf einem Regal im Behandlungsraum: GBT. Habe den Dental-Hygieniker gefragt, was die bedeuten. Genau das, was er gerade bei mir macht, war seine Antwort. Zahnreinigung mit einer bestimmten Technologie. Seit die Praxis das neue Equipment hat, tut es nie mehr weh. Kein Gestochere, ich bin fast eingeschlafen, mit meiner orangen Brille auf der Nase. Ich empfehle die „Geführte Biofilm-Therapie“.

Schönster Moment heute, bis jetzt: auf dem S-Bahnsteig am Hackeschen Markt eine Gruppe mit kleineren Kindern, Jungen und Mädchen gemischt, vielleicht kurz vor Einschulung oder schon erste, zweite Klasse und ein Lehrer oder Erzieher. Die Mäuse saßen zu ungefähr zehn auf einer Bank, auf der sonst vier Erwachsene Platz finden. Jedes Kind hatte ein Grashüpfer-grünes Hütchen auf dem Kopf. Super Idee, um gleich zu sehen, wenn ein Kind ausbüxt und es wieder einzusammeln. Sah putzig aus, die zehn grünen Hütchen nebeneinander.

05. Juni 2024

Regen-Ei. Ich will hier wirklich nicht mit einem weiteren Taubenei langweilen, aber als Hobby-Psychologin finde ich es schon nicht uninteressant, dass die Ringeltauben-Fachleute sagen, dass ein ausgeraubtes Nest bis auf weiteres als Brutplatz gemieden wird. Nun wurde Ende April, also vor gut vier Wochen, bei mir in Mitte auf dem Nordbalkon, in DEM Nest ein Ei gelegt und wenige Stunden später geraubt. Das Taubenpaar hat sich zurückgezogen. Heute Abend, es regnet, hat sich mein Blick einmal wieder zum verwaisten Nest gerichtet, ich mache die Balkontür auf, schreckhaft fliegt ein Täubchen auf. Und nun das. Es geht wieder los. Ist das ein anderes Paar oder ist das Trauma nach vier Wochen geheilt? Entweder wurde es gestern oder heute gelegt. Geburtstermin von Ei eins also um den 20. Juni. Morgen kommt ein zweites dazu. Weil die Täubchen ja immer zwei legen, im Abstand von ein bis zwei Tagen. Und bei meinen brütenden Täubchen am Atelierbalkon ist zwischen heute und 10. Juni Geburtstermin. Ich werde keine Elternzeit beantragen. Ich füttere auch nicht, Wassertränke gibts auch nicht. Ich gieße ja in unmittelbarer Nähe die Blumen, da fällt immer was ab, gehe ich mal von aus. Solche Haustiere sind doch reizend. Sehen putzig aus, machen so natürliche Sachen und mir keine Arbeit. Schon nett. Und nun genug für heute von Vögeln.

04. Juni 2024

Palmberg und Lindemann. Palmberg hat fünfstellige Schlüsselnummern. Lindemann vierstellige. Lindemann, Palmberg. Palmberg, Lindemann. Lindemann, Lindemann, Lindemann. Kann man auch rappen. Berliner Büromöbelhersteller. Habe die vergangenen Tage echte Expertise entwickelt, ob ich Lindemann oder Palmberg vor mir habe. Nun ist der Umzug vorbei und jetzt kommen die weniger anstrengenden, finalen Verschönerungen. Ich baue (wieder) eine (gar nicht so) kleine Galerie auf einem langen Flur mit schöner, langer, leerer weißer Wand auf. Dass sie leer ist, habe ich veranlasst, indem ich drei Lindemanns ins Möbel-Lager versetzen habe lassen. Muss aber eine Petersburger Hängung machen, wenn ich die ca. fünfzig Bilder an der Wand unterbringen will. Wird schon.

Der Schaden am Fallrohr im Atelier wurde direkt bei der ersten Begehung behoben, habe der Vermieterin meinen Schlüssel vertrauensvoll überlassen, der Installateur hat irgendein Teil am Rohr ausgewechselt und sie saß daneben in der Atelierküche, wo hauptsächlich Bilder im Farbspektrum Grün-Gelb hängen. Sie schrieb mir danach, dass es für sie eine Oase war, da zu sitzen, weil Grün ihre Lieblingsfarbe ist. Sie fand sehr wertschätzende Worte. War für mich interessant, weil sie noch nie in meinem Atelier war. Früher hat ihr verstorbener Mann alles mit den Mietern und Handwerkern erledigt. Sie ist genauso fair und gewissenhaft, wie er. Jetzt muss noch ein Termin zum Malern vereinbart werden. Aber sie holt erst einen Kostenvoranschlag ein.

03. Juni 2024

Heute:

8:00 Uhr Atelier, Besichtigung Wasserschaden Fallrohr mit Vermieterin und Gas-Wasser-Installateur Wolter.

Hernach Büro, Bestandsaufnahme Umzugs-Ergebnis, was fehlt noch wo (zweiten Schrank Flur ausräumen, Abtransport beide Schränke, Austausch Schränke 7B 06, 7B 07, ggf. Schreibtisch, Check Bedarf diverse Tageslichtlampen, Besucherstühle mit den schöneren Holzstühlen aus der Möbel-Etage tauschen, anderer Tisch im Besprechungsraum), Info Kollegen, meine Docking-Station anschließen, Zeug aus den Kartons, usw. usf.

02. Juni 2024

Vokabelheft:
„squander“ – verschwenden

Eine der vielen Vokabeln, die man nicht in der Schule gelernt hat. Gerade bei einer amerikanischen Youtuberin gehört, die das Wort innerhalb von zwei Minuten zweimal benutzt hat.

01. Juni 2024

Samstag am Gipsdreieck. Aus meinem Fenster. Gar nicht so viel los heute da unten. Keine große Zusammenkunft, im Vergleich zu anderen Wochenden. Eventuell fehlen die Fußball-Anhänger, die Real Madrid gegen Borussia Dortmund geguckt haben. Ich habe lieber aus dem Fenster, statt in den Fernseher geguckt. Fotografiert gegen 20:30 Uhr, kurz bevor ich los bin, meinen unerledigten Wochenendeinkauf bei Edeka in der Gr. Hamburger nachzuholen.

30. Mai 2024

Büro-umzugsbedingt zwölfeinhalb Stunden freiwillig gearbeitet, nun rechtschaffen müde. S-Bahn komische Unterbrechung Friedrichstraße, erst zum Ende von GNTM daheim. Hab noch gesehen, dass Fabienne weiter ist und Kadidja raus. Krasse Enscheidung, wo sie die meisten Jobs hatte. Letzte Amtshandlung vorhin: die Hängepositionen von fünf Bildern messen. Kommen wieder auf die gleiche Position, dann gehts schneller. Die Einzelbüros in einem bestimmten Abschnitt des Gebäudes sind baugleich. Morgen dann der eigentliche Umzug. Auch wenn die Etage bleibt, der Aufwand ist der gleiche wie beim Umzug nach sonstwohin. Die anderen sind morgen alle im Homeoffice. Hab sie dahin geschickt, damit sie nicht im Weg rumstehen. Ich mache sehr gerne praktische Arbeiten wie Küchenschränke einräumen. Vorhin auch schon erledigt. Ich sortiere dann die eine oder andere Sammelsurium-Kraut- und Rüben-Tasse aus, die mir nicht gefällt. Wegschmeißen ist immer wieder schön. Besonders, wenn die Sachen unansehnlich geschmacklos sind. Am Ende vermisst keiner den Schrott. Auch ein Hobby von mir: durchs Haus geistern und nach passenden Möbeln für bestimmte Lücken Ausschau halten. Habe da schon die tollsten Zufallsentdeckungen gemacht und habe dann großen Ehrgeiz, das Möbel von A nach B zu kriegen. Resteverwertung, bis alles schick ist. Habe auch immer ein Maßband und entsprechendes Werkzeug dabei. Ich bin eine richtige Hobby-Hausmeisterin. Ich freu mich auf den morgigen Tag. Keine Mails beantworten, niemanden beraten, nicht langweilig herumdenken, keine Video-Calls, nur herumwirtschaften. Die Leute vom Facility-Management wollten mich schon mal (im Scherz) abwerben, weil ich so perfektionistisch drauf bin und mir öfter mal das Zwölfer-Set mit den Inbus-Schlüsseln hole. Die Sechskant-Dinger. Es heißt Inbus, wenn auch alle „Imbus“ sagen (ich auch). Mir gefallen Arbeiten am allerbesten, wo man an einem visuellen Vorher-nachher-Effekt mitwirken kann. Das ist genau mein Ding.

29. Mai 2024

Wenn es um Krankheiten geht, bin ich so Karl Lagerfeld… ich wollte auch – wenn es mich beträfe – auf KEINEN FALL detaillierte Berichterstattung über mein Elend. Das hat so eine unerquickliche Note, dass es mich gruselt. Deshalb kann ich auch niemals Details über Körperlichkeiten von mir und auch nicht von Anderen abhandeln. Ich stelle mir immer vor, dass das doch nicht schön für die ist. So ein Krankheitselend wie ein Brandmal zu manifestieren. Das ist doch nicht, wie man jemanden erinnern und ehren will. Habe da einen ungeheuren Schutzreflex in ganz viele Richtungen. Palaver über eine Sache ist auch immer Hypen, finde ich. Deswegen schreibe ich zum Beispiel auch nicht über politisch Geistesgestörte etc. Muss schon wieder über mich selber lachen. Gottseidank bin ich nicht auch noch depressiv. Grund gäbe es. Aber halt auch für das Gegenteil. Ich trinke nun ein weiteres Gläschen.

29. Mai 2024

Die Büchse der Pandora. Fuck! Wie soll man erahnen, dass dahinter auf einmal aus dem Nichts Schimmel die Wand hochkriecht? Das Leuchtobjekt aus Papier hat etwas Schaden genommen, eine sehr fragile Papier-Mosaik-Arbeit. Aber ich kanns reparieren. Ich hab es ja erschaffen und weiß, wie es gemacht ist.

29. Mai 2024

Scheiße. Auch das noch. Heute Nachmittag Anruf meiner Atelier-Vermieterin, Herr K. aus dem EG hat Schimmelflecken im Bereich seines Werkstatteingangs. Ob ich auch irgendwas in der Richtung hätte. Ich erstmal: bei mir sieht eigentlich alles gut aus, war vor drei Tagen da, nichts festgestellt. Dann fahr ich hin, Blumengießen, Ringeltäubchen brütet weiter die Kleinen aus. Blick in die Speisekammer, die bei mir eher eine Bildergalerie mit loungigem Schaumstoffblock ist. In dem rechten toten Winkel, den ich nie anschaue, vor dem eine Papierskulptur steht, schaue ich genauer hin. Dahinter schwarzer Schimmel. Ich könnte kotzen. Alles ausgeräumt. Der Bezug vom Schaumstoffblock in der Ecke schon verrottet, das Dielenholz unten schwarz, Schimmel hinter gehängten Bildern. Zwar ein überschaubarer Bereich, aber eklig. Und wohl wieder mit Wand-Aufstemmen verbunden. Das Fallrohr wurde vor drei Jahren erneuert, das war so eine Sauerei. Ich musste die ganze Küche auf Empfehlung freiräumen. Bad sowieso, Kämmerchen eh. Gerade meiner Vermieterin das Elend geschrieben. Zu all dem anderen (Mama… Scheißkrankheit) nun auch noch das. Ich brauche Alkohol.

29. Mai 2024

Valentinswerder ~ kleiner Epilog. Sieben, fast acht Jahre danach, habe ich in den vergangenen vierzehn Tagen in achtundfünfzig Einträgen die 254 Bilder meines Ausflugs nach Valentinswerder, einer der Inseln im Tegeler See verarbeitet, der nur ein Spaziergang von vier Stunden war. Jeder Eintrag bescherte mir ein Gefühl von Ferien, auch wenn ich ihn an einem Tag mitten in der Woche verfasste. Es war erholsam. Besonders wenn in der Gegenwart persönlich Aufwühlendes passiert (was gerade nicht in die Öffentlichkeit gehört).

Während ich die Bilder auf mich wirken ließ und die Erinnerung an das Erleben ins Gedächtnis rief, stellte ich mir die Frage, ob diese Insel ein Ort für regelmäßige Aufenthalte für mich sein könnte. Wenn mir jemand dort ein Häuschen anbieten würde oder gar vererben oder schenken – würde ich mich dort immer wieder hinbegeben? Die Antwort fiel mir sehr leicht: nein. Ein Häuschen auf Valentinswerder, auch nur für Ferien, wäre für mich nicht erstrebenswert. Außer als Geldanlage. Aber da ich nicht in die Immobilienwirtschaft oder Ferienhausvermietung strebe, nicht relevant. Der Rundgang hat mir gezeigt, dass es kaum einladenden Sandstrand gibt und die Anfahrt ist mir viel zu kompliziert. Auch vermisse ich ein, zwei Lokale, Lebensmittel- und andere kleine Geschäfte und so weiter und so fort. Autos allerdings gar nicht.

Der Hype um das Inselchen kommt mir ein bißchen aufgebauscht vor, was aber daran liegen mag, dass einige Bewohner Medienkontakte pflegen und es dadurch ein wenig zum Status-Symbol hochgezüchtet wurde, sich dort niederzulassen. Ich stelle mir nur vor, wie die bekannte Berliner Choreographin, die dort lebt, die lange Anfahrt von Mitte hinter sich bringt. Wirklich Tag für Tag? Es ist wohl doch eher auch ein zusätzlicher Wohnsitz, nehme ich an.

Ich träume aber auch nicht von einem eigenen Boot (egal welcher Größe), das dann dort ankern könnte. Als Entdeckung habe ich diesen Ausflug sehr genossen und finde schon, dass es sich lohnt, sich selbst von der Idylle zu überzeugen, die ich auf den Bildern eingefangen habe. Soweit sie mir zugänglich war. Vielleicht mache ich in kommenden Sommern Ausflüge zu den anderen Inseln im See. Immer eine schöne Idee.

Die Geschichte mancher der verschiedenen Inselbesitzer hat mich erheitert. Einer war der Hofopernsänger Blume. Ich lese über ihn: „1840 erwarb der Hofopernsänger Blume das Inselchen. Da dieser wegen seines „umständlichen“ Arbeitsweges dauernd zu spät zu den Vorstellungen kam, wurde er von Friederich Wilhelm III. in sein altes Saatwinkler Jagdhaus „zwangsumgesiedelt“. Wer die umständliche Anfahrt nicht scheut, auf der Homepage von Valentinswerder sind die Fahrzeiten der kleinen Fähre.

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28. Mai 2024

Hätte auch nicht gedacht, dass ich einmal Mitleid mit einem Eierkocher habe. Beim umzugsbedingten Ausmisten im Büro fand sich ein fabrikneuer, originalverpackter Eierkocher für sieben Eier mit Warmhaltefunktion, Marke Silvercrest, schwarz-silber. Keiner will ihn haben. Ich auch nicht. Dinge, die die Welt nicht braucht. In den Siebzigern hatten wir auch einen daheim, wir Kinder waren begeistert, weils wie ein Spielzeug war und er wurde dann tatsächlich immer wieder benutzt. Aber irgendwann nicht mehr. Also wenn jemand einen Eierkocher GESCHENKT haben möchte….?

27. Mai 2024

Warten auf Odin. So heißt die kleine Fähre des privaten Fährbetriebs Buchardi, die für (damals) 3 Euro zwischen Valentinswerder und Tegelort hin- und herschippert. Jetzt wohl 3,50 Euro. Valentinswerder ist kein Hoheitsgebiet der BVG-Fährlinien.

27. Mai 2024

Der kleine Freund hier auf dem Inseltaxi verbringt die großen Sommerferien auf Valentinswerder, hat er mir erzählt. Im Schuljahr 2016 gingen die Sommerferien am 2. September zu Ende, so war es sein vorletzter Ferientag. Er war sehr gesprächig und neugierig und hat mir mindestens so viele Fragen gestellt, wie ich ihm. So verging die Zeit schneller, weil ich nun wieder auf das kleine Schiff wartete, das mich zurück auf das Berliner Festland bringen würde.

26. Mai 2024

Eine Skulptur namens Charly von einem Professor Jürgen Goertz. Der Kopf gefällt mir zwar nicht exorbitant, aber imposante Größe. Der Bildhauer hat auch die große Pferdeskulptur aus Metall am Berliner Hauptbahnhof geschaffen. Die gefällt mir doch recht gut.

26. Mai 2024

Eine der Alleen zum Rondell, dem Mittelpunkt von Valentinswerder. Zwei Grazien in legerer Ferienkleidung durchqueren auf ihrem kurzem Heimweg nach einem Badetag die gepflegte Parkanlage.

25. Mai 2024

Gestern wieder unser über alles geliebter, unersetzlicher Berlin Beat Club, wie er leibt und lebt, in Mitte, im Ballhaus in der Chausseestraße. Gab Dank Gast-Keyboarder ein paar sonst nicht zu hörende Doors-Nummern, Riders on The Storm und Light My Fire in Vollendung. Und Samba Pa Ti von Santana. Man meint, seinen Ohren nicht zu trauen. Hans ganz allein an der Gitarre. Er kann Jimi auch total super. Sonst spielt Leeman Leadgitarre bei den Hendrix-Sachen, aber der hatte sicher ein anderes Engagement. Ina und Lydia waren auch da. Und lauter Stammgäste, die ich nur vom Sehen, aber nicht vom Namen her kenne. Ich gebe ihnen insgeheim andere Namen, wenn sie jemandem ähnlich sehen, wie z. B. „Uschi Nerke“ und „Lea Rosh“.

24. Mai 2024

Mama Papa Kind

Mama Papa Kind

P.S. Fotos von heute 24. Mai 2024, 11:32 bis 11:58 Uhr. Ich war ganz kurz zum Gießen da. Davor zuletzt abends am 19. Mai 2024, da hab ich das Nest am Atelierbalkon entdeckt. Die Eier sind also zwischen dem 20. Mai und gestern oder heute gelegt worden. Es dauert nach dem Legen immer sechzehn Tage bis die Küken schlüpfen. Also kommen die Kleinen zwischen dem 5. und 10. Juni auf die Welt. Als ich beim Gießen ganz nah dran war, hat sich der werdende Papa nicht davon irritieren lassen, er ist ganz ruhig sitzengeblieben. Dann gab es kurz vor Mittag den Wechsel beim Brüten und die werdende Mama hat übernommen. Falls ich Papa und Mama nicht unwissenderweise verwechsle. Die eine Ringeltaube hat oben am Kopf so einen weißen Sprengsel, die ist für mein Gefühl die Mama.

22. Mai 2024

Ein ruhiger Mittwoch, unaufgeregter Alltag, Routine. Auf erholsame Art aufgeräumt langweilig. Fast wie die Ruhe auf Valentinswerder, wo es an Land kein Fahrzeug mit Motor gibt und kein Wecker tickt.

21. Mai 2024

Als mir dieser Anblick beschert wurde, war ich zufrieden. Ich wollte vor allem architektonisch interessante Ferienhäuser sehen, als ich mich nach Valentinswerder aufmachte. Vieles ist in unzugänglichen Bereichen, aber immerhin kann man dieses Häuschen bewundern, das eine polierte Edelstahl- oder Chrom-Fassade hat. Oder ist es ein verspiegelter Kunststoff? Als sähe man eine Fata Morgana, lässt sich die Silhouette mehr erahnen, als man sie sieht. Von allen Seiten spiegelt sich das Kaleidoskop der umgebenden Pflanzen.

20. Mai 2024

Der hölzerne Ferien-Bungalow sieht interessant aus. Zu schade, dass ich die Rückseite nicht sehen kann. Bestimmt ist da eine hölzerne Terrasse und ein Garten. Müsste man die Leute kennen.

20. Mai 2024

Mein Giraffen-Pullover war gestern doch übertrieben warm, der wackeligen Vorhersage geschuldet. War gerade griffbereit. Nach der Gieß-Aktion und Balkon-Inspektion habe ich doch ein paar Pinselstriche gemacht, das Ende der Strafarbeit zeichnet sich ab. Aber viel interessanter, wie Chris O’Dell ihre erste Begegnung mit Paul McCartney am 20. Mai 1968 (heute vor 56 Jahren!) im Apple Records Headquarter beschreibt. Sie kannte Derek Taylor, den Pressesprecher der Beatles aus Los Angeles, der für diesen Job bei Apple nach London gegangen war, und Chris O’Dell folgte ihm auf seine Anregung hin, um ebenfalls beim neu gegründeten Plattenlabel der Beatles irgendeinen Job zu bekommen. So hing sie nach ihrer Ankunft jeden Tag unentgeltlich zu den Bürozeiten dort herum, um sich nützlich und damit unentbehrlich zu machen:

„Sometime in midafternoon I was leafing through a magazine, feeling a little sleepy, when Derek suddenly jumped up from his desk.

„It sounds like Paul’s here,“ he said on his way out of the office. „I need to have a word with him. I’ll be right back.“

I could hear people talking through the wall, and I had to restrain myself from jumping up and peeking out the door to see who it was. Paul? Was Paul McCartney on the other side of that wall? My heart was thumping and my palms were sweating. I could not believe that I was this close to Paul McCartney. I could hear that famous voice and I couldn’t grasp the fact that he was right here, in the same building as me. It seemed so unreal.

„Paul, this just came in the post,“ a female voice called out. I could sense the excitement in the reception area as doors opened and closed and more people joined the conversation.

„What do you think of this jacket for the Apple Boutique?“ someone said.

„Well, that’s not bad, is it?“ That was Paul’s voice. „Yes. Lovely. That will do, eh?“

Several minutes passed before Derek came back into his office chatting amiably with someone, and my heart did a little flip-flop thinking it was Paul. I was sitting with my back to the door, facing Derek’s desk, and I kept staring straight ahead at the only wall with a window, not wanting to be rude or presumptuous by turning around and interrupting the conversation.

„Chris, meet Neil Aspinall,“ Derek said. Phew, I thought. I wasn’t quite ready to meet one of the Beatles, but I knew from everything Derek had told me that Neil wasn’t far removed. He’d been with the band since they were just a local Liverpool group, even before Ringo became the drummer. George Harrison called Neil „the fifth Beatle.“

„Any friend of Derek’s is a friend of ours,“ Neil said. A ruggedly handsome man with prematurely thinning hair and gentle eyes, Neil always had a half smile on his face even in the most serious moments. Sometimes I thought it was his way of encouraging the rest of us to loosen up and take things lightly, and other times I wondered if he was masking his real feelings with a disarming grin. I’d soon discover that Neil could be a toughie at times.

Derek was telling Neil how I had helped chauffeur him around Los Angeles when I heard a voice behind me and felt someone brush past my chair.

„Neil, have you any idea if John is coming in today?“ Paul said. „John and Yoko are in my office now,“ Neil said.

The conversation continued between Derek, Neil, and Paul McCartney, but I can’t remember one word of it. All I could think about was the fact that Paul McCartney was standing right in front of me, close enough that I could have reached out and touched him, and John Lennon and Yoko Ono were a few steps away. Was this really happening?

„Paul, this is Chris O’Dell,“ Derek was saying, „a friend from Los Angeles.“

„Hullo, Chris,“ Paul said, smiling down at me. „Hi,“ I said, smiling up at him. As hard as I tried, I couldn’t get that stupid smile off my face. It was frozen there.

Paul, Neil, and Derek returned to their conversation while I quietly excused myself, giving Derek a little wave as I left the office. It was all too much for me. I walked into the reception area, expecting to be alone and hoping to pull myself back together, but sitting on a small sofa, as close together as they could be without sitting right on top of each other, were John and Yoko. They both turned at the same time to see who had entered the room. I smiled. They smiled back.

I stayed at the Apple offices until eight o’clock that night, when Derek left to catch the train to his country home and I jumped in a taxi for my last night in the bed and breakfast. I didn’t have a job yet, but I had already made up my mind that I would show up for work every day until someone gave me something to do.

I had walked into that building a fan, just like the rest of the world, adoring the Beatles from afar. They had been pictures in magazines, images on the television screen, or at the cinema, voices on vinyl, all fitting into my own little fantasy. But that had all changed in a matter of hours. I had seen them, talked to them, occupied the same space they did. And they, perhaps only for a second, knew who I was. Never again would my life be the same. I had crossed the line and entered into their world. I knew instantly that I belonged there.“
Chris O’Dell, „Miss O’Dell“, Simon & Schuster, S. 22 – 24

20. Mai 2024

Nur so eine Vermutung. Die Beiden hier sitzen auf dem größeren Vogelbeerbaum auf der anderen Straßenseite und schauen immer wieder in Richtung von meinem Balkon. Ich bin mir sicher, dass rechts der Tauber sitzt und links seine Taube. Kommt mir so vor; er ist aktiver. Sie lässt ihn kommen. Ringeltauben, keine Stadttauben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass zwischen den Beiden was läuft!

20. Mai 2024

Als ich noch ein trockenes Ästchen von der Balkonbrüstung zupfe, sehe ich, dass versteckt unter den Zweigen noch mehr liegen und wundere mich. Aber nur ganz kurz. Es hat sich anscheinend bis hierher herumgesprochen, dass sich bei mir lauschige Ecken für den Nestbau finden. Ist aber auch gemütlich, so geschützt unter den Zweigen des Vogelbeerbaums. Mein Blick geht nach oben. Vielleicht entdecke ich die gefiederten Bauherren. Noch könnte ich Einhalt gebieten. Der gesetzliche Naturschutz für Wildvögel, dazu gehören Ringeltauben, erlaubt ein Nest vom Balkon zu entfernen, wenn noch nicht gebrütet wird, Sobald Eier darin liegen, ist die Nestruhe zu beachten. Das Nest darf nicht mehr berührt werden.

20. Mai 2024

Der Pfingstsonntag. Fahrt in den Süden (von Berlin). Den Balkon-Bambus weiter mit Wasser aufpäppeln. Unterwegs lese ich weiter „Miss O’Dell“, was mich völlig gefangen nimmt, weil sie ihre aufregenden ersten Begegnungen mit jedem einzelnen Beatle bei Apple Records beschreibt, als ob sie noch jede Sekunde ihrer Gefühle erinnern kann. Beim Lesen werde ich innerlich zu Miss O’Dell. Es ist so aufregend. Die siebzehn Minuten U-Bahnfahrt vergehen schnell. Angekommen, Spaziergang durch Sonne-Wolken, mir gestern zu hohe Luftfeuchtigkeit, fühle mich bißchen schummrig. Nach oben in den zweiten Stock, aufschließen, sofort zum Balkon. Die Krone der kleineren Vogelbeere auf der Straße wächst jetzt wie eine dichte Blätterhecke vor meinem Balkon und rankt über die Blumentöpfe und den Kasten vom Bambus und so weiter. Ich gieße in Ruhe, zupfe hier und da ein bißchen, mache Blätter und Ästchen vom Boden weg. Aber das war nicht alles.