Bloggen ist durchaus Arbeit. Auch ohne Markenbotschafter-Auftrag. Wir alten Recken frickeln an der Reihenfolge von Bildern und Absätzen und feilen und setzen elegante Links. Veröffentlichen und lesen mit den Augen des anderen und ein Kommafehler springt einem ins Auge. Eine Doppelung einer Formulierung, beim rasanten Tippen übersehen. Selbst Einträge, die völlig ohne Text dastehen, werden nochmal angefasst, die minimale Bildunterschrift geändert, man will keinen Umbruch, oder die kleinere Typo ist doch schöner. Überlegungen und Aktivitäten, die Facebook-Postern für immer ein Rätsel bleiben werden. Die Prägung hat bei mir Einzug bei fb gehalten. Nicht einmal da ist es mir schnurz, mit welchem Teaser-Bild die Verlinkung erscheint. Oder wie der Rhythmus der Reihenfolge getaggter Personen ist. Detailverliebt wird editiert. Das Bescheuerte bei facebook ist, dass der Bearbeitungsverlauf gezeigt wird. Ich empfinde das als indiskret. Die Begründung ist in gewisser Weise nachvollziehbar, wenn jemand z. B. ein politisch korrektes Bikini-Mädchen gepostet hätte, das dreitausend Likes bekommt und der Eintrag dergestalt editiert würde, dass das Bikini-Mädchen-Foto durch ein Foto von Adolf Hitler in der Badehose ersetzt wird, würde rückwirkend die Absicht der Likenden torpediert. Man kann in dem Fall das Posting löschen und ein Neues fabrizieren. Wenn dann schon Kommentare oder Likes darunter gewesen wären, die einem lieb sind, sind die dann natürlich weg. Luxusprobleme am Sonntagabend. In Wahrheit treiben mich natürlich ganz andere Dinge um, aber die sind zu sensibel, um hier breitgetreten zu werden. Wenn ich beschreiben sollte, wie es in mir aussieht, wünsche ich mir als erstes Hilfsmittel eine Zeitmaschine. Ich würde fünf bis zehn Jahre vorspulen. Oder noch mehr. Allerdings hat die Zeit auch immer wieder gebracht, dass der Zeitpunkt, an dem etwas sagbar geworden ist, ein Punkt in der Entwicklung war, an dem das was einen umtrieb, derart an Gewicht eingebüßt hat, dass man dann aus Gründen der Irrelevanz keine Energie darauf verwendet, einen Text darüber zu schreiben. Vielleicht sehr, sehr viel später, wenn sich die Dinge über Jahrzehnte relativiert haben und ihren Platz finden im großen Archiv. Dann zieht man vielleicht irgendwann eine knarzende Schublade auf und hält ein Fundstück aus der Vergangenheit gegen das Licht und ertappt sich dabei, wie ein zärtliches Gefühl in einem aufsteigt. Ganz friedlich. Und erinnert sich vielleicht doch. An all die Bilder. Und das Herzblut.

3 Antworten auf „02. Juli 2017

  1. Oh, das habe ich damals ganz übersehen. Das stimmt aber sehr genau – Bloggen ist Arbeit. Vor allem in den Details, dem Editorischen. Das ist so ein bißchen wie Rosenschneiden. Man knipst hier ein wenig weg, bindet dort was zusammen. ich z.B. trage immer einen Strohut beim Bloggen – und Gärtnerhandschuhe.

  2. <3
    (besonders geeignet als Lektüre für schlaflose Nächte… da die meisten Einträge nach Einbruch der Dunkelheit entstanden und entstehen…)

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