Da bin ich wieder. Ich habe eine interessante Beobachtung gemacht. Es ist im Bereich des Vorstellbaren für mich, wieder häufiger unter Leute zu gehen. Das ist ein bißchen kurz gekommen, in den letzten vier Jahren. Wenn man eine knallharte Analyse machen würde, in der man zum Beispiel die Zeitspanne der Jahre 2007 bis 2009 mit der Zeitspanne der Jahre 2011 bis 2013 im Hinblick auf meine Teilhabe an gesellschaftlichen Zusammenkünften prozentual vergleichen würde, käme man wahrscheinlich auf eine Einbuße von 90 – 97 Prozent. Alleine mit der letzten Woche habe ich mich für das Jahr 2014 bereits um mindestens zwei Prozent gesteigert, und damit die Einbuße um denselben Prozentsatz für das Geschäftsjahr 2014 verringern können. Ich möchte die ganze Sache allerdings gewinnorientierter angehen, damit die Bilanz zu Jahresende endlich wieder ein ordentliches Plus aufweist, das eine Erweiterung der Gesamt-Aktivitäten für die Geschäftsjahre 2015 bis 2016 erlaubt. Eventuell werde ich sogar den Weltmarkt anpeilen. Man könnte auch mal die eine oder andere Abendgesellschaft in Hollywood oder New York in Betracht ziehen. Man muss auch einfach mal über den Tellerrand schauen und sich für die Nachbarn interessieren. Am Donnerstag gibt es einen interessanten Vortrag in einem Westbezirk. Ich habe da keine Berührungsängste. Ich bin ja selber aus dem Westen, wenn jetzt auch seit fünfzehn Jahren in Ostberlin ansässig, die dreizehn Jahre vorher war ich auf Tournee in Westberlin, angefangen mit der Argentinischen Allee in Zehlendorf, dann kam die Prinzessinnenstraße in Kreuzberg, allerdings nur ein zweimonatiges Intermezzo, dann wieder zurück in die Argentinische Allee, dann meine erste eigene Wohnung in der Leberstraße in Schöneberg, erst ein paar Jahre im Erdgeschoss, dann im selben Haus zwei weitere Jahre eine Etage höher. Dann folgten sieben Jahre Wilmersdorf, allerdings sehr im Süden, schon fast am Südwestkorso, in der Wetzlarer Straße, neben dem Ludwig-Barnay-Platz. Das war mir dann doch zu ruhig. Ab nach Mitte. Und nun also immer noch hier. Vorhin war im RBB eine Dokumentation über Mitte und gerade mein Ecke dran. Komisch, wenn man gerade in der Auguststraße sitzt und im Fernseher Häuser abgebildet sind, auf die man aus dem Fenster guckt. Sie hatten es gerade von Clärchens Ballhaus und alte Aufnahmen von der Ecke Tucholskystraße wurden gezeigt, alte Schwarzweiß-Fotos aus der Zeit vor der Wende. Dann habe ich eine Mail wegen Post an mich gekriegt, also der Anschrift, weil es da immer mal eine kleine Verwirrung gibt, weil ich dauernd von der Auguststraße rede, aber in meiner Mailsignatur Joachimstraße steht. Dann habe ich erklärt, dass das doch ein Eckhaus ist, wo ich wohne, und die Fenster von meiner Wohnung und der Balkon zu Auguststraße gucken und die Haustür aber auf der Seite von der Joachimstraße eingebaut ist. Das Haus hat auch zur Auguststraße eine Hausnummer, aber keine Briefkästen und Klingeln. So ist es eben mit so einem Eckhaus! Der Bauherr muss sich entscheiden, wo er die Haustür einbaut und die Briefkästen und Klingeln anbringt. Und das ist dann eben die Adresse. So, nun wissen alle Bescheid. Und mein armes kleines verwaistes Atelier ist wieder woanders, nämlich in der Schierker Straße in Neukölln. Aber da bin ich doch nie, also zur Zeit, auch weil die U 8 seit Monaten zwischen Boddinstraße und Leinestraße unterbrochen ist, weil im U-Bahnhof renoviert wird. Bis Sommer angeblich. Was ist Sommer? 21. Juni? 20. September? Na jedenfalls – es dauert noch. Deswegen mir da bloß nichts hinschicken! Bestimmt ist der Briefkasten schon wieder total vollgestopft. Aber wenn ich hin will, muss ich mit dem Schienenersatzverkehr, also dem Bus fahren und umsteigen. Alles umständlich! Jetzt trinke ich noch was. Ich sage aber nicht was, das wirkt sonst gleich wieder, als hätte ich ein latentes Alkoholproblem, weil die meisten Leute keine härteren Sachen trinken und sich nicht vorstellen können, dass es sich dabei um ein gepflegtes Ritual wie eben ein gutes Glas Wein handeln kann. Dabei trinke ich sehr gemäßigt! Seit vier Tagen sogar überhaupt keinen Wein mehr. Ist wieder mal so ein Test. Leider bekommt mir das sehr gut. Ärgerlich. Ich mag ja solche Trinkrituale. Wenn ich also jetzt wieder gesellschaftlich aktiver werden würde, brächte das bestimmt auch wieder häufigeres Trinken von nicht alkoholfreien Getränken mit sich. Obwohl ich ja neulich den Mittwoch, wo ich so verkatert war (ja, ich habe es nun schon mehrfach erwähnt, daran sieht man auch, so oft kann es nicht passieren, sonst wäre er mir nicht so erwähnenswert) nur Wasser getrunken habe. Wie lustig wäre der Abend erst geworden, wernn ich mir alles noch schöner getrunken hätte! Dabei war es so auch schon recht amüsant. Aber nichts, das sich nicht noch steigern ließe! Also, jetzt habe ich die Kurve zum Eingangsthema wieder gekriegt: Zweitausendvierzehn wird das Jahr, in dem Gaga Nielsen ab und zu Leute treffen wird und vielleicht sogar mit manchen sprechen! Ich berichte dann jedenfalls. Fortsetzung folgt.

4 Antworten auf „25. Februar 2014

  1. Hauptsache, man hat das Gefühl, man hat es noch einigermaßen selber in der Hand! Das war in meinem Fall komplett freiwillig, mit diesem klösterlichen Dasein. Na gut – ganz werde ich es nie aufgeben, weil ich schon eine arge Eigenbrötlerin bin, die nach jeder Zusammenkunft eine ungefähr genauso bis doppelt so lange Regenerationsphase zur Verarbeitung der Eindrücke braucht, aber von nahezu Null auf – sagen wir mal – 30 bis 40, das wäre schon eine ordentliche Dynamik. Ich denke, ich brauche einfach mal wieder Tapetenwechsel. Nichts gegen Bloggen, aber da ich nicht skype (und es auch nicht möchte), sieht der Monitor einen schon ein wenig leblos an. Wobei ich es aber auch an meinen Kommentar- und Mail-Aktivitäten ablesen kann. Von allem ein bißchen mehr. Ich beobachte mich da auch so ein bißchen wie ein Ornithologe. Eine Ornithologin meine ich natürlich. Mal gucken, was der komische Vogel als nächstes macht. Obwohl ich es natürlich selbst bestimme, orientiere ich mich an mysteriösen Impulsen, die mir so eingegeben werden. Hat glaube ich auch was mit körperlichem Wohlbefinden zu tun. Ich hoffe, denke, dass ich meine Empfindlichkeiten einigermaßen im Griff habe. Hängt ja alles irgendwie zusammen. Auch die Kontaktfreude.

  2. Weißt du Tinius, diese Rückzugsjahre bei mir waren schon auch von starkem inneren Erleben geleitet und geprägt. Da war viel los, was mich gedanklich und gefühlsmäßig dermaßen auf Trab hielt, innerlich, ich hätte gar keine Aufmerksamkeits- und Gefühlskapazitäten für etwas anderes gehabt. Daher weht bei mir auch der Wind. Jetzt habe ich mit ein paar Sachen Frieden gemacht und kann wieder in eine andere Richtung schauen. Neugierig und unbelastet.

  3. Ja, ich hatte auch vieles abzuhandeln, z.B., eine Krebserkrankung, daraus resultierend einige Entfremdungsprozesse – und immer wieder eines meiner Hauptthemen, das ich öffentlich nicht erörtern werde. Es gab allerdings niemals eine Vollendung oder auch nur Beendigung, abeer schon die Lust auf neue Menschen, Eindrücke. Daß das weder reibungs- noch verlustfrei abläuft, kann man meine n Texten entnehmen. Und es macht manchmal müde, egal ob nun die eigene psychische Konstellation oder allgemein „das Leben“ dafür verantwortlich sind. Ich denke, ich bin eine ziemlich seltene Mischung aus fast autistischer Introvertiertheit und dem Bedürfnis nach Gesellschaft und Selbstdarstellung. Und ich habe viele kleine Knöpfchen, die man drücken kann … ;)

  4. Ich muss gerade sehr, sehr schmunzeln, ja man könnte von lachen sprechen:

    „Ich denke, ich bin eine ziemlich seltene Mischung aus fast autistischer Introvertiertheit und dem Bedürfnis nach Gesellschaft und Selbstdarstellung.“

    Und zwar deshalb, weil ich glaube, du hast hier etwas postuliert, das sich wahrscheinlich 73 Prozent aller Befindlichkeitsblogger als Selbstdefinition vorstellen könnten. Also bei mir triffst du damit komplett ins Schwarze. Blogger sind immer an öffentlichkeitswirksamer Darstellung ihres „Selbst“ interessiert. Und das Geniale ist, man kann sich dabei zeitgleich komplett autistisch verhalten, wenn es um Interaktion geht. Es gibt keinen Interaktionszwang bzw. keine Interaktions-Nötigung wie in der, wie man gerne früher sagte, Kohlenstoffwelt. Man muss auf keinen direkten Blick reagieren, wenn man angeschaut wird. Man schaut einfach nicht zurück. In einer Bar oder einem Café ist das schon schwieriger. Man kann sich wunderbar verstecken, wenn einem danach ist, und sich wunderbar zeigen, wenn einem danach ist. Ich liebe es. Du bist ja ein paar wenige Jahre älter als ich und mit anderen Lebensherausforderungen konfrontiert, aber auch mit so vermeintlich hervorragenden Voraussetzungen sich in der Welt zu behaupten, wie manche von mir meinen würden, wird man vom Leben gebeutelt. Seelisch und körperlich. Und es gibt innere Wunden, die man auch nie vergisst, ganz heil wird man wohl nie, aber ich bin eine hoffnungslose Optimistin, auch wenn ich in mancher Hinsicht keine harten Fakten auf dem Tisch habe, die das rechtfertigen. Und dann wieder doch. Je älter ich werde, je größer die Verluste, je dichter die Einschläge kommen, umso mehr wächst meine Lebensliebe. Und das Selbstbedauern wird geringer. Gerade in Relation zu dem, was andere tragen müssen. Über vieles schreibe ich in diesem Blog nicht, nur andeutungsweise. Manchmal wünschte ich, ich könnte auf einem supersubtilen Weg ein paar Eckdaten vermitteln, ohne indiskret zu werden, aber ich weiß nicht wie. Es gibt Dinge, die ich nicht in einmal in privatesten Mails auszusprechen wage. Aber sie sind da. Und dann denke ich wieder: so ein dunkles Paket trägt wahrscheinlich auch jeder in der einen oder anderen Form mit sich herum. Ein guter Weg, eine gute Perspektive ist bestimmt, das eigene Leid nicht solitär zu betrachten, sondern in Relation. Das, was mir in meinem Leben bislang alles nicht geschenkt wurde, nicht zuteil wurde, vielleicht auch nicht mehr wird, wird in einer gewissen Weise auch aufgewogen durch andere Dinge, die mir im Übermaß zuteil wurden. Talente, mit denen ich mich selbst erfreuen kann. Sich selbst zu mögen, mit sich zurechtzukommen. Sich selbst ein guter Gefährte sein in diesem Leben. Andere zu amüsieren. Die Schönheit der Welt trotz all ihrer Unvollkommenheiten zu sehen. Dankbar.

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