30. September 2012



Jetzt geht hier aber die Luzie ab! Gaga Nielsen vom Dingsbums Indianapolis Racing Team! Motorsport ist ganz mein Ding. Ich habe zwar keinen Führerschein, wie der Nicht-Ostdeutsche die Fahrerlaubnis gerne bezeichnet, aber so ein rasanter Rennwagen würde mir sicher gut stehen. Ich sehe das mehr als Accessoire, wenn Sie mich verstehen. Nichtsdestoweniger habe ich als Kind mit meinem Bruder gerne Matchbox-Autos, und auch billige ohne Markennamen, rasant durch unsere orange Plastik-Looping-Bahn gejagt. Außerdem hatten wir einen schwarz-gelben, ferngesteuerten Porsche mit Batterieantrieb und aufklappbaren Türen und allem. Autos finde ich immer dann super, wenn sie super ausschauen und gut klingen. Der Sound ist wichtig! Angenehm ist es zum Beispiel, in einem Jeep zu fahren, man sitzt so leicht erhöht, King of the Road! Ich hatte ja in den Achtzigern mal einen Liebhaber, der einen dunkelroten Jeep hatte, damit über den Kudamm zu fahren, besonders an einem schönen Sommertag oder in einer lauen Sommernacht war nicht von schlechten Eltern. Alle anderen Männer, mit denen ich zu tun hatte, hatten vergleichsweise unerwähnenswerte Autos. Viele auch gar keins. Egal. Dass ich mich gerne im Taxi herumkutschieren lasse, habe ich ja neulich schon mal erwähnt. Aber ich praktiziere es zur Zeit leider überhaupt nicht. Bei Mercedes gefällt mir dieses Stabile, diese satte, leise Brummen beim Fahren und wenn die Tür so schön schwer ins Schloss fällt. Beim Fahren ist es auch so schön abgefedert, dass man eigentlich mehr gleitet. Es wackelt nicht so wie in anderen Autos! Sage ich mal als Laie. Laiin. Laiin? Sieht ja komisch aus das Wort, so geschrieben. Einen Mercedes würde ich für mich persönlich aber nicht haben wollten, außer mit Chauffeur, wo ich dann immer hinten sitze, wie die Kanzlerin. Ich habe keinen Führerschein, weil mein Bruder das Geld, das ich dafür auf einem Sparkonto hatte, damals gerade besser brauchen konnte, das heißt, ich hab es ihm geschenkt, für eine Gesangsanlage für seine Band. Ich habe es auch nie bereut. Dann war das Geld alle und alle anderen hatten einen Führerschein nur ich nicht. Ich habe aber auch nie ein Problem damit gehabt. Ich bin noch überall hingekommen, wo ich wollte, auch nach Amerika zu den Indianern! Und wenn ich wollte, könnte ich auch zum Mond fliegen, ganz ohne Führerschein. Ich müsste es nur genug wollen! Ich fände es aber schon irgendwie auch toll und schick, wenn ich Autofahren könnte, aber eigentlich habe ich hier überhaupt keinen Bedarf, mir mitten in der Stadt ein Auto zu halten. Wie die Leute immer über die Parkplatzssuche jammern und beim Fahren fluchen. Dann die Versicherung und die Reparaturen, irgendwas ist immer! Das ist nicht schön. Aber mal so hollywoodfilmmäßig über den Küsten-Highway nach Big Sur zu düsen, das könnte mir schon gefallen. Allerdings im Leihwagen ohne Fahrpraxis im Alltag, das scheint mir etwas verantwortungslos. Ich habe auch ein bißchen Angst vor dem Autofahren im Stadtverkehr und weil mein Bruder gegen einen Baum gefahren ist. Seitdem hat er keine Verwendung mehr für die blöde Gesangsanlage. Tja. Im Himmel braucht man keine Gesangsanlage. Und auch keinen Führerschein. Er ist beim Fahren eingeschlafen, übermüdet. Davon habe ich ja schon oft erzählt. Na ja, lange her. Aber ich will ja alt werden. Das kann ich mir ja alles noch überlegen. Ich würde mir auf jeden Fall ein schwarzes Auto holen, egal ob Jeep oder Jaguar oder Ford. Ford fällt mir ein, weil es in den Siebzigern eigentlich ganz schnittige Modelle gab. Die neueren aber nicht, auf keinen Fall! Oder ’n alten Cadillac. Cadillac Eldorado! So ungefähr, grob die Richtung. Ach, ich weiß auch nicht, ich kenne mich da nicht aus, aber es müsste schon was Schnittiges sein, mit rasanter Silhouette. Oder eben ein Jeep. Obwohl außer in Schwarz könnte ich mir auch noch so einen original Armee-Jeep, in so Wüsten-Beige vorstellen. Der macht auch was her! Oder mit Tarnmuster. Oder mit Zebrastreifenmuster. Das sieht auch sehr gut aus und passt zu meiner Küche. So, mein allererster Auto-Blogeintrag. Und womöglich auch mein allerletzter!

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=121499

30. September 2012



Jetzt geht hier aber die Luzie ab! Gaga Nielsen vom Dingsbums Indianapolis Racing Team! Motorsport ist ganz mein Ding. Ich habe zwar keinen Führerschein, wie der Nicht-Ostdeutsche die Fahrerlaubnis gerne bezeichnet, aber so ein rasanter Rennwagen würde mir sicher gut stehen. Ich sehe das mehr als Accessoire, wenn Sie mich verstehen. Nichtsdestoweniger habe ich als Kind mit meinem Bruder gerne Matchbox-Autos, und auch billige ohne Markennamen, rasant durch unsere orange Plastik-Looping-Bahn gejagt. Außerdem hatten wir einen schwarz-gelben, ferngesteuerten Porsche mit Batterieantrieb und aufklappbaren Türen und allem. Autos finde ich immer dann super, wenn sie super ausschauen und gut klingen. Der Sound ist wichtig! Angenehm ist es zum Beispiel, in einem Jeep zu fahren, man sitzt so leicht erhöht, King of the Road! Ich hatte ja in den Achtzigern mal einen Liebhaber, der einen dunkelroten Jeep hatte, damit über den Kudamm zu fahren, besonders an einem schönen Sommertag oder in einer lauen Sommernacht war nicht von schlechten Eltern. Alle anderen Männer, mit denen ich zu tun hatte, hatten vergleichsweise unerwähnenswerte Autos. Viele auch gar keins. Egal. Dass ich mich gerne im Taxi herumkutschieren lasse, habe ich ja neulich schon mal erwähnt. Aber ich praktiziere es zur Zeit leider überhaupt nicht. Bei Mercedes gefällt mir dieses Stabile, diese satte, leise Brummen beim Fahren und wenn die Tür so schön schwer ins Schloss fällt. Beim Fahren ist es auch so schön abgefedert, dass man eigentlich mehr gleitet. Es wackelt nicht so wie in anderen Autos! Sage ich mal als Laie. Laiin. Laiin? Sieht ja komisch aus das Wort, so geschrieben. Einen Mercedes würde ich für mich persönlich aber nicht haben wollten, außer mit Chauffeur, wo ich dann immer hinten sitze, wie die Kanzlerin. Ich habe keinen Führerschein, weil mein Bruder das Geld, das ich dafür auf einem Sparkonto hatte, damals gerade besser brauchen konnte, das heißt, ich hab es ihm geschenkt, für eine Gesangsanlage für seine Band. Ich habe es auch nie bereut. Dann war das Geld alle und alle anderen hatten einen Führerschein nur ich nicht. Ich habe aber auch nie ein Problem damit gehabt. Ich bin noch überall hingekommen, wo ich wollte, auch nach Amerika zu den Indianern! Und wenn ich wollte, könnte ich auch zum Mond fliegen, ganz ohne Führerschein. Ich müsste es nur genug wollen! Ich fände es aber schon irgendwie auch toll und schick, wenn ich Autofahren könnte, aber eigentlich habe ich hier überhaupt keinen Bedarf, mir mitten in der Stadt ein Auto zu halten. Wie die Leute immer über die Parkplatzssuche jammern und beim Fahren fluchen. Dann die Versicherung und die Reparaturen, irgendwas ist immer! Das ist nicht schön. Aber mal so hollywoodfilmmäßig über den Küsten-Highway nach Big Sur zu düsen, das könnte mir schon gefallen. Allerdings im Leihwagen ohne Fahrpraxis im Alltag, das scheint mir etwas verantwortungslos. Ich habe auch ein bißchen Angst vor dem Autofahren im Stadtverkehr und weil mein Bruder gegen einen Baum gefahren ist. Seitdem hat er keine Verwendung mehr für die blöde Gesangsanlage. Tja. Im Himmel braucht man keine Gesangsanlage. Und auch keinen Führerschein. Er ist beim Fahren eingeschlafen, übermüdet. Davon habe ich ja schon oft erzählt. Na ja, lange her. Aber ich will ja alt werden. Das kann ich mir ja alles noch überlegen. Ich würde mir auf jeden Fall ein schwarzes Auto holen, egal ob Jeep oder Jaguar oder Ford. Ford fällt mir ein, weil es in den Siebzigern eigentlich ganz schnittige Modelle gab. Die neueren aber nicht, auf keinen Fall! Oder ’n alten Cadillac. Cadillac Eldorado! So ungefähr, grob die Richtung. Ach, ich weiß auch nicht, ich kenne mich da nicht aus, aber es müsste schon was Schnittiges sein, mit rasanter Silhouette. Oder eben ein Jeep. Obwohl außer in Schwarz könnte ich mir auch noch so einen original Armee-Jeep, in so Wüsten-Beige vorstellen. Der macht auch was her! Oder mit Tarnmuster. Oder mit Zebrastreifenmuster. Das sieht auch sehr gut aus und passt zu meiner Küche. So, mein allererster Auto-Blogeintrag. Und womöglich auch mein allerletzter!

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30. September 2012


Jetzt aber mal wieder Pause mit der blauen Jacke. Was ich ja sehr liebe in der kalten Wettersaison, sind Baumwoll-Rollkragenpullover. Dunkelbraun, Schwarz, Dunkelrot. Ideal! Ich fürchte, es ist bald wieder so weit. Immer den Hals warmhalten. Ich habe ja so einen Giraffenhals, der besonders viel Angriffsfläche für Auskühlung bietet, da muss man immer dagegenarbeiten. Seit einer knappen Woche wickle ich mir immer etwas um den Hals, wenn ich morgens vor die Tür muss. Alles andere wäre viel zu gefährlich!
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30. September 2012


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Unspektakulär, bequem, authentisch. Aber authentisch ist ja bislang alles. Im Sinne von: „Wurden die Sachen tatsächlich mehrere Stunden getragen oder nur für das Bild übergeworfen?“ Noch! Heute habe ich geschummelt, heute am 30. September 2012. Wie ich mich kenne, werde ich es einfach zugeben, wenn dereinst die Bilder von heute drankommen und feierlich gepostet werden. Ich habe ein ganz seltsames Kleidungsstück, das ich bislang nur einmal in der Umkleidekabine angehabt habe. Schwarzweiß, mit so einer Art aufgenähten schwarz-weißen Schuppen, op-art-mäßig. Ich kann es gar nicht recht beschreiben, man muss es gesehen haben. Nur die Verkäuferin hat mich bisher damit gesehen. Das habe ich heute mal übergeworfen und dann recht bald wieder ausgezogen. Jetzt sitze ich hier und blogge in meinen unendlich oft fotografierten Schlaffiklamotten mit dem langärmligen schwarzen Charlie-Chaplin-Shirt und einer verwaschenen schwarzen Baumwollhose und flauschigen Socken.

29. September 2012


Einer geht noch. Ein Tag geht noch, ein Eintrag geht noch. Die Glimmer Twins singen Wild Horses. Früher konnte ich mir nie merken, ob es Wild Horses oder White Horses heißt. Da war ich noch zu klein, um zu wissen, dass White Horses poetisch irrelevanter Kleinmädchenkram gewesen wäre, und keine Hookline für einen Stones-Song. Ich lese übrigens gerade Life von Mr. Richards. Am Anfang langatmige Herkunftserläuterungen, die man aus Biographien so kennt, wo kommen Oma, Opa, Großtante und Großonkel her, wie haben sie sich kennengelernt, wer hat in welchem Steinbruch und in welcher Wäscherei gearbeitet (gähn, schnarch), schnell quergelesen. Ab der grundlegenden Begegnung mit Mickymaus wird es dann auch für mich interessant. Was für ein Arbeitstier, der gute Keith. Musik über alles. Übrigens war Radio Luxemburg der Radiosender für den jungen Keif, nicht etwa BFBS oder gar AFN, was man gerne so denkt, auf dem Kontinent.

Also gut, noch ein Tag heute hier, der wievielte? Zwölfter März. Ein Tag von vielen, an dem mir nach einem Lieblingsteil war, meinem Leopardenjäckchen aus Baumwoll-Viskose-Gemisch. Ich weiß nicht mehr, wo es das gab. Ich weiß nur, dass ich es so oft wie nur ganz wenige andere Kleidungsstücke getragen habe, seit vielen Jahren schon. Darunter eine bordeauxrote Seidenbluse, die man glatt(!) für gebügelt halten könnte, die aber – wie bereits beschämt gebeichtet – traditionell lediglich nass zum Trocknen aufgehängt, und am spitzen Kragen und an den Manschetten ein bißchen in Form gezupft wurde. Das möchte dann schon sein. Und eine mokkabraune Schweinsvelourslederhose. Auch ein dankbares Stück. Und zuguterletzt noch mein falsches, braunes Krokodil. Bei dem untersten Foto könnte man denken, ich trage einen Amy-Winehouse-Gedenk-Lidstrich, aber das täuscht! Eine Strähne hat sich keck im Augenwinkel verfangen. Ich finde das sieht lustig aus. Ein bißchen nach Zirkus. Ich übe aber weder Salto Mortale, noch Handstand, noch Flic Flac. Bis morgen in diesem Theater.

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29. September 2012


Sonnabend, zehnter März. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich an jenem Wochenende keinen Fuß vor die Tür gesetzt habe. Auch nicht am Sonntag. Das passiert öfter, als man denkt. Ich kenne eigentlich niemanden außer mir, der das so selbstverständlich macht. Für mich ist das ganz normal und auch sehr erholsam. Wenn die Sonne scheint, kriege ich es auch so mit und ein paar Strahlen ab. Die Tage verfliegen ohnehin so schnell, schon ist ein Tag vorbei und zu tun habe ich immer, langweilig ist mir nie, wenn ich alleine daheim bin. Eigentlich langweile ich mich überhaupt nur unter Leuten in einem geschlossenen Raum. Unterwegs auf den Straßen unter Fremden gibt es kein Problem, man muss ja kein Interesse vortäuschen. Alleine an einem einsamen Ort ist immer interessant und spannend, wenn der Ort noch nicht allzu bekannt ist. Ungestört etwas Neues erkunden, gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich bin furchtbar eigenbrötlerisch. Es ist so ausgeprägt, dass ich es niemandem erklären kann, ohne Befremden zu bemerken. Auch wenn es gar nicht ausgesprochen wird. Dabei bin ich in Gesellschaft, die ich interessant finde, ganz und gar kommunikativ und verbindlich und so weiter und so fort. Für die Dauer, die ich bestimme, dann ziehe ich mich zurück. Niemand käme auf die Idee, dass ich nur ein geringfügiges Interesse an Kontakten habe. Sogar small talk beherrsche ich so überzeugend, dass man mich für leutselig halten könnte. In dem Moment, wo ich das mache, ist es auch ernst gemeint. Nur wissen die Betreffenden meistens gar nicht, dass sie in den Genuss eines seltenen Erlebnisses kommen. Wahrscheinlich liegt mir Bloggen auch deswegen so, weil ich nicht gezwungen bin, zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kommunizieren oder überhaupt zu interagieren. Man zeigt nur, was man will und wann man will, wenn überhaupt. Sehr erholsam. Ich habe mich gerade angezogen, denn heute gehe ich vor die Tür. Aber nichts Spektakuläres. Nur ein bißchen Einkaufen, heute mal Richtung Heinrich-Heine-Str., weil ich in dem Dreh noch nie zum Einkaufen war. Wegen Abwechslung, Straßen entdecken.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=121499

26. September 2012


Der achte März. Heute – nein – gestern Abend ein schönes deutsches Wort in einem Brief an mich gelesen. Ich werde gebeten, einen Termin zur Inaugenscheinnahme zu vereinbaren. Das klingt ein bißchen nach Mondscheinspaziergang. Unerwartete Poesie! Mein kleiner Adlerhorst wird begutachtet, in Augenschein genommen. Um den Zustand für das Verkaufsangebot zu beurteilen. Ich habe den elften Oktober ausgesucht. Die werden Augen machen, bei der Inaugenscheinnahme. Vor lauter Villa Kunterbunt werden sie den Zustand gar nicht begreifen können. Pippi Langstrumpf würde wahrscheinlich auf dem Kleinen Onkel durch den Flur reiten, während die Inaugenscheinnahme von statten geht, mit Herrn Nilsson auf der Schulter, der die Augenscheinnahme mit lustigen Quieklauten aus Taka-Tuka-Land begleitet. Nur fünf Minuten soll es dauern. Gaga Nielsen, Herr Nilsson, Pippi und der Kleine Onkel sind schon mächtig gespannt!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

29. September 2012


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Sieht mir aus, als wäre die Sonne ein bißchen herausgekommen, an jenem Sonntag, Mitte März 2012. Aber nur ein bißchen. Der weiche, karierte Flanellponcho hat mich warm gehalten, mein liebstes Umhängetuch zum Herumgammeln. Ich habe noch ein paar andere, mit so aztekischen Tierfiguren drauf, Lamas und Vögel, auch schön weich, aber keiner so flauschig wie der dunkelblaue aus Flanell mit dem Schottenkaro. Man kann die Ponchos auch draußen anziehen, mache ich aber nicht so oft. Hier sieht man ein bißchen was von einem von den anderen. Mal gucken, vielleicht jetzt im Herbst wieder. Famous Blue Raincoat von Leonard Cohen passt auch sehr schön zum Herbst, fällt mir gerade auf. Lief gerade zufällig, als ich diesen Blogeintrag schrieb.

29. September 2012


Sonnabend, zehnter März. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich an jenem Wochenende keinen Fuß vor die Tür gesetzt habe. Auch nicht am Sonntag. Das passiert öfter, als man denkt. Ich kenne eigentlich niemanden außer mir, der das so selbstverständlich macht. Für mich ist das ganz normal und auch sehr erholsam. Wenn die Sonne scheint, kriege ich es auch so mit und ein paar Strahlen ab. Die Tage verfliegen ohnehin so schnell, schon ist ein Tag vorbei und zu tun habe ich immer, langweilig ist mir nie, wenn ich alleine daheim bin. Eigentlich langweile ich mich überhaupt nur unter Leuten in einem geschlossenen Raum. Unterwegs auf den Straßen unter Fremden gibt es kein Problem, man muss ja kein Interesse vortäuschen. Alleine an einem einsamen Ort ist immer interessant und spannend, wenn der Ort noch nicht allzu bekannt ist. Ungestört etwas Neues erkunden, gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich bin furchtbar eigenbrötlerisch. Es ist so ausgeprägt, dass ich es niemandem erklären kann, ohne Befremden zu bemerken. Auch wenn es gar nicht ausgesprochen wird. Dabei bin ich in Gesellschaft, die ich interessant finde, ganz und gar kommunikativ und verbindlich und so weiter und so fort. Für die Dauer, die ich bestimme, dann ziehe ich mich zurück. Niemand käme auf die Idee, dass ich nur ein geringfügiges Interesse an Kontakten habe. Sogar small talk beherrsche ich so überzeugend, dass man mich für leutselig halten könnte. In dem Moment, wo ich das mache, ist es auch ernst gemeint. Nur wissen die Betreffenden meistens gar nicht, dass sie in den Genuss eines seltenen Erlebnisses kommen. Wahrscheinlich liegt mir Bloggen auch deswegen so, weil ich nicht gezwungen bin, zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kommunizieren oder überhaupt zu interagieren. Man zeigt nur, was man will und wann man will, wenn überhaupt. Sehr erholsam. Ich habe mich gerade angezogen, denn heute gehe ich vor die Tür. Aber nichts Spektakuläres. Nur ein bißchen Einkaufen, heute mal Richtung Heinrich-Heine-Str., weil ich in dem Dreh noch nie zum Einkaufen war. Wegen Abwechslung, Straßen entdecken.
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26. September 2012

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Day after day. Da ist sie wieder die große Gaga Nielsen-Anziehpuppe. Erst wenn sie mich einmal angelacht hat, oder wenigstens ein kleines bißchen gelächelt, wenigstens innerlich, wird die Kamera wieder ausgeknipst, vorher nicht. Sie muss sich schon ein bißchen anstrengen! Von Nichts kommt: na, wer kennt die Antwort? Genau: Nichts. Fotomodell sein ist nun einmal eine Tätigkeit, die eine gewisse Disziplin erfordert. Gaga Nielsen hat sich für diese Teilzeit-Tätigkeit entschieden, also muss sie auch eine Mindest-Leistung erbringen. Als Lohn bekommt sie dann immer die Fotos gratis mit, die sie dann unbegrenzt in ihrem Blog herzeigen darf. Sie soll ja wohl bloggen. Keine Ahnung, wozu das gut sein soll, aber wenn es ihr Freude macht, nur zu! Morgen muss sie wieder pünktlich ran. Man merkt allerdings in letzter Zeit gewisse Ermüdungserscheinungen, was die Kombinationsfreude bei ihren Anziehsachen angeht. Das könnte demnächst dazu führen, dass das Modell gewechselt werden muss. Oder die Anziehsachen. Man muss den richtigen Zeitpunkt für den Absprung oder für einen Wechsel finden. Man könnte Gaga Nielsen anbieten, dass sie nach Ablauf des Kalenderjahres selbst entscheiden kann, ob sie ein Jahr noch voll machen will, dann ginge der Quatsch noch bis Mitte Februar Dreizehn, oder man lässt es elegant auslaufen.

Immer ein bißchen weniger, bis dann eben ganz Schluss ist. Muss man dann einfach sehen! Vielleicht kommt sie ja auch von selber drauf, dass es für den Leser auf Dauer doch etwas langweilig wird, sie hat neulich schon mal so eine Bemerkung gemacht. Aber so lange sich die Bilder verkaufen, wird die Sache durchgezogen! Sie soll sich nicht so anstellen. Andere wären froh, wenn sie die Möglichkeit hätten, siehe Germany’s next Topmodel! Die Nielsen soll mal schön die Füße still halten, sonst gibt es hier ganz schnell ein neues Topmodel, so schnell kann die gar nicht gucken! In ihrer Liga ist so einiges im Angebot. An attraktiven Senior-Models mangelt es hierzulande weiß Gott nicht. Senior-Model fängt übrigens ab 35 an, falls Sie es nicht wussten. Das ist das Mindest-Alter, um sich bei der berühmten Agentur für Senior-Models zu bewerben. Gaga Nielsen arbeitet also schon seit zwölf Jahren als Senior-Model. Noch ist sie gut im Geschäft, aber auch das kann sich sehr schnell ändern. Insofern ist natürlich zu wünschen, dass sie keine Allüren entwickelt, sie muss da etwas aufpassen. Wenn man ihr begegnet, bemerkt man schon nach kürzester Zeit gewisse Greta Garbo-Marotten. „I want to be alone“ etc.pp. Nun ja. Andererseits gibt ihr dieser eigenbrötlerische Charakter auch diese gewisse Aura, die sich nicht so recht durchschauen oder deuten lässt. Wenn man mit Gaga Nielsen ein Produkt bewirbt, gilt es automatisch irgendwie als geheimnisvoll und sophisticated. Das ist natürlich unheimlich gefragt und wertet so gut wie jedes Produkt auf. Außerdem ist sie immer pünktlich am Set und gut vorbereitet.
Nun, ich denke, ich werde weiter mit ihr arbeiten. Bis auf weiteres.

26. September 2012

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Day after day. Da ist sie wieder die große Gaga Nielsen-Anziehpuppe. Erst wenn sie mich einmal angelacht hat, oder wenigstens ein kleines bißchen gelächelt, wenigstens innerlich, wird die Kamera wieder ausgeknipst, vorher nicht. Sie muss sich schon ein bißchen anstrengen! Von Nichts kommt: na, wer kennt die Antwort? Genau: Nichts. Fotomodell sein ist nun einmal eine Tätigkeit, die eine gewisse Disziplin erfordert. Gaga Nielsen hat sich für diese Teilzeit-Tätigkeit entschieden, also muss sie auch eine Mindest-Leistung erbringen. Als Lohn bekommt sie dann immer die Fotos gratis mit, die sie dann unbegrenzt in ihrem Blog herzeigen darf. Sie soll ja wohl bloggen. Keine Ahnung, wozu das gut sein soll, aber wenn es ihr Freude macht, nur zu! Morgen muss sie wieder pünktlich ran. Man merkt allerdings in letzter Zeit gewisse Ermüdungserscheinungen, was die Kombinationsfreude bei ihren Anziehsachen angeht. Das könnte demnächst dazu führen, dass das Modell gewechselt werden muss. Oder die Anziehsachen. Man muss den richtigen Zeitpunkt für den Absprung oder für einen Wechsel finden. Man könnte Gaga Nielsen anbieten, dass sie nach Ablauf des Kalenderjahres selbst entscheiden kann, ob sie ein Jahr noch voll machen will, dann ginge der Quatsch noch bis Mitte Februar Dreizehn, oder man lässt es elegant auslaufen.

Immer ein bißchen weniger, bis dann eben ganz Schluss ist. Muss man dann einfach sehen! Vielleicht kommt sie ja auch von selber drauf, dass es für den Leser auf Dauer doch etwas langweilig wird, sie hat neulich schon mal so eine Bemerkung gemacht. Aber so lange sich die Bilder verkaufen, wird die Sache durchgezogen! Sie soll sich nicht so anstellen. Andere wären froh, wenn sie die Möglichkeit hätten, siehe Germany’s next Topmodel! Die Nielsen soll mal schön die Füße still halten, sonst gibt es hier ganz schnell ein neues Topmodel, so schnell kann die gar nicht gucken! In ihrer Liga ist so einiges im Angebot. An attraktiven Senior-Models mangelt es hierzulande weiß Gott nicht. Senior-Model fängt übrigens ab 35 an, falls Sie es nicht wussten. Das ist das Mindest-Alter, um sich bei der berühmten Agentur für Senior-Models zu bewerben. Gaga Nielsen arbeitet also schon seit zwölf Jahren als Senior-Model. Noch ist sie gut im Geschäft, aber auch das kann sich sehr schnell ändern. Insofern ist natürlich zu wünschen, dass sie keine Allüren entwickelt, sie muss da etwas aufpassen. Wenn man ihr begegnet, bemerkt man schon nach kürzester Zeit gewisse Greta Garbo-Marotten. „I want to be alone“ etc.pp. Nun ja. Andererseits gibt ihr dieser eigenbrötlerische Charakter auch diese gewisse Aura, die sich nicht so recht durchschauen oder deuten lässt. Wenn man mit Gaga Nielsen ein Produkt bewirbt, gilt es automatisch irgendwie als geheimnisvoll und sophisticated. Das ist natürlich unheimlich gefragt und wertet so gut wie jedes Produkt auf. Außerdem ist sie immer pünktlich am Set und gut vorbereitet.
Nun, ich denke, ich werde weiter mit ihr arbeiten. Bis auf weiteres.

26. September 2012


Der achte März. Heute – nein – gestern Abend ein schönes deutsches Wort in einem Brief an mich gelesen. Ich werde gebeten, einen Termin zur Inaugenscheinnahme zu vereinbaren. Das klingt ein bißchen nach Mondscheinspaziergang. Unerwartete Poesie! Mein kleiner Adlerhorst wird begutachtet, in Augenschein genommen. Um den Zustand für das Verkaufsangebot zu beurteilen. Ich habe den elften Oktober ausgesucht. Die werden Augen machen, bei der Inaugenscheinnahme. Vor lauter Villa Kunterbunt werden sie den Zustand gar nicht begreifen können. Pippi Langstrumpf würde wahrscheinlich auf dem Kleinen Onkel durch den Flur reiten, während die Inaugenscheinnahme von statten geht, mit Herrn Nilsson auf der Schulter, der die Augenscheinnahme mit lustigen Quieklauten aus Taka-Tuka-Land begleitet. Nur fünf Minuten soll es dauern. Gaga Nielsen, Herr Nilsson, Pippi und der Kleine Onkel sind schon mächtig gespannt!
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24. September 2012


Heute nach ungefähr zwölf Jahren wieder eine Frau getroffen, mit der ich früher arbeitsmäßig zu tun hatte. Wir haben immer gerne miteinander geplaudert, um nicht zu sagen geblödelt. Mit einem gewissen Lauern im Ton fragt sie mich „Und? Inzwischen mal geheiratet?“ Ge-was? „Geheiratet?“ Ich merkte währenddessen, während mich das Befremden einholte, wie ich selbst von meinem Befremden befremdet bin. Warum verwundert mich die Frage so maßlos? Als wäre ich von einem anderen Stern, wo Heiraten nur einer ganz selten vorkommenden Spezies vorbehalten ist. Na ja, wie auch immer. Sie selber ist verheiratet, aber hat die eine oder andere Anmerkung gemacht, die ahnen lässt, dass das Gegenteil für Sie mit fortgeschrittenen Jahren auch nicht unerstrebenswert erscheint. Ich bin da ganz undogmatisch. Ich wollte schon zigmal heiraten. Also nicht praktisch, nur so romantisch-theoretisch angeträumt. Ist aber nie dazu gekommen. Ich habe es auch nie forciert, nie etwas in den Raum gestellt. So konkret war es dann letztlich auch nicht gemeint. Ich habe nach wie vor kein Dogma und kann mir sogar vorstellen, dass ich mich erst mit Hundert so weit fühle, wenn man eben denkt, es passt. Oder halt auch nicht.

Ganz bestimmt ist es eine meiner größten persönlichen Lebensleistungen, dass ich so viele tradierte, an mich gerichtete Erwartungshaltungen ohne Nachwehen abgeschüttelt habe. Bei anderen durchaus mit Wehen verbunden, tatsächlich am wenigsten bei mir. Was schreibe ich da nur. Aber so ist es. Am allerwenigsten beneide ich meine Mitmenschen um die engen Verstrickungen in traditionelle, familiäre Rituale, wenigstens nicht, wenn sie mir den Eindruck vermitteln, als sei das meiste daran eher lästig, ein Opferakt, um des lieben Friedens willen. Das Schwierigste ist, sich selbst begreiflich zu machen, dass man kein schlechtes Gewissen haben muss, nur weil man einen völlig andersartigen Lebensstil vorzieht, in dem kein Platz für gewisse ererbte Traditionen ist, weil das Leben eben sehr kurz ist. Nichts gegen althergebrachte Rituale, aber man muss einen Draht dazu haben, sich darin wiederfinden. Das lässt sich nicht erzwingen und nicht herbeibeten. Das schreibe ich, weil es viel mit mir zu tun hat.

Aber auch, weil ich es bei anderen spüre. Dieses Korsett. Drückende Stäbe über den Rippen, um den Brustkorb. Es ist völlig erlaubt, eigene Traditionen zu erfinden. Für sich selbst, man muss sie nicht einmal an Kinder weitergeben, nicht weitervererben. Man kann sie nur für sich kultivieren. Bloggen als Beispiel. Hauptsache, man hat das Gefühl, es ist eine Tradition, der man sich mit Leib und Seele gerne hingibt, ohne das Gefühl, Lebenszeit zu opfern, und: um sich dabei wenigstens in irgendeiner Form gesegnet zu fühlen. Ein Opfer sollte mit einem Gefühl des Segens an anderer Stelle – oder vielleicht sogar – besser noch – an derselben Stelle – verbunden sein, meine ich. Sonst ist es doch ganz unnütz, oder?
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24. September 2012


Heute nach ungefähr zwölf Jahren wieder eine Frau getroffen, mit der ich früher arbeitsmäßig zu tun hatte. Wir haben immer gerne miteinander geplaudert, um nicht zu sagen geblödelt. Mit einem gewissen Lauern im Ton fragt sie mich „Und? Inzwischen mal geheiratet?“ Ge-was? „Geheiratet?“ Ich merkte währenddessen, während mich das Befremden einholte, wie ich selbst von meinem Befremden befremdet bin. Warum verwundert mich die Frage so maßlos? Als wäre ich von einem anderen Stern, wo Heiraten nur einer ganz selten vorkommenden Spezies vorbehalten ist. Na ja, wie auch immer. Sie selber ist verheiratet, aber hat die eine oder andere Anmerkung gemacht, die ahnen lässt, dass das Gegenteil für Sie mit fortgeschrittenen Jahren auch nicht unerstrebenswert erscheint. Ich bin da ganz undogmatisch. Ich wollte schon zigmal heiraten. Also nicht praktisch, nur so romantisch-theoretisch angeträumt. Ist aber nie dazu gekommen. Ich habe es auch nie forciert, nie etwas in den Raum gestellt. So konkret war es dann letztlich auch nicht gemeint. Ich habe nach wie vor kein Dogma und kann mir sogar vorstellen, dass ich mich erst mit Hundert so weit fühle, wenn man eben denkt, es passt. Oder halt auch nicht.

Ganz bestimmt ist es eine meiner größten persönlichen Lebensleistungen, dass ich so viele tradierte, an mich gerichtete Erwartungshaltungen ohne Nachwehen abgeschüttelt habe. Bei anderen durchaus mit Wehen verbunden, tatsächlich am wenigsten bei mir. Was schreibe ich da nur. Aber so ist es. Am allerwenigsten beneide ich meine Mitmenschen um die engen Verstrickungen in traditionelle, familiäre Rituale, wenigstens nicht, wenn sie mir den Eindruck vermitteln, als sei das meiste daran eher lästig, ein Opferakt, um des lieben Friedens willen. Das Schwierigste ist, sich selbst begreiflich zu machen, dass man kein schlechtes Gewissen haben muss, nur weil man einen völlig andersartigen Lebensstil vorzieht, in dem kein Platz für gewisse ererbte Traditionen ist, weil das Leben eben sehr kurz ist. Nichts gegen althergebrachte Rituale, aber man muss einen Draht dazu haben, sich darin wiederfinden. Das lässt sich nicht erzwingen und nicht herbeibeten. Das schreibe ich, weil es viel mit mir zu tun hat.

Aber auch, weil ich es bei anderen spüre. Dieses Korsett. Drückende Stäbe über den Rippen, um den Brustkorb. Es ist völlig erlaubt, eigene Traditionen zu erfinden. Für sich selbst, man muss sie nicht einmal an Kinder weitergeben, nicht weitervererben. Man kann sie nur für sich kultivieren. Bloggen als Beispiel. Hauptsache, man hat das Gefühl, es ist eine Tradition, der man sich mit Leib und Seele gerne hingibt, ohne das Gefühl, Lebenszeit zu opfern, und: um sich dabei wenigstens in irgendeiner Form gesegnet zu fühlen. Ein Opfer sollte mit einem Gefühl des Segens an anderer Stelle – oder vielleicht sogar – besser noch – an derselben Stelle – verbunden sein, meine ich. Sonst ist es doch ganz unnütz, oder?
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23. September 2012

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Montag, 5. März 2012. Das sieht mir doch noch nicht nach Frühlingswetter aus. Den braunschwarzen Zebrafake-Rock hatte ich auch in schwarzweiß, daraus habe ich Bezüge für meine beiden Küchenstühle gemacht. Hier angucken. Jeden Tag erfreue ich mich daran! Müsste ich mal waschen, ist aber Gefrickel, die Bezüge von den Stühlen zu machen. Obwohl, jetzt wo ich es schreibe, nimmt es mich ein bißchen in die Pflicht. Ich möchte ja nicht als Schlamperliese dastehen. Ich bin sehr auf Reinlichkeit bedacht. Nur Bügeln kann ich nicht ausstehen, lieber hänge ich die Sachen klatschnass auf und zurre sie ein bißchen zurecht. So komme ich schon ein paar Jahrzehnte durchs Leben. Weiß gar nicht, wann ich zuletzt ein Bügeleisen benutzt habe. Ich hab eins, für absolute Notfälle. Wenn ich ein Teil aus dem Schrank ziehe, das blöde Falten hat, weil es unvorteilhaft gehangen hat, schmeiße ich es lieber in die Waschmaschine und hänge es dann klatschnass auf. Außerdem ist es dann frisch gewaschen, das fühlt sich immer super an. Ich hätte gerne jemand, der mir die Wäsche macht. Das wäre eigenlich so die einzige Dienstbarkeit, die ich gerne in Anspruch nehmen würde, aber ohne dass jemand zu mir heim kommt. Ich würde die Sachen in die Wäscherei bringen und tiptop geplättet abholen. Dann hätte ich vielmehr weiße gestärkte Blusen oder Hemden oder Hemdblusen. Hab ich auch, aber die könnten noch besser aussehen, wenn ich mich nur zum Bügeln durchringen könnte! Es ist ein Kreuz. So hat jeder sein Päckchen mit dem Haushalt zu tragen. Und Fenster putzen ist auch nicht meins. Ich darf gar nicht darüber nachdenken. Meine Putzanfälle stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit angekündigten Handwerkerbesuchen, Heizungsablesern oder von seltenen Freunden. Das halte ich allerdings auch für sehr effizient, da ich dann viel schneller staubsauge etc. als ich es sonst machen würde. Einfach ökonomischer! Auch hat es dann so eine Art Workout-Charakter, ich komme total ins Schwitzen. Nur meine Knie leiden dann immer ein bißchen, weil ich beim Staubsaugen immer auf den Knien rutsche. Ich staubsauge nämlich sehr gründlich, ganz ohne Düsenaufsatz, jeder Quadrat-Millimeter wird mit größtem Hochdruck bearbeitet. Dann ist aber auch wieder gut, für ein Weilchen. Wenn man das so supergründlich macht wie ich, muss man es auch nicht jede Woche machen, bin ich der Meinung!

23. September 2012

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Montag, 5. März 2012. Das sieht mir doch noch nicht nach Frühlingswetter aus. Den braunschwarzen Zebrafake-Rock hatte ich auch in schwarzweiß, daraus habe ich Bezüge für meine beiden Küchenstühle gemacht. Hier angucken. Jeden Tag erfreue ich mich daran! Müsste ich mal waschen, ist aber Gefrickel, die Bezüge von den Stühlen zu machen. Obwohl, jetzt wo ich es schreibe, nimmt es mich ein bißchen in die Pflicht. Ich möchte ja nicht als Schlamperliese dastehen. Ich bin sehr auf Reinlichkeit bedacht. Nur Bügeln kann ich nicht ausstehen, lieber hänge ich die Sachen klatschnass auf und zurre sie ein bißchen zurecht. So komme ich schon ein paar Jahrzehnte durchs Leben. Weiß gar nicht, wann ich zuletzt ein Bügeleisen benutzt habe. Ich hab eins, für absolute Notfälle. Wenn ich ein Teil aus dem Schrank ziehe, das blöde Falten hat, weil es unvorteilhaft gehangen hat, schmeiße ich es lieber in die Waschmaschine und hänge es dann klatschnass auf. Außerdem ist es dann frisch gewaschen, das fühlt sich immer super an. Ich hätte gerne jemand, der mir die Wäsche macht. Das wäre eigenlich so die einzige Dienstbarkeit, die ich gerne in Anspruch nehmen würde, aber ohne dass jemand zu mir heim kommt. Ich würde die Sachen in die Wäscherei bringen und tiptop geplättet abholen. Dann hätte ich vielmehr weiße gestärkte Blusen oder Hemden oder Hemdblusen. Hab ich auch, aber die könnten noch besser aussehen, wenn ich mich nur zum Bügeln durchringen könnte! Es ist ein Kreuz. So hat jeder sein Päckchen mit dem Haushalt zu tragen. Und Fenster putzen ist auch nicht meins. Ich darf gar nicht darüber nachdenken. Meine Putzanfälle stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit angekündigten Handwerkerbesuchen, Heizungsablesern oder von seltenen Freunden. Das halte ich allerdings auch für sehr effizient, da ich dann viel schneller staubsauge etc. als ich es sonst machen würde. Einfach ökonomischer! Auch hat es dann so eine Art Workout-Charakter, ich komme total ins Schwitzen. Nur meine Knie leiden dann immer ein bißchen, weil ich beim Staubsaugen immer auf den Knien rutsche. Ich staubsauge nämlich sehr gründlich, ganz ohne Düsenaufsatz, jeder Quadrat-Millimeter wird mit größtem Hochdruck bearbeitet. Dann ist aber auch wieder gut, für ein Weilchen. Wenn man das so supergründlich macht wie ich, muss man es auch nicht jede Woche machen, bin ich der Meinung!

23. September 2012


Ich meine, das wäre das letzte Mal gewesen, dass ich die Kamera auf die Sophienstraße gehalten habe. Für mich ist die Sophienstraße in den letzten Jahren eine Art autobiographischer Eckpfeiler geworden, genauso wie die Gipsstraße, die Rosenthaler, die Joachimstraße, die Linienstraße, die Auguststraße. Ich kann mich oft nicht mehr recht an Nebenstraßen erinnern, wo ich früher gewohnt habe. Manchmal vergesse ich sogar den Namen der Straße selbst, wenn es lange her ist, wie in Wilmersdorf. Eine Frau, die mich lange kennt, meinte letzte Woche, „Ah ja, ich erinnere mich, da hast du doch in der Rauenthaler Straße gewohnt.“ Ich war irritiert, weil ich überrascht war und dachte, ich könnte mich nicht recht erinnern und glaubte ihr dann, obwohl ich nicht ganz sicher war. Für mich hatte sie dann eben einfach recht. Jetzt erst, wo ich das schreibe, fällt mir ein, es war die Straße daneben oder eine Parallelstraße. In der Rauenthaler habe ich nie gewohnt, bin aber oft durchgelaufen. Na ja. Jedenfalls ist die Sophienstraße so ein fester Bestandteil meiner inneren Heimatlandkarte. Ich gehe schlafwandlerisch entlang, nehme nur beiläufig kleine Veränderungen wahr und bin meistens in Gedanken oder blinzle in die Sonne und denke daran, was der Tag wohl bringen wird, wenn ich morgens entlanglaufe. Für Touristen hat die Sophienstraße eine andere Bedeutung. Sie erschließen sich ein Stück altes Berlin, das sehr liebevoll saniert wurde und gehen spazieren, setzen sich ins Sophieneck, gucken auf die kleine Karte, wo genau nochmal die Synagoge ist. Solche Sachen. Im Dezember gibt es so einen hippiemäßigen Weihnachtsmarkt, der sich nur über die Sophienstraße erstreckt. Dann hängen große Sternlampions an Strippen über die Straße gespannt, das ist ganz putzig. Klein aber fein, wahrscheinlich der kleinste Weihnachtsmarkt von allen, ich kenne keinen kleineren. Diese Bilder vom vierten März sehen richtig herbstlich aus, denke ich gerade. Passt eigentlich ganz gut. Auch wenn wir heute in Berlin eine freundliche Spätsommersonne haben. Muß mal was zum Frühstück machen. Und noch mal Kaffee kochen. Habe eine große Tasse auf den graublauen Teppich gekippt. Was für ein Riesen-Fleck! Da schrubbt man eine ganze Weile. Die Tasse war randvoll. Mit ordentlich Kaffeesatz. Ich bin richtig ins Schwitzen gekommen beim Bearbeiten der Unglücksstelle. Also nochmal Kaffee kochen.
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22. September 2012

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Ich gehe vielleicht jeden zweiten oder dritten oder vierten Tag einmal durch die Rosenhöfe. Es ist eine neuere Passage mit vielen neuen Geschäften und ein paar Restaurants, die ein paar Hundert Meter weiter einen weiteren Zugang zu den Hackeschen Höfen gewährt, ebenfalls von der Rosenthaler Straße aus. Im Eingangsbereich von der Rosenthaler ist noch viel von der alten Bausubstanz erhalten, besonders die schöne verschnörkelte Treppe, die ich noch im alten Zustand kenne, als das heute vergoldete Schmiedeeisen noch schwarz war. Man hat einem sehr verspielten Architekten freie Hand gelassen. Selten sieht man sonst rosa Fassaden und bizarre Schnörkel. Ich mag diese Passage gerne. In dem Yoga-Studio war ich noch nie. Ich war überhaupt noch nie in einem Yoga-Studio oder einer Yoga-Stunde.

Ich habe einmal ein Video von Ralf Bauer gesehen, da macht er Yoga-Übungen auf einem Felsplateau auf Sardinien, glaube ich. Das hat allerdings weniger den Wunsch bei mir geweckt, in einer Gruppe, wie man es im Video sieht, Yoga-Übungen im Sonnenauf- oder untergang zu praktizieren, als vielmehr, einmal dort herumzuwandern, ohne Gruppe. Eine tolle Landschaft war das. Glattes Felsplateau mit unterschiedlichen Erhebungen, darunter das Meer. Ich kannte mal jemanden, den ich unregelmäßig getroffen habe und der aufgrund seiner offenkundigen Vergesslichkeit jedesmal den Impuls hatte, mich zu fragen, ob ich eigentlich Yoga machen würde. Oder meditieren? „Du wirkst so unglaublich entspannt, wie machst du das?“ Ich musste immer lachen. Meine Art der Meditation – für Fortgeschrittene! Aber das Angebot heutzutage, dass man es jederzeit spaßeshalber mal machen könnte, ist schon ganz super. Ich könnte mir ohne Weiteres vorstellen, dass ich durch die Rosenhöfe laufe und mir Gwyneth Paltrow in pinker Turnhose und rosa Yogamatte, nach ihrer Spirit-Yoga-Doppel-Stunde, über die verschnörkelte Treppe entgegenkommt. Das wäre absolut stimmig. Ich glaube in der Internet-Bunten steht heute, dass sie in letzter Zeit Depressionen hat und Therapie machen muss. Wahrscheinlich zusätzlich zum Yoga. Früher gab es in meinem näheren Bekanntenkreis zwei Menschen, die regelmäßig meditiert haben, so nach Gebrauchsanleitung. Man setzt sich auf so einen Puff, also so ein rundes, ausgestopftes Bodenkissen, gerne in einem Zentrum mit anderen oder im Schlafzimmer und dann wird nach Gongschlag innige Stille geübt und versucht, an nichts zu denken bzw. nicht zu denken und tief geatmet. Im Hier und Jetzt, wie es immer so schön heißt. Ich war einmal dabei, in so einem buddhistischen Zentrum.

Ich musste blöderweise vor lauter Konzentration auf Nichts und Stille und Atmen dauernd schlucken, mein Mund war ganz trocken und ich habe gehofft, dass die anderen mein Schlucken nicht hören und dann schlussfolgern, dass ich total unentspannt bin, was ich entgegen meiner sonstigen Verfassung auch war, und dass es recht bald vorbei ist. Selten war ich so verkrampft! Alle haben eine ähnlich unbequeme, zum Teil verknotete Sitzhaltung auf dem Boden eingenommen, das war mir schon zu reglementiert. Mir war einfach nur langweilig, obwohl ich mich noch nie mit mir alleine gelangweilt habe. Lieber wäre ich rücklings im Gras gelegen und hätte in die Wolken geguckt und an alles Mögliche gedacht, aber nicht zwanghaft an Nichts. Aber ich bin sowieso nicht die ideale Zielgruppe für buddhistische Rituale und diese ganzen religiösen Zeremonien mit festgelegten Abläufen. An Indien fasziniert mich zum Beispiel durchaus die Opulenz der Farben und Formen, die Kunstgeschichte, die Architektur, meinethalben noch das Kamasutra und ein bißchen Dichtkunst, aber die religiöse Sichtweise ist mir eher suspekt. Nicht falsch verstehen – jeder, wie es ihm gefällt – nur mich bitte nicht belehren oder bekehren wollen.

22. September 2012


Ikonographie. Ob ich regelmäßige Leser habe, die noch nie in Berlin waren? Das übersteigt gerade meine Vorstellungskraft. Bald könnten die Bilder von einem Oktobertag sein. Im März gab es noch keine Blätter an den Bäumen. Die Decken wurden immer noch mit auf die Stühle gepackt. Jetzt sind sie zurückgekehrt, für den Abend draußen. Wie oft mag ich über den Hackeschen Markt gelaufen sein, in den letzten dreizehn Jahren? Viele Tausend mal, an manchen Tagen mehrmals. Als ich von Wilmersdorf nach Mitte zog, war der Hackesche Markt noch nicht vollständig bebaut, da wo heute das Haus mit dem Lokal Ossena steht, gegenüber von den Hackeschen Höfen, war eine Brachfläche, eine wilde Wiese.

Jetzt ist alles fertig, es gibt keine unbebaute Ecke mehr, soweit ich es überblicke. Es ist gut geworden, ich kann keine erheblichen Bausünden feststellen. Die Fassaden-Reklame-Schilder der Hackeschen Höfe mit goldener Schrift auf schwarzem Grund haben mich von Anfang an erfreut. Alle Mieter haben ihren Schriftzug und ihr Logo farblich angepasst. Es sieht schön aus. Die farbliche Reduktion ist vielen Schriftzügen zuträglich. Sogar das Sparkassen-Logo wirkte auf einmal elegant. Die Sparkasse ist schon wieder ausgezogen, nach gegenüber, dort dürfen sie wieder in Rot-Weiß ihre Reklame machen, nicht so attraktiv. Ich bin aber trotzdem seit ewigen Zeiten mit meinem Konto dort. Der Geldautomat, und der Kontoauszugsdrucker, den ich am häufigsten besuche, ist in der Zweigstelle am Hackeschen Markt.

Ganz oft gehe ich zu Edeka in der Rosenthaler Straße. „Frank Budie“ steht dran, im blau-gelben Edeka-Schriftzug. Neulich hat mich die eine Kassiererin angesprochen, eine Hübsche, mit kurzen blonden Haaren, so um die Fünzig, dass sie mich schon lange nicht mehr gesehen hätte. Ich habe ihr von meiner Aldi-Sparaktion erzählt und dass ich aber jetzt draufgekommen bin, dass Edeka in dem „gut und günstig“-Sortiment preisgleiche Angebote hat, prima Eiscreme zum Beispiel, und dass ich jetzt wieder regelmäßig kommen werde. Sie hat sich gefreut! Ich finde das toll, wenn mir eine Kassiererin sagt, dass sie mich vermisst hat. Überhaupt sind die Kassiererinnen beim Frank Budie-Edeka unheimlich familiär.

Immer ein nettes Wort, eine kleine aufmunternde Bemerkung, irgendwas. So macht einkaufen Spaß! Bei Aldi erlebt man das nicht ganz so oft, auch wenn man Stammkunde ist. Nur neulich,

bei Aldi in der Brunnenstraße hat mich der junge Filial-Leiter, der auch manchmal selber kassiert, an der Kasse gefragt, ob ich nicht erst gestern da gewesen wäre und auch schon so viel Sahne-Kefir gekauft hätte. „Da müssen Sie mich wohl verwechseln – oder ich habe eine Doppelgängerin!“ Auf jeden Fall ist es sonst nicht so seine Art, solche Sachen zu sagen, aber ihm war wohl nach ein bißchen Kommunikation. Also auch sehr nett! Überhaupt kann ich mit den meisten Kassiererinnen und Kassierern recht gut, stelle ich fest. Es gibt selten ein Verständigungsproblem. Eine Berufsgruppe, die starke Nerven und viel Konzentration bei der Arbeit braucht, denke ich mir. Respekt! Am Hackeschen Markt ist auch die S-Bahnhaltestelle, die mir am nächsten ist und wo ich am öftesten einsteige. Die andere nächste wäre die S-Bahn-Haltestelle in der Tucholskystraße, „Oranienburger Str.“, da fahre ich aber nicht so oft. Und wenn ich mit der U-Bahn Richtung Süden muss, gehe ich zur Haltestelle Weinmeisterstraße, wenn ich nach Norden muß, direkt zum Rosenthaler Platz. So jetzt wissen alle Bescheid!
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20. September 2012


Wilfried Fitzenreiter hat die Mädchen gemacht. Die Füße gefallen mir. Und die Hände. Auch die anderen Körperteile. Der Gesichtsausdruck nicht so besonders, so ungefähr stelle ich mir Kohlhiesels Töchter vor. Nur aus einem bestimmten, hochkomplizierten Winkel sieht die Frau mit dem langen Zopf nicht rammdösig aus. Geradezu apart habe ich sie in der Nahaufnahme hingekriegt, erstaunlich. Vielleicht waren es ja erinnerte, frühere Geliebte des Bildhauers oder irgendwelche Mädchen aus der Nachbarschaft. Man weiß es nicht. Egal. Wobei eigentlich schon recht gewagt, wie sie da so nackig sitzen und mit den Beinen in die Spree baumeln und Richtung Dom gucken. Der Berliner Dom ist evangelisch. Weiß gar nicht, wie es die Evangelen so mit der Barbusigkeit in aller Öffentlichkeit halten. Meine Sache ist das ja nicht. Ich bin überhaupt recht prüde, wenn es um öffentliche Badeanstalten geht. FKK-Strände, Gruppenumkleidekabinen, Gruppenduschkabinen, Schwimmbad, Sportunterricht. Alles ganz schwierig. Unangenehme Kindheitserinnerungen. Die Blicke – – – Gleichaltriger, Älterer. Egal, Blicke. Verschämtes, vorgebliches Vorbeigeblicke. In einer öffentlichen Sauna wird man mich nie antreffen, außer ich wäre dort garantiert ganz alleine. Aber auch mit einer Freundin wollte ich nicht nackig in einer Sauna schwitzen. Schweiß, Körperflüssigkeiten, das ist mir alles zu intim, zu sexuell konnotiert. Nicht, dass mich die fremden Leute erregen würden, eher mit ihrer unwiderruflichen, entblößten Fleischigkeit mit Haut und Haar, massiv vom Eigentlichen ablenken. In der Fotografie kann ich mich dagegen durchaus für nackte Tatsachen in meisterlichem Licht begeistern. Da schaut nur einer in eine Richtung. Ich auf das Foto oder umgekehrt, kein Austausch, keine Hitzewallungen, keine verschwitzten Zwangsassoziationen, kein Gebaumel, keine Gerüche, keine Blicke, keine verlegenen Gespräche, sehr angenehm. Weiter am Ufer entlang. Unter der Brücke durch. Heim. Richtung Hackescher.
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17. September 2012


Noch einmal hin, jetzt wo die Kuppel aufhat, im März. So lange es Frost gibt, bleibt der Kuppelrundgang draußen unzugänglich, man könnte hinfallen und ausrutschen auf dem Eis, da oben. Ich bin schnell zum Ticketschalter im opulenten Treppenhaus, sieben Euro Domerhaltungsgebühr muss man entrichten. Dann dachte ich, weil ich erst zwei Wochen vorher da war, ich würde mich schon super auskennen und bin an den kurfürstlichen Sarkophagen vorbeigedüst und habe irgendwie den Treppenaufgang nicht mehr gefunden. Ein netter Aufpasser in Uniform, der ein bißchen wie Sidney Poitier ausgeschaut hat, war mir sehr behilflich. Er war zum Scherzen aufgelegt, ich weiß nicht mehr genau, was er alles an lustigen Sachen gesagt hat, aber ich habe mitgespielt und die passenden blödsinnigen Antworten gegeben, die er gerne haben wollte. Dann ist er ernst geworden und hat mich fest angeschaut und gemeint: „Sie haben etwas Wichtiges im Leben verstanden: Sie haben Lebensfreude – das spürt man!“ Oh ja, ich hatte Lebensfreude an dem Tag und habe sie noch. Mein Gefühl hier ist niemals: „Na ja, bin ich eben hier“ sondern immer „Dass ich hier sein darf! Danke, dass ich hier sein darf“. Als könnte mich jemals jemand wegschicken, weil ich es nicht genug verdiente, hier zu sein. Aber ich strenge mich stets an, ich mache mich verdient, wie man sieht. Schließlich muss ja irgendjemand, der hier wohnt und deswegen auch viel mehr Zeit dafür hat, ausgiebig auf die ganzen Kuppeln gehen, und schöne Fotos machen, ganz viele. Nicht bloß eins oder zwei sondern aus allen Winkeln. Deswegen hat es Gaga Nielsen auf jeden Fall verdient, hier zu sein. Ich werde mich auch immer weiter bemühen und Berlin niemals Schande machen, das verspreche ich. Außerdem will ich hier später einmal begraben sein, weil ich hier zuhause bin. Hier unten und auch ganz oben im Himmel, in den Lüften, weil ich auch ein bißchen wie ein Vogel bin.


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14. September 2012


Gott weiß, ich würde lieber andere Einträge schreiben! Tippe ich hier mit der halb geleerten Bordeauxflasche, auf Sichtachse linker Augenwinkel. Ah! Muss schon wieder schlafen. Ich finde, die Einträge hier müssten irgendwie wieder opulenter werden, spritziger, glamouröser. Ach ja, das wäre schön. Heute mit einem Herrn telefoniert, der mir vorab schrieb, per Mail. Manchmal würde man gerne Namen fallen lassen. Er klagte mir ein interessantes Leid, es hat mit dem Phänomen zu tun, dass aus seiner Perspektive uferlos viele junge, hochtalentierte Menschen in kreativen Berufen tätig werden wollen, sogar unbezahlt, aber ganz schwer jemand für den alltäglichen, verwaltenden Arbeitsanteil zu finden ist. Sehr interessant. Ich hätte gedacht, selbst darum reißen sich junge Menschen, die gerne was mit Film zu tun haben wollen. „Irgendwas mit Medien“. Der Herr betreibt eine nicht ganz erfolglose Filmproduktionsfirma. Immerhin war sein Anruf nicht ergebnislos. Vielleicht sollte ich mich mal bei ihm bewerben. Hatte eine angenehme Stimme. (…aber die Miete…)

14. September 2012


Gott weiß, ich würde lieber andere Einträge schreiben! Tippe ich hier mit der halb geleerten Bordeauxflasche, auf Sichtachse linker Augenwinkel. Ah! Muss schon wieder schlafen. Ich finde, die Einträge hier müssten irgendwie wieder opulenter werden, spritziger, glamouröser. Ach ja, das wäre schön. Heute mit einem Herrn telefoniert, der mir vorab schrieb, per Mail. Manchmal würde man gerne Namen fallen lassen. Er klagte mir ein interessantes Leid, es hat mit dem Phänomen zu tun, dass aus seiner Perspektive uferlos viele junge, hochtalentierte Menschen in kreativen Berufen tätig werden wollen, sogar unbezahlt, aber ganz schwer jemand für den alltäglichen, verwaltenden Arbeitsanteil zu finden ist. Sehr interessant. Ich hätte gedacht, selbst darum reißen sich junge Menschen, die gerne was mit Film zu tun haben wollen. „Irgendwas mit Medien“. Der Herr betreibt eine nicht ganz erfolglose Filmproduktionsfirma. Immerhin war sein Anruf nicht ergebnislos. Vielleicht sollte ich mich mal bei ihm bewerben. Hatte eine angenehme Stimme. (…aber die Miete…)

10. September 2012

Meine Nerven. Gerade eine entscheidende Passage zum Berliner Mietrecht gelesen.
Eigenbedarf: Sperrfristen in Berlin
In folgenden Bezirken gilt seit dem 1.9.2011 eine von der Berliner Landesregierung festgelegte 7-jährige Sperrfrist:
Mitte
Charlottenburg-Wilmersdorf
Friedrichshain-Kreuzberg
Pankow*
Steglitz-Zehlendorf

* zu Pankow zählt seit der Bezirksverwaltungsfusion auch der Prenzlauer Berg
Ich nehme es jetzt als ein gutes Omen, dass das Gesetz an meinem Geburtstag erlassen wurde. Und sieben Jahre ist auch eine schöne Frist. Habe die letzten Stunden mit Lektüre von Kündigungsrecht wegen Eigenbedarf verbracht. Seit ich vor drei Stunden eine Mitteilung einer Immobilienvertriebsgesellschaft aus dem Briefkasten gezogen habe, die besagt, dass das Haus in dem ich wohne, in Eigentumswohnungen geteilt wird und ich ein Vorkaufsrecht habe. Ich bin hier so zuhause, aber ich habe keine Lust, einen Kredit aufzunehmen, um „meine“ Wohnung zu kaufen. Das würde ich auch nicht machen, wenn genug Geld auf dem Konto wäre. Ich will keine derartigen Besitztümer und Verpflichtungen haben, keine Eigenverantwortung für Reparaturarbeiten. So, erst mal Luft holen. Wer auch immer die Wohnung kaufen wird, kann sie frühestens in sieben Jahren nach dem Kauf beanspruchen. Wusste gar nicht, dass es solche Sperrfristen gibt. In anderen Bezirken beträgt die Frist nur drei Jahre. Vielleicht weil die oben genannten besonders anfällig für Spekulation mit Immobilien sind, siehe Mietspiegel. Erst die Mieterhöhung vor gut einer Woche und jetzt diese Neuigkeit. Ich muss jetzt mal ein bißchen runterkommen, hat mich doch sehr aufgewühlt. Morgen frage ich mal, wie teuer die Wohnung eigentlich verkauft werden soll, nur um mal die Dimension zu realisieren. Alles ist in Bewegung. Selbst wenn ich in sieben Jahren nach dem Verkauf eine Kündigung bekäme, müsste der Eigenbedarf immer noch exzellent begründet werden. Der Eigentümer muss tatsächlich den Verwandtschaftsgrad und die Situation erhellen. Einfach nur Eigenbedarf benennen ist nicht ausreichend. Das entfernteste Verhältnis darf Nichte oder Neffe sein aber nicht weiter. Und auch nur dann. Oh là là. Man lernt nie aus. Eigentlich schon ein erstaunlicher Mieterschutz. Hätte ich nicht gedacht. So, das ist das Neueste aus meiner weltlichen Existenz. Ich muss unbedingt was Geistreiches trinken und mich erholen.

10. September 2012

Meine Nerven. Gerade eine entscheidende Passage zum Berliner Mietrecht gelesen.
Eigenbedarf: Sperrfristen in Berlin
In folgenden Bezirken gilt seit dem 1.9.2011 eine von der Berliner Landesregierung festgelegte 7-jährige Sperrfrist:
Mitte
Charlottenburg-Wilmersdorf
Friedrichshain-Kreuzberg
Pankow*
Steglitz-Zehlendorf

* zu Pankow zählt seit der Bezirksverwaltungsfusion auch der Prenzlauer Berg
Ich nehme es jetzt als ein gutes Omen, dass das Gesetz an meinem Geburtstag erlassen wurde. Und sieben Jahre ist auch eine schöne Frist. Habe die letzten Stunden mit Lektüre von Kündigungsrecht wegen Eigenbedarf verbracht. Seit ich vor drei Stunden eine Mitteilung einer Immobilienvertriebsgesellschaft aus dem Briefkasten gezogen habe, die besagt, dass das Haus in dem ich wohne, in Eigentumswohnungen geteilt wird und ich ein Vorkaufsrecht habe. Ich bin hier so zuhause, aber ich habe keine Lust, einen Kredit aufzunehmen, um „meine“ Wohnung zu kaufen. Das würde ich auch nicht machen, wenn genug Geld auf dem Konto wäre. Ich will keine derartigen Besitztümer und Verpflichtungen haben, keine Eigenverantwortung für Reparaturarbeiten. So, erst mal Luft holen. Wer auch immer die Wohnung kaufen wird, kann sie frühestens in sieben Jahren nach dem Kauf beanspruchen. Wusste gar nicht, dass es solche Sperrfristen gibt. In anderen Bezirken beträgt die Frist nur drei Jahre. Vielleicht weil die oben genannten besonders anfällig für Spekulation mit Immobilien sind, siehe Mietspiegel. Erst die Mieterhöhung vor gut einer Woche und jetzt diese Neuigkeit. Ich muss jetzt mal ein bißchen runterkommen, hat mich doch sehr aufgewühlt. Morgen frage ich mal, wie teuer die Wohnung eigentlich verkauft werden soll, nur um mal die Dimension zu realisieren. Alles ist in Bewegung. Selbst wenn ich in sieben Jahren nach dem Verkauf eine Kündigung bekäme, müsste der Eigenbedarf immer noch exzellent begründet werden. Der Eigentümer muss tatsächlich den Verwandtschaftsgrad und die Situation erhellen. Einfach nur Eigenbedarf benennen ist nicht ausreichend. Das entfernteste Verhältnis darf Nichte oder Neffe sein aber nicht weiter. Und auch nur dann. Oh là là. Man lernt nie aus. Eigentlich schon ein erstaunlicher Mieterschutz. Hätte ich nicht gedacht. So, das ist das Neueste aus meiner weltlichen Existenz. Ich muss unbedingt was Geistreiches trinken und mich erholen.

09. September 2012

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Ich erinnere mich dunkel. Es war eigentlich noch nicht frühlingshaft und man konnte sich nicht erlauben, ohne Schal und Handschuhe vor die Tür zu gehen, auch wenn die Sonne zu sehen war. So kam diese sehr bunte Kombination aus leichtem Tommy Hilfiger-Jäckchen und der uralten Kasperle-Jeans zustande, die ich ungefähr 1989 in einem sehr preisgünstigen Jeans-Discounter in der Steglitzer Schloßstraße aufgegabelt habe. Das war so eine Kette, die es nicht mehr gibt, überall hatten die ihre Läden. Müsste mal auf das Etikett gucken. War ein komischer Name. Keine Marke, mit der man angeben konnte, eher für die Kinder von Leuten mit geringfügigem Einkommen. Standesdünkel in Sachen Markenware ist mir eher fremd, wenn die Klamotte interessant ist.

Bei C&A kann ich immer etwas finden, wenn ich gucke, und auch in jedem x-beliebigen Kaufhaus. Die Sache mit dem Markenfetischismus ist ja eher ein Indiz für mangelnde Virtuosität in Sachen Modeverständnis, nicht wahr. Ich würde mit großer Selbstverständlichkeit den phantastischen Dior-Mantel von Gisela Elsner, der durch die Verfilmung ihres Lebens mit Hannelore Elsner in der Hauptrolle Berühmtheit erlangt hat, mit Sachen kombinieren, die ein Sammelsurium von Sonderangeboten aus Kraut- und Rübenläden darstellen. Ich bin da ganz gegen unnatürliche Begrenzungen, das widerstrebt meinem Freiheitsbegriff. Das photographische Auge hält nimmermüde Ausschau, scannt die Welt und jede Erscheinungsform. Wenn man sich für gewagte Muster oder Farbkombinationen entscheidet, muss man einen guten Tag haben, weil es ein gewisses Rückgrat erfordert. So ähnlich wie mit der Farbe Rot, man muss sich an so einem Tag der Kraft der Farbe ebenbürtig fühlen, sonst wirkt man schnell verkleidet. Tage, an denen ich mich ein bißchen schräg anziehe, im besten Sinne schräg, sind gute Tage. An solchen Tagen bin ich ein bißchen übermütig und so ziemlich zu allem fähig. Be amazing!

Im Übrigen hatte der ungeachtet aller Buntheit blaue Grundton dieses Aufzugs etwas mit meinem anvisierten Ausflugsziel an jenem vierten März zu tun. Ich überlege mir tatsächlich, ob ich farb-, material- und silhouettenmäßig zu dem Ort passe, den ich anpeile, bevor ich losgehe. Auch beim Spazierengehen, sofern nicht völlig ziellos. Das bedeutet nicht die Vorgabe, sich chamäleonhaft dem Ort des Geschehens unterzuordnen. Kann aber! Muss aber nicht. Manchmal liegt die Virtuosität in einem gezielten Bruch. Das mögen nun für viele nicht ohne weiteres nachvollziehbare Überlegungen sein. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass es immer schöner ist, wenn man als beiläufig durchs Bild flanierende Passantin nicht aus dem Fokus gewünscht wird. Ich wünsche leider oft aus dem Fokus, wenn es vor wetterbeständiger Funktionskleidung wimmelt. Touristen ziehen sich ja zu meinem allergrößten Bedaueren oft komplett nach praktischen Erwägungen an. Ich geißle das selbstverständlich. So kann man nicht arbeiten! Ich muss doch als Tourist in Berlin ein Bewusstsein dafür haben, dass mir Gaga Nielsen über den Weg laufen könnte, die ein extravagantes Foto machen will! Extravagantes Foto nur mit extravaganter Aufmachung. Elementare Extravagante Grundregel!

08. September 2012


Ein guter Taxifahrer wartet noch eine halbe Minute nach dem Nachhausebringen, nach Einbruch der Dunkelheit, bis er sieht, dass der Fahrgast wohlbehalten an der Haustür angekommen ist und die Tür von innen schließt. Ein guter Leser von Gaga Nielsen wartet nach dem Heimkommen von ihrem Spaziergang, in der Dämmerstunde, noch eine halbe Minute, bis Gaga Nielsen wohlbehalten oben in der Wohnung angekommen ist. Dann kann der Leser weiterklicken und Gaga Nielsen zieht sich die Jacke und die anderen Anziehsachen aus und was Flauschiges an. Dann geht sie in die Küche und macht sich was Heißes zu trinken und nimmt sich ein Täfelchen Schokolade. Zumindest gilt das mit dem heißen Getränk für Anfang März. Anschließend geht Gaga Nielsen wieder ins Wohnzimmer und macht den Computer an und lädt die ganzen Bilder von dem langen Spaziergang vom dritten März auf ihren kleinen Klapprechner. Die Bilder vor dem Kleiderschrank, wo sie immer Modenschau macht. Und die Bilder von dem Weg. Und die Bilder von der Rosenstraße. Und die Bilder von der Marienkirche. Und die Bilder von Herrn Marx und Herrn Engels. Und die Bilder vom Schlossplatz. Und die Bilder von der Bauakademie. Und die Bilder von der Friedrichsgracht. Und die Bilder von der Schleusenbrücke. Und die Bilder von der Französischen Straße. Und die Bilder von der Markgrafenstr.. Und die Bilder von der Kuppel vom Französischen Dom. Und die Bilder vom Bücherflohmarkt Unter den Linden. Und die Bilder von der Auguststraße. Gaga Nielsen ist jetzt doch ein kleines bißchen müde vom vielen Spazierengehen, da tut so eine heiße Tasse Kaffee sehr gut. Gaga Nielsen guckt ein bißchen durch die Bilder und weiß gar nicht, wo sie anfangen soll. Schon wieder so viele Bilder! Wann soll sie das alles hochladen, sie blickt nicht mehr durch! Gaga Nielsen sagt sich insgeheim: „Scheiß drauf! Ich kann ja bloggen, dass ich nicht mehr hinterherkomme!“ Gaga Nielsen denkt sich, sie weiß gar nicht, wie das die anderen immer machen, mit wohin gehen und mit drei Bildern heimkommen und dann schnell hochladen, bloggen und fertig, nächster Ausflug! Gaga Nielsen kann das nicht! Sie ist blödes Sternzeichen Jungfrau und muss immer alles superordentlich und gründlich und ganz genau machen und das Hausaufgabenheft ordentlich führen. Gaga Nielsen schreibt mit Schönschrift in ihr Internetschulheft und kriegt dafür eine Eins mit Stern! Die anderen kriegen auch eine Eins, für Tempo, aber nicht für Schönschrift! Die Welt ist eben doch gerecht!
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06. September 2012

Gestern war ich wieder einmal auf einer Aussichtsplattform. Am Alexanderplatz steht ein viereckiger Turm mit 39 oder 40 Stockwerken, das Hotel „Park Inn“, früher zu DDR-Zeiten „Forum-Hotel“. In der 37. Etage ist eine Location, die man mieten kann und nach der Wende wurde nachträglich eine Aussichtsterrasse gebastelt. Man fährt bis zum 37. Stock, geht ein paar Treppen nach oben, bezahlt bei einem netten Hotelmitarbeiter, der auch Getränke im Angebot hat, drei Euro und geht raus. Es stehen ein paar stoffbespannte Liegestühle herum, wie man es von diesen Strandbars kennt. Es ist sehr windig, das sind Aussichtstürme ja meistens. Man schaut direkt auf den Fernsehturm, der ist ganz nah, gegenüber. Und über die ganze Stadt. Man schaut aber durch ein Sicherheitsnetz, so ähnlich wie es Katzenbesitzer oft an den Balkon basteln, nur größere Maschen und stabiler. Dieser Aussichtspunkt auf Berlin ist für meinen Geschmack bislang der bei Tag am wenigsten attraktive, auf dem ich bisher war, obwohl die anderen keine Getränke im Angebot haben. Ich würde es keinem Berlin-Besucher ans Herz legen und auch keinem Berliner. Die Terrasse wirkt auf mich trotz der Strandliegen ein bißchen improvisiert und lieblos und man findet keine windgeschützte Ecke. Ich finde, man muss da nicht rauf, lieber woanders. Und da dachte ich gestern, als ich da oben war, wie unvergleichlich schöner es doch auf der Kuppelbalustrade des Französischen Doms ist. Man kann es eigentlich gar nicht vergleichen. Sagen wir, wenn man Flair in Hotelkategorien ausdrücken wollte, wäre die Plattform vom Park Inn eine Jugendherberge und der Französische Dom ein fünf Sterne-Hotel. Ein unvergesslicher Eindruck. Ich war am dritten März zum ersten Mal in meinem Leben da oben, auf der Domkuppel. Es kostet auch drei Euro Eintritt. Man sollte sich vielleicht selber etwas zu trinken mitnehmen. Ein Fläschchen Champagner wäre durchaus angemessen. Oder ein schöner Châteauneuf-du-Pape. Und Gläser. Oder einen Eisbecher. Kein Bier, denn das wäre dem Ort nicht angemessen, ja unschicklich.

Es muss ein elegantes Getränk sein oder ein Eisbecher mit Schlagsahne. Oder ein großer Becher heiße Schokolade oder Kaffee. Aber ohne Plastikdeckel! Dazu feinste Trüffel- Nuss- und Nougat-Pralinen. Mozartkugeln! Constanze-Marzipanherzen! Oder meinethalben auch eine Packung Raffaello oder Ferrero Rocher. Als ich nach oben gegangen bin, hat das wunderbare Carillon angefangen zu spielen, das Glockenspiel. Ich war hin und weg und habe ganz aufgeregt, ganz schnell nach der Filmfunktion auf meiner Kamera geguckt und angemacht. Man kann es nicht beschreiben. Es ist mir unvorstellbar, dass irgendein Mensch keine Gänsehaut bekommt, in so einem Augenblick. Für mich kam es auch noch überraschend, ich wusste das gar nicht. Und nun stand ich so dicht an dem Glockenspiel, an dieser mächtigen Konstruktion wie aus einem Jules Verne-Roman. Ich habe damals noch am selben Tag die kleine Filmaufnahme hochgeladen, hier ist der Eintrag. Nur für die vielen mitgebrachten Bilder habe ich sehr lange gebraucht. Ich habe heute viel Zeit damit zugebracht, die Bilder in eine Reihenfolge zu bringen, die mein Erleben nachempfindbar macht. Die Wendeltreppe nach oben zu gehen, die Höhe des schlanken Kuppelturms zu begreifen und die mächtige Eisenkonstruktion des Glockenspiels. Durch die wagenradgroßen, runden Aussichtsfenster zu schauen und nach draußen zu treten, einmal oder auch zweimal rund um die Kuppel, mit den großen steinernen Amphoren und dem stolzen Krähenvogel, der wie ein König oben auf einer der Amphoren thronte und erhaben und zufrieden über sein Reich in die sinkende Sonne schaut. Am Ziel.


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Das sind Momente, die ich teilen möchte. Und deshalb widme ich diesen Eintrag ganz besonders allen Menschen, denen es nicht möglich ist, aus eigener Kraft auf so einen Aussichtspunkt zu gelangen und das Glück zu empfinden, wie ein königlicher Vogel über die Stadt zu blicken. Fliegen kann auch ich nicht, das können nur die Vögel, aber ich kann Bilder verschenken, um gemeinsam mit mir durch meine Augen zu fliegen, in den Himmel über Berlin.

07. September 2012


Noch eine Ikone. Jeden Tag Büchermarkt UdL an der HU. So, und jetzt noch mal ausgeschrieben, für alle verständlich: Jeden Tag ist Büchermarkt Unter den Linden an der Humboldt Universität. Geht doch! Bei der Gelegenheit bietet es sich an zu erwähnen, wie unsympathisch mir insidermäßiges Abkürzungsgewäsch ist, wenn man eigentlich Klarheit darüber hat, dass nicht nur Kenner der verquasten Materie lesen oder zuhören. Ich kann mich gerade ganz schlecht auf den Blogeintrag konzentrieren, weil ich im Hintergrund eine Sendung aus einer Mediathek höre. Dabei höre ich der Sendung gar nicht zu! Auch nicht vorbildlich. Ich mache jetzt aus, die Sendung – Moment – so jetzt. Also jetzt noch mal lesen, was ich bis jetzt getippt habe und dann weiter. Augenblick, muss lesen.

So, fertig. Was könnte man noch schreiben, außer dass die Bilder selbstverständlich ebenfalls am dritten März 2012 entstanden sind, nach meinem Abstieg von der Französischen Domkuppel. Der Heimweg ist halt nun einmal am kürzesten Unter den Linden entlang, aber auch schön. Ich mag den Büchermarkt. Ich glaube, das sind hauptsächlich Studenten, die da ihre Bücher hinpacken, oder meine romantische Vorstellung. Ist ja auch egal, Bücher sind immer dekorativ, nicht nur in der Wohnung, auch im Stadtbild. Mir ist aufgefallen, dass man an den präsentierten Buchtiteln, den besonders dekorierten Büchern, die ganz vorne, erkennen könnte, dass es ein Bücherflohmarkt in Berlin ist, wegen Schinkel und Wende und allem! Woanders stehen bestimmt andere Titel ganz vorne. In München wäre es vielleicht ein Bildband über die König Ludwig-Schlösser oder ein Buch über Karl Valentin. In Hamburg wahrscheinlich Hans Albers und vielleicht ein Bildband über Domenica. Und natürlich irgendwas mit Hafen und Schiffen. Auf alle Fälle bin ich dafür, dass überall Bücher herumliegen, zum Gucken und Staunen und Kaufen und als Deko oder Türstopper.

Bei mir liegt immer ein Buch, also das Buch, das ich gerade lese, in einem Zimmer, wo nicht der Computer steht. Es ist nicht das Schlafzimmer und auch nicht die Küche! Ein Rätsel! Ich kann Rätsel nicht ausstehen. Wie es mir auf die Nerven geht, wenn jemand zu mir sagt: „Rate mal, was ich…“ usw. usf. – dafür habe ich keine Zeit! Raus mit der Sprache oder halt nicht! Das ist natürlich immer dramaturgisch gemeint, um die Spannung zu erhöhen, aber nach dieser Art von Spannung steht mir nicht der Sinn. Also kurz und gut – das Buch liegt im Badezimmer, griffbereit auf einer gepolsterten Truhe gegenüber von da, wo der Kaiser zu Fuß hingeht. Ich wollte jetzt nicht Klo schreiben, solche Ausdrücke sind mit Assoziationen belastet, die in diesem Fall nicht angebracht sind, da meine Badestube jedem Studierzimmer Ehre machen würde. Also bitte, keine falschen Vorstellungen. Lesen ist mein Hobby! Selbstverständlich lege ich auch bei der Ausübung dieses Steckenpferdes Wert auf ein angemessenes Ambiente. Ich denke, das ist jetzt genug Text, um den Platz zwischen den Bildern oben und unten einigermaßen ansprechend zu dekorieren.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615

05. September 2012

Durch einen Zufall auf eine dieser automatisch generierten Seiten mit flickr content gekommen, wo man den eigenen Bilderstrom nach dem Kriterium „most interesting“ sieht, von oben nach unten sortiert. Keine Ahnung, wer sich so etwas ausdenkt. Ich habe jetzt eine ganze Weile geguckt. Von oben nach unten. Wie ein Film.

Auf eine Art sortiert, wie man es selbst nie machen würde, wozu auch. Aber interessant. So durcheinander, zufällig und mosaikartig läuft dann wahrscheinlich irgendwann einmal der Lebensfilm ab, falls es ihn gibt. Bei diesem Bild blieb ich dann hängen und habe aufgehört. Morgen kommt mein Kühlschrank. Muss schlafen jetzt.

06. September 2012

Gestern war ich wieder einmal auf einer Aussichtsplattform. Am Alexanderplatz steht ein viereckiger Turm mit 39 oder 40 Stockwerken, das Hotel „Park Inn“, früher zu DDR-Zeiten „Forum-Hotel“. In der 37. Etage ist eine Location, die man mieten kann und nach der Wende wurde nachträglich eine Aussichtsterrasse gebastelt. Man fährt bis zum 37. Stock, geht ein paar Treppen nach oben, bezahlt bei einem netten Hotelmitarbeiter, der auch Getränke im Angebot hat, drei Euro und geht raus. Es stehen ein paar stoffbespannte Liegestühle herum, wie man es von diesen Strandbars kennt. Es ist sehr windig, das sind Aussichtstürme ja meistens. Man schaut direkt auf den Fernsehturm, der ist ganz nah, gegenüber. Und über die ganze Stadt. Man schaut aber durch ein Sicherheitsnetz, so ähnlich wie es Katzenbesitzer oft an den Balkon basteln, nur größere Maschen und stabiler. Dieser Aussichtspunkt auf Berlin ist für meinen Geschmack bislang der bei Tag am wenigsten attraktive, auf dem ich bisher war, obwohl die anderen keine Getränke im Angebot haben. Ich würde es keinem Berlin-Besucher ans Herz legen und auch keinem Berliner. Die Terrasse wirkt auf mich trotz der Strandliegen ein bißchen improvisiert und lieblos und man findet keine windgeschützte Ecke. Ich finde, man muss da nicht rauf, lieber woanders. Und da dachte ich gestern, als ich da oben war, wie unvergleichlich schöner es doch auf der Kuppelbalustrade des Französischen Doms ist. Man kann es eigentlich gar nicht vergleichen. Sagen wir, wenn man Flair in Hotelkategorien ausdrücken wollte, wäre die Plattform vom Park Inn eine Jugendherberge und der Französische Dom ein fünf Sterne-Hotel. Ein unvergesslicher Eindruck. Ich war am dritten März zum ersten Mal in meinem Leben da oben, auf der Domkuppel. Es kostet auch drei Euro Eintritt. Man sollte sich vielleicht selber etwas zu trinken mitnehmen. Ein Fläschchen Champagner wäre durchaus angemessen. Oder ein schöner Châteauneuf-du-Pape. Und Gläser. Oder einen Eisbecher. Kein Bier, denn das wäre dem Ort nicht angemessen, ja unschicklich.

Es muss ein elegantes Getränk sein oder ein Eisbecher mit Schlagsahne. Oder ein großer Becher heiße Schokolade oder Kaffee. Aber ohne Plastikdeckel! Dazu feinste Trüffel- Nuss- und Nougat-Pralinen. Mozartkugeln! Constanze-Marzipanherzen! Oder meinethalben auch eine Packung Raffaello oder Ferrero Rocher. Als ich nach oben gegangen bin, hat das wunderbare Carillon angefangen zu spielen, das Glockenspiel. Ich war hin und weg und habe ganz aufgeregt, ganz schnell nach der Filmfunktion auf meiner Kamera geguckt und angemacht. Man kann es nicht beschreiben. Es ist mir unvorstellbar, dass irgendein Mensch keine Gänsehaut bekommt, in so einem Augenblick. Für mich kam es auch noch überraschend, ich wusste das gar nicht. Und nun stand ich so dicht an dem Glockenspiel, an dieser mächtigen Konstruktion wie aus einem Jules Verne-Roman. Ich habe damals noch am selben Tag die kleine Filmaufnahme hochgeladen, hier ist der Eintrag. Nur für die vielen mitgebrachten Bilder habe ich sehr lange gebraucht. Ich habe heute viel Zeit damit zugebracht, die Bilder in eine Reihenfolge zu bringen, die mein Erleben nachempfindbar macht. Die Wendeltreppe nach oben zu gehen, die Höhe des schlanken Kuppelturms zu begreifen und die mächtige Eisenkonstruktion des Glockenspiels. Durch die wagenradgroßen, runden Aussichtsfenster zu schauen und nach draußen zu treten, einmal oder auch zweimal rund um die Kuppel, mit den großen steinernen Amphoren und dem stolzen Krähenvogel, der wie ein König oben auf einer der Amphoren thronte und erhaben und zufrieden über sein Reich in die sinkende Sonne schaut. Am Ziel.


http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Das sind Momente, die ich teilen möchte. Und deshalb widme ich diesen Eintrag ganz besonders allen Menschen, denen es nicht möglich ist, aus eigener Kraft auf so einen Aussichtspunkt zu gelangen und das Glück zu empfinden, wie ein königlicher Vogel über die Stadt zu blicken. Fliegen kann auch ich nicht, das können nur die Vögel, aber ich kann Bilder verschenken, um gemeinsam mit mir durch meine Augen zu fliegen, in den Himmel über Berlin.

05. September 2012

Durch einen Zufall auf eine dieser automatisch generierten Seiten mit flickr content gekommen, wo man den eigenen Bilderstrom nach dem Kriterium „most interesting“ sieht, von oben nach unten sortiert. Keine Ahnung, wer sich so etwas ausdenkt. Ich habe jetzt eine ganze Weile geguckt. Von oben nach unten. Wie ein Film.

Auf eine Art sortiert, wie man es selbst nie machen würde, wozu auch. Aber interessant. So durcheinander, zufällig und mosaikartig läuft dann wahrscheinlich irgendwann einmal der Lebensfilm ab, falls es ihn gibt. Bei diesem Bild blieb ich dann hängen und habe aufgehört. Morgen kommt mein Kühlschrank. Muss schlafen jetzt.

4. September 2012


Heute war ich an einem der schönsten Orte unter dem Himmel von Berlin. Ich wagte mich durch das Tor der großen Moschee und ein muslimischer Bruder lud mich herzlich ein, die Moschee zu betreten und mir alles anzuschauen. Ich habe gefragt, ob ich Fotos machen darf. Ja! In der Moschee ist jeder herzlich willkommen, auch Brüder und Schwestern mit anderer oder gar keiner Religion. Man muss nur die Schuhe ausziehen, weiter nichts. Dann sinkt man in den tiefen Teppich und ist wie in einem Märchen aus Tausend und einer Nacht. Ganz zauberhaft. Ein junger, gläubiger Muslime hat erzählt, was alles in der Moschee gemacht wird. Manchmal hat er sich im Schneidersitz auf den dicken Teppich gesetzt. Die Moschee ist nicht nur wie eine Kirche sondern ein Treffpunkt, wo man im Hof auch was trinken kann und essen, wenn man mag. In der Moschee darf nicht nur der Imam sprechen sondern auch andere, Hauptsache es ist ein wissenschaftlicher Vortrag. In der einen Nische hat ein gläubiger Mann in Richtung Mekka gebetet. Es gibt einen wunderschönen heiligen Schrein an der Wand, damit man beim Beten gleich die richtige Richtung weiß und nicht lange überlegen muss. Es wurde auch erklärt, was die Gebetshaltungen von den Armen und Händen bedeuten. Das war alles sehr schön und leicht und heiter. Gar nicht ernst und schwer, und sehr innig. Die Moschee ist drinnen so sauber, so rein, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann. Ich habe noch nie irgendwo einen so sauberen Teppich gesehen. Alle gehen in Strümpfen, wie im Wohnzimmer. Es ist ganz still, die Fenster sind leicht geöffnet und es weht ein leichter Wind, man hört die Blätter rauschen, sieht die Sonnenflecken auf dem Teppich und fühlt sich aufgehoben. An der Decke und überall sind wunderschöne, filigrane Arabesken und Ornamente gemalt. Die gemauerten Bögen der Säulengänge haben ein Blockstreifenmuster wie in der Alhambra. Es ist überhaupt vieles wie in der Alhambra, nur lichter und wohnlicher. Ein lichter, federleichter freundlicher Palast zu Ehren der Schöpfung. Wundervoll. Als ich gegangen bin und noch einmal zurückgeschaut habe, um die schöne Moschee ganz zu sehen, mit den beiden Minaretten, hat mich ein anderer freundlicher Muslime im Hof angesprochen und mich ebenfalls mit großer Herzlichkeit ermutigt, doch gerne hineinzugehen. Aber ich war ja schon drin, das hat er nicht gewusst. Ich habe ihm gesagt, wie schön ich die Moschee finde, er hat gestrahlt und noch fast besorgt gefragt, ob ich auch schon ein Foto von der Moschee mit beiden Türmen drauf habe? So eins müsste ich auch noch machen. Das habe ich dann auch noch gemacht. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich gespürt habe, wie rein die Atmosphäre dort ist. Er hat interessiert zugehört und gemeint, dass das nicht jeder gleich so spürt, aber so ist es. Er hat sich nett verabschiedet und ich bin aus einem arabischen Märchen direkt zur Bushaltestelle gegangen. Wie auf einer Wolke.

Mit deiner Seele hat sich meine
Gemischt, wie Wasser mit dem Weine.
Wer kann den Wein vom Wasser trennen,
Wer dich und mich aus dem Vereine?
Du bist mein großes Ich geworden,
Und nie mehr will ich sein dies kleine.
Du hast mein Wesen angenommen,
Sollt‘ ich nicht nehmen an das deine?
Auf ewig hast du mich bejahet,
Daß ich dich ewig nie verneine.
Dein Liebesduft der mich durchdrungen,
Geht nie aus meinem Mark und Beine.
daß ich seufze,
Gieb einen Schlag mir, daß ich weine.
Süß ist mein Weinen und mein Seufzen,
Daß ich der Welt zu jauchzen scheine.
Du ruhst in meiner Seele Tiefen
Mit deines Himmels Widerscheine.
O Edelstein in meinen Schachten,
O Perl‘ in meinem Muschelschreine.
Mein Zucker ist in dir zerschmolzen,
O Milch des Lebens, milde, reine;
Und unsre beiden Süßigkeiten
Genießet Kindermund als eine.
Du preßtest mich zu Rosenwasser,
Nicht seufzt‘ ich unter deinem Steine.
In deiner süßen Qual vergaß ich,
Daß ich die Rose war am Raine.
Da brachtest du an deinen Kleidern
Mich mitten unter die Gemeine;
Und als du auf die Welt mich gossest,
Ward sie zu einem Rosenhaine.

Dschalal ad-Din Muhammad Rumi 1207-1273
in der Übersetzung von Friedrich Rückert, 1819

2. September 2012

Ja ja, ich weiß, der Leser leidet unter dem ewigen Schwarzweiß. Also klebe ich zur Feier des Tages zwei weitere handverlesene Farbbilder von heute – Moment – 19:19 Uhr und 19:21 Uhr in mein kleines Poesiealbum. Die nachfolgende Aufnahme bildet mich vorhin in meiner Küche am Küchenfenster ab, unten, im Hintergrund sehen wir die Fassade des Gebäudes, in dem sich ein sogenanntes Szene-Café im Bezirk Mitte mit Namen Hackbarth’s befindet. Gastronomische Einrichtungen wie diese tragen dazu bei, dass dem Anwalt mit dem Mieterhöhungsangebot recht zu geben ist. Ich bin da zwar nie drin, aber ich gucke gerne, wer da so rumsitzt, was die Leute so anhaben (Miniröcke!) und frühstücken. Stilkunde! Immer interessant. Sozusagen kostenlose Fortbildung.

Zwei Minuten später, also auch vorhin, entstand die folgende Aufnahme, welche mich auf dem Nordbalkon abbildet. Nun werden Sie sagen, Nordbalkon? Geht’s noch? Wer möchte schon einen Nordbalkon haben? Ein Fall für Mietminderung! Aber ich, meine Damen und Herren, nutze diesen exklusiven Nord-Balkon nunmehr auch als Kühlschrank. Ein multifunktionaler Balkon, den man erst einmal haben muss. Dass es noch einen zweiten Balkon gibt, zur anderen Seite mit Blick auf diese lästige Kuppel vom Berliner Dom, kehre ich an dieser Stelle diskret unter den Teppich. Blöd, dass es der Anwalt aber trotzdem mitgekriegt hat. Aber das Gästeklo ist trotzdem gelogen. Und ja, ich nutze den Fahrstuhl. Dafür ist er ja wohl da. Und die Badewanne. Und die Dusche. Jawohl. Schließlich bin ich vom Sternzeichen Jungfrau und daher ein reinlicher Typ! Soll ich dafür etwa bestraft werden? Ob die Fliesen allerdings aus echtem Marmor sind, wie Sie schreiben, Herr Anwalt, das ist eventuell noch durch meine Anwältin zu prüfen. (Für Frau Klugscheisser: im Tageslicht besser zu erkennen: mit Siebenundvdreißig hat man mitunter doch schon das eine oder andere graue Strähnchen. Aber sonst alles Natur! Vor allem der Eyeliner. Der war aber nicht so ungleichmäßig, als ich fünf Stunden vorher zu meinem Ausflug los bin. Eindeutig der Alterungsprozess!)


PS:
hier schnell noch ein topaktuelles Bild! Inzwischen ist es 1:47 Uhr, das Make up ist mehr oder weniger komplett zerbröckelt und ich fühle mich nun doch altersbedingt nicht mehr so ganz frisch, wie es die anderen Bilder noch erfolgreich vorzutäuschen vermochten:

1. September 2012

Liebe Leser und Leserinnen,
heute ist ein ganz besonderer Tag! Ich habe meine erste Mieterhöhung seit Dingsbums gekriegt. Zu faul zum Nachgucken. Aber weil ich ja in den letzten Monaten wie ein Weltmeister gelernt habe, meine Kröten besser als einen Sack Flöhe zu hüten, bin ich weniger in Panik ausgebrochen, als es eventuell noch vor einem Jahr der Fall gewesen wäre. Offen gestanden, habe ich mir schon seit einer Weile insgeheim gedacht, huiuiui, gut dass die Hausbesitzer mutmaßlich weit, weit weg wohnen, so kriegen sie vielleicht nicht so richtig mit, in welcher Ecke ihr Mietshaus steht. Also nicht, dass die Herrschaften nicht wüssten, wo es sich adressenmäßig befindet, aber man ist ja nicht immer so auf dem Laufenden, wie sich die Bezirke in fernen Städten entwickeln. Nun hat man also doch den Schuss gehört und gleich einen Rechtsanwalt beauftragt, den Mietern die frohe Botschaft zu übermitteln. Wie gesagt, ich bin eigentlich eher überrascht gewesen, dass das noch nicht früher passiert ist, allerdings doch schon etwas stramm, so auf einen Schlag um die hundertzwanzig Euro mehr. Muss mal genau nachrechnen. Nun kann man die Argumentationskette auch schlecht widerlegen. Die scheint mir doch recht wasserdicht, wenn ich mir den Berliner Mietspiegel angucke, den etwas inoffizielleren für 2012 (unter M wie Mitte) Nun ja, zur Entspannung guckt man dann einfach noch mal rüber nach Hamburg und nach München und dann sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Allerdings habe ich kein Gästeklo, wie in dem Schreiben erwähnt wird. Die Türen entsprechen auch nicht so ganz dem optischen Luxustandard der Lage, aber ich will da nicht kleinlich sein. Aber nachhaken möchte ich schon mal, am Montag wenn ich in Sachen Kühlschrank anrufe, ob das nicht vorhandene Gästeklo vielleicht rausgerechnet werden kann, und ob ich mir eventuell die drei genannten Vergleichsobjekte angucken könnte, da hinten in der Alten Schönhauser und noch zwei andere in meinem Dreh. Ich gucke ja gerne Wohnungen. Die daily soap auf Vox allerdings nicht mehr, ich habe zu viele Folgen davon gesehen und meine einen guten Überblick über ortsübliche Mieten erhalten zu haben. Daher ist ein gewisser Schrecken zwar durchaus vorhanden, aber die Empörung hält sich in Grenzen. Man muss nicht unbedingt in Mitte wohnen. Aber es ist schon sehr, sehr nett.
Ein bißchen charmanter hätte man das aber vielleicht schon übermitteln können, als über einen Rechtsanwalt. Ich dachte schon, ich hätte unbewusst etwas angestellt. Vielleicht eine GEMA-Abmahnung, für unzulässige Musikschnipsel-Verwertung. Mist, ich habe ja wirklich ein bißchen Dreck am Stecken, fällt mir auf. Das hat jetzt aber keiner gelesen!
Ansonsten war ich bei EDEKA in der Rosi, bißchen einkaufen und dann zusammengebrochenen Router resetten und blöde Internet-Telefonie neu konfigurieren, dann Test-Anruf bei Versuchskaninchen Jan, nochmal blödes Router-Gefrickel und dann Ausflug, kleiner Ausflug. Aber schön. Ich war im Plänterwald, im vor sich hinrottenden Vergnügungspark aus den Sechzigern wo sogar schon Hollywoodfilme gedreht worden sind. Mit umgekippten Dinos und wildem Gestrüpp. Ganz schön dort. Und Bimmelbahn gefahren. Feine Sache. Zwei Euro! Ab heute kann ich ja wieder herumgurken wie verrückt, weil mein BVG-Abo seit heute gilt.
Es war schön sonnig und ich habe ein knalloranges Hemdchen angezogen und eine weiße Hose. Im kleinen Rucksack (für später kälter) meine schwarze Who killed Bambi?-Jacke mit den weißen Streifen und den Sternen auf den Ärmeln. Die kids im Vergnügungspark haben ein bißchen neidisch geguckt! Klar. Wahrscheinlich nicht nur wegen der Jacke, sondern weil ich schon groß bin! Habe schöne Fotos gemacht, versprochen.