Wie oft müssen diese Glen Campbell-Songs in meiner Kindheit im Radio gespielt worden sein, dass ich sie nach fünfundvierzig oder mehr Jahren zum erstem mal wieder höre und mich kein Ton überrascht. So vertraut. Gentle on my Mind„, 1967. Da war ich zwei. Witchita Lineman„, 1968. Ich war drei. Rhinestone Cowboy„, 1975, gerade zehn. Ich kann nicht einmal sagen, ob mich die Songs so rühren, weil sie eine versunkene Ära wachrufen, oder ob sie wirklich richtig gut sind. Doch, ich kann es erkennen. Da stimmt ganz viel, bei den durchaus gefälligen Arrangements und bei seinem Gesang. Das ist Geschichten erzählen, Story Telling, ganz unaufgesetzt. Und ohne Ironie, der großen Mode unserer Zeit, der ich überdrüssig bin, die mich nicht bereichert, nicht weiter bringt. Nicht wärmt. Nicht reifer macht. Nicht weiter macht. Nichts heilt. Nur für ein kurzes Grinsen reicht, kein zartes Gefühl. Ironie hatte Ende der Sechziger keinen Platz in persönlichem Liedgut. Hingabe und Sentimentalität waren selbstverständlich. Gefühlsduselei. Und nicht kitschig, nicht in seinem Fall. Glen Campbell war ein guter Musiker und Sänger, glaubwürdig im Ausdruck Ich höre das. Ich höre Versteckspiel und Maskeraden und Absicht … und bin verstimmt. Aber nicht bei Campbell. Ich hatte auch völlig vergessen, wie er aussieht, und dass er selbst Gitarre spielt. Gute Figur auch, ganz nebenbei. Und ein freundliches, sanftes Wesen, das sich im Gesicht spiegelte. Gestern, am 8. August 2017 starb er. Ich kriege ganz viele Nachrichten nur mit, wenn ich auf gmx gehe, um Mails abzurufen. Auch das manchmal nur alle zwei Tage… Schönes Lebenswerk, Mr. Campbell. Adios. Rest in Peace.

3 Antworten auf „09. August 2017

  1. oh ja. Die Arrangements der Songs von Campbell von damals haben für mein Empfinden so eine ganz besonders heimelige Qualität, wie eine warme Wanne oder knisterndes Kaminfeuer. Man steht innerlich im Sonnenuntergang. Und noch ein paar andere Easy Listening-Sachen aus der Ära. Das ganze Burt Bacharach-Werk mit Dionne Warwick, B. J. Thomas (Raindrops Keep fallin‘ on my head…) u.s.w. oder auch Tony Christies „Tie a yellow ribbon on the old oak tree“. Ganz starke Zeitmaschine. Ich bin da sehr empfänglich.

  2. Lightfoot tourt auch noch, habe ich eben gesehen. Ich hielt ihn wegen seines leichtfüßigen Nachnamens damals für einen Native American, ich wusste ja auch nicht, wie er aussieht, doch sein Nachname stammt wohl aus dem Schottischen.

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