Vorgestern in der Ufa-Fabrik. Zur Vorstellung von Lüüls neuer Platte, Fremdenzimmer heißt sie und ist sehr schön geworden. Zum ersten mal wieder nach ungefähr fünfzehn Jahren in der Ufa-Fabrik. Sieht aus wie damals, aber diesen eleganten Saal habe ich nie gesehen vorher. Jenny hat mich abgeholt. So sommerlich der Abend, im Kleid mit Zehensandalen. Ich bin ja so vernünftig mitunter, dass ich überlege, ob es am Abend zu kalt werden könnte für das eine oder andere Kleidungsstück, aber der Wetterbericht meinte, um 20 Uhr noch 27 Grad und nachts mindestens 18. Wir setzten uns zuerst auf die Stühle weiter vorne und dann lieber weiter hinten in die weichen Kinosessel.

Auf der neuen Platte sind ein paar sehr sentimentale Stücke, die mir schon in dem vorletzten Salon („Lüül & Bock im 1. Stock“) in der Galerie 1er Etage aufgefallen waren. ‚Hohe Wellen‘ und ‚Schwarz war die See‘ und ‚Nächte und Träume‘ und ‚Leben ist gut‘. Sehr bereichernd. Mit dem schönen Akkordeon und der Geige und seiner Gitarre und dem Kontrabass ganz fein instrumentiert, erzählt Lüül Geschichten, wie einem ein guter Freund etwas erzählt, ohne Pathos und Effekthascherei, ganz schlicht und zu Herzen gehend, ergreifend. Ich mag nicht so gerne von Alters-Melancholie schreiben, weil Lüül so jugendlich wirkt, aber in den Texten ist eine Reife und Zartheit, ja Zärtlichkeit, die jemand, der halb alt so ist, vielleicht nicht unbefangen artikulieren kann. Sehr, sehr schön. Seine langjährigen drei musikalischen Gefährten auf der Bühne waren auch sehr präsent, mehr als nur Begleitmusiker. Mit ganzem Herzen dabei.

Danach gingen wir noch in eine Kneipe am Tempelhofer Hafen, was sehr romantisch klingt. Es war gewissermaßen ein Parallel-Universum, keiner wusste so recht, wo noch ein richtig schönes Lokal in der Ecke ist, die smarten kleinen Apparate helfen da auf die Schnelle auch nicht weiter. Ich habe da auch dreieinhalb Bilder gemacht, die zuckenden Lichterfunken an der Wand und im Gesicht kamen von einem Apparat, der die Gäste so richtig in Stimmung bringen soll. Ganz erstaunliche Preise da. Ein großes Glas Rotwein unbekannter Sorte und ein großes Glas Sprudel für 3,50. Große Aschenbecher auf den Tischen und die größten Hits vom Ballermann aus den Lautsprechern. Als Milieustudie nicht uninteressant. Am nächsten Tag aber doch leicht verkatert. Egal egal egal.

Wie hohe Wellen bin ich schon geritten
Wie tiefe Täler hab ich schon durchschritten
Wie große Himmel bin ich geflogen
Wie kleine Scheißer haben mich betrogen

Egal egal egal. Egal egal egal

Wie ferne Länder hab ich befahren
Und welche Wege waren die wahren
Wie lange Nächte hab ich gesoffen
Wie viele Deckel blieben offen

Egal egal egal. Egal egal egal

Wie süße Sünden hab ich begangen
Wie dunkle Pfade bin ich gegangen
Wie gute Freunde hab ich gefunden
Und wie viele sind schon verschwunden

uuuh

Wie hohe Wellen werd ich noch reiten
Wie tiefe Täler durchschreiten
Wie große Himmel werd ich noch fliegen
Wie kleine Scheißer mich betrügen

Egal egal egal. Egal egal egal
Egal egal egal. Egal egal egal

Eine Antwort auf „11. Mai 2018

  1. kid37 – 13. Mai, 00:07
    Gestreiftes Kleid! Das ist ja die extended Version des Ringelhemds. (Rest klingt auch super!)

    g a g a – 13. Mai, 01:55
    Absolut. Man muss immer weiterdenken. Textile Evolution.

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