11. Februar 2018


Gerade von meinem lieben Freund kid37 erfahren, dass twoday, mein virtuelles Zuhause seit vierzehn Jahren, die Pforten für immer schließt, Ende Mai. Ich habe nie irgendetwas parallel gesichert. Es liegt mir am Herzen, ich werde es versuchen. Das ist soviel Leben und Identität, das kann man nicht einfach so gehen lassen. Ja, ich kenne die Exportfunktion, aber sie funktioniert bei mir seit langem nicht, da ich einen kostenlosen account hatte und seit Jahren das Limit überschritten, dennoch konnte ich schreiben. Bilder immer querverlinkt von flickr. Und ja, da hat ein User so ein Script geschrieben, um die Einträge zu sichern. Ich gucke mir das mal an. Ansonsten Handarbeit, copy-pasten. Unsere Server stehen in Wien. In diesem Jahr 2018 jährt sich zum hundertsten Mal der Todestag von Gustav Klimt und von Egon Schiele und von Otto Wagner. Und nun nähert sich auch der Todestag von diesem schönen Blog. Ich bin jetzt ein bißchen traurig und aufgewühlt und werde bis Ende Mai viel Zeit damit verbringen zu retten, was zu retten ist. Wer nur ab und zu einen Halbsatz in facebook postet, kann nicht ermessen, was das bedeutet. Es sind keine beiläufigen Fragmente und Schlaglichter, es ist ganz viel Herz. Blut.

P.S.
wer immer schon einmal mit dem Gedanken spielte, rückwärts zu lesen, kann jetzt die Gelegenheit ergreifen. Bis Ende Mai ist noch alles hier zu lesen. Den ersten Eintrag schrieb ich im Februar Zweitausendvier.

 

09. Februar 2018

Noch ein Geburtstag. Photographische Widmung  für Alban. Mit einem Bild von Adrian und einem von beiden, an dem Abend in Soeht 7 enstanden, als sie beide im Kuppelsaal auftraten. Alban las, Adrian spielte Cello, neben Bach auch eigene Kompositionen. Was uns von allem bis zum letzten Atemzug bleibt, sind Erinnerungen. Man kann ein wenig nachhelfen und sie materialisieren. In einem Text oder auf Papier. Das ist meine vornehmste Aufgabe. Wer ein bißchen neidisch wird, dass er noch nicht derart von mir beglückt wurde, darf wissen, dass ich das nur anlässlich persönlicher Begegnungen mache und übergebe, dann aber mit Hingabe. Als ich letztes Jahr eine Fotografie von Romain groß rahmte und ihm zu seinem großen Fest ins Blackland mitbrachte, hatte es nicht den Hintergrund, dass wir in einer besonderen Beziehung gewesen wären. Er hatte mich schlicht und ergreifend herzlich eingeladen. Alban hat dieses Jahr nicht eingeladen, aber ich hatte ihm eine zuem Konzert von Bob Rutman bei Seven Star zukommen lassen und er kam, und ich wusste es. Sympathie ist durchaus Voraussetzung, um solche Reliquien zu erschaffen. Es braucht ein paar Stunden meiner Lebenszeit, das ist Teil des Geschenks und geschieht in Andacht.




08. Februar 2018


https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265
Heute die Lady Gaga-Tickets mit der Post zurückgeschickt. Ina und ich wollten am 23. Februar in die Mercedes-Benz-Arena, aber Lady Gaga ist leider zu krank. Weil es ein Geburtstagsgeschenk für Ina war, musste Ersatz her, adäquater. Das Gaga-Ticket hatte ich ihr am Freitag zu ihrer Feier daheim in Frohnau in einem großen blau verpackten Karton mitgebracht. Es war in einem roten Luftballon. Einem Herzluftballon. Dienstag Abend kam Ina zu mir mit dem Luftballon, wir wollten das Ticket gemeinsam explantieren, befreien, indem wir den Ballon aufhängen und mit Messern darauf werfen und uns dabei vorstellen, es wäre Amors Pfeil. Das war gar nicht so einfach. Obwohl es scharfe, schwere Messer waren, und wir nur mit einem guten Meter Abstand davor standen, wollte Amors Pfeil erst beim dritten Mal das Herz treffen. Inas Amorpfeil hat getroffen. Meiner nicht. Aber das wäre ja auch eine Weltneuheit gewesen. Im Wohnzimmer wartete dann das neue Ticket auf Ina, aber sie musste es finden. Ich gab ihr den Hinweis, dass sie nach etwas Blauem Ausschau halten muss, Blau, Blau und Blau sind nämlich ihre drei Lieblingsfarben, und zwar genau in der Reihenfolge. Das Ticket versteckte sich in einem blauen Bogen Papier, den ich um das Ticket gelegt hatte und zu einer Vase für das Vergißmeinnicht gemacht hatte. Sie hat sie ganz schnell gefunden, die Nick Cave-Karte für die Waldbühne am 14 Juli 2018.

05. Februar 2018




Da muss natürlich noch Text dazu, das ist doch klar. Ehrensache, Herzensangelegenheit bei Seven Star. Wenn man mich im Tiefschlaf anstupsen würde, im – nein, das ist nicht der Alpha-Zustand, was ist das? Gamma? Delta? Ich würde auf die Frage nach der mir am meisten am Herzen liegenden Galerie antworten „Seven Star“. Das steht wahrscheinlich in den Sternen. Muss Thorsten mal nach der Geburtszeit der Galerie fragen. Vielleicht haben wir die Venus oder gar die Sonne im siebten Haus. Das versteht jetzt wieder keiner. Außer vielleicht mein Lieblings-Galerist. Das hier sind Bilder von heute, gestern, nein heute Nachmittag. Wenn man noch nicht geschlafen hat, ist es immer noch heute. Dienstag und Mittwoch wieder. Eigentlich ist es relativ egal, was performt wird, es ist immer schön, dort. Bob Rutman ist allerdings eine Erscheinung, die man lieben muss. Was er heute Nachmittag auf seinem Steel Cello zu Gehör gebracht hat, war erwartungsgemäß wie aus dem All. Später ging er eben mal um die Ecke in seine Wohnung, um ein anderes selbstgebasteltes Instrument zu holen. Ein gebogener Draht auf einem Styropor-Sockel. So sah es wenigstens aus. Das war noch ausbaufähig, wir hörten work in progress, sage ich mal. Der Gitarrist Brenden kriegte es hin, auf der Gitarre Töne zu spielen, die wie die kleinen Geschwister vom Steel Cello anmuteten, das fiel mir erst auf, als Bob Rutman auf dem Styropordings herummachte. Sehr überzeugt hat mich dann wieder seine Vorstellung mit den Plastikhühnern.


Kann man schlecht erklären, muss man erlebt haben. Ich sage nur HALLELUJA. Und das hörten wir auch von Bob Rutman und Brenden, beide keine begnadeten Sänger, aber das ist auch nicht nötig für eine innige Punk Version der göttlichen Anrufung. Dabei sind unter anderem die Bilder entstanden, wo er das Kreuz hält. Und wer meint, das wäre Gotteslästerung, soll zeigen, dass er göttlichere Klänge, als die von Bobs Steel Cello zustande bringt. Amen.