
»Seebad Heringsdorf, Hotel garni „Seeschloss“ mit Villa Lindemann ~ elegantes Haus I. Ranges. Beste Lage, in nächster Nähe d. Standes, d. Strand-Casinos, d. kalten u. warmen Bäder, mit herrlichem Blick auf die See u. Kaiser-Wilhelm-Brücke. Von Ende Mai b. Anfang October geöffnet. Bedienstete d. Hotels am Dampfschiff u. Bahnhof. Briefe, Telegramme: Lindemann „Seeschloss.“ Ein Zimmer nach Grösse für Betten } das Bett { Ende Mai und Juni pro Tag 2 bis 5 Mark; Juli und August pro Tag 3 bis 7 Mark; September pro Tag 5 bis 2 Mark.« Reiseführer Heringsdorf 1908; Anmerkung: Der Monatsverdienst einer Büroangestellten lag 1908 bei 85 bis 100 Mark.

Nicht weit vom früheren Casino stand ich nun in der Seestraße Nr. 2 vor dem bislang hochherrschaftlichsten Gebäude, das ich bei diesem erstmaligen Flanieren durch Heringsdorf sah, dem „Seeschloß“. Ebenerdig gibt es einen Schönheitssalon und eine Modeboutique. In den oberen Etagen befinden sich Apartments von Prívateigentümern, die als Ferienwohnungen angeboten werden. Nachfolgend habe ich Etliches zusammenkopiert, was ich zur Geschichte dieses stattlichen Hauses entdecken konnte:

„(…) Das historische Grand Hotel Seeschloss in Heringsdorf auf Usedom wurde 1882 von dem Geschäftsmann Emil Lindemann erbaut (oder seiner Witwe; hier gehen die Angaben auseinander) und fungiert heute als exklusive Residenz mit privaten Ferienwohnungen. Das Seeschloss Heringsdorf liegt zentral in der Seestraße 2, nur wenige Gehminuten von der Strandpromenade und der 508 Meter langen Seebrücke Heringsdorf entfernt. Im Heringsdorfer Grand Hotel Seeschloß (heute als Seeschloss Heringsdorf bekannt) logierte zur Kaiserzeit die absolute Spitzenklasse aus Politik, Wirtschaft und Kultur – allen voran Kaiser Wilhelm II. Das 1882 vom Geschäftsmann Emil Lindemann erbaute Haus galt als das vornehmste Hotel am Platz und bot exklusiven Komfort wie den ersten Fahrstuhl des Ortes und moderne Etagenbäder. Zu den prominenten Gästen und Logierenden der Epoche gehörten Kaiser Wilhelm II., der während seiner Aufenthalte im mondänen Kaiserbad Heringsdorf hier abstieg. Mitglieder des Adels und der High Society, die Heringsdorf als „Badewanne Berlins“ für ihre Sommerfrische nutzten. Große deutsche Bankiers, Industrielle und die Berliner Hochfinanz (wie die Familien Bleichröder, Delbrück oder Oppenheim, die den Aufstieg des Seebades prägten). Es galt als das erste Grand Hotel am Platz auf Usedom und war berühmt für Annehmlichkeiten wie den ersten Personenaufzug und Etagenbäder im Ort. In der DDR-Zeit wurde aus dem Gebäude das Ferienheim „Julia M‘ Camara“.

Nach der Wende stand das Haus zehn Jahre leer und war vom Verfall bedroht, da Schwammbefall, aber auch mutwillige Zerstörung dem Gebäude ernsthaft zugesetzt hatten. Vom Industriebau Wernigerode übernommen, kam der Retter in letzter Minute. Nun wurde das Gebäude entkernt und alle Schäden beseitigt, so hat das Gebäude heute innen ein modernes Design, während die Villa von außen mit seinen historischen Türmchen im alten Glanz erstrahlt. Nach aufwendigen Sanierungen 2002 – 2004 beherbergt das Gebäude heute individuell gestaltete Apartments“