17-02-01 Totem (19)
Lesezeichen. Ich erkläre, was es bedeutet, wenn ich bei meinen Einträgen am Anfang „Lesezeichen“ schreibe und einen Beitrag verlinke. Im Grunde völlig simpel, das ist ein Lesezeichen für mich, wo ich gerade bin, beim Copypasten, Rüberschaufeln von facebook nach twoday. Das Lesezeichen ist die Stelle, wo ich gerade bin und in den folgenden Tagen oder Wochen weitermachen werde. Irgendwann muss es ja aufhören. Ich sehne den Tag herbei. Und andererseits hat es eine besondere Qualität zu begreifen, was die Tage eines Jahres ausgemacht haben. Dieses ist beinah schon wieder zur Hälfte vorbei. Ich kann es kaum fassen. Als ich irgendwas zwischen zehn und zwanzig war, erschien es mir unvorstellbar, dass die Zeit eines Tages schneller vergehen sollte. Mir erschienen alle Jahre unendlich lang. Vielleicht weil man als Schulkind den endlos erscheinenden Unterricht so verinnerlicht hat. Der verlängert die Zeit ungemein. Überhaupt ja jede Situation, in der man sich langweilt. Wenn man älter ist, kann man dann doch besser haushalten und einiges selbstbestimmter regeln. Ich fand (Schul)kind sein, nicht besonders frei. Auf ein erwachsenes Leben habe ich mich immer halb gefreut, halb hat es mir Angst gemacht. Wo sollte nur das Geld herkommen. Herrje. Vom aus dem Fenster träumen würde man wahrscheinlich keine Wohnungsmiete bezahlen können. Es hat sich ganz gut gefügt, zu meiner eigenen Überraschung. Wie bin ich darauf gekommen… die Zeit. Die Zeit. Die gottverdammte, kostbare Zeit. Ich bin recht geizig mit meiner Zeit. Oder auch bewusst, wie man es nimmt. Ich gehe nicht irgendwo hin, weil mir gerade langweilig ist. Alles mit Bedacht. Immer wieder große Überraschung, wenn ich jemandem sage, dass ich selten ausgehe. „Wie? DU? Du bist doch ständig unterwegs.“ Nein. Ich gehe eher selten aus. Im Vergleich zu anderen. Es kommt vor, dass ich zwei Wochen oder mehr, überhaupt nicht ausgehe. Mit Ausgehen meint man ja immer am Abend, sich mit Freunden etc. treffen. Nun kenne ich eben auch schon sehr viel, hier in Berlin. Leute, Kneipen, Bars. Gespräche. Palaver. Small Talk. Ich bin immer offen für sehr inspirierende Gespräche, die das Potenzial haben, tiefer zu schürfen oder mich sogar in irgendeiner Weise zu provozieren, aber dieses gewisse Plätscher-Plätscher-Gelaber, das über Party-Konversation nicht hinauskommt, interessiert mich nicht. Ich mag persönliche Offenbarungen, visionäre Gedankengänge. Die Regungen und Bewegungen im Herzen und im Kopf. Und wie sie zusammenpassen. Und miteinander kämpfen.

Eine Antwort auf „02. Juni 2017

  1. hm…. außer in Warteschleifen. Die man aber meist ganz gut nutzen kann. Vielleicht liegt es auch daran, dass man als Kind nicht in der Lage ist, sich vorzustellen, dass das eigene Leben endlich ist, oder man je erwachsen wird. Erwachsene erscheinen so unterschiedlich, als wären die großen Leute von einer anderen Rasse, einem anderen Stern. Und sind sie ja auch irgendwie. Meine Kindheit ist in meiner Erinnerung ganz stark durchsetzt von stetigen Anweisungen, was zu tun und zu lassen ist, was noch nicht gut genug ist, was zu lernen sei. Und alles nicht sehr spielerisch vermittelt. Eigentlich gar nicht. Aber das ist ein Thema, das Fass möchte ich jetzt gerade gar nicht aufmachen. Auch alles so lange her. Bin nur heilfroh, dass ich nicht in der Gosse gelandet bin, bei meiner ausgeprägten Verweigerungshaltung in jungen Jahren. Ich hatte immer das Gefühl, ich müsste mich rächen, Wiedergutmachung durch maximales Freiheitsstreben.

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