»Sonntag 19.VI.1898

Fand ein entzückendes Gedicht in der ‚Jugend‘. Habe es auch schon vertont.

Vom Küssen

War ich gar so jung und dumm,
Wollte gerne wissen:
Warum ist mein Mund so roth?
Sprach der Mai: „zum Küssen“.

Als der Nebel schlich durchs Land
Hab ich fragen müssen:
Warum ist mein Mund so blass?
Sprach der Herbst: „vom Küssen“.

Anna Ritter

Ein süßes, geistreiches Gedichterl. Wenn nur mein Lied auch so gut wäre.«

Alma Schindler [Mahler-Werfel], Tagebuch-Suiten 1898 – 1902

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