
Weißes Schloss, Rudolf-Breitscheid-Straße 3, Ecke Kulmstraße.


Vom „Weißen Schloss“ hatte ich mir schon in Berlin ein Bild gemacht, ich wollte dort nämlich einmal mindestens Eisessen gehen. So freute ich mich, dass mein planloser Abendspaziergang zufällig daran vorbei führte. Die historischen Aufzeichnungen lassen wissen, dass Kronprinzessin Victoria von Preußen mit dem Kronprinzen Friedrich und auch Kurt Tucholsky in dem 1825 erbauten, allerersten Logierhaus in Heringsdorf weilten. Georg Bernhard von Bülow ließ auf der höchsten Erhebung von Heringsdorf, auf dem Kulm, einem 34 Meter hohem sandigen Hügel, dieses erste Gästehaus für den beginnenden Bädertourismus errichten. 1861 erwarb die Reichsgräfin Charlotte zu Stolberg-Wernigerode Heringsdorf und damit auch das Logierhaus. 1866 wohnte hier Kronprinzessin Victoria von Preußen mit ihren Söhnen Wilhelm (der spätere letzte Kaiser Wilhelm II.) und Heinrich sowie den Töchtern Charlotte und Victoria. Ab 1867 bewohnte die Reichsgräfin das später so genannte Weiße Schloss selbst. In den Jahren 1920 und 1921 bewohnte Kurt Tucholsky mit dem Ensemble „Le Chat Noir“ das Haus. Zu DDR-Zeiten war es Ferienheim der SED und bis 1989 von der SED-Kreisparteischule genutzt. Seit der Wiedervereinigung steht es unter Denkmalschutz und wurde saniert. Seitdem dient es wieder als Hotel. Das Haus war von einem Park mit Eichen und Buchen umgeben. 2020 wurden gut zwanzig Meter daneben zwei weitere Logierhäuser mit Ferienapartments als Erweiterung fertig gestellt, stilistisch inspiriert vom Baustil des Weißen Schlosses aus dem Jahre 1825.
