Der gestrige Abend verlief ganz anders, als von mir beabsichtigt, aber er war sehr bereichernd. Mit vier Freundinnen, die zugesagt hatten, nämlich Doro, Ina, Jenny und Lydia wollte ich die Dokumentation über Helmut Newton von Gero v. Boehm ansehen und danach in eine Bar um die Ecke gehen.

Das Kantkino, wo er läuft, hat fünf Säle, ich ging einfach davon aus, dass ein so attraktiver Film über einen so großen Fotografen im großen Kinosaal gezeigt wird, der über dreihundert Plätze hat. So habe ich mich vorher nicht um Kinokarten gekümmert, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass an einem Dienstag Abend so viele Menschen in eine 21-Uhr-Vorstellung drängen.

Ich lief Viertel von Neun beschwingt auf das Kantkino zu, wo ich von weitem schon Jenny warten sah, die mich anlachte. Nach herzlicher Begrüßung trat ich ins Kino und fragte, ob es denn feste Platzzuordnungen gibt, was bestätigt wurde, und ich erwähnte, dass wir insgesamt zu fünft wären. Für den Helmut Newton Film.

Da wurde uns beschieden, dass es nur noch zwei Karten gäbe und alle anderen auch schon lange reserviert und abgeholt wurden. Es handelte sich aber nicht um den großen Kinosaal, sondern um einen der kleinsten, der mit Corona-Abstand nur zwölf Plätze bietet. Die Kinobetreiber wären selbst erstaunt, meinten sie, denn am Abend davor, war nur ein einziger Besucher in dem Film gewesen, man hatte sogar überlegt, die Vorstellung abzusagen.

Nun war eines klar, dass ich nicht eine Freundin auswürfle, mit der ich dann die beiden verfügbaren Plätze einnehme und die anderen drei heimschicke. Ich wollte noch ein bißchen handeln und brachte meinen Geburtstag an, aber das führte nur zum Angebot einer Gratistüte Popcorn als Trostpflaster. Ich lehnte ab und schlug alternativ ein Glas Champagner vor, aber da war man leider nicht flexibel.

So wurde kurzerhand der schöne Kinoplan umgeworfen und der Umtrunk vorgezogen. Wir fanden uns dann alle fünf im Jules Verne in der Schlüterstraße ein, wo ich in aller Ruhe die von mir gewünschten Postkarten-Challenges auspacken konnte, die durchweg sehr amüsant und herausfordernd sind. Lydia hatte als besonderes Präsent sogar eine Schachtel Edle Tropfen in Nuss in petto, die mit den Obstbränden, schön in Geschenkpapier eingewickelt und mit einer echten roten Rose von ihrem Balkon verziert. Da war meine Freude groß!

Es war dann direkt familiär, wie wir da so zu fünft um die Pralinenschachtel saßen, mit prickelnden Getränken als Begleitung. Nach viel Erheiterung über die Postkarten, die ich demnächst alle nachstellen darf und werde, wurden die Gespräche eher ernst, es ging um familiäre und existentielle und auch letzte Dinge. Das wäre für einen Außenstehenden vielleicht eine merkwürdige Themenlage für eine Geburtstagsrunde, aber für mich war das durchweg sehr bereichernd. Ich hoffe und glaube, für meine Freundinnen auch.

Besonders fand ich gestern, dass es ein gemeinsames Gespräch war. Oft erlebt man in größerer Runde, dass sich Gesprächsinseln bilden und mehrere Einzelgespräche stattfinden. mit fünf am Tisch kann man noch sehr gut ein gemeinsames Gespräch führen. Da es auch nicht sehr voll war, am späteren Abend, gab es auch nicht zu viel Grundrauschen von Nebentischen. Für mich war das ein schöner Abend. Den Film kann ich ja immer noch ansehen.

Kurzzeitig hatten wir die lustige Vorstellung, dass die zwölf Kinoplätze vielleicht mit Gästen belegt waren, die auf facebook oder im Blog gelesen hatten, dass ich dazu auffordere, gerne auch ins Kino zu kommen. Und da vielleicht nun ein Grüppchen sitzt, das sich wundert, wo ich denn nun bleibe. Sollte es so gewesen sein, das hier ist die Erklärung!

2 Antworten auf „02. September 2020

  1. Elvira V.
    Einer Steinziege wäre das natürlich nie passiert. Ich hab schon vor Corona immer alles Monate im Voraus reserviert, jetzt hab ich es so verstanden (war erst 2 x im Kino im Coronaeum) dass es gar nicht anders geht als online, insofern: Hut ab für so viel Abenteuerlust!

    Gaga Nielsen
    ich dachte, mein Glücksstern wird’s schon richten. Aber der hatte wohl anderweitig zu tun. Man kann tatsächlich im Kant-Kino Tickets erst vor Ort, kurz vor der Vorstellung kaufen. Wir hätten auch alle spontan in den Film im großen Saal gehen können, der hat mich aber nicht interessiert.

  2. kid37 – 2. Sep, 17:24
    Ich denke auch, daß es sich ganz gut um eine Fangruppe gehandelt haben könnte – Ihre nämlich. Aber schön, daß es dennnoch und nicht nur zum Trotz ein schöner Abend geworden ist. Ich muß mich Berlin auch mal wieder nähern!

    g a g a – 2. Sep, 21:13
    @kid37 und IGing
    Ich bedanke mich für die beiden gestern und heute eingetrudelten Postkarten, die alsbald umgesetzt werden, erste Vorbereitungen stecken schon in den Kinderschuhen! Bei der kid’schen Zusendung darf ich wieder ausgiebig pinseln und basteln, Frau IGing hingegen hat mir eine Steilvorlage geliefert, die mir keinerlei Kopfzerbrechen bereitet, ist alles im Kleider- und Wäscheschrank vorhanden! ;-) Bleiben Sie dran!

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