[ nächtlicher Schreibanfall. In diesem Text: Hans R. und sein Berlin Beat Club, Christoph M. und sein Smartphone, Ina W. und ihr (geparktes) Auto… ]



Wieder. Egozentrisches Bildmaterial. Warum nur. Was ist hier nun wieder schief gelaufen. Schreibt man das eigentlich auseinander? Oder doch zusammen? Nun wieder Rechtschreibreformen. Die unselige Majonäse wird abgeschafft. Gut so. Und andere ästhetische Unfälle. Apropos „ästhetische Unfälle“…. auch so ein Grund, die Kamera sinken zu lassen. Bei mir kann ich ja einiges steuern, aber die anderen. Styling matters. Size matters. Alles mögliche matters, auch wenn wir es aus demokratischer Sehnsucht oft schön fänden, wenn auch das Mittelmaß irgendwie geehrt würde, nicht nur respektiert. In was für einen Text schraube ich mich da wieder hinein. Schnitt. Cut. Ich komme zur Betitelung dieser Strecke, in der leider Gottes wieder nur ich zu sehen bin. Wissen Sie, wenn ich mich ablichte, mahnt mich niemand ab, erhalte ich keine Bitten, dieses oder jenes Bild bitte offline zu nehmen. Obgleich mir das extrem selten passiert, in Relation zum Volumen meiner Uploads. Aber wenn, bin ich doch ein bißchen angepisst, denn dann handelt es sich in aller Regel um Aufnahmen, die auch mit einem liebenden Auge betrachtet werden, nicht nur meinem allein. Befindlichkeiten von potenziellen Diven. Diva ist an sich ja keine Beleidigung sondern ein Status. Ein göttlicher Funken steckt in einer Diva. die potenziellen hätten gerne diesen Adel und eiern herum, meinen durch das Offline-Setzen einer Aufnahme, die keinem Puppen-Klischee entspricht, ihrem Weltrang zuzuarbeiten. Oh oh, ich verzettle mich schon wieder. So schön es ist, so schnell tippen zu können, wie die Gedanken einströmen, so fatal ist es für den Text. Aber ich liebe das ja. Das macht meine Texte für mich selbst sehr interessant und lesenswert. Nächster Anlauf. Da steht was von fête de la… nach den Pünktchen muss de la musique kommen. Wer mich kennt, weiß, dass mir Musik durchaus am Herzen liegt. Zutiefst. Zu allertiefst. Mehr geht nicht. Das ist dieser schöne Feiertag, an dem überall in der Stadt live gespielt wird, umsonst und draußen. Und drinnen. Aber ich war draußen verabredet. Am Tag vorher waren wir noch bei Ratzkes Show-Aufzeichnung, am 21. Juni, dem Tag der Fête galt es, sich zu entscheiden, was man sich anhört. Hans Rohe hatte mir eine Einladung zukommen lassen, der zu entnehmen war, dass er mit seiner Beat-Coverband „Berlin Beat Club“ am Marheinekeplatz auftreten würde. Ich hatte die Truppe noch nicht live erlebt, nur Videos gesehen. Ich fand es durchaus lustig und launig, dass die Musiker die Mode der Sechziger und Siebziger bei ihrem Bühnenoutfit ganz stark zitieren. Und zwar ohne Rücksicht auf Grenzen des sogenannten guten Geschmacks. Man konnte sich ja durchaus auch in den Sixties und Seventies modisch, trendbewusst aber doch elegant kleiden. Nicht so das Credo des Berlin Beat Clubs. Schlaghosen sind Pflicht, Geblümtes, Getupftes, psychedelisch Gebatiktes. Ja, schlimm. Aber eben gute Musiker. Das Programm sind die absolut größten Kracherhits aus den beiden genannten Jahrzehnten. Alles, was man kennt, eine Nummer Eins nach der anderen. Finde ich persönlich jetzt nicht den verkehrtesten Ansatz. Ich war mit Ina am Marheinekeplatz verabredet, wir hatten Sommerwetter, damals wars. Passend zum Programm wählte ich ein leicht hippieskes Outfit, das man sich durchaus auch an Anita Pallenberg hätte vorstellen können. Ein bodenlanges, rückenfreies Kleid in Siebziger Jahre-Brauntönen, exotischen Schmuck, sogar am Oberarm, Zehensandalen. Wobei ich das schon noch im Rahmen einer gewissen Eleganz betrieben habe, nach Karneval sollte es nicht aussehen. Unsere Verabredung, also die von Ina und mir ist ein bißchen zeitlich und örtlich verrutscht. Wir haben uns am Brunnen irgendwie verpasst und die eine dachte von der anderen, sie sei nicht da, dabei standen wir eine gute Dreiviertelstunde nur ein paar Meter voneinander entfernt. Die eine links vom Brunnen, die andere rechts davon. Es war voll, richtig voll. Und doch traf ich zufällig auf Christoph, der launig mitwippte. Bevor ich ihn traf, war ich ein bißchen in wieder-gehen-Stimmung, weil ich nicht weit genug vorne an der Bühne war und deshalb der Funke nicht sofort übersprang. Dazu kam das ältere Publikum, also meine Generation. Ähm. Den Satz sollte ich viellelicht lieber wieder löschen. Scheiß drauf! Ich haderte also eine Weile, hatte keine Lust Fotos zu machen und dachte daran, dass Maria mich eigentlich beschworen hatte, zum Café Butter im Prenzlauer Berg zu kommen, wo die Bolschewistische Kurkapelle mit Romy aufspielen würde. Die haben jetzt doch die Noten von meinem Vater! Vielleicht hätten sie schon „Es wird Nacht, Se­ño­ri­ta“ eingeübt und würden es spielen. Und ich bin nicht dabei. Ein Jammer! Das wäre bestimmt viel cooler, als hier am Marheinekeplatz, dachte ich. Schaute nach Ina, fand sie nicht, ärgerte mich ein bißchen. Christoph war so nett, Ina mit seinem Smartphone eine message zu schicken „bin am Brunnen, wo bist du???!!?“ Er hatte aber nicht richtig Netz, es dauerte ewig, das zu posten. Antwort kam keine. Dann holte ich mir endlich was zu trinken. Auf dem Rückweg von dem Getränkestand entdeckte ich plötzlich Ina, erhöht auf einem Stein am Brunnen stehen. Sie war später als ich gekommen und dachte, von da oben hätte sie den perfekten Überblick und würde mich entdecken. War nun nicht. Egal, wir hatten uns ja doch noch gefunden. Wir gingen zusammen zu Christoph, die beiden machten sich bekannt und quatschten, als ob sie sich schon seit zehn Jahren kennen. Sind ja beide sehr kommunikativ. Christoph war ein bißchen erkältet, also in den letzten Zügen der Rekonvaleszenz, und wollte sich schonen. Und ging tatsächlich als es noch hell war. Unglaublich. Ina und ich holten Getränkenachschub, mittlerweile war es so spät, dass wir die Kurkapelle sowieso verpasst hatten, die haben ja früher angefangen, als der Beat Club. Also hierbleiben und gucken, was abgeht. Die Meute wurde tanzwütiger und wir gingen ganz nach vorne zur Bühne. Entweder war es der Alkohol oder die einbrechende Dunkelheit oder die spürbaren Bässe vorne an der Bühne. Wir fingen an zu tanzen, als wären wir ein Teil der Bühnenshow. Das Lustige ist, dass man das merkt, wenn man beim Tanzen vom übrigen Publikum angeschaut wird. Ich muss irgendwas anderes als die anderen machen. Wenn ich tanze, kommt plötzlich so eine Rampensau in mir raus, die ich sonst unter Verschluss halte. Ina ist auch lustig, wenn sie in Stimmung ist, sie tanzt auch wie eine Wilde und hat dann noch so Anflüge von Groupie-Klischee-Verhalten. Also jetzt nicht die billige Sorte, sondern die Variante mit den Hüften zu wackeln und breit zu grinsen und Namen zu rufen. Ich kann es gar nicht recht beschreiben. Sie selber lacht darüber am meisten. Es war ein Fest. Plötzlich habe ich keine Sekunde mehr bereut, dass wir hier und nirgendwo sonst waren. Halb Kreuzberg hatte sich auf dem Marheinkeplatz versammelt und rockte zu sämtlichen Stones- und Doors- und Kinks- und weiß der Geier-Hits aus den guten alten Zeiten ab. Die Story, wie wir dann Inas Auto bis zum geht-nicht-mehr gesucht haben, breite ich jetzt aber nicht im Detail aus. Es hat gedauert. Irgendwann haben wir es gefunden und sind zur Wabe, wo auch was stattfinden sollte, fand ich aber nicht so aufregend, was da auf der Bühne von einem jungen Mann und einer jungen Frau geboten wurde. Beide sehr hip und sehr unkommunikativ. Das Gegenteil von dem, was der Berlin Beat Club kultiviert. Unvergessen sind mir auch die roten Lackschuhe vom Sänger und dem zweiten Gitarristen. Auch nicht fotografiert. Das sehe ich schon als Verlust, ich gestehe es ein. Da hätte ich wirklich mal die Kamera rausholen können. Nach dem kurzen Ausflug zur Wabe hatten wir Hunger und alle Küchen hatten zu, deswegen sind wir noch bei mir gelandet, wo ich immerhin was zu trinken und ein paar Nüsse anbieten konnte. Kochen wollte ich nun auch nicht mehr, zu später Stunde. Am nächsten Tag habe ich Ina einen Link mit einer Auswahl von Apps geschickt, wie man sein geparktes Auto wiederfindet. Als wir den Platz zig mal umrundeten, um
Inas Auto zu finden, wunderte sie sich, dass ich so ruhig blieb. Ich spürte, dass sie von der Situation total genervt war und sie tat mir leid. So ein irgendwo geparktes Auto findet sich doch irgenwann einmal wieder. Das ist doch kein Beinbruch. Hauptsache gesund…!

https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265

2 Antworten auf „03. Juli 2017

  1. Dressed for the occasion! Der Abend war bestimmt groovy, um im Sprachjahrzehnt zu bleiben. Ab und an muß man den Leuten ja zeigen, was abgeht, bei der Rechtschreibung oder auf knorke Partys. (Obwohl das Wort „knorke“ selbst als ironisches Zitat zu abgegriffen ist, wie ich schätze.) Um das Auto allerdings mache ich mir jetzt schon ein wenig Sorgen. Die Bilder von der großen Berliner Jahrhundertflut lassen schlimmes vermuten. Waren schon Taucher in der Spree?

  2. fb ~ 03.07.17 Christoph M.
    Sehr schönes Kleid und ich bin immer noch nicht ganz gesund… Der Rock n Roll ist ein Teufel;)

    Gaga Nielsen
    hast du diesen epischen Aufsatz so schnell gelesen? Ich bin beeindruckt!

    Christoph M.
    gelesen und verstanden;)

    Gaga Nielsen
    ich habe mich auch total angestrengt, nicht zu viele Fremdwörter zu benutzen!

    P.S. als Connaisseur meines literarischen Schaffens hast du sicher gesehen, dass dieser Erlebnisaufsatz im Blogeintrag von jeder Menge Bildchen umrahmt wird. Alle von meinem Kleid! Total abwechslungsreich!

    Christoph M.
    Natürlich. Und besonders gefallen mir dieses Mal die Farbfotos!

    Gaga Nielsen
    ich liebe deine Lese-Kompetenz!

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