Lüül & Bock im ersten Stock

Jenny kam gegen Viertelneun zu mir und wir tranken ein Glas auf das neue Jahr. Kleine Führung, das geht ja schnell bei einer Wohnung mit zwei Zimmern. Ein Schlafzimmer darf eine dunkle Höhle sein, wir sind uns da einig. In Jennys Mini zum Savignyplatz. Weil sie so viel quatschte und ich auch nicht auf den Weg achtete, fuhren wir zu weit, waren schon an der Oper, dann wieder zurück. Ich erzählte ihr die seltsame Geschichte, wie ich einmal im Brautmodengeschäft am Kudamm war, in der Abteilung für Abendkleider wohlgemerkt, und mit der Fachverkäuferin verhandeln musste, bis mir gestattet wurde, die Kleider ohne ihr Beisein anzuprobieren. Ich will mich nicht vor einer fremden Frau, und sei sie noch so nett, splitterfasernackt ausziehen. Von dem Erlebnis gibt es auch einen Blogeintrag, hier. Jenny war auch mal in dem Geschäft, anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester und trotzdem hatte sie kein Déjà vu, als ich ihr erzählte, dass die geneigte Braut sich mit Begriffen wie „Prinzessinnen-, Meerjungfrau- oder Cinderellakleid“ vertraut machen sollte, bevor sie den Laden betritt, um sich vor der Fachverkäuferin nicht zu blamieren und einen schlecht vorbereiteten Eindruck zu hinterlassen. Aber das soll alles nicht Thema dieses Eintrags sein, sondern dass wir uns dann doch irgendwann, und nicht einmal so unpünktlich in der Galerie Premier Etage über dem Brel einfanden, wo Lüül und Bock im ersten Stock ihren zweiten literarisch musikalischen Salon zelebrierten. Diesmal war Ahne zu Gast. Ich habe ihn um die Jahrtausendwende ab und zu bei den Surfpoeten gesehen, als sie noch hier um die Ecke in einem Lokal in der Großen Hamburger Straße auftraten, Name vergessen. Und noch mal im Kaffee Burger, da gibt es auch Fotos, lange her. Er führt immer noch interessante Gespräche mit unserem Schöpfer. Später kam noch Ina dazu, sie war vorher bei einer Tango-Veranstaltung und wir ließen uns noch lange an einem Tisch nieder und erzählten. Gespräche, weit entfernt von Small Talk. Zu dritt geht das noch. Wären wir mehr gewesen, hätte es sich vielleicht nicht so entwickelt. Aber vielleicht liegt es auch an den beteiligten Personen. Ich denke gerade an einen Abend, an dem auch eine Reihe Freunde zugegen waren, die durchaus gerne gehaltvolle Gespräche führen. Aber sobald ein, zwei dabei sind, die mit Kalauern anfangen, passen sich viele an, man pflegt Small Talk, um eine Art Party-Leichtigkeit sicherzustellen, die mich auf Dauer aber massiv langweilt, wenn es überhand nimmt. Ich glaube nicht, dass man mir vorwerfen kann, dass ich zum Lachen in den Keller gehe, aber ich habe gerne eine gewisse geistige Dynamik, wenn ich mich schon darauf einlasse, Lebenszeit mit Trinken, Reden und Rauchen zu verbringen. An diesem Abend spielte Lüül ein paar neue Songs, er arbeitet an Aufnahmen für ein neues Album. Ich war sehr gerührt von seinem Auftritt. Er spielte auch am Klavier. Eines hieß glaube ich Hohe Wellen. Das war sehr zu Herzen gehend. Wir brachen so gegen Drei Uhr auf und Ina brachte mich nach Hause. Wir redeten noch eine Weile im Auto. In der Reihe der Bilder ist auch ein Foto, das Ina gemacht hat, von Jenny und mir. Dieser Salon ist auch deshalb so schön, weil der Ort so eine schöne Atmosphäre hat. Unter einer Ankündigung auf facebook von Thilo Bock, in der er schrieb: „Morgen sind Lüül, Ahne (Zwiegespräche mit Gott) und ich mal im Westen zugange. Geht mit uns!“ schrieb ich: „in einem der schönsten, schummrigsten, elegantesten (Raucher-)Etablissements des alten Westens am zauberhaften Savignyplatz. Einem sehr schönen Ort für Genießer und Hedonisten.Ich werde da sein. (diese Einlassung nur, um der protestantischen Anmutung der Ankündigung entgegenzuwirken!)“ Ahne schrieb mir ins Buch: „Ick kenn ma nich mit Schauspielerinnen aus, aba du bist knorke!“ Vielleicht ahnt er ja mehr als ich, letzten Endes führt er ja dauernd Zwiegespräche mit Gott. Ich natürlich auch, aber man ist ja ein wenig betriebsblind.




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