Oh là là… wird hier etwa wieder geturtelt? Seit ganzen fünf Tagen hab ich kein Täubchen mehr hier oben im Hinterhof gesehen. Gerade eben komme ich vom Bad und schaue gewohnheitsmäßig kurz zum Balkon mit dem leeren Nest und da sitzen die beiden auf dem Balkon gegenüber, auf dem Paravent meiner Nachbarin, und gucken sich abwechselnd an und in Richtung vom leeren Nest auf meinem Balkon. Ich kann aber nicht erkennen, ob es „mein“ Taubenpaar ist, dem das Ei aus dem Nest geklaut worden ist. Die sehen ja doch alle sehr ähnlich aus, die Ringeltauben. Die zwei hier wirken dicker – aber sie plustern sich auch auf, wenn sie umeinander balzen, hab ich gelesen. besonders das Männchen. Wenn es „meine“ sind, könnte es sein, das sie sich, um den Schrecken zu überwinden, ganz vorsichtig wieder herantasten. Ist ja doch nicht der schlechteste Brutplatz. Wenn es ein anderes Paar ist, werde ich ihnen auf keinen Fall erzählen, was hier neulich vorgefallen ist. Bin nun gespannt, ob das nur ein kurzer Ausflug war oder nun wieder regelmäßig Besuch hierher zu mir kommt.
Liegt da so, seit einem Monat, unfertig. Wieder unfertig. Am 28. Dezember 2023 hielt ich „LUCY IN THE SKY WITH DIAMONDS“ für beendet, „vollendet“. Aber dann realisierte ich nach einigen Wochen, dass der nicht grundierte, blütenweiße Leinenstoff, den ich über Karton gespannt hatte, mit der Zeit so einstauben würde, dass er immer grauer würde und regelmäßiges Entstauben-Müssen eines Bildes auch keine wünschenswerte Konstellation ist. Ich begann dann irgendwann im März mit dem nachträglichen Grundieren zwischen den filigranen Elementen. Einmal war es ganz angenehm, mit der Nase in der Sonne, aber sehr langwierig, weil große Genauigkeit bei den Silhouetten der Mohnkapseln gefordert ist. Ich musste dauernd die Pinselstärke wechseln und zu den letzten Strichen konnte ich mich noch nicht durchringen. Es ist anstrengend, weil langweilig! So liegt es da und wartet auf mich.
„Wenn ich zurückdenke an die Träume, von denen Sie die meisten nicht kennen, weil sie vor »unserer« Zeit waren, dann fällt mir doch eines auf. Einmal ist in fast allen Träumen M. F. die Hauptperson, immer mit dem Vater verwechselt (bis auf den letzten Traum), oder der Vater, mit M. F. verwechselt, so daß es auf Inzestträume hinausläuft und den Horror davor. Das ist eine Gruppe. Das andre, was ich wenig verstehe: in den meisten Träumen spielt meine Familie eine dominierende Rolle, zum Beispiel war schon ganz früh, in den dramatischen Angstträumen als ich fürchtete, F. würde mich verlassen, meine Schwester anwesend, auch fast immer meine Mutter. Und auch wenn sie hie und da nur Statistenrollen hatten, so fällt mir das doch auf. Denn ich habe doch, auch wenn ich mein Leben hundertmal umwende und dran deutle, nur eine normale Beziehung zu dieser Familie. Ich denke an meine Schwester, wenn sie Geburtstag hat und sonst macht man sich eben die üblichen Sorgen, Krankheit, Alter, Geld etc. Aber ich verstehe nicht, warum in den Träumen immer diese Personen die großen Rollen spielen, niemals die Leute, mit denen ich wirklich zu tun habe. Oder höchstens insofern, daß man sie als Tagesrest abtun kann.) Ich weiß nicht, was diese nette Familie zu schaffen hat in meinen Träumen. Ich träume nie von einem Mann, den ich gern habe, nie von Berufskonflikten, die ich immerzu habe. O heiliger Freud. Das darf doch nicht wahr sein. Ich war ein ganz gewöhnliches Kind, mit einer normalen Entwicklung, in einer normalen Familie. Verstehen Sie mich. Ich bewundre Freud, aber ich habe diese Vorklassik nie ganz akzeptieren können, ich kann nicht einsehen, daß dieses Leben vor dem eigentlichen persönlichen Leben später eine so enorme Rolle spielen soll. Und da steh ich ja nicht allein da, die Wissenschaft bringt doch auch ihre Korrekturen an.“
„Thanatos und Hypnos, Tod und Schlaf, wohnen beide im Haus der Nacht, in der Nähe des Flusses Lethe. Schon der Gedanke an diesen Fluß des Vergessens läßt Renata unruhig werden. Denn sich schlafen zu legen, bedeutet, nicht mehr an Konrad denken zu können. Mit jeder Stunde, jedem Tag, werden die Erinnerungen blasser. Und je länger man schläft, desto weniger bleibt Zeit für die Gedächtnisübungen, das Wieder-Holen der Bilder. Der Schlaf ist ein Räuber, er stiehlt nicht nur Leben, sondern auch die Toten. Und selbst auf die Träume, weiß Renata, ist kein Verlaẞ, denn sie schicken meist Menschen, die man gar nicht treffen will.“
„Die Verwandten aus dem Latium überschütten Renata mit SMS. Il mio cuore è con te. Sentite e sincere condoglianze. Oder: Wenn du jemanden verlierst, den du liebst, bekommst du einen Engel, den du schon kennst.“[Quando perdi qualcuno che ami, ottieni un angelo che già conosci]Sabine Gruber, „Die Dauer der Liebe“, S. 49
Das Bild des italienischen Trost-Kalenderspruchs in Sabine Grubers (sehr autobiographisch inspirierten) Roman rührte mich, aber es meldeten sich sogleich Zweifel an: reicht es denn, jemanden geliebt zu haben, dass er später als Engel für einen tätig wird? Oder müsste es nicht eher heißen, „Wenn du jemanden verlierst, der dich geliebt hat, bekommst du einen Engel, den du schon kennst.“(?) Oder vielleicht sogar noch richtiger: „Wenn du jemanden verlierst, den du geliebt hast UND der dich geliebt hat, bekommst du einen Engel, den du schon kennst.“ (?)
Aber das Gefühl, die Idee an sich, hat schon Wahrhaftiges, gerade wenn man es selbst erlebt, empfindet. Ich fühle so etwas mit meiner schon lange im Himmel weilenden Oma Alma. Da war es große gegenseitige Zuneigung. Bei meinem Bruder nicht so deutlich. Da war auch große gegenseitige Zuneigung, aber ich könnte mir vorstellen, dass er seine Schutzengel-Kapazitäten mehr auf seinen Sohn Valerian richtet. Was völlig ok ist. Ich hab ja Alma.
Heute früh um fünf hat mich ein komischer Vogel aus dem Tiefschlaf geholt. Ich schlafe hier seit fünfundzwanzig Jahren bei offenem Fenster und noch nie hat mich Vogelgezwitscher gestört. Zeitweise hat es sich angehört wie Feueralarm oder ein Rauchmelder. Dann wieder wie ein Wecker. Es war nicht schön und unangenehm hoch. Da muss ein neuer Vogel am Gipsdreieck eingezogen sein. Nach einer halben Stunde war wieder Ruhe und ich konnte weiterschlafen. Habe mir auf youtube mehrere Vogelstimmen angehört, aber nur bei einer so ein minimales Wiedererkennen gehabt. Der NABU hat eine Vogeluhr mit Zwitscher-Beispielen. Ich verdächtige am ehesten den Grünfinken. Ähnlich monoton unmoduliert. Die anderen hören sich ja alle niedlich an. Kann so ein winziger Vogel so viel Krach machen? Ich war kurz davor das Schallschutzfenster zuzumachen. Ansonsten höre ich an sich ausgesprochen gerne das morgendliche Vogelgezwitscher.
Gestern bißchen Boho, bißchen Hippie. Ich freue mich aufs baldige Wochenende. Draußen eigentlich schöne Temperatur, 23 Grad, aber mir zu hohe Luftfeuchtigkeit mit über 50 Prozent. Vorhin war sie noch höher. Fühlt sich klebrig und schwül an. Hoffe, die sinkt noch, bin da extrem empfindlich. Aber so unterschiedlich sind Menschen gebaut – manchen macht hohe Luftfeuchtigkeit nichts oder wenig aus. Viele Länder bereise ich aus dem Grund nicht, weil mich vor der hohen Luftfeuchtigkeit gruselt, am schlimmsten bei hohen Temperaturen. Aber sommerlich warm und ganz wenig Luftfeuchtigkeit ist für mich wie Dom Perignon zum Einatmen.
Die Häuserfront gegenüber meiner Häuserzeile. Noch nie von mir fotografiert. Für Architektur-Freunde interessant: das neuere Haus mit den großflächigen, fast quadratischen Fenstern ist ein Entwurf von David Chipperfield, dem britischen Star-Architekten, der das Neue Museum auf der Museuminsel behutsam restauriert hat. Hier, schräg gegenüber von mir, ist sein Berliner Architekturbüro. Sehr gelungen, wie ich finde, in einer so schmalen Lücke eine großzügig wirkende Fassade zu meistern. Das Foto von oben, mit dem Sonnenschirm, ist aus meinem Küchenfenster aufgenommen. Vor gut zehn Jahren wurde gegenüber das Dachgeschoss ausgebaut und eine Dachterrasse geschaffen. Inzwischen hat das Paar, das dort einzog, zwei Kinder bekommen und ist vor kurzem ausgezogen, und eine neue Familie mit Kindern ist eingezogen. Die Bewohner vorher hatten schickere, großformatigere Kunst an den Wänden. So viel konnte ich von weitem erkennen, wenn sie abends Licht anhatten und die Rollos oben waren. Und es gibt dort Kaminfeuer, das ich von meinem Küchenfenster gut sehen kann. Kuschelig! Die neuen Bewohner heizen den Kamin viel öfter an. Ich habe den rechten Bereich der Terrasse nicht fotografiert, weil ich meinen sonnenbadenden Nachbarn im Bild vermeiden wollte.
Mir sind die Parameter nicht geläufig, ab wann es relevant ist, von einem Trend zu sprechen, aber am gestrigen 1. Mai 2024 gab es im Anita-Berber-Park im Berliner Bezirk Neukölln mindestens zwei Personen, die im Radius von ca. 100 Metern ihre privaten Hängematten an Parkbäumen befestigten, um darin ein Nickerchen zu machen. Möglicherweise waren das Early Adopter eines neuen, heißen Trends. Mir gefällt der neue fancy Trend, weil es meinen Fotos ein gewisses wildromantisches Boho-Flair gibt und keinen Krach macht. Außer, wenn jemand sehr laut schnarcht. Ich selber werde den neuen Trend nicht mitmachen, weil ich Hängematten total unbequem finde, wenn auch sehr hübsch anzusehen! Ich vermute, wenn man das in einem Park in London oder Paris macht, wird einem recht schnell auf die Finger geklopft. Aber Berlin ist hier wie so oft ganz vorbildlich entspannt und libertär – and I approve!
Wieder unten, draußen angekommen, habe ich mir etwas Flanieren im Grünen verordnet. Der auf dem Weg zur U-Bahn gelegene Anita-Berber-Park hat sein maigrünes Kleid angezogen und ich konnte friedliche 1. Mai-Aktivitäten beobachten, die es wohl nie in die Tagesschau schaffen werden: Dösen in der Hängematte. Schließlich ist der Tag der Arbeit nicht zum Arbeiten da! Für meinen Geschmack auch nicht zum Randalieren, aber da hat jeder so seine eigenen Vorlieben. Ich war noch nie auf einer 1. Mai-Kundgebung in Berlin. Als ich vor achtunddreißig Jahren nach Berlin zog, musste ich meiner besorgten Mama viele Jahre am Tag danach am Telefon versichern, dass ich weder verhaftet noch verletzt wurde, weil es ihre Vorstellungskraft sprengte, dass die Randale nur in einer bestimmten Ecke von Berlin über die Bühne ging, wo es mich definitiv nicht hinzog. Was nichts an der Tatsache ändert, dass ich ein riesiger Fan von Ton Steine Scherben und Rio war und bin. Das ist kein Widerspruch. Wie Rio hatte ich auch immer ganz große Solidarität mit der Rebellion der Jung-Arbeiter.
Im Atelier angekommen, bot sich mir auf dem Balkon dieses Bild. Nun könnte man bei diesem Anblick laienhaft urteilen „saftiges Frühlingsgrün auf dem Balkon!“. In gewisser Weise ja. Was da so frisch und grün zu sehen ist, gehört ausschließlich zur Eberesche, die unten auf dem Gehweg gepflanzt ist. Ich freue mich auch sehr an den zu mir rankenden Zweigen, zumal sie das ganze Elend meiner vertrockneten Blumen verschleiern. Das braune Gestrüpp rechts gehört zu einem Bambus, der eigentlich um diese Zeit genauso saftig grün wäre, wie die Blätter vom Baum. Ich habe mich ein bißchen gegrämt und geschämt, dass ich den Regen der letzten Wochen wohl überschätzt habe. Das Gießen vom Balkonkasten und den Töpfen daneben hat eine Weile gedauert, es war alles durchgetrocknet. Nach dem Gießen und die Schachtel Ablegen habe ich noch einen wohlwollenden Blick auf das Bild geworfen, das in der Mitte liegt, noch nicht fertig gemacht. Dann bin ich gegangen und habe dabei den Müllbeutel runtergebracht.
Nach Sonnenbad-Bloggen auf dem Balkon habe ich mir gestern etwas Leichtes übergezogen und bin mit einer Schachtel mit Material Richtung Werkstatt. Aber nicht, um dort zu werkeln, dazu hatte ich überhaupt keine Lust. Die Sorge um meine dortigen Balkon-Gewächse trieb mich hin. Ich war seit bestimmt drei Wochen nicht mehr da und habe deswegen nicht gießen können.
Willkommen im Mai. Ich schreibe auf dem Balkon, der noch ein bißchen Halbschatten hat. Ein herrlicher Sonnentag. Vierundzwanzig Grad, sechsunddreißig Prozent Luftfeuchtigkeit.
Als ich nach dem Duschen am Balkon auf der anderen Seite vorbeikam, fiel mein Blick zum leeren Nest und es gab mir einen kleinen Stich. An so einem herrlichen Frühsommertag mit wolkenlosem Himmel hätte Frau Ringeltaube jetzt vom geschützten Nest auf die sonnige Mauer mit der Jungfernrebe schauen können. Sobald jemand irgendetwas im Nest bewegt, ein Zweiglein anders liegt, wird das Nest als tabu betrachtet und ein anderer Brutplatz gesucht. Der Diebstahl vom ersten Ei hat bestimmt einiges verruckelt, ein dicker Ast, der nicht zum Nest gehört, hing auch fast quer drüber. Ich habe ihn wieder auf die – wie ich meinte – alte Position ausgerichtet, das war vielleicht auch falsch. Aber ich will mir keine Vorwürfe machen, ich habe die Nestruhe pingelig beachtet. Nun werden sie wohl in dieser Brutphase nicht zurückkehren. Ich lasse es erstmal alles wie es ist.
Vor der Entdeckung des schmerzlichen Verlusts hatte ich mich gerade noch gefreut, weil mir auf dem Heimweg zweimal äußerste Höflichkeit begegnet ist, was hier leider nicht so ganz selbstverständlich ist. Ich ging mit zwei schweren Einkaufstaschen in beiden Händen durch die Hackeschen Höfe, und dann um die Ecke in die Sophienstraße und betrat die Sophie-Gips-Höfe. Im Durchgang kamen mir zwei gut gekleidete, hoch gewachsene Herren entgegen, die sozusagen auf derselben Spur eng nebeneinander liefen. Als ich mich näherte, traten sie bereits zwei Meter vorher wie auf Befehl mit einem höflichen Nicken und freundlichem Lächeln, jeweils ein großes Stück zu ihrer Seite, um mir den Weg freizugeben. Es war, als hätten sich zwei Flügeltüren von Zauberhand geöffnet! Und auf dem ewig bevölkerten Gehweg in der Joachimstraße, da am Gipsdreieck, schlängelte ich mich so durch, eine junge Frau kreuzte meinen Weg, weil sie was in den Papierkorb werfen wollte, wir wären fast ein bißchen kollidiert, aber es ist nichts passiert. Sie entschuldigte sich mehrmals und wollte ganz sicher gehen, dass wirklich nichts passiert ist. So eine freundliche junge Frau! Die darf da gerne öfter rumstehen und zum Papierkorb gehen!
Mein tiefes Mitgefühl den Eltern zum Verlust von Taubenei 1 von Staffel zwei. Um 17:57 Uhr habe ich nach nach dem frischen Ei geguckt, in froher Erwartung von Taubenei 2. Das Nest ist leer! Unten auf dem Steinboden ist, soweit ich es überblicken kann, auch kein zertöppertes Ei. Es ist also wohl nicht aus Versehen aus dem Nest gekullert, sondern wurde gestohlen! Unter Generalverdacht erst mal alle Krähen! Ist für die Raubvögel natürlich eine Leckerei, so ein frisches Taubenei. Bleibt noch die Hoffnung auf Taubenei zwei. Dann gibt es wieder nur ein Küken im Nest. Hatte mich schon auf Geschwisterchen gefreut.
Gerade draußen im Halbschatten gegessen, Sonne und lauer Wind. 27 Grad, 33 Prozent Luftfeuchtigkeit. Ideal. Der laue Wind, Gesicht und rechter Arm in der Sonne, Rest im Schatten. Bei trockener Wärme blühe ich auf. Cordon bleu mit Gemüse, dabei gelesen. „Die Dauer der Liebe“ von Sabine Gruber, gestern angefangen.
Bei der Gelegenheit wollte ich vorhin gleich mal einen Blick auf den Fortschritt des gestern Abend noch etwas unförmigen Nests werfen und beugte mich übers Balkongebüsch. „What a difference a day makes….!“ Da liegt das vollendete, erste, frisch gelegte Ei in einem standesgemäß runden Nest. Frau Ringeltaube war über Nacht fleißig. Zwischen dem Foto vom noch leeren Nest gestern Abend und denen hier liegen vierzehn Stunden. Das Nest in Form zu bringen, ist Chefsache von Frau Ringeltaube. Herr Ringeltaube schafft das Baumaterial ran und hilft zu gleichen Teilen beim Brüten und Babysitten und Füttern. Sie teilen sich eine Vormittags- und eine Nachmittagsschicht. Ich bin ein bißchen stolz, dass ich das wichtige Ereignis gleich mitbekommen habe! Nun werde ich morgen und übermorgen weiter aufmerksam sein, denn das zweite Ei wird im Abstand von zwei Tagen nach dem ersten gelegt. Es sind immer zwei! Und wir sind ganz vorne mit dabei!
Vorhin wollte ich mal ein erstes Portraitfoto aus der Nähe von Frau Ringeltaube machen, die scheinbar die Nacht im frischen gebauten Nest verbracht hat. Sie saß da so in aller Ruhe auf dem Nest, im Profil. Ganz, ganz vorsichtig habe ich die Balkontür aufgemacht, in Zeitlupe. Aber das allerkleinste Geräusch oder ein kleiner Reflex von der Balkontürscheibe ist Anlass zum wegfliegen. Sie hat sich aber gleich wieder niedergelassen und sich auf die Rückwand vom Balkon gegenüber gesetzt. Deswegen kann ich zuverlässig sagen, das es sich hier um die Verehrte von Herrn Ringeltaube handelt, der die Zweige für das Liebesnest herangeschafft hat. Er hat einen weißen Fleck am Hals, sie fast einen weißen Ring. Die Kreaturen haben ein ganz feines Gehör und gute Augen. Wer sie verscheuchen will, muss nur ein Windspiel aufhängen, das Gewackel und Geklimper können sie nicht leiden, sie wollen Ruhe.
Zweite Staffel, erste Folge vom großen BRAVO-Foto-Liebesroman „Love is in The Air“. Mitte-Hipster Ringeltaube baut seiner Liebsten ein Liebesnest auf meinem Balkon. Der noch nicht ganz fertige Haufen Ästchen zeigt schon eine Rundung, vor allem in der Draufsicht, die ich aber nicht so gut einfangen kann, ohne mich zu verrenken. Das künftige Liebesnest ist an der Außenseite vom Balkon, rechts unten, hinter dem Fliederbusch. Fortsetzung folgt!
Erstes Häppchen nach dem Heimkommen, zufällig sogar vegan (korrespondierend ein Gläschen eiskalten Crémant): Maiswaffeln mit Meersalz, darauf Zwergenwiese Zwiebelschmelz, Salz, grob gemahlener schwarzer Pfeffer, Schnittlauch und riesige Salbeiblätter vom Balkon (natürlich von meinemHolländer). Sehr appetitanregend!
Frühlingsgefühle auf meinem Balkon! Die Eltern von Struppi haben gerade wieder ihr kleines Liebesnest gebaut. Diesmal werde ich die beiden noch umfassender stalken und meinem Voyeurismus freien Lauf lassen! Letztes Jahr haben sie zum ersten Mal im Juni bei mir gebrütet und den kleinen Struppi auf die Welt gebracht.
Ringeltauben brüten angeblich drei- bis viermal pro Jahr, zwischen Februar und Oktober. Dann gibt es diesmal vielleicht zwei kleine Mai-Täubchen. Seit gestern ist das Blumenkasten-Nest mit frischen Zweiglein gepolstert, es ist schon schön rund. Fotos zeige ich später. Das Bild hier ist mein letztes von Struppi, bevor er im Juli 2023 flügge geworden ist und sein Nest verlassen hat. Ich hatte erst gestern noch darüber nachgedacht, ob ich den Blumenkasten dieses Jahr mal wieder bepflanze, obwohl ich schlecht rankomme, weil schon alles so zugewachsen ist. Dann hatte ich aber im Hinterkopf, dass Tauben-Paare gerne ihr Nest an derselben Stelle haben, wenn sie eine gute gefunden haben. Und voilà: heute früh fiel mir auf, dass Frau Ringeltaube wieder auf dem Blumenkasten sitzt und Herr Ringeltaube Zweiglein bringt. Da ist was im Busch!
Gestern bin ich fremdgegangen. Ich hatte mal Lust auf einen anderen Holländer, den am Treptower Park. Er hat auch einiges zu bieten, kann aber nicht mit meinem Holländer vom Westend mithalten. Es besteht keine Gefahr, dass ich meine langjährige Beziehung mit dem Westberliner Holländer aufgebe. Er ist viel großzügiger und ruhiger und überhaupt insgesamt attraktiver. Der Holländer vom Treptower Park ist mir zu hektisch. Beide zeigen sich auch sonntags offen für Besuch. War mal ein Versuch…!
Balkon Balkon. Im Süden nur sonnenliebende Gewächse. Lavendel, Salbei, Thymian, Trommelstöckchen, Rosmarin, Schillergras, Senecio ficoides. In all den Jahren habe ich viel probiert und gelernt, welche Pflanzen heiße Sonne gut vertragen. Das klingt vielleicht trivial, weil es ja auch immer bei den Pflanzen dransteht, welcher Standort ideal ist, aber ich wollte schon manchmal den Standort ein bißchen diktieren, weil ich mir ein bestimmtes Gewächs dort schön vorstellte. Die spielen nicht mit.
Balkon Balkon. Mein kleines Gärtlein. Ehrenpreis, Flieder, Silberkraut und Waldmeister blühen schon. Bald die Hortensien, später Annabelle. Sind alle zufrieden auf der schattigen Nordseite.
Obsowanisch. Gaganisches Adjektiv, bezeichnet eine nicht näher eingrenzbare, schwer beschreibbare Eigenschaft. Oder so ähnlich. Bin gerade aufgestanden, das einzige, was mir vom nächtlichen Traum blieb, war „obsowanisch“. O-Ton: „(Soundso) ..ist obsowanisch.“ Wer oder was jedoch obsowanisch war, ist für immer im Nirwana meiner Traumwelt versunken. Klingt für mich leicht afrikanisch. Aber der Traum hatte nichts mit afrikanischer Kultur zu tun. Google kennt das Wort leider auch nicht:
„Ungefähr 0 Ergebnisse (0,14 Sekunden) Es wurden keine mit deiner Suchanfrage – obsowanisch – übereinstimmenden Dokumente gefunden.“
Aber es gibt ja noch andere Suchmaschinen! Gestern wurden mir Ecosia und MetaGer empfohlen, die auch eine gute Verknüpfung zu eigenen Maps haben. Ecosia reagiert etwas anders auf meine Frage nach „obsowanisch“. Es erscheint eine Liste mit Suchergebnissen, in denen mein Traumwort nicht vorkommt, aber minimial ähnliche Buchstabenfolgen. Ganz oben:
– Osmanisches Reich – Wikipedia
– Badische Wörter – die Top 10 für Einsteiger | PONS
– Schwäbisches Wörterbuch und Schwäbisches Lexikon Über 12.000 schwäbische Wörter, Ausdrücke, Schimpfworte, Sprichwörter und Redensarten – alles auch zum Anhören!“
Gibt es ein ähnliches schwäbisches Schimpfwort? Ich bin da leider nicht firm, fürchte aber, dass der Teaser für das Suchergebnis „oberschwäbisch“ ist. Die Suchmaschine MetaGer behauptet keck 17.500 Suchergebnisse, on top:
Es muss nicht immer Japanisch oder Chinesisch sein, einfach mal mutig sein und obsowanische Spezialitäten ausprobieren! Schönen Sonntag aus Obsowanien.
Erklärung, warum bei Adresseingaben in Google nur noch ein kleiner Ausschnitt vom Stadtplan gezeigt wird und keine Verknüpfung zu googlemaps. Fiel mir nun schon eine Weile als so unbequem auf, so dass ich mal gegoogelt habe, woran das liegt. Der Stern-Artikel erklärt es. Neue EU-Datenschutz-Richtlinie.
Aus Danielle de Picciottos Werkschau „Pandora lacht“. Am 18. Mai 2024 um 16 Uhr gibt es ein Künstlergespräch mit ihr in den Ausstellungsräumen der Feinart Galerie in der Niebuhrstraße 71.
Auch von Lydia. Ich habe dort gar keine Fotos gemacht, aus dem einfachen Grund, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte. Die Einladung von Danielle hatte ich gestern erst gegen Vormittag in meinem Postfach entdeckt. Ich schaue nicht jeden Tag hinein. Da war ich schon in Charlottenburg und wollte nicht noch mal heim.
Leider letzte Nacht keine Fortsetzung des Traums mit dem Nils Glagau-Doppelgänger. Aber ich erinnere mich diffus, was mir stattdessen geboten wurde. Ich war Teilnehmerin einer Reisegruppe, die aus ca. zwanzig Damen bestand. Weder kann ich erinnern, wohin die Reise ging, noch was mich zur Teilnahme veranlasste. Meiner Erinnerung nach war ich mit keiner der Frauen vorher bekannt oder freundschaftlich verbunden.
Die Atmosphäre war irgendwie zwanghaft und unterschwellig angezickt. Vielleicht war es eine Studienreise, deren Thema mich so sehr interessierte, dass ich meine frühere Abneigung gegen Gruppenreisen dafür über Bord warf. Ich erinnere mich hauptsächlich an die Unterkunft und intrigante Vorgänge.
Wir waren in einer Art Herrenhaus untergebracht, das in einem eleganten, historischen Landhausstil ausgestattet war, wie ein sehr edles Jagdschloss, holzgetäfelt, Brauntöne. Bei der Ankunft gab es hektische Aktivitäten und Verhandlungen, wer welches Zimmer belegen darf.
Die Reisegruppe war ungefähr im Alter zwischen Ende Dreißig bis Ende Fünfzig, es gab keine ausgewiesene Reiseleitung, aber eine Dame hatte sich selbst zur Führungskraft erhoben und verhielt sich wie eine Chefin, die Privilegien beanspruchen darf, was zu atmosphärischen Spannungen und geteilten Lagern führte.
Sie preschte beim Betreten der Unterkunft mit Stechschritt nach vorne, um sich schneller als der Rest einen Überblick über die attraktivsten Zimmer zu verschaffen. Es gab keinerlei Personal, das sie aufgehalten hätte. Schnell war sie durch, hatte alle Türen aufgerissen und war bis zum letzten Flur gelangt. Im hintersten Bereich entdeckte sie eine Suite, die alle anderen Gemächer in Größe, Raffinesse und gehobener Ausstattung weit übertraf.
Sie preschte jedoch nicht alleine nach vorne, sondern hatte sich im Verlauf der Anreise bereits zwei Verbündete erschlossen, die sie flankierten und willig waren, ihren Anweisungen zu folgen, da sie sich davon persönliche Vergünstigungen versprachen.
Während der Rest der Gruppe sich noch in gemäßigtem Tempo in den vorderen Räumlichkeiten orientierte, kam das Trio bereits zurück, um zu verkünden, dass sie in der Suite im hinteren Bereich einziehen werden. Der Rest der Gruppe schaute perplex und teilweise auch verärgert. Es wurde gegrummelt, aber niemand wagte es, aufzubegehren und die aggressive Beschlagnahmung in Frage zu stellen. Die Ausstrahlung der selbsternannten Führerin hatte eine gefährlich bedrohliche Qualität. Ich empfand die Situation als beträchtliche Zumutung. Angewidert wachte ich auf.
[Fotos aus meinem Fundus: Belvedere und Otto-Wagner-Villa von Ernst Fuchs, Wien]
Letzte Nacht fast amouröse Verstrickungen. Ich war bei einem Event in einem großen, alten Theater-Saal. Neben mir saß ein Mann, geschätzt etwas jünger als ich, der ziemlich genau wie Nils Glagau aussah, das ist einer der Investoren in der Sendung „Die Höhle der Löwen“. Es gab einen kurzen Blickkontakt, weiter saß auch niemand in den Reihen und es ergab sich eine Konversation, von beiden Seiten eher zurückhaltend, fast lauernd.
Ich dachte darüber nach, ob ich ihn attraktiv finde und falls ja, ob er mich attraktiv finden könnte. Aufgrund der kontrollierten Körpersprache war ich mir darüber überhaupt nicht im Klaren. Obwohl er längere Haare hatte, fand ich ihn doch recht passabel. Es war noch keine richtige Langhaarfrisur, eben wie bei Glagau, so dazwischen.
Aufgrund meines Alters wollte ich mich auf keinen Fall mit Avancen aus dem Fenster lehnen und es bei einer gepflegten, unverfänglichen Konversation belassen, so lange er nicht explizite Avancen durchblicken ließ, was ich meinte, an entsprechenden Blicken eruieren zu können.
Er erzählte, dass er in Berlin – wie ich auch – in Mitte gelebt hätte, und dann nach Dresden gezogen sei. Entweder war der Grund ein finanzieller Engpass oder ein Arbeitsplatzwechsel. Was er arbeitet, hat er nicht erhellt. Dann erzählte er, dass er nun wieder in Berlin leben würde, auch wieder in Mitte, er aber seiner Wohnung in Dresden nachtrauert. Er beschrieb bauliche Details der Wohnung in Dresden und deren ansprechende Lage.
Warum nun dieser Rückzug nach Berlin notwendig war, habe ich nicht verstanden, fand es insgesamt eine recht kuriose Konstellation, die ich nicht nachvollziehen konnte. Zumal es nicht so einfach ist, eine bezahlbare Wohnung in Berlin Mitte zu finden.
Ich stand dann (aus mir nicht ersichtlichen Gründen) auf und befand mich im Theater-Restaurant mit historischem Interieur, in dem es samtige Séparées in Elfenbein, Gold und Bordeauxrot gehalten gab.
In einem davon saßen seine engsten Familienangehörigen, nämlich seine Mutter, seine Schwester und eventuell noch ein Bruder und noch zwei weitere. Etwa fünf Personen, auf einer ins muschelförmige Séparée eingebauten, samtenen Bank eng nebeneinander.
Die Mutter schaute mich interessiert an, auch die Schwester. Dann stand sie – oder die Schwester – sie sahen sich extrem ähnlich (schlank, mittelgroß, gepflegte, dunkelblonde, glatte Pagenkopf-Frisur mit Seitenscheitel) – auf, und eine der beiden ging auf mich zu, um mich näher kennenzulernen.
Wir flanierten durch das alte Theatergebäude und sprachen über alles Mögliche, aber vor allem aber ihren Sohn bzw. Bruder. Ich hatte den Eindruck, sie würde mich als eine passende Partnerin für ihren anscheinend als Single lebenden Sohn/Bruder erachten und ließ mir wohlwollende Blicke zuteil werden. Es war fast wie ein Bewerbungsgespräch, bei dem mir immer wieder allergrößtes Wohlwollen signalisiert wurde.
Nun wusste ich aber immer noch nicht, ob der Kandidat überhaupt Interesse an mir haben könnte, dafür war die vorangegangene Konversation mit ihm zu kurz und zu verhalten. Ich dachte darüber nach, ob ich der Mutter/Schwester eine Visitenkarte mit meinen Kontaktdaten geben sollte, damit irgendeine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme sichergestellt wäre.
Ihm selbst direkt meine Karte zu geben, hätte ich mich nicht getraut, da ich mich nicht aufdrängen wollte, zudem war er auch gar nicht in der Nähe. Hinzu kam, dass ich selbst unsicher war, wie attraktiv ER überhaupt für MICH ist. Um das zu beurteilen, hätte ich ihn ein bißchen länger und aufgetauter erleben müssen.
Ich hatte mich nun innerlich durchgerungen, auf jeden Fall der Mutter/Schwester meinen Namen und meine E-Mail-Adresse zu geben, aber ich kam nicht mehr dazu, weil ich blöderweise aufgewacht bin.
Habe gerade überrascht festgestellt, dass Nils Glagau zehn Jahre jünger ist als ich. Dachte, er sei ungefähr meine Altersgruppe. Der Mann im Traum war aber ja eh ein anderer, also egal!
Ich schaue gerade die erste Folge der neuen Staffel „Sing meinen Song“, scheint eine gute Gruppe zu sein, niemand dabei, der mir unsympathisch ist (gabs auch schon, mehrfach…).
Guten Sonntagmorgen! Habe gerade kleine Freude über neue Wettervorhersage. Sonnenschein auf dem Balkon. Vielleicht bleibt sie ein bißchen. Zweite Tasse Kaffee und Obstsalat mit Apfel und Orange und Quark mit Sahne. War gestern zu bequem zum Einkaufen, sonst wären Weintrauben und Joghurt drin. Dann will ich mich zurechtmachen und vor die Tür gehen. Müll und Flaschen mit runter nehmen. Und vorher dem weißen Ehrenpreis einen Platz geben, die Triebe einzeln in die kleinen Balkonbeete pflanzen, beim weißen Flieder und der Schneeballhortensie. Ich mag Gewächse gerne gestreut, nicht säuberlich getrennt und gebündelt, mehr so wie auf einem verwilderten Grundstück, wie ganz zufällig!
Souvenirs, Souvenirs… aus Mailand von Lydia und die CD „Stubete“ des aus Zürich stammenden Berliner Chansonniers Marc Ottiker. Lydia war in der Mailänder Scala zur Callas-Ausstellung und hat mir diesen Flyer in einer versiegelten Depesche überbracht. Der Inhalt der CD muss erst noch exhumiert, also erschlossen werden, bin gespannt. Ich habe noch ein CD-Laufwerk auf meinem alten Toshiba-Notebook, hoffe, das Gerät erkennt den Datenträger. Dann zieh ich es Lydia auf USB oder Mail. Whatever!
Von links nach rechts die Herren Daniel Klaus und Klaus Ungerer, die zartfühlende Passagen aus ihren Liebesnovellen „Valérie“ und „Wir sagen einfach alles, wovor wir Angst haben“ lasen, rechts Chansonnier Marc Ottiker, im vergangenen Jahrhundert aus der Schweiz imigriert, er trug drei subtile Weisen vor, u. a. ein neues Lied, das Hedy Lammar, im Hintergrund gebeamt, gewidmet war.
Schönen guten Morgen allen Langschläfern! Dergestalt bin ich gestern zum Salon Schelf, fußläufig bei mir um die Ecke, zur Lesung „Wenn alte weisse Männer zu sehr lieben!“ aufgebrochen.
Information zu meiner heutigen Abendgestaltung: ich begebe mich gegen 19:30 Uhr in die Veteranenstraße 21 (in Mitte) zur Location „Lettrétage“ (im ACUD) um einer Veranstaltung namens „Wenn alte weisse Männer zu sehr lieben“ beizuwohnen. Eintritt frei! Lydia wird auch da sein.
Beschreibung des Veranstalters „Salon Schelf“:
„Liebe, was war das noch mal? Wie sehr schmerzt, wie sehr verdummt sie? Können alte weiße Männer noch erkennen, was sie lieben? Sind es am Ende nur Hunger, Hormone und zu viele schlechte Filme, die das Blut in wehmütige Wallung bringen? Gibt es die leidenschaftliche, einmalige, schicksalhafte Liebe bis dorthinaus – oder ist sie nur Blendwerk derer, die nichts wirklich empfinden? Will am Ende jeder nur 1x in den Arm genommen werden, egal von wem, am besten eigentlich von sich selbst?
Daniel Klaus und Klaus Ungerer lesen Passagen aus ihren Liebesnovellen „Valérie“ und „Wir sagen einfach alles, wovor wir Angst haben“ und versuchen dabei, ganz stark zu sein. Chansonnier Marc Ottiker streichelt la Gitarra und singt, bis du dahingeschmolzen bist und vielleicht sogar noch alle über alles reden. Über die Liebe und die Sehnsucht, und wie sie den Blick verschleiern auf diese schönen Menschen, neben denen die alten weißen Männer dahinleben.“
Ich war gerade auf einen Sprung bei meinem geliebten Holländer, hinten beim Olympiastadion, in der Trakehner Allee. Er hat mich noch nie enttäuscht. So hat er mich auch heute mit den allerherrlichsten Blumen empfangen. Ich bin dann mit den reizendsten Gewächsen von ihm gegangen: Anatolische Nelke (Dianthus Anatolicus, sieht aus wie ein Mooskissen), einem großen, stolzen Ehrenpreis (Veronica gentianoides ‚Tissington White‘), einem dicken, großen Busch Salbei (Salvia Officinalis), Silberkraut (Cerastium tomentosum), Waldmeister (Galium odoratum) und imposant hochgewachsener Wolfsmilch (Euphorbia characias ‚Silver Swan‘). Sind alle winterhart. Bin ganz verliebt…!
Adieu, Jüdischer Friedhof Weißensee. Sechsundvierzig Einträge, aber nicht zu jeder der zweihundertdreißig Aufnahmen. Ich schließe mein Album und sage Shalom. (Shalom heißt: Frieden.)
Damen-WC, Friedhof Weißensee. Nach 3½ Std. Spazierengehen, Gräber sehen, musst ich mal für kleine Mädchen gehen, um die Heimreise zu überstehen! Händewaschen: immer gern geschehen.
Wenn man einen jüdischen Friedhof verlässt, an der Schwelle zu den Lebenden, ist es geboten, die Hände zu waschen. Ich wusste das nicht. Erst viele Jahre nach meinem Besuch, beim Betrachten der Bilder, gab mir das kleine Außenwaschbecken mit dem Krug in der Mitte (in der Nähe der WCs, die reguläre Handwaschbecken haben), zu denken. Die rituelle Waschung der Hände heißt „Netilat Jadajim“. Wikipedia erklärt: „Um „Verunreinigung durch den Tod“ zu entfernen: Nachdem man an einer Trauerfeier teilgenommen hat, wenn man einen Friedhof betrat, oder sich bis zu vier Ellen einer Leiche genähert hat. Beim Verlassen des Friedhofs wird die Handwaschung dreimal vollzogen; es ist üblich, die Hände danach nicht abzutrocknen.“ Allerdings besuchte ich dafür die Toilette.
Letzte Eindrücke vom Jüdischen Friedhof Weißensee. Er beherbergt 115.000 Grabstellen und ist damit der größte jüdische Friedhof in Europa und einen längeren Besuch wert. Für männliche Besucher gilt das Gebot der Kopfbedeckung auf dem Friedhof. Es muss aber keine Kippa sein. Wer nicht jüdischen Glaubens ist, kann einen Hut oder ein Basecap oder eine andere Mütze tragen. Kippas gibt es auch leihweise im Blumengeschäft am Eingang. Ein weiteres Gebot ist, keine Schnittblumen auf Gräbern zu hinterlassen, aber auch Blumentöpfe sind unüblich. Überall sieht man Kieselsteine, die als Gruß auf Gräbern hinterlassen werden. Sie gelten als nicht verrottbar, das ewige Leben soll gefeiert werden. Viele Artikel gibt es im Internet zu jüdischer Sepulkralkultur und zu diesem besonderen Ritual, die Erklärungen sind vielfältig.
Wollen auch noch auf den letzten Metern gewürdigt werden: FLEISCHER, Hugo Stern und der wohl etwas eigenbrötlerische Berliner Secessions-Maler Leo LESSER URY. Was für ein extravaganter Name. Damit hätte er als Medium auftreten können!
Happy Birthday, lieber Jan – mit einem charmanten, kleinen Filmdokument aus meiner Kamera, das Dich beim Aufbau einer Deiner vielen Ausstellungen zeigt, Mai 2013 bei Carpentier. Jan, wie er leibt und lebt – und vor allem erzählt!
Ein Grabmal von archaischer Schönheit. Der grob behauene Stein, die mächtigen Pflanzschalen. Oben scheint ein bogenförmiges Element abgefallen zu sein, aber das stört gar nicht weiter. Ganz herrlich die Patina der Blumentöpfe. Habe die vergangenen Tage viel eingetopft und ein geschärftes Auge für schöne Pflanzgefäße.
Aber da geht noch ein bißchen mehr, wie man bei der HOFF’schen RUHESTÄTTE bewundern kann. Ein geradezu königlicher Baldachin beschützt den ewigen Schlaf. Ganz wundervoll. Es käme mir nie in den Sinn, angesichts dieses Prunks zu denken: übertrieben, protzig, unverhältnismäßig. Ich sehe es als Geschenk.
Wann hat es eigentlich in gut situierten Schichten aufgehört, die künftige eigene Grabstätte oder die von nächsten Angehörigen als Statussymbol zu sehen? Mir fällt kein einziges Beispiel ein, wo eine wohlhabende, eventuell sogar prominente verstorbene Person jüngerer Zeit ein monumentales oder sonstwie, z. B. bildhauerisch, bemerkenswertes Grab erhalten hätte, das auch für Nicht-Angehörige sehenswert, und damit einen Besuch wert wäre. Außer F.C. Gundlach – der Fotograf hatte sich bereits zu Lebzeiten eine spektakuläre Würfel-Skulptur auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg erschaffen. Und Rudolf Mooshammer. Aber die geradezu königliche Grabstätte des aus sehr einfachen Verhältnissen stammenden Modeschöpfers Mooshammer ist ein historisches Grabmal, das er für seine verehrte Mutter und sich gekauft hatte. In der jüdischen Sepulkralkultur ist verankert, dass Gräber nicht, niemals aufgelöst werden dürfen. Sie werden tatsächlich für die Ewigkeit angelegt. Das ist in der christlichen Bestattungskultur leider anders, dort „laufen“ Gräber „ab“. Bedauerlich und auch etwas pietätlos, wie ich finde. Diese schöne Grabstätte von DR. HERRMANN – er scheint da alleine zu residieren – ist ihm also auf ewig sicher, es sei ihm gegönnt. Und ich habe sie gerne gesehen.
Elektrisiert, wie vom Donner gerührt, fand ich mich vor diesem monumentalen Grabmal, wie vor einem Wächter der Unterwelt. Das mich am tiefsten beeindruckende Grab auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee. Hier ruhen Dr. Alfred Kirstein, Pionier der Kehlkopfuntersuchung Laryngoskopie und seine Mutter Franziska.
Weitere Premium-Grabmale aus meinem Sortiment. Selten gibt es neue Grabstätten, die so sehenswert sind. Ein ambitionierter Steinmetz würde das auch heute noch hinkriegen, aber wie wenige Angehörige nehmen das erforderliche Geld in die Hand, um kunstvolle Gedenkstätten zu erschaffen. Gibt es doch einmal ein besonders schönes neues Grabmal, hat es nicht selten der Verblichene selbst zu Lebzeiten beauftragt. Zuletzt war ich perplex angesichts des Grabsteins des hingebungsvollen Kunstsammlers Hans Dichand, 2010 verstorben, und der Grabstätte von Atze Brauner. Bei Beiden hätte ich etwas weniger Durchschnittliches erwartet. Völlig konventionelle Steine mit 0815-Silhouetten aus dem Katalog und ebenso konventioneller Typographie. Tat mir leid.
„Quelle vie merveilleuse j’ai eue ! J’aurais seulement voulu de l’avoir realisée plus tôt.“ … „Was für ein herrliches Leben hatte ich! Ich wünschte nur, ich hätte es früher bemerkt.“Sidonie-Gabrielle Colette
Ina und ich waren gestern Abend in der Österreichischen Botschaft beim Österreichischen Kulturforum, um der Eröffnung der Ausstellung zu Ingeborg Bachmann beizuwohnen. Aufgrund der staatstragend anmutenden Anmeldevorschriften phantasierte ich einen staatstragenden Festakt mit dem Charme alter k. u. k.-Tradtition. Die Gästeliste wurde am Eingang abgehakt und dann ging es in den Raum, in dem vorab als Auftakt eine Lesung mit musikalischer Untermalung stattfand. Es musizierte die österreichische, elektroakustische Harfe Spielerin Martina Stock, die eigene Stücke vortrug, von Percussion aus der Konserve begleitet, was musikalisch durchaus beeindruckend war. So ging es los, filigran und atmosphärisch. Dann las die Schauspielerin Barbara Sotelsek, die von weitem sehr ähnlich wie Vicky Krieps ausschaute (die Bachmann-Darstellerin im Trotta-Film) Texte von Bachmann, aus ihrem Kriegstagebuch (als sie noch unter zwanzig war, Schülerin in Klagenfurt). Sie las recht gut, die Texte waren auch intensiv (mir bereits geläufig). Dann wieder Harfenmusik. Dann wurde wieder gelesen, dann wieder Harfe, dann wieder gelesen. Eine Stunde war verstrichen, ich scharrte innerlich ein wenig mit den Füßen, war ich doch vor allem neugierig auf die Ausstellung. Bachmann-Texte lesen kann ich ja recht gut selber, und hatte es weitgehend auch schon getan. Nun war nach einer guten Stunde doch der Zeitpunkt der Ausstellungseröffnung gekommen. Vom Erdgeschoss ging es nun in den dritten Stock unters Dach. Ich ging schnell noch aufs Klo. Oben angekommen, erfasste ich recht schnell, dass die als mit „noch nie gesehenen Fotografien“ angekündigte Ausstellung offenbar mit einem festen Blick auf Einhaltung eines Budgets konzipiert wurde. Es wirkte eher unaufwändig und weniger staatstragend als erwartet.
Das Publikum hatte sich nicht merklich herausgeputzt – ich war da etwas overdressed in meinem schwarzen Abendanzug mit volantreicher Rüschenbluse. Rechts vom Ausgang des Ausstellungsbereichs unterm Dach stand ein längerer Tisch mit Weißwein, Rotwein und Wasser, es wurden der aktuellen Tradition in Restaurants entsprechend, halb gefüllte Gläser gereicht. Die Ausstellung selbst hatte – und da war ich etwas perplex – keinerlei Exponate im Sinne von meinerseits erwarteten Erstausgaben von Bachmanns Erstveröffentlichungen oder handschriftlichen Originalmanuskripten oder sorgsam hinter Passepartout gerahmte Originalfotografien, oder sogar ihren Schreibtisch, der nun wieder in Klagenfurt steht – etwas derartiges hatte ich mir erhofft. Nein. Weit gefehlt. Die gesamte Ausstellung besteht ausschließlich aus ca. 20 – 25 sogenannten Roll ups. Das ist keine Leckerei aus der asiatischen Küche, sondern senkrecht gespannte Banner aus bedruckter Kunststoff-Folie, die klassisch zum Zubehör von Messen und Werbeveranstaltungen gehören. Also Werbe-Aufsteller. Auf diesen rund zwanzig Reklame-Aufstellern waren biographische Daten, Textfragmente von Bachmann und locker eingestreute Fotos, die ich durchweg kannte. Allerdings habe ich ein recht großes Privatarchiv mit Bachmann-Material, Büchern und Bildbänden. So waren mir sämtliche biographische Eckdaten bekannt, auch die Zitate waren mir nicht neu, ich scannte kurz quer und war bald durch und leider nicht beeindruckt. Das einzige, was mich länger hätte fesseln können, war eine Filmdokumentation, die auf einem winzigen Ipad auf einem Stativ in einer Ecke zu sehen war, der Ton superleise, italienische Untertitel, es war sinnlos etwas vom Inhalt zu erfassen, ohne sich direkt mit dem Kopf zum Gerät herunterzubücken, um den Ton zu hören, dann hätte man das Bild aber nicht gesehen. Den Film hatte ich bereits online gesucht, da ist er aber nicht zu finden, auch nicht bestellbar, es gibt nur kurze Ausschnitte auf youtube. Der Film auf einer Projektionswand hätte die Ausstellung für mich besuchenswerter gemacht. Vielleicht ist so eine Form der Ausstellung sinnvoll für einer neunte oder zehnte Klasse, wo die Lehrkraft der Deutschstunde auf diesem Wege bequem, Schaffen und Werk von Ingeborg Bachmann anteasern kann. Aber für Kenner der Materie ist das kein Erlebnis. Wir sind recht bald Richtung Potsdamer Platz und landeten im Restaurant Essenza, einem eher hochpreisigen Italiener mit ganz schönem Ambiente und dort haben wir es uns gut gehen lassen. Der Potsdamer Platz ist leider eher eine kulinarische Wüste, da waren wir wohl dann in jeder Hinsicht an der ersten Adresse, nämlich „Potsdamer Platz 1“.
Morgendliche Sternstunde, gerade am Bahnhof Zoo: es geht nur im Schneckentempo die S-Bahntreppe runter. Grund: uniformierte Personen. Eine Schulklasse halbwüchsiger Engländerinnen in Schuluniform tapst aufgeregt die Treppe hinunter und muss sich dabei ganz, ganz viel austauschen. Die süßen Schnatterliesen gucken in alle Himmelsrichtungen, es gibt viel zu besprechen beim großen Klassenausflug. Alter Anfang Pubertät, schätzungsweise zwölf bis vierzehn. Sie haben an: graues, glockiges Mini-Faltenröckchen, weißes, gestärktes Hemdblüschen, marineblauen, taillierten Blazer mit gesticktem Wappen auf der Brusttasche. Strümpfe und Schuhe konnte ich leider nicht sehen, aber ich denke mir dazu adrette Kniestrümpfe und flache Slipper. Ich bin entzückt!
HENRIETTE PITSCHPATSCH (186?-1931) geb. BIOW und LOUIS PAPPENHEIM (1818-1875), Autor des zweibändigen Werkes „Handbuch der Sanitäts-Polizei. Nach eigenen Untersuchungen.“ sowie „Die bleiernen Utensilien für das Hausgebrauchswasser : Chemische Untersuchungen.“, erschienen 1868, Verlag Hirschwald
Habe bei google books das Libretto in altdeutscher Schrift von „Meine Tante – Deine Tante!“ von Eduard Jacobson aus dem Jahre 1858 gefunden. Das Stück geht scheinbar gleich mit einem flotten Lied los, welches mich vom Text her stark anspricht. Die Melodie kann ich leider nicht rekonstruieren.
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„Freundlich möblirtes Zimmer. Im Vordergrunde rechts ein Fenster mit einer Gardine daneben ein kleiner Arbeitstisch, worauf Schreibzeug. Links ein Leder-Divan, vor demselben ein Stick- rahmen über demselben ein Spiegel. Neben dem Divan, rechts, ein cylinderförmiger Hut-Carton. Portraits, Stühle etc. Mittelthür links Seitenthür. Rechts und Links vom Zuschauer aus.
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Scene. Sie (in Kleidung und Haltung einer 40 – 50-jährigen Matrone, eine große Brille auf der Nase, sitzt am Arbeitstische rechts und strickt. Sprache und Gesang etwas näselnd).
Entrée-Lied No 1.
Das Alter ist ’ne schwere Last, ‚Ne grenzenlose Pein, Entblößt von allen Freuden fast, Steht da man, ganz allein. Einst war ich freilich jung und schön, Und angebetet sehr, Es war ’ne Lust mich anzuseh’n, Doch, das ist lange her Ach ach
Das ist schon lange her. Zwölf Leutenants duellirten sich, Ein Schneider schoß sich todt, Geheimraths strangulirten sich, vor lauter Liebesnoth.
(Sie steht auf.)
Ein Königreich, mir Mancher schwur, Gäb‘ für ’nen Kuß er her, Sein Leben für ’ne Locke nur, Doch, das ist lange her, Ach ach Das ist schon lange her.
(Spricht näselnd.) Ja ich habe den Männern einmal viel zu schaffen gemacht (…)“
Bei (S)ALOMON ABRAHAM RATHENA(U) fehlen zwei Buchstaben. EDUARD JACOBSOHN bleibt ein Mysterium. Ich dachte zunächst, es handele sich hier um die Grabstätte von EDUARD JACOBSON (1833 – 1897). Letzterer war zu seiner Zeit ein sehr erfolgreicher Dramatiker. Hätte sein können, dass er das H aus seinem Namen gestrichen hat, weil Jacobson eleganter klingt. Ich nahm an, der große Federkiel am Grabstein sei eine Anspielung auf seine schreibende Zunft. Aber das Geburts- und Sterbedatum auf dem Stein ist ein völlig anderes als im Wikipedia-Eintrag. Der Dramatiker und Stückeschreiber Eduard Jacobson war der Sohn eines Rabbiners und starb in Berlin. Vielleicht liegt er ja doch auf dem Friedhof in Weißensee, in einer anderen Ecke.
Jedenfalls ein interessanter Mann. Seine musikalischen Possen gehörten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den meistgespielten Stücken, wie ich gerade lese, und wurden auf allen deutschen Bühnen gespielt. Sie haben lustige Titel wie zum Beispiel „Meine Tante – deine Tante!“, „Bei Wasser und Brot“, „Lady Beefsteak“, „Lehmanns Jugendliebe“, „Backfische, oder: ein Mädchen-Pensionat“, „Seine bessere Hälfte“, „Narziß im Frack“, „Kammerkätzchen“, „Die schöne Sünderin“, „Je toller, je besser!“, “ „Was den Frauen gefällt“, „Der Nachbar zur Linken“, „Die Salontirolerin“, „Das schöne Geschlecht“. Nie davon gehört. Ein gewisser Gustav Michaelis hat zu den meisten Stücken die Musik komponiert. Man wird direkt neugierig und hätte Lust ins Theater zu gehen! Ein echter Fundus. Danke an den „inniggeliebten Mann, unseren treusorgenden, unvergesslichen Vater“ Eduard Jacobsohn mit H, für diese Entdeckung, neun Jahre nach meinem Ausflug. Ich habe diese Fotostrecke übrigens noch nie gezeigt, erst Freitag hochgeladen. Ich kam nie dazu, mich erschlug auch das Konvolut von vierhundert Bildern, nun reduziert auf zweihundertdreißig.
»I love men. I think, men are the coolest. But you don’t really need them to live. My mom said to me „You know sweetheart, one day you should settle down and marry a rich man.“ I said, „Mom, I am a rich man.“« Cher
»Hier ruht in Gott unsere einzige innigst geliebte Tochter V A L L Y C O H N geb. auf Groß Raake am 19. März 1875, gest. zu Berlin am 31. Dezember 1896. Auf das Tiefste betrauert von ihren Eltern, Verwandten und Freundinnen! Güte, Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit waren der Grundzug ihres Characters.«
Heimatkunde. Was haben die Gründerväter von Kempinski und KadeWe gemeinsam, außer dass sie weit über Berlin hinaus bekannte Ikonen erschaffen haben, die über zwei Weltkriege hinweg bis heute existieren und für Berliner zum Nationalstolz gehören? Beide fanden ihre letzte Ruhe in nahezu nebeneinander liegenden Ehrengräbern im Abschnitt T2 auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee. Berthold Kempinski (1843 – 1914) und Adolf Jandorf (1870 – 1932).
Am Sonntag, 31. Mai 2015 hielt ich fest: „Heute war ich endlich da. Ich war nach einer halben Stunde schon völlig absorbiert und satt und beinah nicht mehr aufnahmefähig vor lauter Schönheit und es hört nicht auf… nach drei Stunden und zwanzig Minuten war meine Aufnahmefähigkeit absolut erschöpft – – – man könnte wohl ein ganzes Jahr jede Woche dorthin fahren und hätte immer noch nicht alle Gräber gesehen. Immer an der Mauer bin ich entlang, da wo auch die Sonne hinkommt, vielleicht sind da auch mit die schönsten und erhabensten Monumente. Aber auch im schattigen Bauch sind Schätze – da war ich nur sehr am Rande…. an der Mauer entlang, links rum, gegen den Uhrzeigersinn, links von dem Mosse-Mausoleum ist eines von zwei Grabmälern mit einer wundervollen Kuppel mit kreisrunden Aussparungen, so eines hätte ich auch gerne… die schönsten Gräber von ganz Berlin sind da, was für ein heiliger Ort. Danach war ich noch ein bißchen am Weißensee, wo die Mohnblumen in voller Blüte stehen.“
Heute früh, nach dem allerersten „Mascara Cocktailing“. Nun hatte ich nur eine Sorte Wimperntusche vorrätig, habe aber die Trockenphase eingehalten, bevor ich zum zweiten Mal getuscht habe. Eigentlich sehe ich nur einen Unterschied, wenn ich ganz nah mit dem Vergrößerungsspiegel rangehe. Ich benutze keine Wimpernzange, weil ich nach oben gebogene Wimpern albern finde. Hatte mal eine Weile eine und fand das Hantieren am Auge unangenehm und das Ergebnis gekünstelt. Meine Wimpern sind unspektakulär, aber passen einfach zum Rest, schätze ich. Das mit dem Cocktailing wird wohl keine Routine von mir. Aufwand und Effekt stehen in keinem Verhältnis. Außerdem: wenn jemand mich jemals so scharf und nah angucken würde, dass er denkt: „Starke Wimpern!“ sieht er ja auch den Rest vom Gesicht porentief und HD-mäßig wie durch die Vergrößerungslupe. Kein Bedarf! Mein Traummann sollte eine kleine Sehschwäche haben, dergestalt, dass er mich ohne Brille aus nächster Nähe stark weichgezeichnet sieht. Wie auf einem David Hamilton-Foto aus den Siebzigern!