Ich möcht’ wie ein Baum mich am Weg aufpflanzen
Mit jedem Blatt in der Liebeslust tanzen.
Ich möchte mir Flügel schaffen wie Finken
Und in der Liedluft hinfliegend versinken.
Ein Lied verschiebt Berge und Dächer und Wände;
Ich möchte im Mai jetzt ein Nachtsänger sein
Und säng’ mich im Schlaf zu der Liebsten hinein.
Ich möchte, ich möchte, ich möchte ohn’ Ende –
Und hab’ zum Umfangen nicht mehr als zwei Hände.


Da capo. Der zauberhafte Max Dauthendey. Heute, am 25. Juli 2017, vor hundertfünfzig Jahren, wurde der mir zu Herzen gehende Max geboren. Er hat viel geschrieben, in den einundfünfzig Jahren, die er auf der Erde weilte. Es gibt keine Feier heute in Berlin für ihn, keine, von der ich wüsste, außer meiner eigenen. Ich werde ihn ehren und er wird es vielleicht spüren. So eine große Seele verpufft nicht einfach im Nirgendwo. Wenn ich die Gedichte von Max Dautheney lese, bin ich daheim. Diese Heimat kann mir keiner nehmen. Kein Kummer und kein weltlicher Schmerz.

11 Antworten auf „25. Juli 2017

  1. Vor neun Jahren lernte ich über Cosmic, mit dem ich damals viel Zeit verbrachte, einen mit ihm befreundeten Musiker kennen, Heiko aus Friedrichshain, ca. zehn Jahre älter als ich, ein gestandener Mann, der es liebte, insbesondere ältere Lyrik zu vertonen und auch vergessenes altes Liedgut zu heben und zu singen, begleitet von seiner Gitarre. Er hatte auch etwas von Max Dauthendey vertont, das mich ungeheuer rührte, auf Anhieb. „Einen Riesen als Begleiter“. Später hat er ein Platte aufgenommen, mit dem Titel „Vom Reichtum der deutschen Seele“. Auch da ist dieses vertonte Gedicht von Dauthendey darauf zu hören. Vor einem halben Jahr hatte ich ihn in unseren kleinen Kunstsalon in der Auguststraße eingeladen, um live zu spielen, da packte er noch mehr von Dauthendey aus. Ich blieb abermals verzaubert bei ihm hängen, sein sehr besonderer Name war mir auch eingegraben, weil ich vorher den Text für eine Ankündigung des Salons schrieb. Und erst vorgestern, einen Tag vor Dauthendeys 150. suchte ich in der deutschen Gedichtebibliothek nach Gedichten mit einem bestimmten Begriff, das erste, das mir unterkam, war von Dauthendey und ich verbrachte den weiteren Abend damit, sehr viel von ihm zu lesen, mich rührt da so ungeheuer viel. Tatsächlich fiel mir erst vor Mitternacht auf, dass am nächsten Tag sein besonderer Geburtstag ist. Merkwürdiger Zufall. Zauberhaft. Heute habe ich zwei Bände von ihm erhalten, „Ultra Violett“ und „Reliquien“.

    Wenn die Abendsonne in die scharlachroten Hagebutten fällt
    Und die Birke ihren weißen Stamm an das letzte Licht hinhält
    Und die Menschen einen langen Schatten
    einen Riesen als Begleiter haben
    Sticht die Sehnsucht ihren Spaten in die Stille
    Und fängt langsam an zu graben
    Alle Herbstzeitlosen haben sich geschlossen
    Und die Sehnsucht kommt aus allen Wäldern
    Dunkler als die Eichengalle hergeflossen

    Max Dauthendey, Einen Riesen als Begleiter

  2. Ein schöner Zufall. Interessant, ich lese derzeit ebenfalls wieder mehr Lyrik und gerade auch eine Biographie über Christian Morgenstern, ein Zeitgenosse Dauthendeys.

    Und ich habe vorhin Quatsch geschrieben, las ich doch kürzlich erst nachts im Bett die Gedichte „Glühwrum im Gras“ sowie „Johannisfeuer“ von Dauthendey. Da dachte ich schon „nie gehört“ und nahm mir vor, am nächsten Morgen nach ihm zu googeln – was ich dann aber vergaß. Es war wohl der späten Stunde geschuldet, dass sein Name nicht in meinem Gedächtnis hängenblieb.

  3. und was für nächtliche Fundstücke…

    Die Juninacht, sie hat’s entzündet,
    Und wie ein Blick, der dich ergründet,
    So liegt ein kleines Licht im Gras,
    Als flog es dir vom Herzen fort,
    Ein Liebeswort, das ungesprochen
    Und ungebrochen weiterglüht,
    Und lautlos müht sich dir zu nennen.
    Doch eh‘ die reife Juninacht
    Zu End‘ gedacht,
    Sollst du’s erkennen.

    ~

    Auf den Bergen reiten Feuer,
    Werfen sich wie Ungeheuer
    In die Nachtluft, in den Raum;
    Flammen stehen hell als Baum,
    Rote Flügel sich entfachen,
    Aus den Bergen fliegen Drachen,
    Nichts hält mehr den Berg im Zaum.
    Flammen sich wie Lieder wiegen —
    Sonne hat die Nacht erstiegen.

    (bin verliebt… in seine Schreibe)

  4. Ich bin noch ganz hin und weg von der Sehnsucht mit dem Spaten und der Eichengalle.

    Nun vergesse ich seinen Namen ganz bestimmt nicht mehr.

  5. die Bilder seiner Zeilen sind so zwingend, dass es keine Materialsierung mehr braucht. Selbst Vertonung ist eine Gratwanderung. Es müsste ebenbürtig sein, dafür braucht es einen derartigen Kuss der Musen… zum Glück schwingt sich seine Dichtung in der Phantasie zu Bild und Ton. Seine ureigene Komposition.

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