16. August 2023

Finde ich interessant: Markenprodukt Iglo-Fischstäbchen, in der identischen Packungsgröße, bei EDEKA günstiger als bei Penny. Wer hätte es gedacht! Ich liebe Fischstäbchen, von klein auf. Außerdem habe ich herausgefunden, was der Unterschied zwischen Backfischstäbchen und Fischstäbchen ist: bei Backfischstäbchen ist ein Teigmantel drumherum, der einen größeren Anteil am Gesamtgewicht haben darf, bei Fischstäbchen gibt’s mehr Fisch unter der Panade. Die meisten Sachen, die ich als Kind gemocht habe, schmecken mir heute noch: Pommes Frites, Schnitzel, Fischstäbchen, Kartoffelsalat, Rostbratwürstchen, Wiener Würstchen, Salami, Mortadella, Äpfel, Erdbeeren. Von Milch wurde mir als Kind schlecht, vom Geschmack her. Ich hatte Würgereiz. Mein Bruder liebte es, mehrere Gläser Milch hintereinander in sich hineinzukippen. Das war der befremdenste Unterschied zwischen ihm und mir. Und er mochte Marzipan, ich gar nicht. Ich überließ ihm in der Pralinenschachtel immer die Marzipansachen. Heute mag ich Marzipan gerne, vor allem von Niederegger! Milch habe ich zwischendurch mal im Kaffee trinken können, aber nicht leidenschaftlich. Heute kaufe ich keine Milch mehr, weil ich mir schaumig geschüttelte Biosahne auf den Kaffee mache. Gibt so ein Wölkchen. Interessant, dass sich manche Geschmacksvorlieben ändern können. Aber Fischstäbchen werde ich immer lieben! Ich brate sie immer in viel Butter, mache viel frisch gemahlenen, groben schwarzen Pfeffer und Salz drüber und ein paar frische Ingwer-Raspeln. Eine Delikatesse! Dazu gerne Backofen-Pommes Feinschnitt und ein großer Klecks Mayonnaise. Auch koche ich mir gerne ein Töpfchen Pellkartoffeln dazu, die ich nie pelle. Die zarten, putzigen kleinen Drillinge-Kartoffeln gehen superflott und schmecken mir immer. Ich liebe Kartoffeln! Als begleitendes Getränk einen erfrischenden Crémant bester Qualität.

13. August 2023

Es wird intim! Heute gibt es wieder einen Blick durchs Schlüsselloch. Ich habe heute mein Schminkkästchen geputzt. Das ist eine Schublade in einem Kästchen im Badezimmer, steht auf der Waschmaschine. In der obersten Schublade sind meine Malsachen. Ich habe alles rausgenommen, die Stifte gespitzt, Spiegelchen und Deckelchen poliert. Zum Anmalen nehme ich die ganze Schublade raus und setzte mich mit einem großen runden Vergrößerungsspiegel an den Küchentisch oder ins Wohnzimmer und es geht los.

Ich zähle mal auf, was alles drin ist: schwarze Wimperntusche, brauner und schwarzer Eyeliner, ein pinker Lippenstift, den ich als Rouge zweckentfremde, außerdem ein weiteres Creme-Rouge im Döschen, ein rostbrauner Konturenstift, zwei schwarze und zwei dunkelgrüne Kajalstifte, ganz dick und normal, eine Pinzette, eine Puderdose, eine Dose mit Highlighter, Make up, lila Puder- und Creme-Lidschatten (beide selbst gemixt), eine Dose graubrauner Augenbrauenpuder, zwei doppelseitige, verschließbare Lidschattenapplikatoren in goldenen Metallhülsen, ein Spitzer mit zwei Stärken.

In den beiden anderen Schubladen darunter sind fünf Paar falsche Wimpern, die ich höchst selten mal anklebe, sind äußerst extravagante Las Vegas-mäßige Modelle mit Strass und so weiter, also für ganz besondere Anlässe. Habe aber gerade keinen Wimpernkleber. Dann gibt es in der dritten Schublade noch einen kleinen Vorrat an Wimperntusche, grünem Kajal und Puderquasten. Ich kaufe unterschiedliche Hersteller, aber sehr selten hochpreisige Sachen. Ich bin Stammkundin bei dm und Rossmann, unseren Berliner Drogeriemärkten. Das Maybelline-Make up ist schon das hochpreisigste Label bei dm und Rossmann, aber auch noch sehr erschwinglich.

Bei Hautcreme bin ich auch sparsam unterwegs. Mir kommt es auf die Verträglichkeit, die Textur und den Geruch, also den Duft an. Ich creme mich morgens mit der Nivea Men Bodylotion ein, auch im Gesicht. Für die Hände habe ich auch noch die dickere Nivea Men Hautcreme. Die Sachen riechen ausgesprochen gut und ich reagiere nicht allergisch, ich bin da sehr empfindlich.

Zum Haarewaschen und Duschen nehme ich seit mindestens zehn Jahren ein- und dasselbe Produkt: Balea Cremedusche Duftnote Vanille-Kokos von dm. Kostet die 300 ml-Flasche 55 Cent. Ich brauche kein Extra Shampoo, meine Haare sind leicht und fluffig. Einwandfrei. Ein Deo habe ich auch: Wasserlilie im Zerstäuber von CD. Bei Zahnpasta nehme ich Odol White & Shine. Nur mein Parfum ist nicht vom Discounter, ich benutze seit siebzehn Jahren Armani Code Femme und gedenke nicht, das jemals zu ändern.

13. August 2023

Gestern war ich zu bequem, mich zum nächsten Rewe zu bewegen, wo es den von mir absolut favorisierten stichfesten Bulgaria Joghurt gibt. Ich war stattdessen beim Einkaufsladen um die Ecke, dem Edeka in der Großen Hamburger. Ich kaufe dann als Alternative irgendeinen Biojoghurt mit 3,8 Prozent, wechselnde Hersteller. Diesmal wählte ich Andechser Natur im 500 Gramm-Becher. Ich hatte ein aus den Achtziger Jahren rührendes Urvertrauen, dass Andechser ein vertrauenswürdiger Hersteller aus Bayern ist, da Pionier in der Verarbeitung von Milch aus ökologischer Landwirtschaft. Auf dem Becher ist bei den Bestandteilen dementsprechend auch nur fermentierte Milch aufgeführt. So weit, so gut.

Wie eingangs erwähnt, präferiere ich stichfesten Joghurt, der leider eine Seltenheit geworden ist, und auch von Andechser nicht versprochen wird. Im Gegenteil, es wird auch bei diesem Joghurt mit „cremiger“ etikettiert und zusätzlich: „sanfter, milchiger“. Das ist eher klein gedruckt auf dem Becher, ich lese die ganzen Reklame-Adjektive auch nicht en detail. Da hätte ich schon stutzig werden können. Aber ich habe ja eh nichts vernünftig Stichfestes erwartet. Was mir dann aber in dem Becher als Joghurt präsentiert wird, hat nicht die Gewichtskategorie „Gramm“ verdient. Es ist ein weißer, milchiger, leicht cremiger See, der mit 0,5 Liter korrekt bemessen wäre. Flüssigkeitsgrad zwischen Dickmilch und Kefir.

Mein Obstsalat schwimmt demzufolge in einer weißen Suppe. Nun frage ich mich, ob der Übergangsprozess von fermentierter Milch zu Joghurt so frühzeitig abgebrochen wird, dass nichts mehr stocken kann, oder ob Andechser vielleicht doch noch ein bißchen Wasser zusetzt, was nicht auf dem Becher vermerkt ist? Für mich ist das kein Joghurt, sondern dickere Sauermilch. Werde ich garantiert nicht mehr wählen. Schade, Andechser! Wie wäre es mal mit einer Produktpalettenerweiterung auf stichfest? Da hätte ein 500 Gramm-Becher dann vermutlich die Substanz von fünf 500 „Gramm“-Bechern von diesem Flüssig-Produkt. Ist natürlich nicht so wirtschaftlich, vom Gewinn her. Aber ich wäre sehr zufrieden mit so einem Angebot im Kühlregal. Ich esse jetzt mal meine Obstsuppe.

12. August 2023

Da ist sie wieder. Sonnenaufgang gerade eben, 6.47 Uhr, Auguststraße, Blickrichtung Rosenthaler Straße. Bin heute (sehr gegen meine sonstigen Gewohnheiten) schon kurz nach fünf aufgestanden, einfach so, weil ich wach war. Schon einiges gelesen. Unter anderem, dass Sandra Bullock ihren Lebensgefährten verloren hat. Er wurde nur siebenundfünfzig. Als ich vor einiger Zeit ein Foto von den beiden gesehen habe, war ich schwer beeindruckt, wie attraktiv er aussah. Er war Fotograf und die letzten drei Jahre sehr krank, sie hat ihn gepflegt. Tut mir sehr leid für Sandra. Sehr. Sie hat ihn die Liebe ihres Lebens genannt.

09. August 2023

Roger Mühl (1929 – 2008), Le Jardin. Roger Mühl lebte und arbeitete den größten Teil seines Lebens an der Côte d’Azur und malte in unvergleichlicher Weise das Licht und die Vegetation der französischen Riviera. Ich liebe seine Bilder, Urlaub für die Augen.

07. August 2023

Bitte das Vokabelheft aufschlagen und eintragen: PUSSY BOW. Das ist kein Schweinkram, sondern etwas ganz Artiges. Wer hätte es gedacht: pussy bow ist englisch für Schluppe! Gerne trage ich pussy bows. Die Vokabel habe ich gelernt, als ich wieder einmal mein Englisch mit Royal Gossip improved habe (Life Hack!). Da gab es nämlich einen Artikel über die Vorliebe für Schluppenblusen von Kate, also Princess Catherine. Hier ist der Artikel . Eine Vorliebe, die ich mit der neuen Princess of Wales teile. Ich liebe Schleifenblusen. Die hier in lila hatte ich heute bis vor einer halben Stunde an. Topaktuelle Fotos von 19:29 Uhr! Ich komme drauf, weil ich heute einen Höhepunkt hatte! In der S-Bahn heimwärts. Auf der Nachbarbank saß ein Papa, ca. Ende Dreißig, neben ihm seine kleine Tochter, schätzungsweise sieben, das Mädchen. Sie tauschten sich die ganze Zeit eifrig aus, sie hatte tausend Gedanken zu dem, was alles am Fenster vorbeizog. Dann guckte sie mich an. Hob ihren kleinen Zeigefinger in meine Richtung und sagte – etwas leiser als vorher – was zu ihrem Papa. Er ging in die Offensive und sagte mit Blick halb in meine Richtung: „JA, das ist eine SCHLEIFE!“ Sie guckte mich vergnügt an. Papa erklärte mir weiter: „und dann auch noch in ihrer LIEBLINGSFARBE!“ Ich entgegnete: „ist von Amazon, einfach googeln „Schluppenbluse lila“!“ Er: „Das fangen wir gar nicht erst an!“ Er verdrehte auf eine sympathische Art die Augen. Ich: „war aber ganz billig!“ Die Kleine guckte dann immer wieder mal zu meiner lila Schleife. Ich hab mich gefreut. Also heute morgen nicht umsonst Gedanken gemacht, welche von meinen zehn artigen Pussy Bows ich heute anziehe!

06. August 2023

Heute miste ich den Schuhschrank aus! Herrliche Beschäftigung! Ich habe einen hohen, verspiegelten Dreh-Schuhschrank im Flur, da passen genau zwanzig Paar Schuhe rein. Stiefeletten, Schnürschuhe, Turnschuhe. Dann gibt es eine Truhe mit kniehohen und Overknee-Stiefeln, da sind auch die Mützen und Hüte. Außerdem habe ich einen großen Stiefelschuhkarton, in dem ich alle flachen Sandalen und Espadrilles aufbewahre. Des Weiteren verteilen sich im Flur und im Schlafzimmer noch siebzehn Schuhkartons mit diversen Stiefeln, Stiefeletten, Mary Janes und sonstigen High Heel-Modellen, die ich sehr selten anziehe, aber nicht wegwerfen will. Ich habe jetzt nur zwei Modelle aussortiert, die in die Tonne kommen. Waren beide noch wie neu, nur ein-, zweimal getragen, weil schon eine Nummer zu klein gekauft. Habe die einen zerschnitten, um ein interessantes Detail zu explantieren und weiterzuverarbeiten. Jetzt muss ich noch die Stiefeltruhe aussaugen und den Teppich drumherum und die Truhe wieder einräumen. Wenn ich noch Lust dazu habe, putze ich vielleicht noch meine drei Lieblingsstiefeletten, sind Chelseas. Jetzt aber erst mal kleine Pause mit Kaffee und Apfel und was angucken.

05. August 2023

Nun Häppchen mit Paprika-Lyoner und Gürkchen. Hoffe, die Bioqualität der Wurst wirkt sich geschmacklich nicht negativ aus. Einmal kaufte ich ambitioniert Wiener Würstchen bei Bio Company, die mir überhaupt nicht geschmeckt haben. Vielleicht lagen sie auch einfach zu lange in der Wursttheke. Kam mir aber eher so vor, als läge es an der Rezeptur, es fehlte das Würzige, die bewährte Geschmacksrezeptur, wie ich sie z. B. bei den Wiener Würstchen von JA! schätze, wurde offenbar nicht als Maßstab genommen.

05. August 2023

Mein Flohmarktfund. Marino Marini, „Cavallo nero su sfondo rosso“, 1953. Die Größe entspricht den Lithographien aus den Fünfziger Jahren auf dem internationalen Kunstmarkt. Vielleicht ist es eine Serigraphie, ein Siebdruck-Nachdruck. Vor ca. fünfundzwanzig Jahren beim Flohmarkt am Fehrbelliner Platz gefunden, inclusive Rahmen und Leinen-Passepartout, wo auf der Rückseite mit Bleistift „Panier“ (?) steht. Preis ist mir nicht mehr genau erinnerbar, irgendwas zwischen fünf und fünfzehn Mark. Wie man sieht, gibt es einen zusätzlichen Farbauftrag in Orange, der stammt von mir, habe ich einige Zeit nach dem Erwerb impulsiv gemacht, weil mir das Rot ausgeblichen erschien, als wäre das Bild über Jahre der Sonne ausgesetzt gewesen und das Rot schon mehr Rosa, damals wusste ich gar nicht, wer Marino Marini ist, ich habe das erst viele Jahre später identifiziert. Wenn ich das Motiv recherchiere, ist das Rot in den abgebildeten Lithographien immer satter, als es auf meinem Bild war, ich habe also quasi intuitiv dem Originalzustand zugearbeitet. Ich bedaure das nicht, und mag es so lieber, es ist lebhafter. Das Pferd habe ich sofort geliebt, es hat mich angesprungen, und mit Sicherheit habe ich bei dem privaten, unprofessionellen Flohmarkthändler mein Begehren runtergespielt. Vielleicht eine beiläufige Anmerkung gemacht wie „ganz nett, wieviel?“ Als ich es für ein Taschengeld bekam, war ich verwundert, dass es noch keiner gewollt hatte. Ich ging nämlich immer sehr spät auf Flohmärkte, auf den letzten Drücker, nach ausgiebigstem Ausschlafen. Da, wo Marinis Cavallo nero seit vielen Jahren hängt.

04. August 2023

Ruhiger Freitagabend. Heute mal bei einem anderen Netto eingekauft, dem in der Rathausstraße, am Fernsehturm. War schöne Abendsonne. Ich mag das Wetter, wie im Frühling. Wenn es genau so temperiert im März ist, sind alle entzückt über die erste Frühlingssonne, dass man schon mal kurzärmlig gehen kann. Ich mag, dass jeder Sonnenstrahl angenehm wärmt, keine inflationäre Dauerstrahlung. Ein lauer Wind. Für mich sind 20 bis 23 Grad perfekt. Freibadbesuch oder in Seen schwimmen spielt für mich keine Rolle. Ich muss in diesem Sommer nicht dauernd die Wohnung abschotten, ich kann einfach rausgehen, die Rollos dürfen oben bleiben. Keine stickige Wärme beim Heimkommen. So angenehm alles. Und nicht jeden Tag gießen, muss nicht in meine Werkstatt fahren, nur um die Blumen zu wässern. Für mich ist das gerade wie ein ewiger Frühlingsbeginn, ja – eine ideale Wetterlage.

03. August 2023

Ich möchte heute von einem Aha-Erlebnis berichten. Eine meiner Lieblings-Beschäftigungen ist Ausmisten. Altes Zeug auf wie auch immer geartete Verwertbarkeit prüfen. Heute war es wieder so weit. Ich fand in einem Konvolut Gegenstände vor, die anderen noch nützlich sein könnten. Genre Büromaterial, im Speziellen „Ordnungssysteme“. Dazu gehört ein Gegenstand namens „Stehsammler“, den ich selbst niemals benutzen wollen würde, weder auf meinem Schreibtisch, noch gut verräumt in einem Schrank. Fünf identische indigoblaue Exemplare aus Hartplastik fielen mir in die Hände, ich hatte die freie Wahl, sie in die Tonne zu kloppen oder der erneuten Verwendung zuzuführen.

Manchen Menschen kann man mit solchen Gegenständen Freude bereiten. Mir selbst ja so gar nicht, aber eben anderen. Ich respektiere Geschmacksvorlieben, die von meinen persönlichen abweichen, so lange ich unattraktive Gebrauchsgegenstände nicht vor meiner Nase habe.

Nun zum Aha-Erlebnis. Die Dinger waren zwar nicht total verdreckt, aber ich habe bei gebrauchten Sachen immer den automatischen Reflex, sie abzuwischen. Mit Seifenwasser oder Desinfektionsmittel, gibt ja noch genug aus Coronazeiten. Ich wische auch Bücher als erstes ab, die ich mir für kleines Geld gebraucht bei Amazon bestellt habe.

Nun begab es sich, dass ich gleich mal eruieren wollte, ob die nächstbeste Mitarbeiterin in meinem Umfeld eventuell Interesse an so einem Stehsammler haben könnte. Zutiefst überzeugt stimmte sie der Zuführung der Wiederverwertung zu, ja geradezu begeistert. Ich erwähnte, dass ich nun plante, die Dinger abzuwischen. Wir standen vor einer Küchenzeile mit Spülmaschine. Da machte sie den Vorschlag, die Dinger in die Spülmaschine zu packen. Ich war fasziniert!

Man kann also auch Gegenstände, die nicht zur Kategorie „Geschirr“ gehören, in die Spülmaschine packen? Wahnsinn! Da wäre ich echt nicht drauf gekommen, ganz ehrlich. Dabei habe ich doch sonst so ein Talent „out of the box“ zu denken. Irre! Sie hat die Dinger in die Spülmaschine gepackt und das Gerät angeschmissen. Es war direkt ein Initiationserlebnis. Ohne jetzt esoterisch werden zu wollen. Nun muss man wissen, dass ich über eine Spülmaschine verfüge, die ich noch niemals zum Geschirrspülen benutzt habe. Dieses Einbaugerät fungiert bei mir seit 24 Jahren stromfrei als Geschirrschrank. Ich spüle von Hand.

02. August 2023

Neu in meiner (erträumten) Sammlung: Marino Marini, „From Color to Form X„, 1969, 39,5 x 52,8 cm. Kein anderer (mir bekannter) Maler hat Pferde so kraftvoll, anrührend, frei und auch häufig eingefangen wie Marini. Dafür wurde er bekannt. In den beiden Bildbänden, die ich von ihm habe, genauer, zwei umfangreichen, antiquarischen Ausstellungskatalogen, mit dem Schwerpunkt seiner Druckgrafiken, gibt es auch viele Darstellungen von Menschen, vor allem Frauen, die mir nicht zusagen. Zu rundlich, zu nett, zu behäbig und träge für meinen Geschmack. Aber seine Pferde, auch mit Reiter, erhebend für mich. Die Energie überträgt sich wie Starkstrom. Weder war, noch bin ich ein „Pferdemädchen“. Die Kreaturen sind mir zu respektabel, um mich draufzusetzen. Mir wurde erst vor kurzem klar, dass ich einen alten Druck von Marino Marini besitze. Vor circa zwanzig Jahren auf dem Flohmarkt gekauft, für ganz wenig Geld. Ich war sofort elektrisiert. Die Rückwand der feinen Rahmung war schon damals stark nachgedunkelt. Es ist ein elfenbeinfarbener Holzrahmen mit Leinenpassepartout, ein Druck eines Motivs von 1953. Womöglich ist es annähernd so alt. Eine limitierte original Lithographie kann es nicht sein, dann wäre eine Auflage-Signatur links unten in der Ecke, und ich wäre eine gute Partie! Eine original Lithographie aus den Fünfziger Jahren von Marini ist schon ein kleiner Picasso. Aber mein Flohmarktfund ist ein sehr guter Druck. Hinten steht mit Bleistift „Panier“. Ich zeige das Bild noch. Hängt im Schlafzimmer.

31. Juli 2023

Es ist so weit: ich habe die leichten Übergangsmäntelchen und Jacken aus der Truhe gehievt und die dicken aufgebügelten (= am Bügel hängenden) Wintermäntel und Jacken auf den Teppich im Wohnzimmer geschmissen. Nun wird ausgetauscht. Die leichten Sachen aus den Kleidersäcken mit Reißverschluss holen und aufbügeln (= auf die Wintersachenbügel hängen). Währenddessen läuft nebenher „Goodbye Deutschland!“ auf Vox, eine der wenigen TV-Sendungen, die ich regelmäßig verfolge. Habe da so meine Lieblinge. Unter anderem sehe ich sehr gerne Christian Töpperwien, den L.A.-Auswanderer aus Köln. Vor einigen Jahren dachte ich beim erstmaligen Sehen „…hm… bißchen prollig eventuell…?“ Aber das war ein dummes Vorurteil. Er hat das Herz am rechten Fleck, ich mag das Impulsive, seinen gesunden Menschenverstand, seinen Pragmatismus, auch das Schnelle. Ich meine menschlich, nicht als Mann. Ich sehe ihn gerne. Ein empathischer Fisch mit Unternehmergeist. Und lustige Sachen sagt er, ohne planvoll lustig sein zu wollen. Eloquent! Nun ist er frisch gebackener Papa und erzählt ungeniert, dass er mit dem Mini-Sohn jetzt noch nicht so viel anfangen kann, aber er kümmert sich offenbar vorbildlich, wo Mama gerade mal unterwegs ist. Macht sich viele Gedanken, was den Kleinen mal erwartet, auch in der Schule. Also ich bügle jetzt ab und anschließend auf. Den Ausdruck habe ich bei einer DOB-Fachverkäuferin aufgeschnappt. Ich war bei Galeria Kaufhof am Alex und eine Verkäuferin tauschte sich mit einer Kollegin aus, und ich hab die Ohren gespitzt. Da habe ich überrascht begriffen, dass Aufbügeln in der Bekleidungsbranche häufig nichts mit einem Bügeleisen zu tun hat!

30. Juli 2023

Ich habe vorgestern und gestern neben dem Rumgeräume noch ein bißchen gebastelt. Ergebnis: ein lauschiger Lampenschirm fürs Schlafgemach aus vier alten orangen Pappkartonmappen. Mit Teppichklebeband und Tesapack rund zusammengeklebt, mit der Nagelschere freihändig Löcher reingeschnitten, auf Panettonedose mit Samtbezug gesetzt, Lampe rein, Durchmesser 22 cm, Höhe komplett 43 cm, 28. und 29. Juli 2023, Staatl. Museen v. Gaganien.

29. Juli 2023

Auch im Schlafzimmer, rechts vom Durchgang zum Flur, steht der zweite von meinen drei Kleiderschränken. Da bewahre ich Jacken und Mäntel auf, auch ein paar Schuhkartons und lange Röcke. Im Augenblick sind noch schwere Wintersachen drin, ich bin einfach noch nicht dazu gekommen, die leichteren Mäntel aus der Truhe zu holen. Die schlummern da noch im Winterschlaf. Der Frühling war dieses Jahr so unmerklich von den Temperaturen, erst war es lange noch kalt genug für dicke Mäntel und Jacken, und dann plötzlich gleich sommerlich warm. Eigentlich ist jetzt das richtige Wetter für was Leichtes drüber. Ich habe mir fest vorgenommen, noch im Juli die dicken Mäntel in die Truhe zu packen. In den orangen und pinken und roten Schachteln links von der Tür sind auch Schuhe. Welche, die ich eher selten trage. Zum Beispiel Chucks mit schwarzen Pailletten. Sollte ich mal wieder anziehen.

29. Juli 2023

Das Innenleben. Geliefert mit drei dicken Regalböden und einer Kleiderstange aus massivem Holz. Der traue ich zu, die 79 Kleider auf siebenundsiebzig Bügeln zu tragen. Obwohl man mich relativ selten mit Kleidern sieht, besitze ich offensichtlich einen ganzen Schrank voll. Aber ich hebe auch vieles sehr lange auf. Unten sind ein paar Schuhkartons mti seltener getragenen Stiefeletten und daneben meine siebzehn Ponchos. Vielleicht ziehe ich jetzt öfter mal wieder ein Kleid an, wo ich jetzt so gut rankomme. Vorher, am Stoffschrank waren erst umständlich Reißverschlüsse aufzuziehen.

29. Juli 2023

Passt doch gut in die Ecke, der Mangoschrank, fällt gar nicht auf. Hacienda-Style. Die rustikalen Eisengriffe habe ich abgeschraubt, der Schrank braucht keine Griffe, die Leiste an der Tür ist griffig genug. Das Holz wirkt rau und roh, aber fühlt sich ganz glatt an.

29. Juli 2023

Ich räume gerade in meinen Kleiderschränken rum, vorhin hat mich eine Wespe gestochen, die ich vorsichtig nach draußen befördern wollte… Biest! Ich Trottel hatte ein gefaltetes Klopapierblatt in der Hand, da hat sie durchgestochen! Ja, ich kenne den Lifehack Glas über Insekt stülpen, Postkarte drunterschieben und nach draußen exportieren. War gerade zu bequem dafür und konnte mir nicht vorstellen, dass sich die Wespe mir gegenüber anders als zutiefst dankbar und zahm erweist. Schön blöd! Daumeninnenseite bißchen geschwollen, leichtes Spannungsgefühl. Ich sprühe mal mein Armani-Parfüm drauf, das hat vorhin gut getan, als der Einstich frisch war. Alkohol in angemessener Dosierung ist doch eine sehr große Hilfe im Lebensalltag.

28. Juli 2023

Michael Holm zum Achtzigsten: „Mendocino“, produziert vom berühmten Giorgio Moroder. Hat mir glaube ich als vierjähriges Kind Anno ’69 irgendwie gefallen. Überraschend eintönige Melodie, flaches Arrangement, hatte ich interessanter in Erinnerung. Ist aber vielleicht auch eine Verwechslung mit „Is this the way to Amarillo?“ von Tony Christie, das gefällt mir besser. Und dann gabs noch „Barfuß im Regen“, ein weiterer Hit von 1970 von Herrn Holm. Ganz atmosphärisches Video, Zeitkolorit eben:

An den Song, an den jeder bei Michael Holm denkt, möchte ich aber nicht erinnern, der hat mir nämlich gar nicht gefallen und dann müsste ich womöglich weinen. (Tränen lügen ja bekanntlich nicht.)

25. Juli 2023

Liveticker:
25/07/2023 – 09:52 – Sendung zugestellt – Deutschland – Berlin

Braucht jemand eine Europalette? Ich hatte ja gehofft, dass mir ein oder zwei starke Männer von der Spedition behilflich sind, das große Paket mit dem Schrank zum Fahrstuhl zu wuchten oder sogar noch besser in meinen Flur zu stellen. Nö. Es war ein Fahrer, in Eile, der das Paket mitsamt der Europalette, um das Ganze Klarsichtfolie gewickelt, auf den Gehweg vor meinem Hauseingang abgestellt hat. Ist sicher auch entsprechend der Zustellbedingungen, vermutlich „bis Bordsteinkante“ ist die gängige Formulierung. Ist ja nicht Möbel-Hübner, wo sogar noch ausgepackt wird und in die passende Ecke geschoben. Also vermutlich – habe noch nie bei Möbel Hübner gekauft. Eventuell ein Versäumnis! Wie auch immer – ich nach oben, Schere geholt, Klarsichtfolie und die Kunststoffstrippen aufgeschnitten, die das Paket mit der Europalette verbunden hatten, dann der Versuch, das Paket (79 Kilo) von der Palette in den Hausflur zu wuchten. Schwierig. In dem Moment kommt meine Nachbarin vom Fahrstuhl. Habe sie gefragt, ob sie mir mal kurz helfen kann, das Dings runterzuwuchten. Zu zweit gings recht gut, hätte ich alleine nur sehr langwierig hinbekommen, mit Gefahr, dass mich der Schrank erschlägt. Das ist ja kein Ikea-Bausatz, sondern ein fertiger kompakter, massiver Holzschrank. Nun steht er hier oben, noch vollverpackt im Flur und ich werde das gute Stück mal auspacken. Die Europalette ist jetzt in unserem kleinen Kabuff mit den Mülltonnen, weiß nicht, was damit machen. Lobend zu erwähnen ist die superkurze Lieferzeit. Ich hatte den Schrank ja erst in der Nacht vom 19. auf den 20. Juli bei Amazon ins Körbchen gelegt. Fünf Tage ist schon flott, wäre kein Wochenende dazwischen gewesen, hätte ich ihn wohl noch schneller gehabt. Ok, keine Sonderanfertigung, aber die besonderen Maße habe ich ja entsprechend beim Googeln eingegeben. Also ich packe jetzt aus!

24. Juli 2023

Warten auf den Mango-Schrank. Sitze vor dem E-Tracker der Spedition Raben. Geplanter Liefertermin 24.07.2023. Aber wann? Seit Freitag ist er im Depot in Mittenwalde, seitdem heißt es im Tracker „Avisierung nötig“. Hm. Ob ich doch mal anrufe? Der Schrank ist für eine Ecke in meinem Schlafzimmer. Da ist bislang ein Stoffschrank, so ein provisorisches Ding. Der ist mir letzte Woche fast entgegengekippt. Wegen Überfüllung und durchaus verständlicher Materialermüdung der alles andere als belastbaren Konstruktion von Kunststoffverbindungsteilen und Rohrgestänge. Wäre dann direkt aufs Bett gekippt. Nun habe ich doch endlich mal was Massives, Stabiles bestellt. Eigentlich hätte mir so ein chinesischer Hochzeitsschrank mit aufgemalten Blumenranken oder in klassischem Chinarot oder Schwarz in meinem Schlafzimmer am besten gefallen, aber die haben zu wenig Stauraum und auch keine Kleiderstange. So habe ich mit Vorgabe der Maße gegoogelt, was exakt in die Ecke passt, wo jetzt der Stoffschrank steht. Der war dann das Suchergebnis, das mir am besten gefallen hat. Ist aus massivem Mangoholz, ein Abfallprodukt von Mangofarmen. War mir auch vom Material, der Oberfläche und dem Lamellentüren-Look sympathisch. Sind aber keine Ritzen dazwischen, wäre ja sonst ein Staubfänger erster Güte für die Sachen im Schrank. Wie man sich fast schon denken kann, ist das nicht mein einziger Kleiderschrank. Im Schlafzimmer ist noch ein massiver mit einem ovalen Spiegel und auf dem Flur steht mein größter Schrank von den dreien, ein komplett verspiegelter mit drei Schiebetüren, vor dem ich manchmal Fotos mache. Der Tracker sagt noch nichts Neues. Bei Amazon steht als Lieferdatum 25. – 28. Juli, aber ich denke, die Spedition Raben hat das genauere Datum. Es bleibt etwas spannend! Ich denke, ich rufe gegen Acht mal an, da geht bestimmt schon jemand ran. Aber erst mal Kaffee.

23. Juli 2023

Als wir da so saßen, vor uns die Bastion Koenigin, rechter Hand der Eingang zur Freilichtbühne, inzwischen dämmerte es und die Laternen leuchteten, gingen wir davon aus, dass wir nach der Pause doch noch mal bis zur Band reinkämen, aber am Eingang war ein strenges Regiment. Wir waren schon dankbar, dass wir vorne am Stand Getränke kaufen durften und sogar aufs WC. Wir hatten nun Hunger, und am Würstchenstand kamen gerade neue Bratwürste auf den Grill. Wir planten, zwanzig Minuten später welche zu holen, da hieß es, das sei nun das letzte mal gewesen, dass wir reindurften. Unser Würstchenhunger war kein Argument.

Begründung war, einige, denen man auch gestattet hatte, sich was zu trinken zu holen, hatten sich nicht dran gehalten, danach gleich wieder rauszugehen und seien frech durch bis zur Bühne und dann dringeblieben. Aber Ina kriegte es eine halbe Stunde später doch wieder hin, ein weiteres mal für Würstchenholen reinzukommen. Nun waren wir wieder gut versorgt und plauschten draußen weiter. Es wurden neuere Erkenntnisse über vergangene Lieben und die erstaunliche Veränderung von eigenen Gefühlen ausgetauscht.

23. Juli 2023

Auf der Mauer steht es: KOENIGIN. Ina war gestern die Königin der Bastion Koenigin. Ich auch! Wir waren für 19 Uhr verabredet, in der Freilichtbühne an der Zitadelle. Ich war wenige Minuten vor ihr da und kriegte kein Ticket mehr. Ausverkauft! Das hätten wir uns beim Berlin Beat Club fast schon denken können, aber ich hatte wohl gerade keine Lust zu denken. Ich wartete draußen auf einem der Mäuerchen vor dem Eingang bis Ina kam. Ich eröffnete ihr die Neuigkeiten. Kein Grund zur Traurigkeit, wir haben uns genug zu erzählen. So nahmen wir uns vor, den Türsteher dazu zu bringen, dass wir uns Getränke holen können und dann wieder rausgehen. Man konnte ja jeden Ton ausgezeichnet hören. Und wir hatten einen Blick auf die Bastion Koenigin der Zitadelle! War sehr schön!

23. Juli 2023

Gestern abend fiel meine sehr spontane Garderobenentscheidung auf ein Walla-walla-Ensemble. Wetter so leicht unwägbar, Plan war, Ina in der Freilichtbühne der Zitadelle zum Berlin Beat Club-Konzert zu treffen. Da dachte ich, kann ruhig locker und bequem sein, so ein bißchen hippiemäßig. Körperbetonter und sexier spare ich mir für entsprechende Anforderungen. Das hört sich vielleicht ein bißchen gemein an, aber ich erwartete kein männliches Publikum, das meinem Beuteschema nah kommt, also war es mir eher wurst. Ich habe mir natürlich die Haare gekämmt und mich zurecht gemacht, aber dieses Foto von meinem Look zeigt mir, dass ein wenig körperbetonter, weniger unwägbar, doch attraktiver ist. Ich möchte nicht wie ein Elefant oder eine Walküre aussehen, da sehe ich ein gewisses Gefahrenpotenzial bei so einer labbrigen Silhouette. War aber natürlich unendlich bequem. Eine okaye Entscheidung. Denn der Abend verlief etwas anders als geplant.

23. Juli 2023

Kleiner Epilog zu meiner epischen Berichterstattung über meinen Ausflug zur Siegessäule. Bin selbst überrascht, dass ich es hinbekommen habe, aus einem einzigen Nachmittagsausflug im Juni 2015, zu einer einzigen Sehenswürdigkeit, sage und schreibe – mit diesem hier – 38 Blogeinträge zu generieren. Dennoch habe ich eine wichtige Anmerkung versäumt. Gestern war ja wieder CSD, der Christopher Street Day, bei dem Hunderttausende zur Siegessäule marschiert sind, und dann zum Brandenburger Tor, wo Tokio Hotel und Ton Steine Scherben performt haben. Die Siegessäule ist nicht nur ein Berliner Wahrzeichen am Großen Stern, sondern auch der Name eines sehr coolen Berliner Stadtmagazins, das 1984 von und für die gay community aus der Taufe gehoben wurde. Und hierzu möchte ich anmerken, dass ich den Namen einfach geil finde. Für mich impliziert das ganz klar eine lustvolle und lustige Anspielung, und zwar in doppelter Hinsicht. Ich meine, ich muss jetzt nicht erklären, was Säulen im übertragenen Sinne symbolisieren. Und das in Verbindung mit dem Wort SIEG finde ich super gelungen und auch kess. Auf eine verspielte Art sexy. Das framed die Siegessäule mit ihrer altmodischen Krieges-Sieges-Verherrlichungs-Historie noch einmal neu. Siegessäule und Loveparade – eine schamanische Reinigung für unsere Goldelse. I like! Übrigens finde ich es nicht ganz korrekt, wenn in der Berichterstattung zum CSD vermeldet wird, dass soundsoviel Hunderttausend „queere“ Menschen daran teilgenommen haben. Sicher waren es viele oder sogar überwiegend Menschen, die sich in dem Begriff wiederfinden. Aber nicht nur. Seit vielen Jahren nehmen immer mehr Berlinerinnen und Berliner just for fun und aus Solidarität daran teil, die straight hetero sind. Lebensfrohes Zeichen einer kunterbunten Normalität.

Hier sind alle meine Siegessäulen-Stories – auch im Header des Albums – verlinkt:

23. Juli 2023

22. Juli 2023

Und hiermit schließe ich mein Goldelse-Album. Das war ein schönes Rendezvous. Goldelse ade, Scheiden tut weh! Ich hoffe, Euch hat der Ausflug auch gefallen. Ihr dürft Else auch mal besuchen, hat sie mir ins Ohr geflüstert, und ich soll schön grüßen!

22. Juli 2023

Und das sieht man, wenn der Blick in die Weite schweift. Allein dafür lohnt sich der Aufstieg zur Goldelse. Mir lief ein Schauer über den Rücken. Die Perspektive kannte ich von Luftaufnahmen, Berichterstattungen über die Loveparade. Aufregend, bewegend…

21. Juli 2023

Blick vom Großen Stern zum Brandenburger Tor im Sommer 2015. Auf der anderen Seite am Fluchtpunkt der Ernst-Reuter-Platz. Auf einer weiteren Achse ganz klein hinten der Schöneberger Gasometer. Habe viele Jahre sehr nah, in der Leberstr. gewohnt.

20. Juli 2023

„A Room With A View…“ Ein Lehrstück, was Standpunkt und Perspektive verursacht, ausmacht. Motorisiert den Großen Stern mit Siegessäule und Goldelse überquerend, nimmt man den Verkehr wahr, einen Verkehrsknotenpunkt. Auf der Rotunde mit den Säulen stehend, den Blick über das Meer des Tiergartens, denkt man jäh: „erhebend!“, „erhaben!“, empfindet Ruhe, Weite, Luft und Langsamkeit, geradezu als flanierte man in Franzensbad im Sommerkleid. Die Automobile schrumpfen zu Scootern, zu kleinen Matchboxautos. Putzig. Nur ein unschuldiger Zeitvertreib.

20. Juli 2023

Gaga Nielsens Seh-Schule. In Details eintauchen, bis es psychedelische Qualität hat, hingeben. Sich freuen, dass man diese abgefahrenen goldenen Blumen an der Decke sieht, ohne psychedelische Substanzen eingeworfen zu haben. Die dreidimensionale Welt ist so ein Hammer. Unerreicht, unersetzlich.

20. Juli 2023

Ich weiß nicht, ob die Siegessäule meine Werbung nötig hat. An diesem Junitag 2015 war sie gut besucht, aber nicht gedrängt voll. Angenehm. Ich habe Freude daran, meine Erlebnisse zu teilen, obwohl ich vergleichsweise zurückgezogen lebe. Sicher ist, dass ich Trivialitäten zwar nicht zu Sensationen aufbausche, aber doch ein Talent habe, vermeintlich allzu Bekanntes neu zu beleuchten. Und so bequem für meine Leserinnen und Leser, nicht wahr. Im Übrigen ist mir aufgefallen, dass ich mitunter eine diebische Freude habe, Einträge ohne Pointe oder anekdotische Qualität zu verfassen. So ist das Leben nämlich allermeistens und dennoch gar nicht schlecht. Tage mit Abwesenheit von persönlichen Katastrophen sind eigentlich schon ein großes persönliches Glück.

19. Juli 2023

Noch ein paar Bilder von gestern in Babelsberg. Ich hatte Georg vor fünfzehn Jahren, in Begleitung der Poetryclub-Projekte mit Visuals, so oft fotografiert, eine derartig routiniertes Vorgehen erlangt, dass zahllose Serien ohne aufwändige Absprachen entstanden, in wenigen Minuten. Ich erzähle beim Fotografieren gerne irgendein Zeug oder stelle eine Frage, die Konzentration auf die Antwort erfordert, um für meinen Geschmack zu kalkulierte Blicke, Gesten und Posen zu unterbinden. Das war auf unserem Weg zurück zum Auto, vor dem Mauerstück mit Maschinen-Maria.

19. Juli 2023

Die Studios von Rotor Film befinden sich auf dem weitläufigen Gelände von den übrigen Filmstudios in Babelsberg, in der August-Bebel-Straße, wo auch die historischen, modernisierten UFA-Studios sind. Vor einer Halle steht ein Berliner Mauer-Stück mit aufgemalter Maschinen-Maria aus Langs Meisterwerk Metropolis.

19. Juli 2023

Kleine Unterbrechung meiner Berichterstattung zur Eroberung der Siegessäule, aus aktuellem Anlass. Gestern Abend gab es in Babelsberg ein Wiedersehen mit Georg „Cosmic“. Im Studio F von Rotor Film fand ein Prelistening des am 21. Juli erscheinenden neuen Albums „Starcatcher“ von Greta Van Fleet statt, einer Band mit vier Jungs aus Michigan, die 2019 einen Grammy bekam, und Georg hatte mich gefragt, ob ich Lust hätte, mitzukommen. Ich hatte zwar bislang keine Verbindung zu der Band, aber war neugierig, auch auf das Studio, das als Europas größtes Studio für Audio-Postproduction bei Spielfilmen gilt, auch wegen des großen Screens. Colorgrading bei Visuals und Filmen lässt sich dort auch ideal bearbeiten. Leider durfte man drin keine Fotos machen, aber auf der Website von Rotor und in einem Bericht vom Deutschlandfunk sind Bilder von dem sehr großzügigen Studio zu sehen. Wir saßen in bequemen Ledersesseln, genau in der Mitte, drei Meter hinter dem meterlangen Mischpult mit über zwanzig Monitoren und hörten uns das Werk an. Moderiert von Christiane Falk von Radio Eins. Danach wurden zwei Bandmitglieder live zugeschaltet und es gab ein kleines, launiges Gespräch mit Fragen der Zuhörer. Auf der Seite war ein kleiner Tresen mit Snacks, Obst und Getränken. Von der schwülen Luft draußen war im Studio nichts zu merken, es war ideal temperiert, geradezu erholsam. Ein spektakulärer Arbeitsplatz. Danach machten wir draußen auf dem Gelände noch ein paar Bilder. Was unbedingt sein muss, wenn man sich fünf Jahre nicht gesehen hat. Wir haben uns upgedatet und ausgetauscht. Es ist schön, alte Weggefährten hin und wieder zu treffen, man spürt auch sehr, wie schnell doch Lebenszeit vergeht. Jetzt sind wir Fiftysomethings. Aber immer noch cool…!

18. Juli 2023

Auch unten, eine kleine Krypta für den Grundstein der Siegessäule, von König Wilhelm I. gelegt. Aber an anderer Stelle, am damaligen Königsplatz, heute Platz der Republik, nicht zu verwechseln mit dem Platz vom früheren Palast der Republik. Der Platz der Republik ist eine Wiese hinterm Reichstagsgebäude. Der Platz, wo früher das Roon-Denkmal stand. Auch die riesige Siegessäule musste 1938 wegen Albert Speers größenwahnsinniger Germania-Entwürfe umziehen. Dabei wurde sie um sieben Meter erhöht, im Sockelbereich. Ich nehme an, der unterste Tortenboden, wo das Grundstein-Séparée ist. Die ganze Wucht aus Beton ist von 1938.

18. Juli 2023

In diesem Teil der Ausstellung, im Tortenboden der Siegessäule, scheinen Vergleiche angestellt zu werden, weltweite. Empire State Dings, Eiffelturm, schiefer Turm von Pisa, wer hat den Größten…?

18. Juli 2023

Drinnen. Mächtige Betonpfeiler. Zuerst: Ausstellung gucken. Im Bereich „Siegessäule heute“ wird die Love Parade als Highlight gewürdigt, obwohl Zweitausendfünfzehn auch schon wieder ein halbes Jahrzehnt Vergangenheit. Eine nachhaltige Ausstellung.

17. Juli 2023

Tür. Tür. Tür. Ticket. Eintritt ist teurer geworden, jetzt vier Euro. Die 0,50 € Rabatt im Café Viktoria hab ich leider jetzt erst entdeckt. Blöd. Zweitausendfünfzehn brauchte ich schon eine Lesebrille, die habe ich beim Ausflug kein einziges Mal aufgesetzt. Das Kleingedruckte auf so einem Kassenbon hat mich nie interessiert.

17. Juli 2023

Da hinein. Auf dem Relief sieht man die erste Love Parade 1873. Damals gab es noch keine Trucks mit Musikanlage und Verstärkern, deswegen mussten alle, die nicht zu Fuß bei der Love Parade mitmachen wollten, ein Pferd mitbringen. Da konnten dann am Sattel und Zaumzeug auch kleine Trommeln festgebunden werden und Köcher für die Flöten und eine Flasche aus Fell für die Getränke. Da auch 1873 schon Drogen und Alkohol als Proviant bei geselligem Beisammensein sehr beliebt waren, sind manche vom Pferd gefallen und wurden dann ein bißchen mitgeschleift, das sieht man auch sehr gut naturgetreu auf dem Relief abgebildet. Es musste ja immer weitergehen mit der Parade, immer zackig im Rhythmus. Bumm bumm bumm. Die Kopfbedeckungen waren zum Schutz gegen die Sonne, weil die Parade von Anfang an im heißen Juli stattfand, den ganzen Tag lang, bis nach Sonnenuntergang.

17. Juli 2023

Das unterste Stockwerk der Mokka-Hochzeitstorte von Goldelse ist aus einer Schicht Nussnougat mit einer Verzierung aus feinster Bitterschokolade. Das zweite Stockwerk der Torte ist aus großen Zigarren-Hippen gebacken, die mit Mokka-Creme gefüllt wurden und ebenfalls mit einer dicken Schicht Nougat überzogen wurden. Der Tortenboden unter und über den gefüllten Hippen-Säulen ist aus mit Mokkalikör getränktem Mürbteig. Die Säule wurde aus feinstem Lübecker Marzipan hergestellt und mit Mandelblättchen, Krokant und Blattgold verziert. In die Mitte der Säule wurde mit einer Spritzvorrichtung über die gesamte Länge Mousse au Chocolat eingefüllt. Goldelse ist aus Rosenmarzipan und trägt Unterwäsche aus Zuckerguss mit Kokosflockenspitze und Lavendelaroma. Ihr Hochzeitskleid ist aus hauchzartem Blattgold.

17. Juli 2023

Ich habe das Geheimnis recherchiert, wie Wim Wenders die Aufnahmen mit der Goldelse bei „Der Himmel über Berlin“ und „In weiter Ferne, so nah!“ hingekriegt hat. Das erzählte er in einem Interview mit der WELT. Die Schwarzweißfotos hier sind von mir und zeigen die echte Goldelse. Sie hat androgyne Gesichtszüge, könnte auch ein Jüngling sein. Das Modell von Wim Wenders sieht ein bißchen anders aus, die Pupillen kommen nicht so schön raus.

WELT: Wie haben Sie die Szenen auf der Siegessäule gedreht?

Wim Wenders: Für die Goldelse haben wir ein maßstabgetreues Modell gebaut, zumindest für ihren Oberkörper. Das stand für unseren Dreh auf einer Wiese irgendwo. (In Berlin gab’s ja damals freie und leere Flächen en masse.) Bruno Ganz und Otto Sander konnten bequem auf ihrer Schulter sitzen. Otto hatte aber Höhenangst, da war es ihm auch bei den fünf Metern schon ganz schön mulmig. Und dann mußte er auch noch runterspringen! Wir hatten tausend Pappkartons und Matratzen ausgebreitet, und laut unserem Stunt-Coordinator konnte bei dem Sprung absolut nichts passieren. Aber weil Otto so Angst hatte (umso mehr habe ich ihm angerechnet, daß er dann doch gesprungen ist), passierte dann das Unvermeidliche: Er hat sich den Fuß verknackst und ist in die einzige Ritze reingesprungen, die sich da zwischen all den Kartons versteckt hatte. Erst für den Nachfolgefilm fünf Jahre später, „In weiter Ferne, So nah!“ haben wir dann auf der echten Goldelse in luftiger Höhe gedreht. Aber da hatte Otto natürlich ein Double!

16. Juli 2023

Bin immer noch etwas platt. Die Kombination von hohen Temperaturen, steigender Luftfeuchtigkeit und meinem einmal im Monat zyklisch auftretenden Kopfweh, links oben, wo der Hypothalamus, die Hormonfabrik sitzt, ist anstrengend. Früher dachte ich, ich hätte zuviel oder durcheinander getrunken, bis ich dem Rhythmus auf die Schliche gekommen bin. Ich trinke nicht mehr durcheinander und nur beste Qualität. Vor zwei Jahren habe ich angefangen, die Attacken in einen Kalender einzutragen und einen Zyklus identifiziert. Manche Attacken dauern anderthalb Tage, andere, wie diese gerade, bis zu drei. Hat Migräne-Qualität, mit einem einseitig links unter der Schädeldecke drückenden Druckkopfschmerz, ganz punktuell. Oft kann ich es gut durch zwei Aspirin auf einmal abdämpfen, aber nicht komplett. Genug der Leidensberichterstattung. Es geht mir schon besser, aber das Wochenende war daher leider von maximaler Regungslosigkeit geprägt. Freitag wollte ich übers Knie brechen, Jan beim Verein der Berliner Künstler zu treffen. Ich muss mich ja langsam mal wieder ein bißchen in der Szene connecten. Ich war absolut gewillt, zog mir das blauweiße Kleid an, das man auf dem Foto sieht, machte mich einigermaßen zurecht und ging mental motiviert los, obwohl körperlich nur Ruhe suchend. Dieses zuversichtliche Lächeln auf dem Foto ist Fake, fällt unter Autosuggestion, ich war nämlich kurz vorm Kreislaufkollaps. Fünf Minuten nach dem Foto daheim, an der Ecke Auguststraße zur Hamburger Straße, bekam ich so einen schlimmen Schwindel und Herzklopfen, dass ich mich an der Hauswand festhalten musste. Ich hatte einen Moment echte Panik, dass mir gleich das Herz stillsteht, mir wurde schon schwarz vor Augen. Es hatte keinen Sinn, ich musste umkehren, tapste vorsichtig zurück in meine Wohnung. Trank viel Wasser und legte mich hin. Kein weiterer Grund zur Beunruhigung, der Schwindel war sicher nur, weil ich nicht auf die Signale gehört habe, und los bin. Aber wie gesagt, es hat sich schon beruhigt und morgen bin ich wieder superfit. Habe seit Donnerstag Abend keinen Alkohol getrunken. Geht ja mal gar nicht. Bin nicht der Typ für Kamillentee!

13. Juli 2023

Es scheint Einigkeit zu bestehen, dass es ich um ein Motiv handelt. Kein Hinweisschild fordert zum Fotografieren an dieser Stelle auf. Wie hypnotisiert wurden die Apparate in Position gebracht. Ich hatte meine fertig und konnte diese Gleichgesinnten verewigen.

12. Juli 2023

Falls jemand mit Gehbehinderung mitliest, würde es mich freuen. Dann ergibt es noch viel mehr Sinn, dass ich meine Ausflugswege so detailliert dokumentiere. Insbesondere an Orten, die schwer oder gar nicht mit Gehilfe oder Rollstuhl zugänglich sind. Das trifft auf die Siegessäule und den Weg dahin zu. Es geht jetzt in den Tunnel, der zur Siegessäule führt, unterirdisch, direkt unter dem Verkehr am Großen Stern. Gerade erst lese ich, dass es sogar vier unterirdische Tunnel gibt, die zur Mitte führen. Bei den Aufnahmen mit dem Mann im Eingang im Gegenlicht denke ich jedesmal, ich habe Benjamin von Stuckrad-Barre fotografiert. Aber ich war durchgängig allein unterwegs. Nicht, dass Gerüchte entstehen.

11. Juli 2023

Ich präsentiere nun Farbaufnahmen vom Großen Stern und von der Siegessäule mit Automobilverkehr. Es gibt auch Armleuchter mit zwei Armen und bestimmt auch mit zwei Beinen! Pfiffig habe ich die Stelle mit dem versteckten Eingang zum unterirdischen Tunnel gefunden. Da, wo die Schautafel ist, geht die Treppe runter.

11. Juli 2023

Struppi-Tagebuch: HEUTE FRÜH WAR STRUPPI NICHT MEHR IN SEINEM NEST!!! Gestern Abend hat er noch drin geschlafen. Struppi ist flügge geworden und ich habe es nicht gesehen. Vielleicht hat er ja gestern tagsüber schon mal Fliegen geübt, als ich weg war. Bin gespannt, ob er noch mal zurückkommt. Jetzt liegt das kleine Ei ganz verlassen im Nest. Vielleicht war es ja auch gar nicht befruchtet. Ich kenne mich da nicht so aus. Dass ich mir eingebildet habe, da wäre ein kleiner Ringeltauben-Tim drin, war ja nur, weil die Eltern versucht haben, das Ei auszubrüten. Ich habe auch gelesen, dass manchmal zwei Eischalen um ein Ei sind und das Küken dann mit dem Eizahn die erste Schale aufpickt und durch die zweite nicht durchkommt. Aber das will ich mir gar nicht weiter ausmalen. Es ist, wie es ist. That’s life! Mir wäre es eigentlich ganz recht, wenn eine Krähe käme und sich das kleine Ei holt, dann werde ich nicht immer dran erinnert. Ich mache es nicht weg. Ich wüsste ja gar nicht wohin damit. Es in den Mülleimer zu werfen, fände ich irgendwie total lieblos und gemein und auch unnatürlich.

11. Juli 2023

Alt-Berlin! Historische Aufnahmen vom Verkehr am Großen Stern. Der im vergangenen Jahrhundert geborenen Fotografin Gaga Nielsen gelangen im Jahre Fünfzehn einmalige Aufnahmen vom Verkehr mit zwei Radfahrern, vier (!) Automobilen, einem Bus und drei Fußgängerinnen. Mutig stellte sich Gaga Nielsen an den Großen Stern und drückte ab. Pferdedroschken waren gerade aus der Mode gekommen, ein modernes Automobil musste es sein!

10. Juli 2023

Hallo Siegessäule, hallo Großer Stern! Es ist schon überraschend, wie wenige Berliner ich kenne, die die Siegessäule bestiegen haben. Hätte ich sie nicht persönlich erobert, hätte man mir auch weismachen können, das ist eben so eine Säule aus massivem Stein oder Beton, auf der die Goldelse steht. Wenn man im Auto dran vorbeifährt, kommt sie einem viel kleiner und filigraner vor. Dabei ist es ein Riesending und hat sogar eine Ausstellung drin!

09. Juli 2023

Sonntagsruhe, mein Blick gerade. Draußen dreiunddreißig Grad. Hier angenehm, obwohl unterm Dach. Bin Top-Profi im Abschotten! Herrlich, nirgends hinzumüssen und auch nirgends hinzuwollen. Vorhin zwei Eis auf einmal gegessen. Aus so einer gemischten Schachtel Magnum. Da waren auch für mich unattraktivere Sorten drin, wie Erdbeer und mit weißem Schokoladenüberzug. Ich habe die Holzstäbchen rausgedreht und beide in ein Schälchen getan und einen großen Schuss Eierlikör drübergemacht. War dann ok. Gerade, wenn es dann schon so ein bißchen geschmolzen ist und miteinander verläuft. Eigentlich schmeckt mir die Discounter-Imitation Big Choc, Marke „gut & günstig“ besser als das Original, der Schokoladenüberzug ist bei Big Choc vollmundiger. Allgemein mag ich am liebsten das mit den Mandelstückchen. Ich habe vorhin das mit Erdbeer drin und der weißen Schokolade gegessen, damit es wegkommt und meine Lieblingssorten noch übrig sind, auch wegen Vorfreude. Die Mixpackung mit den Sorten, die ich eigentlich nicht so mag, hab ich gestern Abend nur gekauft, weil keine anderen Packungen mehr im Kühlschrank bei meinem Edeka waren. Und es ist ja auch eins mit den Mandelstückchen mit dabei.

09. Juli 2023

Heute gibt’s wieder ein Struppi-Update, frische Fotos von meinem Balkon: Struppi allein zuhaus! Schon den ganzen Vormittag. Zum ersten mal hat sich Struppi aus dem Nest hinten in der Ecke gewagt und ist zwanzig Zentimeter nach vorne im Blumenkasten getapst. Deswegen konnte ich das Köpfchen fotografieren. Jetzt sitzt Struppi wieder artig hinten. Die Flügelchen sind ja schon gut entwickelt, habe aber noch keine Flügelschlag-Übungen beobachtet. Die Fotos, wo man den Blumenkasten ganz sieht, kommen zustande, indem ich mich am Badezimmerfenster in die Badewanne stelle und aus dem kleinen Badfenster mit langem Arm und geschwenktem Display nach rechts unten fotografiere. Ich muss mich ein bißchen verrenken, aber mache ich natürlich gerne!

08. Juli 2023

Als wir die Zitadelle Richtung U-Bahn verlassen hatten, kamen wir an einem weiteren Ausstellungsplakat vorbei. Ich machte zwei Fotos von Jan mit Plakat. Während der U-Bahnfahrt plauderte er noch ein wenig aus dem Nähkästchen, hätte gerne mehr sein dürfen. Er war sehr diskret. Ich stieg Wilmersdorfer Straße aus und schaute oben auf dem S-Bahnsteig Charlottenburg ziemlich dumm. Sie fuhr nicht, Ersatzverkehr ab Kaiser-Friedrich-Straße. War mir zu blöd. Ich ging zurück zur U7, fuhr bis Hermannplatz und dann in meine vertraute U8. Während der Fahrt schaute ich alle Fotos durch, die ich heute unermüdlich gepostet habe. Heute gibts keinen weiteren Eintrag mehr. Ich habe den ganzen Samstag bis jetzt nur mit Bloggen verbracht (hätte fast geschrieben: vertrödelt).

08. Juli 2023

Jan fragte, ob ich auch zur U-Bahn ginge, hatte ich vor. Plötzlich bog er rechts ab, zum Ateliergebäude. Dort hat er noch einen Raum zur Aufbewahrung des Konvoluts seiner Werke aus einem früheren Leben als Maler und Zeichner. Ich war vor vielen Jahren einmal dort, als er noch das größere Atelier beibehalten hatte. Wir gingen kurz nach oben, er meinte, dass er was mitnehmen wollte, dann aber doch nicht. Ich machte vier Bilder und wir gingen wieder.

08. Juli 2023

Genug erkundet, ich ging zurück. Ein kleiner Kreis stand noch mit Getränk oder rauchend draußen vor dem Eingang zur Ausstellung: Jan, Jens, der ZAK-Kurator und einige Besucher. Alle waren sehr zufrieden. Ein Assistent des Kurators hatte das gesamte Gespräch aufgezeichnet und meinte, das wäre eigentlich ein schöner Podcast. Glaube ich gerne. Jan erzählt äußerst facettenreich und unterhaltsam. Dann könnte ich auch den verpassten Anfang nachhören. Ich kenne viele von Jans Geschichten, aber nicht alle.

08. Juli 2023

Mein permanenter Forscherdrang trieb mich nach Ende des Künstlergesprächs mit Jan im ZAK, hinüber zur Ausstellung auf der anderen Seite der alten Zitadellen-Kaserne. Äußerst großzügige Ausstellungsfläche. So lässt es sich arbeiten, hier hängt man gerne. Schön viel Luft und Platz links und rechts von den Bildern.

08. Juli 2023

Diese Besucherin in Jans Ausstellung faszinierte mich. Mir war, als hätte ich ein fotorealistisches Gemälde einer Picasso-Muse vor mir. Eine Françoise Gilot, ein verblüffendes, fleischgewordenes Portrait.

08. Juli 2023

Jens Pepper befragte Jan Sobottka zur Entstehungsweise seiner Künstlerportraits. Auf einem meiner Fotos zeigt Jan Richtung Hanna Schygulla. Er hat sie vor nicht allzu langer Zeit mehrfach portraitiert, meist daheim in ihrer Charlottenburger Wohnung, die sie sich neben ihrem Pariser Refugium leistet. Diese Begegnung hat mich besonders neugierig gemacht. Ich sparte mir allerlei Fragen hierzu für unsere spätere Begegnung unter vier Augen auf.

08. Juli 2023

Zu sehen bei Jan: Judy Lybke, der nun schon legendäre Galerist, der Neo Rauch groß gemacht hat und Brad Pitt zu seinen Kunden zählen darf. An einer tragenden Säule hängen übereinander Reinald Nohal und Michel Würthle, die beiden Wiener Geburtsheber der Berliner Paris Bar. Beide starben unlängst, im Abstand von sechs Monaten. Reinald im September 2022, Michel im März 2023. Den Schauspieler Bruno Ganz kennt jeder, schon lange tot, er hatte zu seiner Berliner Schaubühnenzeit in den Siebziger Jahren eine längere Affäre mit Romy Schneider. Sie betete ihn an. Angelika Platen lebt noch. Die arrivierte Künstler-Fotografin leitete in den Siebzigern die Hamburger Galerie von Gunter Sachs und später auch die auf Sylt. Patti Smith lebt noch, auch schon 76, mittlerweile grau, immer noch mit langen Haaren.

08. Juli 2023

Mit großem Interesse studierte ich, was von Kuratorenseite an Werbemitteln und Bannern für die Ausstellung von Jan beauftragt wurde. Im Eingangsbereich sind drei große Werbebanner aus einer regenfesten Plane. Später werden sie recycelt und Taschen daraus genäht, erzählte uns der Kurator. Eine schöne Weiterverarbeitungsidee. Als ausstellender Künstler hat man so etwas gerne fürs eigene Archiv, aber da langt auch ein Exemplar.

08. Juli 2023

Gut, dass ich Jan vorher gefragt hatte, wo genau auf der Zitadelle seine Ausstellung ist. Er benannte den Gebäudetrakt als Querriegel, ganz hinten. Es ist das lang gezogene Gebäude direkt hinter der großen Bühne, die im Sommer auf der Zitadelle aufgebaut ist. An der Tür steht ZAK, d. h. Zentrum für aktuelle Kunst. Ich hörte bereits an der Tür die Stimmen vom Gespräch.

08. Juli 2023

Zur Zitadelle. Ich war schon öfter dort. Mal bei einer Picasso-Keramik-Ausstellung, mal bei einem Didgeridoo-Festival, mal bei einem Workshop in einer Instrumentenwerkstatt, mal bei einem Neil Young-Konzert und in Jans altem Atelier, mal bei Patti Smith. Auch zweimal in der kleineren Freilichtbühne rechs von der Zitadelle, bei den Sommerkonzerten vom Berlin Beat Club. Und jetzt zum Besuch der Austellung von Jan. Aber noch nie habe ich mir die Zitadelle um der Zitadelle Willen angeschaut. Dabei habe ich das schon eine Weile vor. Einmal den Juliusturm besteigen und die Bastionen erklimmen. Eines meiner nächsten Ausflugsziele. Den Juliusturm finde ich ausnehmend putzig. Aber damit konnte ich mich am Mittwoch nicht aufhalten, ich war eh schon spät dran. Die Anfahrt ist etwas langwierig, so eine Stunde von mir aus. Mit der S-Bahn vom Hackeschen Markt bis Spandau, von dort fährt der Bus X 33 recht nah ran, die Haltestelle heißt auch Zitadelle Spandau, aber der Bus ließ zwanzig Minuten auf sich warten. Flotter geht dann wohl doch mit der U7 bis Zitadelle zu fahren und den kleinen Spaziergang zu machen. Ich wäre gern um 19 Uhr dort gewesen, aber habe ich nicht hingekriegt, um dreiviertelacht war ich dort. Ich fragte mich erst mal durch, wo die nächste Toilette ist.

07. Juli 2023

Vorgestern konnte ich wieder ein bißchen Burgfräulein spielen. Ich besuchte meinen alten Freund Jan bei seiner Ausstellung in der Zitadelle Spandau, wo er ein Künstlergespräch führte, Anekdoten zum Entstehen seiner Fotografien zum besten gab. Davon werde ich in ein paar nächsten Einträgen berichten. Die Siegessäule hat nun acht Jahre gewartet, sie wird nicht umfallen, wenn ich meinen Erlebnisbericht dazu noch einmal aufschiebe. Zum Besuch auf der Zitadelle habe ich mich farblich passend in ein Gewand in einem Sandsteinton mit archaischer Musterung gekleidet, stetiglich die eventuelle, potentielle, fotografische Verneigung im Hintersinn. Ich wünsche allen einen schönen Freitagabend und ein relaxtes Wochenende. Werde mir nun was in die Pfanne hauen, begleitet von einem sehr kalten, prickelnden Getränk. Zum Wohle allerseits!