27. Februar 2026

Gerade Nachtcafé gesehen, immer ein Psychologe in der Runde. Thema „Hinter verschlossenen Türen„, über Tabuthemen. Der Psychologe hat das Schlusswort. Darin die Aussage: „Geheimnisse sind beziehungsstiftend.“ Am Beispiel der Freundin, die zur anderen sagt: „ich erzähle Dir jetzt mal was unter vier Augen“. Weiter: „Geheimnisse sind identitätsstiftend“. In der Runde waren u. a. eine unauffällig frisierte „Bizarrlady“, Sexarbeiterin in den Fünfzigern, die aus dem Nähkästchen plauderte und ein Lost Places Fotograf. Des weiteren führt er an, Geheimnisse können dem Schutz der Bevölkerung dienen, z. B. indem der Öffentlichkeit verborgen bleibt, wo exakt Berliner Stromleitungen entlanglaufen. Eigene Gedanken heute nicht, nur zum Schutze der Bevölkerung.

26. Februar 2026

Oldies but Goldies. Gestern mit Jan bei Sevenstar, Finissage von Chris Steinwegs Ausstellung „Backstage“. Wir schätzten grob, dass wir die ältesten Gäste im Raum waren. SENIOREN. (huch…!) Obwohl – wenn ich es sacken lasse, fällt mir noch eine mit langen grauen Haaren und der ältere Mann mit ledernem Cowboyhut ein.

25. Februar 2026

Neuen Föhn gekauft, alter liegt im Sterben. Er rasselt asthmatisch und bizzelt und riecht auch etwas komisch. Nachfolgemodell vom alten geholt, auch Remington, der hat ca. 15 Jahre funktioniert. Brauche keine fancy Aufsätze, will keine Locken drehen. Hauptsache er macht die Haare schnell trocken. Aufsätze entsorgt.

24. Februar 2026

Also der Klempner war da. Leider Gottes hat er nur den Kaltwasserzähler unter der Küchenspüle ausgetauscht, der andere Kaltwasserzähler im Bad ist turnusmäßig noch nicht dran! Wann hat sich denn bloß dieser Turnus dergestalt verschoben, dass die vier Wasserzähler, zweimal kalt, zweimal warm, divenhaft alle einzeln einen extra Turnus beanspruchen? Waren da mal welche zeitverschoben kaputt und wurden einzeln ersetzt und sind dann aus dem Tritt gekommen? Muss wohl. Aber immerhin war er zeitig da, schon gegen 7:15 Uhr, also nicht umsonst so früh aufgestanden. Passend zum frühen Aufstehen hatte ich nun auch schon um zwölf Hunger auf Mittagessen und heute, gerade eben, gab es die Entschädigung für die langweilige Mahlzeit von gestern. Bei jedem Bissen hob sich meine Laune. Es gab Königsberger Klopse! Mit Kartoffelbrei und Kapernsoße und Rote Bete-Salat ohne Schnickschnack. Habe mir dann nur noch schwarzen Pfeffer über die Klopse gemahlen. Zehn von zehn Punkten! In der Nachtischabteilung war leider nichts nach meinem Geschmack dabei, den Fehler mit dem Milchreis mache ich kein zweites Mal. Die italienische Servicemitarbeiterin hat mich wegen der Verwechslung von gestern ausgiebig bedauert, das tat sehr gut. Italiener haben einfach ein angeborenes Gastro-Gen, um mal ein Vorurteil mit knallharten Fakten zu unterfüttern. Sie stellt mir immer gleich wenn sie mich kommen sieht, proaktiv eine Cola hin. Beste Kraft! Meine Güte, waren diese Königsberger Klopse heute gut!

23. Februar 2026

Kleinere Abweichungen im erwarteten Tagesablauf bei diversen langweiligen Terminen. Aber wohl eine Art von Langweiligkeit, die man später, in gebrechlicheren Phasen zurückwünschen wird. In stetem Gedenken an Peter Ustinov: „“Now are the good old days that we will long for in ten years.“

Mein heutiges Rendezvous mit Dr. Nicolai van der Meer scheiterte an einer Unpässlichkeit seinerseits. Wovon ich erst vor Ort in der neurologischen Praxis erfuhr, weil ich keine rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit via Telefon biete. Aber ich bekam ein Rezept für höher dosiertes Eletriptan Blue Fish, eine Fachärztin stellte es ohne großen Palaver aus und drückte es mir noch im Wartezimmer in die Hand.

Zum Mittagessen probierte ich das nicht-vegetarische Tagesgericht mit Putenbrust und Taboulé und Avocadocreme und meinte als Dessert einen Quark mit Roter Grütze erstanden zu haben. Mir war nicht mehr präsent, was Taboulé ist. Dementsprechend enttäuscht kaute ich auf den trockenen Couscous-Krümeln herum, die keineswegs in Petersilie eingebettet waren. Es war staubtrockenes Couscous mit einem Hauch Curry und ein paar klitzekleinen Paprikaschnipseln. Langweilig. Die Avocadocreme hats auch nicht rausgerissen. Hatte noch frischen Ingwer dabei, reingeschnippelt, hat es auch nicht zum Geschmackserlebnis transformiert. Und zu meinem kulinarischen Überdruss stellte sich dann noch raus, dass es kein Quark oder Joghurt mit Roter Grütze war, sondern Milchreis, was ich mir als Nachtisch mitgenommen hatte. Ich finde Milchreis unerträglich, auch schon als Kind, eine sterbenslangweilige, süßliche Pampe ohne Biss. Habe die rote Grütze drunter weggelöffelt und den Rest in den Mülleimer.

Nächste Langweiligkeit: über zwei Stunden versucht, Trocknerheld zu erreichen, also die Mitarbeiter, die meine Baustelle kennen und wissen könnten, ob es nun zum Einbau der neuen Revisionsklappe kommt, wie dereinst für morgen vereinbart. Nach zig Anrufversuchen und Rückrufbitten den Mann der Stunde dran gehabt, er ist ja immer nett, aber er konnte nur kund tun, dass es nix wird mit dem Termin morgen, weil die Revisionsklappe mit den Spezialmaßen leider nicht so schnell lieferbar war, aber defintiv am 2. März kommen soll. Daher neuen Einbautermin vereinbart. Heute in einer Woche, 3. März 2026, 14 Uhr.

Beim Zahnarzt später stellte sich langweiligerweise heraus, dass eine Füllung kurz vorm Rausbrechen ist und wieder mal eine Parodontitisbehandlung angezeigt wäre. Aufwändige Angelegenheit mit analytischer Untersuchung und so weiter und so fort. Die ersten beiden Termine gemacht. Dafür kommen jetzt die letzten beiden uralten Amalganfüllungen raus. Das ist nun ultimativ nicht mehr als Füllung erlaubt. Kommt was Porzellanartiges drauf. Natürlich mit Zuzahlungs-Eigenanteil.

Und morgen schon um 6 aufstehen, damit der ISTA-Mann die Kaltwasserzähler ab 7 wechseln kann. Langweilig. Sag ich doch. Und was habt Ihr heute so Langweiliges erlebt an diesem Montag?

22. Februar 2026

„Jede Rolle machte mich etwas ruhiger und heiterer. Als Amme lernte ich zum erstenmal in meinem Leben lachen. Zuerst traute ich mich nicht damit heraus. Aber Frau Moissi redete mir so lange zu, bis ich mir ein Herz faßte, durch den Ring sprang, der sich um mich gelegt hatte, und laut loslachte. Ich lachte tief und aus voller Seele. Wie dieses Lachen mich löste und ergriff. Bis dahin war ich ernst, beinah starr gewesen. Nun wußte ich: Ich habe wirkliche Kraft, und es ist kein Schwindel, wenn ich Schauspielerin werden will. Die Grundlage muß stark sein, damit das Gebäude fest steht.

Ich verlor meine Starrheit und wurde jung. Meine Gedanken rutschten auch nicht mehr hemmungslos in diese Ewigkeitsvorstellungen hinein. Ich konnte schlafen, hatte meinen Glauben gefunden. Ich glaubte an diese Kraft in mir und in anderen Menschen. Ich suche überall danach. Finde ich sie nicht, werde ich ablehnend bis zur Feindschaft, finde ich sie, werde ich vertrauensvoll bis zur Liebe. Daher kommt es, dass ich viel mehr Feinde als Freunde habe.

Im Sommer verreiste ich zum erstenmal allein ohne Mama nach Ferch am Schwielowsee. Ich war betrunken von Freiheit, Wasser, Wald und den Vergißmeinnicht, die am Rande des schmalen Baches blühten. Regen, Wind, Sonne, alles war wunderbar schön. Ich las nicht mehr, nur ab und zu ein schlechtes Buch.“

Valeska Gert „Ich bin eine Hexe – Kaleidoskop meines Lebens“, 1978 (Erinnerung an Schauspielstunden im dreiundzwanzigsten Lebensjahr bei Maria Moissi 1915/1916)

22. Februar 2026

Aus meiner letzten Lektüre, Valeska Gert „Kaleidoskop meines Lebens“, rororo 1978, S. 19. Das Erinnerte spielt etwa 1902.

„In der Schule freundete ich mich mit den schlechtesten Schülerinnen an, denn die »wussten«. Mit Charlotte Segal, der Zweitbesten nach mir, konnte ich nur philosophieren. Wenn Mama in die Schule kam, sich bei Fräulein Holzapfel nach mir zu erkundigen, sagte die Lehrerin: »Wie schade, dass Trudchen nie eine richtige Freundin hat, sie umgibt sich nur mit den schlechtesten Elementen.«

Mama fragte: »Trudchen, willst du nicht mit ein paar netten Mädchen ein Kränzchen gründen?« Ich betete Lilly an, sie hatte dicke, aufgeworfene Lippen und ein freches Lachen. Ich fragte sie schüchtern: »Willst du mit mir ein Kränzchen machen?« Sie nickte: »Aber Grete Mendelsohn und Ilse Mahler müssen auch dabei sein.«

Donnerstags tagten wir. An jedem Platz des weiß gedeckten Tisches lag ein Reclamband Schiller. Das Dienstmädchen brachte Schokolade und Napfkuchen. Dann ließ man uns allein. Ich schaukelte mit Lilly auf einem Brett, das an Seilen in der Tür hing. Fast berührte ich sie. Aber Lilly sprang vom Brett und hockte sich breitbeinig mit Grete auf den Fußboden. Beider Gesichter wurden knallrot. Ich saß mit Ilse im Sportwagen, auch breitbeinig, und verhaute sie dann. Lilly und Grete sprangen auf und hauten mit, bis Ilschen weinend weglief.

So endete jedes Kränzchen. Manchmal dauerte es nur eine halbe Stunde. Wir trugen silberne Freundschaftsringe, mit einem Herzchen dran, sie kosteten eine Mark.“

22. Februar 2026

Mich gerade mental mit morgen beschäftigt. Um 10:30 Uhr Termin bei Dr. van der Meer (der Neurologe). Fährt eine Tram hin, Fennpfuhl in Lichtenberg. Dann nach Charlottenburg ein paar Stunden arbeiten, kurz von 17 Uhr zum Zahnarzt. Prophylaxe und Kontrolluntersuchung. Dazwischen daran denken, den Trocknerheld-Termin am Dienstag zu checken, ob es dabei bleiben kann, die Revisionsklappe schon da ist bzw. wann ich das erfahre. Und am Dienstag um/ab 7 – 9 (morgens!) kommt ISTA um den/die Kaltwasserzähler auszutauschen. Lauter Termine, die mich in innere Anspannung versetzen, obwohl sie nicht schlimm sind. Aber ich muss funktionieren, Wecker respektieren, ungewohnte Wege nehmen. Dr. van der Meer lege ich meine Kopfschmerztabellen seit November vor und werde ihm zusammenfassend berichten, was am besten geholfen hat. Das Imigran Nasalspray 20 mg war es leider nicht. Eletriptan Bluefish 20 einfach dosiert zu schwach, doppelt dosiert gute Wirkung, ebenso Rizatriptan 5 mg doppelte Dosis. Die hatten auch nicht so eine Erschöpfung als Nebenwirkung zur Folge, wie ich es von Sumatriptan 100 kenne. Einfache Dosis allerdings bei beiden zermürbend geringe Wirkung.

Einen Eintrag habe ich allerdings unterschlagen, weil er einen falschen Eindruck liefern würde. Ich hatte an einem Abend vor gut zehn Tagen viel zu viel von einem guten Tropfen getrunken, kein Wasser dazwischen, eigentlich hatte ich schon beim vorletzten Glas gemerkt, ich habe zuviel und nur reflexhaft leer getrunken und mir noch eins spendieren lassen. Ich hatte eindeutig davon einen ziemlichen Kater. Nachdem ich mich erleichtern konnte, um es mal elegant auszudrücken, war ich wieder recht schnell ansprechbar. Die Entgiftung wirkte sofort. Das ist bei Migräneattacken leider gar nicht der Fall, zumal wenn es sich auf bohrenden Schmerz in der linken Kopfhälfte beschränkt. Aber genug von diversen Malessen. Denkzettel: Kleber für Sockelleiste holen u. Montag Abend kleben!

22. Februar 2026

Die Biike in Kampen! Die Puppe ist ganz früh gefallen, vielleicht ein Orakel für einen frühen Sommer am Roten Kliff. Kampen hat gemeinsam mit Wenningstedt und Braderup eine Biike auf dem Golfplatz beim Leuchtturm gebaut. Nicht ganz so viele Leute wie in Tinnum, aber auch schön. Freue mich schon auf mehr Bilder vom Syltfernsehen SYLT 1, gibt ab spätestens Montag umfassende Berichterstattung über alle Biiken. Letztes Jahr ist die Biike von Westerland gar nicht abgebrannt, also die Tonne ist nicht gefallen. Das war den Westerländern etwas peinlich, aber eben Schicksal. Ist wohl nie vorher passiert. Es gibt immer ein bisschen Wettbewerb, wer die größte und tollste Biike hat. Sie müssen auch bewacht werden, damit niemand aus dem Nachbardorf einen Streich spielt und die Biike vorher abfackelt, was gemein wäre…!

22. Februar 2026

Wenn der Fackelzug an der Biike angekommen ist, spricht der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin oder sonstige berufene Ortsvorsteher ein paar zukunftsweisende Worte und gibt die Biike frei. Dann heißt es TJEN DI BIIKI ÖN! Die Sylter Nationalhymne wird auch gerne gesungen. In Tinnum war kein Petermännchen auf dem Mast, sondern ein Tönnchen. Es hat ein ganzes Weilchen gebraucht, bis es gefallen ist und der Winter amtlich vorbei war!

21. Februar 2026

Bin heute im Herzen und in Gedanken ganz auf Sylt. Denn: heute Abend werden wieder die traditionellen, großen, archaischen Biikefeuer entzündet und der Winter rituell für beendet erklärt. Über Monate vorher wird Holz, Treibholz, Stroh und die alten Weihnachtsbäume gesammelt und dann entlang der nordfriesischen Küste aufgetürmt. Allein auf Sylt gibt es zehn Fackelzüge zu neun großen Biikefeuern, die von der Bevölkerung in alter Tradtition mit Fackeln entzündet werden. In der Mitte, ganz oben eines jeden Haufens, ist ein Pfahl mit einer angezogenen Stoffpuppe, dem „Pider“ (auch „Pidermann“ oder „Petermann“). Und wenn der fällt, ist der Winter zu Ende! Wie aufregend. Danach gehen alle Grünkohl mit Pinkel essen. Ich bin leider nur in Gedanken, aber mit Feuer und Flamme dabei. Das Biikebrennen ist jedes Jahr eine große Attraktion auf den friesischen Inseln und auf Sylt sind wahrscheinlich auch alle Lokale ausgebucht. ABER! Es gibt ab ca. 18 Uhr einen livestream und das Sylter Fernsehen hat vorher auch schon alle Biiken besucht, das sind die Haufen, die entzündet werden. Ich wäre wohl am liebsten bei der Biike am Ellenbogen in List, die auf dem Foto. Sie war bei den Dreharbeiten schon fertig und bereit für das große Abschiedsritual. Ich bin dabei.

Archsum, Deichweg, Anzünden Biike: 18.15 Uhr
Hörnum, Campingplatz, Anzünden Biike: 18.15 Uhr
Keitum & Munkmarsch, Bahndamm, Anzünden Biike: 18.20 Uhr
Rantum, Am Sandwall, Anzünden Biike: 18.20 Uhr
Kampen & Wenningstedt., Leuchtturmweg, Anzünden Biike: 18.30 Uhr
Morsum, Morsum Kliff, Anzünden Biike: 18.30 Uhr
Tinnum, Tinnum-Burg, Anzünden Biike: 18.30 Uhr
Westerland, südl. Campingplatz, Anzünden Biike: 18.30 Uhr
List, Am Königshafen, Anzünden Biike: 18.45 Uhr

20. Februar 2026

Wochenende. Goodbye Deutschland. Vorher beim Brutzeln wieder den Rauchmelder ausgelöst. Er funktioniert also immer noch. Kam in letzter Zeit häufiger vor, dass ich etwas mit dem gußeisernen Waffeleisen anrösten wollte, mich dann im Wohnzimmer oder Bad verzettelt habe und erst beim Alarm wieder erinnerte, dass ich da ja was auf dem Herd habe. Nach langen, anstrengenden Tagen sehe ich gerne Formate wie Goodbye Deutschland. Aber nicht jedes Reality Format gewinnt mich. Auch nicht alle Auswanderer, ich brauche immer eine gewisse Sympathie für die Mitwirkenden und das Land muss mich auch minimal interessieren. Heute geht es mal wieder um die kesse Maggie in L. A., die bei ihrer achten Schönheits-OP begleitet wird. Ihre Mutter mit osteuropäischem Akzent deutsch sprechend, ist extra angereist. Sie ist achtzig und weint viel, weil ihre Tochter so weit entfernt lebt. Also weint in die Kamera. Ich will das nicht wissen und nicht sehen. Ich hasse weinende, greinende, jammernde Angehörige, die ihren freiheitsliebenden und abenteuerlustigen Kindern und Enkeln mit vorwurfsvollem Blick die Verwirklichung ihrer Träume verschatten. Über Jahre. Da wird mir geradezu körperlich schlecht, ich kriege schlechte Laune. Hat auch mit déjà-vu zu tun, klar. Dabei halten die entfernten Abtrünnigen meist ganz artig Dauerkontakt via Videocalls und Telefon etc. Blödes Thema, ich höre nun auf damit.

19. Februar 2026

Wieder Kreisch-Alarm bei GNTM beim Einzug in die erste Modelvilla. Die Männer gestern haben auch Excitement gezeigt, aber nicht in der Tonlage. Dass gestern der 57-jährige Gerhard ausgeschieden ist, fand ich schade, weil er doch sehr gutaussehend und sympathisch rüberkam, ein bisschen klein zwar, aber dass er beim ersten Walk immer nach unten geschaut hat, brach ihm das Genick. Das hätte er sich doch bestimmt gemerkt, bei einer zweiten Chance.

Ansonsten konnte ich weitgehend nachvollziehen, wer nicht in die nächste Runde kam. Diese Autorin Ildikó von Kürthy ist wohl freiwillig gegangen, obwohl sie weiterkam. Hat ihr gereicht, das Reinschnuppern, sie wollte nicht den großen Zeitraum mehrer Monate Dreharbeiten dafür opfern, der notwendig gewesen wäre.

Mein heutiger Tag hatte zwei Überraschungen, eine amüsante und eine langweilige. Die unterhaltsame war, am Hackeschen in die S9 Richtung Charlottenburg zu steigen. Eine Schulklasse im Abteil, gemischt Mädchen und Jungs, ca. Acht- bis Neunjährige, noch sehr kindlich aussehend.

Ebenfalls zugestiegen, die bekannten Musikanten mit dem Verstärker auf der Handkarre, die mit Blasinstrumenten seit Jahren mehrmals wöchentlich auf der Strecke zwischen Alex und Bahnhof Zoo die immer drei selben Weisen zum Besten gibt. „When the Saints Go Marchin in“, „Hello Dolly“ und „Oh Champs-Elysées“. Durchaus gekonnt, aber in den Morgenstunden so laut mit Blechblasinstrumenten und Gesang beschallt zu werden, ist eher anstrengend. Das empfinde nicht nur ich so.

Aber die Kinder. Vom ersten Takt restlos begeistert, ein erstmaliges, Erlebnis für sie, das war ganz offenkundig. Sie juchzten, fingen durchweg alle an zu tanzen und im Rhythmus mitzuklatschen, strahlten, lachten, freuten sich.

Es war ansteckend. So viel kindliche, unschuldige Lebensfreude. Ich fand einen Platz etwas entfernt von der Darbietung. Auf der anderen Seite eine ältere Dame, ca. Mitte Siebzig. Wir guckten uns verblüfft an, dachten dasselbe. Eine Plauderei ergab sich, beide amüsiert, welche Begeisterung die Musik auslöste, die uns seit Jahren langweilte.

Zwei der Jungs setzten sich mir gegenüber, aber standen gleich wieder auf, um besser mitklatschen und tanzen zu können. Ich musste mich schon wieder mitfreuen, obwohl es auch noch das Lied gab, das mir mit Abstand am meisten auf die Nerven geht, „When The Saints…“ Trööt trööt.

Ich fragte die beiden Kids, wo sie herkommen, in Erwartung der Nennung eines Ortes in Baden Württemberg oder Rheinland Pfalz. Antwort: „von der Soundso-Grundschule Niederschönhausen“ (oder war es Hohenschönhausen?).

Heimatkunde: Niederschönhausen gehört zu Pankow. Hohenschönhausen ist ein Teil von Lichtenberg. Beides Berliner Verwaltungsbezirke. Ich erzählte den beiden Knirpsen, dass die Dame auf der anderen Seite und ich uns über ihre Begeisterung amüsieren, weil wir die Lieder seit Jahren fast täglich hören und schon nicht mehr hören können. Die Beiden rissen ungläubig die Augen auf: „Echt…??? OH!!!“ Wir mussten alle lachen. Die Jungs und wir beiden älteren Semester.

Die Klasse stieg am Hauptbahnhof aus. Meine Nachbarin merkte noch an, dass sie das ja gar nicht kennen können, weil die Musiktruppe nie nach Hohenschönhausen fährt. Oder Niederschönhausen.

Die im Wortsinne lang-weilige Überraschung bestand darin, dass ich gegen Mittag einen Anruf von Herrn S. von Trocknerheld erhielt, in dem er mir andiente, dass die Revisionsklappe überraschend jetzt sofort am Nachmittag eingebaut werden könne, wenn ich das wollte. Wir hatten bereits einen Termin für den 24. Februar vereinbart. Ich war begeistert und zu allem bereit und düste zu meiner Wohnungsbaustelle.

Der Handwerker kam, aber ohne Klappe, er hatte die Maße nicht, die ich aber schon mal am 2. Februar gemailt hatte. Ich: „Aber die Maße sind doch bekannt.“ Er: „Äh… ich hab nicht in die Gruppe geguckt.“ Fing an auf seinem Smartphone zu scrollen. Sicher meinte er eine Whatsapp-Gruppe, die seine Trocknerheld-Kollegen bewirtschaften.

Er daraufhin, er müsse jetzt mal nach der passenden Klappe schauen. Dann war er eine halbe Stunde weg, kam wieder und teilte mit, dass er keine passende Klappe habe, erst bestellen müsse. Zeigte mir die zu bestellende Klappe auf seinem Smartphone. 99,- Euro. Lieferbar bis 23./24. Februar. Das könnte ein knappes Höschen werden. Aber ich beharre jetzt erstmal auf dem ursprünglich vereinbarten Einbautermin 24. Februar, 8 – 12 Uhr. Mal sehen, ob das alles so hinhaut.

Mich langweilt die Geschichte auch. Nun vier Wochen, in denen ich immer nur die oberen drei Klamotten der Kleiderstapel im Schlafzimmer anziehe. Also weiter um den leeren Kleiderschrank im Flur kurven.

GNTM läuft noch. Bei einer jüngeren Kandidatin mit langen dunkelbraunen Haaren zeigen sich Tendenzen Richtung Stutenbissigkeit. Sie bildet sich bereits ein, die Gastjurorin Lotti Moss (Halbschwester von Kate und ebenfalls Profimodel), würde sie nur kritisieren, weil sie in ihr Konkurrenz wittert. Soso. Solche kleinen Giftspritzen sind natürlich Salz in der Suppe des Formats.

18. Februar 2026

Bewirte mich heute selbst, kriege langsam Hunger. Abendprogramm GNTM mit den Jungs (also den männlichen Kandidaten). Das Format gefällt mir besser, seit auch Männer ihre Qualitäten auf dem Laufsteg und beim Posen zeigen dürfen. Und natürlich ältere Damen. Die eine Blonde, 54, mit den beiden Zwillingstöchtern ist ein echter Hingucker, verströmt Jagger-Vibes. Morgen dann wieder zu sehen in der Ausgabe mit den Frauen. Nach ein paar Folgen werden sie dann wieder zusammengeführt, die bleiben nicht dauerhaft getrennt. Ich gucke es gerne. Man wird mit Heidi älter. Beruhigend, dass es bei ihr auch nicht komplett auszuradieren ist. Die Schwerkraft macht sich unterm Kinn bemerkbar. Sie hat gecheckt, dass Lächeln hebt. Bestes Facelift.

14. Februar 2026

Flashback, derweil ich überlege, was ich anziehe. Ich habe nur zwei bis drei Bilder in meinem Repertoire, die man frivol oder kinky nennen könnte, das ist eines davon. Später finde ich mich bei Sevenstar ein, wo mehrere Gäste und mich ein Dinner erwartet.

SCHMUTZIGES HOBBY. Tombola-Lose Viewing Party „Queen of Drags“ 2019, Toy Boy aus gratis Gay-Zeitschrift aus dem Hobby, Acryl, Leinwand, 14., 15., 16., 18., 19., 26., 29. Januar, 25. April, 4., 9., 10. Mai 2020, 50 x 50 cm, Staatl. Museen v. Gaganien. Exhib. „Welcome to Gagania“ 2025, Jan., Gr. Galerie Sevenstar.

13. Februar 2026

Teddy für große Mädchen. So ein Barney Geröllheimer-Oberteil provoziert Streichelnwollen, was mir nicht ungenehm war bislang. Es wird vorab stets artig und höflichst gefragt. Ich erlaube dann!

12. Februar 2026

Gerne hätte ich zu diesem letzten Foto der Mützenparade geschrieben: „Hiermit erkläre ich die Fellmützensaison für beendet!“. Aber der Berliner Wetterbericht hat noch ein paar Schneefälle in petto, zum Beispiel am 17. Februar. Na ja. War vergangenes Jahr nicht viel anders, nur ist diese winterliche Phase mit richtigem Schnee über Wochen, ja bald Monate, ungewohnt. Erinnere mich genau, wie wir am 14. Februar letztes Jahr auf einem nächtlichen Spaziergang von Sevenstar Richtung Georgia Bar in einem kleinen Grüppchen über Schnee und Eis geschlittert sind und uns aneinander festhielten. Einer rutschte immer und das Festhalten verhinderte, dass jemand hinfiel. Jedenfalls werde ich in diesem Winter kein Foto mehr von DIESER einen Mütze posten!

11. Februar 2026

Mir ist daran gelegen, meine Aussage von gestern„(…) Langmut, Flexibilität, Toleranz habe ich nicht. Fehlanzeige.“ zu relativieren. Die Feststellung bezog sich auf den von mir gewünschten Komfort, das Gesamtpaket der gastlichen Gegebenheiten von Lokalen, Gaststätten, Clubs, Restaurants, die ich gewillt bin, zu betreten. Nicht auf Religion, Weltanschauung, Geisteshaltung, Herkunft, sexuelle Orientierung und Praktiken und was es noch alles gibt. Ich halte mich sogar in einem Ausmaß für tolerant und liberal, dass es auf gestrengere Zeitgenossen geradezu irritierend wirken könnte. Mich befremdet rein gar nichts. Ich halte alles für möglich und außerdem für organische Entwicklungsstadien. Selektiv und rigoros bin ich nur in meinem privaten Bannkreis, der ist schon eine berghainesk harte Tür. Jenseits: jedem Tierchen sein Pläsierchen.

10. Februar 2026

Meine Kompromissbereitschaft wird auch nicht mehr, stelle ich fest. Immer geiziger mit jeder Stunde verbleibender Lebenszeit in puncto Geselligkeit.

Langmut, Flexibilität, Toleranz habe ich nicht. Fehlanzeige.

Kompromisse erfordernde Eckdaten in Sachen Lokalität, Publikum, Qualität der Bewirtung, Geräuschpegel, Lichtverhältnisse, Sitzgelegenheit ertrage ich nicht.

Unerfreut nehme ich zur Kenntnis, dass es immer mehr Ess-Lokale gibt, in denen sich das Angebot an Sitzmöglichkeiten auf harte Holzbänke ohne Rückenlehne beschränkt. Selbst eine altbackene, gepolsterte Eckbank hätte da mehr Komfort zu bieten.

Vielleicht werde ich langsam so eine grimmige Alte.

Aus gegebenem Anlass habe ich mir neulich mehrere Bildreihen, Fotostrecken von einem bestimmten Format in einem Berliner Club angesehen. Ich will immer gerne mitreden können.

Diese – ich nenne es mal Partyreihe – gilt als beliebt, angeblich zunehmend. Man sieht auf den Fotos leicht bekleidete junge Leute, die ihren Style als kinky bezeichnen. Sophistication spielt keine Rolle, Erotik leider auch nicht. Jedenfalls nicht, was ich darunter verstehe.

Überwiegend wirken die Aufmachungen wie aufreizend gemeinte Faschingskostüme oder Nachahmungen aus dem Beate Uhse-Katalog von 1983. Ich habe das Gefühl, da überhaupt gar nichts zu verpassen.

Die Abgebildeten strecken gerne mal die Zunge raus. Hat man auch noch nie gesehen. Aber ganz kess. Mich überkommt bei dem Anblick eine derartige Langeweile, ich kann es als Schlafmittel empfehlen.

Aber! Die Leute haben Spaß und das ist ja die Hauptsache.

Dazu muss ich noch erwähnen, das ich das Lokal, wo die Fotos entstanden sind, aus eigener Ansicht kenne. Die Inneneinrichtung besteht aus einem uferlosen Durcheinander von Farben und Mustern und Materialien und Nippes, blind zusammengewürfelt und vermutlich nach Preisgünstigkeit ausgewählt.

In der bunt flimmernden Schummerbeleuchtung sieht man das nicht so genau, es ist einfach kein Kriterium. Aber der Laden läuft, ist beliebt und die jungen Leute sind von der Straße!

09. Februar 2026

Vergangene Woche bei Saturn das billigste Notebook gesucht, um es als Musikabspielgerät in meiner Werkstatt zu installieren, nachdem das alte Vaio (wie berichtet) dahingeschieden war. Die Allergünstigsten waren Google Chrome-Books. War mir alles egal, brauche dafür kein prestigeträchtiges Markengerät. Hatte schon den Karton in der Hand, aber Zweifel, ob das Gerät darin identisch wäre mit dem auf der Konsole darüber stehenden Ausstellungsexemplar. War es nicht und der Fachverkäufer, den ich danach fragte, erwähnte zum Glück, dass da ein Google-eigenes Betriebssystem darauf sei, also kein Windows. Darauf hatte ich nun gar keine Lust, mich noch mit irgendeinem neu erfundenen Betriebssystem zu befassen. Dann zeigte er mir ähnlich günstige Notebooks mit Windows. Gab auch eine Rabatt-Aktion, hätte ich aber wieder eine Registrierung vornehmen müssen, zu der ich zu bequem war, hätte auch ein Smartphone erfordert. Ich habe dann den Normalpreis 299 € bezahlt (statt 239). Schon sehr günstig. Nicht mal klein das Dings, kleinere sind durchweg teurer, es ist ein Lenovo IdeaPad Slim 3i, graues Case. Habe dann den Nachmittag über alles so konfiguriert, wie es mir gefällt, obwohl es ja nur Musik abspielen soll (verstärkt über extern angeschlossenen Lautsprecher). Für den Fall der Fälle kanns jetzt alles und auf dem Desktop und Sperrbildschirm ist nur noch schwarzer Hintergrund und mein Logo in dunkelgrau, alle Audio-Ereignisse deaktiviert, Startmenü bereinigt, reduziert auf den Musik-Ordner, Taskleiste linksbündig, Sämtliche Widgets deaktiviert, Firefox eingerichtet, Lesezeichen importiert, auch wenn WLAN im Atelier nicht funktioniert. Manchmal finde ich doch schade, dass ich nicht mal kurz online gehen kann. Diese Scheiß-Vodafon-Home-Spots haben leider keine Hotspot-Funktion, sonst könnte man da mal immer 30 Minuten gratis online. Aber egal. Das Hot-Spot-Netz in der Schierker Str. lässt schon sehr zu wünschen übrig. In den U-Bahnen soll es auch offenes WLAN geben, aber so nah ist die U-Bahn-Halte Hermannstr. nicht. Die einzigen offenen WLANs in der Liste sind immer die von Fernsehgeräten, das bringt aber nix. Wie gesagt, so wichtig ist mir das nicht. Aber Musik! Wobei mir da gerade noch die Idee kommt, ich könnte ja nochmal checken, ob in der Liste der verfügbaren Verbindungen irgend so eine „Sports Bar“ vertreten ist, eines dieser Lokale, wo ich niemals freiwillig einen Fuß reinsetzen würde und die ein größeres gastronomisches Geschäftsfeld in der Ecke darstellen. Ich könnte ja ortsunkundige Touristin spielen, eine Cola bestellen und nach dem WLAN-Passwort fragen. Muss ich mich nur noch reintrauen.

08. Februar 2026

Im Frühjahr 2012 gab es offenbar eine große Romy-Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn. In diesem Video, das darauf hinwies, kam auch der Fotograf Robert Lebeck zu Wort, ab Minute 1:11 – mittlerweile ist er auch verstorben, gut zwei Jahre nach diesen Aufnahmen, im Juni 2014, mit 82. Er erzählt in diesem Beitrag recht anrührend von seinen zwar überschaubaren, aber ausgesprochen intensiven Begegnungen mit Romy. Sehenswert.

06. Februar 2026

So munter ich hier auch in die Kamera gucke, das ist nur eine Momentaufnahme, überhaupt nicht repräsentativ. Winter-Begeisterung habe ich ebensowenig wie Hochsommer-Liebe. Extreme Temperaturen strengen mich an. Wenn es zu heiß ist, ist mein Kopf eine Matschbirne, wie sediert, ich habe auf nichts Lust und bin ständig damit beschäftigt, moderate Innentemperaturen zu organisieren, gehe keinesfalls freiwillig vor die Tür, schon gar nicht in ein öffentliches Freibad, grässliche Vorstellung. In so einem richtigen Winter wie jetzt, ziehe ich wochenlang sowohl in der Wohnung als auch draußen immer mehrere Schichten an, obwohl meine Heizung auf Hochtouren läuft. Auch auf dem Bett habe ich jetzt noch zusätzliche Decken, zum Schlafen ziehe ich nix an, da muss die Wärme von woanders kommen, aber gekipptes Fenster brauch ich zum Schlafen, sonst krieg ich Kopfweh. Einziges Highlight ist, dass ich meine pompösen Fellmützen aufsetzen kann. Das wars dann aber auch! Wie ich eben in einem Kommentar schrieb (aus dem Beitrag eingangs zitierend):

„„es ist, im tiefen winter, alles auf krafterhalt ausgerichtet“
Bringt auch gut mein Empfinden auf den Punkt, dass ich keine überschüssigen Kräfte für Ausgehen und sonstige Aktivitäten, die die warme Wohnung verlassen beinhalten, habe. Schon jeder vorsichtige Schritt über Eis und Schnee kostet Konzentration, die man sonst nie beim Gehen beanspruchen muss. Dann immer die vielen Klamotten an- und wieder ausziehen. Alles dauert länger, frisst Zeit und ist langweilig!“

Außerdem geht es mir auf die Nerven, dass ich mich dauernd entschuldigen muss, weil ich wegen dieser anstrengenden Kälte von gesellschaftlichen Zusammenkünften fernbleibe. Ich bin dann am liebsten allein in meiner warmen Wohnung und ich telefoniere auch überhaupt nicht gerne! Jeder Schritt, jede U-Bahn- oder S-Bahnfahrt, zwischen der wieder eisige und matschige Wege liegen, ist mir zuviel. Ich habe letztes Jahr auch durch die Erfahrung der Ausstellung im Januar beschlossen, dass ich nie mehr in dieser Jahreszeit eine aufwändige Einzelausstellung veranstalten würde. Besucher, die verständlicherweise ihre Mäntel und Funktionsjacken und Mützen und Schals in sämtlichen Ecken auftürmen, versauen damit das Ambiente. Mir fällt keine Galerie ein, die eine extra Garderobe bewirtschaftet. Gibts nur in großen Museen, soweit mir bekannt. Daher könnte ich leider nur im Martin Gropius Bau oder in der Neuen Nationalgalerie oder im Hamburger Bahnhof ausstellen!

05. Februar 2026

Die Spree trägt Eis und Schnee. Ich lange Unterhosen unten drunter. Winter-Gaga heute früh. Gestern in den Sophie-Gips-Höfen hingefallen, da war wie überall neuer Schnee, über glattem Eis, nicht so trittfest wie der Augenschein. Mit beiden Füßen trotz fester Stiefel gleichzeitig nach vorne gerutscht und rücklings in voller Länge in den Schnee geplumpst, nix passiert, aufgestanden und vorsichtig weiter. Heute nur mal kurz ins Trudeln gekommen, diesmal am Ausgang Hackesche Höfe, Richtung S-Bahn Hackescher Markt. Zwar war geschippt und ein bisschen gekehrt, aber nicht komplett weg, der Rest hat einen schönen rutschigen Spiegel gemacht, hab mich aber gefangen. Gut angekommen. Zum Hallosagen bei meinen modeinteressierten, jungen Kolleginnen zwischen Anfang zwanzig und Anfang dreissig, extra Mantel und Mütze angelassen. Juchzt die eine: „Sankt Moritz!“ Die andere kichert: „Haha, wie von den Geissens – – wie heißt sie denn, – – “ Ich: „Carmen Geiss“ (ohne plump wohlfeilen Kalauer „Vor oder nach der OP?“). Um Missverständnissen vorzubeugen: sie fandens cool. Nichts gegen Carmen Geiss, die ist mir nicht unsympathisch mit ihrer bodenständigen Art. Das Herz am rechten Fleck, unaffektiert, kunstsinnig, aufgeschlossen, mitfühlend, tierlieb, frankophil. Insgesamt eher unprätentiös. Wir sind derselbe Jahrgang. Frau Keludowig mag sie auch! (Gruß an Tom und Bill:-))

05. Februar 2026

(herzzerreißend)

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge.

Ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und zu leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Wer bin ich? Der oder jener?

Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

Dietrich Bonhoeffer (1944)

04. Februar 2026

Dietrich Bonhoeffer zum 120. Geburtstag. Geboren am 4. Februar 1906 in Breslau, ermordet am 9.4.1945 in Flossenbürg.

„Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen… Man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden zu den großen Gedanken, die einen stärken… Laß warm und hell die Kerzen heute flammen, die Du in unsere Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht… Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag… Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann…“ D. B.

03. Februar 2026

Herzensbildung und Eigensinn. Rita Süßmuth 17. Februar 1937 – 1. Februar 2026. Als Rita Süßmuth in den Achtzigern in den Hochzeiten der Angst vor HIV und Infragestellung der Legitimität von Schwangerschaftsunterbrechung besonnen und liberal an die Öffentlichkeit trat, konnte ich kaum fassen, dass sie das alles mit dem Parteibuch der CDU betreibt. Da ging mir das Licht auf, dass es gerade richtig sei, dass sie von dort ihre sportliche Arbeit vorantreibt. Mit ihr habe ich gelernt, Politikerpersönlichkeiten als gestaltungsfähige Individuen wahrzunehmen, unabhängig von Verschubladung aufgrund eines Parteibuchs. Ebenso wie Heiner Geißler oder Norbert Blüm. Die mochte ich alle richtig gerne. Was für ein Gewinn für unsere Gesellschaft. Farewell, geschätzte Rita.

02. Februar 2026

Nachdem ich die Wahl habe, meine Leserinnen und Leser entweder mit dem Fortschritt auf meiner Baustelle (nachdem heute Morgen der Eurom abgeholt wurde) zu langweilen oder mit einer weiteren Version der Paradiesvogelblume, wähle ich die Blume. Strelitzia Reginae No. 2, Fotografie, bearbeitet 10. Januar 2026.

01. Februar 2026

Meine vornehmste Aufgabe des heutigen Tages ist, 🖤liche Grüße an Ina zu senden! Dafür habe ich extra meinen Winterschlaf unterbrochen, bin ans Wohnzimmerfenster und habe das Herz im verschneiten Auto Joachim-, Ecke Gipsstraße eingefangen, um es hiermit von Mitte nach Frohnau zu senden. Alles Liebe zum Geburtstag, liebe Ina. Wir sehen uns bald wieder!