Neunzehnhundertfünfundsechzig war schon ein super Jahr. Meine Geburt hat damals unwahrscheinlich viele Künstler zu Höchstleistungen inspiriert. Nie haben Backroundsängerinnen heißer performt, wie in dieser schönen Aufnahme von Bo Diddley. Ich weiß gar nicht, ob man das vor 22 Uhr senden darf (2:25!) Oder „I got you, Babe“ von Sonny & Cher, eine unverschlüsselte Wilkommensbotschaft anlässlich meiner Erdenankunft. Ganz pünktlich dann zum ersten September, The Rolling Stones auf Platz 1 der Britischen Charts mit Satisfaction. Ist jetzt nicht mein Lieblingslied der Gruppe, auch den etwas unbefriedigenden Textzeilen und der etwas eintönigen Melodie geschuldet, aber die Absicht zählt. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul! Am 3. November 65 legten sie dann noch mal nach mit „Get off of my Cloud“. Auch wieder eher störrische Reime, die aber letztlich eine doch irgendwie auch recht passende Anspielung auf meinen etwas eigenbrötllerischen Charakter darstellen, der sich dann nach zwei Monaten schon deutlich abgezeichnet hat. Hier lag keine Opportunistin in den Windeln, das Kind machte gerne sein eigenes Häufchen. Hat sich im Grunde nicht viel verändert. Die Beatles waren dann im Oktober und November mit Help! auf Nummer Eins. Hilfe war sicher von Nöten, um mit mir fertig zu werden, aber das lag an meiner schnellen Entwicklung, ich wollte raus aus diesem langweiligen Baby-Dasein mit gefüttert- und gewickelt werden und endlich alleine die Welt erkunden, es konnte mir gar nicht schnell genug gehen! Immer dasselbe Kinderbettchen, immer dieselben Eltern, mir war langweilig! Geht mir heute immer noch so, ich bin ganz schwer für Wiederholungen zu interessieren. Außer so Sachen, die mit Genuss zu tun haben. Ich kann zum Beispiel immer wieder gerne einen absoluten Spitzen-Bordeaux oder -Champagner trinken, das wird mir einfach nicht langweilig. Auch Schlafen gefällt mir immer wieder ausgezeichnet. Oder Wiener Schnitzel könnte ich auch mindestens dreimal die Woche essen. Mache ich zwar nicht, aber ich könnte! Also offensichtlich liebe icih bei körperlichen Genüssen die wiederholte Spitzenqualität, aber wenn es ins Geistige oder Künstlerische geht, habe ich leichte Probleme, mich – zumindest in zu kurzen Abständen – für ein identisches Angebot zu begeistern. Andererseits kann ich daheim ganz viele Lieder immer wieder hören, aber ich wollte jetzt nicht jede Woche zum Konzert von dem gleichen Künstler gehen. Stimmt da irgendwas nicht mit mir? Ich denke, es ist wohl einfach nur ein Schutzmechanismus, um die Lebenszeit nicht zu verplempern und die maximale sinnliche Bereicherung sicherzustellen.

auch super: Taufkleid mit echten Rosen! (Foto mit Patentante Anna, nicht meine Mama!)

3 Antworten auf „03. April 2018

  1. arboretum – 5. Apr, 16:29
    Mit Ihnen ist alles in Ordnung.

    So ein Foto im Taufkleid und echten Rosen gibt es von mir übrigens auch, nur liege ich schlafend im Stubenwagen.

    g a g a – 5. Apr, 18:15
    Dann war das vielleicht DER Taufkleid-Trend in Sixties? Vielleicht hat irgendein royaler Sprössling seinerzeit die Mode aufgebracht…. eventuell die kleine Stephanie von Monaco oder so. Die war ja ein bißchen früher dran mit der Taufe.

  2. arboretum – 6. Apr, 10:35
    Zumindest nicht in meinem Fall, schon meiner älteren Schwester Amaryllis legte meine Mutter nach der Taufe Rosen in den Stubenwagen, sagte sie. Das Taufkleid hatte vermutlich meine Urgroßmutter zur Geburt meiner ältesten Cousine genäht, wie auch die Enkelkinder vor mir schon in diesem Stubenwagen lagen. Innen war an der Kante eine Borte, in dem meine Großmutter nach und nach alle Namen ihrer Enkel einstickte, mit Blümchen. Als die ersten Urenkel kamen, wurde es dann irgendwann zweireihig.

    Da meine ältere Schwester nur fünf Monate älter ist als eine unserer Cousinen, wurde Amaryllis bei unserer Großmutter kurzerhand in einen Wäschekorb verfrachtet, als meine Mutter im Krankenhaus lag und ihre ältere Schwester wieder den Stubenwagen für ihr nächstes Kind beanspruchte und einfach nach Bonn mitnahm, obwohl es noch gar nicht auf der Welt war. Von Amaryllis im Wäschekorb-Bett gibt es auch ein Foto.

    g a g a – 6. Apr, 18:42
    oh….! Grandios…. vielleicht ist es ja auch eine ganz alte Tradition, die nicht bei allen Familien überlebt hat. Über dieses Taufkleid mit den eingestickten Enkelnamen kann man ja einen Film drehen. Einen Mehrteiler! Ich werde es gleich Regina Ziegler vorschlagen!

  3. arboretum – 7. Apr, 01:05
    Die Namen sind nicht im Taufkleid eingestickt, sondern auf einer Borte im Stubenwagen. Und das ursprüngliche Taufkleid der Familie, in dem frühere Generationen getauft wurden, konnte natürlich nicht gerettet werden, deshalb nähte meine Urgroßmutter in den 1950ern ein neues.

    g a g a – 7. Apr, 13:23
    oh, ich habe nicht ordentlich gelesen, das stand da schon. Dann wird es eben ein Mehrteiler über den Stubenwagen!

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