06. Juli 2023

Heute gibt es wieder was zu lernen, in meinem kleinen Blog! Ich habe nach investigativer Recherche herausgefunden, dass die kleine Taubenfamilie, die ich an meinem Nordbalkon beherberge, nicht zu den Turteltauben gehört. Auch sind es keine Stadttauben. Brieftaube ist ebenfalls falsch! Schon gar keine Türkentauben sehen wir hier. Struppi und seine Eltern sind Ringeltauben. Die größten Tauben, die es gibt. Und man kann sie ganz leicht erkennen! Nämlich: an dem weißen Fleck am Hals. Den haben alle und nur Ringeltauben. Immer, immer, immer. Das bedeutet, dass Struppi, wenn er kein Kuckucksei ist, auch noch so einen weißen Fleck am Hals bekommt. Bis jetzt ist noch nichts davon zu sehen.

Es bleibt spannend! Mama Ringeltaube hat sich vorhin eine Pause gegönnt und ist ein halbes Stündchen auf fünf Meter Abstand gegangen, wo sie Struppi aber noch gut im Auge behalten konnte.

05. Juli 2023

Neue Fotos aus dem Kinderzimmer. Struppi ist schön gewachsen und legt sein Struppikleid langsam ab. Tim ist leider nicht geschlüpft. Ich fürchte, Struppi muss als Einzelkind aufwachsen. Manchmal versucht er mitzubrüten, das Ei von Tim ist noch im Nest. Wird glaube ich nix mehr. Die Struppi-Kinderstube versteckt sich am Balkon, ganz rechts, unsichtbar hinter dem Korbgeflecht.

05. Juli 2023

Bei Androhung von Genickschuss hätte ich nicht beantworten können, wo in Berlin ein Denkmal von Herrn Roon steht, noch wer dieser Roon auf dem Denkmal am Großen Stern war. Will sagen: flaniere mit Touristenaugen durch deine Stadt und entdecke komplett neue Ecken. Gegenüber von der Siegessäule steht der Mann aus Bronze. Schöner Sockel, schöne Typographie. Das war ein preußischer Kriegsminister. Sein Hauptverdienst war wohl die „Reformierung des Heeres“. Was er da genau reformiert hat, lässt sich auf die Schnelle nicht aus dem Wikipediaeintrag herauslesen. Es interessiert mich auch viel zu wenig. Miliärisch Strategisches hat für mich ein enormes Einschlafpotenzial. Ich würde mich dennoch nicht dafür einsetzen, dass das Denkmal entfernt wird, es ist halt ein historisches Element, das zur Geschichte der Stadt gehört. Meinethalben. Stand übrigens vor Hitlerzeiten am Königsplatz, heute Platz der Republik. Wegen Speers Entwurf von „Germania“ musste es weichen und wurde am Großen Stern installiert, 1938. Hat mans mal gehört. Und nun zur Siegessäule.

04. Juli 2023

Nun bin ich meinem Ausflugsziel ganz nah. Ich bin am „Großen Stern“, dem verkehrsreichen Nabel vom „Großen Tiergarten“ und auch nah am Schloss Bellevue. Den Großen Stern mit der Siegessäule in der Mitte habe ich viele Male in Autos oder in Taxis überquert. Eher selten im Bus. Bei der Love Parade war ich meiner diffusen Erinnerung nach nie, obwohl ich durchgängig in Berlin war.

Das war nicht so ganz meine musikalische Welt. Ich nahm sie als Massenveranstaltung mit viel Techno und Lebensfreude zur Kenntnis, verspürte aber keine drängende Lust, dort hinzupilgern.

Falls überhaupt je, war ich nur einmal dort, bevor sie sich in Nichts auflöste. Kann aber auch eine Verwechslung mit dem Christopher Street Day sein. Die letzte Love Parade war Zweitausendzehn. Der Große Stern ist für mich persönlich ein Ecstasy- und Legenden-freier Verkehrsknotenpunkt ohne basslastige, sexy Erinnerungen.

04. Juli 2023

Nun sind wir draußen in der grünen Stille und gehen sonder Wille für uns hin. Vom Haselstrauch und Eichenlaub umgeben, sind stille Winkel, wo kein Lufthauch geht; wo man sich taub hinlegt vom lauten Leben, und wo das Gras voll Sommerwärme steht. Die Meisen zirpen, und die Gräser raunen, und warten auf den Tag und seine Launen. Man starrt mit ihnen in den Morgenrauch, den blauen, und küßt und könnte überm Küssen gern ergrauen. Max Dauthendey

04. Juli 2023

Da habe ich wieder feine Beute gemacht, auf meiner Pirsch mit dem Fotoapparat. Ich sehe es mir nach, dass ich nicht um Erlaubnis gefragt habe. Der Maler fragt den Baum ja auch nicht, ob er ihn von hinten paparazzen darf. Ich mache es mir da sehr leicht. Aber wer könnte mir vorwerfen, peinliche, diskreditierende Bilder zu veröffentlichen. Keiner! Das ist doch immer alles sehr geschmackvoll und gereicht zur Ehre. Ich kläre das vorher eingehend mit mir selber ab. Credo: niemanden unvorteilhaft vorführen. Vermeidbar. Zumal ich keine Swingerclubs frequentiere.

04. Juli 2023

Gepflegter Spaziergang durch den Tiergarten. Wie ich mich einmal am 28. Juni 2015 aufmachte, die Siegessäule zu besteigen. Die drei spielenden Kids sind wohl mittlerweile Teenies. Die beiden Großeltern(?) vielleicht im Himmel. In acht Jahren passiert so viel.

03. Juli 2023

Statt neuer Fotos alte. Am 28. Juni 2015 aufgenommen, noch nie hochgeladen, hat nie jemand außer mir gesehen. Ich kam nicht dazu, zu viel los, immer unterwegs. Da war ich auf dem Weg zu einem Ausflug zur Siegessäule, die ich besteigen wollte, erstmalig. Erstbesteigung! Damit bin ich leider nicht im Guinessbuch der Rekorde verzeichnet, weil es nur meine ganz private persönliche Erstbesteigung war. Vor acht Jahren habe ich oft kleine Fotoserien vor meinem Kleiderschrank im Flur gemacht, bevor ich los bin. Damit sich die Leserinnen und Leser später ein umfassenderes Bild von meinem Ausflug machen können. Damit sie wissen, wie die Reiseführerin aussieht! Das maritime Jäckchen hat übrigens ein gewisser Harald Glööckler kreiert. Gut verarbeitet, gibt’s noch.

02. Juli 2023

KALEIDOSKOP IV. gelbweißgoldener Rausch. Das sentimentale Archiv. Memorabilia, Devotionalien, Souvenirs, Konzerttickets, Kinokarten, Flyerschnipsel von und mit: Mick Jagger, Friedrich Rückert, William Shakespeare, Gustav Klimt, Maria Callas, Marina Abramović, Jim Jarmusch, Marilyn Monroe, Maria Schuster, Jenny Kittmann, Saskia Rutner, Astrid North, Danielle de Picciotto & Alexander Hacke, Lüül, Eva Weiße, Sebastian Rogler, Alexander Camaro, Gaga Nielsen, Yves Saint-Laurent, Lido Venezia, Kunsthistorisches Museum Wien, Berliner Dom, Berliner Philharmonie, Lamazère, Wabe, Bon Prix-Katalog-Schnipsel, vom Bürgeramt Klosterstraße zurückgewiesene Passfotos u. a. m., Kleber, Acryl, Blattgold, Rahmenrückwand, 1., 3., 15., 20., 21., 27., 28., 29., 31. Mai 2023, 1., 3., 4., 6., 7., 9., 10., 11., 12. Juni 2023, 77 x 137 cm, Staatliche Museen von Gaganien.

01. Juli 2023

Im ICE 500. Auch die Bahn zu meinem Anschluss-ICE heimwärts hatte Verspätung, und es war ein ganz knappes Höschen, noch einzusteigen, bevor er Richtung Berlin abfuhr. Ich lief durch die Abteile der zweiten Klasse, zum Bordbistro, aber nirgends lachte mich ein Platz an. Ich hätte überall einen Platznachbar oder ein Gegenüber gehabt, mir war nach Ruhe. Ich ging weiter in die überraschend leeren Abteile der ersten Klasse und setzte mich einfach hin, nahm mir meine mitgenommene Lektüre, das zweite Buch, das ich von Helmut Krausser lese, und blieb bis Berlin auf dem sehr bequemen Platz, den niemand beanspruchte. Es kam keine Fahrkartenkontrolle. Und wenn, hatte ich mir zurechtgelegt, dass ich mich als quasi Sofort-Entschädigung für diverses Ungemach zur Erholung hier hingesetzt hatte. Auf dem Display an der Decke war immer mal wieder der Hinweis auf die Bahnseite „Fahrgastrechte“ eingeblendet worden, die man konsultieren sollte, wenn der Zug Verspätung hatte und Anschlusszüge verpasst wurden. Ich hatte mich mit meiner persönlichen Premiere in einem Bahnabteil in der ersten Klasse entschädigt . Sogar eingestickt als Zahl 1 im Lederkopfkissen der Rücklehne. Finde ich ja übertrieben.

01. Juli 2023

Gestern habe ich das Haus um 7.45 Uhr verlassen und bin um Mitternacht zurückgekehrt. Dazwischen lag eine S-Bahnfahrt zum Berliner Hauptbahnhof, eine Fahrt mit dem ICE 505 bis Erlangen, unterbrochen von einer Viertelstunde Halt in Erfurt (Grund war ein Polizeieinsatz wegen eines lt. Durchsage „beratungsresistenten Fahrgastes“), eine deshalb verpasste Anschlussverbindung von Erlangen nach Fürth, eine Fahrt mit einer späteren Regionalbahn dahin und ein Taxi vom Fürther Hauptbahnhof zum Notar, wo ich um 12.30 Uhr einen Termin mit meinem Neffen hatte. Ich kam ziemlich pünktlich zum Termin. Dort wurden familiäre Dinge geregelt, mein Elternhaus betreffend, der zweite Termin, der die Überlassung an Valerian besiegelte. Während ich im Besprechungszimmer der Kanzlei, an der sehr schön gelegenen, verglasten Front ins Grüne saß, bedauerte ich kurz, dass es nicht angemessen ist, in so einer Situation und an so einem Ort Fotos zu machen. Es drängte auch nicht so sehr, so ließ ich die Kamera in der Tasche. Danach gingen Valerian und ich essen. Ein Lokal in der Fürther Königsstraße mit dem NamenTante Förster, wo es auch vegane Küche gibt. Wir konnten draußen sitzen, der kurze Regen hatte sich gelegt und war einer sehr warmen Sonne gewichen. Beim Essen bei Tante Förster fiel mein Blick auf das daneben gelegene hellblaue alte Haus mit Zuckerbäckerstuck, ich hätte es fast fotografiert, wollte dann aber das intensive Gespräch mit Valerian nicht unterbrechen, es war mir nicht so wichtig. Ich war ja nicht auf Foto-Safari. Anschließend besorgten wir Blumen und etwas zu trinken und begaben uns zu meiner Mama, Valerians Oma Karin. Sie feierte gestern ihren 80. Geburtstag. Der Geburtstagsstrauß war ein Arm voll weißer und rosa Sommerastern. Könnten achtzig gewesen sein. Wir fuhren mit Valerians Auto hin und leisteten ihr gemütliche drei Stunden Gesellschaft. In Stein wurde viel über Familiäres gesprochen, Familiengeschichten, die teilweise unterschiedlich erinnert oder weitergegeben wurden. Es war sogar Einiges mir neue dabei. Ein besonderer Tag mit wichtigen Erledigungen und menschlichen Begegnungen. Im Zug nach Hause, als es dämmerte, holte ich die Kamera raus. 21.18 Uhr, nach Bamberg, acht Minuten vor Erfurt.

29. Juni 2023

Ich habe fertig. 50 Alben und weit über hundert Geschichten über sehenswerte Orte der Nürnberger Innenstadt. In jedem Album sind oben im Header Links zu den Erlebnisaufsätzen jeder Etappe. Nicht, dass ich davon ausginge, dass das die Allgemeinheit interessieren müsste, aber vielleicht gibt es ein paar Leserinnen und Leser, die vorhaben, sich Nürnberg bei einem Wochenendtrip anzusehen. Wer die Stadt wieder oder auch zum ersten mal bereist, findet in meinen Geschichten neben ein bißchen Allgemeinbildung sehr persönliche Betrachtungen, die in keinem Reiseführer zu finden sind, aus der Perspektive von jemandem, der dort zwanzig Jahre aufgewachsen ist, dann nach Berlin gezogen, und jetzt sehr wohlwollend, ja angetan zurückblickt. Mit rosa Brille auf der Nase, nur immer dem Schönen und Besonderen auf der Spur. Kritisch ist wohl nur mein Eintrag zum früheren KOMM, im Album zur Königsstraße verlinkt. Da bin ich ein bißchen auf Krawall gebürstet. Aber sonst alles fein.

28. Juni 2023

Rückreise. Aus dem Zugfenster. Keine Notizen gemacht. Ich saß die gesamte Fahrt über im Bordrestaurant, das weiß ich noch. Es gab noch Maskenpflicht im Zug, wenn man aber im Speisewagen war, durfte man ohne Maske da sitzen, sofern man erkennbar etwas verzehrte oder ein Getränk vor einem stand. Wie öfter mal, war das Angebot eingeschränkt und ich musste mich mit alkoholfreiem Bitburger arrangieren. Das normale mit Alkohol war alle. Das alkoholfreie Bitburger Pils kann ich leider nicht empfehlen, es ist mir nicht herb genug, auch vermisste ich den leichten Kick, den man von Bier mit Alkohol bekommt. Daheim in Berlin wollte ich mich dann entschädigen. Vielleicht las ich, vielleicht auch nicht. Ich hatte ganz bestimmt reichlich eigene Gedanken im Kopf, nach diesem erlebnisreichen Wochenende mit Hotelzimmerausblick auf den Schönen Brunnen und die Empore vom Christkind, Mama-Geburtstagsbesuch, Neffen-Hochzeit und nichtzuletzt ausgiebigem Nürnberg-Jugenderinnerungs-Sightseeing. Das ging mir bestimmt alles durch den Kopf, während mein Blick im ICE in der Abendsonne badete, bevor sie hinter Nürnberg, vor Berlin versank.

28. Juni 2023

Im Bahnhof. Warten vor der Anzeigetafel. Mit Bedauern stellte ich fest, dass auch im Nürnberger Hauptbahnhof das große Wartebank-Sterben vonstatten gegangen war. Rechtschaffen ruhebedürftig wollte ich einfach nur hier sitzen, bis mein ICE einfahren würde. In der Not machte ich es mir auf dem Boden der Halle an einer Wand so bequem, wie es eben hing. Mit meiner Reisetasche im Rücken, die ich strategisch so gepackt hatte, dass ich eine weiche Seite zum anlehnen hatte. Funktionierte ganz gut. Ich hatte ein Buch dabei, weiß aber nicht mehr welches. Mir war mehr danach, die Menschen im Bahnhof zu beobachten. Ich fühlte mich wie unsichtbar, so unterhalb der Augenhöhe der Bahnhofsbesucher. Ich fotografierte ganz unbemerkt. Auffallend war, dass ich einen Platz gewählt hatte, der offenbar für viele ein Verabredungs-Treffpunkt war: vor der Anzeigetafel. Es war Samstagabend, viele Menschen hatten Ausgehkleidung an, wirkten frisch geduscht und parfümiert für einen schönen Abend, eine Sommernacht. Die junge Frau, die ich hier mehrfach fotografierte, lief leicht nervös hin und her, als ob ihre Verabredung nicht pünktlich eingetroffen sei, sie schien not amused. Andere kamen in kleinen Grüppchen und in Partystimmung. Mitunter hatte ich den Eindruck von blind oder tinder Dates. So verging die Zeit ganz gut.

28. Juni 2023

Das imposante Empfangsgebäude des Nürnberger Hauptbahnhofs, 1900 bis 1906 errichtet. Der mir so vertraute Bahnhof, in dem ich hunderte Male eingetroffen und abgefahren bin, ist mit 25 Gleisen, davon 22 Bahnsteiggleisen, einer der größten Bahnhöfe der Welt und sogar europaweit der mit den meisten Gleisen. In Nürnberg halten täglich rund 800 Züge des Fern- und Regionalverkehrs, lese ich bei Wikipedia. Damals wusste ich das natürlich nicht. Die vielen Gleise waren für mich normal. Blind fand ich als Jugendliche den letzten Zug, der meist auf Gleis 21 oder 22 fuhr, ganz hinten, wo es zur Südstadt rausgeht, um in einer zehnminütigen Fahrt in den gemächlichen Vorort des Elternhauses zu kommen. Heute fährt auf denselben hinteren Gleisen die S-Bahn im zwanzig-Minuten-Takt hin. Ich war recht verwundert, als ich erstmals in Bahnhöfen anderer größerer Städte war, wie überschaubar wenig Bahnsteige dort waren. Zum Beispiel Hamburg, das mehr als doppelt so viele Einwohner wie Nürnberg hat, kommt mit 8 Bahn- und 4 S-Bahn-Gleisen aus. Noch überraschender: der gute alte Westberliner Bahnhof Zoo hatte und hat gar nur vier Bahngleise und zwei für die S-Bahn. München hat auch relativ viele Bahnsteige, wohl siebzehn und noch drei für die S-Bahn. Aber was war nur in Nürnberg der Anlass, dass gerade dort derart viele Gleise angelegt wurden, die ja offenbar auch dauernd befahren werden. Vielleicht ein zentraler Knotenpunkt für Warentransportzüge? Die alte Handelsmetropole liegt vielleicht besonders günstig im Herzen von Europa. Auf meinen Fotos vom Bahnhofsgebäude sieht man dank der Passanten davor, das beachtliche Größenverhältnis von Mensch zu Gebäude. Würde ich Nürnberg nur vom Hörensagen kennen, wäre meine Vermutung, dass es eher eine größere Kleinstadt mit provinziellen Gegebenheiten ist. Weit gefehlt. Der puppige Christkindlesmarkt und die trutzige Burg mit Bilderbuch-Charme sind lediglich das Sahnehäubchen auf einer stark entwickelten, vielfältigen und modernen Metropole, die traditionsbewusst und geschäftstüchtig ein stets gut gebügeltes Mittelalterkleid auf der Altstadtbühne zeigt.

28. Juni 2023

Am Anfang und Ende einer Reise steht ein Bahnhof. Oder ein Flughafen oder eine Bushaltestelle oder ein Schiffsdock oder ein Parkplatz oder ein Radweg. Oder ein Wanderweg. In meinem Fall ein Bahnhof, der Nürnberger Hauptbahnhof. An dem großen Bahnhofsplatz nah am Königstor, gegenüber dem Hauptbahnhof, residiert in der Bahnhofstr. 1 seit 1896 das Grand Hotel, in dem ich niemals war. Aber wer weiß, eines Tages probiere ich das aus.

27. Juni 2023

Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts habe ich meine ersten Streifzüge im Alleingang zur Museumsbrücke gemacht. Auf der Suche nach indischen Tüchern und Hippieschmuck, feinziselierten Ohrgehängen, die auf großen Tapeziertischen auf schwarzem Samt lagen, daneben Halterungen aus Messing und Holz für Räucherstäbchen, Patschouliöl, Korbwaren und Gebatiktes, Gürtel mit schweren, handgeschmiedeten Silberschließen. Ethno-Kunsthandwerk und Boho-Style kommt wohl niemals komplett aus der Mode. Damals waren die Bezugsquellen aber nicht so breit gesät. Mir ist nur ein einziges Geschäft, eine Boutique in der Nürnberger Innenstadt in Erinnerung, die sich auf diesen Boho-Style spezialisiert hatte. Erlesene Kleider und Bettüberwürfe mit Paisley-Muster gab es dort.

Einmal durfte ich mir als Geburtstagsgeschenk von meinen Eltern zu meinem dreizehnten oder vierzehnten Geburtstag ein Kleid von dort aussuchen. Es war in Rottönen mit Schwarz abgesetzt und hatte das typische indische Paisley-Muster und schwarze Baumwollspitzenborten, recht lang und tailliert und kein Schnäppchen. In der Boutique war alles ein bißchen edler, wie auch die Boutiquebesitzerin, eine sehr elegante Frau mit langen Haaren. Das Geschäft gab es bis in die Achtziger. Ich weiß nicht mehr genau wo es war, in irgendeiner Seitenstraße hinter der Breiten Gasse oder dem Weißen Turm. Heute wirkt das Sortiment von Kunsthandwerk und Ethno-Klamotten für unsere Augen gewöhnlich, es ist überall leicht erhältlich. Aber damals hatten die Händler auf der Museumsbrücke noch eine Aura, als hätten sie alles höchstpersönlich mit dem VW-Bus aus Kaschmir und Nepal importiert. Teilweise war das sogar der Fall. Die Händler sahen oft recht abenteuerlich aus, mit Turbanen und langen Haaren, tiefgebräunte Weltenbummler mit Pluderhosen, Jesuslatschen, Silberschmuck und vielen Ringen an jeder Hand. Sie trugen das selbst, was sie auf den Tischen hatten. Für uns war das der Duft der großen weiten Welt, ein kleines Cochella-Festival. An jenem Samstag, dem 2. Juli 2022 waren vergleichsweise wenig dieser hippiehaften Stände dabei, aber ich denke, das wechselt auch von Tag zu Tag. Es war ein sehr stimmiger letzter Eindruck der Nürnberger Innenstadt, ein schönes letztes Bild von meinem nostalgischen Spaziergang, den ich sehr genossen hatte. Mehr, als ich je für möglich gehalten hätte. Ich war nun ganz nah am U-Bahneingang Lorenzkirche und den nahm ich auch. Die eine Haltestelle U-Bahnfahrt zum Hauptbahnhof gönnte ich mir. Ich war satt von Bildern und Eindrücken, auch sonnensatt und rechtschaffen müde. Das war ein herrlicher Tag in der alten Stadt.

27. Juni 2023

Und jetzt drehen wir uns auf dem Absatz um genau 180 Grad und schauen auf das bunte Treiben auf der Museumbrücke, das für mein Empfinden noch unverändert so aussieht wie im Jahre 1980.

27. Juni 2023

Nette Passage und netter Name: das ist die Fluss-Seite der Königs Passage. Über die hatte ich schon am 23. Juli 2022 einen extra Eintrag verfasst, mit vielen persönlichen Einlassungen, hier. Das war im Zuge meiner begleitenden Berichterstattung zum dicken Fotoalbum zur Königsstraße. Die fängt nämlich da an der Museumsbrücke an. Daher hat die Königs Passage auch die Adresse Königsstraße 1. Und wieder schließt sich ein Kreis.

27. Juni 2023

Und jetzt ein kleiner Kameraschwenk nach rechts, da kommen die Säulen von einer weiteren Passage längs der Pegnitz. Nämlich einer Ladenpassage mit schicken Boutiquen und Geschäften.

27. Juni 2023

Rechts vom Museumsbrückendenkmal fällt der Blick auf die Insel Schütt. Darauf steht das Heilig-Geist-Spital, von den Nürnbergern kurz Heigei genannt. Jahrhundertelang das erste Nürnberger Krankenhaus, gestiftet von einem reichen Bürger. Heute ist darin ein Restaurant für fränkische Spezialitäten und ein Wohnstift für Senioren mit ein- bis drei-Zimmer-Apartments und Angeboten für das Alter, auch ärztlicher Betreuung. Eine sehr schicke Adresse für den Lebensabend. Hier schaut man doch gerne den Enten zu.

27. Juni 2023

Denkmal in der Mitte der im Jahr 1700 erbauten Nürnberger Museumsbrücke. Natürlich war dort auch schon im 13. Jahrhundert eine Brücke, aber die war aus Holz und hat es nicht lange gemacht, danach 14hundertirgendwas eine erste Steinkonstruktion mit hölzernem Überbau, die dann aber auch wieder ersetzt werden musste. Die Museumsbrücke hat im zweiten Weltkrieg wohl stark gelitten, aber in den Fünfziger Jahren waren rasante Wiederaufbauaktivitäten in Nürnberg, man wusste um den Wert der alten Gemäuer von Lorenz und Sebald. Die Museumsbrücke verbindet diese beiden schönsten Nürnberger Stadtteile. Nachgeschaut, warum die Museumsbrücke so heißt, weil mir kein Museum in nächster Nähe einfällt. Wikipedia: „(…) Im 19. Jahrhundert folgte die Umbenennung in Museumsbrücke, da auf dem Gelände der ehemaligen Barfüßerkirche die Gesellschaft „Museum“, eine Geselligkeits- und Lesegesellschaft, ein Versammlungshaus besaß.“ Eine mich überraschende Erklärung!

26. Juni 2023

Letzte Blicke auf die Fleischbrücke. Die Bildqualität ist nicht so herausragend, da ich irgendwas an der Kamera blöd verstellt hatte – sie war mir noch etwas neu – aber mit viel Herz eingefangen.

26. Juni 2023

Na, dann gehen wir doch mal in eine der Café-Passagen. Der Herr links, der mir so halb enthusiastisch zulächelt, ist mir nicht bekannt. Ebensowenig die Dame mit dem blumenverzierten Sommerhut. Bei Auswahl und entsprechender Zeit hätte mich vorrangig die Bekanntschaft der Lady mit dem Hut interessiert (nicht mit Turban).

26. Juni 2023

Fortsetzung meiner nicht enden wollenden Geschichte „Wie ich mich am zweiten Juli Zweitausendzweiundzwanzig einmal in Nürnberg zum Hauptbahnhof aufmachte.“ Zuletzt saß ich noch gemütlich in der Waaggasse an der Bushaltestelle und ließ sämtliche Busse vorbeifahren. Denn ich hatte immer noch gut zwei Stunden Zeit bis mein Zug zurück nach Berlin ging. Nachdem ich mich ausgeruht und gestärkt hatte, zeigten sich neue Kräfte und ich sah die Chance, noch zwei für mich persönlich nostalgisch behaftete Sehenswürdigkeiten, die ohnehin auf dem direkten Fußweg lagen, einzufangen. Wie langweilig wäre es doch, mit dem Bus über den unattraktiven, verkehrsreichen Plärrer zu fahren und dann viel zu früh im Bahnhof zu warten. Zwar war meine Reisetasche recht schwer, aber ich traute mir den Weg zum Bahnhof mit kleinen Pausen zu. Ich wollte nämlich zwei Brücken verewigen, die in meiner Jugend Treffpunkte ersten Ranges waren. Und zudem gar nicht weit weg vom Hauptmarkt. Nach drei Minuten war ich schon auf der Fleischbrücke. Das Bauwerk über der Pegnitz mit dem grobschlächtigen Namen ist die älteste Brücke von Nürnberg und hat den zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden! Um 1200 als Holzbrücke errichtet, wurde sie 1478 durch eine Steinbrücke ersetzt und 1596 noch einmal ganz neu gebaut. Vollendet wurde die Fleischbrücke 1599 mit dem seitlichen Portal und da thront der ausgesprochen imposante Ochse seither.

Wenn ich mit einer oder mehreren Freundinnen „in die Stadt“ fuhr (wir wohnten als Halbwüchsige in nahen Vororten von Nürnberg im jeweiligen Elternhaus), einigten wir uns bei schönem Wetter häufig darauf: „Lass uns mal zur Fleischbrücke gehen“. Wir schlenderten also die Königstraße entlang nach Lorenz und von da zuerst zur Museumsbrücke und dann zur Fleischbrücke. Auf den Brücken war buntes Treiben und viele Händler mit Hippiesachen, indischen Kleidern und Schmuck und Räucherstäbchen und hübschen Kleinigkeiten. Es gab Gaukler und Straßenmusiker. Mir ist eigentlich mehr die Museumsbrücke mit den Ständen vor Augen, aber mir ist deutlich in Erinnerung „Lass und zur Fleischbrücke gehen!“. Das irritiert mich rückblickend etwas und ich frage mich, ob wir die beiden Brückennamen möglicherweise verwechselt haben. Ich habe natürlich auch noch Bilder der Museumsbrücke. Diese Ecke mit den zwei Brücken, die durch Passagen mit vielen Cafés am Fluss entlang verbunden sind, hatte ich immer gerne.

25. Juni 2023

Ich beobachtete das Treiben an der Kreuzung. Mehrere Männergrüppchen kamen des Wegs, an diesem noch eher frühen Samstagabend, so gegen halbsieben. Mein Blick fiel auf eine italienische Kaffeebar, die hat schon wieder eine andere Straßenadresse, nämlich Augustinerstraße 1. Die Waaggasse, in der ich auf der Wartebank saß, ist kurz und klein. Nur ein Gässlein.

25. Juni 2023

Angekommen am Hauptmarkt holte ich nach acht Stunden Herumspazieren meine Reisetasche aus dem Hotel Saxx am Hauptmarkt und setzte mich auf eine Bushaltestellenbank gegenüber des Hoteleingangs. Der liegt seitlich in einer kleinen Straße, die vom Hauptmarkt abgeht, nämlich in der Waaggasse. Von da hatte ich auch einen Blick auf die Kreuzung von Waaggasse und Winklerstraße. So viele abgestellte Vespa Roller! Ich verzehrte gemütlich meinen letzten Proviant und chillte noch ein bißchen auf der Wartebank. Auf dem Haltestellen-Display konnte ich die Uhrzeit im Auge behalten. Ich dachte darüber nach, einzusteigen und damit zum Hauptbahnhof zu fahren, der Bus fuhr über den Plärrer. Aber ich hatte keine Eile und ließ den Bus fahren.

24. Juni 2023

Hier kommt ein kleiner Nachtrag. Ich habe in meiner virtuellen Schublade noch eine Handvoll Nürnberg-Fotoalben. Eines davon ist dieses hier. Eigentlich gehören die Fotos auch in das Album von der Burgstraße, da habe ich sie gerade auch dazugepackt. Ich hatte wohl beim Ordnen der Bilder im letzten Jahr die Idee, dass das hier zu sehende Fembo-Haus ein extra Album bekommen sollte. Es befindet sich in der Burgstraße 15, gegenüber vom alten Dominikanerkloster. Ich habe ehrlich gesagt keine besondere Verbindung dazu, die aus meiner Jugend rühren würde. Museumsbesuche fanden innerhalb von Schulausflügen statt, nicht in meiner schulfreien Teenager-Freizeit. Mir ist das Fembo-Haus daher nur als Name ein geläufiger Begriff. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich damals dachte, dass es eine Art Frauen-Museum ist, zur Geschichte des Feminismus oder so. Ich habe im Alter von siebzehn bis zwanzig durchaus einige feministische Standardwerke gelesen, auch Bücher, die speziell in den Achtziger Jahren angesagt waren, wie Anja Meulenbelts „Die Scham ist vorbei“. Das wurde mir empfohlen. Oder die wichtigsten Werke von Simone de Beauvoir. In den Achtziger Jahren war ich auch ein-, zweimal im „Feministischen Frauen-Gesundheitszentrum“, durch eine Freundin initiiert, wo neben heterosexuellen Feministinnen zuhauf offen lesbische Frauen anzutreffen waren. Von selber wäre ich da nicht hingegangen, weil ich gedacht habe, das ist eine Art Ärztehaus für weibliche Patientinnen mit Spezialisierung auf Frauenkrankheiten. Nachdem ich dort war, lernte ich, dass es zwar Gesundheits-, Schwangerschafts-, Schwangerschaftsabbruch-, Menstruations- und Sexualberatung gab, aber auch Shiatsu-Workshops, Meditations-Stunden, Gesprächstherapie- und Diskussions-Gruppen, Vorträge, Filmabende, Vaginafoto-Ausstellungen und etliche andere männerfreie Veranstaltungen, kulinarisch begleitet von Kaffee, Fencheltee und Möhrenvollkornkuchen vom Blech. Im Prinzip war das „FFGZ“, wie es abgekürzt wurde, und das es auch in anderen Städten gab, das, was ich vom Klang her phantasierend dem Fembo-Haus zudachte.

Nun mache ich mal ordentlich Schularbeiten und lerne, dass das Fembo-Haus nach einem Christoph Fembo benannt ist. Ob der irgendwie feministisch drauf war, ist nicht überliefert, ich vermute aber eher nicht. Erbaut wurde das prachtvolle Gebäude, wohl das einzige nahezu komplett unzerstörte Kaufmannshaus der Renaissance in Nürnberg, zwischen 1591 und 1596 von einem niederländischen Kaufmann. Dann im 17. Jahrhundert war es das Wohnpalais eines Patriziers, der es luxuriös ausbauen ließ und barocke Deckengemälde in Auftrag gab. Vom 18. bis 19. Jahrhundert war darin Deutschlands größte Kupferstich-Landkartenmanufaktur, aufgekauft vom Kunsthändler und Buchdrucker Christoph Fembo, der dort weiter Landkarten verlegte und auch Globen herstellen ließ. Nach dessen Tod erwarb das Gebäude 1876 ein Tabakfabrikant. 1928 kaufte die Stadt Nürnberg das Haus und nutzte es bis nach dem zweiten Weltkrieg als Dienstgebäude. 1953 wurde das Fembo-Haus seiner heutigen Bestimmung als Museum zur Geschichte von Nürnberg zugeführt.

24. Juni 2023

Am Ende – oder genauer: am Anfang der Burgstraße angelangt, schließt sich der Kreis. Wir sind wieder am Rathausplatz, dem Platz vor dem Hauptmarkt. Über den hatte ich bereits am 10. August 2022 berichtet. Bei einer Bank steht ein Aufsteller mit einem Plakat der kulturellen Sommerhöhepunkte, die Nürnberg zu bieten hat. Die wiederholen sich jedes Jahr, allen voran das Bardentreffen Ende Juli, inzwischen ein großes, internationales Singer-Songwriter-Musikfestival, das auf vielen Open Air Bühnen der Altstadt stattfindet. Das ganze Album der Nürnberger Burgstraße gibt es hier anzuschauen. Ich widme mich hier in Berlin nun meinem samstäglichen Tagwerk und will auch noch mal vor die Tür. Es ist wieder ein sehr schöner Sommertag mit 25 Grad.

24. Juni 2023

Unterhalb vom früheren Dominikanerkloster, auf derselben Seite, ein stattliches, barockes Amtsgebäude, nämlich das Nürnberger Gesundheitsamt. Adresse ist Burgstraße 4, Ecke Theresienstraße.

24. Juni 2023

Blick hinunter zum Hauptmarkt und auf eine schöne Giebelseite. Die hat die Adresse Burgstraße 6 und gehörte zu einem Dominikanerkloster, erbaut im 13. Jahrhundert. Danach war es der Amtssitz vom evangelischen Dekan. Zweitausendachtzehn ist es von der Kirche an einen privaten Investor verkauft worden, um genug Geld zu haben, den Sebalder Kirchhof zu restaurieren. Der hat daraus komfortable Mietwohnungen gemacht. Es gibt davon Fotos auf Immobilienportalen. Auf meinen Fotos sieht man am Fundament sehr schön die beträchtliche Steigung der Burgstraße.

24. Juni 2023

Und weiter. Nächste Querstraße ist die Obere Krämersgasse. Im Eckhaus Burgstraße 21 ist die Nürnberger Galerie für Naive Kunst. Eine Gruppe junger Frauen stellt sich mitten auf der Burgstraße für ein Foto auf. Sie tragen Sommerwiesen-Blumenkränze im Haar.

24. Juni 2023

Wir flanieren weiter. Die erste Querstraße die Burgstraße hinunter ist die Obere Schmiedgasse. Das Haus an der Ecke sieht mir nach Fünfziger Jahre aus. Aber vor dem Krieg war dort ein anderes, nämlich das Wohnhaus vom Goldschmied Albrecht Dürer. Der Vater vom berühmten Maler hieß nämlich auch so. Der kleine Albrecht ist also in Sebald, unterhalb der Burg aufgewachsen und da ist er auch sein Leben lang geblieben, indem er sich ein Haus ganz nah an der Burg gekauft hat, gegenüber vom Tiergärtnertor.

24. Juni 2023

Das Neueste von meinem Heile-Welt-Blog: Struppi wurde gerade gefüttert und chillt jetzt wieder an Mama oder Papa gekuschelt. Geschwisterchen Tim ist noch nicht geschlüpft, putzt sich noch. Unten im Garten vom Laden in der Joachimstraße 20 ist gerade ein Soundcheck, klingt nach spanischem Folklore-Pop. Ich schätze eine Sommerparty heute Abend. Man kann das Haus und den Garten mieten. Da wird oft gefeiert, schön grün, mitten in Mitte.

22. Juni 2023

Vor circa fünfzehn bis zwanzig Jahren hätte man mich mit Fotos von der Nürnberger Kaiserburg eher gelangweilt. Nun habe ich selbst welche gemacht. Nach meinem etwas pathetisch verkündeten Abschied und Schlenker in die Obere Schmiedgasse stehe ich nun auf einmal doch wieder vor dem Eingang zur Burg. Denn, tatataaa: ich habe ja die BURGSTRASSE noch gar nicht gewürdigt und dokumentiert. Also ich kehrte um und ging extra nicht die Bergstraße herunter, von der ich zur Burg gekommen war, sondern den anderen Weg, der außerdem direkt zum Hauptmarkt führt. Das ist die Burgstraße. Und rechts von der Burg sind die Kaiserstallungen, die hätte ich auch fast vergessen. Also die Unterbringung der kaiserlichen Rösser, vormals Kornspeicher. Heute beides nicht mehr. Denn heute ist da eine schicke Jugendherberge drin. Eine wirklich erste Adresse für junge Reiselustige. Mir ist gerade nicht geläufig, bis zu welchem Alter man da logieren darf. Moment, ich checke das. Aha! Man darf in jedem Alter dort eine Übernachtung buchen, aber für Jugendliche sind die Preise sehr viel niedriger pro Person. Interessant. So, und jetzt darf ich mich aber wirklich umdrehen und nun endgültig runter vom Burgberg, schnurstracks die Burgstraße entlang. Es gibt wirklich kein Zurück mehr bei diesem Spaziergang. Mein Zug fährt ja auch demnächst, also flott Richtung Hotel Saxx am Hauptmarkt, die Reisetasche mit der Hochzeitsgarderobe beim Portier abholen.

21. Juni 2023

Happy Birthday To You, Happy Birthday To You, Happy Birthday lieber Struppi, Happy Birthday To You! Das erste Tauben-Baby ist geschlüpft! Ich weiß nicht, wieviele Tage das schon her ist, oder ob gestern irgendwann. Foto von gestern Abend. Ich denke vielleicht vorgestern oder so. Interessant, dass kein einziger EischaIensplitter im Nest ist. Ob die aufgegessen wurden? Inzwischen haben sich Mama und Papa Taube daran gewöhnt, dass ich einmal am Tag auf den Balkon gehe und gieße. Allerdings sehr behutsam, ich will dem kleinen Nest keine kalte Dusche verabreichen. Möglicherweise ist nun heute auch schon das zweite Täubchen geschlüpft und ich habe es nicht mitgekriegt. Die sind ja so still! Kein Tschilpen und Piepsen. Mama und Papa Taube sitzen immer komplett sowohl auf dem Ei als auch auf dem Kleinen, ich sehe es nicht. Ich könnte jetzt mal mit ein bißchen Radau auf den Balkon und dann wäre es klar. Aber ich lasse mich überraschen. Das Foto habe ich gestern kurz vor Sonnenuntergang, mit ein bißchen Verrenkung über die Balustrade vom Balkon gemacht. Das wuselige kleine Ding sieht so struppig aus, dass ich beschlossen habe, es Struppi zu nennen. Tim und Struppi! Bin gespannt, wann Tim schlüpft. Man könnte denken, ich interessiere mich außerordentlich für Tiere, das ist gar nicht der Fall! Aber wenn sie einem so putzig serviert werden, gerne auch lebendig!

21. Juni 2023

Update Aloe, Foto von letzter Woche. Jetzt habe ich verstanden, dass die Blüten-Blättchen nicht “aufgehen“, das ist schon das fertige Blütenstadium. Sie ist also grün mit ein bißchen gelb. Oben gibt es immer noch die Knospe, nach unten werden sie langsam trocken und klappen nach unten. Der Stengel ist inzwischen über einem Meter hochgeschossen. Wieder was gelernt. Lernen durch Beobachten.

21. Juni 2023

Ein leerstehendes Ladengeschäft. Gefällt mir. Das müsste die Obere Schmiedgasse 43 sein. Oder 42? Ich weiß nicht, wie die Reihenfolge der Hausnummern dort ist. In Berlin haben wir so viele Varianten, einmal die, dass Nummer aufeinanderfolgen, dann die, dass gerade oder ungerade Nummern nebeneinander sind und auch noch irgendeine andere Variante, die mir gerade nicht einfällt. Jedenfalls: ein schönes Geschäft in erster Lage. Wäre auch schön für eine Galerie. Ob es wohl immer noch leersteht? Fräulein Gusti könnte dazu sicher Auskunft geben. Aber ich kenn sie ja gar nicht!

20. Juni 2023

In Zeitlupe und in Schleifen vom Burgberg nach unten. Die Obere Schmiedgasse ist noch ganz nah dran. Die Flucht der Sichtachse hat mich zufällig den Tiergärtnertorturm richtig gut erwischen lassen, das ist der Turm, dessen Rückseite und Spitze auf die Bastei mit dem Baumrondell ragt. Und: Albrecht Dürer ist hier ganz oft entlangegangen. Täglich. Denn ganz hinten links am Ende, nicht zu sehen, weil um die Ecke, steht sein Haus. Aber da war ich ja schon ausführlich. Ich drehe hier keine Wiederholungsschleife.

19. Juni 2023

Bye bye, Burg und Burggarten. Am Eingang ist der Lageplan, ich war überall, wo eine Nummer dransteht. Insgesamt gut vier Stunden auf der guten alten Burg und in den Gärten verbracht. Mittlerweile ist es kurz nach achtzehn Uhr. Noch drei Stunden Zeit bis mein Zug nach Berlin am Nürnberger Hauptbahnhof fährt. Ich schlendere durchs Tor und zickzack durch Altstadtecken, die ich noch nicht gezeigt habe, den Berg hinunter, Richtung Hotel, wo ich meine Reisetasche deponieren durfte. Es geht also noch ein bißchen weiter mit Nürnberg, aber das verträumte Burgkapitel ist zu Ende. Hier ist das ganze Album vom Burggarten versteckt.

19. Juni 2023

Ich sehe schon das Tor vom Burggarten, da gehe ich gleich hinaus. Mein schönster Spaziergang im letzten Jahr, siebenunddreißig Jahre war ich nicht da. Viel Erinnerung, doch wie ein erstes Mal.

18. Juni 2023

An einem so heißen Tag wie diesem zweiten Juli des letzten Sommers, eine schattige Oase: die Burgwiese am frühen Abend. Ich ziehe mich nun für ein paar Stunden zurück. In Berlin ist heute ein herrlicher Sommertag, genießt alle den weiteren Nachmittag.

18. Juni 2023

Immer mit der Ruhe, ich schreibe kein Fast Food Blog. Ina meinte vorgestern, wir waren wieder beim Berlin Beat Club im Ballhaus, dass mein Spaziergang durch die Kaiserburg und die Basteien ja schon ein Jahr her sei, und ich jetzt erst darüber schreibe. Ich erinnerte daran, dass ich bereits nach meiner Rückkehr im Juli und August letzten Jahres viele Einträge zu Streifzügen durch Nürnberg verfasste, aber eben nicht alle. Dann kam das Stones Jubiläum, dann starb die Queen, da gab es auch viel zu verarbeiten. Ich mache nur einmal so eine gründliche Aufarbeitung. Mir gefällt es, der Langsamkeit des Spaziergangs entsprechend, etappenweise die vielen schönen Ecken und Details zu würdigen. Es ist zum Glück kein Ort, der sich stark verändert, ganz im Gegenteil. Die geradezu archaische Schönheit der Festung wird seit Jahrhunderten bewahrt. Insofern ist es egal, ob ich Bilder von 2022 oder 2023 davon zeige. Ich habe leider keine aus der Zeit, als ich dort lebte, obwohl ich auch als Teenie immer irgendeinen analogen Fotoapparat hatte, aber damals kultivierte man das nicht wie heute. Und schon gar nicht dort, wo man seinen Lebensmittelpunkt hatte. Das ist eine Entwicklung unserer digitalen Zeit, nicht nur auf Reisen oder an besonderen Festtagen die Kamera herauszuholen. Als Teenie wäre ich auch viel zu sehr auf dem Sprung zu irgendeiner Verabredung gewesen. Nie bin ich durch fast einsame Gärten in Nürnberg gestreift, auf der Burg war ich zum Bardentreffen, von daher waren mir die Wege durch die Bastionen und zum Burggraben vertraut. Ein angenehmes déjà vu, weil es ja immer ein erfreulicher Anlass war. Ich habe noch ein paar Bilder bis zum Ausgang in petto. Ein Ort zum Schlendern und Flanieren, ohne Hast und sportlichen Ehrgeiz. Sonst wär ich längst schlapp!

17. Juni 2023

Zur letzten Bastei bei meinem Burggartenspaziergang, zur Schwedenbastei. Da sind, nah am Eingang, mehr Besucher, aber es ist immer noch nicht annähernd so voll wie auf der Freiung. Ich paparazze eine Familie. Die Farben, das leuchtende Rosa und Pink vor flirrendem Grün, die ganze Choreographie fasziniert mich.

16. Juni 2023

Im Schatten der Bäume der „Großen Bastei“. Weil ich gerade die älteren Herrschaften mit Gehhilfe sehe: man muss keine Treppen steigen, um in die Basteigärten zu kommen. Die Treppen, die ich genommen habe, sind nicht der übliche Weg in die Burggärten, ich kam sozusagen aus dem Backstage. Der übliche Weg ist ein anderer, der ohne viele Stufen nach oben führt, die Burgstraße nach oben und dann gegen den Uhrzeigersinn um die Burg herum.

15. Juni 2023

Ein ganz besonderes Gefühl, auf den höchsten Ebenen der Bastionen herumzulaufen. Von unten kann man nicht gesehen werden, von oben schweift der Blick in große Weiten, man hat den Überblick. Die Wälle aus Sandstein geben mitunter Rätsel auf, wie sie an Ort und Stelle kamen. Überliefert ist, dass 1430 zeitweise 800 Mann am Ausbau der Mauern und Gräben gearbeitet haben.

15. Juni 2023

Und das hier, auch beim Baumrondell, ist der Tiergärtnertortum, aber nur die obere Hälfte mit der Spitze. Der komplette Turm mit dem unteren Teil ist nur von der anderen Seite zu sehen, wenn man vor dem Tiergärtnertor steht, dem wuseligsten, belebtesten Platz an der Burg überhaupt, mit vielen Restaurants und Cafés, genau gegenüber vom Haus von Albrecht Dürer. Geradezu spektakulär finde ich den Kontrast, dass dieser Burg-Hotspot rückwärtig, mit dem Baumrondell oben auf der Tiergärtnertorbastei, eine derart verträumte, wenig frequentierte Oase ist. Der extreme Kontrast wird mir jetzt erst so richtig deutlich, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das Relief mit dem Doppeladler finde ich auch grandios. Die Entstehung des Tiergärtnertorturms wird auf das späte 13. Jahrhundert datiert, steht bei Wikipedia. In dem Eintrag habe ich auch eine Abbildung eines tollen Gemäldes gefunden. Ein schottischer Maler, nämlich William Bell Scott, hat im Jahre 1854, frei komponiert, Albrecht Dürer auf dem Balkon seines Hauses gemalt, von wo er auf das Tiergärtnertor und den Turm schaut. Mir ist bislang nicht bekannt, dass an dem Haus von Albrecht je ein Balkon gewesen wäre. Also ein Phantasiebild, mit aber vielen stimmigen Details, wie dem Turm und dem Platz an sich. Der Maler hat vielleicht eine Reise nach Nürnberg unternommen, auf den Spuren seines Idols, daher die doch weitgehend genaue Darstellung des Platzes und der Perspektive. Falls es den Balkon nie gab, eine gute Idee, einen dazuzuerfinden und Albrecht herunterschauen zu lassen. Albrecht Dürer war da schon ein paar hundert Jahre tot. Interessant, dass das Szenario einen schottischen Maler beschäftigt hat. Ein echter Albrecht-Fan.

14. Juni 2023

Noch ein bisschen Baumrondell. Weil es so schön ist, und auch weil ich schon wieder eine Leserin auf einer Parkbank paparazzt habe. Sie blickt weniger gefesselt, eher angestrengt konzentriert, und ich glaube, ich habe einen flüchtigen Blick auf den Buchdeckel der Lektüre erhascht. Wohl was Juristisches oder Wirtschaftliches.

14. Juni 2023

Das luftige Baum- und Blumen-Rondell im hoch gelegenen südlichen Burggarten muss man ausführlich betrachten, auch der Blumen wegen. Ich widme diesen Eintrag meiner Blumen-Freundin Cosima, die heute Geburtstag hat! Vielleicht mal eine Ausflugsidee.

14. Juni 2023

Zur Erinnerung: ich ging vom Bürgermeistergarten kommend, an dem lesenden jungen Mann mit dem Goethe-Buch vorbei, dann ging es ums Eck, eine kleine verwinkelte Treppe hinauf, noch ein Durchgang und dann war ich plötzlich da, ich wusste nicht, wie mir geschah! Wie auf einem Plateau ist der große Platz mit den rund gepflanzten Bäumen auf einer der Bastionen. Es ist der südliche Burggarten, nicht mehr der Bürgermeistergarten. Das schreibe ich, weil man Fotos von diesem Platz in Verbindung mit dem Bürgermeistergarten beim Googeln bekommt. Das ist falsch. Das war nicht das Revier vom Bürgermeister, sondern vom Kaiser. Übrigens hat Kaiser Wilhelm II., mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Albert Viktor von Preußen, der letzte deutsche Kaiser, bis zu seiner unfreiwilligen Amtsenthebung 1918, tatsächlich ab und zu auf der Nürnberger Kaiserburg logiert. Was Kaiser Karl IV. recht war, war Kaiser Wilhelm gerade gut genug. Er war ein sehr standesbewusster, nostalgischer Monarch, der sich noch im Exil im niederländischen Doorn gerne hochherrschaftlich verwöhnen ließ.

12. Juni 2023

Die dritte Balkon-Überraschung ist der Balkon von meiner Werkstatt. Die Eberesche davor wurde vor über einem Jahr ganz arg zurückgestutzt, dass ich mich über jeden Zweig gefreut habe, der bis zum Balkon hochgewachsen ist. In diesem Frühling habe ich eine richtige kleine grüne Wand direkt vorm Balkon, es ist, als schaue ich in eine Wolke aus gefiederten Blättern. Und gestern Abend, beim Gehen, steht die Haustür auf und meine Nachbarin links hat den Gartenschlauch vom Hinterhof durchs ganze Haus gezogen, um damit an den Baum auf der Straße heranzukommen und wässert ihn gründlich. Deswegen sieht er so prächtig aus. So eine Baumkrone direkt vorm Balkon erspart fast schon die eigene Bepflanzung. Es ist wie mitten im Grünen. Ich bin ganz begeistert.

12. Juni 2023

Balkonüberraschung Nummer Zwei. Auf meinem anderen Balkon zum Hinterhof wächst ein Bambus, ein Flieder, meine Schneeballhortensie, eine blaue Hortensie, ein Knöterich und an den Wänden Weinlaub. Die Hortensien sind sehr durstig und ich gieße jetzt immer täglich, einmal am Abend. Seit ungefähr einer Woche fällt mir auf, dass ich durch das Gießen eine Taube aufschrecke, die auf dem äußeren Balkonsims, versteckt hinter Blätterwerk sitzt. Das gab mir doch zu denken und als sie am Samstag wieder wie aufgeschreckt hochflog, sah ich mir ihren Platz genauer an. Und da entdeckte ich die zwei weißen Eier. Es wird gebrütet! Habe mich gestern schlau gemacht und gelernt, dass Tauben monogam sind, immer zwei Eier legen, ihrem Brutplatz treu sind und sich Männchen und Weibchen beim Brüten abwechseln. Angeblich brütet der Taubenpapa von 9 – 14 Uhr, die Taubenmama am Nachmittag und Abend. Ich weiß nicht, wen ich da erwischt habe, es war früher Nachmittag. Die Brut dauert wohl ca. achtzehn Tage, und wenn die Kleinen geschlüpft sind, bleiben sie ewig und drei Tage im Nest, bis sie annähernd so groß wie die Eltern sind. Ganz anders als die Wanderfalken vom Sinwellturm. Die sind längst flügge, haben Fliegen und Beute machen gelernt und kommen nur noch selten zurück ins Elternhaus im Sinwellturm. Bei den Taubenküken muss dann wohl angebaut werden, wenn die solche Stubenhocker sind. Das Nest sitzt auf einem länglichen Blumenkasten, wo nicht viel gewachsen ist, ich kam auch nicht so richtig gut ran. Jetzt hat er eine sinnvolle Verwendung. Gefällt mir.

12. Juni 2023

Zur Abwechslung Berliner Balkonbilder. Dieser Juni ist für mich der Monat der Balkon-Überraschungen. Gleich dreimal wurde ich überrascht. Das ist Überraschung Nummer Eins auf dem Balkon zur Auguststraße. Da steht eine von vielen Aloe Vera-Pflanzen, die mindestens zwanzigste Generation schon. Habe viele Kinder. Ich kann mich nicht erinnern, dass schon mal eine geblüht hätte. Aber die scheint sich sehr wohl zu fühlen, ich vermute, die Blüte wird gelb. Es gibt gelbe und orange Blüten, bin schon sehr gespannt.

11. Juni 2023

Ich lege eine kleine Verschnaufpause von meinem Nürnberg-Spaziergang ein. Die habe ich mir nach rund vierzig Fotoalben auch verdient. Hier sind soweit alle chronologisch, die Geschichten dazu sind immer im Header verlinkt. Also wenn ich Nürnberg nicht kennen würde, hätte ich jetzt direkt Lust, es mir mal anzuschauen! Ich fahre nun in meine kleine Werkstatt und vollende das gelb-weiß-goldene Kaleidoskop-Werk, Nummer vier glaube ich. Mit Jenny, Maria und Saskia auf Fotos von Wabe-Flyern und Eintrittskarten usw. usf. Fehlt nur noch eine kleine Lage Blattgold.

11. Juni 2023

Hinter dem steinernen Durchgang geht es weiter, an Bänken vorbei. Auf der hintersten sitzt ein junger Mann und liest. Ich vermutete anhand der Weise, wie er das Buch hält, dass es sich bei dem Büchlein um erbauliche, irgendwie romantische Lektüre handelt. So hält man kein Handbuch mit Tipps zur Steuererklärung. Ich habe mal ein bißchen rangezoomt und meine, da steht GOETHE. Mit diesem erbaulichen Szenario schließe ich das Album Bürgermeistergarten. Das nächste ist schon in Arbeit. Und ein paar andere Sachen habe ich auch noch vor, an diesem schönen Sonntag. Erst mal Kaffee und Frühstück auf dem sonnigen Balkon.

11. Juni 2023

Und weiter und so weiter. Beim Recherieren über den Nürnberger Bürgermeistergarten hatte ich auch Suchergebnisse zu einem Bürgermeistergarten in Wien und einem in München. Soweit ich das anhand des überschaubaren Bildmaterials zu dem in Wien und München beurteilen kann, ist der Nürnberger Bürgermeistergarten schon besonders romantisch, auch was die Lage, Bausubstanz und die Ausblicke anbelangt. Wien hat ja häufig die unübertrefflichsten Sehenswürdigkeiten, aber in Sachen Bürgermeistergarten hat eindeutig Nürnberg die Nase vorn. Der in München ist eine Parkanlage um eine neobarocke Villa herum.

10. Juni 2023

Für mich sehen die Skulpturen wie Kapitell-Fragmente eines monumentalen Bauwerks aus. Vielleicht sind sie erst nach dem zweiten Weltkrieg im Bürgermeistergarten aufgestellt worden. Ich finde keine Quelle im Internet dazu, ihre Herkunft liegt im Dunkeln.

09. Juni 2023

Unsere BVG. Vorhin fährt eine Straßenbahn an mir vorbei, darauf steht in riesiger Schrift (sinngemäß) „Nicht nur bist hier zweigleisig unterwegs.“ Auf dem Bahnsteig kecke große Aufkleber mit dem Hinweis „Deine Nummer für DIRTY TALK…!“ Dann eine Tel.-Nr. der BVG, wo man mitteilen soll, wenn Züge verschmutzt oder bekritzelt wurden. Beides ein Hingucker. Ich kann mich über solche dreideutigen, anzüglichen Wortspielereiern nicht so wirklich aufregen, finde es eher lustig. Frage mich aber, ob es etwas prüdere Zeitgenossen gibt, die davon pikiert sind. Ich vermute ja. Ist von euch jemand pikiert?

09. Juni 2023

Oh. Blick in eine andere Zeit. Zoom. 21st century. Fata Morgana durchs Bürgermeistergartengebüsch. Da fährt eine Straßenbahn (Erfindung 1881, Werner v. Siemens). Mit beiden Beinen im Mittelalter, Blick auf die Adresse Neutorgraben 5 und den angrenzenden Stadtteil Johannis. Dort, auf dem alten Friedhof liegt Albrecht Dürer. Die Hesperidengärten, ein Renaissancegarten, sind auch ein Highlight für Romantiker. Da war ich aber im letzten Juli nicht. In meiner Jugend zog es mich in die „Desi“ und den „Hecht“. Die „Desi“ gibt es immer noch. Ein alternatives Kulturzentrum in der Brückenstraße. Geradezu ein schicksalshafter Ort für mich. Aber das Epos erzähle ich heute nicht. Eine längere Geschichte.

08. Juni 2023

Bürgermeistergartenmäuerchen. Wenn er sich ein bißchen zu weit drübergebeugt hat, ist er in den tiefen Burggraben geplumpst, der Bürgermeister. Ist aber bestimmt nicht passiert. Heutzutage ist unten im Graben ein Biergarten, früher war dort das Bardentreffen.

08. Juni 2023

Lasse nebenher Germany’s Next Topmodel laufen, die eine Kandidatin bekam ein nicht begeistertes Feedback von Philipp Plein auf ihren walk. Elle Macpherson, auch Gast-Jurorin heute, war nicht so direkt. Die Kandidatin danach im Backstage ins Mikro: „ich fands geil, es hat geBockt, ich war confident.“ Oder höre ich schon schlecht? Hat sie gesagt „es hat gerockt“? Oder ist das eine neue trendy Redewendung zu sagen „es hat GEBOCKT“? Weiß da wer mehr? Ich finde die gar nicht so schlecht, falls. Oder habe ich die hiermit erfunden, weil ich nicht mehr richtig hören kann?

08. Juni 2023

Im Bürgermeistergärtlein gibt es auch ein Brünnlein. Je tiefer ich mich in meine Burgbilder einarbeite, umso mehr komme ich in einen Märchentante-Modus, in dem ich alles verniedlichen möchte und niedlich finde. Aber das ist es doch auch! So putzig. Dem Herrn Bürgermeister, dem ersten zivilen, den es ab 1818 gab, wurde ein eigenes Wohntürmlein am anderen Ende vom Garten zugedacht. Aus Wackersteinen, angrenzend an den altehrwürdigen Burggarten. Damals war so eine revolutionäre Übergangsphase, wo der erste zivile Bürgermeister (in Nachfolge des „Königlichen Magistrats“), nicht aus einem Patriziergeschlecht stammte. Kann man alles nachlesen. Jedenfalls war er als erster „Erster Bürgermeister“ in Nachfolge von adligem Geblüt tätig. So hat man sich gedacht: ein Patrizier oder Kurfürst oder Kaiser ist er ja nicht, aber schon auch wer! Auf der Kaiserburg soll er nicht wohnen, aber ganz nah dran! Ein kleiner Ritterschlag. Und ein Gärtlein kriegt er auch! Mit einem Brünnlein mit Wasserhahn. Ganz modern!

07. Juni 2023

Ich spaziere immer noch in der Erinnerung herum. Ich verarbeite die Bilder, bevor sich mein 2.-Juli-Marathon-Nürnberg-Spaziergang jährt. Sich wiederholende, ähnliche Motive ergeben das Bild, wie die Nürnberger Altstadt über die bekannte Postkartensilhouette hinaus aussieht. Schön ist auch, dass es ausnahmsweise mal keine Friedhöfe sind, wo sich blühende Romantik und Ruhe finden. Nach dem Heilpflanzengarten kam ich unten am Neutor, einem der wichtigsten alten Stadttore heraus, ging durch einen Torbogen und schon zeigte sich abermals ein Garten-Zugang, der den „Bürgermeistergarten“ ankündigte. Ebenfalls erhöht in der Bastion gelegen, zwischen Burggraben und Mauer. Früher, bis 1974, war das der persönliche Garten, der dem Bürgermeister zur Verfügung stand. Seit 1975 ist er der Öffentlichkeit zugänglich. Er sieht ein bißchen anders aus als der Heilpflanzengarten, da es dort alte Steinskulpturen gibt. Mein Alltag ist gerade recht unruhig, die Ruhe in den Gärten tut mir gut, auch wenn ich sie nur auf Fotos sehe.

06. Juni 2023

Am vierten Juni, also vorgestern, Sonntag, war ich gut drauf. Am dritten Juni hingegen war ich überhaupt nicht gut drauf, ich fühlte mich unerklärlich schlapp, den ganzen Tag lang, legte mich zwischendurch hin. Am Sonntag ganz das Gegenteil. Da habe ich mir gleich die Kamera genommen, um das Ereignis festzuhalten. Das Wetter war perfekt, nicht zu kalt, nicht zu warm, herrliche Sonne, ein Lüftchen. Gestern und heute bin ich so mittel drauf, weil viel Arbeit und hin und her und innere Hektik. Aber am vierten war ich gut drauf! Ich bin an sich nicht der Typ, der schlecht drauf ist, ich bin nur not amused, wenn ich einen freien Tag habe und mich schlapp fühle, als wäre man schon alt. Das geht ja mal gar nicht.

05. Juni 2023

Ich kann durch Mauern gehen…! Der Heilkräutergarten, also der Neutorzwinger, hat einen Ausgang, wie er einen Eingang hat. Hinein treppauf, heraus treppab, durch dieses wunderbar beschlagene Holztor. Adresse Neutor 3, in der Nürnberger Altstadt.

05. Juni 2023

Herrlich blauer Himmel und putziger Hut von putzigen Turm. Welchem? Auch Teil der Kaiserburg. Nicht vom Sinwellturm, bei dem endet die Wetterfahne mit der „Fahne“, keinem darüber hinausragendem Schniepel. Und die Kugel ist beim Sinwellturm ganz türkis. Nicht so wichtig. Aber interessant: die Elemente sind bei allen Burgtürmchen komplett gleich: Kugel und Fähnchen. Ich studiere gerne Details, wenn mir etwas insgesamt gefällt. Die gar nicht unwichtige Virtuosität aller Einzelheiten einer Komposition.

05. Juni 2023

Auf den letzten Schritten durch den Heilpflanzengarten erscheint die Burg wieder im Blick. Innerhalb der Bastion mit den Wällen, Gräben und Festungsmauern ist keine Gefahr verloren zu gehen. Als ich noch zu Mauerzeiten nach Berlin zog, ließ ich mich auch gerne treiben, in der Gewissheit, dass ja irgendwann die Mauer kommt und daher nicht zu befürchten ist, im absoluten Nirwana außerhalb des BVG-Netzes verloren zu gehen. Ich hatte schnell gelernt, dass es Nachtbusse gibt. Mir ist noch deutlich in Erinnerung, dass es immer wieder Menschen gab, die erklärten, sich in Westberlin eingesperrt zu fühlen, würden sie dort leben. Die hatten aber auch nicht diese innere Wahrnehmung, dass Westberlin der freieste, weil freigeistigste Lebensraum im ganzen Land war. Vielleicht immer noch ist. Berlin hat in meiner Wahrnehmung eine besondere DNA. Eine dynamische, leicht aggressive libertäre Grundsubstanz. Warum auch immer. Auch Nürnberg galt innerhalb Bayerns politisch als weniger konservativ, was an den Wahlergebnissen von SPD und Grünen abzulesen war.

04. Juni 2023

Mehr Alice-im-Wunderland im Heilkräutergarten. Außer mir war da für ein paar Minuten ein junges Paar, das ein gemeinsames Selfie machte. Ich beobachte immer wieder gerne heimlich, wie das vonstattengeht. Ein Platz wird gewählt, konzentriert verschiedene Positionen getestet. Kurz vor dem Auslösen wird breites Lächeln angeknipst, als sei es eine Zusatzfunktion der Smartphone-Foto-App, die sich nach der Serie sofort deaktiviert. Dann werden die Bilder betrachtet. Bei Unzufriedenheit folgt eine neue Serie. Dann wird kontaktlos weiterspaziert, hintereinander, jeder für sich allein.

04. Juni 2023

Ein entrücktes Refugium für Romantiker. Es war ein Samstag Nachmittag und auf der Burg wimmelte es vor Besuchern aus aller Welt. Doch diesen versteckten, nahen, nahezu menschenleeren Neutorzwinger suchen und finden nur wenige Findige oder Einheimische. Die junge Frau auf der Bank, mit dem Buch in der Hand, vielleicht Studentin, die Pflichtlektüre auf angenehme Weise erledigt. In ihrem Studentenwohnheim hat sie sicher keinen Balkon.

04. Juni 2023

Immer noch im Heilkräutergarten. An der Rückseite der ungefähr zweieinhalb Meter hohen Holzfigur ist ein Schild, darauf steht:

„ZEIDLARIUS NORIMBERGENSIS.
Aus der Volkskunst der Figurenbeuten.
HIER LEBEN BIENEN.“

Daheim muss ich googeln, was „Figurenbeuten“ sind, noch nie gehört. Da lese ich: Die Figurenbeuten sind eine eigene sorbisch-deutsche Form der Volkskunst, die in Schlesien, im nördlichen Böhmen, in der Lausitz, in Sachsen und Thüringen zu finden war. Zunächst hatte man abgeholzte Baumstämme für die Imkerei verwendet. An diesen Klotzbeuten wurden die Einfluglöcher der Bienen mit reliefartigen Gesichtern verziert, deren große Augen starr und drohend blickten. Dadurch sollten Krankheiten und böse Geister, aber vor allem diebische Tiere und Menschen von den Bienenstöcken ferngehalten werden. Ab dem frühen 18. Jahrhundert entwickelten sich aus den aufrecht stehenden Klotzbeuten die überlebensgroßen Holzfiguren, die oft als Wachen neben weiteren Kastenbeuten standen.“ Honigdiebe sind heute vermutlich keine bedeutungsvolle Verbrechergattung mehr, umso schöner, dass da ein Hönigwächter steht. Hat etwas Märchenhaftes. Die Bildhauerin Birgit Maria Jönsson hat das Holzschnitzen an der Akademie für Holzschnitzerei in Oberammergau erlernt. Den Honig kann man dann wohl in ihrem feinen Atelier in der Bergstr. 23 neben dem Albrecht-Dürer-Haus erstehen. Da hängt so ein Schild mit einer großen goldenen Biene.

03. Juni 2023

Im Heilkräutergarten wird gerade gegossen, jemand mit Strohhut wässert die Stauden. Es gibt Bänke und ich finde eine an der rückwärtigen Mauer, im Schatten. Bei zweiunddreißig Grad sehr erholsam. Ich lege eine Rast ein und hole meinen Proviant aus der Tasche. Schöner Platz, sehr idyllisch. Ich frage mich, wie lange es den Garten gibt. Ich kann es nicht verifizieren, aber es ist wohl eine neuere Nutzung. Mir ist auch nicht bekannt oder klar, ob der Neutorzwinger bereits in den Achtziger Jahren geöffnet und begehbar war. Und selbst wenn, hätten wir als Jugendliche urbanere Ziele fokussiert und bevorzugt. Eine schöne Entdeckung.

03. Juni 2023

Eine Treppe nach oben, beim Zugang Neutormauer 3 zum Heilpflanzengarten im Neutorzwinger in der Altstadt von Nürnberg. Wikipedia erklärt Zwinger in der Architektur: „Der Zwinger vor einem Stadttor ist ein befestigter Raum zwischen Haupttor und Vortor einer mittelalterlichen Stadttoranlage. Die Stadttore waren oft in Form eines Torturms gestaltet, wobei dem Haupttor ein zweites, manchmal auch ein drittes Tor vorgelagert war. Vor den Stadtmauern wurde im Bereich der Stadttore in der Regel dabei ein zweiter Mauerzug vorgebaut, in dem sich das Vortor befand.“ Aha.

03. Juni 2023

Am Ende der Neutormauer – für mich – aber eigentlich am Anfang, bei der Hausnummer 3, ist der Zugang zum Neutorzwinger, wo sich ein Heilpflanzengarten versteckt. Nicht gewusst. Schaue ich mir an.

02. Juni 2023

Letzte Meter Neutormauer. Und dann entschwand ich. An einen überraschenden Ort. Kleiner Cliffhanger! Das wird die nächste Strecke von meinem völlig planlosen Nürnberg-Spaziergang.

02. Juni 2023

Neutormauer, Neutorstraße, Neutorgraben, Neutorbastion… uff. Verwirrend, diese ähnlichen Straßennamen im derselben Ecke. Also ich bin die Neutormauer entlang, mit diesen rosa Sandsteinquadern, dann ging davon eine Seitenstraße ab, die hieß Neutorstraße. Da war dann der abgeschrabbelte Bäckersladen, der den Betrieb aufgegeben hat. In meinem Mittelaltertaumel hielt ich es schon für möglich, dass der Bäcker inclusive der verblichenen, leicht zerfledderten Markisen auch noch aus Albrecht Dürers Zeiten stammt. Bei soviel Liebe zu Relikten des Mittelalters und der Renaissance. Aber das ist Unfug, schätze ich mal. Der Bäcker hat wohl vor wenigen Jahren sein Geschäft aufgeben müssen, die Konkurrenz von Backwaren aus dem Discounter war zu groß. Auch denkbar, dass in einer solchen Premium-Wohnlage anderweitig gespart wird, bei der Miete hat man ja keine billigere Alternative à la „Ach, ich gebe meine Mietkosten diesen Monat mal Aldi“. Wohnraum-Discounter in Spitzenwohnlage wurden nicht erfunden.

31. Mai 2023

Mauer ist nicht gleich Mauer. Die in Nürnberg trutzig putziges Wahrzeichen aus Sandstein, die Berliner aus Stacheldraht und Beton trauriges Symbol von Trennung. Als Schulkind habe ich nicht verstanden, wieso immer Aufhebens um die alte Nürnberger Stadtbefestigung gemacht wird. Sie war einfach da, wie eine Kirche in jedem Dorf. Ich kannte als Kind ja gar keine andere Stadt ohne mittelalterliche Stadtmauer. Heute weiß ich, dass diese sehr lange Sandsteinmauer um den Altstadtkern sehr wohl etwas Besonderes ist, was den Umfang, die gewaltige Größe, und das Ausmaß ihrer beständigen Erhaltung seit dem Mittelalter angeht. Linker Hand grüßt ein Dürer-Hotel, gegenüber sonnenwarme Sandsteinquader.