Frau Nielsen & Herr Sobottka. Sehr unterschiedlicher Ansatz. (dirigiert nie / dirigiert gerne) Beim Ergebnis dann doch oft einer Meinung. Besonders, wenn es um andere Fotografen und deren Ergebnisse geht. Noch dazu beim Abgleich von hinzugezogenem Equipment, Aufwand und Logistik. Muss jeder für sich entscheiden. Das einzige, wo mir immer wieder mal nach Dirigieren wäre, ist die freie Sichtachse und die Wahl der Kleidung. Schwierig finde ich alles, was punktuelle Reflexe verursacht und damit an unerwünschter Stelle im Bild zum Hingucker wird. Schmuckanhänger, Brillengläser. Alles was zuviel von der Person verdeckt. Unförmige Kleidung, Unsinnig im Weg stehendes Zeug, das die freie Sichachse nimmt. Grüne Bierflaschen, 1,5-Liter-Wasser-Plastikflaschen, Mikro flächendeckend vorm Gesicht, unruhiger Hintergrund, schlimmstenfalls eine Fensterscheibe. Wer kennt sie nicht, diese Probleme. Der Künstler! Der hat andere Sorgen. Man sollte vielleicht doch ein wenig dirigieren. Zumindest, was das angeht. Ich versuche immer, mit der gegebenen Situation zurechtzukommen, das ist nicht immer einfach. Meine Befürchtung, wenn ich in die gegebenen Zustände eingreife, ist eine zu starke Irritation, und damit Befangenheit auszulösen, so leide ich still vor mich hin und ärgere mich im Nachhinein, dass ich rücksichtsvoller Höflichkeit halber, nichts unternommen habe. Ist aber auch schwierig. Das müsste im Grunde alles weit vorher geklärt werden. Ich meine Dinge wie Bühnenoutfit und Setting. Hin und wieder habe ich schon kurzerhand kleinere Bühnen geentert und Flaschen von Tischen auf den Boden verfrachtet, um nicht ständig den Flaschenhals von einem Becks oder weiß der Kuckuck vorm Objektiv zu haben. Aber man kann ja schlecht eine Minute vor dem Auftritt jemanden bitten, lieb gewonnene Accessoires abzulegen. Das fühlt sich schon sehr grenzüberschreitend an. Wobei ich ja noch die schlagenderen Argumente habe, ich denke immer an das Bild. Ich weiß genau, was da vorteilhaft oder unvorteilhaft wirkt. Muss ihn mal fragen, ob er schon mal jemanden bei einer öffentlichen Gelegenheit gebeten hat, für Bilder kurzfristig etwas an der Kleidung zu ändern. Ist ja schon übergriffig. Erzähl mal, Jan.

Eine Antwort auf „24. November 2016

  1. wobei mir gerade im Nachhinein dämmert, dass ich es in der Tat einmal (in Zahlen: 1) wagte, einem Musiker anzutragen – und zwar während des Auftritts (zwischen zwei Songs), doch bitte mal den Anorak auszuziehen. Herrje. Die Gruppe hieß ‚Erdmöbel‘ auch schon kein glücklich gewählter Bandname. Der Sänger, Markus Berges (ebenfalls Literat), erinnerte mich eigentlich nicht völlig uninteressant an Wolf Wondratschek. Rowohlt feierte Verlags-Jubiläum im LCB am Wannssee, beim jährlichen Sommerfest. Es war ein sehr warmer Sommerabend, ach was, eine heiße Sommernacht – die Gäste zeigten Haut, die Damen trugen zarte Fähnchen, die Nachtluft flirrte, und der gute Mann, Frontmann, Gitarrist, Sänger, zog es vor, sich in einem hochgeschlossenen roten Popeline-Anorak auf der Bühne zu präsentieren, als stünde unmittelbar ein Einsatz vom Technischen Hilfswerk bei Wind und Wetter im Krisengebiet bevor. Ich war der Kapelle in keinster Weise irgendwie verbunden, fand die Musik ganz ’nett‘ (äh ja, aber auch nicht mehr) und hätte gerne virilere Aufnahmen von ihm eingefangen. Gerne ein bißchen Hals, gerne ein bißchen Haut, whatever, daher mein investigativer Versuch. Aber man gab sich gepanzert. Abgesehen davon, dass der Anorak für sein doch gereifteres Erscheinungsbild zu jugendlich wirkte und darüberhinaus keinerlei Sex Appeal hatte, hatte ich seinerzeit auch nicht die Befürchtung, mir irgendeine Chance zu verspielen, da ich keine Aktien in der Richtung hatte, und winkte ihn zwischen zwei Songs am Bühnenrand zu mir, mit der Bitte, doch mal den Anorak auszuziehen, das würde einfach besser aussehen. Er sah mich an, als wollte ich ihm eine hochkomplizierte mathematische Formel erklären. Der Anorak blieb bis zum Ende an. Demzufolge gibt es auch nur drei Fotos von dem Mann. War ihm vermutlich auch herzlich wurst. Mir dann auch.

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