Vergilbter Zettel im Buch, die bekritzelte Rückseite eines unausgefüllten Einzahlbelegs für ein Sparkonto bei der Bayerischen Vereinsbank, Zweigstelle Hohenzollernstraße in München (die damalige Filiale wurde aufgelöst, nun ist dort ein Trachtenmodengeschäft). Vielleicht bedeutete die senkrecht laufende Zahl links, „(…) 59“, dass es ein Block aus dem Jahr 1959 war. Damals konnte man noch nicht nebenher zur Lektüre im Internet recherechieren, wie ich das heute betreibe. Angenommen, die Vorbesitzerin oder der Vorbesitzer, wobei ich meine eine Frau, hätte einen Brockhaus oder Meyers Konversationslexikon zuhause griffbereit gehabt, wäre da je nach Auflage vielleicht ein Eintrag zu Thomas Mann gewesen, aber inwieweit dieser auch seine Familienangehörigen, also sämtliche Geschwister namentlich umfasst hätte/hat, kann sehr variieren. Die Notiz am Seitenrand, übrigens die umfangreichste, die ich wegradierte, bezog sich auf die Klärung, von wessen Beisetzung auf der Buchseite die Rede ist. Monika Mann spricht von einer Tante, ja Paten-Tante. Da Thomas Mann zwei Schwestern hatte, erläutert die Notiz, dass es sich um Julia Elisabeth Therese, gest. 1927, verheiratete Löhr handelte. Und darunter der Zusatz, halb in Stenographie: „nicht die Schauspielerin Carla, gest. 1910“. Da wollte jemand beim Lesen die familiären Verbindungslinien der Manns genau durchdringen.

Der eingelegte Zettel kreist um die Bedeutung des englischen Begriffs aloof (distanziert/reserviert/abgewandt), den Monika Mann auf einer Seite verwendet. Die stenographischen Anmerkungen sind weder pikant noch geheimnisvoll, sondern offenkundig nur der schnelleren Notationsmöglichkeit wegen verwendet. Also eine routinierte Stenographin (oder Stenograph). Eine der wegradierten Notizen, nicht abgelichtet, war der Vermerk der Zahl der Buchseite neben der Erwähnung, dass ein Kreuz zu sehen ist, wo Monika Mann die Trauernachricht zum Tod ihres Vaters ereilte. Ansonsten überwiegend einzelne Worte wie Vornamen, wenn bei der Lektüre nicht sofort klar war, von welchem Bruder die Rede ist, etwa „Gero“. Nichts zusätzlich Erhellendes oder gar Weiterführendes.

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