„Wie ich einmal im Brautmodengeschäft war“ könnte der Eintrag heißen, den ich hier nun zu posten gedenke. Habe eben bei kid37 kommentiert und derlei persönliche Bekenntnisse gehören auch hier verewigt. Kid erwähnt in seinem letzten Eintrag, dass er unlängst bei einem Wienbesuch neben einem Hochzeits- organisationsgeschäft gewohnt hat. Um meinen Kommentar zu verstehen, muss ich den Absatz aus seinem Eintrag hier einfügen, sonst ergibt das ja alles gar keinen Sinn:
„Nun kam es so: Letztes Jahr wohnte ich in Wien neben einem Hochzeitsorganisationsgeschäft und dachte, ach, das trifft sich ja zufällig gut, vielleicht bewirkt das was. Einfach mal im Leben etwas Neues ausprobieren! Ich lungerte also dort meine freie Zeit herum, steckte mir wohl auch ein rotes, aus einer Blumenbinde-fachzeitschrift geschnittenes, rotes Herz ans Revers, aber unter den jungen heiratsfähigen Wienerinnen wollte sich seriöserweise nichts ergeben. Über eine ganze Stunde stand ich dort, wie ein Tor oder ein Schauspieler aus dem Volkstheater, der ein burleskes Stück aufführt. Na, schönen Dank und Servus.“
Daraufhin ich:
„Die geschilderte Situation bei dem Hochzeitsorganisations-geschäft – ich hätte da eine Erklärung. Die jungen Frauen, die dort mit offenen Augen eintrudeln, haben glaube ich überwiegend schon einen Bräutigam. Oft kommen die Damen auch in Begleitung der Frau Mutter oder der jüngeren Schwester oder Cousine oder alle auf einmal. Auch die stehen und sitzen mit weit aufgerissenen Augen im Geschäft, aber an einem solchen Ort ist die holde Weiblichkeit derart von Spitzen, Rüschen und Schleiern vernebelt, dass keine Aufmerksamkeitskapazitäten mehr für profane Dinge wie fremde Männer übrig sind. Ich war neulich im Januar das erste mal in meinem Leben selbst in so einem Geschäft. Möglicherweise auch das letzte mal. Allerdings wollte ich nur ein tolles Partykleid, diese Brautgeschäfte haben da ja ganz oft so eine Partykleider-Abteilung als Zubrot. Ich habe viele lange Roben anprobiert, sehr interessante Erfahrung, wenn die Verkäuferin zwingend darauf besteht, mit in die Umkleidekabine zu kommen und beim Anziehen zu helfen. Ich habe es abgelehnt, sie ist meinem Wunsch nur ungern nachgekommen, das war etwas anstrengend, obgleich eine sehr charmante Fachkraft. Es war das eine oder andere Oscar-kompatible Modell dabei, aber ich habe dann doch nichts erstanden. Tolle Ausstattung in dem Geschäft, KuDamm Ecke Joachimsthaler. So eine Drehplatte mit einer lebendigen Braut drauf, die gerade ein Kleid anprobiert hat, rundherum in Plüschsesselchen der weibliche Familienanhang, ca. zehn Damen. Schon eine interessante Parallelwelt.“
17-01-13 Romain 30 (5)
Nun ist der Vollständigkeit halber noch hinzuzufügen, dass ich anschließend in einem anderen Geschäft schräg gegenüber war, wo ich alleine anprobieren durfte und auch gleich zwei – allerdings kurze – Partykleider erstanden habe. Eines davon hatte ich dann an. Goldener Brokatstoff mit eingewirkten dunkelgrauen Arabesken. Gut, dass ich keine der Oscar-Roben genommen habe, ich wäre bei der Party hoffnungslos overdressed gewesen.
17-01-13 Romain 30 (89)
Gibt es da eigentlich einen deutschen Begriff dafür? „Unverhältnismäßig herausgeputzt“? Aber eines muss ich doch sagen, wenn die Verkäuferinnen nicht wären, und man da frei agieren könnte, wäre es schon noch einmal interessant, einen ganzen Tag in der Partykleiderabteilung zu verleben. Also vom Brautmodengeschäft. Auch für die Brautmutter gibt es herrliche Ensembles aus Etuikleid und edlem Kurzmäntelchen aus herrlichen Stoffen, die ich mir auch gut an mir unter der Woche vorstellen könnte. Bei den Brautkleidern habe ich aber nicht geschaut. Da fehlt einfach der Grund. Wenn ich jemals heiraten sollte, traue ich mir auch zu, dass ich einen weißen Smoking mit Zylinder anziehe. So ein Kaffeekannenwärmer-Kleid ist nicht mein Ding. Wenn Kleid, dann ganz schmal geschnitten. Figurbetont und ohne Schnickschnack. Es soll ja nichts von mir ablenken!

7 Antworten auf „03. Juni 2017

  1. Da fällt mir gerade auf, hat unsere Dani nicht in einem güldenen Kleid ihren Heiratsantrag von ihrem Lucas bekommen? Ich jedenfalls habe an jenem Abend kein solches Ansinnen mitgeteilt bekommen. Nicht, dass ich zu irgendjemandem der dort war, hätte JA sagen wollen, aber man wird einfach gerne gefragt. Futter für’s Ego! Ich denke mir ja meinen Teil, wenn mich wieder jemand nicht gefragt hat. Die sind praktisch gleich auf der Abschussliste. Bin ich knallhart! Zu dem beruflich bezogenen Ball würde ich mitgehen, ich wäre sogar dafür zum Äußersten bereit (also ein weiteres mal in so ein Geschäft zu gehen). Ballkönigin war ich nocht nicht, das ist auf der to do-Liste! Als solche würde ich selbstverständlich als Einzige keine gedeckten Goretex-Stoffe tragen. Man soll schon den Unterschied zu den anderen erkennen!

  2. Vollkommen richtig. Ich war wohl unkonzentriert, als ich das getippt habe. Natürlich ein Anzug mit (meinethalben creme-)weißem Frack und Zylinder. Aber ich hätte schon gerne so ein bißchen Satin auf dem Revers und diese seitlichen Satin-Streifen, wie man es vom Smoking kennt. So eine ganz aparte Sonder-Anfertigung. Den Mann dazu sollte ich mir idealerweise auch gleich in diesem Premium-Atelier anfertigen lassen. Es soll ja alles zusammenpassen!

  3. Ob Fred und ich denselben Männergeschmack haben könnten, habe ich mir noch nie überlegt. Das ist ja ein geradezu akrobatischer Gedankengang.

    Ich weiß allerdings, dass ich einen (in meinem fortgeschrittenen Alter nicht geringer werdenden,) gewissen Wert auf Körperbeherrschung und dynamische Sprungkraft lege. Er soll mir ja die süßesten Früchte pflücken können, die ganz oben hängen. Auch geistige Dynamik ist wünschenswert. Das dynamische Gesamtpaket muss stimmen. Rhythmusgefühl ist auch erfreulich. Und Eloquenz ein Muss! Bitte keine Anti-Alkoholiker. Ich möchte bei der Hochzeit nicht mit Kamillentee anstoßen. Und bitte keine Zuschriften von geizigen Männern. Ich sorge für mich selbst und bin mit mir selbst auch großzügig und möchte das nicht ändern, aber auch nicht zu Hundert Prozent immer alle Rechnungen übernehmen müssen oder hochgezogene Augenbrauen vom Kellner ernten, wenn ich mir ein Fläschchen Dom Perignon bestelle und mein Begleiter nach einem Sonderangebot fragt. Das sind alles so Detailfragen, die am Ende das Eheglück gefährden!

  4. ich bin im tiefsten Herzen auch für Kleid. Man sieht mich viel zu selten in Abendroben! Schon deswegen. Wobei, ich könnte mich ja mehrmals umziehen, an diesem besonderen Tag, von dem wir noch nicht wissen, ob er jemals kommen wird! Die hatten in dem Partykleiderladen wirklich tolle Modelle. Das letzte, das ich anhatte, hätte ich fast gekauft, wenn es eine andere Farbkombi gehabt hätte. Es war cremefarbener bodenlanger Stretch, ganz körperbetont und auf den Seiten Paillettenstreifen in Gold. Mit langen, eng anliegenden Ärmeln. Man sah ein bißchen wie eine Oscar-Statue darin aus. Ich mag Creme und auch Gold, aber exakt dieses Modell hätte in Schwarz mit Silber-Pailletten sein müssen, dann wäre es perfekt gewesen und ich hätte es gekauft!

  5. Auf jeden Fall ein Kleid. Überlassen Sie den Smoking dem künftigen Bräutigam, sonst stehlen Sie ihm darin womöglich noch die Show.

    Meine jüngere Schwester Rosarium und ihr Ehemann Kaktus waren 2009 mal in China zu einer Hochzeit eingeladen. Die Braut zog sich sieben Mal um, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Eine chinesische Hochzeit würde ich Ihnen jedoch nicht empfehlen wollen, nicht nur wegen der Hühnerfüße, die serviert wurden.

  6. Sieben ist zwar eine schöne Zahl, aber das wäre mir dann doch zu anstrengend. Da muss ja auch immer der Rest abgestimmt werden. Im Turbo-Verfahren braucht man selbst bei akribischer Vorbereitung eine knappe Stunde, um im neuen Outfit picobello dazustehen. D. h. sieben Stunden alleine für Ausziehen, Anziehen, Frisieren, Schminken, Zubehör pipapo. Ach nein. Wir wollen mal die Kirche im Dorf lassen. Der Mann an meiner Seite sollte schon auch mit mir Schritt halten können, sonst könnte man ja gar keine passablen gemeinsamen Fotos machen. Das wäre ja eine Tragödie. Aber ich muss unbedingt Mitspracherecht haben, was das Styling des Mannes an meiner Seite an diesem Tag angeht. Eigentlich auch sonst, wenn er da etwas orientierungslos sein sollte.

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