27. Juni 2015



MEINE ZEIT IST GEKOMMEN, WENN SIE WIEDER SO ZUM LACHEN IST DASS ES SICH LOHNT, DRITTE ZÄHNE ANZUSCHAFFEN steht da oben. Wolfgang Neuss hat das geschrieben. Vielleicht nicht direkt persönlich an die Wand vom Ex und Pop, aber in seinem kleinen Zimmer in der Ufa-Fabrik, unweit entfernt, in Tempelhof. Das war der Abend, dem mein lauschiger Ausflug zur Liebermannvilla, zum Großen Wannsee und zum Kleinen, mit dem Kleistgrab vorangegangen war. Ein extremer Tapetenwechsel, der als erste, aber nicht letzte Station den Besuch in einer kleinen Galerie in Neukölln hatte, wo der liebe Bloggerfreund Sebastian Rogler eine ausgiebige Serie kleinformatiger, liebevoll gerahmter Fotografien gemeinsam mit einem befreundeten Fotografen zeigte. Da passte kein blumenreicher Wannsee-Sommerfrische-Mantel und ich wusste sicher, dass ich mich dafür umziehen würde. Irgendwas Urbaneres. Aber erst einmal ein schönes Fußbad und ein bißchen ins Internet.

Und essen und trinken und sich in Ausgehstimmung bringen. Das ist nicht so selbstverständlich gegeben, wenn man vorher viele, viele eindrucksvolle Stunden unterwegs war. Eine Ausstellung von jemandem, den man kennt und mag zu besuchen, bringt mich teilweise in ein Dilemma. Wenn man nichts weiter mit dem Künstler zu schaffen hat, geht man halt hin und nach ein, zwei Gläsern auch wieder weg, weiter oder heim, ohne auf die Idee zu kommen, sich bei irgendjemandem entschuldigen zu müssen, dass man nicht drei bis fünf Stunden am selben Ort bleibt. So lange braucht man ja auch im Allgemeinen nicht, um eine Reihe von Bildern anzuschauen und ein bißchen zu plaudern, falls es sich überhaupt ergibt. Aber da war ich von vorneherein so befangen, dass ich mir dachte, es ist ohnehin besser zu handhaben, wenn ich eher spät als früh hingehe, weil ich dann zum einen ein bißchen erholter von dem langen Ausflug wäre, und zum anderen zeitlich näher an der „…noch-wo-was-trinken“-Phase, die den Künstler mit einschließt.

Ich bin auch ein unruhiger Typ, wenn ich in so Galerien unterwegs bin. Früher, als ich mich öfter bei solchen Gelegenheiten unter die Leute gemischt habe, war ich oft mit Jan unterwegs, der es auch gerne hat, in Bewegung zu bleiben und oft den Ort zu wechseln. Es sei denn, man hätte eine Einladung, die mit einem Essen verbunden ist, aber das ist ja was ganz anderes. Also ich zog mich in aller Ruhe um und entschied mich für den schwarzen Lackmantel, den ich im Bikini aufgegabelt hatte und der bei der Berliner Fashionweek mitlaufen durfte. Der Gürtel ist auch aus dem Bikini, von einem Designer im Erdgeschoss, der neben Lampen auch Gürtel aus alten Reifenmänteln und Zahnrädern von ausrangierten Fahrrädern bastelt, lauter schöne Einzelstücke. Ich finde, ich kann an der Stelle ein bißchen ins Detail gehen, denn die Ausstellung hatte ja immerhin was mit Mode zu tun. Es war schon sehr spät, als ich hin bin, das ist nicht von der Hand zu weisen.


Es war fast schon dunkel. Ein Schimmer der blauen Stunde lag noch in der Abendluft, als ich die Emser Straße in Neukölln entlangstapfte. Eigentlich eine nicht unvertraute Gegend, weil in einer der Parallelstraßen mein Atelier ist, wo ich leider allzu selten tätig bin, in den letzten Jahren. Aber ich habe mich immer schon wenig in den angrenzenden Straßen aufgehalten, wenn ich schon einmal dort war. Leuchtturm Neukölln stand über dem kleinen Ausstellungsraum mit großer Glasfront und von Drinnen leuchtete grelles Neonlicht. Die noch verbliebenen Gäste standen fast ausnahmslos auf dem inzwischen dunklen Gehweg vor der Tür und viele rauchten und hatten ein Bier in der Hand. Ich erkannte Sebastian schon von weitem, er unterhielt sich angeregt mit zwei oder drei Frauen, andere Grüppchen unterhielten sich ebenfalls angeregt. Ich kannte niemandem außer Sebastian, was schade war, denn ich hatte gehofft, wenigstens zwei oder drei Bloggerinnen anzutreffen, Anousch oder Anne oder Kitty Koma.

https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=1811922554

Aber nix da. Die waren entweder nicht da oder schon wieder weg. Wie blöd! Ich ging nach innen und schaute mir die Werke, zum Teil auch erotische an. Ich kam sehr gut durch, weil ja mehr oder weniger alle draußen standen und fand im hinteren Bereich eine Nische, wo es Bier und Wein und ein Körbchen für die Geldscheine gab. Eine andere Frau hielt mit mir Ausschau nach jemandem, der die Getränke verkaufen könnte, aber da war niemand, so habe ich kurzerhand entschieden, das Geschäft selbst in die Hand zu nehmen. Auf einem Kärtchen stand glaube ich der Getränkepreis und so bedienten wir uns und legten das Geld brav ins Körbchen. Ich nahm ein Bier. Als ich wieder hinaus ging, kam ich mit einem bärtigen, nicht unattraktiven Mann ins Gespräch, der sich an mich von der Republica im letzten Jahr erinnerte, ich mich aber nicht an ihn, was mir ein bißchen peinlich war. Er plauderte von der diesjährigen Republica, wo ich ja nicht war, und hatte viel Lobendes zu berichten, als zu später Stunde Elvira, die früher als Saoirse auf twoday gebloggt hat, mit ihrem Mann des Weges kam.

Wir haben früher manches Geburtstagsfest zusammen bei ihr gefeiert, auch schon wieder lange her. Wir freuten uns beide über das Wiedersehen und ich klärte sie auf, dass mein allgemeiner Rückzug von Parties und Geselligkeiten nichts mit ihr zu tun hatte, sondern alleine auf mir selbst beruhte. Da war sie leicht beruhigt.

Inzwischen hatte sie geheiratet, auch das war an mir vorbeigegangen, weil ich nicht lückenlos Neuigkeiten meiner facebook-Freunde verfolge. Sie erzählte, dass sie noch eine Einladung von einer Freundin am selben Abend hätte, die im Ex und Pop bei einem Konzert auftritt. Ich war gleich Feuer und Flamme und auch perplex, weil ich dachte, das Ex und Pop würde es gar nicht mehr geben. In den Achtziger Jahren habe ich dort so manche Nacht zum Tag gemacht, es war einer dieser Kultorte, wo es nichts Besonderes war, dass Nick Cave, Blixa Bargeld und Jim Jarmusch neben einem am Tresen standen. Ich erinnerte dunkel, dass es vor dem Standort in der Mansteinstraße zuerst woanders war, irgendwo in Schöneberg. Aber diese neue Adresse, die Elvira hatte, in der Potsdamer Straße, war mir völlig unbekannt. Gerne hätte ich mich auch Sebastian angeschlossen, der noch in eine Bar namens Circus Lemke was trinken ging, um den Abend ausklingen zu lassen. Ich war hin- und hergerissen, am liebsten wäre ich überall hingangen, aber das hätte zeitlich nicht hingehauen. Und so hat die Neugier gesiegt, was aus dem Ex und Pop geworden ist.




Wir nahmen ein Taxi und schon von außen sah es genauso abgerockt aus wie früher. Und drinnen hatte ich auch ein Déjà-vu nach dem anderen. Obwohl andere Räume, anderes Gekritzel, andere Möbel. Es war atmosphärisch und räumlich so sehr ähnlich dem Laden in der Mansteinstraße, dass ich mir ein bißchen wie zurückgebeamt vorkam. Leider aber keine bekannten Gesichter von früher. Ich kam mir fast vor wie ein Dinosaurier und Elvira amüsierte sich über meine verstaubten Erinnerungen. Die Waschräume, also die Klos, waren auch sehr sehenswert. Man hat sich gleich zuhause gefühlt. Vorausgesetzt, man war früher in solchen Läden zuhause. Nur die Livemusik war ein bißchen zu gepflegt und chillig, da hat ein bißchen der Punk gefehlt, aber nett war es trotzdem. Ich kriegte Lust, wieder öfter in solche Läden zu gehen und vor lauter Übermut rauchte ich sogar eine Zigarette, die mir ausgezeichnet schmeckte, ganz mild. Ich glaube eine Gauloise aus ökologischem Anbau oder so ähnlich. Was es eben heutzutage alles so gibt. Ich hatte den Eindruck, dass diese Sorte Gauloise früher irgendwie schärfer geschmeckt hat, also so ein bißchen kratzig. Wie auch immer, ich habe die Zigarette vom ersten bis zum letzten Zug genossen. Wir tranken wieder Bier und nachdem wir einen umfassenden Eindruck vom Repertoire der Musiktruppe hatten, nahm die Umtriebigkeit wieder überhand und wir hatten Lust auf einen Ortswechsel. Und was lag da näher, als das Kumpelnest um die Ecke. Als wir auf der Postdamer an einer Ampel standen, fiel mir auf einmal der gigantische Pfeiler mit dem Jugendstilfrauenkopf auf. Ich war sehr begeistert, mitten auf der nicht sehr attraktiven Postdamer Straße plötzlich so ein schönes Relikt aus alter Zeit zu sehen. Das Kumpelnest kannte ich auch von ganz früher. Mir ist, als wäre ich sogar auf der Eröffnungsparty 1987 gewesen. Ich war aber auch in den Jahrzehnten danach ab und zu mal da. Ich könnte nicht beschwören, dass die ornamentale Auslegware an der Wand noch die originale von damals ist, sie wirkt irgendwie so neu, aber vielleicht haben sie die verräucherten Wände auch einfach mal schamponiert. Wir wackelten stark animiert mit den Hüften, gerade so, dass das Bier nicht überschwappt, und freuten uns an der pinkorangen Lightshow und den gutgelaunten Gästen, die uns umringten. Lauter junge Männer und Frauen, die richtig tanzten. Also auch die Männer. Ein Pärchen war dabei, die hätten direkt bei Let’s Dance antreten können, eine Augenweide. Besonders seine Moves, wie wir Fachleute sagen. So endete der Tag nach einem Ausflug in die heile Welt von Wannsee mit Friede-Freude-Eierkuchen im Kumpelnest 3000. War schön.

27. Juni 2015



MEINE ZEIT IST GEKOMMEN, WENN SIE WIEDER SO ZUM LACHEN IST DASS ES SICH LOHNT, DRITTE ZÄHNE ANZUSCHAFFEN steht da oben. Wolfgang Neuss hat das geschrieben. Vielleicht nicht direkt persönlich an die Wand vom Ex und Pop, aber in seinem kleinen Zimmer in der Ufa-Fabrik, unweit entfernt, in Tempelhof. Das war der Abend, dem mein lauschiger Ausflug zur Liebermannvilla, zum Großen Wannsee und zum Kleinen, mit dem Kleistgrab vorangegangen war. Ein extremer Tapetenwechsel, der als erste, aber nicht letzte Station den Besuch in einer kleinen Galerie in Neukölln hatte, wo der liebe Bloggerfreund Sebastian Rogler eine ausgiebige Serie kleinformatiger, liebevoll gerahmter Fotografien gemeinsam mit einem befreundeten Fotografen zeigte. Da passte kein blumenreicher Wannsee-Sommerfrische-Mantel und ich wusste sicher, dass ich mich dafür umziehen würde. Irgendwas Urbaneres. Aber erst einmal ein schönes Fußbad und ein bißchen ins Internet.

Und essen und trinken und sich in Ausgehstimmung bringen. Das ist nicht so selbstverständlich gegeben, wenn man vorher viele, viele eindrucksvolle Stunden unterwegs war. Eine Ausstellung von jemandem, den man kennt und mag zu besuchen, bringt mich teilweise in ein Dilemma. Wenn man nichts weiter mit dem Künstler zu schaffen hat, geht man halt hin und nach ein, zwei Gläsern auch wieder weg, weiter oder heim, ohne auf die Idee zu kommen, sich bei irgendjemandem entschuldigen zu müssen, dass man nicht drei bis fünf Stunden am selben Ort bleibt. So lange braucht man ja auch im Allgemeinen nicht, um eine Reihe von Bildern anzuschauen und ein bißchen zu plaudern, falls es sich überhaupt ergibt. Aber da war ich von vorneherein so befangen, dass ich mir dachte, es ist ohnehin besser zu handhaben, wenn ich eher spät als früh hingehe, weil ich dann zum einen ein bißchen erholter von dem langen Ausflug wäre, und zum anderen zeitlich näher an der „…noch-wo-was-trinken“-Phase, die den Künstler mit einschließt.

Ich bin auch ein unruhiger Typ, wenn ich in so Galerien unterwegs bin. Früher, als ich mich öfter bei solchen Gelegenheiten unter die Leute gemischt habe, war ich oft mit Jan unterwegs, der es auch gerne hat, in Bewegung zu bleiben und oft den Ort zu wechseln. Es sei denn, man hätte eine Einladung, die mit einem Essen verbunden ist, aber das ist ja was ganz anderes. Also ich zog mich in aller Ruhe um und entschied mich für den schwarzen Lackmantel, den ich im Bikini aufgegabelt hatte und der bei der Berliner Fashionweek mitlaufen durfte. Der Gürtel ist auch aus dem Bikini, von einem Designer im Erdgeschoss, der neben Lampen auch Gürtel aus alten Reifenmänteln und Zahnrädern von ausrangierten Fahrrädern bastelt, lauter schöne Einzelstücke. Ich finde, ich kann an der Stelle ein bißchen ins Detail gehen, denn die Ausstellung hatte ja immerhin was mit Mode zu tun. Es war schon sehr spät, als ich hin bin, das ist nicht von der Hand zu weisen.


Es war fast schon dunkel. Ein Schimmer der blauen Stunde lag noch in der Abendluft, als ich die Emser Straße in Neukölln entlangstapfte. Eigentlich eine nicht unvertraute Gegend, weil in einer der Parallelstraßen mein Atelier ist, wo ich leider allzu selten tätig bin, in den letzten Jahren. Aber ich habe mich immer schon wenig in den angrenzenden Straßen aufgehalten, wenn ich schon einmal dort war. Leuchtturm Neukölln stand über dem kleinen Ausstellungsraum mit großer Glasfront und von Drinnen leuchtete grelles Neonlicht. Die noch verbliebenen Gäste standen fast ausnahmslos auf dem inzwischen dunklen Gehweg vor der Tür und viele rauchten und hatten ein Bier in der Hand. Ich erkannte Sebastian schon von weitem, er unterhielt sich angeregt mit zwei oder drei Frauen, andere Grüppchen unterhielten sich ebenfalls angeregt. Ich kannte niemandem außer Sebastian, was schade war, denn ich hatte gehofft, wenigstens zwei oder drei Bloggerinnen anzutreffen, Anousch oder Anne oder Kitty Koma.

https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=1811922554

Aber nix da. Die waren entweder nicht da oder schon wieder weg. Wie blöd! Ich ging nach innen und schaute mir die Werke, zum Teil auch erotische an. Ich kam sehr gut durch, weil ja mehr oder weniger alle draußen standen und fand im hinteren Bereich eine Nische, wo es Bier und Wein und ein Körbchen für die Geldscheine gab. Eine andere Frau hielt mit mir Ausschau nach jemandem, der die Getränke verkaufen könnte, aber da war niemand, so habe ich kurzerhand entschieden, das Geschäft selbst in die Hand zu nehmen. Auf einem Kärtchen stand glaube ich der Getränkepreis und so bedienten wir uns und legten das Geld brav ins Körbchen. Ich nahm ein Bier. Als ich wieder hinaus ging, kam ich mit einem bärtigen, nicht unattraktiven Mann ins Gespräch, der sich an mich von der Republica im letzten Jahr erinnerte, ich mich aber nicht an ihn, was mir ein bißchen peinlich war. Er plauderte von der diesjährigen Republica, wo ich ja nicht war, und hatte viel Lobendes zu berichten, als zu später Stunde Elvira, die früher als Saoirse auf twoday gebloggt hat, mit ihrem Mann des Weges kam.

Wir haben früher manches Geburtstagsfest zusammen bei ihr gefeiert, auch schon wieder lange her. Wir freuten uns beide über das Wiedersehen und ich klärte sie auf, dass mein allgemeiner Rückzug von Parties und Geselligkeiten nichts mit ihr zu tun hatte, sondern alleine auf mir selbst beruhte. Da war sie leicht beruhigt.

Inzwischen hatte sie geheiratet, auch das war an mir vorbeigegangen, weil ich nicht lückenlos Neuigkeiten meiner facebook-Freunde verfolge. Sie erzählte, dass sie noch eine Einladung von einer Freundin am selben Abend hätte, die im Ex und Pop bei einem Konzert auftritt. Ich war gleich Feuer und Flamme und auch perplex, weil ich dachte, das Ex und Pop würde es gar nicht mehr geben. In den Achtziger Jahren habe ich dort so manche Nacht zum Tag gemacht, es war einer dieser Kultorte, wo es nichts Besonderes war, dass Nick Cave, Blixa Bargeld und Jim Jarmusch neben einem am Tresen standen. Ich erinnerte dunkel, dass es vor dem Standort in der Mansteinstraße zuerst woanders war, irgendwo in Schöneberg. Aber diese neue Adresse, die Elvira hatte, in der Potsdamer Straße, war mir völlig unbekannt. Gerne hätte ich mich auch Sebastian angeschlossen, der noch in eine Bar namens Circus Lemke was trinken ging, um den Abend ausklingen zu lassen. Ich war hin- und hergerissen, am liebsten wäre ich überall hingangen, aber das hätte zeitlich nicht hingehauen. Und so hat die Neugier gesiegt, was aus dem Ex und Pop geworden ist.




Wir nahmen ein Taxi und schon von außen sah es genauso abgerockt aus wie früher. Und drinnen hatte ich auch ein Déjà-vu nach dem anderen. Obwohl andere Räume, anderes Gekritzel, andere Möbel. Es war atmosphärisch und räumlich so sehr ähnlich dem Laden in der Mansteinstraße, dass ich mir ein bißchen wie zurückgebeamt vorkam. Leider aber keine bekannten Gesichter von früher. Ich kam mir fast vor wie ein Dinosaurier und Elvira amüsierte sich über meine verstaubten Erinnerungen. Die Waschräume, also die Klos, waren auch sehr sehenswert. Man hat sich gleich zuhause gefühlt. Vorausgesetzt, man war früher in solchen Läden zuhause. Nur die Livemusik war ein bißchen zu gepflegt und chillig, da hat ein bißchen der Punk gefehlt, aber nett war es trotzdem. Ich kriegte Lust, wieder öfter in solche Läden zu gehen und vor lauter Übermut rauchte ich sogar eine Zigarette, die mir ausgezeichnet schmeckte, ganz mild. Ich glaube eine Gauloise aus ökologischem Anbau oder so ähnlich. Was es eben heutzutage alles so gibt. Ich hatte den Eindruck, dass diese Sorte Gauloise früher irgendwie schärfer geschmeckt hat, also so ein bißchen kratzig. Wie auch immer, ich habe die Zigarette vom ersten bis zum letzten Zug genossen. Wir tranken wieder Bier und nachdem wir einen umfassenden Eindruck vom Repertoire der Musiktruppe hatten, nahm die Umtriebigkeit wieder überhand und wir hatten Lust auf einen Ortswechsel. Und was lag da näher, als das Kumpelnest um die Ecke. Als wir auf der Postdamer an einer Ampel standen, fiel mir auf einmal der gigantische Pfeiler mit dem Jugendstilfrauenkopf auf. Ich war sehr begeistert, mitten auf der nicht sehr attraktiven Postdamer Straße plötzlich so ein schönes Relikt aus alter Zeit zu sehen. Das Kumpelnest kannte ich auch von ganz früher. Mir ist, als wäre ich sogar auf der Eröffnungsparty 1987 gewesen. Ich war aber auch in den Jahrzehnten danach ab und zu mal da. Ich könnte nicht beschwören, dass die ornamentale Auslegware an der Wand noch die originale von damals ist, sie wirkt irgendwie so neu, aber vielleicht haben sie die verräucherten Wände auch einfach mal schamponiert. Wir wackelten stark animiert mit den Hüften, gerade so, dass das Bier nicht überschwappt, und freuten uns an der pinkorangen Lightshow und den gutgelaunten Gästen, die uns umringten. Lauter junge Männer und Frauen, die richtig tanzten. Also auch die Männer. Ein Pärchen war dabei, die hätten direkt bei Let’s Dance antreten können, eine Augenweide. Besonders seine Moves, wie wir Fachleute sagen. So endete der Tag nach einem Ausflug in die heile Welt von Wannsee mit Friede-Freude-Eierkuchen im Kumpelnest 3000. War schön.

19. Juni 2015

Vorhin Anruf von der Charité. „Guten Tag, Charité Berlin, die NaKo. Wir möchten gerne Termine mit Ihnen abstimmen. Sie wurden als Level 2-Probandin gewählt.“
„?“
„Das bedeutet, Sie gehören zu den Probanden*, die eine Ganzkörper-Untersuchung erhalten, einschließlich MRT
Ausgiebige Befragung: Erkrankungen, Operationen, Medikamente.
„Haben Sie Metallteile im Körper?“
„Nein, nicht mehr.“


„Tragen Sie Permanent-Make up?“
„Nein.“
„Sind Sie tätowiert?“


„Noch nicht!“
„Können Sie eine Stunde auf dem Rücken liegen?“
„Ja.“

Wir vereinbaren zwei Termine. Am 31. August 2015 sechs Stunden Komplett-Untersuchung in der Charité im Forschungszentrum in der Luisenstraße und drei Tage später, am 3. September in Berlin Buch, eine Stunde Ganzkörper-MRT.

„Und bitte kein Glitzer-Make up!“


*) 2000 von 10.000 kriegen eine Ganzkörper-Untersuchung, die anderen 8000 nur einfachere Herz-Kreislauf-etc.-Untersuchungen.

21. Juni 2015


https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=1811922554



Laß mich. Du hörst, was ich beschloß, eh würdest du den Strom, wenn er herab von Bergen schießt, als meiner Seele Donnersturz regieren. Ist’s nicht, als ob ich eine Leier zürnend zertreten wollte, weil sie still für sich, im Zug des Nachtwinds, meinen Namen flüstert? Dem Bären kauert‘ ich zu Füssen mich, und streichelte das Pantherthier, das mir in solcher Regung nahte, wie ich ihm. Mein ewiger Gedanke, wenn ich wachte, mein ew’ger Traum warst du. Die ganze Welt lag wie ein ausgespanntes Musternetz vor mir. In jeder Masche, weit und groß, war deiner Thaten eine eingeschürzt. Und in mein Herz, wie Seide weiß und rein, mit Flammenfarben jede brannt‘ ich ein. Wie Priam fleh’nd in deinem Zelt erschien und heiße Thränen weint‘ ich, wenn ich dachte, daß ein Gefühl doch, Unerbittlicher, den marmorharten Busen dir durchzuckt. O laß dies Herz zwei Augenblick‘ in diesem Strom der Lust, wie ein besudelt Kind, sich untertauchen. Wenn es mir möglich wär, wenn ich’s vermöchte, das Aeußerste, das Menschenkräfte leisten, hab‘ ich gethan, Unmögliches versucht. Mein Alles hab‘ ich an den Wurf gesetzt. Der Würfel, der entscheidet, liegt, er liegt: Begreifen muß ich’s, und daß ich verlor.


Ich war so ruhig, Prothoe, wie das Meer, das in der Bucht des Felsen liegt; nicht ein Gefühl, das sich in Wellen mir erhob. Dies Wort: sei ruhig jagt mich plötzlich jetzt, wie Wind die offnen Weltgewässer, auf. Was ist es denn, das Ruh‘ hier nöthig macht? Ihr steht so seltsam um mich, so verstört, und sendet Blicke, bei den ew’gen Göttern, in meinen Rücken hin, als stünd ein Unhold, mit wildem Antlitz dräuend, hinter mir. Du hörst’s, es war ja nur ein Traum. Daß der Stern, auf dem wir athmen, geknickt, gleich dieser Rosen einer, läge. Daß ich den ganzen Kranz der Welten so, wie dies Geflecht der Blumen, lösen könnte. Dies Herz, weil es sein muß, bezwingen will ich’s, und thun mit Grazie, was die Noth erheischt. Recht habt ihr auch. Warum auch wie ein Kind gleich, weil sich ein flücht’ger Wunsch mir nicht gewährt, Mit meinen Göttern brechen? Kommt hinweg. Das Glück, gesteh‘ ich, wär mir lieb gewesen, doch fällt es mir aus Wolken nicht herab, Den Himmel drum erstürmen will ich nicht. Das Unglück, sagt man, läutert die Gemüther, ich empfand es nicht. Erbittert hat es, Götter mich und Menschen in unbegriff’ner Leidenschaft empört. Wie seltsam war, auf jedem Antlitz, mir, wo ich sie traf, der Freude Spur verhaßt. Wie mögt‘ ich alles jetzt, was mich umringt, zufrieden gern und glücklich sehn. Der Mensch kann groß, ein Held, im Leiden sein. Doch göttlich ist er, wenn er selig ist. Heinrich von Kleist , Penthesilea




Ich gehe am See spazieren, sehe unzählige Enten und Vögel, die in der Luft herum fliegen und zwitschern. Sie piepsen leise vor sich her und singen ihr Lied des Lebens. Doch wenn ich diese Klänge höre, höre ich nur mein Sterbelied. Nun denke ich, ist auch für mich die Zeit gekommen, Abschied von dieser Welt zu nehmen… (…)



Meine liebste Marie, mitten in dem Triumphgesang, den meine Seele in diesem Augenblick des Todes anstimmt, muß ich noch einmal Deiner gedenken und mich Dir, so gut wie ich kann, offenbaren: Dir, der einzigen, an deren Gefühl und Meinung mir etwas gelegen ist; alles andere auf Erden, das Ganze und Einzelne, habe ich völlig in meinem Herzen überwunden. Nur so viel wisse, (…) daß ich sterbe, weil mir auf Erden nichts mehr zu lernen und zu erwerben übrig bleibt. Lebe wohl! Du bist die allereinzige auf Erden, die ich jenseits wieder zu sehen wünsche.

Ich kann nicht sterben, ohne mich, zufrieden und heiter, wie ich bin, mit der ganzen Welt, und somit auch, vor allen anderen, meine teuerste Ulrike, mit Dir versöhnt zu haben. (…) Du hast an mir getan, ich sage nicht, was in Kräften einer Schwester, sondern in Kräften eines Menschen stand, um mich zu retten: Die Wahrheit ist, dass mir auf Erden nicht zu helfen war. (21. November 1811)



Als ich an diesem fünfzehnten Mai, von der Liebermann-Villa kommend, immer am Großen Wannsee mit seinen Segler- und Ruderclubs entlang, auf dem Weg zur S-Bahn war, hatte ich nicht daran gedacht, dass ich ganz in der Nähe von Kleists Grab am Kleinen Wannsee war. Selbst wenn es mir präsent gewesen wäre, hätte ich mich nicht eigens auf den Weg dorthin begeben, obwohl ich es immer schon einmal besuchen wollte. So viel Ausflug und Eindrücke hatte ich, dass es für drei gereicht hätte. Ich schaute hinunter zu den weißen Booten in der Bucht vom Kleinen Wannsee und freute mich an dem Flirren und Blühen und war im Geiste schon halb auf dem Bahnsteig, als ich unwiderruflich zum Greifen nah, ein Schild zu meiner Rechten sah. Und obwohl ich in all den Jahren schon so oft in dieser Ecke war, hatte ich mich nie dahin verirrt. Ich war so übervoll von Eindrücken, dass nicht mehr viel in mich hineinzupassen schien, aber die Füße taten mir noch gar nicht weh und müde war ich auch noch nicht, und die Kamera machte mit, also warum nicht noch dieser eine kleine Spaziergang.



Ich wusste schon so in etwa um das Schicksal von Heinrich von Kleist und seiner Geliebten, aber genauer habe ich mich erst danach mit den beiden und seinen Motiven befasst. Es ist schon traurig, weil er auch das Paradiesische auf Erden erkennen konnte, das ihm aber nicht in aller Fülle zuteil wurde. Er hatte es schwer als Dichter, konnte kaum davon leben und wurde sehr zensiert und kritisiert. Der einzige Text von ihm, den ich genauer kenne, sogar recht gut, ist der Auszug aus Penthesilea, mit dem dieser Eintrag beginnt, und den ich sehr liebe, weil er mir in einer schweren Zeit aus dem Herzen gesprochen hat und mich getröstet. Obwohl das nicht das richtige Wort ist. Es gab keinen Trost, aber er hat zauberhafte Worte für das Unsägliche gefunden. Das ist meine Verbindung zu Heinrich von Kleist. Ich war überrascht, wie hügelig es dort ist, wo er liegt. Eine Allee mit Kopfsteinpflaster führt dorthin. Ein bißchen verwunschen ist es auch, dort am Kleinen Wannsee. Und danach bin ich aber wirklich zu S-Bahn und heimgefahren.


Zum zweihundertsten Todestag von Heinrich von Kleist
Heinrich von Kleist im Projekt Gutenberg
So trugen ihn zwei Engel fort
Am Grabe Kleists
Spurensuche
Briefe

19. Juni 2015

Vorhin Anruf von der Charité. „Guten Tag, Charité Berlin, die NaKo. Wir möchten gerne Termine mit Ihnen abstimmen. Sie wurden als Level 2-Probandin gewählt.“
„?“
„Das bedeutet, Sie gehören zu den Probanden*, die eine Ganzkörper-Untersuchung erhalten, einschließlich MRT
Ausgiebige Befragung: Erkrankungen, Operationen, Medikamente.
„Haben Sie Metallteile im Körper?“
„Nein, nicht mehr.“


„Tragen Sie Permanent-Make up?“
„Nein.“
„Sind Sie tätowiert?“


„Noch nicht!“
„Können Sie eine Stunde auf dem Rücken liegen?“
„Ja.“

Wir vereinbaren zwei Termine. Am 31. August 2015 sechs Stunden Komplett-Untersuchung in der Charité im Forschungszentrum in der Luisenstraße und drei Tage später, am 3. September in Berlin Buch, eine Stunde Ganzkörper-MRT.

„Und bitte kein Glitzer-Make up!“


*) 2000 von 10.000 kriegen eine Ganzkörper-Untersuchung, die anderen 8000 nur einfachere Herz-Kreislauf-etc.-Untersuchungen.

13. Juni 2015


Ein bißchen Lokalkolorit. Die Berliner Polizei twittert gestern und heute ihre Einsätze. Das kriegt man ja sonst alles gar nicht mit.
Mann grillt auf einem Gehweg in Neukölln. #24hPolizei
Gleichberechtigte Schlägerei unter Frauen und Männern auf einer Straße in Müggelheim #24hPolizei
Ein Sportbegeisterter möchte die Minigolfbahn in Kreuzberg nicht verlassen. #24hPolizei
Gesundheitsbewusster Dieb in Tempelhof: Festnahme in einem Bioladen. #24hPolizei
Im Tiergartentunnel wird der Verkehr durch eine Hochzeitsgesellschaft beeinträchtigt. Die Gäste tanzen auf der Fahrbahn. #24hPolizei
In Charlottenburg werden Passanten durch einen nackten Mann auf der Fahrbahn belästigt. #24hPolizei
Die @berliner_fw benötigt in Köpenick unsere Hilfe. Eine Frau randaliert im Rettungswagen. #24hPolizei
Anwohner melden: Nerviger Saxophonist spielt seit Stunden immer die gleichen fünf Akkorde. Neukölln #24hPolizei
In Spandau wurde ein Mann von seiner Ex-Freundin geschlagen. Er möchte von uns keine Hilfe. #24hPolizei
Eine verwirrte Person wirft in Neukölln Gläser auf die vorbeifahrenden Fahrzeuge. Wir eilen zum Ort. #24hPolizei
Sternhagelvoll auf dem Sterndamm in Schöneweide. Vorsicht: Betrunkener Fußgänger auf der Fahrbahn unterwegs. Wir eilen hin. #24hPolizei
In Treptow liegt ein Mann aus unbekannten Gründen in einem Vorgarten. #24hPolizei
Spontane Demo mit fünf Personen in Mitte. Wir kümmern uns. #24hPolizei
Eine Mutter in Treptow wollte Hilfe bei Streitschlichtung ihrer Kinder. Wir konnten mit Ratschlägen am Telefon weiterhelfen. #24hPolizei .
In einem Spätkauf in Charlottenburg wird Alkohol an Jugendliche verkauft. #24hPolizei
Spontandemo von Skatern auf der Schillingbrücke in Mitte. Wir begleiten. #24hPolizei
Im Strandbad Müggelsee in Köpenick kam es zu mehreren Handydiebstählen. #24hPolizei
Am U-Bahnhof Steglitz wird Drogenhandel betrieben. Wir fahren hin. #24hPolizei
Beschwerden gehen ein. Vor dem KaDeWe soll ein Straßenmusiker echt schlecht musizieren. #24hPolizei
In Kreuzberg möchte uns jemand Schusswaffen übergeben, die er in seiner Wohnung hat. #24hPolizei
Ein Mann wäscht sich unbekleidet auf dem Gehweg. Charlottenburg #24hPolizei
In einem Hotelzimmer in Mitte wurde durch einen Gast die Einrichtung nachhaltig zerlegt. #24hPolizei

13. Juni 2015


Ein bißchen Lokalkolorit. Die Berliner Polizei twittert gestern und heute ihre Einsätze. Das kriegt man ja sonst alles gar nicht mit.
Mann grillt auf einem Gehweg in Neukölln. #24hPolizei
Gleichberechtigte Schlägerei unter Frauen und Männern auf einer Straße in Müggelheim #24hPolizei
Ein Sportbegeisterter möchte die Minigolfbahn in Kreuzberg nicht verlassen. #24hPolizei
Gesundheitsbewusster Dieb in Tempelhof: Festnahme in einem Bioladen. #24hPolizei
Im Tiergartentunnel wird der Verkehr durch eine Hochzeitsgesellschaft beeinträchtigt. Die Gäste tanzen auf der Fahrbahn. #24hPolizei
In Charlottenburg werden Passanten durch einen nackten Mann auf der Fahrbahn belästigt. #24hPolizei
Die @berliner_fw benötigt in Köpenick unsere Hilfe. Eine Frau randaliert im Rettungswagen. #24hPolizei
Anwohner melden: Nerviger Saxophonist spielt seit Stunden immer die gleichen fünf Akkorde. Neukölln #24hPolizei
In Spandau wurde ein Mann von seiner Ex-Freundin geschlagen. Er möchte von uns keine Hilfe. #24hPolizei
Eine verwirrte Person wirft in Neukölln Gläser auf die vorbeifahrenden Fahrzeuge. Wir eilen zum Ort. #24hPolizei
Sternhagelvoll auf dem Sterndamm in Schöneweide. Vorsicht: Betrunkener Fußgänger auf der Fahrbahn unterwegs. Wir eilen hin. #24hPolizei
In Treptow liegt ein Mann aus unbekannten Gründen in einem Vorgarten. #24hPolizei
Spontane Demo mit fünf Personen in Mitte. Wir kümmern uns. #24hPolizei
Eine Mutter in Treptow wollte Hilfe bei Streitschlichtung ihrer Kinder. Wir konnten mit Ratschlägen am Telefon weiterhelfen. #24hPolizei .
In einem Spätkauf in Charlottenburg wird Alkohol an Jugendliche verkauft. #24hPolizei
Spontandemo von Skatern auf der Schillingbrücke in Mitte. Wir begleiten. #24hPolizei
Im Strandbad Müggelsee in Köpenick kam es zu mehreren Handydiebstählen. #24hPolizei
Am U-Bahnhof Steglitz wird Drogenhandel betrieben. Wir fahren hin. #24hPolizei
Beschwerden gehen ein. Vor dem KaDeWe soll ein Straßenmusiker echt schlecht musizieren. #24hPolizei
In Kreuzberg möchte uns jemand Schusswaffen übergeben, die er in seiner Wohnung hat. #24hPolizei
Ein Mann wäscht sich unbekleidet auf dem Gehweg. Charlottenburg #24hPolizei
In einem Hotelzimmer in Mitte wurde durch einen Gast die Einrichtung nachhaltig zerlegt. #24hPolizei

08. Juni 2015



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Ich kann mich nicht entsinnen, je so lang mit einem Eintrag herumgetan zu haben. Vor lauter Respekt und dem Bedürfnis, Max Liebermann so viel Ehre zu erweisen, wie überhaupt nur möglich, habe ich viele Tage damit verbracht, immer wieder die Reihenfolge der Bilder zu ändern. Das Ganze ruhen zu lassen. Wieder angefangen, wieder umsortiert. Damit die Reihenfolge wie der Film wird, den ich empfunden habe, als ich da war. Es ist nicht egal, welches Bild einem anderen folgt. Nichts ist egal. Alles ist wichtig. Alles hat Bedeutung. Und als ich durch seinen Garten lief, mit diesem großem Respekt, mit Ehrfurcht und Gedenken – war ich mir keineswegs sicher, dass er meine Schritte nicht bemerkt. Meine Schritte in seinem Reich, seinem liebgewonnenen Refugium am Großen Wannsee. Keiner kann das wissen. Man muss davon ausgehen, dass die ewigen Seelen ein Auge auf ihre irdischen Herzensdinge haben. Nicht nur ihre Nachkommen. Warum nicht auf einen Ort, der zu Lebzeiten so große Bedeutung hatte? Ich kann diesen Ort nicht vereinnahmen, als beliebigen Ausflugsort banalisieren, umdeuten, ohne auf seinen Erschaffer, Schöpfer Max Liebermann hinzuweisen und mich vor ihm zu verneigen. Und sehr dafür Danke zu sagen, dass ich da herumlaufen darf. So ist das. Deshalb brauche ich so lange, um diese Bilder hier zu zeigen. Weil ich viele Texte recherchiert habe, in denen die Geschichte dieses Ortes gewürdigt wird. Und Max Liebermann. Glücklicherweise fand ich Schriftverkehr von Max Liebermann, in dem er über Details zum Bau der Villa spricht. Alle diese folgenden kursiven Absätze rühren aus diesen Fundstücken. Es sind viele. Und das ist angemessen. Denn Max Liebermann war ein ganz Großer. Mit jeder Lektüre jedes Fundstückes ist er mir mehr ans Herz gewachsen. Sehr.




Im Alter von 62 Jahren legte sich Max Liebermann einen Sommersitz im damals vornehmsten Villenviertel Berlins zu. 1909 erwarb er in der Villenkolonie Alsen eines der letzten freien Wassergrundstücke am Wannsee, ein lang gestrecktes, etwa 7000 Quadratmeter umfassendes Grundstück an der Seestraße 42, heute Colomierstr. 3. Die zum Wannsee gelegene Ostfassade der Villa wird durch einen zentralen zweigeschossigen Mittelrisaliten mit dreieckigem Giebel und Oculus gegliedert. Auf dieser Seite der Villa gelangt man durch Terrassentüren von allen Räumen des Erdgeschosses auf die breite Terrasse und kann den Blick über die Blumenterrasse, die große Wiese, Heckengärten und Birkenallee im seeseitigen Garten schweifen lassen. Die Familie Liebermann bezog das Haus im Juli 1910 und verbrachte bis kurz vor Max Liebermanns Tod 1935 jährlich die Sommermonate am Wannsee.



In der Folgezeit unterlag das Haus einer wechselvollen Nutzung: 1940 wurde Martha Liebermann von den Nationalsozialisten gezwungen, das Grundstück an die Deutsche Reichspost zu verkaufen, die in der Villa ein »Schulungslager« für ihre »weibliche Gefolgschaft« einrichtete. Gegen Ende des Krieges diente das Haus als Lazarett. Nach 1945 wurde die Liebermann-Villa gemeinsam mit der benachbarten Villa Hamspohn zur Chirurgischen Abteilung des Städtischen Krankenhauses Wannsee. Max Liebermanns Atelier fungierte als Operationssaal.




Liebermanns in den USA lebende Tochter Käthe Riezler erhielt die Villa 1951 zurück. Sie schloss mit dem Wannsee-Krankenhaus einen Mietvertrag. Ihre Tochter Maria White, die als Kind auf vielen Bildern Max Liebermanns zu sehen ist, verkaufte die Villa schließlich 1958 an das Land Berlin. Der verwaltende Bezirk Steglitz-Zehlendorf verpachtete die Villa dann im Herbst 1971 nach zweijährigem Leerstand für 30 Jahre an den Deutschen Unterwasser-Club (DUC). Dieser richtete dort ein Vereinsheim mit einer Aus- und Fortbildungsstätte für Taucher ein, was bauliche Veränderungen im Inneren des Hauses zur Folge hatte. Zwar erreichte die Max-Liebermann-Gesellschaft 1995, dass die Villa unter Denkmalschutz gestellt wurde, der Bezirk verlängerte aber im gleichen Jahr den Pachtvertrag mit den Tauchsportlern vorzeitig um weitere zwanzig Jahre. Zum 150. Geburtstag Max Liebermanns im Jahr 1997 erwirkte die Max-Liebermann-Gesellschaft, dass der Berliner Senat die museale Nutzung der Villa beschloss. Er stellt allerdings keine finanziellen Mittel zur Verfügung. Nachdem 2002 ein gleichwertiges Ausweichgrundstück für den DUC gefunden werden konnte, begann die Max-Liebermann-Gesellschaft mit privaten Mitteln die Villa zu restaurieren und für die Nutzung als Museum umzuwandeln. Seit Ende April Zweitausendsechs sind Haus und der Garten originalgetreu wiederhergestellt und für die Öffentlichkeit als Künstlerhaus, Museum und Garten dauerhaft zugänglich. Die Heckengärten allerdings mussten bei der Eröffnung 2006 noch Fragment bleiben, da ein viereinhalb Meter breiter Streifen vom Grundstück abgetrennt und in der Nutzung eines benachbarten Sportvereines blieb. Erst nach Jahren unermüdlichen Ringens gelang es im Jahr 2013, diesen Grundstückstreifen dem Garten wieder einzugliedern und die Heckengärten zu vollenden. Im Mai 2014 konnten die Bauarbeiten in den Heckengärten von Max Liebermann abgeschlossen werden. Den Abschluss bildete die Ergänzung der Ufermauer und Rekonstruktion des historischen Liebermann-Steges, der zehn Meter aufs Wasser hinausführt und in einer Aussichtsplattform endet. Heute erstrahlen das Haus und der Garten in altem Glanz.









Lange hatte der Berliner Maler von einem solchen Ort geträumt, mit großem Garten und Bäumen. 1910 verwirklichte er schließlich diesen Traum am Wannsee. »Von allen Ländern lächelt jenes Eckchen der Erde mich an« zitierte Liebermann Hölderlin, um Freunden sein neues Domizil zu beschreiben. Künstlerisches Sehen heißt nicht nur optisches Sehen, sondern auch Erschauen der Natur. Nur wer den Odem Gottes in der Natur spürt, wird in Wirklichkeit lebendig gestalten können, nur der Pantheist… (…)«











Liebermann entschloss sich vergleichsweise spät, sich neben seinem ererbten Stadtquartier am Pariser Platz, einen Sommersitz im damals nobelstem Villenvorort Berlins zuzulegen. Im Sommer 1909 erwarb er eines der letzten freien Doppelgrundstücke mit Wasserzugang zum Großen Wannsee und beauftragte Paul Otto Baumgarten mit dem Bau seines Hauses. Baumgarten hatte sich als Villen- und Landhausbauer einen Namen gemacht. Während die Planung des Gartens in der umfangreichen Korrespondenz zwischen Liebermann und Alfred Lichtwark gut dokumentiert ist, konnte die Entstehungsgeschichte des Hauses nur anhand von Bauakten und einigen wenigen Kommentaren in Briefen Liebermanns rekonstruiert werden. Das wenige aber vermittelt einen lebendigen Eindruck vom Planungs- und Bauablauf, von der Zusammenarbeit zwischen dem Bauherr und seinem Architekten.



Liebermann plante ein Gesamtkunstwerk von Haus und Garten und die erste wichtige Voraussetzung war die Entscheidung, den Standort des Hauses in die Mitte des langgestreckten Grundstückes zu legen. „Wenn ich hier am Ufer stehe, so will ich durch das Haus hindurch auf den Teil des Gartens sehen können, der dahinter liegt. Vor dem Haus soll eine einfache Wiese angelegt werden, so dass ich von den Zimmern aus ohne Hindernis auf den See sehen kann. Und links und rechts vom Rasen will ich gerade Wege. Das ist die Hauptsache. Noch etwas: das Zimmer, das in der Achse liegt, soll der Essraum sein. So… – Und nun bauen Sie!“




Baumgartens erste Pläne sahen auf der Westfassade u.a. eine mittig angeordnete, zweigeschossige Loggia vor, die Fassade zum Wannsee hin hat ein heruntergezogenes Mansardwalmdach und in der Mitte ein wuchtiges, glockenähnliches Kuppeldach über einem sich aus der Fassade vorwölbenden zweigeschossigen Vorbau, vor dem wiederum zwei Säulen stehen, die einen Balkon tragen. Liebermann war jedenfalls nicht zufrieden, als Baumgarten ihm am 25. Juli 1909 die fertigen Pläne zur Unterschrift vorlegte. An seinen Freund und Berater bei der Gartengestaltung Alfred Lichtwark schreibt er einen Tag später: „Gestern habe ich den ganzen Tag gebaut u. über den Grundriß sind wir so ziemlich klar (ich bringe die Pläne mit). Nicht so über die Fassade, die zu sehr nach einem Bauernhause aussieht: ich möchte ein Landhaus, das sich ein Städter gebaut hat. Wie überall ist das Einfachste das Schwerste.“ Die Bleistiftskizze eines Giebels auf einem Plan der Wannseefassade, die möglicherweise bei der zitierten Besprechung mit Baumgarten entstand, lässt erahnen, was Liebermann sich unter einem „Landhaus eines Städters“ vorstellte. Am nächsten Tag reichte Baumgarten die Pläne beim Bauamt Wannsee ein, wo sie zügig, Ende August 1909 genehmigt wurden.


Mitte September begann das Baugeschäft mit der Ausführung. Bereits Ende Oktober war der Bau soweit fortgeschritten, daß Liebermann Lichtwark berichten konnte: „Meine Sommerresidenz kömmt in nächster Zeit unter Dach, dann muß das Haus nach polizeilicher Vorschrift sechs Wochen stehn bleiben, ohne daß daran gearbeitet werden darf. Anfangs nächsten Jahres kann es inwendig verputzt werden u. im Mai von außen, sodaß wir Anfang Juli etwa es beziehen können. So meint wenigstens der Architekt, ob sein Optimismus berechtigt ist, weiß ich freilich nicht. Bis jetzt freuen wir uns und haben noch keine Fehler entdeckt.“ Der endgültige Entwurf sah ein kubisch reduziertes Gebäude mit einer begradigten Fassade und einem einfachen Walmdach vor. Die Räume im Inneren sind symmetrisch um die Mittelachse herum angeordnet. Im Erdgeschoss befindet sich ein großes, durch eine mittige Tür mit dem Esszimmer auf der Wannseeseite verbundenes Kaminzimmer, mit dem von Liebermann gewünschten Durchblick von Osten nach Westen, Im Obergeschoss liegen die Schlafräume der Familie, mit Blick auf den Großen Wannsee und das Atelier.



Ende März 1910 berichtete Liebermann seinem Freund Lichtwark: „Vorigen Sonnabend waren wir wieder in Wannsee und bis jetzt haben wir weder am Bau wie am Garten etwas entdeckt, was wir anders gewünscht hätten … In 14 Tagen wird die Villa fertig sein, sodaß wir an die innre Einrichtung gehen können.“ Am 6. April, genervt von den Querelen bei den Vorbereitungen der zehnten Jahresausstellung der Secession, – „am liebsten schmeiße ich ihnen den ganzen Kram vor die Füße“ -, konnte Liebermann Lichtwark von weiteren Fortschritten in Wannsee berichten. Nach seinem Einzug stellte Liebermann fest, dass er mit dem Gärtnerhaus nicht zufrieden war. Es störte ihn beim Blick aus seinem Atelierfenster und darüber hinaus beeinträchtigte es – von der Straße aus betrachtet – die repräsentative Hauptfront des Hauses und damit die Gesamtwirkung erheblich. Es folgte die schrittweise Neuplanung diverser Nebenanlagen: des Pförtnerhauses, der Abortanlage, der Garten- und Terrassenmauern und eines Teepavillons am Ufer des Wannsees, die sich teilweise noch bis Ende des Jahres 1911 hinzogen Im Frühjahr 1910 hatten die Arbeiten am Haus Fortschritte gemacht. Am 4. Mai 2010 schrieb Liebermann an Alfred Lichtwark: „Wir waren vorgestern wieder in Wannsee: bis auf die Inneneinrichtung ists fertig und auch der Garten fängt schon an. So weit wirs bis jetzt beurtheilen können, finden wir es durchaus gelungen. Die Terrassen sind fertig, jetzt wird das sechs Meter breite Stück in den See geschüttet und im Juli können wir hoffentlich die Villa beziehen. Bis dahin kommen Sie hoffentlich noch her, um Ihr Urtheil abzugeben.“ Am 26. Juli 1910 war es dann endlich so weit.


Liebermann bezog mit seiner Frau Martha, seiner Tochter Käthe und dem Dackel Männe seine Villa am Wannsee. Am 31. Juli berichtete er Lichtwark „Seit 5 Tagen leben wir nun hier und ich empfinde zum ersten Male in meinem Leben das Gefühl, auf der eigenen Scholle zu sitzen. Hier kann ich meine Ellenbogen wenigstens nach beiden Seiten ausstrecken, ohne – anzustoßen. Auch habe ich bis jetzt nichts bemerkt, was ich hätte anders machen sollen: die vorhandenen Fehler waren nicht zu umgehn, höchstens vermittelst viel größerer Geldaufwendungen. Aber, wie mir Arnhold, der mich eben besuchte, sagte, aus der Situation bezug auf die Gartenanlage, die wir Ihnen verdanken: die ist nach einstimigen Urtheilen eminent gelungen. Lichtwark kam im Oktober zu Besuch und stellte fest, dass Haus und Garten fertig seien. In seinem Bericht für die Verwaltung der Hamburger Kunsthalle notierte er, Liebermann sei sehr stolz: „Sehen Sie, diese zehn Finger haben alles in zwei Jahren ermalt, Grundstück, Haus, Gartenanlage und Einrichtung. Wenn mir jemand vor zehn Jahren gesagt hätte, daß es einmal so kommen würde, hätte ich gelacht.“



Fern des Großstadtlärms fand Liebermanns Flucht vor der Industriekultur, der seine Familie ihren Reichtum verdankte, ihr beschauliches Ende. Denn im Unterschied zu seinen Nachbarn, die allesamt größere Villen bewohnten und Gärten im englischen Stil angelegt hatten, legte Liebermann Wert auf den bürgerlichen Charakter seines Hauses und mehr noch auf die „bürgerliche Architektur“ seines Gartens. Auf seinem eigenen Anwesen kam es schließlich zum harmonischen Nebeneinander von ländlicher Idylle und bürgerlicher Kommodität. 1922 schrieb Max Liebermann an Fritz Stahl, einen Redakteur beim Berliner Tageblatt: „Schade, dass Sie nicht zu meinem Geburtstage hier waren. Es war sehr nett und auf Augenblicke vergaß man der fürchterlichen Zeitläufe. Sehn Sie sich doch mal mein ‚Schloß‘ am See an, übermütig sieht’s nicht aus, aber ich glaube, dass es nach mir aussieht.“


Scherzhaft nannte Max Liebermann seine Sommervilla »Klein-Versailles«. Liebermann repräsentierte eine Position, mit der sich ein Bürgertum identifizierte, das sich dem Bildungshumanismus des 19. Jahrhunderts verpflichtet fühlte und liberal gesinnt war. »In Liebermann bewundere ich Berlin«, schrieb Thomas Mann, der den toleranten Geist der Stadt von keinem anderen besser repräsentiert fühlte. Und: »Ich finde es königlich, daß er den geweckt schnoddrigen Berliner Jargon spricht, frank und unverfälscht, und wenn ich bei ihm bin, in seinem Haus am Pariser Platz, fühle ich mich im Brenn- und Sammelpunkt erheiternder und mächtiger Charakterköpfe, an repräsentativ symbolischem Ort, in der Residenz des genius loci: eine Empfindung, zu der das Fluidum von Freiheit, Kühnheit, Größe, Souveränität nicht wenig beiträgt, das die rassig-feine und ritterliche, im strengsten Sinne liebenswürdige Person des Hausherrn umwittert.« Auch in Wannsee fanden diese Kreise zueinander. Das passende Naturkorrelat zum Künstlersubjekt Liebermann war zu dieser Zeit längst sein Garten am Wannsee. In den Jahren des Krieges, in denen er nicht mehr verreisen konnte, fand er dort seine wichtigsten Motive und investierte den Großteil seiner verbleibenden Arbeitskraft in den Wannseegarten. Die Colonie Alsen an den Ufern des Großen Wannsees war mehr als nur das sommerliche Zentrum des Berliner Geistes- und Kulturlebens. Hier lebten viele der bedeutendsten Mäzene, die Kunstsammlerin Margarete Oppenheim, Eduard Arnhold, Robert und Franz von Mendelsohn, die ihre van Goghs und Manets zum großen Teil ebenso der Nationalgalerie vermachten wie die Bankiersfamilie von der Heydt. Hier lebten die Verleger Ferdinand Springer und Gustav Langenscheidt und der gefeierte Operateur Sauerbruch, und hier ging auch Albert Einstein als Freund vieler Familien ein und aus.



Zum letzten offiziellen Höhepunkt im Leben Max Liebermanns geriet die Feier zu seinem 85. Geburtstag. Im Sommer 1932 fand am Wannsee ein großes Fest statt, in dessen Verlauf dem Maler die Ehrenbürgerschaft der Stadt Berlin verliehen wurde. Doch nur ein halbes Jahr später marschierten schon die braunen Horden unter den Fenstern von Liebermanns Stadtwohnung durchs Brandenburger Tor. „Ick kann jar nich so viel fressen, wie ick kotzen möchte!“ flucht Liebermann beim Betrachten des Fackelzugs zu Adolf Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933. Als schließlich auch die Bücher brannten, trat Liebermann aus der Akademie der Künste aus und verriet der jüdischen Central-Vereins-Zeitung seine Motive: „Ich habe während meines langen Lebens mit allen meinen Kräften der deutschen Kunst zu dienen gesucht. Nach meiner Überzeugung hat Kunst weder mit Politik noch mit Abstammung zu tun, ich kann daher der Preußischen Akademie der Künste, deren ordentliches Mitglied ich seit mehr als 30 Jahren und deren Präsident ich zwölf Jahre gewesen bin, nicht länger angehören, da dieser mein Standpunkt keine Geltung mehr hat.“ Liebermann, Berliner Ehrenbürger und Präsident der Preußischen Akademie der Künste, legte am Tag nach der Bücherverbrennung im Mai 1933 alle öffentlichen Ämter nieder.


Am 8. Februar 1935 starb Max Liebermann, 87-jährig, eines natürlichen Todes. Vorher war er schon zwei Jahre lang totgeschwiegen worden. Ihm, der immer ein offenes Haus für Freunde und Gäste gepflegt hatte, wurde auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee nur von wenigen Getreuen das letzte Geleit gegeben. Am 20. Januar 1942 fand in der Nachbarschaft seines Gartens die Wannseekonferenz statt, um die Auslöschung der Juden bis ins kleinste Detail zu regeln. Sein Haus am Großen Wannsee sowie sein Stadthaus am Brandenburger Tor wurden der Familie durch »Arisierung« geraubt. Einigen Angehörigen der großen Liebermann-Familie war es gelungen, ins Ausland zu flüchten, andere endeten in den Vernichtungslagern der Nazis. 1943 sollte auch Liebermanns 86-jährige Frau Martha nach Theresienstadt deportiert werden. Bevor es dazu kam, nahm sie sich das Leben. Liebermanns Ehefrau Martha vergiftete sich am 10. März 1943, unmittelbar vor der Deportation. Aus ihrem im Museum ausgestellten letzten Brief spricht ihre fatale Verzweiflung.





»Das Höchste, wozu es der Mensch bringen kann, ist: sich zur Freiheit durchzukämpfen, seiner Intuition folgen zu dürfen. Die Freiheit wird einem nicht geschenkt, sondern sie muss erobert werden, und dieser Kampf heißt das Leben.« Max Liebermann, 1931
Quellen
Luise Berlin
Rückzug ins Refugium
Paradies am Wannsee
Wikipedia Colonie Alsen
Wikipedia Max Liebermann
Max Liebermann-Gesellschaft
Projekt Gutenberg Max Liebermann
Baugeschichte der Liebermann-Villa

06. Juni 2015

Hab gerade aus dem Fenster geguckt, zur Domkuppel. Und was sehe ich da… – entgegen allen Erwartungen und Berechnungen, die Spitze vom Rohgerüst der Kuppel, der Rotunde vom Schloss. Wie oft hab ich ihn die Richtung geguckt und hin- und herüberlegt, ob ich einen Blick davon erhaschen kann, eines Tages. Und nun ist sie wirklich ein bißchen zu sehen, zwischen einer der Kleinen und der ganz großen Domkuppel, seh ich das Häubchen. Mal schauen was noch ganz oben drauf kommt. Hier in der Webcam, sieht man, wie weit es schon ist. Spannend. Am Wochenende 12. bis 14. Juni ist Richtfest an der Baustelle, da schaue ich vielleicht hin.

06. Juni 2015

Oh. Winnetou ist tot. In den Armen seiner Frau eingeschlafen. Heute. Wie jung er doch mit 86 Jahren noch gewirkt hat. Ich war schon sehr als Kind in ihn verliebt. In Old Shatterhand nie, der war natürlich sympathisch und alles, aber mehr so wie ein Onkel. Aber bei Winnetou sind meine kleinen Kinderknie weich geworden. Pierre Brice hat sich ja auch später noch sehr für die Indianer eingesetzt, nicht nur in der wichtigsten Rolle seines Lebens. In den ewigen Jagdgründen wird er einen ganz besonders schönen Platz bekommen, da bin ich mir ganz sicher. Farewell, liebster Winnetou.


Do not stand at my grave and weep
I am not there
I do not sleep
I am a thousand winds that blow
I am the diamond glints on snow
I am the sunlight on ripened grain
I am the gentle autumn rain
When you awaken in the morning’s hush
I am the swift uplifting rush
Of quiet birds in circled flight
I am the soft stars that shine at night
Do not stand at my grave and cry
I am not there
I did not die

Mary Elizabeth Frye

31. Mai 2015


Heute war ich endlich da. Ich war nach einer halben Stunde schon völlig absorbiert und satt und beinah nicht mehr aufnahmefähig vor lauter Schönheit und es hört nicht auf… nach drei Stunden und zwanzig Minuten war meine Aufnahmefähigkeit absolut erschöpft – – – man könnte wohl ein ganzes Jahr jede Woche dorthin fahren und hätte immer noch nicht alle Gräber gesehen. Immer an der Mauer bin ich entlang, da wo auch die Sonne hinkommt, vielleicht sind da auch mit die schönsten und erhabensten Monumente. Aber auch im schattigen Bauch sind Schätze – da war ich nur sehr am Rande…. an der Mauer entlang, links rum, gegen den Uhrzeigersinn, links von dem Mosse-Mausoleum ist eines von zwei Grabmälern mit einer wundervollen Kuppel mit kreisrunden Aussparungen, so eines hätte ich auch gerne… die schönsten Gräber von ganz Berlin sind da, was für ein heiliger Ort. Danach war ich noch ein bißchen am Weißensee, wo die Mohnblumen in voller Blüte stehen.
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05. Juni 2014

Das Los hat mich getroffen. Ich bin vom Zufallsgenerator als Studienobjekt der Charité in Berlin ausgewählt worden, um für die Langzeitstudie „Nationale Kohorte“ Daten über meinen (Gesundheits)Zustand und meine Lebensgewohnheiten erfassen zu lassen. Man muss da nicht mitmachen, aber ich sehe es als Chance, zu Lebzeiten der medizinischen Wissenschaft und Evolution zu dienen. Das meine ich ganz ernst. 10.000 Berliner werden in den nächsten dreißig Jahren untersucht und beobachtet. Man kann sich nicht bewerben, wie ich erfahren habe, sondern wird ausgelost. Weil ich, wie ich meine, eine recht interessante, ungewöhnliche Kranken- und Gesundungsgeschichte im Hinblick auf Schilddrüsenunterfunktion, Asthma und Neurodermitis habe, sind die Daten auch für mich selber interessant. Außerdem gehöre ich leider zu den Leuten, die sich gerne vor Routine- und Vorsorgeuntersuchungen drücken. Im Dienste der Wissenschaft kann ich mich dann nicht mehr drücken, wenn ich einmal zugesagt habe. Könnte ich wohl schon, aber das kann ich dann schlecht mit meinem Ehrgefühl vereinbaren. Ich bin ein sehr vertragstreuer, verlässlicher Typ, wenn ich mich einmal für etwas entschieden habe. Ich denke mir, oder erhoffe mir auch davon, dass man mit Super-High-Tech-Instrumentarium durchgecheckt wird, und auf eine Art untersucht wird, die sonst Geld kosten würde oder nur in besonderen Fällen stattfindet. Ich möchte wirklich gerne dem Fortschritt im medizinischen Bereich dienen. Aber zu Lebzeiten. Wenn ich tot bin, wird nicht mehr untersucht und rumgebohrt, da ist dann Schluss mit der Langzeitstudie. Keine Autopsie, keine Organentnahme. So, wie es im Ausweis steht. Ich bin schon sehr gespannt, wie meine Krankengeschichte aufgenommen wird. Vielleicht sind ja auch attraktive Wissenschaftler zugegen, wenn man befragt und analysiert wird. Ich berichte natürlich umgehend.

05. Juni 2014

Das Los hat mich getroffen. Ich bin vom Zufallsgenerator als Studienobjekt der Charité in Berlin ausgewählt worden, um für die Langzeitstudie „Nationale Kohorte“ Daten über meinen (Gesundheits)Zustand und meine Lebensgewohnheiten erfassen zu lassen. Man muss da nicht mitmachen, aber ich sehe es als Chance, zu Lebzeiten der medizinischen Wissenschaft und Evolution zu dienen. Das meine ich ganz ernst. 10.000 Berliner werden in den nächsten dreißig Jahren untersucht und beobachtet. Man kann sich nicht bewerben, wie ich erfahren habe, sondern wird ausgelost. Weil ich, wie ich meine, eine recht interessante, ungewöhnliche Kranken- und Gesundungsgeschichte im Hinblick auf Schilddrüsenunterfunktion, Asthma und Neurodermitis habe, sind die Daten auch für mich selber interessant. Außerdem gehöre ich leider zu den Leuten, die sich gerne vor Routine- und Vorsorgeuntersuchungen drücken. Im Dienste der Wissenschaft kann ich mich dann nicht mehr drücken, wenn ich einmal zugesagt habe. Könnte ich wohl schon, aber das kann ich dann schlecht mit meinem Ehrgefühl vereinbaren. Ich bin ein sehr vertragstreuer, verlässlicher Typ, wenn ich mich einmal für etwas entschieden habe. Ich denke mir, oder erhoffe mir auch davon, dass man mit Super-High-Tech-Instrumentarium durchgecheckt wird, und auf eine Art untersucht wird, die sonst Geld kosten würde oder nur in besonderen Fällen stattfindet. Ich möchte wirklich gerne dem Fortschritt im medizinischen Bereich dienen. Aber zu Lebzeiten. Wenn ich tot bin, wird nicht mehr untersucht und rumgebohrt, da ist dann Schluss mit der Langzeitstudie. Keine Autopsie, keine Organentnahme. So, wie es im Ausweis steht. Ich bin schon sehr gespannt, wie meine Krankengeschichte aufgenommen wird. Vielleicht sind ja auch attraktive Wissenschaftler zugegen, wenn man befragt und analysiert wird. Ich berichte natürlich umgehend.