27. September 2011


Genau hinschauen. Das Leben ist kurz. Man kann da ganz schnell durchgehen. Durch jede Tür, durch jedes Tor. Aber das mache ich nicht. Weil es ganz besonders dadurch wird, dass man es als besonders versteht. Ein Privileg. Es zu etwas Besonderem macht. Wahrscheinlich funktioniert das mit jedem Ort und jedem Zeitpunkt. Noch dazu, wenn der Ort tatsächlich sehr besonders ist, herausragend, warum sollte man beiläufig durchgehen. Unter einem solchen Himmel. Das wäre doch nicht angemessen. Im Grunde kann man jeden Augenblick in einer Weise erhöhen, dass man von Pathos sprechen kann. Den Augenblick und den Ort aus der Gleichgültigkeit, der Beiläufigkeit heben. Das ist gar nicht schwer.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=107931
Wenn man eine Kamera auf sich gerichtet sieht, egal ob gefilmt oder fotografiert wird, erhöht sich die Selbstwahrnehmung. Man bekommt eine Idee davon, dass es auf jeden Augenblick ankommt. Wie man ist, wie man fühlt, in genau diesem Augenblick, der dann für immer festgehalten sein wird. Der zur teilbaren Erinnerung wird. Und das wird das Leben gewesen sein. Auch das. Die inneren Bilder kann man nur selbst erinnern. Die äußeren erinnern auch die anderen. Von den inneren Bildern erzählen die Geschichten, die geschrieben sind. Wenn die innere Geschichte auf die äußere Geschichte trifft, die zu Bildern materalisiert ist, kann man das Ganze erahnen, dann. All das, was wesentlich gewesen sein wird.

27. September 2011


Genau hinschauen. Das Leben ist kurz. Man kann da ganz schnell durchgehen. Durch jede Tür, durch jedes Tor. Aber das mache ich nicht. Weil es ganz besonders dadurch wird, dass man es als besonders versteht. Ein Privileg. Es zu etwas Besonderem macht. Wahrscheinlich funktioniert das mit jedem Ort und jedem Zeitpunkt. Noch dazu, wenn der Ort tatsächlich sehr besonders ist, herausragend, warum sollte man beiläufig durchgehen. Unter einem solchen Himmel. Das wäre doch nicht angemessen. Im Grunde kann man jeden Augenblick in einer Weise erhöhen, dass man von Pathos sprechen kann. Den Augenblick und den Ort aus der Gleichgültigkeit, der Beiläufigkeit heben. Das ist gar nicht schwer.
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Wenn man eine Kamera auf sich gerichtet sieht, egal ob gefilmt oder fotografiert wird, erhöht sich die Selbstwahrnehmung. Man bekommt eine Idee davon, dass es auf jeden Augenblick ankommt. Wie man ist, wie man fühlt, in genau diesem Augenblick, der dann für immer festgehalten sein wird. Der zur teilbaren Erinnerung wird. Und das wird das Leben gewesen sein. Auch das. Die inneren Bilder kann man nur selbst erinnern. Die äußeren erinnern auch die anderen. Von den inneren Bildern erzählen die Geschichten, die geschrieben sind. Wenn die innere Geschichte auf die äußere Geschichte trifft, die zu Bildern materalisiert ist, kann man das Ganze erahnen, dann. All das, was wesentlich gewesen sein wird.

25. September 2011


Je länger ich mich beobachte, umso theatralischer komme ich mir vor. Dieser Selbstdarstellungsdrang. Nicht einmal gespielt oder verstellt, aber dieser Drang, sich darzustellen. Wenn ich das sachlich diagnostiziere, frage ich mich, ob das einfach von Hause aus stärker in meinem Charakter angelegt ist, oder ob es sich um eine eigenmächtige Wiedergutmachung aufgrund zu geringen Zuspruchs in prägenden Kindheits- und Jugendjahren handelt. Wie auch immer – irgend etwas daran scheint heilsam zu sein. Man sagt das auch Menschen nach, die ins Schauspielfach streben, ohne den vordringlichen Ansatz, Menschen unterhaltsam beglücken zu wollen. Sie wollen gesehen werden. Angeschaut werden. Liebende, zugewandte Blicke in hoher Dosis empfangen. Diese Energie von Blicken ist keineswegs zu unterschätzen. Lebenselixier. Was richten strenge oder argwöhnische Mütter- und Väterblicke an. Oh Gott. Ich will das Thema gar nicht weiter ausführen. Absatz.
Chronologisch ordentlich wie ich bin, beginnt auch die nächste Entdeckungsreise, zu einem mir überraschend wichtig gewordenen Ort in Berlin, zuhause. Ich überlege, was ich anziehe, wenn ich einen Ort aufsuche. Was ist atmosphärisch angemessen. Bequem soll es sein. Denn meine Ausflüge dauern immer ein paar Stunden. Wenn man sich nicht rundherum wohl fühlt, sieht man auch auf den Bildern ein bißchen verklemmt aus. Eingeklemmte Taille und eingezwängte Füße ist nach Adam Riese eingeklemmtes Lächeln, eingezwängte Psyche. Zu Riefenstahls Drehzeiten dort, wo ich mich auf den Weg hinmachen würde, trug man in jenem heißen Sommer 1936 auch Brillen gegen die blendende Sonne. Aber die Fassungen waren doch eher aus Metall als aus Kunststoff. Filigrane Modelle. Ein bißchen wie meine Kenzo-Brille mit den blau verspiegelten Gläsern. Derlei Extravaganz hat es da freilich nicht gegeben. Als ich ebendort in einem Ausstellungsraum war, sah ich Leni Riefenstahl zufällig auf einem alten Foto mit einer Schirmmütze. Hatte ich gar nicht erinnert. Na ja. Ich habe mein Bestes gegeben um keinen unangemessenen ästhetischen Bruch vor Ort zu verursachen. Und das ist mir auch gelungen. Morgen oder übermorgen geht es weiter. Das Bild da oben ist schon kurz vor dem Ziel. Es stammt aus der S-Bahn. Irgendwo zwischen Hackeschem Markt, Berliner Hauptbahnhof und Olympiastadion. Da ging es nämlich hin. Aber das kommt dann morgen. Oder übermorgen. Oder Überübermorgen. Eins nach dem anderen.
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Jetzt muss ich schlafen gehen, weil ich viel um die Ohren habe, in diesen Tagen. So viel, dass ich seit Freitag sogar das Telefon ausgestöpselt habe, weil ich so erholungsbedürftig bin. Man vergebe mir und gewähre mir ein paar geruhsame Stunden daheim.

24. September 2011



Die Tempelhofer Freiheit
. Start- und Landebahn. Airstrip. Skater. Läufer. Radfahrer. Kids. Frauen. Männer. Ich. Ewig her, dass ich Rollschuh gelaufen bin. Oder Skateboard gefahren. Nein, nein, hab ich nicht gemacht. Ich war zu Fuß da. Es gefiel mir aber schon, die Skater zu sehen. Und die einkufigen, glitzernden Rollschuhe. Die schnellen, ausladenden Bewegungen. Ich muss noch mal hin, zu der anderen Seite. An dem Tag kam ich über den Zugang in der Oderstraße. Ging zuerst zu den Pionierfeldern mit den Holzpfählen und den Brutplätzen für die Vögel und den wilden Gärten. Vor drei Jahren war ich mit Jan im Flughafengebäude, bei der Fotobild. Und irgendwann noch früher bin ich auch von Tempelhof geflogen. Ich weiß nicht mehr genau wohin. Irgendein innerdeutscher Flug. So ein ganz kurzer, wo es nicht mal Essen gab. Aber wer vermisst schon Flugzeugessen. Es fehlt dann eher eine Etappe der ritualisierten Zuwendung. Hier in Berlin gab es viel Gedöns, als Tempelhof für immer als Flughafen geschlossen wurde. Dabei ist noch alles da, was man sentimental bedenken will. Und noch viel mehr. Ich mag sehr, was daraus geworden ist.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=107931

24. September 2011



Die Tempelhofer Freiheit
. Start- und Landebahn. Airstrip. Skater. Läufer. Radfahrer. Kids. Frauen. Männer. Ich. Ewig her, dass ich Rollschuh gelaufen bin. Oder Skateboard gefahren. Nein, nein, hab ich nicht gemacht. Ich war zu Fuß da. Es gefiel mir aber schon, die Skater zu sehen. Und die einkufigen, glitzernden Rollschuhe. Die schnellen, ausladenden Bewegungen. Ich muss noch mal hin, zu der anderen Seite. An dem Tag kam ich über den Zugang in der Oderstraße. Ging zuerst zu den Pionierfeldern mit den Holzpfählen und den Brutplätzen für die Vögel und den wilden Gärten. Vor drei Jahren war ich mit Jan im Flughafengebäude, bei der Fotobild. Und irgendwann noch früher bin ich auch von Tempelhof geflogen. Ich weiß nicht mehr genau wohin. Irgendein innerdeutscher Flug. So ein ganz kurzer, wo es nicht mal Essen gab. Aber wer vermisst schon Flugzeugessen. Es fehlt dann eher eine Etappe der ritualisierten Zuwendung. Hier in Berlin gab es viel Gedöns, als Tempelhof für immer als Flughafen geschlossen wurde. Dabei ist noch alles da, was man sentimental bedenken will. Und noch viel mehr. Ich mag sehr, was daraus geworden ist.
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20. September 2011

Wie fange ich an. Also: ich bin da neulich so spazierengegangen. Auf einmal ist alles ganz bunt geworden! Da waren so komische Blumen und Sachen. Nein, ich habe keine Drogen genommen! Das war früher, viel früher, mit den Drogen! Also, um es kurz zu machen: ich war bei Pippi Langstrumpf. Ich bin mir ziemlich sicher. Fast zu tausend Prozent! Sie war zwar nicht persönlich da, aber man hat genau gemerkt, dass sie überall ihre ordnende Pippi-Hand im Spiel gehabt hat. Dort an dem komischen Ort, mit dem komischen Namen. Den ich gar nicht sagen will! Auf keinen Fall! Der Ort ist geheim! Streng geheim! In Berlin! Da wo die Rosinenbomber gelandet sind. Bitte nicht weitersagen. Ist auf jeden Fall schon super. Und ganz schön bunt! Ach so, das hab ich ja schon geschrieben. Ich will jetzt auch gar nicht weiter verraten, was die Leute da alles machen, und wie das alles kommt. Nur, dass man sich die Bilder jetzt ganz viel anschauen muss, weil in drei Jahren ist alles wieder weg! Dann läuft nämlich der Pachtvertrag von Pippi aus. Aber vielleicht schickt ihr der Häuptling von Takatukaland ja eine Kiste mit goldenen Talern und sie kann den Herrscher von Berlin überreden, ihr ein bißchen Zeit zu geben.

Weil dann sind bestimmt alle Salatköpfe und Blumen noch viel größer. Und man kann unter den großen, wippenden Blüten im Schatten sitzen und ein Nickerchen machen. Auf den Bänken aus Obstkisten und alten Fenstern und Türen. Und Erdbeeren essen. Und die Bienen summen. Mitten in Berlin. Da, wo die Rosinenbomber für immer ins Gedächtnis der Berliner geritzt sind. Man kann auf der Bank sitzen und daran zurückdenken. Wie schön das war. Und wie schön es jetzt doch ist. Und sich freuen.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=107931

20. September 2011

Wie fange ich an. Also: ich bin da neulich so spazierengegangen. Auf einmal ist alles ganz bunt geworden! Da waren so komische Blumen und Sachen. Nein, ich habe keine Drogen genommen! Das war früher, viel früher, mit den Drogen! Also, um es kurz zu machen: ich war bei Pippi Langstrumpf. Ich bin mir ziemlich sicher. Fast zu tausend Prozent! Sie war zwar nicht persönlich da, aber man hat genau gemerkt, dass sie überall ihre ordnende Pippi-Hand im Spiel gehabt hat. Dort an dem komischen Ort, mit dem komischen Namen. Den ich gar nicht sagen will! Auf keinen Fall! Der Ort ist geheim! Streng geheim! In Berlin! Da wo die Rosinenbomber gelandet sind. Bitte nicht weitersagen. Ist auf jeden Fall schon super. Und ganz schön bunt! Ach so, das hab ich ja schon geschrieben. Ich will jetzt auch gar nicht weiter verraten, was die Leute da alles machen, und wie das alles kommt. Nur, dass man sich die Bilder jetzt ganz viel anschauen muss, weil in drei Jahren ist alles wieder weg! Dann läuft nämlich der Pachtvertrag von Pippi aus. Aber vielleicht schickt ihr der Häuptling von Takatukaland ja eine Kiste mit goldenen Talern und sie kann den Herrscher von Berlin überreden, ihr ein bißchen Zeit zu geben.

Weil dann sind bestimmt alle Salatköpfe und Blumen noch viel größer. Und man kann unter den großen, wippenden Blüten im Schatten sitzen und ein Nickerchen machen. Auf den Bänken aus Obstkisten und alten Fenstern und Türen. Und Erdbeeren essen. Und die Bienen summen. Mitten in Berlin. Da, wo die Rosinenbomber für immer ins Gedächtnis der Berliner geritzt sind. Man kann auf der Bank sitzen und daran zurückdenken. Wie schön das war. Und wie schön es jetzt doch ist. Und sich freuen.
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19. September 2011

Ich gratuliere dem Berliner Abgeordnetenhaus zum Einzug der orangen Piratenflagge, auch wenn ich die Jungs nicht gewählt habe. Ja ja, gibt auch Piratinnen, schon klar. Als mich das Schicksal vor zwei Jahren auf ein Piratentreffen ins Wahlkampflokal „Breipott“ in Kreuzberg verschlagen hat, waren es allerdings ungefähr 97 Prozent junge Männer, die leider nicht ganz so witzig ausgesehen haben, wie der junge Mann da auf dem Plakat. Das hat sich wohl geändert. Frische Brise aus einer Ecke, die bisher nicht im Abgeordnetenhaus vertreten war, was dem System gut tut. Wie sagen die Jungs: „Klarmachen zum Entern Ändern“. Na dann, herzlich Willkommen, Ihr Digital Natives.

18. September 2011


Die unbekannte Schöne, die ich fast übersehen hätte. Ja, übersehen hätte. Wäre schade gewesen. Passiert ja nicht so oft, dass man durch einen solchen Garten läuft. Eigentlich gehört diese seltene Blume, von der ich nicht weiß, wie sie heißt, in eine andere Reihe, die noch kommt. Über einen Garten, ein Anbaugebiet mit einem bizarren Namen und bemerkenswerten Anblicken. Ich tigerte durch das anarchische Gartenlabyrinth und eine Gärtnerin, die auf der Bank vor ihrem kleinen Beet in der Abendsonne saß, sprach mich an. „Willst du mal etwas Besonderes sehen?“ Die Frage war eigentlich lustig in Anbetracht des Ortes, an dem es vor Absonderlichkeiten nur so wimmelte. Ich freute mich aber, dass sie mich so freundlich ansprach, weil ich eigentlich in fremdem Territorium herumlief, wenn es auch keinen Zaun gab. „Schau mal, die Blume da. Die hab ich aus Neuseeland mitgebracht. Den Samen geschmuggelt. Ist die nicht schön?“ „Ah! Oh ja.“ „Die kannst du doch mal fotografieren! Ich hab es schon ganz oft versucht, aber es wird einfach nichts.“ „Ja, das ist nicht einfach, sie ist so filigran. Und sie bewegt sich. Man braucht eine ruhige Hand.“ Ich versuchte die zarten gefiederten Blüten einzufangen, aber die Sonne sank schon. Auf dem Display sah ich kaum ein Bild mit guter Schärfe. Aber ich ließ nicht locker. Ich wollte ihr unbedingt wenigstens ein Bild zeigen, das ihrer Blume angemessen wäre. Von der sie übrigens selbst nicht wusste, wie ihr Name ist. Die Bilder waren nicht brillant, aber ich konnte ihr zwei, drei zeigen, die immerhin diese Härchen schön einfangen. Sie freute sich. „Und schau mal, ich hab noch eine Pflanze aus Neuseeland! Willst du einen Ableger haben? Hab ich auch als Samen mitgebracht, weil sie so schöne rosa Blüten hat, aber bei mir hat sie noch nie geblüht.“ „Wenn du magst?“ „Schau, du musst sie einfach nur ins Wasser tun, ganz einfach, dann kriegt sie Wurzeln.“ Sie nahm einen Trieb von der Kletterpflanze aus Neuseeland, von der sie ebenfalls nicht wusste, wie sie heißt. Ich sagte vielmals Dank und lief weiter. Den jungen Trieb an der Hüfte, unter den Gürtel geschoben. Die kleine Liane schwang bei jedem Schritt mit. Als die Sonne unterging, war ich wieder zurück in den Straßen und kam mir ein kleines bißchen vor wie Robin Hood.
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19. September 2011

Ich gratuliere dem Berliner Abgeordnetenhaus zum Einzug der orangen Piratenflagge, auch wenn ich die Jungs nicht gewählt habe. Ja ja, gibt auch Piratinnen, schon klar. Als mich das Schicksal vor zwei Jahren auf ein Piratentreffen ins Wahlkampflokal „Breipott“ in Kreuzberg verschlagen hat, waren es allerdings ungefähr 97 Prozent junge Männer, die leider nicht ganz so witzig ausgesehen haben, wie der junge Mann da auf dem Plakat. Das hat sich wohl geändert. Frische Brise aus einer Ecke, die bisher nicht im Abgeordnetenhaus vertreten war, was dem System gut tut. Wie sagen die Jungs: „Klarmachen zum Entern Ändern“. Na dann, herzlich Willkommen, Ihr Digital Natives.

18. September 2011


Die unbekannte Schöne, die ich fast übersehen hätte. Ja, übersehen hätte. Wäre schade gewesen. Passiert ja nicht so oft, dass man durch einen solchen Garten läuft. Eigentlich gehört diese seltene Blume, von der ich nicht weiß, wie sie heißt, in eine andere Reihe, die noch kommt. Über einen Garten, ein Anbaugebiet mit einem bizarren Namen und bemerkenswerten Anblicken. Ich tigerte durch das anarchische Gartenlabyrinth und eine Gärtnerin, die auf der Bank vor ihrem kleinen Beet in der Abendsonne saß, sprach mich an. „Willst du mal etwas Besonderes sehen?“ Die Frage war eigentlich lustig in Anbetracht des Ortes, an dem es vor Absonderlichkeiten nur so wimmelte. Ich freute mich aber, dass sie mich so freundlich ansprach, weil ich eigentlich in fremdem Territorium herumlief, wenn es auch keinen Zaun gab. „Schau mal, die Blume da. Die hab ich aus Neuseeland mitgebracht. Den Samen geschmuggelt. Ist die nicht schön?“ „Ah! Oh ja.“ „Die kannst du doch mal fotografieren! Ich hab es schon ganz oft versucht, aber es wird einfach nichts.“ „Ja, das ist nicht einfach, sie ist so filigran. Und sie bewegt sich. Man braucht eine ruhige Hand.“ Ich versuchte die zarten gefiederten Blüten einzufangen, aber die Sonne sank schon. Auf dem Display sah ich kaum ein Bild mit guter Schärfe. Aber ich ließ nicht locker. Ich wollte ihr unbedingt wenigstens ein Bild zeigen, das ihrer Blume angemessen wäre. Von der sie übrigens selbst nicht wusste, wie ihr Name ist. Die Bilder waren nicht brillant, aber ich konnte ihr zwei, drei zeigen, die immerhin diese Härchen schön einfangen. Sie freute sich. „Und schau mal, ich hab noch eine Pflanze aus Neuseeland! Willst du einen Ableger haben? Hab ich auch als Samen mitgebracht, weil sie so schöne rosa Blüten hat, aber bei mir hat sie noch nie geblüht.“ „Wenn du magst?“ „Schau, du musst sie einfach nur ins Wasser tun, ganz einfach, dann kriegt sie Wurzeln.“ Sie nahm einen Trieb von der Kletterpflanze aus Neuseeland, von der sie ebenfalls nicht wusste, wie sie heißt. Ich sagte vielmals Dank und lief weiter. Den jungen Trieb an der Hüfte, unter den Gürtel geschoben. Die kleine Liane schwang bei jedem Schritt mit. Als die Sonne unterging, war ich wieder zurück in den Straßen und kam mir ein kleines bißchen vor wie Robin Hood.
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17. September 2011

So. Ich habe mich jetzt entschieden. Ich bin für ein komplett neues Wahlsystem. Keine Lust, morgen eine Partei zu wählen. Ich will einzelne Programmpunkte wählen und stärker vertreten wissen, aber nicht eine ganze Partei, keinen Kraut- und Rüben-Sack voll Behauptungen und Personen. Mein Dilemma ist, dass mir der Wahlomat die Parteien vorschlägt, bei denen die meiste Übereinstimmung mit meinen Vorstellungen zu finden ist, was mich jetzt auch nicht überrascht, aber eigentlich habe ich keine Lust das jeweilige Partei-Menü komplett zu wählen. Weil immer auch irgendwelche Menü-Punkte im Programm stehen, die mir nicht zusagen. Und das ist bei allen Parteien der Fall. Kann man nicht für jedes Problem-Thema eine Handvoll Sachverständige ins Rennen schicken und welche These zu einem Thema die meisten Stimmen kriegt, ist dann halt die Marschrichtung, wurscht welche Partei. Mir gefallen zum Beispiel Politiker von allen Parteien und ebenfalls von allen Parteien nicht. Na gut, ich hab mir nicht alle angeschaut, zum Beispiel bin ich jetzt nicht so richtig in der Lage, einen NPD-Politiker zu benennen, den ich angenehm finde.

Wie auch immer – ich will vorrangig inhaltliche Entscheidungen treffen und innerhalb der Einzel-Thesen bitte Vorschläge mit Foto und Kurzbiographie (eventuell noch ein Video, damit ich mir den oder die besser vorstellen kann), wer dafür auf die Barrikaden gehen will. Zum Beispiel zur Frage, ob das Tempelhofer Feld Indianerland bleiben soll oder langweilig bebaut werden, wähle ich: Indianer. Dazu möchte ich auf dem Zettel drei bis fünf Kandidaten sehen, die das auch wollen, mit Ganzkör Gesichtsfoto. Da such ich mir dann zum Beispiel Jürgen Trittin aus. Oder Judith Holofernes. Weiß ich noch nicht, entscheide ich in der Kabine! „Dann wähl halt Grün!“ wird jetzt manch einer denken. Hab ich aber nicht so ganz richtig Lust obwohl die mehr Thesen vertreten, die ich auch befürworte als zum Beispiel die Piraten, obwohl die wieder andere Sachen drin haben, die ich gut finde. Nicht nur die Plakate. Aber sowohl Grüne als auch Piraten verteten in einem völlig anderen Themenbereich eine Linie, die ich anders gehandhabt sehen möchte. Da finde ich mich dann sogar bei der CDU wieder.

Oder noch eher bei der SPD als bei den Grünen und den ganzen Kleinrebellen-Parteien. Wen ich zum Beispiel als Politiker und Mensch auch immer super fand, war Norbert Blüm. Der ist ja nicht mehr aktiv, oder vielmehr nur als Kinderbuchautor, soviel ich weiß, aber den würde ich immer wählen. Oder Heiner Geißler. Und auch unseren Wowi. Ich will aber nicht SPD wählen. Und schon gar nicht CDU. Und auf keinen Fall FDP. Und die anderen kleinen Bürgerinitativen überzeugen mich auch nicht so recht. Abgesehen von der Anti-PowerPoint-Partei versteht sich. Kleiner Scherz, die gibt’s ja nur in der Schweiz, aber ich bin in Berlin und muss morgen wählen! Bestimmt haben viele ähnliche Entscheidungsschwierigkeiten wie ich. Vielleicht sollte ich eine Selbsthilfegruppe gründen. Oder besser noch eine E-Petition an den Deutschen Bundestag richten, dass ich für die Abschaffung von Parteien-Wahl bin fordere! So, nun wissen alle Bescheid, was mich in den letzten zwei Stunden beschäftigt hat. Wird wahrscheinlich etwas spontan morgen. Mal gucken.

17. September 2011

So. Ich habe mich jetzt entschieden. Ich bin für ein komplett neues Wahlsystem. Keine Lust, morgen eine Partei zu wählen. Ich will einzelne Programmpunkte wählen und stärker vertreten wissen, aber nicht eine ganze Partei, keinen Kraut- und Rüben-Sack voll Behauptungen und Personen. Mein Dilemma ist, dass mir der Wahlomat die Parteien vorschlägt, bei denen die meiste Übereinstimmung mit meinen Vorstellungen zu finden ist, was mich jetzt auch nicht überrascht, aber eigentlich habe ich keine Lust das jeweilige Partei-Menü komplett zu wählen. Weil immer auch irgendwelche Menü-Punkte im Programm stehen, die mir nicht zusagen. Und das ist bei allen Parteien der Fall. Kann man nicht für jedes Problem-Thema eine Handvoll Sachverständige ins Rennen schicken und welche These zu einem Thema die meisten Stimmen kriegt, ist dann halt die Marschrichtung, wurscht welche Partei. Mir gefallen zum Beispiel Politiker von allen Parteien und ebenfalls von allen Parteien nicht. Na gut, ich hab mir nicht alle angeschaut, zum Beispiel bin ich jetzt nicht so richtig in der Lage, einen NPD-Politiker zu benennen, den ich angenehm finde.

Wie auch immer – ich will vorrangig inhaltliche Entscheidungen treffen und innerhalb der Einzel-Thesen bitte Vorschläge mit Foto und Kurzbiographie (eventuell noch ein Video, damit ich mir den oder die besser vorstellen kann), wer dafür auf die Barrikaden gehen will. Zum Beispiel zur Frage, ob das Tempelhofer Feld Indianerland bleiben soll oder langweilig bebaut werden, wähle ich: Indianer. Dazu möchte ich auf dem Zettel drei bis fünf Kandidaten sehen, die das auch wollen, mit Ganzkör Gesichtsfoto. Da such ich mir dann zum Beispiel Jürgen Trittin aus. Oder Judith Holofernes. Weiß ich noch nicht, entscheide ich in der Kabine! „Dann wähl halt Grün!“ wird jetzt manch einer denken. Hab ich aber nicht so ganz richtig Lust obwohl die mehr Thesen vertreten, die ich auch befürworte als zum Beispiel die Piraten, obwohl die wieder andere Sachen drin haben, die ich gut finde. Nicht nur die Plakate. Aber sowohl Grüne als auch Piraten verteten in einem völlig anderen Themenbereich eine Linie, die ich anders gehandhabt sehen möchte. Da finde ich mich dann sogar bei der CDU wieder.

Oder noch eher bei der SPD als bei den Grünen und den ganzen Kleinrebellen-Parteien. Wen ich zum Beispiel als Politiker und Mensch auch immer super fand, war Norbert Blüm. Der ist ja nicht mehr aktiv, oder vielmehr nur als Kinderbuchautor, soviel ich weiß, aber den würde ich immer wählen. Oder Heiner Geißler. Und auch unseren Wowi. Ich will aber nicht SPD wählen. Und schon gar nicht CDU. Und auf keinen Fall FDP. Und die anderen kleinen Bürgerinitativen überzeugen mich auch nicht so recht. Abgesehen von der Anti-PowerPoint-Partei versteht sich. Kleiner Scherz, die gibt’s ja nur in der Schweiz, aber ich bin in Berlin und muss morgen wählen! Bestimmt haben viele ähnliche Entscheidungsschwierigkeiten wie ich. Vielleicht sollte ich eine Selbsthilfegruppe gründen. Oder besser noch eine E-Petition an den Deutschen Bundestag richten, dass ich für die Abschaffung von Parteien-Wahl bin fordere! So, nun wissen alle Bescheid, was mich in den letzten zwei Stunden beschäftigt hat. Wird wahrscheinlich etwas spontan morgen. Mal gucken.

11. September 2011

„Das ISTAF („Internationales STAdionFest“) ist auch 2011 größtes Meeting der Welt! Mindestens 53.000 Zuschauer sehen zehn Weltmeister von Daegu und vier amtierende Weltrekordhalter. Das gab’s noch nie beim Internationalen Stadionfest ISTAF: Unter den 220 Athleten sind gleich vier amtierende Weltrekordhalter, 22 Weltmeister und acht Olympiasieger! Sie kommen, um dem ältesten und größten Leichtathletik-Meeting der Welt zu gratulieren. Denn das Internationale Stadionfest Berlin wird in diesem Jahr 90 Jahre alt. Auch das Berliner Olympiastadion, mit dem das ISTAF seit 1937 untrennbar verbunden ist, hat Grund zum Feiern: Es wird 75 Jahre alt. Kein Wunder, dass die Gratulanten aus aller Welt nach Berlin kommen“.

Und auch ich darf heute gratulieren! Hab eine Karte geschenkt gekriegt. Ich war seit meiner Schulzeit auf keiner Sportveranstaltung mehr. Sport war ja eines meiner absoluten Hassfächer. Aber durch meine Beschäftigung mit Leni Riefenstahl und dem Olympiafilm und dem Olympiastadion habe ich jetzt doch Blut geleckt. Außerdem ist es bestimmt eine tolle Atmosphäre, wenn soundsovieltausend Zuschauer mit den Sportlern mitfiebern. Leider kann ich auf die Schnelle keine Kameragräben ausheben lassen, wie das Leni Riefenstahl seinerzeit veranlasst hat, um die Athleten freigestellt vor dem Himmelszelt einzufangen. Aber irgendwelche interessanten Begegnungen ergeben sich ja immer für mich und meine kleine Kamera. Das Wetter sieht auch gut aus.
Geburtstagswetter zum Neunzigsten und Fünfundsiebzigsten. Wahnsinn. Seit 1921 gibt es das Stadionfest. Das ist schon eine beeindruckende Tradition. Da ich die Sportstars im Einzelnen ja nicht kenne und es nun auch nicht mehr hinkriege, die Gesichter zu den Namen der Weltrekordler und Olympiasieger zu lernen, um dann gleich zu sehen, wer da gerade am Start ist, verlasse ich mich auf das Publikum und die Ansagen. Ich gehe mal davon aus, dass man das einfach spürt. Vielfaches Raunen wird durch die Menge gehen! Hoffentlich gibt es auch Fahnen im Publikum von allen Ländern. Fahnen finde ich toll. Ins Olympiastadion passen über 70.000 Zuschauer, 53.000 Karten sind verkauft. Da es so ein besonderes Fest heute ist, kommen bestimmt noch mehr. Und 220 Athleten! Hammer. Übrigens Hammerwerfen interessiert mich besonders. Und Speerwerfen! Und Kugelstoßen. Sag ich jetzt mal so spontan. Das ZDF überträgt live ab 15:50 Uhr. Um elf Uhr ist Einlass im Stadion, dann gibt es ab zwölf Uhr Vorprogramm und um 12:30 ist schon Speerwurf dran. Leider nur Frauen. Komisch eigentlich, dabei ist das doch so ein anmutiger Sport, gerade auch für gut gebaute Männer. Na ja, ich muss eben nehmen, was ich kriege. Die Sporttrikots der Männer sind ja bei den Leichtathleten auch immer ärmellos fällt mir ein. Das finde ich auf jeden Fall sehr gut. Vielleicht gibt es ja sogar eine Fanfare, wenn es losgeht. Das wäre ganz nach meinem Geschmack. Ordentlich Traritrara und Gedöns! Bin jetzt doch ein bißchen kribbelig, muss ich zugeben!

Vorgestern hab ich mir bei Edeka in der Rosenthaler Straße extra als Proviant Mini-Tetra-Pack-Orangensaft-Schachteln gekauft. Als Proviant sind bei Getränken nämlich nur Tetra-Packs mit maximaler Größe 0,5 Liter erlaubt. Wenn ich mehrere davon mitnehme – meine Saft-Tetrapäckchen sind ja kleiner – darf ich das bestimmt. Zwei oder drei. Und zwei oder drei Äpfel. Sportliche Kost! Ich hab mich ja nicht zum Fotografieren akkreditiert, daher hoffe ich, dass ich überhaupt reinkomme mit meiner Kamera. Die sind da schon streng. Zum Glück laufe ich aber ja eh nicht mit so einer Bohrmaschine mit kanonenmäßigem Objektiv rum. Da könnte ich mich ja gar nicht bewegen. Wird schon klappen. Schließlich will ich ja nur Bilder für mein privates Erinnerungsalbum machen. Damit ich später mal sagen kann: „Schau! Ich war auch dabei, beim großen Stadionfest, als es neunzig Jahre alt geworden ist!“. Fragt sich nur, zu wem ich das dann mal sage, dereinst. Na ja, wird sich schon irgendjemand finden, der sich für meine Erlebnisse von früher interessiert. Von damals. Vom elften September 2011.

14. September 2011

Noch mal Indianerland. Adler in der Freiheit. Mehr als einer. Was will ich mehr. Manchmal ist alles genug, ausreichend. Man hört auf, sich zu beschweren. Und obgleich man längst nicht alles hat, was man sich so zusammengewünscht hat in vielen Lebensjahren, ist alles gut soweit. Nicht „so weit ganz gut“. Schon besser. Ich meine blauer Himmel und große Freiheit.

Es ist schon in Ordnung, wenn die Dinge in die Gebetsmühle gehen. Gebetet werden. Denn so schaut man in den Himmel, sieht erst den einen Vogel, dann den anderen. Dann zwei. Dann alle. Von allen Seiten. Es ist eine Charaktersache. Dieses Ausloten, von allen Seiten. Vielleicht, um fertig zu werden. Gesehen, verstanden, begriffen zu haben. Die Lektion, die es in sich trägt. Zum Beispiel diese Himmelsbilder, in einem Sommer, der mir gut gefallen hat. In seiner unaufgeregten sanften Bläue. An manchen Tagen ganz tief. Ich habe es ausgelotet. Das ganze Blau. Die ganzen Himmel. Und wenn ich mit allen Himmeln fertig bin, kann ich wieder weiter. Zu einem neuen Horizont, einem neuen Himmel. Bis ich alle Himmel gesehen habe. Dann bin ich reif für den anderen. Ganz oben, da über den Wolken. Noch weiter drüber. Wo hinter dem blauen Zelt das Licht zu gleißen beginnt. Bis alles explodiert. Vielleicht in Licht. Und vielleicht sogar Glückseligkeit.
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10. September 2011


Das Pferd war auf der Koppel. Ich. Das wilde Pferd. Als Kind und besonders als junges Mädchen hat mich mein Vater oft mit einem Pferd verglichen. Vielleicht weil ich schon immer groß war und wegen meines Schädels. Und vielleicht weil die Bewegungen oft ungestüm waren. Das sind sie immer noch. Ich glaube, er hatte Recht. Er mochte Pferde, er hatte welche als Kind. Eines mochte er besonders. Er musste es zurücklassen. Manchmal zeigte er das Foto mit dem Pferdekopf. Ein schönes Tier. Mit großen dunklen Augen. Lange Wimpern, wie sie nur Pferde haben. Oder vielleicht Kühe. Die haben auch lange Wimpern. Ich ja nicht so.

Arizona, weil ich Arizona besonders gerne mag. Irgendein Reporter hat auch etwas von Arizona geschrieben, wegen der Weite. Alles groß hier. Der Arizonahimmel mit den aufgepfählten, bemalten Leinwänden ist an einem Ort, der eine lange Geschichte hat. Jetzt heißt er Freiheit. Ein weites Feld neben der südlichen Startbahn des stillgelegten, legendären Flughafens Tempelhof. Die neuere Start- und Landebahn wurde für den reibungslosen Ablauf der Luftbrücke gebaut. Und es gibt dort noch andere bemerkenswerte Dinge. Aber zuerst war ich dort, wo ich an Arizona dachte.

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11. September 2011

„Das ISTAF („Internationales STAdionFest“) ist auch 2011 größtes Meeting der Welt! Mindestens 53.000 Zuschauer sehen zehn Weltmeister von Daegu und vier amtierende Weltrekordhalter. Das gab’s noch nie beim Internationalen Stadionfest ISTAF: Unter den 220 Athleten sind gleich vier amtierende Weltrekordhalter, 22 Weltmeister und acht Olympiasieger! Sie kommen, um dem ältesten und größten Leichtathletik-Meeting der Welt zu gratulieren. Denn das Internationale Stadionfest Berlin wird in diesem Jahr 90 Jahre alt. Auch das Berliner Olympiastadion, mit dem das ISTAF seit 1937 untrennbar verbunden ist, hat Grund zum Feiern: Es wird 75 Jahre alt. Kein Wunder, dass die Gratulanten aus aller Welt nach Berlin kommen“.

Und auch ich darf heute gratulieren! Hab eine Karte geschenkt gekriegt. Ich war seit meiner Schulzeit auf keiner Sportveranstaltung mehr. Sport war ja eines meiner absoluten Hassfächer. Aber durch meine Beschäftigung mit Leni Riefenstahl und dem Olympiafilm und dem Olympiastadion habe ich jetzt doch Blut geleckt. Außerdem ist es bestimmt eine tolle Atmosphäre, wenn soundsovieltausend Zuschauer mit den Sportlern mitfiebern. Leider kann ich auf die Schnelle keine Kameragräben ausheben lassen, wie das Leni Riefenstahl seinerzeit veranlasst hat, um die Athleten freigestellt vor dem Himmelszelt einzufangen. Aber irgendwelche interessanten Begegnungen ergeben sich ja immer für mich und meine kleine Kamera. Das Wetter sieht auch gut aus.
Geburtstagswetter zum Neunzigsten und Fünfundsiebzigsten. Wahnsinn. Seit 1921 gibt es das Stadionfest. Das ist schon eine beeindruckende Tradition. Da ich die Sportstars im Einzelnen ja nicht kenne und es nun auch nicht mehr hinkriege, die Gesichter zu den Namen der Weltrekordler und Olympiasieger zu lernen, um dann gleich zu sehen, wer da gerade am Start ist, verlasse ich mich auf das Publikum und die Ansagen. Ich gehe mal davon aus, dass man das einfach spürt. Vielfaches Raunen wird durch die Menge gehen! Hoffentlich gibt es auch Fahnen im Publikum von allen Ländern. Fahnen finde ich toll. Ins Olympiastadion passen über 70.000 Zuschauer, 53.000 Karten sind verkauft. Da es so ein besonderes Fest heute ist, kommen bestimmt noch mehr. Und 220 Athleten! Hammer. Übrigens Hammerwerfen interessiert mich besonders. Und Speerwerfen! Und Kugelstoßen. Sag ich jetzt mal so spontan. Das ZDF überträgt live ab 15:50 Uhr. Um elf Uhr ist Einlass im Stadion, dann gibt es ab zwölf Uhr Vorprogramm und um 12:30 ist schon Speerwurf dran. Leider nur Frauen. Komisch eigentlich, dabei ist das doch so ein anmutiger Sport, gerade auch für gut gebaute Männer. Na ja, ich muss eben nehmen, was ich kriege. Die Sporttrikots der Männer sind ja bei den Leichtathleten auch immer ärmellos fällt mir ein. Das finde ich auf jeden Fall sehr gut. Vielleicht gibt es ja sogar eine Fanfare, wenn es losgeht. Das wäre ganz nach meinem Geschmack. Ordentlich Traritrara und Gedöns! Bin jetzt doch ein bißchen kribbelig, muss ich zugeben!

Vorgestern hab ich mir bei Edeka in der Rosenthaler Straße extra als Proviant Mini-Tetra-Pack-Orangensaft-Schachteln gekauft. Als Proviant sind bei Getränken nämlich nur Tetra-Packs mit maximaler Größe 0,5 Liter erlaubt. Wenn ich mehrere davon mitnehme – meine Saft-Tetrapäckchen sind ja kleiner – darf ich das bestimmt. Zwei oder drei. Und zwei oder drei Äpfel. Sportliche Kost! Ich hab mich ja nicht zum Fotografieren akkreditiert, daher hoffe ich, dass ich überhaupt reinkomme mit meiner Kamera. Die sind da schon streng. Zum Glück laufe ich aber ja eh nicht mit so einer Bohrmaschine mit kanonenmäßigem Objektiv rum. Da könnte ich mich ja gar nicht bewegen. Wird schon klappen. Schließlich will ich ja nur Bilder für mein privates Erinnerungsalbum machen. Damit ich später mal sagen kann: „Schau! Ich war auch dabei, beim großen Stadionfest, als es neunzig Jahre alt geworden ist!“. Fragt sich nur, zu wem ich das dann mal sage, dereinst. Na ja, wird sich schon irgendjemand finden, der sich für meine Erlebnisse von früher interessiert. Von damals. Vom elften September 2011.

10. September 2011


Das Pferd war auf der Koppel. Ich. Das wilde Pferd. Als Kind und besonders als junges Mädchen hat mich mein Vater oft mit einem Pferd verglichen. Vielleicht weil ich schon immer groß war und wegen meines Schädels. Und vielleicht weil die Bewegungen oft ungestüm waren. Das sind sie immer noch. Ich glaube, er hatte Recht. Er mochte Pferde, er hatte welche als Kind. Eines mochte er besonders. Er musste es zurücklassen. Manchmal zeigte er das Foto mit dem Pferdekopf. Ein schönes Tier. Mit großen dunklen Augen. Lange Wimpern, wie sie nur Pferde haben. Oder vielleicht Kühe. Die haben auch lange Wimpern. Ich ja nicht so.

Arizona, weil ich Arizona besonders gerne mag. Irgendein Reporter hat auch etwas von Arizona geschrieben, wegen der Weite. Alles groß hier. Der Arizonahimmel mit den aufgepfählten, bemalten Leinwänden ist an einem Ort, der eine lange Geschichte hat. Jetzt heißt er Freiheit. Ein weites Feld neben der südlichen Startbahn des stillgelegten, legendären Flughafens Tempelhof. Die neuere Start- und Landebahn wurde für den reibungslosen Ablauf der Luftbrücke gebaut. Und es gibt dort noch andere bemerkenswerte Dinge. Aber zuerst war ich dort, wo ich an Arizona dachte.

http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087

07. September 2011

Bin irgendwie rammdösig heute. Ich werde alt. Ja, ja auf den Fotos wirke ich immer so jugendlich. Mental. Früher hätte ich die zu wünschen übrig lassende Tagesform auf zu viel Rotwein geschoben. Heute muss ich erkennen: man kann sich auch ohne Rotwein so fühlen. Zweite Kanne Kaffee gekocht. Obwohl Tee ja besser wäre. Ach Scheiß drauf! Dafür war ich gestern in ausgezeichneter Form und habe mich so frisch und vital gefühlt wie andere mit Zwanzig! Es ist ja auch immer alles in Bewegung. Wahrscheinlich steht mir der Tageshöhepunkt einfach noch bevor! Aufgrund der von mir manipulierten Auswahl der von mir verfügbaren Bilder, finde ich leider auf die Schnelle keines, das meine Befindlichkeit angemessen abbildet. Und niemals würde ich jetzt und heute, in dieser Stunde ein Foto machen wollen! Dafür bin ich viel zu eitel. Rammdösig aber eitel. Hab ich eigentlich schon mal erzählt, dass mich Leute, die von sich behaupten nicht eitel zu sein, auf die Palme bringen? Und zwar aus zweierlei Gründen: entweder sind sie wirklich nicht im Bezug auf Äußerlichkeiten eitel und das sieht man dann meistens auch, weil ja zumindest in Deutschland die allerwenigsten erwachsenen Menschen ohne jegliche kosmetische Manipulation erhebend aussehen, und daher aufgrund der Unterlassung gewisser Rituale, die ihr Aussehen verbessern könnten, dementsprechend mit ihrem Anblick keine Freude bereiten.
Oder sie sind sehr wohl eitel, haben aber nicht den Arsch in der Hose, das zuzugeben, weil sie sich immer noch nicht von ihrer schwachsinnigen Erziehung emanzipiert haben, die da unter anderem schon im Poesiealbum predigte „sei bla bla bla, sittsam und rein, und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein“. Interessanterweise gibt es bei der zweiten Sorte häufig eine Art intellektuelle Eitelkeit, die aber offiziell als weniger oberflächlich, weniger primitiv gilt. Na ja. Akademischer Schwanzvergleich. Ich bin ja in jedweder Hinsicht eitel. Es ist mir nicht egal, was gewisse Leute von mir halten. Bei anderen hingegen schon. Ich bin mehr so selektiv eitel. Das geht so weit, dass ich mich sogar zufrieden zeige, wenn sich gewisse Personen von mir distanzieren. Das Wagnis, sich jemandem anzunähern, impliziert ja das positive Vor-Urteil über sich selbst „ich gehe mal davon aus, dass ich dort willkommen bin.“ Bei mir ist keinesfalls jeder willkommen. Ich kann zwar gut so tun, um nicht anzuecken, im gesellschaftlichen Alltag, wenn ich mich zum Beispiel im Drogeriemarkt in die Schlange an der Kasse einreihe, als könnte ich niemandem etwas zuleide tun, aber das ist eine Lüge. Mir sind ziemlich viele Leute suspekt und unsympathisch. Eigentlich finde ich den größten Teil der Menschheit eher uninteressant. Unattraktiv, profillos. Ich scheine mich gerade in Rage zu schreiben! Nein, nein, es gibt auch Tage, da finde ich alle möglichen Leute sehr nett. Aber dennoch. Ich will sie nicht treffen müssen. Nicht unter vier Augen reden. Nicht mit ihnen Kaffee trinken. Unter keinen Umständen von ihnen besucht werden. Ich frage mich, ob das eine Altersfrage ist, wenn man so selektiv wird. Obwohl ich war schon immer sehr selektiv. Ich glaube, jetzt wird der Kaffee langsam kalt. Ich finde es ja gut, wenn man ab und zu abgründige Bekenntnisse bloggt. Ist hier ja nun kein Licht- und-Liebe-Blog. Also!
P.S. Wikipedia schreibt: „Eitelkeit (lat. vanitas) ist die übertriebene Sorge um die eigene körperliche Schönheit oder die geistige Vollkommenheit, den eigenen Körper, das Aussehen und die Attraktivität oder die Wohlgeformtheit des eigenen Charakters.“ (…) „In der christlichen, besonders der katholischen Theologie wird die Eitelkeit zu den Hauptsünden gerechnet. Die Eitelkeit lenkt das Denken des Menschen von Gott ab und hin zu sich selbst, zu seinem Körper und seinem Äußeren.“ Eine „Hauptsünde“. Hört hört. Somit war es für eine schwere Sünderin wie mich nur folgerichtig, vor siebzehn Jahren aus der Kirche auszutreten.

07. September 2011

Bin irgendwie rammdösig heute. Ich werde alt. Ja, ja auf den Fotos wirke ich immer so jugendlich. Mental. Früher hätte ich die zu wünschen übrig lassende Tagesform auf zu viel Rotwein geschoben. Heute muss ich erkennen: man kann sich auch ohne Rotwein so fühlen. Zweite Kanne Kaffee gekocht. Obwohl Tee ja besser wäre. Ach Scheiß drauf! Dafür war ich gestern in ausgezeichneter Form und habe mich so frisch und vital gefühlt wie andere mit Zwanzig! Es ist ja auch immer alles in Bewegung. Wahrscheinlich steht mir der Tageshöhepunkt einfach noch bevor! Aufgrund der von mir manipulierten Auswahl der von mir verfügbaren Bilder, finde ich leider auf die Schnelle keines, das meine Befindlichkeit angemessen abbildet. Und niemals würde ich jetzt und heute, in dieser Stunde ein Foto machen wollen! Dafür bin ich viel zu eitel. Rammdösig aber eitel. Hab ich eigentlich schon mal erzählt, dass mich Leute, die von sich behaupten nicht eitel zu sein, auf die Palme bringen? Und zwar aus zweierlei Gründen: entweder sind sie wirklich nicht im Bezug auf Äußerlichkeiten eitel und das sieht man dann meistens auch, weil ja zumindest in Deutschland die allerwenigsten erwachsenen Menschen ohne jegliche kosmetische Manipulation erhebend aussehen, und daher aufgrund der Unterlassung gewisser Rituale, die ihr Aussehen verbessern könnten, dementsprechend mit ihrem Anblick keine Freude bereiten.
Oder sie sind sehr wohl eitel, haben aber nicht den Arsch in der Hose, das zuzugeben, weil sie sich immer noch nicht von ihrer schwachsinnigen Erziehung emanzipiert haben, die da unter anderem schon im Poesiealbum predigte „sei bla bla bla, sittsam und rein, und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein“. Interessanterweise gibt es bei der zweiten Sorte häufig eine Art intellektuelle Eitelkeit, die aber offiziell als weniger oberflächlich, weniger primitiv gilt. Na ja. Akademischer Schwanzvergleich. Ich bin ja in jedweder Hinsicht eitel. Es ist mir nicht egal, was gewisse Leute von mir halten. Bei anderen hingegen schon. Ich bin mehr so selektiv eitel. Das geht so weit, dass ich mich sogar zufrieden zeige, wenn sich gewisse Personen von mir distanzieren. Das Wagnis, sich jemandem anzunähern, impliziert ja das positive Vor-Urteil über sich selbst „ich gehe mal davon aus, dass ich dort willkommen bin.“ Bei mir ist keinesfalls jeder willkommen. Ich kann zwar gut so tun, um nicht anzuecken, im gesellschaftlichen Alltag, wenn ich mich zum Beispiel im Drogeriemarkt in die Schlange an der Kasse einreihe, als könnte ich niemandem etwas zuleide tun, aber das ist eine Lüge. Mir sind ziemlich viele Leute suspekt und unsympathisch. Eigentlich finde ich den größten Teil der Menschheit eher uninteressant. Unattraktiv, profillos. Ich scheine mich gerade in Rage zu schreiben! Nein, nein, es gibt auch Tage, da finde ich alle möglichen Leute sehr nett. Aber dennoch. Ich will sie nicht treffen müssen. Nicht unter vier Augen reden. Nicht mit ihnen Kaffee trinken. Unter keinen Umständen von ihnen besucht werden. Ich frage mich, ob das eine Altersfrage ist, wenn man so selektiv wird. Obwohl ich war schon immer sehr selektiv. Ich glaube, jetzt wird der Kaffee langsam kalt. Ich finde es ja gut, wenn man ab und zu abgründige Bekenntnisse bloggt. Ist hier ja nun kein Licht- und-Liebe-Blog. Also!
P.S. Wikipedia schreibt: „Eitelkeit (lat. vanitas) ist die übertriebene Sorge um die eigene körperliche Schönheit oder die geistige Vollkommenheit, den eigenen Körper, das Aussehen und die Attraktivität oder die Wohlgeformtheit des eigenen Charakters.“ (…) „In der christlichen, besonders der katholischen Theologie wird die Eitelkeit zu den Hauptsünden gerechnet. Die Eitelkeit lenkt das Denken des Menschen von Gott ab und hin zu sich selbst, zu seinem Körper und seinem Äußeren.“ Eine „Hauptsünde“. Hört hört. Somit war es für eine schwere Sünderin wie mich nur folgerichtig, vor siebzehn Jahren aus der Kirche auszutreten.

05. September 2011

Rasen dahin die Tage. Schon wieder beinah eine Woche September. Als ich letzten Freitag so durch Neukölln spazierte, durch mir mehr oder weniger unbekannte Straßen, fielen mir ja immer wieder diese launigen Piratenplakate auf. Während ich mich also einem mit der Kamera in der Hand nähern will, sehe ich schon von weitem Kids, die ziemlich wild mit einem Ball spielen. Eine kleine Gang könnte man sagen. Drei Jungs und ein Mädchen. Alter ungefähr zwischen zehn und zwölf. Sie haben ein ziemliches Tempo und der Ball wechselt schneller, als ich gucken kann. Das Spielchen spielt sich hauptsächlich da ab, von wo aus ich das Bild machen will. Ich gehe zielstrebig zu meinem beabsichtigten Punkt und damit mitten in das Gerangel der Kids, die mich interessiert angucken. Der Junge mit dem gelben Oberteil will wissen, warum ich das fotografiere. „Weil das ein gutes Foto gibt“. Auf jeden Fall haben alle durcheinandergequiekt, gequietscht und geplappert. Der Kleinste, mit dem lila Oberteil hat besonders frech geguckt und den Ball auf mich gezielt, aber ich habe ihn abgefangen und ziemlich hart zurückgeworfen, wobei ich extra böse-cool gegrinst habe! Wie eine echte Bitch! Damit hat er nicht gerechnet, der kleine Bushido. Das hat ihn mächtig beeindruckt. Sie haben weiter gespielt und ich habe einfach angefangen, sie dabei zu fotografieren. Das hat zwei der kleinen Rabauken veranlasst, ihr Repertoire an Gangster-Rapper-Gesten an mir auszuprobieren. Der Kleinste war wieder mal der Coolste. Hat er doch zielstrebig versucht, mir den mp3-Player aus der Hosentasche zu ziehen, was ihm auch mehrfach sehr geschickt gelungen ist, ich hole ihn mir fünf mal wieder zurück. und dabei guckt er mir doch dermaßen lasziv grinsend und tief in die Augen, als ob er mich anmachen will.

Ich meine: der Junge ist zehn oder elf und guckt mich an wie ein erwachsener Mann, der dringend flirten muss. Dann wieder diese gespielten Abwehrgesten und Gefluche, ich soll sofort aufhören zu fotografieren. Fünf Sekunden später: „Ey! Los! Mach ein Foto von mir!“ Das ging eine ganze Weile so hin und her. Das Mädchen ist mir erst später aufgefallen, meine Güte war die hübsch. Am liebsten hätte ich nur noch sie fotografiert, aber sie hat sich immer umgedreht und ebenfalls kokett herumgezickt. Natürlich fanden die vier das superinteressant, dass ich sie interessant genug finde. Was die mich alles gefragt haben. Und dann wieder so Sprüche: „Ey, bist du von der Polizei?“ Ich: „Ja, ich bin von der Polizei. (Böses Panzerknackerlachen), hehehe“. Ich setze meine Sonnenbrille wieder auf, weil die Sonne plötzlich so tief steht und blendet. Die Kleine meint: „ohh! Das sieht total cool aus, kann ich ein Bild machen?“. Sie hält leider ins Gegenlicht und das fertige Bild ist ganz dunkel. Dann fängt der Kleinste an, sich mit ihr zu umarmen. Die beiden scheinen sehr vertraut miteinander zu sein.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087
Da fällt mir ein, irgendwann vorher hat er im Übermut seine Hose runtergezogen und mir seinen kleinen Hintern gezeigt. Ich habe ein Foto davon gemacht, als Retourkutsche sozusagen. Großes Gequietsche: „eeeeyyy!!! Hast du das jetzt fotografiert?!? Echt???“ „Na klar.“ Ich hab das Bild vorhin gelöscht. Das wüsste man nur im Zusammenhang dieser putzigen Geschichte zu würdigen. So kommt man im Vorbeilaufen zu einem Haufen Fotos mit einem echten Neuköllner Mini-Bushido.

04. September 2011

Preiswerte Qualitätsprodukte, Batman Elekronik, Wahlreklame, Gekritzel an der Wand. Kraut und Rüben halt. Kleinster gemeinsamer Nenner. Die Computerplatinen-Hotpants und weiß der Geier was dieser geniale Elektrogeschäft-goes-Contemporary Art-Inhaber Batman (so heißt der wirklich, das Jim Rakete-Phänomen quasi, der heißt ja auch in echt so) da sonst noch bastelt, haut mich um. Was für Kostbarkeiten. Was für eine Entdeckung. Das Zeug gehört in die Museen dieser Welt. Man sieht ja viel Scheiß hier, in der sog. Kunstszene. Mir geht wahrlich das Herz auf, bei den Sachen von Herrn Batman. Leider war der Laden zu und ich konnte nur durch die Scheibe fotografieren.

Und dann ist natürlich Erklärungsbedarf zu der etwas aufdringlichen Reihe Piraten-Wahlplakate. Wir haben ja nun hier am 18. September Wahlen und überall kleben wieder die Reklamebildchen der Parteien. Es tut mir ja nun sehr leid, dass die Plakate der anderen Parteien nicht annähernd so gelungen sind, wie die Piratendinger. Was aber durchaus nicht als Wahlempfehlung missverstanden werden sollte. Die Sprüche auf den abgelichteten kann ich zwar durchaus unterschreiben (na ja, obwohl Wahlrecht für alle Altersgruppen? Auch Drei- und Fünfjährige? Andererseits haben so viele sogenannte „Volljährige“ ihren Verstand in einem Ausmaß versoffen, dass man sich auch fragen kann, inwiefern bei denen das gute alte Wahlrecht in den richtigen Händen liegt), aber ich befürworte nicht alles, was sich die aufstrebende Jungpartei in ihrem Programm ausgedacht hat. Andererseits bin ich für eine starke Brise frischen oppositionellen Gegenwind, zwecks Inspiration und Evolution. Wie auch immer. Dieser Teil der Bild-Strecke wurde nicht von einer überzeugten Piratenwählerin gebastelt. Ich bin noch am Sondieren, welches das Innovativste von allen Übeln mit der größten Gaga Nielsen-Schnittmenge ist.

Muss ich noch irgendetwas zu dieser Bildstrecke richtigstellen? Nö. Nicht, dass ich wüsste. Viel Spaß bei diesem kleinen Spaziergang durch dreieinhalb Straßen von Neukölln. Der Weg hat planmäßig zu einem völlig anderen Ziel geführt. Aber dazu später.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087

04. September 2011

Preiswerte Qualitätsprodukte, Batman Elekronik, Wahlreklame, Gekritzel an der Wand. Kraut und Rüben halt. Kleinster gemeinsamer Nenner. Die Computerplatinen-Hotpants und weiß der Geier was dieser geniale Elektrogeschäft-goes-Contemporary Art-Inhaber Batman (so heißt der wirklich, das Jim Rakete-Phänomen quasi, der heißt ja auch in echt so) da sonst noch bastelt, haut mich um. Was für Kostbarkeiten. Was für eine Entdeckung. Das Zeug gehört in die Museen dieser Welt. Man sieht ja viel Scheiß hier, in der sog. Kunstszene. Mir geht wahrlich das Herz auf, bei den Sachen von Herrn Batman. Leider war der Laden zu und ich konnte nur durch die Scheibe fotografieren.

Und dann ist natürlich Erklärungsbedarf zu der etwas aufdringlichen Reihe Piraten-Wahlplakate. Wir haben ja nun hier am 18. September Wahlen und überall kleben wieder die Reklamebildchen der Parteien. Es tut mir ja nun sehr leid, dass die Plakate der anderen Parteien nicht annähernd so gelungen sind, wie die Piratendinger. Was aber durchaus nicht als Wahlempfehlung missverstanden werden sollte. Die Sprüche auf den abgelichteten kann ich zwar durchaus unterschreiben (na ja, obwohl Wahlrecht für alle Altersgruppen? Auch Drei- und Fünfjährige? Andererseits haben so viele sogenannte „Volljährige“ ihren Verstand in einem Ausmaß versoffen, dass man sich auch fragen kann, inwiefern bei denen das gute alte Wahlrecht in den richtigen Händen liegt), aber ich befürworte nicht alles, was sich die aufstrebende Jungpartei in ihrem Programm ausgedacht hat. Andererseits bin ich für eine starke Brise frischen oppositionellen Gegenwind, zwecks Inspiration und Evolution. Wie auch immer. Dieser Teil der Bild-Strecke wurde nicht von einer überzeugten Piratenwählerin gebastelt. Ich bin noch am Sondieren, welches das Innovativste von allen Übeln mit der größten Gaga Nielsen-Schnittmenge ist.

Muss ich noch irgendetwas zu dieser Bildstrecke richtigstellen? Nö. Nicht, dass ich wüsste. Viel Spaß bei diesem kleinen Spaziergang durch dreieinhalb Straßen von Neukölln. Der Weg hat planmäßig zu einem völlig anderen Ziel geführt. Aber dazu später.
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03. September 2011

Der Gaga Nielsen-Award für spitzenmäßig gelungene Reklame geht in dieser Saison an die Damenboutique „Lara Fashion“ („Mode für die ganze Familie – Abendmode, Kopftücher, Röcke, Hosen, Jeans, Schuhe, Taschen und vieles mehr…“) in der Hermannstraße 56 im Bezirk Neukölln, 12049 Berlin.

Zielstrebig war ich auf der Suche nach dem nächsten Geldautomaten, der Sinn stand mir in keinster Weise nach Hüfthosen an Schaufensterpuppen betrachten. Obzwar die kecken, wenn auch etwas kopflosen Damen in ihren knapp aber gut sitzenden Röhrenhosen keineswegs den Weg versperrten, theoretisch somit die Möglichkeit des flüssiges Vorbeilaufen gewährleistet war, konnte ich nicht umhin, stehenzubleiben und mir die Angelegenheit genauer zu betrachten. Candy und ihre knackigen Schwestern zogen mich genau genommen völlig in ihren Bann.

Hypnotisiert fummelte ich umständlich die Kamera aus den Untiefen meines Ausflugsrucksacks, den ich zu diesem Zwecke eigens abnehmen musste (bei der Gelegenheit ist mir dann auch der kleine Hosenscheißer oben drüber überhaupt erst aufgefallen.) Ich beglückwünsche die Boutiqueninhaberin Semiha Derdiyhok zu dieser innovativen Form der Außenwerbung und ziehe sogar in Betracht beim nächsten Hosenkauf mal bei Lara Fashion vorbeizuschauen!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087

03. September 2011

Gestern war ich wieder als rasende Reporterin unterwegs, um weltbewegende Ereignisse für meine Leser zu dokumentieren. Intuitiv gelangte ich gleich zu Beginn meines gestrigen Einsatzes an einen Brennpunkt des Geschehens in der Herrmannstraße, genauer gesagt Hermannstr. 56. Über der beliebten Damen-Boutique „Lara Fashion“ spielte sich in einem Fenster das Folgende ab, was ich sofort umfassend dokumentieren musste. Nachdem mein mehrstündiger Einsatz in Neukölln beendet war, kehrte ich zurück an meinen Ausgangspunkt im Bezirk Mitte, wo sich meine Wohnung befindet. Mit dem dafür passenden Schlüssel öffnete ich meinen Briefkasten, wo mir neben anderer ungebundener Reklame in Form von losen Zetteln, der neue IKEA-Katalog entgegenfiel. Ich stellte fest, dass sich das Format abermals verkleinert hat, so ähnlich wie von der einen Frauenzeitschrift, die manchmal junge Frauen in der S-Bahn durchblättern. Allegra oder Amiga oder Cosmopolitan. Eben nicht mehr so das richtige Zeitschriftenformat.

Vor ein paar Jahren habe ich mir einen neuen Mülleimer gekauft. So einen ganz schicken, repräsentativen. Da konnte mein alter weißer Schwingdeckel-Plastikmülleimer weg. Aber praktisch wie ich nun einmal veranlagt bin, habe ich den noch voll funktionsfähigen alten Eimer nicht etwa weggeschmissen, sondern gespendet. Ich habe ihn ordentlich ausgewaschen und abgetrocknet und dann unten im Treppenhaus, wo die Briefkästen sind, in die Ecke gestellt. Da passt er optisch auch recht gut hin. Der Mülleimer wurde auch gleich sehr gut von der Hausgemeinschaft angenommen und obwohl ich es nicht draufgeschrieben habe, wird er für genau das benutzt, was ich mir gedacht habe. Damit man die Reklamezettel und -Zeitungen, die eben doch immer eingesteckt werden (bedrohliche Aufkleber nützen da recht wenig, da die Reklamezettelverteiler wahrscheinlich Schule geschwänzt haben, als Lesen dran war) ordentlich entsorgen kann und sie nicht mit in die Wohnung nehmen muss. Der Eimer war dann auch gleich am zweiten Tag randvoll. Gefreut hat mich auch, dass die Reinigungskraft es automatisch als ihre Aufgabe erkannt hat, den Eimer regelmäßig auszuleeren. Das funktioniert jetzt schon seit ein paar Jahren ausgezeichnet. Es hat auch noch nie jemand anderen Müll reingeschmissen.

Na ja, jedenfalls überlegte ich einen Moment, ob ich den IKEA-Katalog jetzt da reinschmeiße oder mit nach oben nehme. Er ist ja schon immer sehr liebevoll gemacht und als Kind habe ich auch furchtbar gerne Kataloge angeschaut. Wie das kleine Scheißerchen da auf den Bildern. Den Quelle-Katalog hauptsächlich. Oder Schöpflin. Oder Klingel. Oder Otto. Oder Wenz. Meine Güte, meine Mutter hatte wirklich alle Kataloge abonniert. Das war quasi das Internet-Shopping der Sechziger und Siebziger, für Leute die auf dem Land wohnten. Stundenlang konnte ich mich damit beschäftigen. Manchmal durfte ich mir auch Anziehsachen aussuchen, die dann irgendwann später in einer Sammelbestellung bestellt wurden. Toll, wenn das Paket dann kam! Später habe ich dann auch die IKEA-Kataloge angeschaut, wo ich noch manchmal Sachen gebraucht habe. Deswegen habe ich auch ein bißchen gezögert, ob ich den aufwändig gemachten Katalog nun da reinschmeiße, in das Müll-Eimerchen. Ich bin also noch einmal in mich gegangen, habe festgestellt, dass ich keinerlei Impulse in mir feststelle, Möbel zu kaufen und überhaupt genug Krimskrams habe, dass ich selber eine IKEA-Filiale aufmachen könnte und habe ihn also doch auf dem kurzen Weg entsorgt. Aber trotzdem Danke an die Firma IKEA, dass sie gestern scheinbar die ganze Welt, oder zumindest alle Berliner Bezirke mit ihrem kleinen Katalog beglückt hat. Das Kleine hat auf jeden Fall einen kurzweiligen Nachmittag mit dem bunten Bilderbuch gehabt, wie man sieht. Als ich es entdeckt habe, konnte man den IKEA-Schriftzug ganz deutlich sehen, als ich dann aber angefangen habe zu knipsen, hat es sich nicht mehr ergeben. Aber Sie sind nun im Bilde. Was mir jetzt auch noch dabei einfällt ist, dass sich die Größe des Kindes durch das kleinere Katalogformat relativiert. Als ich es fotografiert habe, bin ich die ganze Zeit von dem alten großen Katalog ausgegangen, da wusste ich noch nicht, dass es einen neuen im Briefkasten gibt. Kombiniere: es handelt sich somit offenbar um ein Klein-Kind!
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087

03. September 2011

Der Gaga Nielsen-Award für spitzenmäßig gelungene Reklame geht in dieser Saison an die Damenboutique „Lara Fashion“ („Mode für die ganze Familie – Abendmode, Kopftücher, Röcke, Hosen, Jeans, Schuhe, Taschen und vieles mehr…“) in der Hermannstraße 56 im Bezirk Neukölln, 12049 Berlin.

Zielstrebig war ich auf der Suche nach dem nächsten Geldautomaten, der Sinn stand mir in keinster Weise nach Hüfthosen an Schaufensterpuppen betrachten. Obzwar die kecken, wenn auch etwas kopflosen Damen in ihren knapp aber gut sitzenden Röhrenhosen keineswegs den Weg versperrten, theoretisch somit die Möglichkeit des flüssiges Vorbeilaufen gewährleistet war, konnte ich nicht umhin, stehenzubleiben und mir die Angelegenheit genauer zu betrachten. Candy und ihre knackigen Schwestern zogen mich genau genommen völlig in ihren Bann.

Hypnotisiert fummelte ich umständlich die Kamera aus den Untiefen meines Ausflugsrucksacks, den ich zu diesem Zwecke eigens abnehmen musste (bei der Gelegenheit ist mir dann auch der kleine Hosenscheißer oben drüber überhaupt erst aufgefallen.) Ich beglückwünsche die Boutiqueninhaberin Semiha Derdiyhok zu dieser innovativen Form der Außenwerbung und ziehe sogar in Betracht beim nächsten Hosenkauf mal bei Lara Fashion vorbeizuschauen!
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03. September 2011

Gestern war ich wieder als rasende Reporterin unterwegs, um weltbewegende Ereignisse für meine Leser zu dokumentieren. Intuitiv gelangte ich gleich zu Beginn meines gestrigen Einsatzes an einen Brennpunkt des Geschehens in der Herrmannstraße, genauer gesagt Hermannstr. 56. Über der beliebten Damen-Boutique „Lara Fashion“ spielte sich in einem Fenster das Folgende ab, was ich sofort umfassend dokumentieren musste. Nachdem mein mehrstündiger Einsatz in Neukölln beendet war, kehrte ich zurück an meinen Ausgangspunkt im Bezirk Mitte, wo sich meine Wohnung befindet. Mit dem dafür passenden Schlüssel öffnete ich meinen Briefkasten, wo mir neben anderer ungebundener Reklame in Form von losen Zetteln, der neue IKEA-Katalog entgegenfiel. Ich stellte fest, dass sich das Format abermals verkleinert hat, so ähnlich wie von der einen Frauenzeitschrift, die manchmal junge Frauen in der S-Bahn durchblättern. Allegra oder Amiga oder Cosmopolitan. Eben nicht mehr so das richtige Zeitschriftenformat.

Vor ein paar Jahren habe ich mir einen neuen Mülleimer gekauft. So einen ganz schicken, repräsentativen. Da konnte mein alter weißer Schwingdeckel-Plastikmülleimer weg. Aber praktisch wie ich nun einmal veranlagt bin, habe ich den noch voll funktionsfähigen alten Eimer nicht etwa weggeschmissen, sondern gespendet. Ich habe ihn ordentlich ausgewaschen und abgetrocknet und dann unten im Treppenhaus, wo die Briefkästen sind, in die Ecke gestellt. Da passt er optisch auch recht gut hin. Der Mülleimer wurde auch gleich sehr gut von der Hausgemeinschaft angenommen und obwohl ich es nicht draufgeschrieben habe, wird er für genau das benutzt, was ich mir gedacht habe. Damit man die Reklamezettel und -Zeitungen, die eben doch immer eingesteckt werden (bedrohliche Aufkleber nützen da recht wenig, da die Reklamezettelverteiler wahrscheinlich Schule geschwänzt haben, als Lesen dran war) ordentlich entsorgen kann und sie nicht mit in die Wohnung nehmen muss. Der Eimer war dann auch gleich am zweiten Tag randvoll. Gefreut hat mich auch, dass die Reinigungskraft es automatisch als ihre Aufgabe erkannt hat, den Eimer regelmäßig auszuleeren. Das funktioniert jetzt schon seit ein paar Jahren ausgezeichnet. Es hat auch noch nie jemand anderen Müll reingeschmissen.

Na ja, jedenfalls überlegte ich einen Moment, ob ich den IKEA-Katalog jetzt da reinschmeiße oder mit nach oben nehme. Er ist ja schon immer sehr liebevoll gemacht und als Kind habe ich auch furchtbar gerne Kataloge angeschaut. Wie das kleine Scheißerchen da auf den Bildern. Den Quelle-Katalog hauptsächlich. Oder Schöpflin. Oder Klingel. Oder Otto. Oder Wenz. Meine Güte, meine Mutter hatte wirklich alle Kataloge abonniert. Das war quasi das Internet-Shopping der Sechziger und Siebziger, für Leute die auf dem Land wohnten. Stundenlang konnte ich mich damit beschäftigen. Manchmal durfte ich mir auch Anziehsachen aussuchen, die dann irgendwann später in einer Sammelbestellung bestellt wurden. Toll, wenn das Paket dann kam! Später habe ich dann auch die IKEA-Kataloge angeschaut, wo ich noch manchmal Sachen gebraucht habe. Deswegen habe ich auch ein bißchen gezögert, ob ich den aufwändig gemachten Katalog nun da reinschmeiße, in das Müll-Eimerchen. Ich bin also noch einmal in mich gegangen, habe festgestellt, dass ich keinerlei Impulse in mir feststelle, Möbel zu kaufen und überhaupt genug Krimskrams habe, dass ich selber eine IKEA-Filiale aufmachen könnte und habe ihn also doch auf dem kurzen Weg entsorgt. Aber trotzdem Danke an die Firma IKEA, dass sie gestern scheinbar die ganze Welt, oder zumindest alle Berliner Bezirke mit ihrem kleinen Katalog beglückt hat. Das Kleine hat auf jeden Fall einen kurzweiligen Nachmittag mit dem bunten Bilderbuch gehabt, wie man sieht. Als ich es entdeckt habe, konnte man den IKEA-Schriftzug ganz deutlich sehen, als ich dann aber angefangen habe zu knipsen, hat es sich nicht mehr ergeben. Aber Sie sind nun im Bilde. Was mir jetzt auch noch dabei einfällt ist, dass sich die Größe des Kindes durch das kleinere Katalogformat relativiert. Als ich es fotografiert habe, bin ich die ganze Zeit von dem alten großen Katalog ausgegangen, da wusste ich noch nicht, dass es einen neuen im Briefkasten gibt. Kombiniere: es handelt sich somit offenbar um ein Klein-Kind!
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01. September 2011

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Jetzt aber fix zum Endspurt. Zwölfte Etappe. Bilder vom Areal. Das Drumherum. Nochmal blauer Himmel. Nochmal Ringelhemdchen. Mädchen. Frauen mit Sonnenbrillen. Ein Fotograf, der erzählte, wie oft er was an der Mauer fotografiert hat. Von Anbeginn an. Der ältere Herr mit der Schirmmütze. Bernauer Straße. Gartenstraße. Ackerstraße. Und am Ende zur kleinen Kirche der Versöhnung. Ich war nicht drin, sie hat gerade zugemacht. Sehr gelungenes Bauwerk. Schöne Ecke da. Zurück über die Ackerstraße. Diesmal nicht über den Sophienfriedhof. Meine Kamera-Akkus waren dann auch leer. Ich war ungefähr vier, fünf Stunden dort unterwegs. Und jetzt haben die drei Leute, die hier lesen immerhin eine Idee, wie dieser Tag in Berlin war, und was das eigentlich ist, diese obskure Mauergedenkstätte. Geschichts- und Heimatkundeunterricht für heute beendet! Hausaufgaben gibt es heute keine. Und nun die Schulsachen eingepackt und raus hier. Morgen frag ich ab!

01. September 2011



Etappe X
. Gegenüber der Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße ist so ein Kasten, das Dokumentations- und Besucherzentrum. Keine tolle Architektur, aber man kann ganz nach oben auf eine Ausichtsplattform gehen, wo man das ganze Areal im Überblick hat. In einem Raum wurde der Film „Mauerflug“ gezeigt. In dem man genau das gesehen hat. Mit dem Heli über die Berliner Mauer, durch alle Bezirke. Wie ein weißes Band zog sich die Mauer durch die Landschaft. Obwohl sie gar nicht weiß ist. Aber so hat es von oben ausgesehen. Auf der Platform ist mir aufgefallen, dass an dem Tag unheimlich viele Berliner Ringelhemdchen angehabt haben. Unten ist ein Gartencafé, da war schon wieder eine Frau im Ringelshirt. Ich muss die dann auch immer fotografieren, weil Ringelhemden auf schwarzweiß-Fotos immer super aussehen, wurscht wer drinsteckt. Auf einer Etage ist eine Ausstellung über den Mauerbau. War ich nach dem Film drin.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=104087

01. September 2011

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Links von der großen Denkmalwand war eine Open Air-Bühne aufgebaut. Da saßen Zeitzeugen und erzählten, im Hintergrund alte Diaufnahmen aus der Zeit des Mauerbaus. Und der RBB schwirrte natürlich auch herum, wie es sich gehört an einem solchen Tag. Raiko Thal, einer der Abendschau-Moderatoren war vor Ort und neben ihm stand Harald Karas, ein ehemaliger Kollege von ihm, der erzählte, dass er sowohl als die Mauer gebaut wurde, als auch im November 1989, als die Mauer fiel, als Reporter für die Abendschau im Einsatz war. Und dass das für ihn der historische Moment, der Höhepunkt in seinem Leben als Reporter war. Ich habe erst gar nicht gewusst, wo ich den älteren Herrn hintun soll. Es ist doch schon wieder lange her, dass er moderiert hat. Vor zwanzig Jahren hat er sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Das Gesicht war mir noch vertraut. Er ist das Urgestein der Berliner Abendschau, denn er hat am 1. September 1958 die allererste Abendschau aus dem Studio am Theodor-Heuss-Platz moderiert.

Jeden Abend kurz nach Sieben die Berliner Abendschau zu gucken, war mir bald eine liebe Angewohnheit geworden, als ich im Frühling 1986 hierher gekommen war. Der Tonfall der Moderatoren hatte so etwas Vertrautes, Familiäres. Damals moderierten unter anderem Evelyn Lazar und Hans-Werner Kock. Das fühlte sich an wie die nette Variante von Onkel und Tante. Auch, weil Hans-Werner Kock immer so gemütliche Strickpullover beim Moderieren trug, seltenst Anzug und Krawatte. Er hätte auch Taxifahrer sein können. Und sein Abschiedssprüchlein war immer „Macht’s gut Nachbarn!“. Da hat es gemenschelt, wie man so sagt. Dann dachte ich immer: endlich zuhause. Lustig, dass ich jetzt zufällig sehe, dass wir am selben Tag Geburtstag haben, die gute alte Abendschau und ich. Beste Abendschau der Welt.