05. Oktober 2023

Weiter spazieren. Ich werde jetzt mit knallhartem Kalkül abwechselnd Natur und Leute und Stadt und Zeug posten. Außerdem habe ich noch Bücher mit Eselsohren an Stellen, die ich nochmal lesen wollte, und das Gelesene hier verbreiten. Ich werde also noch eine Weile in gewohnter Vorzugsqualität weiterbloggen. Obwohl ich persönlich oft finde, dass meine Einträge aus früheren Zeiten komplexer, emotionaler, ansprechender, metaphysischer, tiefsinniger waren. Manchmal ist mir sogar literarische Qualität unterlaufen. Allerdings eher zufällig, ungeplant. Ist momentan eher eine unaufgeregt pragmatisch beobachtende Phase. Bin aber auch in aufgeräumterer Verfassung, insgesamt und überhaupt. Das „himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt“ hat sich ausgeglichen. Liest sich zwar langweiliger, ist für mich aber ungeheuer erholsam.

04. Oktober 2023

KALEIDOSKOP VI. PINK – Die Waffe der Frau. Memorabilia pink: Eintrittskarten (div. Kinokarten, David Bowie-Ausstellung im Gropiusbau, „The Saddest Song Contest“, „Hedwig and The Angry Inch“, Berlinische Galerie u. v. m.), Flyerschnipsel, von Moderationskarte von Herrn Thadeusz abgerissene Ecke mit Mailadresse, geschenktes lachsrosa Badesalz, geschenkte Sobranie-Zigaretten-Schachtel, Volksbühne-Streichholzschachteln, zwei Ausdrucke von „It’s Tiara Time!“-Fotos für das youtube-Video von Avid Gardener anlässlich der Krönung von King Charles, Emilio Pucci-Geschenkpapier-Überbleibsel von Pucci-Bildband aus Florenz, Merci-Schokoladengoldpapier, rosa Häkel-Bettdecke-Fotofragment von Havanna-Fotokalender-Seite, Bon Prix-Katalogschnipsel, Foto Sophia Loren und Cary Grant aus Vanity Fair, BZ-Zeitungsschnipsel-Schlagzeile „Berliner Jusos wollen PORNOS im Bio-Unterricht“, Visitenkarten (u. a. mit nie angerufener Handy-Nummer von Verehrer Jean C. vom Bandol sur Mer, im November 2007 zu später Stunde im Muschi Obermaier in der Torstraße überreicht), Kassenbon Café Griensteidl am Michaelerplatz in Wien, nie eingelöster Verzehrgutschein (Herkunft vergessen), selbstgebastelte Gaga Nielsen-Briefmarken, pinke Kuverts von Werbewurfsendung „Die Waffe der Frau“, Ausdrucke von Gaga Nielsen-Bildern „Scorpio“ und „Stones Sixty II.“, Spiegelscherben, Dekosteinchen, orange Linsen, Acryl, Sushi-Stäbchen, zerschnittener pinker „Berlin Partner“-Merchandise-Einkaufsbeutel, ausrangierter weißer Leinenvorhang auf Mangoschrank-Verpackungskarton, Schattenfugenrahmen, viel Kleber und Tesapack, 25., 29., 30., 31. August, 1., 2., 4., 5., 6., 10., 24. September 2023, 94 x 94 cm, Staatliche Museen v. Gaganien.

03. Oktober 2023

Schönen Feiertag, Berlin und ganz Deutschland. Ich habe beim Mauerfall in Westberlin gelebt, in Schöneberg. 1992 zog ich nach Wilmersdorf und weitere sieben Jahre später, 1999 nach Ostberlin, in meinen Adlerhorst am Gipsdreieck in Mitte, wo ich das gerade tippe. Meine Freunde sind ziemlich genau jeweils zur Hälfte aus West- und Ostberlin. Ich bin ein alter Wessi und habe dann ein bißchen Ossi gelernt. Ich verstehe beide Welten und mag sie von Herzen gerne. Jede hat ihre eigenen Werte und ihre Geschichte und Vorzüge und Wunderlichkeiten. Ich bin die personifizierte Wiedervereinigung. Der größte Teil meiner Familie lebt in Westdeutschland, aber ein anderer seit Jahrzehnten in Ostberlin, wo wir bis zum Mauerfall viele Päckchen hinschickten. Ich mag alles. Hauptsache Berlin und keine Mauer mehr! Ich wünsche mir, dass der Tag der Wiedervereinigung irgendwann einer für die ganze Welt ist. Länder der Erde vereinigt Euch. PEACE & LOVE.

02. Oktober 2023

Picobello aufgeräumtes Atelier. Nur die Fenster könnte mal wieder jemand putzen. Viele große Scheiben sind schon schön. Geputzt noch schöner. Ich fürchte, die einzige Lösung ist Besuchs-Putzen. Ich muss mir jemanden in meine Werkstatt einladen und dann kommt der Drang… Das pinke, quadratische Bild in der Ecke ist mein letztes Werk. Präsentiere ich noch extra in allen Einzelheiten. Unglaublich, was ich da alles verbraten habe. Teilweise Übertretung des Prominenten-Datenschutzes, aber scheiß drauf. Vielleicht gibts die Mailadresse ja gar nicht mehr. Gibts AOL noch?

01. Oktober 2023

MKM Gallery, „House of Taswir“. Schillerstraße 15. Ein komplexes Kunstprojekt von Shulamit Bruckstein. MKM steht für „Meine kleine Mnemosyne“, Mnemosyne ist die Göttin der Erinnerung. Shulamit Bruckstein zeigt in erlesenem Ambiente eine Werkschau eines losen internationalen Künstlerkollektivs. Sie findet in wechselnden Hängungen statt, mit Werken von Künstlern aus Aleppo, Damaskus, Istanbul, Teheran, Beirut, Berlin, Amsterdam, Bagdad, Bukarest, London, Paris, u.a. In der Tradition eines Salons werden neue Bilder gezeigt und einige herausgehoben und ihre Entstehungsgeschichte erzählt. Meine Kleine Mnemosyne wird von Shulamit Bruckstein für SammlerInnen und Mnemosyne-Liebhaber geöffnet. Lydia machte mich auf diesen Kunstsalon aufmerksam. Bei Faustkultur gibt es einen Artikel, der das Projekt „House of Taswir“ der Gründerin erklärt. Ich stieß nach dem Gespräch dazu und wurde von der Gastgeberin aufs Herzlichste begrüßt. Sie sprach Englisch und meinte mich von einer Auktion „at Berg“ (?) zu kennen. Ich wollte ihren zugewandten Enthusiasmus nicht dämpfen und lächelte verbindlich. Vor geraumer Zeit war ich bei einer Auktion bei Dannenberg, aber die wird sie wohl nicht gemeint haben. Ich muss sie das nächste mal ausgiebig fotografieren, eine Salonnière aus dem Bilderbuch, sehr elegante Erscheinung im Nachmittagskleid. Bei meinem ersten Besuch war ich zurückhaltend mit Fotos und habe auch nur den vorderen Ausstellungsraum und ein Stück vom Entrée eingefangen, sowie Lydia im Gespräch mit einer Freundin.

30. September 2023

Auch im Idyll des Rosengartens in Britz, drei Brunnen zwischen Hecken, Bögen, Kugeln und Rosen. Das hier ist der größte der drei Brunnen, 1984 von der Bildhauerin Christa Biederbick erschaffen. Inspiriert durch Hieronymus Boschs Gemälde „Garten der Lüste„, das Wunschbilder ewiger Jugend zeigt. Im Mittelteil von Boschs Triptychon, das er zwischen 1500 und 1505 erschuf, findet sich das Vorbild für den Brunnen. Alle Besucher waren von dem Brunnen fasziniert und fotografierten ihn. Zauberhaftes Werk.

28. September 2023

Gagas kleine Baumschule: im Rosengarten in Britz gibt es herrliche Hecken und Kugeln. Die meisten sind aus Eiben, aber es gibt auch Buchsbäume. Taxus (Eibe) und Buxus (Buchsbaum) sind die am besten für Formschnitt geeigneten Gehölze. Demzufolge wimmelt es in Schlossgärten und Parks nach historischem Vorbild nur so vor Eibe und Buchsbaum! Andere lassen sich auch in Form schneiden, aber nicht so superexakt und dauerhaft. Da beide sehr langsam wachsen, behalten sie lange die kunstgerechten Formen.

27. September 2023

Da capo Ullstein am Sandwerder. Jan & Gaga, Gaga, Jan & Isa, Jan & Gaga, Jan & Isa, Jan & Gaga. Ungeplante, erfreuliche Begegnung. Ich habe Isa schon in der Vergangenheit getroffen, aber erstaunlicherweise nie am Sandwerder, obwohl ich seit mindestens fünfzehn Jahren recht kontinuierlich bei den Verlagsfesten im Spätsommer und auch anderen Veranstaltungen unterm Jahr da bin, häufig dort fotografierte und darüber bloggte. Nun sind wir übereinandergestolpert und das musste dokumentiert werden. Schon für die anderen Alt-Blogger! Ich habe übrigens immer noch nicht vor, Schriftstellerin zu werden, ich blogge für den Hausgebrauch! Nur einmal hab ich eine Buch-Rezension geschrieben, ein einziges mal! Das war aber in Wahrheit ein Blogeintrag, den ich nach Amazon kopiert habe, mehr so vom Service-Gedanken im Hinblick auf andere Kunden geleitet. Über das Buch von Romy Schneiders Tochter Sarah Biasini. Ansonsten sehe ich mich mehr als Amateur-Gesellschaftsreporterin. Schriftsteller und Blogger und Übersetzer und Musiker und Maler und Fotografen und Filmer und Darsteller und Bestatter und wen ich sonst noch so kenne, sind ja auch Gesellschaft! Jetzt bin ich durch mit den Ullstein-Fest-Fotos. Bis nächstes Jahr am Wannsee!

26. September 2023

Heute Kino! Daliland mit Jenny, im Filmkunst 66. Habe den Trailer gesehen, als ich im Barbiefilm war. Barbara Sukowa als Gala Dali mit schwarz gefärbten Haaren und welchen auf den Zähnen. Hat mir gut gefallen. Ben Kingsley spielt Dali. Lief im Delphi nur eine Woche, am 7. September angelaufen, nach einer Woche abgesetzt. Jetzt nur noch in Programmkinos wie dem Filmkunst 66. Wir gucken die synchronisierte Fassung, da ich darauf baue, dass Sukowa sich selbst synchronisiert hat. Wehe, wenn nicht. Früher gab es so schöne Synchronstimmen, die von Sophia Loren und Audrey Hepburn zum Beispiel. Die letzte mich nicht nervende weibliche Synchronstimme ist die von Judy Winter, aber die spricht auch nur noch ältere Semester. Die ganzen angeknipsten quäkenden und quiekenden schrillen deutschen Synchronstimmen gehen mir gewaltig auf die Nerven! Außer der von Jenny natürlich!

26. September 2023

Wen haben wir denn da. Der Hut ist gewandert, nach unten zum Wannseeufer. Dort, wo Beckmann liest und erzählt, aber es scheint gerade andere Themen für die Damen zu geben. Die nostalgisch angehauchte Anmutung von Stadtpflanze-in-der-Wannsee-Sommerfrische gefällt mir. Gleich tigert Tucholsky um die Ecke und lädt auf Schloss Gripsholm ein, oder Rheinsberg. Je nachdem.

25. September 2023

JETZT KOMMT DER HUT! Also die Dame mit dem Hut. Name und Profession (mir) unbekannt, aber Hingucker-Ausstrahlung. Ich sah sie im Vorbeirauschen, machte Jan auf sie aufmerksam, da wir oft eine identische Einschätzung haben, wer sich gut und interessant fotografieren lässt. Er hatte sie bereits vor mir wahrgenommen und auch angesprochen, da war sie aber gerade beschäftigt und wollte später auf ihn zukommen. So geschehen. Ich sah die Dame mit Hut ein zweites mal und stupste ihn an: „Der Hut kommt.“ Sie war nun bereit. Jan sowieso. Ich auch. Sie wusste nicht, dass sie vor BonnieGaga & ClydeJan mit superscharfen Kameras gelandet war. Wir sind allerdings auch zuweilen partners in crime, was das Lüften der Identitäten angeht. Auch im unzulänglichen Sinne. Ich weiß in gewissen Branchen oder Sparten mitunter nicht, wer die interessanten Leute sind, obwohl sie einen ‚Namen‘ haben, dann kann Jan mir auf die Sprünge helfen, aber auch umgekehrt. Und manchmal sollte Jan den Namen eigentlich wissen, aber er ist ihm wieder entfallen und so sehen wir mitunter unsere Fotos an und rätseln wer da eigentlich drauf ist. Jan hat so oft wiederholende Begegnungen und kann genau sagen, wen er wie oft und wo getroffen hat und weiß trotzdem den Namen nicht mehr. Man will dann auch ungern nachfragen. Wer also zufällig weiß, um wen es sich bei der Dame mit dem Hut handelt, gerne ins Kommentarfeld.

24. September 2023

Hier kommt eine interessante Reihe, wie Daumenkino zu sehen. Erster Teil: Der Fotograf Jan Sobottka bittet die Ullstein-Autorin Samira El Ouassil (Buch: „Erzählende Affen“ – Mythen, Lügen, Utopien – wie Geschichten unser Leben bestimmen | Narrative vom Patriarchat oder der Klimakrise), vor die von ihm als Hintergrund bevorzugte geflieste Wand im Wintergarten der Wannsee-Villa vom LCB. Ich weiß nicht, ob sie ihr Buch schon bei sich hatte, oder es auf Wunsch von Jan in die Hand nahm. Sie stellt sich damit ins Licht, den Kopf Richtung Fensterseite vom Wintergarten. Er macht eine Reihe Aufnahmen. Ich fotografiere beide aus dem Hintergrund. Dann kommt der zweite Teil, der mich fotografisch besonders interessiert. Jan Sobottka zeigt Samira El Quassil die soeben gemachten Aufnahmen. Ich fange schöne Blicke und natürliche Kopfhaltungen von ihr ein, sie bemerkt überhaupt nicht, dass sie immer noch fotografiert wird. Feine Ausbeute für mich, funktioniert immer. Und Jan hat Erinnerungsfotos für sein Archiv.

23. September 2023

Willige Damen auch! Immer wieder faszinierend, wie animierend die Nähe von Jan auf viele interessante Frauen wirkt. Da drücke ich gerne ab, wie hier, auf ausdrücklichen Wunsch von Beiden. Animiert heißt ja belebt, lebhaft. Immer schönstes Motiv für mich.

23. September 2023

Es geht in die Villa, vorbei am Kaminzimmer, Richtung Wintergarten. Ich wusste, dass Jan vor der blau-weiß gekachelten Wand im Wintergarten sein würde, da war er, vertieft im Gespräch mit der Ullstein-Mitarbeiterin, die Robert Seethaler betreut. Sie sprachen über Fotos, die Jan vom Autor Seethaler gemacht hatte.

22. September 2023

Ja, das ist sehr anrührend, was Reinhold Beckmann in seinem Buch aufgearbeitet hat. „Aenne und ihre Brüder„. Er las am Sandwerder einen Auszug daraus, Zeilen eines Briefes von der Front, eines der vier Brüder seiner Mutter Aenne. Beckmann ist siebenundsechzig. Wie schnell die Jahre verstreichen – er war in meiner Erinnerung immer Mitte Vierzig. Guter Mann. Im Bundestag trug er am Volkstrauertag das Lied Vier Brüder vor, den gefallenen Brüdern seiner Mutter gewidmet. Was für ein Anti-Kriegs-Lied. Eindringlich, schmerzhaft, wirkmächtig. Ich hörte es vorhin zum ersten mal, hier ist die Aufnahme zu hören und zu sehen. Beckmanns Lesung an der Rotunde am Wannsee war beim Ullstein-Sommerfest die einzige, die ich mir anhörte. Vor allem erzählte er, wie lange er sich mit dem Buch trug. Jahrzehnte im Grunde. Er gibt damit ein Vorbild für die Verarbeitung eines Familientraumas. In seiner Generation flächendeckend vorhanden, auf allen Seiten. Bis in meine Generation hinein. So lange ziehen sich die schmerzhaften Fäden. Wie Spinnweb um Kinder und Kindeskinder. So viel unter allen Teppichen. Behutsam wegfeudeln.

17. September 2023

Da saß ich so auf der Bank und guckte um mich. Rechts von mir auf dem Erdboden große grüne Blätter mit Tauperlen. Es war früher Nachmittag, die Sonne schien. Tau? Oder hatte jemand gegossen? Wieso waren die Blätter der anderen Pflanzen trocken? Hm. Eine kleine goldbraune Maus mit einem dunklen Streifen auf dem Rücken schlüpfte hinter den Blättern hervor. Ich schaffte es nicht, sie zu fotografieren. Aber die seltsamen Wasserperlen auf den Blättern hielten still. Ich fing sie ein. Daheim schaute ich nach, was ich fotografiert hatte. Ich kenne viele Pflanzen, Kräuter und Gewächse, aber nicht alle. Die Blätter mit den scheinbaren Tauperlen mitten am Tag gehörten dem Frauenmantel. Schon oft gehört, aber nicht gelernt, wie Frauenmantel ausschaut. Dank dem allwissenden Internet habe ich schnell herausgefunden, was es mit den Wasserperlen auf sich hat. Es ist ein Phänomen der Alchemilla. Morgens sind die Blattränder vollständig von einem Perlensaum bedeckt, der sich dann in die Blattmitte bewegt. Der Frauenmantel nimmt Wasser aus dem Boden auf und scheidet es durch kleine Poren im Blatt wieder aus, das ist unsichtbar. Offenbar ist sie etwas gierig und trinkt immer wieder zu viel und das überschüssige Wasser presst sie dann aus Öffnungen am Ende der Blattnerven, am Rand des Blattes. So kommen die dicht mit Wasserperlen besetzten Blattränder zustande. Die Wasserperlen waren also die zur Blattmitte gerutschten Tropfen. Außerdem habe ich gelesen, dass der „Tau“ bei Alchemisten begehrt war. Sie sammelten die Tropfen für ihre Experimente. Unter anderem beim Versuch Gold herzustellen. Daher trägt die Pflanze auch den Namen Alchemilla, was „Kleine Alchemistin“ bedeutet. Der deutsche Name wird auf Marienverehrung zurückgeführt, da die Falten der Blätter Marias Umhang ähneln. Außerdem habe ich ein Gedicht gefunden, das dem Frauenmantel gewidmet ist, vom Schriftsteller Johannes Trojan, der 1837 bis 1915 gelebt hat:

»Das Kräutlein treibt ein rundes Blatt
Wie keines ringsherum es hat.
Mit zierlich eingekerbtem Rand
Ist für den Tau es angespannt,
recht als ein Schälchen hingestellt,
in welches Perl‘ auf Perle fällt.

So hebt es auf des Himmels Tau,
der niedersinkt auf Flur und Au‘,
Manch Elflein gegen Morgen kommt,
das dürstet, dem zu trinken frommt,
Schöpft aus dem Schüsselchen und spricht:
Ein bessres Labsal gibt es nicht.«

Hiermit schließe ich das Karl Förster-Garten-Album. Es folgt ein Spaziergang durch den Rosengarten mit herrlichen Buchshecken.

17. September 2023

In der rosa Staudenecke freute ich mich über den „Roten Sonnenhut“, Echinacea purpurea und das „Hohe Fettblatt Herbstfreude“, Sedum telephium. Der rosafarbene Sonnenhut ist eine meiner allerliebsten Blumen überhaupt, mein schönster Geburtstagsblumenstrauß! Blumen wie aus einem Märchenbuch.

17. September 2023

Weiter. Zum Karl-Förster-Staudengarten in Britz. Da gab es das erste Restaurant mit Terrasse. Ich überlegte, ob ich ein Schnitzel esse und ein Bier trinke. Fand es dann aber zu zeitig für eine ausgiebige Rast, ich war ja gerade erst eine Stunde unterwegs.

17. September 2023

Neuer Tag, neues Glück. Neue Fotos aus Britz. Wenn ich mir einen Ausflug mit dem Fotoapparat vornehme, komme ich (wie wahrscheinlich heutzutage jeder) mit mehr Bildern heim, als ich vorhatte (nämlich: einfach mal schnell zu den siebentausend Dahlien und dann wieder umkehren). Jetzt ist es aber so angelegt, dass das Dahlienfeuer nur ein ganz bestimmtes Areal in dem neunzig Hektar großen Britzer Garten ist, und da kommt man dann an ganz vielen anderen Bereichen vorbei, auch wenn man schnurstracks gehend das Ziel im Auge behält. Zumindest vom Haupteingang am Buckower Damm aus. Der Garten hat mehrere Zugänge, einer davon, an der Tauernallee, wäre näher am Dahlienfeuer. Aber das wusste ich ja alles nicht. Ich war mit der U8 bis Hermannstr. gefahren, von wo der Bus 44 direkt hinfährt, zum Haupteingang am Buckower Damm. Als ich das Eintrittsticket kaufte, gab mir der Mitarbeiter Faltblätter mit Lageplänen. Ich wusste daher, ich muss mich auf dem linken Weg halten und einfach ganz bis nach hinten. Das sind schon ein paar Kilometer.

Eingangs kamen große Wiesenflächen mit wenigen verstreuten modernen Skulpturen, dann links der kleine geologische Garten mit den Erdzeitaltern. Rechts ruhten die Schäfchen, danach begann die Seenlandschaft mit Schilf und Seerosen. Auf der linken Seite war ein überwuchtertes Holzgestell, vielleicht, um sich daran zu hangeln. Rechter Hand der „Südsee“. Den Britzer Garten hat der Landschaftsarchitekt Wolfgang Miller für die Bundesgartenschau 1985 entworfen. Der Münchner Olympiapark von 1972 und die Bundesgartenschau in Kassel 1981 beruhten auch auf seinen Entwürfen. Über den Britzer Garten soll er gesagt haben: „Berlin wollte alles haben, was schön und teuer war“. Voilà.

Es war erst mein zweiter Besuch im Britzer Garten. Der erste lag weit zurück, irgendwann in den Achtziger Jahren, ich konnte mich nur noch ganz dunkel daran erinnern. Als ich dem Herrn im Tickethäuschen erzählte, dass es mehr als dreißig Jahre zurückliegt, dass ich im Britzer Garten war, blickte er mich schulmeisternd tadelnd an. Nicht ernst gemeint, aber recht hat er.

16. September 2023

KREIDE
JURA
TRIAS
PERM
KARBON
DEVON
SILUR
ORDOVIZIUM
KAMBRIUM

Quartär
Tertiär
Kreide
Jura
Trias
Perm
Karbon
Devon
Silur
Ordovizium
Kambrium
Proterozoikum
Archaikum

Hinter den Zähnen, zwischen den Lippen,
Die Zunge küsst hervor das Wort
Als Dreh-, Mittel-, Angelpunkt
Nur zur Erinnerung

Alles muss zurück auf Anfang
Nur zur Erinnerung
Alles muss zurück auf Anfang
Nur zur Erinnerung

Alles muss wieder
haut- und haargenau
porentief zurück
In die alte Ordnung
Die Ordnung vor der Ordnung
Die tobende warme Ordnung

Ich setz‘ mich zusammen aus Sekundärrohstoffen
Wiederverwertbarem Staub
Zusammengeklaubt aus den Zwischenräumen
Langgereister Staub

Ich setz mich zusammen aus zerstörten Sternen
Linke Hände und das Herz
Aus dem Gold geplatzter Sonnen
Interstellarem Erz

Ich singe das Wort, weit weit weg
Manchmal sogar unbemannt
Manchmal tritt es ein im spitzen Winkel
Verglüht nicht, landet unverbrannt

Alles muss zurück auf Anfang
Nur zur Erinnerung
Alles muss zurück auf Anfang
Nur zur Erinnerung

Alles muss wieder haut- und haargenau porentief zurück
In die alte Ordnung
Die Ordnung vor der Ordnung
Vor, vor, vor der Ordnung

Ich setz mich neu zusammen
Aus intergalaktischem Müll
Aus verworfenen Ideen
Aus billigem, teuren Make-Up
Und meinetwegen neonfarbenem Tüll

Den Spiegel zerbrochen
Ohne Vorbild, ungestalt
Die Augen geschlossen
Kein Nachbild mehr
Und kein Tod mehr an der Arbeit

Ja

Blixa Bargeld / Mauro Teardo, „Nur zur Erinnerung“

16. September 2023

Neuer Mitte-Hipster, eingewandert aus den Rocky Mountains: leptoglossus occidentalis. Erstmalig 1999 in Europa gesichtet, in Italien. Unbekannt, auf welchem Schiff oder mit welchem Flieger das Tier eingereist ist. Herzlich Willkommen auf meinem Balkon.

16. September 2023

Berlin, Berlin. Da unten ist heute eine Menge los, klingt nach Demo, es wird getrommelt. Da wollte ich mich mal aufschlauen, welche Demo heute stattfindet. Die Polizei hat den Überblick. Ich zähle siebenundzwanzig Kundgebungen. Es sollte für jeden etwas dabei sein. Ich bin auch für mehr Gottvertrauen für Berlin und ganz entschieden gegen die Schließung vom Spätkauf Quicky Markt! Die Satan-Sache hingegen ist mir etwas suspekt.

„VERSAMMLUNGEN IM LAND BERLIN:

16.09.2023 00:00 23:59 Kundgebung 24/7 Dauermahnwache vor dem Bundesministerium für Justiz und Gerechtigkeit! Unbefristeter Hunger gegen Paragraph 129 StGB!… (vom 16.08. bis 20.09.2023 – täglich) 10117 Mohrenstr. 37

16.09.2023 10:00 16:30 MY BODY – MY CHOICE! Für reproduktive Gerechtigkeit! 10557 Washingtonplatz

16.09.2023 10:00 18:00 Gegen Mieterverdrängung durch sogenannte energetische Sanierung und Luxussanierung für unverfälschte Denkmalpflege, Verstoß gegen den Kaufvertrag. (vom 19.07. bis 15.10.2023 – jeweils Mi.,Sa.,So.) 13509 Kehrwieder An der Heide, Am Brunnen, Am Rosensteg

16.09.2023 10:30 14:00 Recht auf Schwangerschaftsabbruch und sexuelle Selbstbestimmung 10117 Leipziger Platz 13

16.09.2023 10:45 13:30 Pazifismus ist kein Verberchen! freeyurii, objectwarcampaign, Kritik am Militär ist kein Verbrechen. Kriegsverrat ist Friedenstat, Yurii Sheliazjenko ist ein Vertreter der Kultur des Friedens. (vom 18.08. bis 16.10.2023 – täglich) 10117 Albrechtstr. 26

16.09.2023 11:00 15:00 Aktionstag für sexuelle Selbstbestimmung Gem. Koop: Pariser Platz (AP) – Unter den Linden – Bebelplatz (EP) Gem. Anzeige: Pariser Platz – Unter den Linden – Bebelplatz – Unter den Linden – Friedrichstr. – Reinhardstr. – Konrad-Adenauer-Str.

16.09.2023 11:15 14:00 Satan basst Fundamentalismus aus 10557 Scheidemannstr.

16.09.2023 12:00 14:30 Stoppt die Verfolgung von FALUN DAFA / FALUN-GONG Praktizierenden und anderen unschuldigen Menschen in China. Beendet die Diktatur der Kommunistischen Partei. (vom 01.01. bis 31.12.2023 – jeweils Mo., Di., Mi., Do., Fr., Sa., So.) 10179 Jannowitzbrücke

16.09.2023 12:00 16:00 Sozial- und Sicherheitspolitik 10178 Rathausstr. 15 ggü – Rathausstr. – Rathausbrücke

16.09.2023 12:00 18:00 Marsch für das Leben 2023 Platz des 18. März und Straße des 17. Juni – Ebertstraße – Potsdamer Platz – Leipziger Platz – Leipziger Straße – Friedrichstraße – Unter den Linden – Wilhelmstraße – Dorotheenstraße – Ebertstraße – Platz des 18. März und Straße des 17. Juni

16.09.2023 12:10 20:10 Jahrestag der Ermordung von Jina Amini: Frau Leben Freiheit Bebelplatz – Unter den Linden – Schlossbrücke – Karl-Liebknecht-Str. – Memhardstr. – Rosa-Luxemburg-Str. – EP: Rosa-Luxemburg-Platz (vor der Volksbühne)

16.09.2023 12:15 19:00 Stoppt die Verfolgung von FALUN DAFA / FALUN-GONG Praktizierenden und anderen unschuldigen Menschen in China. Beendet die Diktatur der Kommunistischen Partei. 10999 Oranienplatz 1 Aufzugsstrecke: Oranienplatz (…) Monbijouplatz – Burgstr. – Anna- Louisa-Karsch-Str. – An der Spandauer Brücke – Hackescher Markt – Rosenthaler Str. (…) Kollwitzstr. – (…) Checkpoint Charlie (…) Winterfeldplatz (…) Zoologischer Garten (…) Rudi-Dutschke-Str. – (…) Sonnenallee (…) Maybachufer – (…) Oranienplatz (EK)

16.09.2023 13:00 14:30 Protest gegen Kriegshandlungen der Russischen Föderation 10117 Unter den Linden 63

16.09.2023 13:00 17:00 Stoppt die Verfolgung von FALUN DAFA / FALUN-GONG-Praktizierenden und anderen unschuldigen Menschen in China. Beendet die Diktatur der Kommunistischen Partei. 12435 Am Treptower Park

16.09.2023 14:00 16:00 Freiheit für Özgül Emre Ihsan Cibelik und Serkan Küpeli 10967 Hermannplatz

16.09.2023 14:00 17:00 Fahrrad feiern -Stadtzentrum umkreisen! (23. Fahrradkreisfahrt des ADFC Berlin e. V.) (…) Potsdamer Platz (historische Ampel) (…) Kurfürstendamm (…) Nollendorfplatz (…) Warschauer Straße (…) Potsdamer Platz (historische Ampel) (….) Großer Stern – Str. 17. Juni – Platz des 18. März (EK)

16.09.2023 14:00 17:00 Gedenkfeier zum Jahrestag der Ermordung an Jîna Amînî durch das iranische Regime. 10557 Platz der Republik Neue Kundgebungsörtlichkeit: – Paul- Löbe- Allee (Mittelinsel und südl. Fahrbahn ) , zwischen Annemarie- Renger- Str. und Konrad- Adenauer- Str.

16.09.2023 14:00 18:00 Solidarität mit der revolutionären Bewegung im Iran Breitscheidplatz – Kurfürstendamm bis Uhlandstr. – anschließend zurück über Kurfürstendamm – Tauentzienstr. bis Ecke Nürnberger Str. – dort wendet der Aufzug und läuft über Tauentzienstr. zurück zum EP: Breitscheidplatz

16.09.2023 14:30 15:30 Satan basst Fundamentalismus aus 10117 Leipziger Platz Leipziger Platz – Höhe Bushaltestelle S + U Potsdamer Platz – Seitens Mall of Berlin

16.09.2023 14:30 16:30 Regulierung von Fahrzeugen ohne Lenk- und Haltestange (…) Steinplatz – Hardenbergstraße – Umrundung Ernst-Reuter-Platz – (….) Columbiadamm – Eingang Tempelhofer Feld Nord (Höhe Lilienthalstr.)

16.09.2023 15:00 16:30 Stopp mit der Legalisierung von Cannabis! Drogenkonsum ist nicht die Lösung unserer Probleme! 10999 Kottbusser Tor

16.09.2023 15:00 20:00 Jahrestag der Ermordung Mahsa (Jina) Amini 10117 Platz des 18. März Kundgebungsörtlichkeit: – Straße des 17. Juni, ab Großer Stern (ausschließlich Großer Stern) bis Yitzak- Rabin- Straße

16.09.2023 15:00 21:00 Kultur und Widerstand: Kurdischer Tanz gegen Rassismus international 10997 Mariannenplatz

16.09.2023 15:45 16:45 Satan basst Fundamentalismus aus 10117 Unter den Linden Mittelinsel – Unter den Linden – Wilhelmstr.

16.09.2023 16:00 19:00 Gedenken der Opfer des marokkanischen Erdbebens 10178 Alexanderplatz (ggü Weltzeituhr) 1

16.09.2023 17:00 19:30 Mehr Gottvertrauen für Berlin. Mit der angemeldeten Versammlung möchten wir unsere Meinung kundgeben, dass jeder Einzelne und wir als Gesamtgesellschaft dringend Gott brauchen, um die Probleme unserer Zeit (gesellschaftliche Ungleichheit, Orientierungslosigkeit, Drogensucht, familiär Schwierigkeiten etc.) zu überwinden… 10178 Alexanderplatz

16.09.2023 18:00 21:00 Protest gegen Schließung des Spätkaufs Quicky Markt 10997 Skalitzer Str. 96″

14. September 2023

Siebentausendfünfhundert gepflanzte Dahlien mit fast dreihundert Sorten gibt es da, im Britzer Garten. Ich nehme an, die siebentausendfünfhundert sind die gepflanzten Stauden, denn die Anzahl der Blüten lässt sich nicht mehr zählen. Das muss auch gar nicht sein, es sind genug, um ergriffen und begeistert zu sein.

13. September 2023

Finde ich auch interessant, dass es eine Dahliensorte gibt, die „Dekorative Dahlie“ heißt. Als wären die anderen nicht so gut für die Gartendekoration geeignet, sondern mehr so Nutzpflanzen oder Gemüse oder unscheinbare Mauerblümchen. Die „Dekorativen Dahlien“ haben schöne große Köpfe, prachtvoll gefüllt mit Blättern wie Flammen. Auf jeden Fall sehr beeindruckend, schon die Größe im Vergleich zu den anderen im Dahlienbeet. Die hier ist auch so eine Königin, eine Diva, ein Superstar! Sie heißt „Bristol Stripe“ und ich würde sie immer in meinen Garten einladen, um ihre superduper-glamouröse High Fashion-Show abzuziehen!

13. September 2023

Kleine Dahlienschule! Es gibt kugelige Dahlien, die heißen Pompon- oder Ball-Dahlien. Kommt auf die Größe an! Die mit kleineren Blütenkugeln heißen Pompon-Dahlien. Wenn die Kugeln mehr als fünf Zentimeter Durchmesser haben, sind es Ball-Dahlien.

13. September 2023

Weiter durch das Britzer Dahlienfeuer. Ich habe viele Fotos gemacht und die zeige ich auch! Ein opulenter Spaziergang, an dem ich Euch teilhaben lasse. Ihr kommt vielleicht nicht mehr dazu.

12. September 2023

Die wundervollen Dahlienköniginnen von Britz in Berlin. Auf in die Gärten! Überall gibt es Gartenparadiese zum Alice-im-Wunderland-Spielen. Lucy In The Sky With Diamonds, ohne LSD und THC. Obwohl es bestimmt auch angenehm und inspirierend wäre, da was zu rauchen. Ich war natural high dort, vom Frühstückskaffee abgesehen. Noch dazu besonders schön: dass das Natur-Erlebnis keinen psychoaktiven Verstärker braucht, finde ich sehr bequem!

11. September 2023

Hochsommerliches Mittagslicht arbeitet sich durch Vorhangschicht. Es ist immer noch Sommer, belehrt Euch das frühe Septemberkind! So rotlichtig wirkt das Schlafzimmer sonst aber nicht. Heute Mittag war ich draußen, gegen halbzwei. Sehr überrascht vom lauen Wind, trotz dreissig Grad, recht angenehm dabei. Findet Ihr nicht?

10. September 2023

Der 5. September. Balkontür daheim. Freude über Sommerlicht. Und über gelben Sonnenschirm vom Nachbarbalkon beim Atelier, mit Bedacht gewählt, sehr hübsch mit den Streifen und Fransen.

09. September 2023

Mehr Blauweiß. Schierker Straße, Ecke Altenbraker Straße. Wenn mein Blick dann so nach oben geht, und ich einen schönen Erker oder eine Kuppel oder besonderes Dach sehe, male ich mir aus, wie es da drinnen wohl ausschaut, vor allem auch, wenn man rausschaut. Bei Kuppeln träume ich immer, dass das bestimmt auch ein schöner Atelierraum wäre. Manchmal denke ich sogar kurz darüber nach, ob ich einfach mal versuchen soll, reinzugehen und bis nach oben zu kommen. Nur zum Spaß! Aus Abenteuerlust! Die Stadt ist voller Geheimnisse. Auch einfach mal in ein fremdes Mietshaus reinzugehen, wenn die Tür aufsteht, die alten Jugendstilfliesen und Treppenaufgänge zu bewundern, macht viel Freude. Das mach ich manchmal. Könnte ich aber noch öfter tun!

09. September 2023

Am Montag hab ich blau gemacht. Oder besser blauweiß! Oft habe ich den Kopf in den Wolken, gerade, wenn ich durch die Straßen laufe. Ich schaue mir so gerne die alten Straßenzüge von Berlin an, die betagten Mietshäuser, gerade wenn sie nicht den Charme von „Mietskasernen“ haben. Am Montag war mir nach blauweiß. Da machte ich mir den Spaß, einmal Seitenwege zu meiner Werkstatt zu gehen, anders als sonst. Ich wollte gucken, ob ich ein blaues oder blauweißes Haus finde. Das war ein Vergnügen, denn ich fand sogar mehrere. Das schönste Blau, dieses intensive Lavendelblau oder helle Indigo hatte ein neu verputztes in der Schierker Straße, wo auch mein kleines Atelier ist. Ich gehe nur selten diese Seite der Straße entlang, weil ich immer von der Hermannstraße komme. Und dazu der blaue Himmel – ein Gedicht!

08. September 2023

In Memoriam Queen Elizabeth II., geboren am 21. April 1926 in Mayfair, London, gestorben am 8. September 2022 auf Balmoral Castle, Aberdeenshire. Ist das schon wieder ein Jahr her, als alle Welt (außer vielleicht ein paar sehr jungen Leuten) den Atem anhielt? Ja. In den Wochen nach ihrem Tod begann ich recht bald, noch im September, diesen für mich bedauernswerten Verlust in der irdischen Belegschaft mit vier Werken zu verarbeiten. Im Dezember war das letzte fertiggestellt. Ich habe sie alle schon einmal einzeln ausführlich aus allen Winkeln präsentiert. Hier anlässlich des heutigen besonderen Datums, ihrem erstmals sich jährenden Todestag, meine vier Elisabeth-Bilder versammelt:

LILIBET. Lilibet-Footage aus dem Internet (historische Briefmarken, Warhol), Schnipsel von goldenen Pralinenschachtel-Inlays, Kinokarten und Eintrittskarten vom Grünen und Roten Salon, gewebter Stoff von zerschlissenem, indischen Meditationskissen, goldene Schaumwein-Aluminium-Manschette, blaue Mosaiksteine, australische Elisabeth-Geldmünze von Lydia, Kleber, Acryl, Blattgold, Leinwand, Schattenfugenrahmen, 44 x 54 cm, 5. – 13. November 2022, Königliche Sammlung von Gaganien ♕

ELIZABETH AD ASTRA. Bemalte Prints historischer Elisabeth-Briefmarken, Kleber, Acryl, Blattsilber, Blattgold, Jadesteine, Spiegelmosaiksteine, Strass, Leinwand, 64 x 74 x 4 cm, 30. September 2022, 9. – 13. Oktober, 15. – 17. Oktober, 20. Oktober, 22. – 23. Oktober, 25. – 30. Oktober 2022, 2. und 4. November 2022, Staatliche Museen von Gaganien, Königliche Sammlung ♕

IN MEMORIAM ELIZABETH II. Ausdrucke vergrößerter historischer Briefmarken zur Krönung von Elizabeth II. am 2. Juni 1953, Kleber, Acryl, Blattgold, Strass, Leinwand, 50 x 100 x 4 cm, 27. – 30. September 2022, 9. – 13. Oktober, 15. – 17. Oktober, 20. Oktober, 22. – 23. Oktober, 25. – 30. Oktober 2022, 2. November 2022, Staatliche Museen von Gaganien, Königliche Sammlung ♕

GOODBYE ELIZABETH. Fragmente Zeitungsartikel BZ „Das letzte Goodbye“ und Tagesspiegel-Artikel vom 20. September 2022 zur Beisetzung am 19. September 2022, Foto Elizabeth und Philipp und historische Briefmarkenausdrucke aus dem Internet, Spiegelscherben, Straßsteine als Charlottes Hufeisenbrosche, Kleber, Acryl, Blattgold, Leinwand, Karton, blaue Mosaiksteine, Barockrahmen, 68 x 78 cm, 30. September 2022, 9. bis 13., 15. bis 17., 20., 22., 23., 25. bis 30. Oktober 2022, 2., 29. November 2022, 15. bis 18. Dezember 2022, Königl. Sammlung von Gaganien ♕

Wenn die British Embassy in Berlin nur ein kleines bißchen mehr wie Schloss Windsor oder Balmoral oder St. James Palace oder Kensington oder meinethalben auch der Buckingham Palast ausschauen würde, hätte ich mindestens eines davon (wenn nicht ALLE!), der Botschaft vermacht. Dabei fällt mir gerade ein, King Charles hat doch eigentlich auch Räume. Die Royal Collection wäre von der Sache her auch nicht völlig verkehrt. Bis es so weit ist, bleiben sie erst einmal in Berlin zwischengelagert. Gut bewacht!

07. September 2023

UPDATE: frisch gerahmt: MANGO-MUFFLON MARLENE. Handtaschenverschlussteile, Budapester Schuh-Fragmente, Rotwein-Etikett, Samtband, Leder-Schnürschuh-Fersenstücke, Zebrano-Ess-Stäbchen, dunkelgrüne Blumentopf-Stäbchen, Griffe von drei abgearbeiteten Pinseln, Furnierholz-Brett von Mango-Schrank-Verpackung, Kleber, Bilderrahmen „Luxor“, 59,5 cm x 99,5 cm, 25. und 28. August 2023, Staatliche Museen von Gaganien

Ich stelle immer wieder aufs Neue fest, dass die wenigsten bildenden Künstler ihre Flachware rahmen. Wenn überhaupt, überlassen sie es dem Galeristen oder dem Käufer. Ich habe dafür keinerlei Verständnis. Für mich ist das Werk erst mit dem von mir zugeordneten Rahmen fertig. Bilder, die ich ungerahmt belasse, sollen es auch bleiben. Nur in wenigen Fällen habe ich aufgrund der Größe (noch) keinen Rahmen anfertigen lassen, habe aber schon das Profil im Hinterkopf. Ich bin da völlig in der Tradition von Franz von Stuck, Gustav Klimt und Max Liebermann, die sich detailverliebt um den passenden Rahmen gekümmert haben. Ist ein Bild fertig, gehe ich damit zu verschiedenen fertig gerahmten Bildern meines Konvoluts und halte es daneben, um zu sehen, ob ich bereits ein Rahmenprofil habe, dass da auch passen könnte. Es hilft mir als Orientierung. Selbst wenn keines dabei ist, das ich mir vorstelle, habe ich dann eine klare Idee, in welche Richtung es gehen muss. Das elegante Rahmenprofil „Luxor“ hatte ich noch nie. Ich finde, es steht Marlene gut. Sie ist ja ein elegantes Mufflon.

06. September 2023

Hiermit schließe ich den Reigen meiner Highlights der Secessionen-Ausstellung. Wie auf dem Flyer zu sehen, läuft sie noch bis zum 22. Oktober 2023, also rund sechs Wochen. Für die Versicherung und den Transport derartiger Schätze nach Berlin dürfen gerne Steuergelder ausgegeben werden. Sehr, sehr gerne.

05. September 2023

Et voilà. Judith und Holofernes. Ein Klimt, den jeder kennt. Wenn auch nicht im Original in Augenschein genommen, aber doch gedruckt. Auf Postkarten, Kaffeetassen, Brillenetuis, Halstüchern – und dem Plakat zur Ausstellung in der Alten Nationalgalerie. Was die Güte des Werks übrigens nicht schmälert. Bei Vervielfältigung amüsiert sich der erfolgreiche Urheber. Auch noch im Himmel – oder da erst recht. Gustav Klimt – wer es nicht wusste – gehörte bereits zu Lebzeiten zu den Superstars seines Metiers. Soweit mir bekannt, gab es in seiner erfolgreichsten Lebensspanne keinen anderen lebenden österreichischen Maler, der ähnlich hohe Preise für seine Werke aufrufen konnte. Geschäftstüchtig war er, der gute Gustav. Ich kann ihn mir so recht vorstellen, wie er seinen eloquenten und gewitzten Charme beim Verhandeln spielen ließ. Es wird kolportiert, dass Klimt auf dem Höhepunkt seines Erfolgs – der sich dank geschickten Netzwerkens innerhalb solventer Industriellen-Kreise früh einstellte – für ein größeres Portrait einen Preis verlangen konnte, der dem Gegenwert eines Einfamilienhauses in Wien entsprach. Durchaus bemerkenswert.

Aber zurück zu Judith. Auch „Judith I.“ betitelt, weil er noch eine zweite Judith malte. Als – mutmaßlich, allerhöchstwahrscheinlich – Adele Bloch-Bauer, die kunstsinnige Industriellengattin und Förderin von Klimt – Modell für Judith stand – 1901 – arbeitete er zunehmend mit Blattgold. Das Vergolder-Handwerk hatte er von seinem Vater gelernt, der eine Werkstatt dafür betrieb. Judith & Holofernes steht am Anfang dieser Phase. Das berühmte Bloch-Bauer-Portrait, im Volksmund auch „Die goldene Adele“ genannt, begann Klimt zwei Jahre nach Judith und Holofernes, und brauchte noch zwei weitere Jahre, um es zu vollenden. Viele Sitzungen waren von Nöten, nehme ich an, die die gute Adele gerne wahrnahm. Aber Spaß beiseite – die kleinteiligen Bildelemente beim Bloch-Bauer-Portrait machen vergoldungstechnisch eine Heidenarbeit. Die vollzogen wird, nachdem alle grundlegenden malerischen Details ausgeführt wurden, hier muss keiner mehr Modell stehen. Ein feinmotorisches Gefrickel erster Güte, die Anlegemilch in diese Flut filigraner, ornamentaler Mosaik-Elemente zu pinseln (ich weiß, wovon ich rede). Das schiebt man gerne auf die lange Bank. Mir ist gar nicht präsent, ob Gustav für solche Arbeiten Handlanger, also Assistenten hatte. Wie ich ihn einschätze, hat er es sich vorbehalten, das eigenhändig auszuführen. Keine Götter neben mir! Aber ich weiß es nicht. Als ich in der Klimt-Sammlung im Belvedere war, war Judith wohl wieder einmal unterwegs auf Reisen. Ich habe gelesen, dass sie eigentlich nicht mehr ausgeliehen wird, aber wie wir sehen: sie ist nun in Berlin. Vielleicht das einzige mal zu meinen Lebzeiten. Sie wird uns alle überleben. Und nicht nur auf Kaffeetassen und Brillenetuis. Als sorgsam gepflegtes Original, als ein unübersehbarer Schatz der Kunstgeschichte. Auch bei Judith und Holofernes fasziniert der Rahmen, sehr verwandt mit den Rahmen bei Stuck. Vor allem in der Seitenansicht lässt sich das Rahmenrelief gut erkennen. Wundervoll. Da hat er doch bestimmt auch selbst Hand angelegt, Gustav, der Tausendsassa. Ich habe ihn schon von Herzen gern.

05. September 2023

Und jetzt zu Gustav. Und Emilie! Meines Wissens habe ich jegliche Literatur und biographische Dokumentation über Gustav Klimts Gefährtin, die Modeschöpferin Emilie Flöge verschlungen. Es war eine komplizierte Beziehung, die für Emilie nicht erfüllend war, weil Gustav viele kleine Gustavs in die Welt gesetzt hat – aber leider nicht mit ihr. Emilie Flöge blieb zeitlebens unverheiratet und kinderlos. Ich habe nicht behalten, WIEviele seiner Modelle ihm einen Sohn schenkten, der dann auch Gustav getauft wurde, das ist wirklich wahr. Fünf? Jedenfalls hat Emilie mit Gustav keine heiße erotische Beziehung geführt, es war mehr vertraute, gewachsene Nähe, herzliches Zugetansein. Wenigstens von ihm aus. Emilie zog sich in späteren Jahren von ihm zurück. Und hat seine vielen, vielen Briefe und Postkarten rituell im Kamin verbrannt, die Enttäuschung war zu groß. In seiner Arglosigkeit hat er Emilie – ich glaube, es war aus Karlsbad – auf einer Postkarte begeistert von seiner neuesten Bekanntschaft mit einer jungen Dame berichtet, voller Vorfreude, dass da wohl demnächst was ginge. Emilie hat wahrscheinlich nach Luft geschnappt, ob dieser unsensiblen Mitteilung. Was bleibt, ist ihr Ruhm als Schöpferin der Reformkleider in edelster Ausführung und viele Sommerfrische-Fotos aus Attersee, wo sie oft mit Gustav den Sommer verlebte.

Ich nehme an, das schmale, hochformatige Landschaftsbild ist auch in Atterssee entstanden. Bei dem hat mich speziell auch die Rahmung fasziniert, dieses fast schon Vitrinenhafte, es ist geradezu ein Fenster in eine vergangene Welt. Das Portrait von Emilie hatte ich im Belvedere in Wien vermisst, ich dachte, es hinge dort, aber es befindet sich im Wien Museum, da war ich leider nicht. Endlich konnte ich es in echt sehen, mit diesem herrlichen blauen Reformkleid. Die Forschung ist sich uneins, was zuerst da war. Ob das Kleid auf einem Entwurf von Emilie basiert, oder ob Gustav das opulent gemusterte, blaue Kleid für das Portrait eigens erfunden und/oder ausgeschmückt hat. Wir werden es nie erfahren. Vielleicht liegt die Wahrheit wie so oft in der Mitte.

P.S. Nachtrag zum Landschaftsbild: es trägt den Titel „Nach dem Regen“, entstanden 1898 und zeigt Obstbäume mit Hühnern in St. Agatha bei Steeg am Hallstätter See, dem größten See des Salzkammerguts, unterhalb vom Attersee, und gehört bereits seit 1900 zur Klimt-Sammlung des Belvedere in Wien.

05. September 2023

Franz von Stuck fasziniert mich auch schon eine Weile. Wenn ich in der Nationalgalerie bin, besuche ich immer – egal was es sonst gerade zu sehen gibt – seine Sünde im Prunk-Altarrahmen. Nun hängt sie derzeit nicht wie sonst in der festen Ausstellung unten, sondern oben in der Secessionen-Ausstellung. Da gehört sie unbedingt auch hin. Ich habe sie durch den wiederholten Besuch so verinnerlicht, dass ich der Meinung war, ich hätte sie bestimmt schon einmal fotografiert. Offenbar nicht. Das kleinere Selbstportrait von ihm von 1899, hängt bei den Köpfen der Secessionen, das Selbstbildnis im Atelier im Hauptsaal, wo auch die Liebermanns und die Klimts zu finden sind. Quasi der Thronsaal der Ausstellung, der Haupttempel. Liebermann-Werke habe ich ebenfalls nicht abgelichtet, die sind auch in der festen Ausstellung der Alten Nationalgalerie. Das Selbstbildnis von Franz von Stuck im Atelier von 1905 ist für meinen Geschmack mit das Schönste, das überhaupt je ein Maler von sich gemacht hat. Das Interieur ist phantastisch. Auch grandios sind bei Stuck immer die Rahmen. Bei der Sünde ist es geradezu ein Altar, aber auch der kleine schwarzgoldene Rahmen des Selbstportraits ist ein Kunstwerk für sich. Ich muss zugeben, dass ich bei einigen Bildern mehr vom Rahmen als vom Werk fasziniert bin. Aber natürlich nicht bei den Bildern von Stuck, die sind ihren Rahmen ebenbürtig. Wenn ich einen opulenten oder sehr besonderen Rahmen sehe, überlege ich sogleich, ob sich ein ähnlicher für meine Werke findet.

04. September 2023

Weitere Lieblinge. Ungeheuer beeindruckt hat mich auch das mannsgroße Portrait, das den hocheleganten Harry Graf Kessler zeigt, gemalt von Edvard Munch. Vor manchen Bildern stellt sich sakrale Ergriffenheit ein. Ich kannte das Bild vorher überhaupt nicht, und verneigte mich innerlich sofort vor diesem Meisterwerk eines Portraits. Bei dem Selbstportrait von Johann Victor Krämer hingegen berührte mich der zeitlos eigensinnige Ausdruck im Gesicht des jungen Malers. Einer, der gerne aufbegehrt. Er würde gar nicht als unzeitgemäß auffallen, käme er einem heute, also hundertvierunddreißig Jahre später, nachdem das Bildnis entstand, auf der Straße entgegen. Diese bemerkenswerten Portraits hängen in der Abteilung „Köpfe der Secessionen“ innerhalb der Ausstellung. Und am Ausgang dieses Bereichs findet sich das herrliche, sehr große Landschaftsgemälde „Grunewaldsee“ von Walter Leistikow, der allen drei Secessionsbewegungen angehörte.

Kolo Moser, „Selbstporträt mit Palette“, um 1900

Edvard Munch, „Porträt von Harry Graf Kessler“, 1906

Johann Victor Krämer, „Selbstbildnis am Kamin“, 1889

Walter Leistikow, „Grunewaldsee“, 1895

04. September 2023

Fünf von mir besonders ins Auge gefallenen Bildern der Secessionen-Ausstellung in der Alten Nationalgalerie. Vor dem Bild von Carl Moll, vom Salon in dem Haus auf der Hohen Warte, stand ich wie elektrisiert. Es war der Blick in eine geheime Welt, über die ich viel gelesen hatte. Carl Moll war der Stiefvater von Alma Mahler-Werfel, der Mann in zweiter Ehe ihrer Mutter. In diesem Haus wuchs Alma auf. 1931, inzwischen, nach Gustav Mahler und Walter Gropius, in dritter Ehe mit Franz Werfel verheiratet, bezog sie mit ihm die legendäre, von Josef Hoffmann entworfene Villa Ast auf dem Nachbargrundstück auf der Hohen Warte in Wien. Das Interieur des Bildes zeigt im hinteren Bereich bereits eindeutig Innenausstattung der Wiener Werkstätten. Auch das Stillleben von Koloman Moser berührte mich sehr. Der Übertopf stand neben dem Bild in einer Vitrine, nicht fotografiert. Mir war Koloman Moser als einer der führenden Designer der Wiener Werkstätten geläufig, dass er auch mit großer Hingabe malte, war mir gar nicht klar.

Josef Engelhart, „Loge im Sophiensaal“, 1903

Eugene Spiro, „Landaufenthalt“, 1906

Max Kurzweil, „Dame in Gelb“, 1899

Koloman Moser, „Stillleben mit Zyklamenstock“, 1907

Carl Moll, „Salon im Haus v. Carl Moll auf der Hohen Warte“, 1903

03. September 2023

Die Original-Plakate der Eröffnungen der Wiener Secessions-Ausstellungen zu sehen, hat mir Gänsehaut beschert. Mit verliebter Ehrfucht stand ich davor. Auch sah ich nie zuvor echte Ausgaben der „Ver Sacrum“-Hefte. Online sind sie alle archiviert, aber das echte Papier und das quadratische Format zu sehen. Wundervoll.

03. September 2023

Alte Nationalgalerie Berlin, im Entrée. Zur Secessionen-Ausstellung geht es nach oben, die Treppe links. Bevor ich die Dahlienpracht zeige, spazieren wir noch durch die Wiener, Berliner und Münchner Secessionen. Eins nach dem Anderen. Gerade lange mit Jan telefoniert, das Gespräch wurde durch meinen leeren Akku beendet. Später will ich zur Wannseevilla vom LCB, da ist heute Sommerfest, diesmal vom Ullsteinverlag. Jan geht auch hin. Wetter ist so angenehm gemischt. Die Sorte Wetter, über die andere lamentieren: Wolken-Sonne-Mix. Für mich immer erholsam.

02. September 2023

  1. September 2023 um 12:53 Uhr. Achtundfünfzig Jahre und achtundzwanzig Minuten alt. Kurz vor Aufbruch zu den Dahlien in Britz. Auf meinem Facebook habe ich als Geburtsdatum 1. September 1975. Das ist gelogen. Als ich meinen fb-Account vor fünfzehn Jahren angelegt habe, hatte ich das echte Geburtsjahr, 1965 angegeben. Dann hatte Lydia vorletztes Jahr die Idee, ich könnte mich mal bei Dings… Tinder präsentieren. Ich war auch neugierig und habe einen Account angelegt und festgestellt, dass da immer mein aus facebook transferiertes Alter wie ein Preisschild angezeigt wurde. Das hat mir gar nicht gefallen. Ich bin doch keine Kuh auf der Landwirtschaftsausstellung! So kam der Wunsch, die angezeigte Zahl zu manipulieren. Ich änderte daraufhin bei facebook mein Geburtsdatum, also das Jahr, indem ich einfach mal keck zehn Jahre abzog. Ich wollte auf Tinder schließlich keine alten Männer rekrutieren. Leider hatte die Manipulation keinen Erfolg, bei Tinder wurde weiterhin mein tatsächliches Alter angezeigt. Ich war da dann auch nur ungefähr zwei Tage aktiv, habe lustige Chats gehabt, wobei die Lustigkeit vorwiegend auf meinen Antworten beruhte, weniger auf den Beiträgen der Herren. Sie waren mir einfach nicht gewachsen! Ich hatte absolut keine Lust, da irgendjemanden zu treffen. Weiß gar nicht, ob es den Account noch gibt. Wie auch immer – bei facebook steht deswegen jetzt immer noch mein angebliches Geburtsjahr 1975. Wenn ich es nochmal ändern wollte, würde ich als unseriös gelten und fliege womöglich raus. Man kann das nicht unendlich oft ändern, das Geburtsdatum. Wisst Ihr Bescheid, falls Ihr experimentieren wollt!

31. August 2023

Als ich gestern diese Fotos vor der Alten Nationalgalerie machte, war ich noch überzeugt, dass das die einzigen Bilder, die einzigen Dokumente meines Besuchs in dieser grandiosen Ausstellung über die drei Secessions-Bewegungen in Berlin, München und Wien bleiben würden. Aber da irrte ich. Zwar hatte ich die Fotos von Jennys Besuch in der Ausstellung gesehen, dachte daraufhin aber – wie so oft – wären nur Smartphones erlaubt. Dem war aber nicht so. Ich zitiere einen Kommentar, den ich vorhin geschrieben habe:

„Die Einlass-Situation war recht entspannt – online sind zwar die Tickets mit Zeitfenster ausgebucht, meinte der Herr am Einlass, aber unter der Woche ist die Schlange überschaubar. Ich hatte gar kein Ticket, bin spontan gestern gegen Mittag hin, musste eine gute Viertelstunde anstehen, dann war ich drin. Fotografieren ohne Blitz ist überall erlaubt, sehr großzügig, auch mit richtiger Kamera. Wer ein online Ticket mit Zeitslot ergattert hat, kann direkt, links an der Schlange vorbei, durchgehen.

P.S. Hier die Bilder, die ich gestern gemacht habe. Zuerst hatte ich die Kamera mit meiner Tasche an der Garderobe abgegeben – als mir eine Aufsicht versicherte, dass ich fotografieren darf, ging ich noch mal zurück und holte die Kamera aus der Tasche. Diesen seltenen hohen Besuch einiger von Gustavs Werken in der Stadt wollte ich schon auch für mich verewigen.“

Tatsächlich überlegte ich nach meinem ersten kurzen Rundgang, ob ich die Kamera einfach in der Garderobe belasse. Aber dann entsann ich mich der Bedeutung dieser Künstler und Werke für mich und dieser seltenen Gelegenheit. Ich fand dann, es wäre, als ob der Lieblingsonkel aus Amerika endlich einmal zu Besuch nach Europa kommt und man schnöde kein einziges Bild davon im Familienalbum hat. Für mich ist das tatsächlich wie ein Familienbesuch. Ich bin da zuhause. Die Secession ist mir zutiefst vertraut und nah, dass mich kein winzigster Aspekt erstaunt oder befremdet. Ich ging hinein und fühlte WILLKOMMEN DAHEIM.

30. August 2023

Manchmal haben neue Wege nur den Sinn, Erkenntnisgewinn, dass der alte Weg, der bessere, angenehmere, zielführendere ist. Hat auch metaphorisches Potenzial, ist aber für meine heutige Erfahrung ganz unmetaphorisch gemeint. Anstatt wie in den vergangenen vierundzwanzig Jahren direkt von meiner Wohnung zur Museumsinsel zu laufen, wollte ich mal eine Alternative austesten, nämlich: zuerst mit der U8 zum Alex und von da mit der U 5 zwei Haltestellen bis Museumsinsel. Hat doppelt so lange gedauert wie zu Fuß. Wenn ich hinlaufe, dauert es fünfzehn bis zwanzig Minuten, je nach Tempo, mit der U-Bahn fast doppelt so lang, wegen Umsteigen und dem Fußweg von der U-Bahn Museumsinsel bis zur Alten Nationalgalerie. Die war mein Ziel. Ich war in der Secessionen-Ausstellung mit Schwerpunkt Klimt, Stuck und Liebermann. SCHÄTZE. Dass ich noch jemals Klimt hier sehen darf, ist alleine schon grandios, so eine Seltenheit in Berlin.

29. August 2023

Willkommen im Zoo von Gaganien, es gibt ein neues Jungtier: MANGO-MUFFLON MARLENE. Handtaschenverschlussteile, Budapester Schuh-Fragmente, Rotwein-Etikett, Samtband, Leder-Schnürschuh-Fersenstücke, Zebrano-Ess-Stäbchen, dunkelgrüne Blumentopf-Stäbchen, Griffe von drei abgearbeiteten Pinseln, Furnierholz-Brett von Mango-Schrank-Verpackung, Kleber, 50 cm x 90 cm, 25. und 28. August 2023, Staatliche Museen von Gaganien

28. August 2023

Gestern die sehr gründliche Doku über die Entstehung und Entwicklung von Barbie auf arte angeschaut, sehenswert. Auch wird nicht unter den Teppich gekehrt, dass Ruth Handler bei einem Schweiz-Urlaub die Lilli-Puppe von der BILD-Zeitung in einem Schaufenster entdeckte, mehrere davon kaufte und damit eine bereits fertig ausgetüftelte Puppe zum nahezu exakten Vorbild für Barbie nahm. Mattel kehrt das gerne unter den Teppich, aber das Internet lässt sich hier kein Maulkörbchen verpassen. Sogar ein Prozess wurde vom Lilli-Fabrikanten geführt, aber er ließ sich am Ende die Herstellungsrechte für einen sehr überschaubaren Betrag abluchsen. Die Lilli wurde in einer Puppenfabrik in der Nähe von Coburg zum ersten mal geformt. Vorbild war die BILD-Lilli, eine tägliche Karikatur einer kecken, jungen Frau mit flotten Sprüchen. Die Lilli hat der Karikaturist Reinhard Beuthien erschaffen und die Form für die Puppe stammt auch von einem Mann, nämlich Max Weißbrodt. Die umfangreiche Garderobe der Lilli wurde von der Schwiegermutter des Puppenfabrikanten entwickelt, Martha Maar, sie hat auch andere Puppen eingekleidet. So kann man sagen, Barbie hat auch deutsche Gene. Lilli ist sozusagen die Mutter von Barbie und Ruth Handler, der Hamburger Karikaturist, der Coburger Puppenmacher und die Schwiegermutter, die Großeltern!

27. August 2023

KALEIDOSKOP III – Ausgehen. Tickets (Nick Cave & The Bad Seeds; 2018 Waldbühne, Rolling Stones; 2018 Olympiastadion, Berlin Beat Club; 2018 Stadtklubhaus Hennigsdorf, Rotfront; 2016 SO36, Release Lüül – „Der stille Tanz“; 2022 Musikbrauerei), Flyer (Jan Sobottka, Emil Nolde, Danielle de Picciotto, Hedwig & The Angry Inch, Nänzi, Nico, Udo P. Klein, Café Bleibtreu), Zeitungsschnipsel (Kippenberger Paris Bar, van Gogh), Fotos (zweimal G. Nielsen), zerteilter Ethno-Seitenstreifen Orsay-Jeans Achtziger Jahre; Schloßstr., Kleber, Acryl, Rahmenrückwand, 96 x 54 cm, 1./2./3./15. Mai/24. Aug. 2023, Staatl. Museen v. Gaganien

27. August 2023

Hey Barbie! Ich war drin! Am besten hat mir der Anfang gefallen, davon sieht man was in dem Trailer, ich hatte Gänsehaut und war elektrisiert! Genau mein Geschmack, wie die vorher Babypuppen fütternden und bügelnden, süßen kleinen Mädchen große Augen machen, als die riesengroße Barbie erscheint und die Welt neu erschaffen wird, Götterdämmerung! Und dann die langweiligen Babypuppen auf den Boden gedonnert werden, herrlich! Das hätte ich nicht schöner erfinden können. Die Barbie-Hauptdarstellerin ist einfach toll und zuckersüß. Nicht klebrig süß, sondern zuckersüß, das ist ein ganz großer Unterschied. Der ganze Film ist ein Erlebnis, wie Ina schon gesagt hat, ich bin froh, dass ich drin war. Da gehen einem die Augen über! Die altmodischen Belehrungen, dass Mädchen alles werden können, was sie wollen, sind meistens so überzogen plakativ, dass man innerlich schwankt, ob das ein Teil der Satire ist, oder eine erzieherische Botschaft im Hinblick darauf, dass auch viele kleine Mädchen den Film gucken werden. Es ist insgesamt ein fulminantes Pop Art-Kunstwerk einer völlig eigenen Kategorie. Für einen visuell fixierten Menschen wie mich, ein Leckerbissen. Das Setdesign ist ohne Worte, die absolute Perfektion. Auch diese kleinen Details, wie mit den Barbie-Schachtel-Verpackungen gespielt wird. In einer Szene soll Barbie zurück in ihre Schachtel und dann werden die kleinen Drahtfesseln festgemacht, mit denen die Püppchen am Handgelenk in der Schachtel gehalten werden. So süß! Einiges hätte ich rausgekürzt. Ken, also der Haupt-Ken, hat mir zwei Lieder zu viel am Ende gesungen. Aber zwei andere Lieder waren auch toll, z. B. das am Lagerfeuer. Dazu die Choreographie mit den vielen Tänzern, hat mich an Elvis-Filme erinnert. Wen ich absolut ersatzlos streichen würde, ist das kleine Biest, dieses Mädchen, das ihre Mutter ständig belehrt, warum Barbie Scheiße ist. Eine ekelhafte, humorlose Klugscheißerin, unsympathisch bis dorthinaus. Ähnlich unangehm wie Annika bei Pippi Langstrumpf. Die moralischen Ansprachen am Ende hätte man auch um neunzig Prozent kürzen können, die waren schon arg langweilig und kitschig. Aber als der Song von Billie Eilish kam, am Ende dann endlich, ich hatte schon dauernd drauf gewartet, und die Kamera groß auf die bezaubernde Margot Robbie hielt, da musste ich sogar ein bißchen weinen. Hätte ich nicht gedacht, dass ich bei Barbie ein Taschentuch brauche. Aber das wird anderen nicht unbedingt so gehen, ich bin sehr empfänglich für solche emotionalen Geschichten. Ich würde sagen, ein Versäumnis, den Film nicht gesehen zu haben. Auch wenn man bei einigen Belehrungen auf Durchzug stellen muss.

26. August 2023

Aller Anfang ist leicht! Das wird Kaleidoskop VI. – PINK. Wenn man von Enthusiasmus getragen, etwas Neues anfängt, ist gerade der Anfang immer sehr leicht, nicht schwer. Schwierig sind eher die Phasen nach der Anfangsbegeisterung, nach dem kreativen Akt, wenn echte Arbeit ansteht. Handwerkliche Ausführung, die mitunter langweilt, aber gemacht werden muss. Das Sprichwort sollte vielleicht besser heißen: „Nach dem Anfangs-Elan kommt die Arbeit“! Gestern also die pinken Reliquien erst mal nur so grob nebeneinander angeordnet, hat mir aber schon ganz gut gefallen. Heute kein Gewerkel. Eventuell, ja höchstwahrscheinlich gehe ich nachher vor dem Einkauf bei Rewe schnell mal in die späte Nachmittagsvorstellung von olle Barbie, OmU. Anschließend Wochenendeinkauf. Der Rewe ist hinterm Hackeschen Markt, ganz in der Nähe vom Kino. Ein Aufwasch! Ich muss NACH dem Kino einkaufen gehen, sonst wird die heilige Kühlkette unterbrochen!

25. August 2023

Auch gestern war ich nicht im Barbie-Film! Das rosarote Fähnchen war mir luftig genug auf dem Weg in meine rosa Werkstatt, wo ich gestern ein weiteres Kaleidoskop gefertigt habe, Nr. III. Es geht von den Nummern her durcheinander mit der Fertigstellung. Die Nummern habe ich chronologisch vergeben, vom ersten Tag, an denen ich an einem Bild rumgemacht habe. Die Dinger entwickeln dann schnell ein Eigenleben und einen eigenen Charakter mit individuellen Tempovorlieben. Man muss dann pädagogisch wertvoll und eben sehr behutsam und rücksichtsvoll wie mit kleinen Kindern vorgehen. Wenn das Bild seine Ruhe haben will und einfach nur in der Ecke chillen, respektiere ich das. Irgendwann wacht es schon wieder auf. So eben geschehen mit dem Kaleidoskop Nr. III., welches den Untertitel „Ausgehen“ hat. Fotografiere ich heute. Ist nicht so spektakulär wie das voher fertiggestellte „Eibensang“, aber ich habe wieder sehr gut Erinnerungsfetzen und -Fitzelchen verarbeitet, ist schon okay. Und dann freue ich mich heute auf einen Neubeginn. Eventuell gehe ich an meine pinke Schachtel! Leider ist auch in der Schachtel keine einzige Barbie-Reliquie, aber schicke Sachen. Wie z. B. eine rosa schimmernde, alte Zigarettenschachtel der Marke Sobranie. War mal ein Geburtstagsgeschenk, bestimmt dreißig oder sogar vierzig Jahre her. Hatten lauter bunte Papierhülsen mit goldenem Filterstück, geschmeckt haben sie mir überhaupt nicht, waren aber schick. Heute ziehe ich mich nicht pink an, sondern werfe ein schwarzweißes Fähnchen über. Bißchen Folklore-Look. Bis später.

24. August 2023

KALEIDOSKOP V. – EIBENSANG. Kleine Laserausdrucke von vierundsechzig Seiten-Entwürfen Internetauftritt, vier Portraitfotos, eine Visitenkarte, ein Aufkleber, zwei Demo-Video-Cover-Entwürfe, vier CD-Cover-Entwürfe „Eibensang“, ein Kinderfoto, Kleber, Acryl, Wasserfarbe, Spiegelscherben, Blattgold, Sonne, Januar 2000 bis Dezember 2002, 28. u. 29. Mai 2023, 1./4./7./11./13./14./17./18./19./20./22./23./24./25./26./28./29. Juni 2023, 2./3./4./30. Juli 2023, 20. u. 23. August 2023, 78 x 100 cm, Staatliche Museen v. Gaganien

Ein weiteres Werk aus meiner Kaleidoskop-Serie, die auf Reliquien, privaten Erinnerungsstücken in Schachteln basiert. Nr. V ist Eibensang gewidmet. Ich hatte gut zwanzig Jahre eine Schachtel mit Ausdrucken von vierundsechzig Seiten-Entwürfen für einen Internetauftritt aufbewahrt. Sie fiel mir beim Aufräumen im Mai wieder in die Hände. Ich klappte sie auf und ich war leicht fassungslos, was ich mir damals für eine Mühe gegeben hatte, jede einzelne Seite zu gestalten. Was leider in der von mir ausgedachten Form nie umsetzbar war. Oder sehr aufwändig gewesen wäre. Technisch schon machbar, aber da hätte sich jemand viele Stunden hinsetzen müssen, um die Links an den von mir angedachten Stellen in den Grafiken zu hinterlegen. Egal. Darunter auch CD-Cover-Entwürfe, zwei Seiten davon umgesetzt und als Cover gedruckt. Als ich die ca. 7 x 10 Zentimeter großen Ausdrucken der kleinen Internetseiten sah, ärgerte ich mich kurz nochmal, dass es vergebliche Liebesmüh war. Aber dann fiel wieder ein, dass ich diese Reliquien in einem Bild verarbeiten könnte. So geschehen. War wahrscheinlich insgesamt fast nochmal so aufwändig, wie die Entwürfe vor über zwanzig Jahren. Allerdings waren die Seiten keineswegs Rosa. Die Grundfarbe war ein Elfenbeinton, flankiert von schwarzen Rahmen und einem Streifenthema in Orange und Khaki. Einige der Entwürfe hatten kunterbunte Motive, für mein Bild wollte ich alles in einen einheitlichen Flow bringen, aber auch einem nostalgischen Vibe Rechnung tragen. Ich hatte damals durchaus eine rosa Brille auf, das sollte rüberkommen. Als ich mit Rosa drübergegangen war, war es mir immer noch zu clean, zu neu. Ich wollte die Zeit und Vergangenheit spürbar machen. So setzte ich das Bild von Juli bis August 2023 intensiver Sonneneinstrahlung aus, um eine verblichene Anmutung zu bekommen. Hat funktioniert. Gestern habe ich es beendet, vollendet. Es ist dem Performance-Künstler, Dichter, Sänger und Musiker Eibensang aka Duke Meyer gewidmet. Einem wichtigen Menschen eines Lebensabschnittes.

23. August 2023

Der Leiermann aus Schuberts Winterreise. Eine weitere vollendete Interpretation von Philippe Sly und Adam Cicchillitt. Guten Morgen an diesem neuen Sommertag. Noch angenehm frische Morgenluft und eine strahlende Sonne. Bin seit halbneun auf. Vor mir liegen fünfzehn freie Tage, ganz ohne Verpflichtungen. Keinerlei Termine. Nur, wonach mir gerade der Sinn steht. Jetzt auf jeden Fall Kaffee!

22. August 2023

Zur guten Nacht eine neue Lieblingsaufnahme von Schuberts Ständchen entdeckt. Die Beiden sind grandios. Es singt der junge kanadische Bassbariton Philippe Sly, an der Gitarre Adam Cicchillitti, ebenfalls aus Kanada. Bin hin und weg von dieser Interpretation. Der Klarheit der vollen Stimme, der zauberhaften Gitarre. Bislang waren meine liebsten Versionen vom Ständchen von Angela Gheorghiu und Richard Tauber. So eine Entdeckung…

21. August 2023

Gestern irgendwann gegen Mittag. NICHT auf dem Weg zum Barbie-Film! Weiß nicht, ob ich den anschaue. Mich interessieren die visuellen Eindrücke, und die süße Hauptdarstellerin macht Freude anzugucken. Kritiken sind so durchweg durchwachsen. Interessanterweise aus verschiedenen Weltbild-Ecken. Die Ausstattung und Schauspieler werden hochgelobt, das Drehbuch und die Story kritisch durchleuchtet. Die Einen erwarten etwas Bestimmtes von der frauenbewegten Regisseurin, die Anderen befürchten es und finden es auch. Die kontroversen Wahrnehmungen machen fast schon wieder neugierig. Vielleicht gucke ich irgendwann mal am Nachmittag, so zwischendurch. Kann ich mitreden. Ansonsten bin ich ja meine eigene Barbie. Ich hatte übrigens keine. War zu teuer. Ich hatte eine nachgemachte von Woolworth, die hieß Petra und hatte dunkelbraune lange Haare und war megahübsch. Konnte aber die Beine nicht abknicken. Sie konnte vor allem bezaubernd aussehen. War eben nicht so der Action-Typ! Meine Freundin Ute hatte nicht nur eine echte Barbie und einen echten Ken, sondern auch ein Barbiehaus. Mit pinkem Herd. Fand ich interessant, war dankbar, dass ich mitspielen durfte, mit meiner Petra. Das Coole an den Püppchen, egal ob Barbie oder Petra war, dass man keinen Vater-Mutter-Kind-Plot spielen musste. Sich schick für Parties machen und so, war viel wichtiger. Man konnte ein ideales Erwachsenen-Traum-Leben nachspielen, das man so gar nicht vorgelebt bekam. Wie im Film halt. Fiction & Phantasy. Aber eigentlich hat mein Leben so insgesamt – abgesehen von blöden Todesfällen und amourösen Fragwürdigkeiten – schon ein bißchen pinken Barbie-Sex Appeal.

20. August 2023

Dalida konnte Blicke werfen! Damals sechsundzwanzig und noch brünett. Das schöne Lied hat übrigens Gilbert Bécaud komponiert.

Am Tag, als der Regen kam
Lang ersehnt, heiß erfleht
Auf die glühenden Felder
Auf die durstigen Wälder

Am Tag, als der Regen kam
Lang ersehnt, heiß erfleht
Da erblühten die Bäume
Da erwachten die Träume
Da kamst du

Ich war allein im fremden Land
Die Sonne hat die Erde verbrannt
Überall nur Leid und Einsamkeit
Und du, ja, du
So weit, so weit

Doch eines Tag’s von Süden her
Da zogen Wolken über das Meer
Und als endlich dann der Regen rann
Fing auch für mich das Leben an
Ja ja ja ja ja ja ja

Am Tag, als der Regen kam
Lang ersehnt, heiß erfleht
Auf die glühenden Felder
Auf die durstigen Wälder

Am Tag als der Regen kam
Weit und breit, wundersam
Als die Glocken erklangen
Als von Liebe sie sangen
Da kamst du, da kamst du

19. August 2023

Und nun mache ich mich auf den Weg zu den kühlenden dicken Gründerzeitmauern von 1915 meiner kleinen rosa Werkstatt. Eine Weile war ich nur einmal die Woche da, um etwas zu hinterlegen und zu gießen. Heute werde ich länger weilen und sortieren und werkeln und vielleicht auch fotografieren. Im Augenblick sind noch 26 Grad im Schatten, angekündigt für später heute so um 32 Grad.

16. August 2023

Mysterien des Alltags erhellt…! Angenommen, Google Earth würde morgen Luftaufnahmen vom Gipsdreieck updaten, mein Dach fotografieren, wäre da ein kleines, quadratisches Portraitfoto von Greta Garbo zu sehen. Daneben ein marokkanisches Teelicht-Gläschen. Kann aber auch sein, dass das Garbo-Foto in den nächsten Stunden vom Wind verweht wird und in einem Baum oder mitten auf der Auguststraße da unten landet. Das Foto und das Teelichtgläschen liegen auf den Dachschindeln, nah der Dachrinne. Dereinst stand das Gläschen auf der Balkonbrüstung, so lange bis eine der Krähen kam, aus der daneben stehenden Schüssel Wasser trinken wollte, und das Teelichtdings dabei versehentlich schubste, und es runterpurzelte.

Greta Garbo ist allerdings ein Neuzugang und kam so dahin: ich wollte vorhin das Küchenrollo runterziehen und entdeckte an der linken Wand vom Fenster eine sehr große Motte, einen Nachtfalter. Kleine Motten mache ich einfach mit einem Stück Klopapier platt und spüle sie im Klo runter, was irgendwie auch ungerecht und gemein ist, aber so ein größeres Modell weckt bei mir Gewissensbisse, ich fände es unheimlich, so ein größeres Flatterwesen zu zerdrücken, da erkennt man ja schon so viel. Ich weiß, das ist eine bequeme Doppelmoral in meiner Alltagskultur, aber so ist es eben. Meine Technik ist, ein möglichst kleines Glas aus dem Schrank zu nehmen, über die Kreatur zu stülpen, und dann eine Postkarte drunterzuschieben, damit zum nächsten Balkon zu gehen und das Getier aus dem Glas zu schütteln, möglichst weit weg von der Balkontür.

Eigentlich sehr simpel und funktioniert immer. Ein kleines Glas war schnell zur Hand, ich war ja in der Küche. Das Insekt saß auch ganz ruhig und gechillt an der Wand. Dann brauchte ich nur noch die Postkarte zum Drunterschieben. Ich fand keine auf die Schnelle. Es sollte ja schnell gehen! Das nächstbeste griffbereite Kärtchen war eine Visitenkarte in typischer Visitenkartengröße. Es war ja ein kleines Glas. Nun schob ich die Visitenkarte unter den Falter und sah, dass sie ein bißchen zu klein war. Links und rechts waren fünf Millimeter Luft. Man kennt ja die Geschicklichkeit in Fluchtsituationen von den kleinen Biestern. Ich durfte kein Risiko eingehen! Womöglich machte sich die Motte ganz trickreich ganz schlank und wäre entwischt. Ich hielt das Glas mit der Visitenkarte und der Motte fest an die Wand gedrückt und sah mich um, was denn irgendwie als Alternative zum Drunterschieben herhalten könnte. Da fiel mir ein quadratisches Foto von Greta Garbo auf dem Fensterbrett ins Auge, locker in einen Papprahmen geschoben. Ich hielt mit der linken Hand das Motten-Glas an die Wand und griff mit der rechten zu Greta. Ich legte das Foto flach auf den Küchentisch und plante mit einer Blitzaktion den Falter im Glas, der auf der Visitenkarte tänzelte, erst mal dahinzutransferieren. Ich würde so turboschnell vorgehen, dass der Falter mir nicht mit seinen Fluchtplänen durch eine der Visitenkartenritzen entkommen könnte.

Es klappte! Nun saß der Falter unter dem Glas auf Greta Garbo. Ich zog die Visitenkarte raus und ging mit Greta, Motte und Glas auf den Balkon zur Auguststraße. Da unten war wieder viel los, in der lauen Sommernacht. Ich hob das Glas und schüttelte das locker gerahmte Greta Garbo-Bild mehrmals über dem Dach hin- und her. Der Falter war weg. Und Greta auch. Ich hatte nur noch den Papprahmen in der Hand. Greta segelte nach unten und landete rechts vom Teelichtgläschen.

Nun habe ich einen selbstgebastelten Kescher, weil mir nicht zum ersten mal was aufs Dach gefallen ist. Ich geniere mich aber, danach zu angeln, so lange so viele Leute da unten sitzen. Ich möchte keine bizarre Show abziehen. Denn so einen Kleinscheiß wie ein Teelichtgläschen und ein flach auf der Schindel liegendes Garbo-Foto zu angeln, ist schon eine sportliche Angelegenheit, die nicht beim ersten Anlauf klappen dürfte. Entweder mache ich es spät nach Mitternacht, in der Hoffnung, dass sich dann das ausgehfreudige Publikum da unten auf den Heimweg gemacht hat, oder ich versuche es morgen früh, wenn noch nicht viel los ist. Bleiben Sie dran! Ich berichte dann.

Update 01.40 Uhr: Greta mit breitem Klebeband an der Angel geangelt, Teelichtdings aufgespießt.