
Warten auf den Frühling. Morgen, am Samstag und am Sonntag viel Sonne in Berlin. Kleine Knospen an meinen Sträuchern auf dem hinteren Balkon. Flieder, Hortensie und Sanddorn. Am Vormittag war wieder einmal der Schornsteinfeger da, wir kennen uns schon lange. Er kommt immer ins Plaudern. Worüber, darf ich nicht veröffentlichen. Er hat es mir nicht verboten, aber ich gehe davon aus, dass er das nicht angebracht fände, ebenso wenig wie ich im umgekehrten Falle. Es gibt doch manches, was ich aus guten Gründen unter den Tisch fallen lassen muss. Privateres, teilweise Unerquickliches, aber nicht nur. Ich habe keine Affäre mit dem Schornsteinfeger! Wenn es so wäre, hätte ich bestimmt schon einmal ein Foto von ihm gemacht und evt. sogar gepostet, „in seiner schicken Uniform“ wollte ich gerade schreiben. Aber es heißt anders – wie nennt man das denn – Arbeitskleidung eben. Aber nicht schwarzer Schornsteinfeger-Anzug mit Zylinder, was der Knaller wäre, sondern schwarzer Schornsteinfeger-Anzug mit einem schwarzen Käppi. Ähnlich, wie es muslimische Männer tragen, allerdings ohne Stickereien und ähnliche Verzierungen.

Ich freue mich auf die letzten Kapitel im Buch von – Himmel! Jetzt fällt mir der Name auch schon nicht mehr ein – Bruno – Benno – B… ich muss auf den Buchrücken schauen – Bodo Kirchhoff. Dabei hab ich ihn in jedem der letzten Einträge namentlich zitiert und er ist mir auch schon vorher durchaus geläufig gewesen. Nicht das erste Buch und auch nicht das zweite Buch, das ich von ihm lese. Mit Gewinn. Es gefiel mir wieder sehr. Aber Mumbai interessiert mich nach der Lektüre ebenso wenig wie vorher. Es wurde alles bestätigt, was ich bislang darüber wusste. In einem Kapitel schreibt die Hauptfigur Terese (Ende Sechzig, Frankfurterin, Therapeutin im Ruhestand, verheiratet aber verknallt in einen jüngeren deutsch-indischen Guesthouse-Betreiber) an Ihren Freundeskreis in Frankfurt am Main Messages aus Mumbai, in denen Sie mitteilt, Mumbai müssten sie gesehen haben, das wäre die Zukunft. Da fragte ich mich, ob sie damit etwa die Zukunft von Hessen prognostiziert. Ich hoffe doch nicht. Lobend erwähnt sie zwar, dass überall das WLAN prima sei (außer im Süden von Goa) aber das Alltagsszenario, das dort in dem Viertel, das zu den ärmeren zählt, beschrieben wird, entspricht genau meinen Vorurteilen, die vielleicht doch berechtigt sind. Auch das permanent heiß-schwüle Wetter wird fortlaufend bestätigt. Hab jeweils wieder jeden erwähnten Ort u. a. bei Streetview etc. angesehen, Architektur, Vegetation, Unterkünfte eingeschlossen. Es zieht mich nichts hin.

Strelitzia Reginae No. 1a und No. 11, 2026, Paradiesvogelblume