Meine Kompromissbereitschaft wird auch nicht mehr, stelle ich fest. Immer geiziger mit jeder Stunde verbleibender Lebenszeit in puncto Geselligkeit.

Langmut, Flexibilität, Toleranz habe ich nicht. Fehlanzeige.

Kompromisse erfordernde Eckdaten in Sachen Lokalität, Publikum, Qualität der Bewirtung, Geräuschpegel, Lichtverhältnisse, Sitzgelegenheit ertrage ich nicht.

Unerfreut nehme ich zur Kenntnis, dass es immer mehr Ess-Lokale gibt, in denen sich das Angebot an Sitzmöglichkeiten auf harte Holzbänke ohne Rückenlehne beschränkt. Selbst eine altbackene, gepolsterte Eckbank hätte da mehr Komfort zu bieten.

Vielleicht werde ich langsam so eine grimmige Alte.

Aus gegebenem Anlass habe ich mir neulich mehrere Bildreihen, Fotostrecken von einem bestimmten Format in einem Berliner Club angesehen. Ich will immer gerne mitreden können.

Diese – ich nenne es mal Partyreihe – gilt als beliebt, angeblich zunehmend. Man sieht auf den Fotos leicht bekleidete junge Leute, die ihren Style als kinky bezeichnen. Sophistication spielt keine Rolle, Erotik leider auch nicht. Jedenfalls nicht, was ich darunter verstehe.

Überwiegend wirken die Aufmachungen wie aufreizend gemeinte Faschingskostüme oder Nachahmungen aus dem Beate Uhse-Katalog von 1983. Ich habe das Gefühl, da überhaupt gar nichts zu verpassen.

Die Abgebildeten strecken gerne mal die Zunge raus. Hat man auch noch nie gesehen. Aber ganz kess. Mich überkommt bei dem Anblick eine derartige Langeweile, ich kann es als Schlafmittel empfehlen.

Aber! Die Leute haben Spaß und das ist ja die Hauptsache.

Dazu muss ich noch erwähnen, das ich das Lokal, wo die Fotos entstanden sind, aus eigener Ansicht kenne. Die Inneneinrichtung besteht aus einem uferlosen Durcheinander von Farben und Mustern und Materialien und Nippes, blind zusammengewürfelt und vermutlich nach Preisgünstigkeit ausgewählt.

In der bunt flimmernden Schummerbeleuchtung sieht man das nicht so genau, es ist einfach kein Kriterium. Aber der Laden läuft, ist beliebt und die jungen Leute sind von der Straße!

2 Antworten auf „10. Februar 2026

  1. Ja…, im Laufe des Lebens werden die Ansprüche, der Blick, die damit verbundenen Gefühle und Empfindungen spezieller… auch spannend… oder?

  2. Man kann halt erfahrungsbedingt viel schneller einschätzen und absehen, wo sich ein Aufenthalt lohnt. Mitunter kommt es vor, dass ich mich auf ein Experiment einlasse, aus Neugier, wenn es ein Ort, ein Lokal ist, das an irgendeiner Stelle explizit empfohlen wurde. Aber nur aus Höflichkeit oder Konvention eine Zusage geben, habe ich mir schon lange abgewöhnt. Ich sehe mir auch Filme nicht bis zum bitteren Ende an, die empfohlen oder gehypt wurden, wenn sie mir nichts geben. Kommt aber nicht häufig vor, man kann sich heutzutage ja vorab einen recht umfassenden Eindruck machen, dank Trailern oder auch Leseproben bei Büchern. Bejubelte Bücher, die sich als langweilig und flach entpuppen oder auch stilistisch affektiert, empfinde ich geradezu als Zumutung und Frechheit, auch in Richtung Rezensenten. Leider ist ein sehr probates Mittel, die wahre Qualität von z. B. Bestsellern zu ermitteln, die 1 – 3-Punkte Rezensionen bei Amazon zu lesen. Die sind zumeist geistreicher und eloquenter und substanzieller als die mit 4 oder 5 Punkten.

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