3 Antworten auf „25. juni 2005

  1. ich besuche nicht die gräber von beliebigen berühmtheiten, sondern die gräber von menschen, die mir nah sind, mir etwas be- deutet haben. sowohl hildegard knef als auch helmut newton, marlene und ja wirklich, sogar harald juhnke bedeuten mir etwas. nico (‚christa päffgen‘) hat mir etwas bedeutet, mich berührt. ich gehe mit ungefähr derselben nähe an das grab von hildegard knef oder newton wie an das grab meines bruders. man kann sich einem menschen verbunden fühlen, ohne ihn je persönlich gesprochen zu haben, das werk und die ausstrahlung sprechen in vielfältiger hinsicht (sind das nicht binsenweisheiten – eigentlich?) hildegard knef hat mit ihren texten, ihrer stimme, ihrer musik einen weitaus tiefergehenden, bemerkens- werteren einfluss auf mich gehabt, als eine blutsverwandte tante. ich habe das einmal sehr ausführlich geschildert. sie ist teil einer sehr persönlichen ahnenreihe.

    mich treibt aber, abgesehen davon, noch viel mehr auf friedhöfe. ich sehne mich nach der abwesenheit von den geräuschen unserer zivilisation, ich suche die dort zu findende einsamkeit. ich mag die pflanzenvielfalt und den damit einhergehenden duft und zauber. ich liebe die patina und das pathos mancher gräber, die ergreifende schlichtheit anderer gräber, die geritzten findlinge. die zeitlosigkeit, die erkennbare unverfrorene sentimentalität in den stätten der ewigkeit.

    ich verstehe ‚berühmte leute anhimmeln‘ sehr gut. stellen sie sich einmal vor, sie lieben einen menschen und der ist zufällig auch noch in irgendweiner weise berühmt. das kann schließlich jedem passieren, oder? schmälert das die zuneigung? man sollte unterscheiden zwischen dem interesse an personen um ihrer öffentlichkeits- wirksamkeit willen und zwischen dem interesse an personen um dessen willen, was zu dieser berühmtheit geführt hat. ich finde, man sollte berühmte menschen nicht auf ihre berühmtheit reduzieren, sondern auf augenhöhe betrachten und das in einer angemessenen, umfassenden weise (soweit eben möglich). ich verehre gerne – auf augenhöhe, ohne fanatismus und hysterie. ich verehre bestimmte menschen, ungeachtet ihres ruhms, auch wenn dieser in einigen fällen mittel zum zweck der kenntnisnahme der existenz dieser person war. die liste der gräber von berühmtheiten, die von mir ignoriert werden, ist ungleich länger.

    mein verehrungsdrang macht auch vor völlig unberühmten menschen nicht halt. hier wie da ist die entscheidungsfindung vom instinkt geleitet, nicht von wirksamer publicity. ich bin in der lage, eine kreatur (mensch – tier – pflanze) innerhalb von zehntelsekunden einer begegnung, bis zu einem grad von verehrung sehr zu mögen. meine zu- und abneigungen entstehen schnell, bauchgesteuert, subjektiv und leidenschaftlich. wenn ich jemanden oder etwas liebe, tue ich das sehr gern und rigioros, dasgleiche gilt für den grad an verachtung, zu dem ich fähig bin. kultstätten der verachtung freilich besuche ich keine. die voodoopriester sind einfach zu weit weg ;-)

  2. der passt schon denn ich mag und verstehe die verrückten dieser erde, mich einge- schlossen. ich wüsste keinen namen, der das besser ausdrücken könnte. außerdem gefällt mir, dass kleinkinder diesen namen mühe- los ausprechen können. nicht selten das erste wort eines men- schlichen erdenbewohners. aber was rede ich – ich weiß schon, was sie mir damit sagen wollen. danke.

  3. nein, nicht böse es ist nur so formuliert gewesen, als sei grundsätzlich von einem interesse an den gräbern von bestimmten menschen, w e g e n ihres bekanntheitsgrades auszugehen. für mich sind das nicht nur orte der trauer, um so weniger, wenn jemand sein leben gelebt hat. ich stehe da nicht erschüttert davor, sondern eher angenehm angerührt. ich werde an solchen orten sehr ruhig und entspannt.

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