Neues Motto. Nebenmotto. „Mut zur Lücke“. „Go with the Flow“ und „Mut zur Lücke“. Ich bin gerade ganz stark am Überlegen, ob ich mir das Streichen vom Fensterrahmen vom Schlafzimmerfenster nicht schenke, so ein grelles Weiß würde da sowieso nicht passen, und stattdessen einfach mal gründlich schrubbe. Mit Seifenwasser und Topfreiniger den Film abwasche, so dass am Ende ein zart vergilbter aber blitzeblanker Fensterrahmen übrig bleibt. Die Scheibe würde ich natürlich auch putzen. Habe mir sogar unlängst Fensterreiniger geholt. Ein Wundermittel! Sogar hartnäckige Flecken verschwinden aus dem Teppich (außer Rost, leider). Man spritzt die blaue, durchsichtige Flüssigkeit auf die Scheibe, da ist so ein Zerstäuber dran, und wischt mit einem trockenen Tuch gleich hinterher. Ein- bis zweimal langt. Glasklar! Unglaublich. Ein Jammer, dass ich dieses Putzmittel nicht früher entdeckt habe. Da ist Fensterputzen ja gar nicht mehr so schlimm, wie die ganze tropfende Sauerei mit dem Wasser, wo am Ende dann doch immer Schlieren übrig bleiben. Ich hasse Fensterputzen! Aber mit so einem Reiniger – ein Kinderspiel! Ich könnte direkt dafür Reklame machen! Zum Beispiel könnte ich mit meiner neuen HD-Kamera und meinem neuen Ultra-HD-Computer einen schicken Werbefilm für Glasreiniger drehen! In meiner Wohnung natürlich. Den Film könnte ich dann auch gleich der Maklerin zur Verfügung stellen, dann sieht ihre Kundschaft gleich, wie die Wohnung – zumindest im Fensterbereich ausschaut – und dass ich ich stets für einen „gepflegten Zustand“ sorge, wie es ja schon im Exposé behauptet wird.
Heute nach dem Aufstehen habe ich noch vor meinem Termin bei der Hausärztin (die Auswertung von der Blutprobe und Impfung gegen Kinderlähmung und Diphterie) das kleine, quadratische Fenster im Bad geschrubbt und anschließend gestrichen. Also den ersten Anstrich. Idealerweise macht man ja drei. Zumindest bei der Farbe von Obi, die ich nehme. Aber ich belasse es jetzt bei zwei mal. Mut zur Lücke! Am oberen Rahmen sieht man ein bißchen die horizontalen Pinselstriche, da könnte man noch mal drüber. Aber so ein paar Unregelmäßigkeiten haben ja auch Charme. Das ist eben der „Human Touch“. An der Ecke habe ich auch ein bißchen an der Decke gepinselt. Sieht ein bißchen archaisch aus, weil das Weiß natürlich vom sehr gebrochenen nicht-mehr-Weiß von vor siebzehn Jahren, als das gestrichen wurde, ein bißchen absticht, obwohl ich mich um einen fließenden Übergang bemüht habe. Aber das ist praktisch gar nicht zu schaffen. Mut zur Lücke!
Dann war ich bei meiner Hausärztin im Ärztehaus am Rosenthaler Platz. Ich habe ihr gleich das „Screening“, auch so eine Standard-Untersuchung gegen Hautkrebs, ausgeredet, weil ich ja im letzten Juni, also 2013 meine ich, bei einer Hautärztin war, um was weglasern zu lassen, und da hat die mich ja wohl gründlich untersucht, gehe ich mal davon aus! Dann hat sie Blutdruck gemessen, 120 zu irgendwas, jedenfalls wohl total in Ordnung. Dann gab es in den rechten Oberarm die Kinderlähmungsimpfung und in den linken gegen Diphterie. Und Pflaster drauf. Und dann hat sie mir die Auswertung meiner Blutprobe berichtet. Schilddrüse einwandfrei. Blutzucker einwandfrei. Cholesterin einwandfrei. Kein Herzinfarktrisiko! Aber ich sollte mal darüber nachdenken, ob ich nicht vielleicht doch mal ein bißchen Sport machen wollte. Sie hat mich gefragt, ob ich irgendeinen Sport mache. Weil es mir etwas peinlich war, dass ich eben keinen handelsüblichen Sport treibe, wollte ich ihr weismachen, und eigentlich bin ich auch der Meinung, dass es sich dabei um eine kurze Sporteinheit handelt, dass es ja auch irgendwie Sport ist, wenn ich es morgens eilig habe, sehr zügig zur S-Bahn laufe. Und auch das Einkaufen immer zu Fuß erledige. Mit schweren Einkaufstüten. Hm. So ganz zufrieden war sie mit meiner Sportart nicht. „Nur ein bißchen mehr!“ Das wäre in meinem Alter wichtig, das empfiehlt auch die WHO! Ich glaube, sie hat bestimmt recht. Aber es ist wirklich so, dass ich gerne sehr lange Strecken bei meinen täglichen Besorgungen zu Fuß erledige. Und ich laufe ziemlich schnell! Oft sind die Touristen, gerade die händchenhaltenden Liebespärchen auf Urlaub am Hackeschen Markt, ein bißchen irritiert, habe ich so das Gefühl, dass ich ungefähr doppelt so schnell da rum laufe. Also gut, das ist dann eben kein Sport. Mut zur Lücke! Aber sonst alles tipptopp. Jetzt mache ich mal eine längere Pause für heute, und faulenze. Habe ich mir eigentlich auch verdient.
P.S. da fällt mir noch ein: wo sie das mit der Schilddrüse gesagt hat, dass die einwandfreie Werte hat, musste ich ihr erzählen, dass mir ein Arzt, ein Facharzt für Schilddrüsenerkrankungen, als ich ungefähr 14 war und oft sehr müde, eine schwerwiegende Unterfunktion diagnostiziert hat und mir eröffnete, ich müsste bei dieser schweren Unterfunktion bis zum Ende meines Lebens (es hatte ja gerade erst angefangen und er sprach schon vom Ende) Hormone einnehmen, um das auszugleichen, sonst würde ich – und das sei so sicher wie das Amen in der Kirche – einen Kropf kriegen. Ich habe dann brav ungefähr vier oder sechs Wochen L-Thyroxin Hennig oder so ähnlich, geschluckt und überhaupt keine Veränderung feststellen können. Dann habe ich eigenmächtig beschlossen, dass Tabletten, die keine Verbesserung meines Wohlbefindens erkennen lassen, eigentlich auch ungeschluckt bleiben können. Ich würde dann ja merken, wenn der angedrohte Kropf zu wachsen anfängt, das würde ich einfach todesmutig riskieren. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals Beschwerden in der Richtung bekommen hätte. Bis heute nicht. Und auch noch konnte ich mir nicht verkneifen, ihr mitzuteilen, dass ich mich besonders über die Cholesterin-Werte freue, da ich ausgesprochen viel Schlagsahne und Butter konsumiere. Glaube ich sowieso nicht dran, dass diese beiden hervorragenden Geschmacksträger mir schaden. Wenn der Fettpegel erreicht ist, höre ich schon von selber auf zu essen. Ansonsten übrigens falscher Wetterbericht für Berlin. Es war die letzten Tage immer wieder schön sonnig, nicht regnerisch. Gefilmt habe ich noch nicht mit der neuen Kamera, außer mal gleich nach dem Kauf einen Test. Ich kann mich nicht zerteilen! Sie wissen schon: Mut z. usw.
P.P.S. das ist der Fensterreiniger. Von Aldi, der blaue („Meeresfrisch“). „Leider liegen noch keine Nährwertangaben vor.“
Genau dasselbe hat mir der Arzt auch gesagt, als ich etwa 17 war: Bis zum Ende meines Lebens täglich eine Levothyroxin. Ich hab sie genau wie Sie nach einer Weile einfach abgesetzt. Später las ich in dem Buch „Bittere Pillen“ (1. Bd.) über Nebenwirkungen und finde es einfach unverantwortlich, sowas jemandem „bis an sein Lebensende“ zu verordnen.
Früher war ich ja beim Renovieren ziemlich perfektionistisch, aber inzwischen tendiere ich auch mehr zum Mut zur Lücke. Das Leben ist einfach zu kurz und seit ich fotografiere, haben sogar Unregelmäßigkeiten, Abnutzung und Fehler ihren Charme.
Ich glaube, wenn ich den Platz dafür hätte, wäre ich ebenfalls eine große Möbelrückerin. Ich träume davon, so eine große Wohnung mit einem Extra-Zimmer zu haben, daß ich alle zwei Jahre zum Beispiel mit dem Schlafzimmer umziehen oder ein spezielles Zimmer neu einrichten kann. Doch in meiner kleinen Wohnung ist dies ausgeschlossen. Hier ist jedes Möbelstück für seinen Platz sozusagen millimetergenau ausgemessen und ausgesucht worden.
Das Möbelrücken dient bei mir hauptsächlich der Prokrastination! Wiki: „Drei Kriterien müssen erfüllt sein, damit ein Verhalten als Prokrastination eingestuft werden kann: Kontraproduktivität, mangelnde Notwendigkeit und Verzögerung.“ Nur der erste Punkt ist beim Möbelrücken nicht erfüllt – denn ich schaffe ja was, was ich gut finde. Nur das, was dringend anliegt, schaffe ich erstmal nicht, nämlich diese blöde St…., wie heißt das Ding? Stolperstein? Aber ich räume mir ja nur den Weg frei, dann schaffe ich das auch. Nur etwas später halt. Wenn meine Konzentration es zulässt.
Ganz genau deshalb habe ich mir solche Arbeiten zwecks Prokrastination ausgesucht: Statt sinnloser Tätigkeiten arbeite ich Dinge ab, die ich sowieso vorhabe! Manche springen halt auch erst in dem Moment ins Auge, wo sie „gebraucht“ werden, um das Aufzuschiebende aufschieben zu können.
Was Sie zum „Go with the flow“ schreiben, trifft genau den Punkt. Habe neulich mitten in der Nacht einen Schrank aufgebaut. Der Vollmond machte es möglich.