»Ansonia«. Es ist eine Adresse. Wer braucht jetzt mehr als eine Adresse? Es ist ein Bett. Wer braucht jetzt mehr als ein Bett? Wer nicht aus dem Morgenmantel will, nicht über den Damm ins Bistro gehen, der hat einen Spirituskocher hinter der spanischen Wand versteckt. Wie Hanna Luke, die exilierte Schriftstellerin im vierten Stock, die in ein und demselben Topf, über dem blauen Flämmchen ihren Tee, ihre Eier und ihre Morphiumspritze abkocht. (…) Der eine wandert zum Montparnasse, zu seiner schäbigen Bleibe. Der andere zwei Querstraßen hinauf, zur Avenue Wagram. Dort macht ein Mädchen das Trottoir, ein rothaariges Mädchen, das »die Spinne« genannt wird. Sie hat einen Spezialpreis für Emigranten. Man kann bei ihr liegen, die ganze Nacht, und ihr von der Bayreuther Straße erzählen, und vom kleinen Grunewaldsee.
Friedrich Hollaender, Von Kopf bis Fuß, S. 268, 276, 277
27. November 2011

Die Protagonisten in meinen Träumen der letzten Nächte gehen immer weiter zurück in der Zeit, in meiner Biographie. Wie befremdlich, im Schlaf so lebendig Männern zu begegnen, die längst kein Teil meines Lebens mehr sind und wieder eine gemeinsame Gegenwart zu haben, mitten in der Nacht. Die Gefühle entsprechen auch nicht der Gegenwart. Der Vergangenheit auch nicht, eher so eine Melange. Unaufgeregt zwar, aber nicht annähernd so gleichgültig wie im Wachzustand. Verrückt. Zudem so scheinbar völlig unbrauchbar. Damit kann man nicht arbeiten. Es wirkt so unnütz, mit Erinnerungen aufgehalten zu werden, die keine Bedeutung für die Gegenwart mehr haben. Als ob man genötigt wird, Filme anzuschauen, die man vor zwanzig Jahren oder mehr interessant fand, aber schon seit zehn Jahren belanglos.
Wenigstens ist das Empfinden im Traum nicht so gelangweilt, immerhin. Ich erinnere mich deutlich, dass ich auf eine besitzergreifende Art den Arm um die Taille eines längst Verflossenen legte. Wir gingen nebeneinander und er hatte irgend etwas sehr Zugewandtes gesagt, eine Art Bekenntnis von unerwarteter Verbindlichkeit, das mich zu dieser Geste veranlasste. Es könnte sogar die Bekundung einer Heiratsabsicht gewesen sein, der ich zustimmte, wobei ich mich träumend über meine Zustimmung wunderte. Noch im Traum fragte ich mich einen Moment, ob es trotz des Antrages angemessen sei, jemanden so besitzergreifend mit dem Arm um die Taille zu halten und für andere sichtbar eine Straße entlangzulaufen. Wir haben das auch damals nie gemacht. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich mir das gewünscht hätte. Nein, ich glaube nicht. Nicht bei ihm. Er war gerade so groß wie ich und ich hatte keine Sehnsucht nach demonstrativen, körperlichen Gunstbezeugungen in aller Öffentlichkeit. So groß war meine Liebe auch nicht. Die körperliche Verbundenheit beschränkte sich auf unsere Wohnungen, da war es völlig normal, ineinander verhakt und verschlungen auf dem Sofa oder Bett liegend einen Film zu schauen. Bei anderen vermisste ich eine umarmende Geste unterwegs aber manchmal doch. Besonders wenn es draußen kalt war. Und besonders bei einem.
Ich hatte und habe große Scheu vor demonstrativen Gesten in der Öffentlichkeit, wenn sie nicht von dem anderen ausgehen. Ich sehe es auch nicht so gerne, wenn Paare sich raumgreifend an den Händen halten und wie selbstverständlich die ganze Breite des Gehweges einnehmen. Es wirkt auch eher selten unvermeidlich innig, oft wie antrainiert und von den Frauen ausgehend, und auf eine Art demonstrativ, die ich nicht mag. Es befremdet mich sogar. Deswegen ist mir dieser eine Moment des Traums vielleicht noch als einziger so konkret erinnerbar. Auf eine prägnante Art zu abstrakt, mir so wenig entsprechend. Alles andere ist versunken.
27. November 2011

Die Protagonisten in meinen Träumen der letzten Nächte gehen immer weiter zurück in der Zeit, in meiner Biographie. Wie befremdlich, im Schlaf so lebendig Männern zu begegnen, die längst kein Teil meines Lebens mehr sind und wieder eine gemeinsame Gegenwart zu haben, mitten in der Nacht. Die Gefühle entsprechen auch nicht der Gegenwart. Der Vergangenheit auch nicht, eher so eine Melange. Unaufgeregt zwar, aber nicht annähernd so gleichgültig wie im Wachzustand. Verrückt. Zudem so scheinbar völlig unbrauchbar. Damit kann man nicht arbeiten. Es wirkt so unnütz, mit Erinnerungen aufgehalten zu werden, die keine Bedeutung für die Gegenwart mehr haben. Als ob man genötigt wird, Filme anzuschauen, die man vor zwanzig Jahren oder mehr interessant fand, aber schon seit zehn Jahren belanglos.
Wenigstens ist das Empfinden im Traum nicht so gelangweilt, immerhin. Ich erinnere mich deutlich, dass ich auf eine besitzergreifende Art den Arm um die Taille eines längst Verflossenen legte. Wir gingen nebeneinander und er hatte irgend etwas sehr Zugewandtes gesagt, eine Art Bekenntnis von unerwarteter Verbindlichkeit, das mich zu dieser Geste veranlasste. Es könnte sogar die Bekundung einer Heiratsabsicht gewesen sein, der ich zustimmte, wobei ich mich träumend über meine Zustimmung wunderte. Noch im Traum fragte ich mich einen Moment, ob es trotz des Antrages angemessen sei, jemanden so besitzergreifend mit dem Arm um die Taille zu halten und für andere sichtbar eine Straße entlangzulaufen. Wir haben das auch damals nie gemacht. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich mir das gewünscht hätte. Nein, ich glaube nicht. Nicht bei ihm. Er war gerade so groß wie ich und ich hatte keine Sehnsucht nach demonstrativen, körperlichen Gunstbezeugungen in aller Öffentlichkeit. So groß war meine Liebe auch nicht. Die körperliche Verbundenheit beschränkte sich auf unsere Wohnungen, da war es völlig normal, ineinander verhakt und verschlungen auf dem Sofa oder Bett liegend einen Film zu schauen. Bei anderen vermisste ich eine umarmende Geste unterwegs aber manchmal doch. Besonders wenn es draußen kalt war. Und besonders bei einem.
Ich hatte und habe große Scheu vor demonstrativen Gesten in der Öffentlichkeit, wenn sie nicht von dem anderen ausgehen. Ich sehe es auch nicht so gerne, wenn Paare sich raumgreifend an den Händen halten und wie selbstverständlich die ganze Breite des Gehweges einnehmen. Es wirkt auch eher selten unvermeidlich innig, oft wie antrainiert und von den Frauen ausgehend, und auf eine Art demonstrativ, die ich nicht mag. Es befremdet mich sogar. Deswegen ist mir dieser eine Moment des Traums vielleicht noch als einziger so konkret erinnerbar. Auf eine prägnante Art zu abstrakt, mir so wenig entsprechend. Alles andere ist versunken.
27. November 2011
27. November 2011
(…) Lucie Mannheim war jüdischer Herkunft und begab sich deshalb 1933 nach Großbritannien ins Exil. Sie spielte in London Theater und arbeitete beim deutschen Programm der BBC mit. Während des Krieges sprach sie oft im Rundfunk und appellierte an die Soldaten, den Krieg aufzugeben. Sie sang eine als Anti- Hitler-Version bekannte Persiflage auf Lale Andersens Lili Marleen.

Gesang: Lucie Mannheim
Ich muss heut‘ an Dich schreiben,
mir ist das Herz so schwer.
Ich muss zuhause bleiben, und lieb‘ Dich doch so sehr. Dass Du tust nur Deine Pflicht, doch trösten kann mich das ja nicht. Ich wart‘ an der Laterne. Deine Lili Marleen. Was ich still hier leide, weiß nur der Mond und ich. Einst schien er auf uns beide, nun scheint er nur auf mich. Mein Herz tut mir so bitter weh, wenn ich an der Laterne steh‘ mit meinem eig’nen Schatten. Deine Lili Marleen. Vielleicht fällst Du in Russland, vielleicht in Afrika. Doch irgendwo, da fällst Du, so will’s Dein Führer ja! Und wenn wir doch uns wiederseh’n, oh möge die Laterne steh’n, in einem andern Deutschland. Deine Lili Marleen. Der Führer ist ein Schinder, das seh’n wir hier genau, zu Waisen macht er Kinder, zur Witwe jede Frau. Und wer an allem schuld ist, den – will ich an der Laterne seh’n. Hängt ihn an die Laterne!
Deine Lili Marleen
25. November 2011
Ob ich es wagen sollte, noch einmal einen Blogeintrag zu riskieren? Bin heute zwar etwas langsam, aber dabei nicht unentspannt, vielleicht das warme Vollbad vorhin. Ich glaube, die jungen Leute nennen das gerne chillen. Komisch, es gibt mitunter aus der Jugendsprache rührende Begriffe, die mir zwar überaus geläufig sind, aber dieser Ausdruck hat es noch nie in meinen aktiven Wortschatz geschafft. Der kann sich noch so anstrengen, er schafft es einfach nicht. Wahrscheinlich ist mein Lebensstil insgesamt nicht chillig genug, es fehlen vermutlich die Anlässe für die sinnvolle Verwendung im Alltag. Noch früher hat man dazu ‚abhängen‘ gesagt. Nun ja, die Schulzeiten sind bei mir schon länger vorbei, als Abhängen noch als Variante attraktiver Freizeitgestaltung zur Auswahl stand.
Am Hackeschen Markt (eine hochfrequente wie gleichermaßen hoch frequentierte Ecke in der Mitte von Berlin, für Ortsunkundige) kleben jetzt überall große Werbeplakate für „The Voice of Germany„. Hab ich gestern auch geguckt, weil ich Lena – Quatsch – Nena gut leiden kann, und die anderen Coaches kommen auch ganz sympathisch rüber, sogar mitunter dieser Naidoo, der es sonst ausgezeichnet drauf hat, mit seiner latenten Oberlehrer-Klugscheißer-Miene und der unvermeidlichen (und für seinen speziellen Typ nicht kleidsamen) Mütze im Verbund mit entschieden zu dickem Brillengestell, nicht nur optisch meinen Langmut zu strapazieren. Die Boss-Hoss-Jungs sind anscheinend ganz okay, auch wenn ich mir keine Platte kaufen muss. Und der andere mit den längeren Haaren, dieser Brite (oder Ire?), wo ich mir den Namen nie merken kann – Raymon oder so ähnlich, wirkt in dieser Aufgabe direkt temperamentvoll, im Gegensatz zu seinen mir allerdings nur dunkel erinnerbaren Bühnenleistungen. Ach, wobei – ich kann das gar nicht beurteilen. Habe vielleicht vor fünfzehn Jahren mal ein, zwei Auftritte im Fernsehen mitgekriegt, mehr nicht. Einen Hit gab es wohl auch, an den ich mich aber auch so gar nicht erinnern kann.
Aber dass unsere Nena neuerdings Gitarre spielt, finde ich ja sehr niedlich. Hat sie vielleicht zum Fünfzigsten geschenkt gekriegt. Sieht sehr schick aus. Und die jungen Sänger im Wettbewerb recht talentiert. Aber auch die nicht mehr ganz so jungen. Schön, dass die Altersgruppe keine Rolle zu spielen scheint. Eine aus Amerika eingewanderte Sängerin ist sogar schon dreiundfünfzig und hat nach Sexy-Hexie-Manier, aber auch mit viel Stimme, ziemlich aufgemischt. Und dann dieser Charles Dings… (Nachtrag: Simmons) der das Lied von Seal gesungen hat. Alter Profi halt. Lustigerweise selber Gesangs-Coach und sehr angenehmer, besonnener Charakter scheint mir. Er kann mutmaßlich mehr als die fünf Hobby-Coaches aus der Jury zusammen. Ich vermute, sie erhoffen sich eher, von ihm zu lernen. Und dafür kriegt er ein bißchen Nachhilfeunterricht, wie er sich prominenter ins Bühnenlicht setzt. Sicher ein guter Deal für ihn. Und dann war da noch so ein introvertiert wirkender ganz arg sympathischer Josef mit einem breiten bayrischen Akzent, der mir mit seinem Gesang auch ans Herz ging und der dauernd von der innigen Bindung zu seinem Zwillingsbruder geredet hat. Man wollte gleich Zwilling sein. Den Rest habe ich schon wieder mehr oder weniger vergessen. Also nicht komplett, aber nicht so wichtig. Frau Kutschera mit dem Piratentuch hat mich vom Gesicht her ein bißchen an Nico erinnert. Sehr hübsch. Viel Stimme und Temperament auch.
Schon ein anderes Level in dieser Sendung, keine Frage. Und Sebastian Deyle oder wie der heißt, ein Soap-Star und Moderator wie ich gestern erst gelernt habe, ist ja äußerst attraktiv anzusehen. Er hat den Schlager auch ganz anmutig gesungen, hat aber nicht gelangt. Aber so peinlich wie die Klatschpresse tut, war es ja nun weiß Gott nicht. Klavier hat er auch gespielt. Und der Anzug hat toll gesessen. Ein schöner junger Mann. Eher suspekt bis unsympathisch war mir hingegen der exaltierte, leicht angekokst wirkende dunkelhäutige Sänger, der wohl schon mal Backgroundsänger bei Nena war und diktatorisch verkündet hat, er verträgt kein Nein. Ich hab den Namen vergessen. Bin zu faul auf die Seite zu gucken. Das würde meinen Chill beeinträchtigen. Ach ja – und die IKEA-Kassiererin aus Israel war auch noch sympathisch und talentiert. Na jedenfalls stehe ich da vorhin so an der Kreuzung am Hackeschen Markt an der Ampel und gucke auf die riesen Plakate mit den vier Coaches mit ihren zum Victory-Zeichen gereckten Händchen und denke so: was muss das für die beiden Berliner Jungs von Boss Hoss für ein Gefühl sein, sich in einer Reihe mit Nena und Naidoo, der alten Betschwester und diesem Raimonn oder wie er heißt so riesig und wirklich gut fotografiert überall in der City zu sehen. Schön für die beiden.

Ich nehme jetzt noch weiter gepflegt meinen Tee und esse sicher noch das eine oder andere Häppchen und lasse es sonst einen schönen ruhigen Abend in der warmen Hütte sein, an diesem historischen Tag. Jawohl, historisch. Heute jährt sich der Tag, an dem ich beschloss, für einen längeren Zeitraum dem Alkoholgenuss zu entsagen. So als Test, ob man das aushält, mental. Und um zu sehen, ob sich ungeahnte Kräfte entfalten. Ich kann schon ein Fazit ziehen. Ein strenges Jahr ist aber dann auch genug. Wenn ich am 25. November 2010 den ersten Tag auf Alkohol verzichtet habe und heute ist wieder der 25. November, dann ist das Jahr doch voll. Oder nicht sogar schon einen Tag drüber? Jedenfalls ist die Prohibition morgen beendet. Was aber nicht heißen muss, dass ich ab dann wieder trinken muss. Es wäre nur kein Sakrileg mehr.
P.S. bei der Suche nach dem Josef-Link gerade gesehen, heute gab’s ja schon die zweite Folge. Dachte, das käme nur einmal die Woche. Dann gucke ich jetzt mal die Konserve von heute.
23. November 2011
Sensationell. Wahnsinn! Ich habe gerade einen phantastischen Kommentar unter meinem vorigen Blogeintrag gehabt, der seinesgleichen sucht und als ich dabei war – aufmerksam wie ich bin – den Antwortkommentar zu verfassen und ihn speichern wollte, hieß es, der Kommentar Nr. Soundso existiert nicht mehr.
Falls jemand nicht in den kurzen Genuss dieses putzigen Feedbacks zu meiner Person gekommen ist, habe ich auf die Schnelle den noch auf meinem Monitor sichtbaren Kommentarbeitrag fix kopiert und gesichert! Mir ist einfach am Herzen gelegen zu dokumentieren, was einem im Internet an Gunstbezeugungen so widerfahren kann. Ich habe keine Ahnung, wer hinter dem Werk, ja dieser Liebeserklärung steckt, ob Mann oder Frau, wer weiß es genau („97tel“ – ob 97 das Geburtsjahr ist? Mal schnell rechnen: Vierzehnjährige, schreiben die so? Und lesen mein Blog? Ich wäre angenehm überrascht). Jedenfalls hat sich da jemand offenbar leidenschaftlich mit mir befasst. Ich stelle mir das Ganze übrigens so ein bißchen gerappt vor. Hier also nun der leider von der Verfasserin oder vom Verfasser wieder gelöschte Kommentar (Ich schreibe deswegen leider, weil ich ja gerne ein bißchen Action brauchen kann, in meinem langweiligen, erfolglosen Leben – aber lesen Sie selbst!):
~
97tel – 23. Nov, 22:23
du bist so haesslich,
du bist alt,
du bist erfolglos,
du bist so absolut erfuellt von neid und missgunst.
du hast keine Freunde,
weil du mit deiner selbstverliebtheit
dein Umfeld abstoesst und ankotzt
du feierst dich
das ist dein lebensinhalt
haelst dich fuer die groesste
du langweilst, sobald man dich kennt
der neid ist dein zweites gesicht
die bosheit das dritte
du hungerst nach zuneigung
fragst dich wieso andere geliebt werden
du nicht
deswegen spionierst du
allein aus diesem grund
um den schluessel zu finden
fuer dich
arme, einsame, gefallsuechtige gaga
die grossmaeuligen reden
was wurde wahr davon ?
die jahre schreiten ins land
du vergehst
du verfaellst
du feierst dich weiter
filmst dich weiter
wer ausser dir will dich sehen?
nicht jeder erfolglose ist ein kuenstler
Dauersozialleistungsbezug
davon zu leben ist nicht wirklich kunst
warum lehnen dich deine brueder und schwestern
aus der satanischen loge ab?
es ist leichter andere abzulehnen
bevor diese anderen dich ablehnen
das ist deine lebensphilosophie
was ist aus dir geworden?
nicht mehr
als du vor zwanzig jahren warst
was bist du?
alte, haessliche, einsame frau
blenderin
doch das gelingt nur noch im internet
wo dich niemand kennt
und dir abnehmen koennte
dass hinter dir nichts steckt
ausser boshaftigkeit
und neid
und gier
immer im mittelpunkt zu stehen
arme gaga
wenn der pc aus ist
bist du verschwunden
aus unserem leben
das ist sehr gut so
fuehre nur dich und deine blogger weiter in die irre
das entspricht dir
irre und kaputt
[ Ende des Kommentars ]
Daraufhin verfasste ich folgenden Antwortkommentar, den ich ja nun leider nicht an der ursprünglichen Stelle veröffentlichen konnte, da beim Antworten auf der Ebene des „Ur“-Kommentars auch mein Antwortkommentar durch den Verfasser des Werkes gelöscht wurde:
g a g a – 23. Nov, 23:02
Da hat aber jemand viel Zeit investiert. Ich wusste gar nicht, dass ich solche leidenschaftlichen Gedankengänge auszulösen vermag. Ich sitze ganz fasziniert davor. Auch der Rhythmus oder soll ich sagen: das Versmaß ist interessant. So viel Mühe, um mit mir ins Gericht zu gehen. Sicher haben Sie in allem Recht. Man könnte sagen: ein Steckbrief meiner Person ohne Fehl und Tadel.
Hart trifft mich allerdings der Absatz:
„nicht jeder erfolglose ist ein kuenstler
Dauersozialleistungsbezug
davon zu leben ist nicht wirklich kunst“
Das schmerzt mich insofern etwas, ja ich möchte sagen, ich fühle mich ertappt, da ich diesen Gedanken (im Bezug auf diverse Zeitg) – äh – tja – auch schon hatte. Aber Schwamm drüber.
Was Sie mir aber vielleicht noch erklären könnten, ist der vorletzte Absatz. Sie schreiben da:
„wenn der pc aus ist
bist du verschwunden
aus unserem leben“.
Ist das im Umkehrschluss so zu verstehen, dass, wenn Ihr PC angeschaltet ist, ich ein Teil von Ihrem („unserem…“) Leben (und dem Ihrer Familie?) bin und dementsprechend analog dazu „verschwunden“, wenn Sie den PC ausschalten? Ich frage auch nur deshalb, weil ich mir nicht sicher bin, ob Ihnen der Widerspruch zu den Ausführungen im (Moment, es sind so viele Absätze) siebten Absatz? (Also diesen meine ich und da insbesondere die dritte Zeile: „(…) du feierst dich weiter / filmst dich weiter / wer ausser dir will dich sehen?“) bewusst ist?
(Das frage ich mich übrigens auch immerzu: „Wer will mich sehen?“. Eine zentrale Frage, die mich außerordentlich beschäftigt.) Danke, dass Sie durch diesen komplexen, aufwändigen, ja ich möchte sagen beinah liebevollen Kommentar (aus tiefer Hass-Liebe vermute ich) das Kernproblem noch einmal ins Zentrum rücken. Vielleicht können Sie mir ja behilflich sein, meine charakterlichen Defizite zu kurieren.
Der einzige Absatz, den ich gar nicht nachvollziehen kann, ist der mit dem religiösen Bezug „warum lehnen dich deine brueder und schwestern aus der satanischen loge ab?“ Entschuldigung, dass ich jetzt hier gerade lachend vor dem Rechner sitze, ich will mich ja nicht lustig machen.
Lehnen die mich wirklich ab? Ist das so? Wer genau lehnt mich denn da ab? Vielleicht kann ich mit den „Brüdern und Schwestern“ ja mal ein Wort unter vier oder sechs Augen sprechen. Also danke noch mal. Ich freue mich über jeden Kommentar und auf bald!
Mit freundlichen Grüßen
Gaga Nielsen
P.S. Gerne dürfen Sie mir auf diesen Kommentar antworten!
[ Ende meines Kommentars ]
Sicher war es nur ein dummes Versehen, dass dieser aufwändige Kommentar so schnell wieder gelöscht wurde – eben mal auf die falsche Taste gekommen! Aber ich bin ja pfiffig in Sachen Datensicherung. Keine Ursache, gern geschehen!
25. November 2011
Ob ich es wagen sollte, noch einmal einen Blogeintrag zu riskieren? Bin heute zwar etwas langsam, aber dabei nicht unentspannt, vielleicht das warme Vollbad vorhin. Ich glaube, die jungen Leute nennen das gerne chillen. Komisch, es gibt mitunter aus der Jugendsprache rührende Begriffe, die mir zwar überaus geläufig sind, aber dieser Ausdruck hat es noch nie in meinen aktiven Wortschatz geschafft. Der kann sich noch so anstrengen, er schafft es einfach nicht. Wahrscheinlich ist mein Lebensstil insgesamt nicht chillig genug, es fehlen vermutlich die Anlässe für die sinnvolle Verwendung im Alltag. Noch früher hat man dazu ‚abhängen‘ gesagt. Nun ja, die Schulzeiten sind bei mir schon länger vorbei, als Abhängen noch als Variante attraktiver Freizeitgestaltung zur Auswahl stand.
Am Hackeschen Markt (eine hochfrequente wie gleichermaßen hoch frequentierte Ecke in der Mitte von Berlin, für Ortsunkundige) kleben jetzt überall große Werbeplakate für „The Voice of Germany„. Hab ich gestern auch geguckt, weil ich Lena – Quatsch – Nena gut leiden kann, und die anderen Coaches kommen auch ganz sympathisch rüber, sogar mitunter dieser Naidoo, der es sonst ausgezeichnet drauf hat, mit seiner latenten Oberlehrer-Klugscheißer-Miene und der unvermeidlichen (und für seinen speziellen Typ nicht kleidsamen) Mütze im Verbund mit entschieden zu dickem Brillengestell, nicht nur optisch meinen Langmut zu strapazieren. Die Boss-Hoss-Jungs sind anscheinend ganz okay, auch wenn ich mir keine Platte kaufen muss. Und der andere mit den längeren Haaren, dieser Brite (oder Ire?), wo ich mir den Namen nie merken kann – Raymon oder so ähnlich, wirkt in dieser Aufgabe direkt temperamentvoll, im Gegensatz zu seinen mir allerdings nur dunkel erinnerbaren Bühnenleistungen. Ach, wobei – ich kann das gar nicht beurteilen. Habe vielleicht vor fünfzehn Jahren mal ein, zwei Auftritte im Fernsehen mitgekriegt, mehr nicht. Einen Hit gab es wohl auch, an den ich mich aber auch so gar nicht erinnern kann.
Aber dass unsere Nena neuerdings Gitarre spielt, finde ich ja sehr niedlich. Hat sie vielleicht zum Fünfzigsten geschenkt gekriegt. Sieht sehr schick aus. Und die jungen Sänger im Wettbewerb recht talentiert. Aber auch die nicht mehr ganz so jungen. Schön, dass die Altersgruppe keine Rolle zu spielen scheint. Eine aus Amerika eingewanderte Sängerin ist sogar schon dreiundfünfzig und hat nach Sexy-Hexie-Manier, aber auch mit viel Stimme, ziemlich aufgemischt. Und dann dieser Charles Dings… (Nachtrag: Simmons) der das Lied von Seal gesungen hat. Alter Profi halt. Lustigerweise selber Gesangs-Coach und sehr angenehmer, besonnener Charakter scheint mir. Er kann mutmaßlich mehr als die fünf Hobby-Coaches aus der Jury zusammen. Ich vermute, sie erhoffen sich eher, von ihm zu lernen. Und dafür kriegt er ein bißchen Nachhilfeunterricht, wie er sich prominenter ins Bühnenlicht setzt. Sicher ein guter Deal für ihn. Und dann war da noch so ein introvertiert wirkender ganz arg sympathischer Josef mit einem breiten bayrischen Akzent, der mir mit seinem Gesang auch ans Herz ging und der dauernd von der innigen Bindung zu seinem Zwillingsbruder geredet hat. Man wollte gleich Zwilling sein. Den Rest habe ich schon wieder mehr oder weniger vergessen. Also nicht komplett, aber nicht so wichtig. Frau Kutschera mit dem Piratentuch hat mich vom Gesicht her ein bißchen an Nico erinnert. Sehr hübsch. Viel Stimme und Temperament auch.
Schon ein anderes Level in dieser Sendung, keine Frage. Und Sebastian Deyle oder wie der heißt, ein Soap-Star und Moderator wie ich gestern erst gelernt habe, ist ja äußerst attraktiv anzusehen. Er hat den Schlager auch ganz anmutig gesungen, hat aber nicht gelangt. Aber so peinlich wie die Klatschpresse tut, war es ja nun weiß Gott nicht. Klavier hat er auch gespielt. Und der Anzug hat toll gesessen. Ein schöner junger Mann. Eher suspekt bis unsympathisch war mir hingegen der exaltierte, leicht angekokst wirkende dunkelhäutige Sänger, der wohl schon mal Backgroundsänger bei Nena war und diktatorisch verkündet hat, er verträgt kein Nein. Ich hab den Namen vergessen. Bin zu faul auf die Seite zu gucken. Das würde meinen Chill beeinträchtigen. Ach ja – und die IKEA-Kassiererin aus Israel war auch noch sympathisch und talentiert. Na jedenfalls stehe ich da vorhin so an der Kreuzung am Hackeschen Markt an der Ampel und gucke auf die riesen Plakate mit den vier Coaches mit ihren zum Victory-Zeichen gereckten Händchen und denke so: was muss das für die beiden Berliner Jungs von Boss Hoss für ein Gefühl sein, sich in einer Reihe mit Nena und Naidoo, der alten Betschwester und diesem Raimonn oder wie er heißt so riesig und wirklich gut fotografiert überall in der City zu sehen. Schön für die beiden.

Ich nehme jetzt noch weiter gepflegt meinen Tee und esse sicher noch das eine oder andere Häppchen und lasse es sonst einen schönen ruhigen Abend in der warmen Hütte sein, an diesem historischen Tag. Jawohl, historisch. Heute jährt sich der Tag, an dem ich beschloss, für einen längeren Zeitraum dem Alkoholgenuss zu entsagen. So als Test, ob man das aushält, mental. Und um zu sehen, ob sich ungeahnte Kräfte entfalten. Ich kann schon ein Fazit ziehen. Ein strenges Jahr ist aber dann auch genug. Wenn ich am 25. November 2010 den ersten Tag auf Alkohol verzichtet habe und heute ist wieder der 25. November, dann ist das Jahr doch voll. Oder nicht sogar schon einen Tag drüber? Jedenfalls ist die Prohibition morgen beendet. Was aber nicht heißen muss, dass ich ab dann wieder trinken muss. Es wäre nur kein Sakrileg mehr.
P.S. bei der Suche nach dem Josef-Link gerade gesehen, heute gab’s ja schon die zweite Folge. Dachte, das käme nur einmal die Woche. Dann gucke ich jetzt mal die Konserve von heute.
20. November 2011

Janeth Jepkosgei Busienei
Hier sehen Sie den Kopf, den Halbtorso sowie die Arme und die Sonnenbrille von Janeth Jepskosgei Busienei. Auf dem Bild drunter sehen Sie die Beine und die Füße von Janeth Jepskosgei Busienei. Alle Fotos von Janeth Jepskosgei Busienei mit dem fehlenden Stück in der Mitte können Sie hier anschauen. Wer Janeth Jepskosgei Busienei genau ist und warum ich hier lauter Bilder von Janeth Jepskosgei Busienei einklebe, erkläre ich später.

Ich habe ja neulich schon angedeutet, dass ich zum großen Stadionfest der Leichtathletik gegangen bin, weil mir das Schicksal aus heiterem Himmel eine Eintrittskarte beschert hat. Das hat natürlich ganz hervorragend zu meinem aktuellen Studiengang „Leni Riefenstahl, das Olympiastadion und Ich!“ gepasst und ich habe auch gleich die Chance meines Lebens gesehen, mal so was ähnliches wie Olympia in echt zu erleben. Noch dazu in meinem persönlichen Olympiastadion! Solche Winke des Schicksals muss man einfach erkennen und nutzen. Ich hatte ja so überhaupt keine Vorstellung, was mich dort genau erwartet. Mein sportlicher Proviant war exakt auf die Sicherheitsvorschriften, die ich vorher haarklein auf der Internetseite vom großen Stadionfest nachgelesen und auswendig gelernt hatte, zugeschnitten: zwei kleine Tetrapäckchen mit Saft und einen Apfel.
Sportive, kleinformatige Kost, die in mein sportliches, improvisiertes Hüfttäschchen passte und den Flüssigkeitshaushalt regulieren würde, falls ich mich beim Zuschauen bei den verschiedenen sportlichen Disziplinen zu stark echauffieren sollte. Mein Fotoapparat musste natürlich auch noch hinein, da war also kein Spielraum mehr für hartgekochte Eier (die als potenzielle Wurfgeschosse bestimmt ohnehin streng verboten wären) oder sonstige Zwischenmahlzeiten. Als Oberbekleidung wählte ich eine sportiv geschnittene, strapazierfähige sowie pflegeleichte blaue Baumwollhose, ein Turnleibchen mit gutem Tragekomfort eines Sportbekleidungsherstellers mit toll sportlich wirkenden Streifen auf der Seite und natürlich Turnschuhe. Davon erhoffte ich mir, nicht allzu sehr als Fremdkörper unter den sicherlich zu erwartenden, größtenteils sportlich aktiven Besuchern und Athleten aufzufallen.
Dazu muss man vielleicht erwähnen, dass Turnsport, insbesondere alles, was sich gemeinhin als Leichtathletik bezeichnet, neben Mathematik und Physik nicht zu meinen Lieblingsfächern in der Schule zählte. Zur Beweisführung kann ich notfalls ein Potpourri von Schulzeugnissen mit dem Leistungsvermerk: Sport: mangelhaft vorlegen. Wobei unter mangelhaft vor allem mangelnde Beteiligung zu verstehen ist. Aber das war gestern! Seit dem elften September 2011 habe ich einen völlig neuen Zugang zur Leichtathletik. Zumindest theoretisch. Schon als ich mir das Oberteil mit den sportlichen Rallyestreifen oder wie das heißt, auf der Seite angezogen habe, ist eine Art Verwandlung in mir vorgegangen. Beim letzten prüfenden Blick in den Spiegel hatte ich den Eindruck, dass es auch für uneingeweihte Passanten sicher keinen Zweifel geben könnte, dass nur das große Stadionfest der Leichtathletik mein Ziel sein konnte. Federnden Schrittes lief ich in persönlicher Bestzeit zur S-Bahn, die mich ebenfalls in Bestzeit direkt zum Stadion fuhr. Sogar die S-Bahn war interessiert, mir den Leichathletik-Sport an diesem sonnigen Tag näher zu bringen. Sie fuhr an mehreren Haltestellen vorbei, um mich noch schneller zum Olympiastadion zu bringen. Ein Zeichen! Souverän bewegte ich mich mit der sportiv gekleideten Menge, die zum Stadion strömte.

Ich war in meinem Element! Wir waren alle eine große Familie und ich war ein Teil von ihr! Ob Groß, ob Klein: alle trugen dieselben Rallyestreifen auf der Seite. Na gut, ich will es nicht übertreiben, manchmal gab es auch Anziehsachen von anderen Turnsport-Bekleidungsherstellern mit pfiffigen Ornamenten, die ich auch schon das eine oder andere Mal bei Karstadt Sport oder in der Spitzenprofi-Abteilung von Galeria Kaufhof entdeckt hatte. Manche hatten eine schiefe Sichel auf der Mütze eingestickt oder ein kleines Raubkätzchen auf dem Sportdress. Als ich im Stadion drin war, habe ich gleich gesehen, dass ich genau die richtige Wahl getroffen hatte, mit meinem Dress. Die anderen Athleten außer mir hatten genau solche Streifen auf der Seite. Und eben auch Janeth Jepskosgei Busienei. Man muss nämlich unbedingt wissen, dass Janeth Jepskosgei Busienei eine der schnellsten Läuferinnen der ganzen Welt ist. Also der ERDE! Sie wohnt in Kenia, obwohl, so genau weiß ich gar nicht, ob sie da wohnt, sie ist ja dauernd unterwegs, aber auf jeden Fall kommt sie von da. Wie eben alle wichtigen Spitzenläufer. Nun war ich ja quasi durch meinen professionellen Partnerlook mit J.J.B. prädestiniert, mich ihr etwas näher als gewöhnlich anzunähern. Man könnte sagen: auf Augenhöhe. Wir Sportskanonen haben eben eine Antenne dafür, wo die idealen Bedingungen für das unerlässliche Warm up vor so einem wichtigen Wettkampf zu finden sind. Ich merke, der Eintrag wird schon wieder viel zu lang und der Leser hat schon wieder keine Lust weiterzulesen! Mir geht das ja auch langsam auf die Nerven, aber ich versuche es nun, WEISS GOTT! kurz zu machen!
Wir Sport-Profis stellen uns natürlich immer wieder die Frage, wie schaffen es diese Kenianer, dermaßen schnell zu laufen, obwohl sie offensichtlich keine anderen Trainingsbedingungen und die gleiche Ausrüstung wie unsereiner von demselben Hersteller haben, der auch mich und die anderen Spitzenprofis sponsert. Schauen Sie sich meine Bilder an und schon haben Sie die Antwort. Ich liefere Ihnen exklusives Herrschaftswissen, in Sachen professionelles Warm up. Die kenianische Läuferstaffel nimmt die Sache mit dem Warm up, wie sie ursprünglich gemeint war. Warm up ist ja englisch und heißt auf deutsch Wärm auf. Also Aufwärmen. Niemals war die Rede von obskuren Turn- oder Streck-Übungen, um sich bereit für den Wettkampf zu machen, das steckt in dem Wort überhaupt nicht drin. Jedenfalls Janeth Jepskosgei Busieneis Warm up vor dem Wettkampf geht dergestalt vor sich, dass sie sich mit ihren Kameradinnen und Kameraden ein sonniges Plätzchen sucht und wärmende, langärmlige Kleidung anbehält, bis es so weit ist, auch wenn es draußen sommerliche Temperaturen hat. Das wärmt ordentlich auf und während man ein wenig in der Sonne oder im Halbschatten döst, ein kleines Nickerchen macht, sammeln sich die Kräfte und der gesamte Organismus wärmt sich für den großen Wettkampf auf. Ein-, zweimal geräkelt und schon geht es mit maximaler Sprungkraft in den großen Kampf. Das macht der Löwe im Busch nicht anders und auch ich praktiziere dies mit großem Erfolg. Die Leute in Kenia sind einfach noch näher an diesem Geheimwissen dran. Aber da ich ein stark intuitiver Typ bin, habe ich mir diese Herangehensweise schon in jungen Jahren zueigen gemacht und ich denke, meine Erfolgsgeschichte spricht eine eigene Sprache.

So, das wäre also erstmal das Wichtigste in Sachen Warm up von meiner Seite. Wenn Sie sich die einzelnen Übungen noch einmal genauer, also im Detail betrachten wollen, empfehle ich Ihnen die Großansicht hier der Diaschau mit dem diesbezüglichen Lehrstoff. Außerdem möchte ich Sie insbesondere auf diese zwei Schautafeln mit einem ganz wichtigen Einführungstext hinweisen.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Und da das hier ja nun keine Larifiari-Veranstaltung ist, wird sich erst einmal ordentlich draußen aufgewärmt, bevor es im Stadion zur Sache geht. Sie können sich also schon mal warm anziehen.
23. November 2011
Sensationell. Wahnsinn! Ich habe gerade einen phantastischen Kommentar unter meinem vorigen Blogeintrag gehabt, der seinesgleichen sucht und als ich dabei war – aufmerksam wie ich bin – den Antwortkommentar zu verfassen und ihn speichern wollte, hieß es, der Kommentar Nr. Soundso existiert nicht mehr.
Falls jemand nicht in den kurzen Genuss dieses putzigen Feedbacks zu meiner Person gekommen ist, habe ich auf die Schnelle den noch auf meinem Monitor sichtbaren Kommentarbeitrag fix kopiert und gesichert! Mir ist einfach am Herzen gelegen zu dokumentieren, was einem im Internet an Gunstbezeugungen so widerfahren kann. Ich habe keine Ahnung, wer hinter dem Werk, ja dieser Liebeserklärung steckt, ob Mann oder Frau, wer weiß es genau („97tel“ – ob 97 das Geburtsjahr ist? Mal schnell rechnen: Vierzehnjährige, schreiben die so? Und lesen mein Blog? Ich wäre angenehm überrascht). Jedenfalls hat sich da jemand offenbar leidenschaftlich mit mir befasst. Ich stelle mir das Ganze übrigens so ein bißchen gerappt vor. Hier also nun der leider von der Verfasserin oder vom Verfasser wieder gelöschte Kommentar (Ich schreibe deswegen leider, weil ich ja gerne ein bißchen Action brauchen kann, in meinem langweiligen, erfolglosen Leben – aber lesen Sie selbst!):
~
97tel – 23. Nov, 22:23
du bist so haesslich,
du bist alt,
du bist erfolglos,
du bist so absolut erfuellt von neid und missgunst.
du hast keine Freunde,
weil du mit deiner selbstverliebtheit
dein Umfeld abstoesst und ankotzt
du feierst dich
das ist dein lebensinhalt
haelst dich fuer die groesste
du langweilst, sobald man dich kennt
der neid ist dein zweites gesicht
die bosheit das dritte
du hungerst nach zuneigung
fragst dich wieso andere geliebt werden
du nicht
deswegen spionierst du
allein aus diesem grund
um den schluessel zu finden
fuer dich
arme, einsame, gefallsuechtige gaga
die grossmaeuligen reden
was wurde wahr davon ?
die jahre schreiten ins land
du vergehst
du verfaellst
du feierst dich weiter
filmst dich weiter
wer ausser dir will dich sehen?
nicht jeder erfolglose ist ein kuenstler
Dauersozialleistungsbezug
davon zu leben ist nicht wirklich kunst
warum lehnen dich deine brueder und schwestern
aus der satanischen loge ab?
es ist leichter andere abzulehnen
bevor diese anderen dich ablehnen
das ist deine lebensphilosophie
was ist aus dir geworden?
nicht mehr
als du vor zwanzig jahren warst
was bist du?
alte, haessliche, einsame frau
blenderin
doch das gelingt nur noch im internet
wo dich niemand kennt
und dir abnehmen koennte
dass hinter dir nichts steckt
ausser boshaftigkeit
und neid
und gier
immer im mittelpunkt zu stehen
arme gaga
wenn der pc aus ist
bist du verschwunden
aus unserem leben
das ist sehr gut so
fuehre nur dich und deine blogger weiter in die irre
das entspricht dir
irre und kaputt
[ Ende des Kommentars ]
Daraufhin verfasste ich folgenden Antwortkommentar, den ich ja nun leider nicht an der ursprünglichen Stelle veröffentlichen konnte, da beim Antworten auf der Ebene des „Ur“-Kommentars auch mein Antwortkommentar durch den Verfasser des Werkes gelöscht wurde:
g a g a – 23. Nov, 23:02
Da hat aber jemand viel Zeit investiert. Ich wusste gar nicht, dass ich solche leidenschaftlichen Gedankengänge auszulösen vermag. Ich sitze ganz fasziniert davor. Auch der Rhythmus oder soll ich sagen: das Versmaß ist interessant. So viel Mühe, um mit mir ins Gericht zu gehen. Sicher haben Sie in allem Recht. Man könnte sagen: ein Steckbrief meiner Person ohne Fehl und Tadel.
Hart trifft mich allerdings der Absatz:
„nicht jeder erfolglose ist ein kuenstler
Dauersozialleistungsbezug
davon zu leben ist nicht wirklich kunst“
Das schmerzt mich insofern etwas, ja ich möchte sagen, ich fühle mich ertappt, da ich diesen Gedanken (im Bezug auf diverse Zeitg) – äh – tja – auch schon hatte. Aber Schwamm drüber.
Was Sie mir aber vielleicht noch erklären könnten, ist der vorletzte Absatz. Sie schreiben da:
„wenn der pc aus ist
bist du verschwunden
aus unserem leben“.
Ist das im Umkehrschluss so zu verstehen, dass, wenn Ihr PC angeschaltet ist, ich ein Teil von Ihrem („unserem…“) Leben (und dem Ihrer Familie?) bin und dementsprechend analog dazu „verschwunden“, wenn Sie den PC ausschalten? Ich frage auch nur deshalb, weil ich mir nicht sicher bin, ob Ihnen der Widerspruch zu den Ausführungen im (Moment, es sind so viele Absätze) siebten Absatz? (Also diesen meine ich und da insbesondere die dritte Zeile: „(…) du feierst dich weiter / filmst dich weiter / wer ausser dir will dich sehen?“) bewusst ist?
(Das frage ich mich übrigens auch immerzu: „Wer will mich sehen?“. Eine zentrale Frage, die mich außerordentlich beschäftigt.) Danke, dass Sie durch diesen komplexen, aufwändigen, ja ich möchte sagen beinah liebevollen Kommentar (aus tiefer Hass-Liebe vermute ich) das Kernproblem noch einmal ins Zentrum rücken. Vielleicht können Sie mir ja behilflich sein, meine charakterlichen Defizite zu kurieren.
Der einzige Absatz, den ich gar nicht nachvollziehen kann, ist der mit dem religiösen Bezug „warum lehnen dich deine brueder und schwestern aus der satanischen loge ab?“ Entschuldigung, dass ich jetzt hier gerade lachend vor dem Rechner sitze, ich will mich ja nicht lustig machen.
Lehnen die mich wirklich ab? Ist das so? Wer genau lehnt mich denn da ab? Vielleicht kann ich mit den „Brüdern und Schwestern“ ja mal ein Wort unter vier oder sechs Augen sprechen. Also danke noch mal. Ich freue mich über jeden Kommentar und auf bald!
Mit freundlichen Grüßen
Gaga Nielsen
P.S. Gerne dürfen Sie mir auf diesen Kommentar antworten!
[ Ende meines Kommentars ]
Sicher war es nur ein dummes Versehen, dass dieser aufwändige Kommentar so schnell wieder gelöscht wurde – eben mal auf die falsche Taste gekommen! Aber ich bin ja pfiffig in Sachen Datensicherung. Keine Ursache, gern geschehen!
22. November 2011
Oh Mein Gott, wie ich das hasse! Jetzt war einige Jahre Ruhe in unseren gehobenen, hochintellektuellen Premium-Bloggerkreisen mit diesem Stöckchen-Unfug, und nun geht die Seuche wieder los! Neuerdings kommt die Heimsuchung im neuen Gewande, als „Award“ betitelt. Alter Wein in neuen Schläuchen! Bei „Award“ denke ich – altbacken wie ich nun einmal zuweilen bin – immer noch an weitere vergoldete Trophäen für den Kaminsims meiner Villa in den Hollywood Hills. Einen zweiten Oscar zum Beispiel. Oder endlich das Bambi für das Lebenswerk. Eine goldene Kamera meinethalben. Aber nein. Es handelt sich um ein heimatloses Gespenster-Banner, das winselnd durch das Internet schwirrt. „Nimm mich mit, nimm mich mit, mir ist kalt, ich habe Hunger…! Erbarme dich, zeige ein Herz!“. Das könnte mir ja nun prinzipiell alles herzlich wurscht sein, wenn nicht ausgerechnet ein mir nicht nur zutiefst sympathischer, sondern außerdem auch noch persönlich bekannter Blog-Nachbar das Ding um die Ohren gehauen hätte. Keine Sorge, ich schlage nicht zurück und verteile nichts weiter. Denn, wie ich bereits im Kommentar bei dem lieben Schneck vermerkte: Ich hasse Kettenbriefe. Und wenn ich damit den Weltuntergang verursache und wegen mir Kinder in Afrika verhungern müssen! Ja, ich bin dann schuld, schieben Sie es einfach auf mich. Alles.
Mich aufgrund ungeheuchelter Sympathie nun aber doch irgendwie verpflichtet fühlend und schon auch weil er mich – wie ich im Übrigen finde, völlig angemessen – als „Königin des Kommentarwesens“ tituliert , habe ich mich in einer schwachen Minute hinreißen lassen, den Wunsch zu erfüllen. Man sollte wohl, soweit ich es beim Querlesen erfassen konnte, sieben Sachen verkünden, die vermutlich noch keiner über einen weiß. Oder halt jedenfalls das Internet nicht. Da ich ja in den letzten Tagen ohnehin diese seltsamen Beicht-Tendenzen entwickle, wäre der von mir angeführte Quatsch wahrscheinlich sowieso früher oder später Gegenstand eines künftigen Blogeintrages geworden. Was habe ich schon noch zu verlieren?!? Ich komme nun langsam in das Alter, wo als Motto gilt: nach mir die Sintflut! Ich werde die sieben Sachen aber nicht hier drunter kopieren. Die können Sie dann ja bei ihm lesen, wenn Sie vor Neugier brennen. Für meinen Geschmack fallen meine sieben Sachen ja fast schon unter too much information. Was man nie über George Clooney wissen wollte. Aber mir ist auf die Schnelle nichts anderes eingefallen und ich wollte es hinter mich bringen! Also: Sie sind gewarnt und ich habe meine Pflicht und Schuldigkeit getan. Und man werfe mir nicht noch vor, dass das ja alles oberflächliches Zeug ist. Ja, ich bin nun einmal Opfer des Schönheitswahns! Besser, schöner, toller! Möglicherweise handelt es sich auch um eine spätpubertäre Trotzreaktion meinerseits, da mir immer eingebläut wurde, dass es nur und ausschließlich auf die inneren Werte ankäme, Körperpflege und Reinlichkeit, ja schon auch wichtig, Kernseife! Gepflegte Kleidung, keine Löcher, keine Flecken. Was sollen sonst die Leute denken! Aber sonst: innere Werte! „Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam bescheiden und rein, und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein!“
Das ist eines der wenige Gedichte, dass ich aus dem Effeff auswendig aufsagen kann. Es stand nämlich zweimal in meinem Poesiealbum drin! Doppelt hält besser! Nicht, dass das Kind noch eitel wird. Manche Erziehungsbestrebungen scheinen nicht vollständig zu fruchten. Das mit der Empfehlung, in jeder Hinsicht Bescheidenheit zu demonstrieren, habe ich im Übrigen erst gewagt ein klein wenig in Frage zu stellen, als ich angefangen habe zu bloggen. Kommt mir jedenfalls gerade so vor. Auch wenn das jetzt etwas kokett oder unglaubwürdig klingen mag: ich war meine ganze Kindheit hindurch erste Anwärterin auf den Schüchternheitsaward. Mich persönlich anzusprechen hat schon gelangt und ich habe große, erschrockene Bambi-Augen gemacht, bin vor sehr viel Verlegenheit sehr rot geworden und habe feuchte Patschehändchen gekriegt. Das klingt zwar putzig und sympathisch, wenn man es erzählt, aber angefühlt hat es sich überhaupt nicht gut. Ich weiß gar nicht, ob ich mich für irgendetwas geschämt habe. Vielleicht so prinzipiell. Für die Erbsünde.
Die anderen Monsterkinder fanden es jedenfalls ungemein lustig, dass ich immer so zuverlässig, wie beim Lichtschalter-Anknipsen rot wurde vor lauter Verlegenheit und Nicht-aus-noch-ein. Und haben fein gelacht. Meine Zahnlücke war den anderen Kindern auf jeden Fall (neben noch anderen Details, auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte, beziehungsweise, die ich offenbar erfolgreich und ultimativ verdrängt habe und auch nicht wiedervorzuholen gedenke) ein gefundenes Fressen, um mich damit nach Herzenslust aufzuziehen. Widerworte zu geben, auf die Idee wäre ich nie gekommen. Ich war zwar innerlich so eine Mischung aus wütend, traurig und verletzt aber sich wehren war viel zu gefährlich. Das würde nur noch mehr Böses nach sich ziehen. Tritte und Schubsen. Das gab es auch schon ohne Widerworte. Zu gefährlich. „Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam, bescheiden und rein und nicht wie…“
Als insgeheimer größter Fan der in alberne pinkfarbene Schleierhosen gekleideten, für meinen Kindergeschmack sehr hübschen und stets gut gelaunten, und zudem überall beliebten „bezaubernden Jeannie“ sowie der stark geschminkten Daliah Lavi und der kessen Suzi Quatro, welche allesamt nicht nur optische, ja man könnte sagen freche Gegenpole zu den mich umgebenden, nicht sehr farbenfrohen und auch anderweitig irgendwie unfrohen (Haus-)Frauen-Vorbildern gewertet werden dürfen, habe ich natürlich innerlich rebelliert. Im Fernseher, in der Hitparade und in der Reklame (außer in der doofen Margarine-Familie- und Waschmittelwerbung) waren lauter bunte, vogelfreie Sixties- und Seventies-Creme-21-Mädchen mit langen Haaren und quietschbunten Miniröcken, ohne ‚Kieck und Ei‘, und in der echten doofen Erwachsenenwelt wimmelte es vor bescheidenen, ältlichen Frauen mit pflegeleichter, kurz geschnittener Dauerwelle und Faltenrock, die sich ihren angeheirateten Männern unterordneten und überwiegend als Haushaltshilfe glänzten. Da wollte ich dann schon recht frühzeitig lieber in den Fernseher rein, in die pinkfarbene Zauberflaschenwelt der bezaubernden und äußerst eigenwilligen Jeannie aus Amerika. Aber habe ich es denn nötig mich zu rechtfertigen? Nein, nein und abermals nein! Aus dem Alter bin ich raus. Wenn ich in gut dreieinhalb Jahren mein fünfzigstes Wiegenfest begehe, werden sich die Widerworte wahrscheinlich ohnehin erübrigen. Alter schafft Respekt! Ich freu mich drauf. Ha! Für Fragen zu Problemzonen* stehe ich jederzeit vollumfänglich zur Verfügung. Und zuguterletzt möchte ich mich doch bei dem lieben Schneck dafür bedanken, da am Ende trotz anfänglichem Herumgemosere, die Initialzündung für einen wie ich doch finde, ganz schönen Blogeintrag herausgekommen ist.

Danke sehr, mein Lieber.
*auch geistigen
22. November 2011
Oh Mein Gott, wie ich das hasse! Jetzt war einige Jahre Ruhe in unseren gehobenen, hochintellektuellen Premium-Bloggerkreisen mit diesem Stöckchen-Unfug, und nun geht die Seuche wieder los! Neuerdings kommt die Heimsuchung im neuen Gewande, als „Award“ betitelt. Alter Wein in neuen Schläuchen! Bei „Award“ denke ich – altbacken wie ich nun einmal zuweilen bin – immer noch an weitere vergoldete Trophäen für den Kaminsims meiner Villa in den Hollywood Hills. Einen zweiten Oscar zum Beispiel. Oder endlich das Bambi für das Lebenswerk. Eine goldene Kamera meinethalben. Aber nein. Es handelt sich um ein heimatloses Gespenster-Banner, das winselnd durch das Internet schwirrt. „Nimm mich mit, nimm mich mit, mir ist kalt, ich habe Hunger…! Erbarme dich, zeige ein Herz!“. Das könnte mir ja nun prinzipiell alles herzlich wurscht sein, wenn nicht ausgerechnet ein mir nicht nur zutiefst sympathischer, sondern außerdem auch noch persönlich bekannter Blog-Nachbar das Ding um die Ohren gehauen hätte. Keine Sorge, ich schlage nicht zurück und verteile nichts weiter. Denn, wie ich bereits im Kommentar bei dem lieben Schneck vermerkte: Ich hasse Kettenbriefe. Und wenn ich damit den Weltuntergang verursache und wegen mir Kinder in Afrika verhungern müssen! Ja, ich bin dann schuld, schieben Sie es einfach auf mich. Alles.
Mich aufgrund ungeheuchelter Sympathie nun aber doch irgendwie verpflichtet fühlend und schon auch weil er mich – wie ich im Übrigen finde, völlig angemessen – als „Königin des Kommentarwesens“ tituliert , habe ich mich in einer schwachen Minute hinreißen lassen, den Wunsch zu erfüllen. Man sollte wohl, soweit ich es beim Querlesen erfassen konnte, sieben Sachen verkünden, die vermutlich noch keiner über einen weiß. Oder halt jedenfalls das Internet nicht. Da ich ja in den letzten Tagen ohnehin diese seltsamen Beicht-Tendenzen entwickle, wäre der von mir angeführte Quatsch wahrscheinlich sowieso früher oder später Gegenstand eines künftigen Blogeintrages geworden. Was habe ich schon noch zu verlieren?!? Ich komme nun langsam in das Alter, wo als Motto gilt: nach mir die Sintflut! Ich werde die sieben Sachen aber nicht hier drunter kopieren. Die können Sie dann ja bei ihm lesen, wenn Sie vor Neugier brennen. Für meinen Geschmack fallen meine sieben Sachen ja fast schon unter too much information. Was man nie über George Clooney wissen wollte. Aber mir ist auf die Schnelle nichts anderes eingefallen und ich wollte es hinter mich bringen! Also: Sie sind gewarnt und ich habe meine Pflicht und Schuldigkeit getan. Und man werfe mir nicht noch vor, dass das ja alles oberflächliches Zeug ist. Ja, ich bin nun einmal Opfer des Schönheitswahns! Besser, schöner, toller! Möglicherweise handelt es sich auch um eine spätpubertäre Trotzreaktion meinerseits, da mir immer eingebläut wurde, dass es nur und ausschließlich auf die inneren Werte ankäme, Körperpflege und Reinlichkeit, ja schon auch wichtig, Kernseife! Gepflegte Kleidung, keine Löcher, keine Flecken. Was sollen sonst die Leute denken! Aber sonst: innere Werte! „Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam bescheiden und rein, und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein!“
Das ist eines der wenige Gedichte, dass ich aus dem Effeff auswendig aufsagen kann. Es stand nämlich zweimal in meinem Poesiealbum drin! Doppelt hält besser! Nicht, dass das Kind noch eitel wird. Manche Erziehungsbestrebungen scheinen nicht vollständig zu fruchten. Das mit der Empfehlung, in jeder Hinsicht Bescheidenheit zu demonstrieren, habe ich im Übrigen erst gewagt ein klein wenig in Frage zu stellen, als ich angefangen habe zu bloggen. Kommt mir jedenfalls gerade so vor. Auch wenn das jetzt etwas kokett oder unglaubwürdig klingen mag: ich war meine ganze Kindheit hindurch erste Anwärterin auf den Schüchternheitsaward. Mich persönlich anzusprechen hat schon gelangt und ich habe große, erschrockene Bambi-Augen gemacht, bin vor sehr viel Verlegenheit sehr rot geworden und habe feuchte Patschehändchen gekriegt. Das klingt zwar putzig und sympathisch, wenn man es erzählt, aber angefühlt hat es sich überhaupt nicht gut. Ich weiß gar nicht, ob ich mich für irgendetwas geschämt habe. Vielleicht so prinzipiell. Für die Erbsünde.
Die anderen Monsterkinder fanden es jedenfalls ungemein lustig, dass ich immer so zuverlässig, wie beim Lichtschalter-Anknipsen rot wurde vor lauter Verlegenheit und Nicht-aus-noch-ein. Und haben fein gelacht. Meine Zahnlücke war den anderen Kindern auf jeden Fall (neben noch anderen Details, auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte, beziehungsweise, die ich offenbar erfolgreich und ultimativ verdrängt habe und auch nicht wiedervorzuholen gedenke) ein gefundenes Fressen, um mich damit nach Herzenslust aufzuziehen. Widerworte zu geben, auf die Idee wäre ich nie gekommen. Ich war zwar innerlich so eine Mischung aus wütend, traurig und verletzt aber sich wehren war viel zu gefährlich. Das würde nur noch mehr Böses nach sich ziehen. Tritte und Schubsen. Das gab es auch schon ohne Widerworte. Zu gefährlich. „Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam, bescheiden und rein und nicht wie…“
Als insgeheimer größter Fan der in alberne pinkfarbene Schleierhosen gekleideten, für meinen Kindergeschmack sehr hübschen und stets gut gelaunten, und zudem überall beliebten „bezaubernden Jeannie“ sowie der stark geschminkten Daliah Lavi und der kessen Suzi Quatro, welche allesamt nicht nur optische, ja man könnte sagen freche Gegenpole zu den mich umgebenden, nicht sehr farbenfrohen und auch anderweitig irgendwie unfrohen (Haus-)Frauen-Vorbildern gewertet werden dürfen, habe ich natürlich innerlich rebelliert. Im Fernseher, in der Hitparade und in der Reklame (außer in der doofen Margarine-Familie- und Waschmittelwerbung) waren lauter bunte, vogelfreie Sixties- und Seventies-Creme-21-Mädchen mit langen Haaren und quietschbunten Miniröcken, ohne ‚Kieck und Ei‘, und in der echten doofen Erwachsenenwelt wimmelte es vor bescheidenen, ältlichen Frauen mit pflegeleichter, kurz geschnittener Dauerwelle und Faltenrock, die sich ihren angeheirateten Männern unterordneten und überwiegend als Haushaltshilfe glänzten. Da wollte ich dann schon recht frühzeitig lieber in den Fernseher rein, in die pinkfarbene Zauberflaschenwelt der bezaubernden und äußerst eigenwilligen Jeannie aus Amerika. Aber habe ich es denn nötig mich zu rechtfertigen? Nein, nein und abermals nein! Aus dem Alter bin ich raus. Wenn ich in gut dreieinhalb Jahren mein fünfzigstes Wiegenfest begehe, werden sich die Widerworte wahrscheinlich ohnehin erübrigen. Alter schafft Respekt! Ich freu mich drauf. Ha! Für Fragen zu Problemzonen* stehe ich jederzeit vollumfänglich zur Verfügung. Und zuguterletzt möchte ich mich doch bei dem lieben Schneck dafür bedanken, da am Ende trotz anfänglichem Herumgemosere, die Initialzündung für einen wie ich doch finde, ganz schönen Blogeintrag herausgekommen ist.

Danke sehr, mein Lieber.
*auch geistigen
17. November 2011
So ein Blog lässt sich ja auch wunderbar als Beichtstuhl benutzen. Macht man ja in wahrhaftiger Abgründigkeit so gut wie nie, wenn man ehrlich ist. Die kleinen Alltagsbekenntnisse, die man herausposaunt, sind meistens noch rational für andere nachvollziehbar und ethisch vertretbar. Ich habe mich soeben, obwohl ich nicht katholisch bin, im Badezimmer entschlossen, Beichte über ein abgründiges Tun meinerseits abzulegen.
BEICHTE:
Ich, Gaga Nielsen, verfolge seit circa einem halben Jahr drei Blogs, deren Schreiber mich nicht die Bohne interessieren. Ich missbrauche das akribische Studium ihrer Weblog-Einträge lediglich zur vergleichenden Analyse der möglichen Auswirkungen des laufenden Pluto-Transits. Da mir rein zufällig die Geburtsdaten zur Kenntnis kamen, als sie an anderer Stelle kommentierten, wurden sie zum Opfer einer Langzeitstudie meinerseits. Zum Teil sind mir die Schreiber oder ihre Einträge suspekt oder sogar unsympathisch. Ich lese ungeachtet dessen jeden Eintrag und Kommentar und verfolge zum Teil sogar deren Kommentartätigkeit an anderer Stelle, um zusätzliches Forschungsmaterial zur Verdichtung des jeweiligen Psychogramms zu bekommen. Zu diesen drei Weblogs kommen noch zwei Personen des öffentlichen Lebens, die mir ausgesprochen unsympathisch sind, aber ebenfalls die passende Konstellation im Geburtshoroskop aufweisen, um als Studienobjekt geeignet zu sein. Da diese beiden Personen der Öffentlichkeit in keinster Weise bloggen, bin ich auf das Studium ihrer biographischen Bewegungen durch Veröffentlichungen aus zweiter Hand, durch die Presse und in Foren angewiesen, wo diese Personen umfangreich stattfinden.
Nie im Leben käme ich auf die Idee, bei den von mir analysierten Bloggern einen Kommentar zu hinterlassen. Ich sitze ohnehin meist leicht genervt bis gelangweilt vor den mittelmäßigen Ergüssen, die vor blumigen Beschönigungen nur so strotzen. Die betreffenden Blogs bieten qualitativ einigermaßen vertretbares, wenn auch wenig aufschlussreiches Bildmaterial, aber glänzen vor allem in zwei Fällen durch systematisches Unter-den-Teppich-Kehren der vorhandenen eruptiven Vorgänge. Das Unterstellen eruptiver Vorgänge ist keine Phantasterei meinerseits, sondern tritt zu Tage, wenn man zwischen den Zeilen liest. Mich interessieren aber lediglich vorrangig diese plutonischen Bewegungen. Mal gibt es zwischendurch überraschend abgründige Offenbarungen, meistens andeutungsweise („wenn ich darüber schreiben würde, was sonst noch bei mir los ist, ich kann euch sagen!) in Nebensätzen oder einem Kommentar, die in dem einen Fall dann auch gerne wieder nach einer gewissen Zeit gelöscht oder modifiziert werden, um das Prinzip der Darstellung einer erfolgreichen Lebensdynamik zu bedienen. Sehr interessant. Haarsträubend wird es immer dann, wenn die eine Person über Zukunftspläne spricht, in denen regelmäßig eine hanebüchene Selbstüberschätzung zu Tage tritt, was das vorhandene Talent anbelangt, das Voraussetzung zur Ausführung der Pläne wäre.
Durch diese Beobachtungen durfte ich auch lernen, dass es Bloggerkreise gibt, in denen Kommentartätigkeit zu 99 Prozent inhaltlich darin besteht, sich gegenseitig einen tollen Tag, eine tolle Woche oder ein tolles Wochenende zu wünschen. Tag für Tag, Woche für Woche, Wochenende für Wochenende. So kommen erstaunlich umfangreiche Kommentaraktivitäten- und stränge zustande. Für mich natürlich langweilig, aber wenn man wissenschaftlich arbeitet, bleibt es natürlich nicht aus, in der konkreten Feldforschung auch mit undynamischem Studienmaterial zu arbeiten. Und auch das ermöglicht wiederum eine langfristige, gefestigte Aussage über das Psychogramm.
Bei dem dritten Psychogramm anhand eines Weblogs handelt es sich eher um eine indirekte Studie des Geschriebenen. In dem Fall interessiert mich nicht die bloggende Person selbst, sondern die Darstellung der Beziehung zu einer relevanten (mir ebenfalls unbekannten und nur aufgrund des zufällig entdeckten Geburtsdatums gewählten) Nativität. Sprich: die Person, die als Beziehungspartner beschrieben wird und die Befindlichkeit der Beziehung spiegelt.
Zur Beruhigung: keines meiner Studienobjekte sind mir persönlich bekannte Blogger. Ich habe keinen davon getroffen oder bei ihm oder ihr kommentiert und bin auch in keinster Weise daran interessiert.
Über mein eigenes Psychogramm wollen wir doch an dieser Stelle lieber nicht sprechen. Ich habe selbstverständlich meine AbGründe.
ENDE DER BEICHTE.
20. November 2011

Janeth Jepkosgei Busienei
Hier sehen Sie den Kopf, den Halbtorso sowie die Arme und die Sonnenbrille von Janeth Jepskosgei Busienei. Auf dem Bild drunter sehen Sie die Beine und die Füße von Janeth Jepskosgei Busienei. Alle Fotos von Janeth Jepskosgei Busienei mit dem fehlenden Stück in der Mitte können Sie hier anschauen. Wer Janeth Jepskosgei Busienei genau ist und warum ich hier lauter Bilder von Janeth Jepskosgei Busienei einklebe, erkläre ich später.

Ich habe ja neulich schon angedeutet, dass ich zum großen Stadionfest der Leichtathletik gegangen bin, weil mir das Schicksal aus heiterem Himmel eine Eintrittskarte beschert hat. Das hat natürlich ganz hervorragend zu meinem aktuellen Studiengang „Leni Riefenstahl, das Olympiastadion und Ich!“ gepasst und ich habe auch gleich die Chance meines Lebens gesehen, mal so was ähnliches wie Olympia in echt zu erleben. Noch dazu in meinem persönlichen Olympiastadion! Solche Winke des Schicksals muss man einfach erkennen und nutzen. Ich hatte ja so überhaupt keine Vorstellung, was mich dort genau erwartet. Mein sportlicher Proviant war exakt auf die Sicherheitsvorschriften, die ich vorher haarklein auf der Internetseite vom großen Stadionfest nachgelesen und auswendig gelernt hatte, zugeschnitten: zwei kleine Tetrapäckchen mit Saft und einen Apfel.
Sportive, kleinformatige Kost, die in mein sportliches, improvisiertes Hüfttäschchen passte und den Flüssigkeitshaushalt regulieren würde, falls ich mich beim Zuschauen bei den verschiedenen sportlichen Disziplinen zu stark echauffieren sollte. Mein Fotoapparat musste natürlich auch noch hinein, da war also kein Spielraum mehr für hartgekochte Eier (die als potenzielle Wurfgeschosse bestimmt ohnehin streng verboten wären) oder sonstige Zwischenmahlzeiten. Als Oberbekleidung wählte ich eine sportiv geschnittene, strapazierfähige sowie pflegeleichte blaue Baumwollhose, ein Turnleibchen mit gutem Tragekomfort eines Sportbekleidungsherstellers mit toll sportlich wirkenden Streifen auf der Seite und natürlich Turnschuhe. Davon erhoffte ich mir, nicht allzu sehr als Fremdkörper unter den sicherlich zu erwartenden, größtenteils sportlich aktiven Besuchern und Athleten aufzufallen.
Dazu muss man vielleicht erwähnen, dass Turnsport, insbesondere alles, was sich gemeinhin als Leichtathletik bezeichnet, neben Mathematik und Physik nicht zu meinen Lieblingsfächern in der Schule zählte. Zur Beweisführung kann ich notfalls ein Potpourri von Schulzeugnissen mit dem Leistungsvermerk: Sport: mangelhaft vorlegen. Wobei unter mangelhaft vor allem mangelnde Beteiligung zu verstehen ist. Aber das war gestern! Seit dem elften September 2011 habe ich einen völlig neuen Zugang zur Leichtathletik. Zumindest theoretisch. Schon als ich mir das Oberteil mit den sportlichen Rallyestreifen oder wie das heißt, auf der Seite angezogen habe, ist eine Art Verwandlung in mir vorgegangen. Beim letzten prüfenden Blick in den Spiegel hatte ich den Eindruck, dass es auch für uneingeweihte Passanten sicher keinen Zweifel geben könnte, dass nur das große Stadionfest der Leichtathletik mein Ziel sein konnte. Federnden Schrittes lief ich in persönlicher Bestzeit zur S-Bahn, die mich ebenfalls in Bestzeit direkt zum Stadion fuhr. Sogar die S-Bahn war interessiert, mir den Leichathletik-Sport an diesem sonnigen Tag näher zu bringen. Sie fuhr an mehreren Haltestellen vorbei, um mich noch schneller zum Olympiastadion zu bringen. Ein Zeichen! Souverän bewegte ich mich mit der sportiv gekleideten Menge, die zum Stadion strömte.

Ich war in meinem Element! Wir waren alle eine große Familie und ich war ein Teil von ihr! Ob Groß, ob Klein: alle trugen dieselben Rallyestreifen auf der Seite. Na gut, ich will es nicht übertreiben, manchmal gab es auch Anziehsachen von anderen Turnsport-Bekleidungsherstellern mit pfiffigen Ornamenten, die ich auch schon das eine oder andere Mal bei Karstadt Sport oder in der Spitzenprofi-Abteilung von Galeria Kaufhof entdeckt hatte. Manche hatten eine schiefe Sichel auf der Mütze eingestickt oder ein kleines Raubkätzchen auf dem Sportdress. Als ich im Stadion drin war, habe ich gleich gesehen, dass ich genau die richtige Wahl getroffen hatte, mit meinem Dress. Die anderen Athleten außer mir hatten genau solche Streifen auf der Seite. Und eben auch Janeth Jepskosgei Busienei. Man muss nämlich unbedingt wissen, dass Janeth Jepskosgei Busienei eine der schnellsten Läuferinnen der ganzen Welt ist. Also der ERDE! Sie wohnt in Kenia, obwohl, so genau weiß ich gar nicht, ob sie da wohnt, sie ist ja dauernd unterwegs, aber auf jeden Fall kommt sie von da. Wie eben alle wichtigen Spitzenläufer. Nun war ich ja quasi durch meinen professionellen Partnerlook mit J.J.B. prädestiniert, mich ihr etwas näher als gewöhnlich anzunähern. Man könnte sagen: auf Augenhöhe. Wir Sportskanonen haben eben eine Antenne dafür, wo die idealen Bedingungen für das unerlässliche Warm up vor so einem wichtigen Wettkampf zu finden sind. Ich merke, der Eintrag wird schon wieder viel zu lang und der Leser hat schon wieder keine Lust weiterzulesen! Mir geht das ja auch langsam auf die Nerven, aber ich versuche es nun, WEISS GOTT! kurz zu machen!
Wir Sport-Profis stellen uns natürlich immer wieder die Frage, wie schaffen es diese Kenianer, dermaßen schnell zu laufen, obwohl sie offensichtlich keine anderen Trainingsbedingungen und die gleiche Ausrüstung wie unsereiner von demselben Hersteller haben, der auch mich und die anderen Spitzenprofis sponsert. Schauen Sie sich meine Bilder an und schon haben Sie die Antwort. Ich liefere Ihnen exklusives Herrschaftswissen, in Sachen professionelles Warm up. Die kenianische Läuferstaffel nimmt die Sache mit dem Warm up, wie sie ursprünglich gemeint war. Warm up ist ja englisch und heißt auf deutsch Wärm auf. Also Aufwärmen. Niemals war die Rede von obskuren Turn- oder Streck-Übungen, um sich bereit für den Wettkampf zu machen, das steckt in dem Wort überhaupt nicht drin. Jedenfalls Janeth Jepskosgei Busieneis Warm up vor dem Wettkampf geht dergestalt vor sich, dass sie sich mit ihren Kameradinnen und Kameraden ein sonniges Plätzchen sucht und wärmende, langärmlige Kleidung anbehält, bis es so weit ist, auch wenn es draußen sommerliche Temperaturen hat. Das wärmt ordentlich auf und während man ein wenig in der Sonne oder im Halbschatten döst, ein kleines Nickerchen macht, sammeln sich die Kräfte und der gesamte Organismus wärmt sich für den großen Wettkampf auf. Ein-, zweimal geräkelt und schon geht es mit maximaler Sprungkraft in den großen Kampf. Das macht der Löwe im Busch nicht anders und auch ich praktiziere dies mit großem Erfolg. Die Leute in Kenia sind einfach noch näher an diesem Geheimwissen dran. Aber da ich ein stark intuitiver Typ bin, habe ich mir diese Herangehensweise schon in jungen Jahren zueigen gemacht und ich denke, meine Erfolgsgeschichte spricht eine eigene Sprache.

So, das wäre also erstmal das Wichtigste in Sachen Warm up von meiner Seite. Wenn Sie sich die einzelnen Übungen noch einmal genauer, also im Detail betrachten wollen, empfehle ich Ihnen die Großansicht hier der Diaschau mit dem diesbezüglichen Lehrstoff. Außerdem möchte ich Sie insbesondere auf diese zwei Schautafeln mit einem ganz wichtigen Einführungstext hinweisen.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Und da das hier ja nun keine Larifiari-Veranstaltung ist, wird sich erst einmal ordentlich draußen aufgewärmt, bevor es im Stadion zur Sache geht. Sie können sich also schon mal warm anziehen.
18. November 2011
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, die Führung ist beendet, bitte begeben Sie sich zum Ausgang. Da hinten, steht groß dran: AUSGANG, EXIT. Was? Trinkgeld? Das ist aber ganz reizend von Ihnen, vielen Dank! Ich kann es gut gebrauchen, ich muss nämlich zur Zeit sparen. Aber das können Sie ja nicht wissen, weil Sie mein Blog nicht lesen. Ich mache nämlich nicht nur sagenhafte, einmalige, nie dagewesene Führungen über das Olympiagelände, sondern schreibe auch manchmal Befindlichkeitskram ins Internet hinein. Kennen Sie doch, Internet. Mit Computer. Ist ja auch nicht so wichtig. Aber das heute, war doch mal was anderes. Sie haben eine Menge neue Sachen über Berlin gelernt und ich auch. Sie müssen nämlich wissen, für mich war das auch das erste Mal, dass ich die Führung gemacht habe. Ja! Hätten Sie nicht gedacht was? Ich habe einfach ein bißchen improvisiert und Sie haben es gar nicht bemerkt. Ich bin nämlich keineswegs sonderlich sport- oder olympiainteressiert oder Nazi-Architektur-Sachverständige oder womöglich gar studierte Nationalsozialismus-Forscherin. Nichts von alledem. Naja, obwohl jetzt vielleicht schon ein bißchen!

Wissen Sie, es geht mir ähnlich wie Ihnen: Sie leben ja nun auch schon ewig und drei Tage hier in unserem schönen Berlin, das ja nun mittlerweile wieder Hauptstadt ist. Und wenn man so wie ich, wie bereits erwähnt, sparen muss, kommt man direkt auf die Idee, sich mal vor der eigenen Haustüre umzuschauen. Und da ist mir aufgefallen, dass es ziemlich viele Touristen hierher zieht. Das muss doch einen Grund haben, dachte ich so bei mir. Und dann ist da ja auch noch meine Beschäftigung mit Frau Riefenstahl, aber das wird Sie vielleicht jetzt nicht so interessieren. Dass ich keine Nazi-Freundin bin, und auch sonst nicht zu Verharmlosungen neige, müssten Sie jetzt aber eigentlich schon mitbekommen haben, wenn Sie mir gut zugehört haben. Ach, haben Sie nicht? Keine Zeit oder woanders hingeguckt? Sehen Sie, ich habe ja für alles Verständnis, man kann das ja auch alles gar nicht auf einmal verdauen. Und dann immer noch meine privaten Betrachtungen und Befindlichkeiten zwischen den vielen Erklärungen. Ich habe doch für alles Verständnis. Und sehen Sie, deshalb habe ich für Sie, für zuhause, noch einmal eine kleine Sammlung der ganzen Etappen und Geschichten unserer heutigen kleinen Führung über das historische Olympiagelände angefertigt. Vielleicht haben Sie ja doch irgendwann einmal die Ruhe. Und wenn Sie dann noch Lust haben, mir eine kleine Rückmeldung zu geben, ob es Ihnen gefallen hat, freut es mich umso mehr. Das ist mir noch lieber als Trinkgeld. Aber Trinkgeld ist natürlich auch toll! Ich werde mir gleich davon eine schöne Tasse Kaffee gönnen. Vielen Dank und:
Auf Wiedersehen


1. Intro | 2.Entry | 3.Stadion | 4.Schwimmstadion | 5.Areal | 6.Pferd | 7.Maifeld 8. Langemarck | 9. Glockenturm | 10. Glocke 1936 | 11. Kl. Marchhof | 12. EXIT
18. November 2011
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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, die Führung ist beendet, bitte begeben Sie sich zum Ausgang. Da hinten, steht groß dran: AUSGANG, EXIT. Was? Trinkgeld? Das ist aber ganz reizend von Ihnen, vielen Dank! Ich kann es gut gebrauchen, ich muss nämlich zur Zeit sparen. Aber das können Sie ja nicht wissen, weil Sie mein Blog nicht lesen. Ich mache nämlich nicht nur sagenhafte, einmalige, nie dagewesene Führungen über das Olympiagelände, sondern schreibe auch manchmal Befindlichkeitskram ins Internet hinein. Kennen Sie doch, Internet. Mit Computer. Ist ja auch nicht so wichtig. Aber das heute, war doch mal was anderes. Sie haben eine Menge neue Sachen über Berlin gelernt und ich auch. Sie müssen nämlich wissen, für mich war das auch das erste Mal, dass ich die Führung gemacht habe. Ja! Hätten Sie nicht gedacht was? Ich habe einfach ein bißchen improvisiert und Sie haben es gar nicht bemerkt. Ich bin nämlich keineswegs sonderlich sport- oder olympiainteressiert oder Nazi-Architektur-Sachverständige oder womöglich gar studierte Nationalsozialismus-Forscherin. Nichts von alledem. Naja, obwohl jetzt vielleicht schon ein bißchen!

Wissen Sie, es geht mir ähnlich wie Ihnen: Sie leben ja nun auch schon ewig und drei Tage hier in unserem schönen Berlin, das ja nun mittlerweile wieder Hauptstadt ist. Und wenn man so wie ich, wie bereits erwähnt, sparen muss, kommt man direkt auf die Idee, sich mal vor der eigenen Haustüre umzuschauen. Und da ist mir aufgefallen, dass es ziemlich viele Touristen hierher zieht. Das muss doch einen Grund haben, dachte ich so bei mir. Und dann ist da ja auch noch meine Beschäftigung mit Frau Riefenstahl, aber das wird Sie vielleicht jetzt nicht so interessieren. Dass ich keine Nazi-Freundin bin, und auch sonst nicht zu Verharmlosungen neige, müssten Sie jetzt aber eigentlich schon mitbekommen haben, wenn Sie mir gut zugehört haben. Ach, haben Sie nicht? Keine Zeit oder woanders hingeguckt? Sehen Sie, ich habe ja für alles Verständnis, man kann das ja auch alles gar nicht auf einmal verdauen. Und dann immer noch meine privaten Betrachtungen und Befindlichkeiten zwischen den vielen Erklärungen. Ich habe doch für alles Verständnis. Und sehen Sie, deshalb habe ich für Sie, für zuhause, noch einmal eine kleine Sammlung der ganzen Etappen und Geschichten unserer heutigen kleinen Führung über das historische Olympiagelände angefertigt. Vielleicht haben Sie ja doch irgendwann einmal die Ruhe. Und wenn Sie dann noch Lust haben, mir eine kleine Rückmeldung zu geben, ob es Ihnen gefallen hat, freut es mich umso mehr. Das ist mir noch lieber als Trinkgeld. Aber Trinkgeld ist natürlich auch toll! Ich werde mir gleich davon eine schöne Tasse Kaffee gönnen. Vielen Dank und:
Auf Wiedersehen


1. Intro | 2.Entry | 3.Stadion | 4.Schwimmstadion | 5.Areal | 6.Pferd | 7.Maifeld 8. Langemarck | 9. Glockenturm | 10. Glocke 1936 | 11. Kl. Marchhof | 12. EXIT
16. November 2011
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Wieso denn jetzt noch mehr Bilder von einer Glocke? Eine berechtigte, leicht zu beantwortende Frage. Wie man unschwer erkennen kann, hängt sie nicht im Turm. Das gewaltige, 4,28 Meter hohe Teil steht auf dem Kleinen Marchhof und ist gesprungen, als der Turm 1947 durch die britischen Streitkräfte gesprengt wurde. Bei Wikipedia heißt es, der Turm brannte und war vom Einsturz bedroht, daher die Sprengung. Wir sehen also den Wiederaufbau des Glockenturms, und eine Kopie der Glocke, nicht das Original. Es ist doch wirklich gut, wenn man Bilder macht, die man dann zuhause auf sich wirken lassen kann. Mir fiel jetzt erst, wo ich die Bilder in Ruhe betrachtete auf, dass die zweite Version der Glocke im Turm gar keine Replik ist. Die Beschriftung sieht völlig anders aus, keine Fraktur. An der Stelle wo bei der originalen Glocke die Hakenkreuze waren, ist bei der neuen Glocke nichts. Verständlich. Sogar auf der alten Glocke wurden die kleinen Hakenkreuze am unteren Rand leicht gemorpht. Ich habe auch kein Eichblatt mehr auf der neuen Glocke gesehen. Und der Adler sieht anders aus. Ganz anders. Auf der neuen Glocke ist der Adler, wie man ihn von den alten Fünfmark-Stücken kannte. Ähnlich dem, der heutzutage im Bundestag hängt. Der Adler auf der alten Glocke gefällt mir besser, er ist schlichter, archaischer. Ich meine nicht, wofür er damals herhielt, sondern die reine Silhouette und sein Ausdruck.

Ich mag Adler sehr gerne und bedaure, dass so viele Menschen damit schnöden Idioten-Nationalismus in Verbindung bringen. Das hat er nicht verdient. Der Adler hat mich schon einmal beschäftigt, zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006, als in Berlin und auch überall sonst in Deutschland die beinah gesamte Bevölkerung im WM-Fieber war. Ein bunter Tanz aller Kulturen, die S-Bahn gefüllt mit trommelnden Fans aus aller Herren Länder, mit bunter Kriegsbemalung in ihren jeweiligen Landesfarben auf der Backe. Und die deutschen Gastgeber genauso bunt bemalt in ihren drei Farben, mittendrin. Ein großes fröhliches Fest. Die reinste Love Parade. Und da fing ich an zu bedauern, dass es keine coolen T-Shirts mit einem sexy Adler darauf gibt. Das wäre ganz nach meinem Geschmack gewesen. Man ist ja schließlich auch wer und hat einen Vogel. In dem Blogeintrag von damals sieht man ein selber entworfenes Shirt, das leider nie gedruckt wurde, weil ich keine online-Anbieter fand, die preisgünstig ein freigewähltes weißes Motiv auf Schwarz drucken konnten. Umgekehrt wäre einfach gewesen, aber ich wollte Weiß auf Schwarz! Ich hatte mir sogar eine Schablone gebastelt, in Originalgröße, um zu testen, wie es aussehen würde. Für mich war die Assoziation eher die eines grandiosen, unwiderstehlich kraftvollen Totems. Na gut, das war er für die Idioten früher auch. Aber ich meinte mehr im Geiste von Indianer spielen. Aber nicht kindermäßig, sondern cool wie Lenny Kravitz, kombiniert mit schwarzem Leder, Damals nahm ich den modernen Adler zur Vorlage. Den alten hätte ich mich nicht getraut, obwohl er schöner ist. Wer will schon für einen Nazi gehalten werden. Ich bestimmt nicht. Aber das würde man vielleicht auch mit dem neuen Adler auf der Brust. Na ja, Schwamm drüber. Aber ich finde die Idee immer noch ganz gut.

Wie schrieb ich damals so schön: „den Nazi-Deppen den Adler entreißen“. Die vergewaltigten Elemente und Symbole in einen neuen Kontext bringen. Oder in den ursprünglichen. Den sie vor dieser Ära der Gewalt und Menschenverachtung hatten. Das gilt natürlich auch für das sogenannte Hakenkreuz. Das alte Sonnensymbol, das Sonnenrad, das weiß Gott keine Erfindung der Nazis war, aber das weiß man ja heutzutage selbst mit Minimalbildung, dass die Swastika aus einem völlig anderen Kontext kommt. Wir werden sicher nicht mehr erleben, dass diese Symbole die unbefleckte Unschuld zurückerhalten, die sie verdienen. Vielleicht in fünfhundert oder tausend Jahren. Nicht, dass mich das zutiefst bekümmern würde, oder ich eine Sehnsucht hätte, diese Rune zu kritzeln. Dennoch ist es der Verlust der Gebrauchsmöglichkeit von Details unserer archaischen Herkunft. Das ist nur eine Erklärung, wieso ich mich so ungeniert vor diesem Adler zeige. Eigentlich ist es mein Adler. Ich erhebe Besitzanspruch. Mein Adler ist ein guter, kraftvoller Adler mit Weitblick, Weisheit und Verstand. Finger weg, Alt- und Neo-Nazis.

17. November 2011
So ein Blog lässt sich ja auch wunderbar als Beichtstuhl benutzen. Macht man ja in wahrhaftiger Abgründigkeit so gut wie nie, wenn man ehrlich ist. Die kleinen Alltagsbekenntnisse, die man herausposaunt, sind meistens noch rational für andere nachvollziehbar und ethisch vertretbar. Ich habe mich soeben, obwohl ich nicht katholisch bin, im Badezimmer entschlossen, Beichte über ein abgründiges Tun meinerseits abzulegen.
BEICHTE:
Ich, Gaga Nielsen, verfolge seit circa einem halben Jahr drei Blogs, deren Schreiber mich nicht die Bohne interessieren. Ich missbrauche das akribische Studium ihrer Weblog-Einträge lediglich zur vergleichenden Analyse der möglichen Auswirkungen des laufenden Pluto-Transits. Da mir rein zufällig die Geburtsdaten zur Kenntnis kamen, als sie an anderer Stelle kommentierten, wurden sie zum Opfer einer Langzeitstudie meinerseits. Zum Teil sind mir die Schreiber oder ihre Einträge suspekt oder sogar unsympathisch. Ich lese ungeachtet dessen jeden Eintrag und Kommentar und verfolge zum Teil sogar deren Kommentartätigkeit an anderer Stelle, um zusätzliches Forschungsmaterial zur Verdichtung des jeweiligen Psychogramms zu bekommen. Zu diesen drei Weblogs kommen noch zwei Personen des öffentlichen Lebens, die mir ausgesprochen unsympathisch sind, aber ebenfalls die passende Konstellation im Geburtshoroskop aufweisen, um als Studienobjekt geeignet zu sein. Da diese beiden Personen der Öffentlichkeit in keinster Weise bloggen, bin ich auf das Studium ihrer biographischen Bewegungen durch Veröffentlichungen aus zweiter Hand, durch die Presse und in Foren angewiesen, wo diese Personen umfangreich stattfinden.
Nie im Leben käme ich auf die Idee, bei den von mir analysierten Bloggern einen Kommentar zu hinterlassen. Ich sitze ohnehin meist leicht genervt bis gelangweilt vor den mittelmäßigen Ergüssen, die vor blumigen Beschönigungen nur so strotzen. Die betreffenden Blogs bieten qualitativ einigermaßen vertretbares, wenn auch wenig aufschlussreiches Bildmaterial, aber glänzen vor allem in zwei Fällen durch systematisches Unter-den-Teppich-Kehren der vorhandenen eruptiven Vorgänge. Das Unterstellen eruptiver Vorgänge ist keine Phantasterei meinerseits, sondern tritt zu Tage, wenn man zwischen den Zeilen liest. Mich interessieren aber lediglich vorrangig diese plutonischen Bewegungen. Mal gibt es zwischendurch überraschend abgründige Offenbarungen, meistens andeutungsweise („wenn ich darüber schreiben würde, was sonst noch bei mir los ist, ich kann euch sagen!) in Nebensätzen oder einem Kommentar, die in dem einen Fall dann auch gerne wieder nach einer gewissen Zeit gelöscht oder modifiziert werden, um das Prinzip der Darstellung einer erfolgreichen Lebensdynamik zu bedienen. Sehr interessant. Haarsträubend wird es immer dann, wenn die eine Person über Zukunftspläne spricht, in denen regelmäßig eine hanebüchene Selbstüberschätzung zu Tage tritt, was das vorhandene Talent anbelangt, das Voraussetzung zur Ausführung der Pläne wäre.
Durch diese Beobachtungen durfte ich auch lernen, dass es Bloggerkreise gibt, in denen Kommentartätigkeit zu 99 Prozent inhaltlich darin besteht, sich gegenseitig einen tollen Tag, eine tolle Woche oder ein tolles Wochenende zu wünschen. Tag für Tag, Woche für Woche, Wochenende für Wochenende. So kommen erstaunlich umfangreiche Kommentaraktivitäten- und stränge zustande. Für mich natürlich langweilig, aber wenn man wissenschaftlich arbeitet, bleibt es natürlich nicht aus, in der konkreten Feldforschung auch mit undynamischem Studienmaterial zu arbeiten. Und auch das ermöglicht wiederum eine langfristige, gefestigte Aussage über das Psychogramm.
Bei dem dritten Psychogramm anhand eines Weblogs handelt es sich eher um eine indirekte Studie des Geschriebenen. In dem Fall interessiert mich nicht die bloggende Person selbst, sondern die Darstellung der Beziehung zu einer relevanten (mir ebenfalls unbekannten und nur aufgrund des zufällig entdeckten Geburtsdatums gewählten) Nativität. Sprich: die Person, die als Beziehungspartner beschrieben wird und die Befindlichkeit der Beziehung spiegelt.
Zur Beruhigung: keines meiner Studienobjekte sind mir persönlich bekannte Blogger. Ich habe keinen davon getroffen oder bei ihm oder ihr kommentiert und bin auch in keinster Weise daran interessiert.
Über mein eigenes Psychogramm wollen wir doch an dieser Stelle lieber nicht sprechen. Ich habe selbstverständlich meine AbGründe.
ENDE DER BEICHTE.
17. November 2011

Der sogenannte Kleine Marchhof ist das Areal zwischen dem Maifeld und linker Hand vom Stadion. Die Historie ist für mich nicht so spannend oder relevant, der Platz hat heute keine besondere Funktion mehr. Im Gegensatz zu der Ära, bevor das ’neue‘ Olympiastadion 1934 – 1936 erbaut wurde. Da, wo heute das Stadion ist, war auch früher eine Stätte der Körperertüchtigung und athletischer Wettbewerbe, damals hieß es Deutsches Stadion, dessen Architekt Otto March war. Aber das nur am Rande. Ich habe einfach als ich der Menge der Bilder, die ich gemacht hatte, gewahr wurde, beschlossen kleinere und damit besser verdauliche Häppchen daraus zu machen und da bot sich die kleine Serie des Kleinen Marchhofs an. Auch weil das Licht und die Stimmung dort so anders war. Es war schon später Nachmittag und die Sonne stand schon tief, als ich mich langsam Richtung Ausgang bewegte. Ich dachte an die vielen griechischen Tempel, die ich in den Neunziger Jahren besucht hatte, als ich viel und gerne auf griechische Inseln reiste. Zwischen dem Franken- und dem Schwabenturm sank die Sonne so schön und reflektierte einen Abglanz in diesen verglasten Bodeneinlassungen, deren Sinn ich bis heute nicht ganz erhellt habe. Wie Solar-Paneele sind sie in den Rasen eingefügt. Es könnten auch Deckenlichter für darunter liegende Räume sein. Die Vorstellung gefällt mir. Der Kleine Marchhof. Eine kleine Etappe mit besonderem Licht. Mehr nicht.

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17. November 2011
Meta meta. Ich schreibe mich gerade unter einem Beitrag von Frau Klugscheißer in den Kommentaren um Kopf und Kragen, falls es jemanden interessiert. Es geht um das Bloggen selbst und um Kommentaraktivitäten und nichtzuletzt um Klatschvieh, wie ich es gerne nenne. Die böse Formulierung ist nicht von mir, sondern ich habe sie irgendwann bei einem lieben Freund, dem sehr geschätzten Jochen Reinecke aufgegabelt.
Kleine Kostprobe:
– Anfang des Kommentars –
gaga, 17. November 2011, 10:33
„Insofern hat FB und Co eben einen Trend erspürt, nämlich die abzuholen, die trotz eingeschränkten Audruckrepertoires sich dennoch ausdrücken möchten und ihnen zudem Leser in Form von Freunden/Followern zu garantieren.“
Musste eben lachen, ob der Formulierung, aber so einfach ist es nicht. Eingeschränktes Ausdrucksrepertoire wird auch von vielen gepflegt, die durchaus zu mehr fähig werden, sich aber vermutlich lieber auf twittertimelines verzetteln, auf vielen Hochzeiten tanzen und hier und dort schnell mal ihre Eloquenz in 140 Zeichen unter Beweis stellen. Die meisten Twitterer wären vermutlich hochgradig beleidigt, wenn man ihnen eingeschränktes Ausdrucksrepertoire unterstellen würde, und betrachten das im Gegenteil sogar als eine Art Sport ihr sensationelles Ausdrucksrepertoire auf wenige Worte einzudampfen. Ich habe da auch überhaupt nichts dagegen und muss auch manchmal über die Äußerungen lachen, die ich allerdings nur selektionsweise von der Kaltmamsell kenne, die ja immer diese kleinen Sammlungen postet.
Ich habe im Laufe der Zeit ein bißchen schlechte Laune darüber bekommen, dass sich auf fb, wo ich das Spielchen vor ca. zwei Jahren auch mal ein paar Wochen verfolgte, Leute, die früher ausgiebig und mit schöner Regelmäßigkeit, ja Liebe bloggten, ihren Fokus dann auf fb verlegten und ihre Zeit mit dem verplempern, was sie für „vernetzen“ halten. Und auch die bloggenden Twitterer haben meist ihren Aktionsschwerpunkt massiv verlagert.
Das ist das, was ich mit Grundrauschen meine, es geht überhaupt nicht darum, sich schriftlich zu äußern, wertvolle Gedanken zu formulieren, sondern um Kontaktpflege und sich der eigenen Existenz und Wertschätzung auf einem leicht zu handelnden Niveau zu versichern.
Ist ja auch alles erlaubt und in Ordnung, wenn es sich kuschelig anfühlt. Ich darf mir überhaupt nicht herausnehmen, mich darüber zu erheben, weil ich komplett anders ticke, das sind für mich Ereignisse auf fremden Planeten. Ich schreibe in meinem Blog im Grunde Schulaufsätze, bei denen ich mir viel Mühe gebe, meine gedankliche Dynamik in Worte zu fassen. Der Unterschied zu früher (also zu Schulzeiten) ist nur, ich kann mich nicht darauf verlassen, dass jemand den Part der Lehrerin übernimmt, die sich das in Ruhe durchliest und Anmerkungen dazu macht. Und mir eine Note gibt. Das hätte ich eigentlich ganz gerne, einen dynamischen gedanklichen Ausstausch, aber das ist offenbar zu viel verlangt, der Anspruch von mir ist eindeutig zu hoch. Natürlich finde ich es schade, dass ich das Gefühl habe, mit großer Gewissenhaftigkeit an meine aufwändigen Aufsätze ranzugehen (ich rede jetzt nicht unbedingt von diesen kleineren Äußerungen zwischendurch, das geht ruckzuck, meine Gedanken rotieren sowieso immer turbomäßig) aber keine auf ähnlichem Level rotierenden Leser zu haben. Bzw. gibt es zwar welche, die den Intellekt durchaus hätten, aber sich dann nicht an einem Kommentar abarbeiten wollen. Und sei es nur „ich verfolge das mit Interesse, habe aber das Gefühl, keinen ebenbürtigen Kommentar formulieren zu können“. Ein bißchen beleidigt bin ich da auch schon, gebe ich zu, da ich ja nun bei einem Blick in die Zugriffszahlen sehe, dass es durchaus gelesen wird. Ich merke, ich muss gerade sehr aufpassen, dass ich nicht überheblich werde.
Das fängt schon da an, dass sich mir die Haare bei dem Beispiel sträuben, den Sie oben anführten. Von wegen, manche könnten eben so toll schreiben, dass sie auch über einen Furz bloggen könnten. Lassen Sie mal die Kirche im Dorf. Es wird bereits über den Furz gebloggt. Und nicht auf sensationellem literarischen Niveau. Man muss sich eben auch bei den Lesern entscheiden: will man Klatschvieh, schreibt man am besten gut verdaulichen Durchschnitt. Wenn der Fokus nicht auf intensivem Grundrauschen in Form von Plapper-Feedback liegt, kann man sich überlegen, ob man sich originärem Denken und dessen Formulierung verschreibt, aber auf quantitaves Feedback verzichtet.
Ja, die kleinen Heimaten. So ist es.
– Ende des Kommentars –
16. November 2011
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Wieso denn jetzt noch mehr Bilder von einer Glocke? Eine berechtigte, leicht zu beantwortende Frage. Wie man unschwer erkennen kann, hängt sie nicht im Turm. Das gewaltige, 4,28 Meter hohe Teil steht auf dem Kleinen Marchhof und ist gesprungen, als der Turm 1947 durch die britischen Streitkräfte gesprengt wurde. Bei Wikipedia heißt es, der Turm brannte und war vom Einsturz bedroht, daher die Sprengung. Wir sehen also den Wiederaufbau des Glockenturms, und eine Kopie der Glocke, nicht das Original. Es ist doch wirklich gut, wenn man Bilder macht, die man dann zuhause auf sich wirken lassen kann. Mir fiel jetzt erst, wo ich die Bilder in Ruhe betrachtete auf, dass die zweite Version der Glocke im Turm gar keine Replik ist. Die Beschriftung sieht völlig anders aus, keine Fraktur. An der Stelle wo bei der originalen Glocke die Hakenkreuze waren, ist bei der neuen Glocke nichts. Verständlich. Sogar auf der alten Glocke wurden die kleinen Hakenkreuze am unteren Rand leicht gemorpht. Ich habe auch kein Eichblatt mehr auf der neuen Glocke gesehen. Und der Adler sieht anders aus. Ganz anders. Auf der neuen Glocke ist der Adler, wie man ihn von den alten Fünfmark-Stücken kannte. Ähnlich dem, der heutzutage im Bundestag hängt. Der Adler auf der alten Glocke gefällt mir besser, er ist schlichter, archaischer. Ich meine nicht, wofür er damals herhielt, sondern die reine Silhouette und sein Ausdruck.

Ich mag Adler sehr gerne und bedaure, dass so viele Menschen damit schnöden Idioten-Nationalismus in Verbindung bringen. Das hat er nicht verdient. Der Adler hat mich schon einmal beschäftigt, zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006, als in Berlin und auch überall sonst in Deutschland die beinah gesamte Bevölkerung im WM-Fieber war. Ein bunter Tanz aller Kulturen, die S-Bahn gefüllt mit trommelnden Fans aus aller Herren Länder, mit bunter Kriegsbemalung in ihren jeweiligen Landesfarben auf der Backe. Und die deutschen Gastgeber genauso bunt bemalt in ihren drei Farben, mittendrin. Ein großes fröhliches Fest. Die reinste Love Parade. Und da fing ich an zu bedauern, dass es keine coolen T-Shirts mit einem sexy Adler darauf gibt. Das wäre ganz nach meinem Geschmack gewesen. Man ist ja schließlich auch wer und hat einen Vogel. In dem Blogeintrag von damals sieht man ein selber entworfenes Shirt, das leider nie gedruckt wurde, weil ich keine online-Anbieter fand, die preisgünstig ein freigewähltes weißes Motiv auf Schwarz drucken konnten. Umgekehrt wäre einfach gewesen, aber ich wollte Weiß auf Schwarz! Ich hatte mir sogar eine Schablone gebastelt, in Originalgröße, um zu testen, wie es aussehen würde. Für mich war die Assoziation eher die eines grandiosen, unwiderstehlich kraftvollen Totems. Na gut, das war er für die Idioten früher auch. Aber ich meinte mehr im Geiste von Indianer spielen. Aber nicht kindermäßig, sondern cool wie Lenny Kravitz, kombiniert mit schwarzem Leder, Damals nahm ich den modernen Adler zur Vorlage. Den alten hätte ich mich nicht getraut, obwohl er schöner ist. Wer will schon für einen Nazi gehalten werden. Ich bestimmt nicht. Aber das würde man vielleicht auch mit dem neuen Adler auf der Brust. Na ja, Schwamm drüber. Aber ich finde die Idee immer noch ganz gut.

Wie schrieb ich damals so schön: „den Nazi-Deppen den Adler entreißen“. Die vergewaltigten Elemente und Symbole in einen neuen Kontext bringen. Oder in den ursprünglichen. Den sie vor dieser Ära der Gewalt und Menschenverachtung hatten. Das gilt natürlich auch für das sogenannte Hakenkreuz. Das alte Sonnensymbol, das Sonnenrad, das weiß Gott keine Erfindung der Nazis war, aber das weiß man ja heutzutage selbst mit Minimalbildung, dass die Swastika aus einem völlig anderen Kontext kommt. Wir werden sicher nicht mehr erleben, dass diese Symbole die unbefleckte Unschuld zurückerhalten, die sie verdienen. Vielleicht in fünfhundert oder tausend Jahren. Nicht, dass mich das zutiefst bekümmern würde, oder ich eine Sehnsucht hätte, diese Rune zu kritzeln. Dennoch ist es der Verlust der Gebrauchsmöglichkeit von Details unserer archaischen Herkunft. Das ist nur eine Erklärung, wieso ich mich so ungeniert vor diesem Adler zeige. Eigentlich ist es mein Adler. Ich erhebe Besitzanspruch. Mein Adler ist ein guter, kraftvoller Adler mit Weitblick, Weisheit und Verstand. Finger weg, Alt- und Neo-Nazis.

16. November 2011
Siebenundsiebzig Komma Siebzehn Meter. Das klingt nicht so sensationell hoch, aber schön. Ich also rauf auf den mir bis dato unbekannten Glockenturm, der wie ein Riesenschornstein aus der Langemarckhalle wächst. Berlin hat eine Reihe Aussichtspunkte. Den Grunewaldturm, den ich nur von unten kenne. Den Fernsehturm natürlich. War ich oben. Den Funkturm? Kann man da überhaupt rauf? War ich auch noch nicht. Den Müggelturm. War ich vor zwei Jahren. Die Kantine vom sogenannten „Steglitzer Kreisel“, dem Bezirksamt von Steglitz. Ein 27 Etagen hoher kleiner Wolkenkratzer, in dem mir beide Male leicht schwindelig wurde im Fahrstuhl, nicht wegen der Aussicht, sondern wegen des veränderten Luftdrucks. Man musste schlucken, wie manchmal im Flieger. In die Kantine konnte ja jeder rein, hatte mir mal jemand verraten. Hat keiner kontrolliert. War ja vielleicht auch völlig erlaubt.

Aber wir sind ja beim Glockenturm am Olympiastadion, der von außen nun wirklich keine bemerkenswerte Architektur aufweist. Halt ein viereckiger Turm. Man nimmt den gläsernen Fahrstuhl, bis es nicht weiter geht und zur Aussichtsplattform muß man eine recht schmale Treppe hoch, ein bißchen gefährlich, wie meistens bei der obersten Etage von Türmen. Ich bin zum Glück nicht gehbehindert und hatte keine Probleme mit dem Aufstieg. Zum Glück schreibe ich deswegen, weil es mir sehr bewusst wurde beim Hochgehen, was für ein Glück das ist. Die letzten zwei Meter der Treppe nach oben musste ich nämlich eine ganze Weile in die Ecke an die Wand gedrückt innehalten, bis ein vor mir mehr stehender als gehender junger Mann oben angelangt war. Es gab keinen Spielraum, um mich gefahrlos an ihm vorbeizubewegen. Ich schätze ihn Mitte Zwanzig. Er wurde begleitet, ja geleitet und fest gehalten. Mit unübersehbarem Kraftaufwand. Eine junge Frau gab ihm Anleitungen, sagte ihm, ob er sich mit den Füßen an der Kante einer Stufe befindet und hielt ihn mit all ihrer Kraft. Er stand nicht aufrecht, aber versuchte sich so gut wie möglich in voller Länge aufzurichten, offenkundig hauptsächlich mit der Kraft seiner Arme. Ich sah das Zittern der Muskeln seiner Hand und der Unterarme. Und die Anspannung der jungen Frau, die all ihre Kraft aufbrachte. Es sah gefährlich aus. Ich war hin- und hergerissen zwischen Befürchtung und Bewunderung. Ein riskantes, beinah akrobatisches Unterfangen. Die junge Frau signalisierte, dass sie keine Hilfe brauchen konnte, ich hatte ihr einen fragenden Blick zugeworfen. Ein falscher ungeübter Handgriff meinerseits hätte die Sache offenkundig noch gefährlicher gemacht. Womöglich hätte ich ihm den Arm verdreht und ihm eher weh getan als geholfen. Ich begriff gar nicht vollständig, welche Behinderung er genau hatte. Ich dachte an schwere motorische Störungen und Muskelschwund. Ich stand gefühlte zehn Minuten auf dem engen Treppenabsatz, dicht an die Wand des Turms gedrückt um möglichst wenig Platz einzunehmen und sah ehrfürchtig gebannt zu. Was für ein Kraftakt. Dann öffnete die Frau die schwere Eisentür zur Plattform, sie war die ganze Zeit zu, weil er den Griff der Tür zum Festhalten und zum nach oben Ziehen brauchte. Der Weg war wieder frei. Ich brauchte für den Weg, den er in zehn Minuten zurücklegte, zehn Sekunden.


Oben ließ ich mich vom Wind durchpusten und sah die Waldbühne zum ersten Mal von oben. Und das Olympiastadion natürlich. Schon schön, das nach einem guten Vierteljahrhundert in Berlin mal gesehen zu haben. Und die jagenden Wolken. Und die komische Antenne da. Wofür die wohl gut ist. Die Mütze flog mir gleich vom Kopf und wehte in eine andere Ecke der Plattform. Ich fing sie wieder ein und klemmte sie mir unter den Arm. Der junge Mann mit der Gehbehinderung und die Frau waren nur recht kurz oben, weil sie es wahrscheinlich auch kräftemäßig nicht übertreiben konnten. Ich war ein ganzes Weilchen oben und vergaß ein bißchen die Zeit. Bestimmt eine Viertelstunde. Bis auf einen kleinen Jungen war da niemand. Dann hatte ich alle Eindrücke fest im Gedächtnis, im Herzen und der Kamera und machte mich auf den Rückweg. Der junge Mann und seine Helferin hatten es noch nicht ganz die Treppe herunter geschafft, aber fast. Da sah ich den Rollstuhl. Sie half ihm in den Rollstuhl, der am Treppenende wartete. Da begriff ich erst, dass der junge Mann nicht gehbehindert, sondern gelähmt war. Deshalb sah es aus, als ob die Füße bei seinem Bemühen sich fortzubewegen, nur passiv der Richtung folgen, die er sich mit seinen Armen erarbeitete. Ich war noch tiefer beeindruckt als ohnehin schon. Mir war nach Lachen und Weinen zugleich, aufgewühlt wartete ich auf den Fahrstuhl nach unten. Es rotierte in meinem Kopf. Weil es keinen behindertengerechten Zugang zur Aussichtsplattform gab, hatte er seine Helferin dazu gebracht, den riskanten Aufstieg durch die Kraft seiner Arme zu wagen, um in den Genuss dieses Ausblickes über seine Heimatstadt Berlin zu kommen. Auf einen Aussichtsturm, dessen Bauherren Behinderte als unwertes Leben betrachtet hatten. Es rauschte in meinem Kopf. Die Ära ist vorbei.

Niemals wird irgendein Behinderter in diesem Land mehr ungestraft diskriminiert, gequält, verletzt oder umgebracht werden. Und ich habe zwei gesunde Beine, die mich Treppen aus eigener Kraft hochtragen. Was für ein ganz und gar unvergesslicher Nachmittag.
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15. November 2011
Margarete Mitscherlich, Hildegard Hamm-Brücher und Vera von Lehndorff im Gespräch. Sehr sehenswert.

Die auf dem Tisch im Studio liegende Biographie von Vera von Lehndorff ist jene, über die sie an diesem schönen Abend vor mehr als zwei Jahren sprach.
15. November 2011
(…) Erinnert sich gar nicht, daß wir zusammen auf die Schule gegangen sind. Sagt munter »Sie«. – Gut. Sie. Mir ist das recht. Ich bin ohnehin schwer zum DU zu kriegen. Ich finde mit »Sie« bleibt in der schärfsten Diskussion eine kleine Verbeugung. Ich hab sie gern, die hübsche Glaswand. Bis die Franzosen »Tu« sagen, kann ein Menschenalter vergehen. Je vous aime, da liegt noch Achtung drin, ein Artikel, den man so notwendig braucht in der Liebe. Emma, trag mir mal den Koffer. Sehen Sie, was ich meine?
Friedrich Hollaender, Von Kopf bis Fuß, S. 94
15. November 2011
Margarete Mitscherlich, Hildegard Hamm-Brücher und Vera von Lehndorff im Gespräch. Sehr sehenswert.

Die auf dem Tisch im Studio liegende Biographie von Vera von Lehndorff ist jene, über die sie an diesem schönen Abend vor mehr als zwei Jahren sprach.
14. November 2011
Mal ein bißchen Farbe. Ist auch gar nicht grau hier. Sonniger November. War bis jetzt nur einmal wolkig, vor drei oder vier Tagen.

Es gibt jeden Tag ordentlich Sonnenflecken auf dem Teppich. Wenn ich das Fenster der Gaube zur Auguststraße aufmache und die Sonne so tief steht, kriegt man ein paar Stunden schön was ab. Und muss nicht frieren. Draußen sind die Menschen warm eingepackt, gehen aber gerne raus, weil die Sonne lockt. Sehe ich, wenn ich zum Spielplatz runtergucke. Immer ordentlich was los.
Zur Zeit muss ich sparen. Ich habe einen super Sparplan gemacht. Ich darf in sieben Tagen fünfzig Euro ausgeben. Bis der Monat rum ist. Die fünfzig-Euro-Scheine sind in beschriftete Umschläge verpackt. Solche Spielchen gefallen mir. Neulich war ich sogar bei Aldi und habe mit großer Begeisterung meinen Einkaufszettel abgearbeitet und dabei immer mit einem Stift Notizen gemacht, wieviel das kostet, um zwischendurch zu überschlagen, ob ich noch in meinem Budget bin. Ich habe dann bald gemerkt, dass keine Gefahr besteht und drei Sachen vor der Kasse aufgehört, zu addieren. Das mache ich jetzt immer, das macht Spaß! Zumindest für ein Weilchen. Am Schwierigsten finde ich allerdings, nicht nur bei Aldi, die Käsepreise zu vergleichen. In jeder Packung ist ein anderes Gewicht abgepackt und auf den Schildern steht immer sowohl der absolute Packungspreis als auch der Preis für 100 Gramm oder 1 Kilo von der jeweiligen Käsesorte. Das macht mich ganz wuschig, dass das nicht einheitlich ist! Dauernd muss man umrechnen! Das ist ganz schön anstrengend. Aber sonst gibt es keine Probleme beim Preisvergleich. Ich achte natürlich trotzdem auf Qualitätsprodukte! Interessant, dass Cashewkerne, die ich in großem Umfang verzehre, auch bei Aldi nicht superbillig sind. Das ist ganz bestimmt angemessen. Ich glaube, eine Dose 1,59 EUR.
Sehr begeistert bin ich, dass es zur Zeit immer Beutel mit Elstar-Äpfeln aus Brandenburg oder anderen umliegenden Bundesländern zu tollen Preisen gibt. Das ist meine Lieblingssorte und die Äpfelchen sind vertrauenserweckend klein und krumm und schief. Das schafft Vertrauen! Empört hingegen bin ich über die neue Marotte bei den anderen parfümierten Apfelsorten aus dem Ausland, die ich eh nicht kaufe, weil sie mir nicht schmecken, mit ihrem aufgeplusterten Fruchtfleisch und dem parfümierten Zuckerwasser-Aroma: Aufkleber auf jedem einzelnen Apfel! Als es neulich noch keine neue Elstar-Ernte gab, musste ich mal notgedrungen solche ausländischen erstehen. Was für ein Gepopel mit dem Aufkleber. Ich bin richtig zornig geworden deswegen!
Was ich nicht mehr bei Aldi kaufen werde, ist der tiefgefrorene Rahmspinat, der ist mir zu versuppt. Ohne Rahm gibt’s nicht bei Aldi. Spinat ist super wegen Magnesium. Auch in den Cashews! Soll auch gut sein, wenn der Eisprung weh tut. Das ist also, was mich gerade so persönlich beschäftigt! Ansonsten verzichte ich weitgehend auf soziale Kontakte, was als seelische Rekonvaleszenz zu verstehen ist. Eine Art Kur!
Des weiteren überlege ich mir, ob ich mir mal wieder Haarfarbe im Drogeriemarkt kaufe, weil die unteren Haarspitzen so ausgeblichen ausschauen. Nicht mal wegen den grauen, die ab und zu auftauchen. Noch hat keiner mit dem Finger auf mich gezeigt und gesagt: „Schau mal, die alte Frau da hinten“. Insofern bin ich da ganz relaxed. Außerdem gibt es immer mal wieder ein paar investigative junge Leute am Hackeschen Markt, die den Passanten irgendwelche Spenden oder Mitgliedschaften für wohltätige Initiativen abringen wollen. Kinderschutz, Tierschutz, Amnesty International. Und einige arbeiten mit dem Trick, einen mit „junge Frau…!“ anzusprechen. Das funktioniert zwar nicht bei mir, aber ich freu mich trotzdem! Und ich werde immer geduzt von den jungen Studenten! Ich habe ja mal gelernt, dass laut Knigge, der oder die Ältere dem Jüngeren das Du anbietet. Von Hause aus duzen macht man ja eigentlich nur unter Hippies und SPD-Genossen und in der Jugend, wenn man sich sicher wähnt, es mit seinesgleichen zu tun zu haben. Insofern: vielen Dank an die jungen Studenten!
Neulich war ich allerdings ein wenig ungehalten. So ein junger, obzwar nicht unattraktiver Kinder-Patenschaften-in-Afrika-Werber hat sich irgendeinen Satz zurecht gelegt, so sinngemäß (und hat sich im Übrigen e r d r e i s t e t , mich zu siezen, der Lümmel): „Sie mögen doch sicher auch Kinder?“ Da ich es wie so oft eilig hatte, so schnell als nur möglich zurück in meine einsiedlerische Wohnung zu kommen, war ich nicht verhandlungsbereit und habe behauptet „Nein! Ich kann Kinder nicht ausstehen! Ich fresse Kinder!“ Er daraufhin: „Ja aber dann ist das doch genau das Richtige! Sie machen so eine Patenschaft und dann haben Sie eins zum Fressen!“ Und grinst mich breit an. Damit hat er mich natürlich versöhnlich gestimmt und ich habe ihm zum Abschied ein aufmunterndes Lächeln geschenkt. Geradezu beschwingt bin ich weiter zur Ampel. Allerdings ohne Patenschaft.
Also mehr habe ich jetzt wirklich nicht zu berichten. Zu intimeren Bekenntnissen bin ich im Moment nicht bereit. Wobei ich nicht dafür garantieren kann, dass nicht doch etwas zu Tage tritt, wenn jemand geschickt nachbohrt. Ich bin aber auf jeden Fall in Hab-Acht-Stellung!
14. November 2011
(…) Paul Graetz beugt sich nach vorn, wo Knackfuß sein Ohr hat. »Der liebe Gott«, flüstert er. »Ringelnatz …« Wie bitte? »Das ist Ringelnatz – – pscht!« Ringelnatz? Wie heißen bloß die Leute hier!
So alle paar Jahrhunderte wird ein Lyriker geboren, bei dem die Verse kichern, aber sie haben sich nicht die Tränen aus den Kommas gewischt. Jetzt können wir wieder zwei Jahrhunderte warten.
Diese Verse – ! Sie sind alle so zum Schreien komisch, – aber, werte Herren, was sie so traurig macht, das können Sie auch mit Alkohol nicht herausreiben. Er selbst war, wenn er die Bühne betrat, mit dem ewigen Schnapsglas wie bewaffnet, um sich Mut zu machen. Mut? Wozu?
Ach, wissen Sie, es erfordert Mut, anderen das Gelächter der Einsamkeit mitzuteilen. Es gibt da allerhand zu überwinden. Unter anderem den kleinen Scherzartikel: Scham.
Friedrich Hollaender, Von Kopf bis Fuß, S. 81
14. November 2011
Mal ein bißchen Farbe. Ist auch gar nicht grau hier. Sonniger November. War bis jetzt nur einmal wolkig, vor drei oder vier Tagen.

Es gibt jeden Tag ordentlich Sonnenflecken auf dem Teppich. Wenn ich das Fenster der Gaube zur Auguststraße aufmache und die Sonne so tief steht, kriegt man ein paar Stunden schön was ab. Und muss nicht frieren. Draußen sind die Menschen warm eingepackt, gehen aber gerne raus, weil die Sonne lockt. Sehe ich, wenn ich zum Spielplatz runtergucke. Immer ordentlich was los.
Zur Zeit muss ich sparen. Ich habe einen super Sparplan gemacht. Ich darf in sieben Tagen fünfzig Euro ausgeben. Bis der Monat rum ist. Die fünfzig-Euro-Scheine sind in beschriftete Umschläge verpackt. Solche Spielchen gefallen mir. Neulich war ich sogar bei Aldi und habe mit großer Begeisterung meinen Einkaufszettel abgearbeitet und dabei immer mit einem Stift Notizen gemacht, wieviel das kostet, um zwischendurch zu überschlagen, ob ich noch in meinem Budget bin. Ich habe dann bald gemerkt, dass keine Gefahr besteht und drei Sachen vor der Kasse aufgehört, zu addieren. Das mache ich jetzt immer, das macht Spaß! Zumindest für ein Weilchen. Am Schwierigsten finde ich allerdings, nicht nur bei Aldi, die Käsepreise zu vergleichen. In jeder Packung ist ein anderes Gewicht abgepackt und auf den Schildern steht immer sowohl der absolute Packungspreis als auch der Preis für 100 Gramm oder 1 Kilo von der jeweiligen Käsesorte. Das macht mich ganz wuschig, dass das nicht einheitlich ist! Dauernd muss man umrechnen! Das ist ganz schön anstrengend. Aber sonst gibt es keine Probleme beim Preisvergleich. Ich achte natürlich trotzdem auf Qualitätsprodukte! Interessant, dass Cashewkerne, die ich in großem Umfang verzehre, auch bei Aldi nicht superbillig sind. Das ist ganz bestimmt angemessen. Ich glaube, eine Dose 1,59 EUR.
Sehr begeistert bin ich, dass es zur Zeit immer Beutel mit Elstar-Äpfeln aus Brandenburg oder anderen umliegenden Bundesländern zu tollen Preisen gibt. Das ist meine Lieblingssorte und die Äpfelchen sind vertrauenserweckend klein und krumm und schief. Das schafft Vertrauen! Empört hingegen bin ich über die neue Marotte bei den anderen parfümierten Apfelsorten aus dem Ausland, die ich eh nicht kaufe, weil sie mir nicht schmecken, mit ihrem aufgeplusterten Fruchtfleisch und dem parfümierten Zuckerwasser-Aroma: Aufkleber auf jedem einzelnen Apfel! Als es neulich noch keine neue Elstar-Ernte gab, musste ich mal notgedrungen solche ausländischen erstehen. Was für ein Gepopel mit dem Aufkleber. Ich bin richtig zornig geworden deswegen!
Was ich nicht mehr bei Aldi kaufen werde, ist der tiefgefrorene Rahmspinat, der ist mir zu versuppt. Ohne Rahm gibt’s nicht bei Aldi. Spinat ist super wegen Magnesium. Auch in den Cashews! Soll auch gut sein, wenn der Eisprung weh tut. Das ist also, was mich gerade so persönlich beschäftigt! Ansonsten verzichte ich weitgehend auf soziale Kontakte, was als seelische Rekonvaleszenz zu verstehen ist. Eine Art Kur!
Des weiteren überlege ich mir, ob ich mir mal wieder Haarfarbe im Drogeriemarkt kaufe, weil die unteren Haarspitzen so ausgeblichen ausschauen. Nicht mal wegen den grauen, die ab und zu auftauchen. Noch hat keiner mit dem Finger auf mich gezeigt und gesagt: „Schau mal, die alte Frau da hinten“. Insofern bin ich da ganz relaxed. Außerdem gibt es immer mal wieder ein paar investigative junge Leute am Hackeschen Markt, die den Passanten irgendwelche Spenden oder Mitgliedschaften für wohltätige Initiativen abringen wollen. Kinderschutz, Tierschutz, Amnesty International. Und einige arbeiten mit dem Trick, einen mit „junge Frau…!“ anzusprechen. Das funktioniert zwar nicht bei mir, aber ich freu mich trotzdem! Und ich werde immer geduzt von den jungen Studenten! Ich habe ja mal gelernt, dass laut Knigge, der oder die Ältere dem Jüngeren das Du anbietet. Von Hause aus duzen macht man ja eigentlich nur unter Hippies und SPD-Genossen und in der Jugend, wenn man sich sicher wähnt, es mit seinesgleichen zu tun zu haben. Insofern: vielen Dank an die jungen Studenten!
Neulich war ich allerdings ein wenig ungehalten. So ein junger, obzwar nicht unattraktiver Kinder-Patenschaften-in-Afrika-Werber hat sich irgendeinen Satz zurecht gelegt, so sinngemäß (und hat sich im Übrigen e r d r e i s t e t , mich zu siezen, der Lümmel): „Sie mögen doch sicher auch Kinder?“ Da ich es wie so oft eilig hatte, so schnell als nur möglich zurück in meine einsiedlerische Wohnung zu kommen, war ich nicht verhandlungsbereit und habe behauptet „Nein! Ich kann Kinder nicht ausstehen! Ich fresse Kinder!“ Er daraufhin: „Ja aber dann ist das doch genau das Richtige! Sie machen so eine Patenschaft und dann haben Sie eins zum Fressen!“ Und grinst mich breit an. Damit hat er mich natürlich versöhnlich gestimmt und ich habe ihm zum Abschied ein aufmunterndes Lächeln geschenkt. Geradezu beschwingt bin ich weiter zur Ampel. Allerdings ohne Patenschaft.
Also mehr habe ich jetzt wirklich nicht zu berichten. Zu intimeren Bekenntnissen bin ich im Moment nicht bereit. Wobei ich nicht dafür garantieren kann, dass nicht doch etwas zu Tage tritt, wenn jemand geschickt nachbohrt. Ich bin aber auf jeden Fall in Hab-Acht-Stellung!
14. November 2011
[ Ich muss den Eintrag von vorhin nochmal neu posten, weil ich schon wieder was hintendran geklöppelt habe. Passiert manchmal, dass mir eine halbe Stunde später noch Zeug dazu einfällt und ich dann editierend weiterstricke und der geneigte Leser kriegt es gar nicht mit. Das stiftet unnötige Verwirrung! ]
Bei meinem morgendlichen Spaziergang durch das Internet sehr gerührt bei der Rubrik „wir begrüßen die neuen Berliner“ oder so ähnlich von der Berliner Morgenpost angehalten und freudig einen Blick auf die neuesten Babyfotos geworfen. Entweder stimmt irgendwas nicht mit mir oder die meisten Neugeborenen sehen wirklich nicht sehr attraktiv aus bzw. ist der Anteil an ansprechenden Gesichtszügen keinesfalls höher als in anderen Altersgruppen. Unter den ungefähr zwanzig Babies waren ungefähr eineinhalb, die für meine Begriffe eine angenehme Persönlichkeit ausstrahlen und das sogenannte Kindchenschema im Gesichtchen präsentieren. Hat mich doch überrascht. Entspricht aber auch meiner live-Erfahrung in der S-Bahn. Die meisten Kleinkinderbündel sind nicht gutaussehender als der durchschnittliche erwachsene S-Bahnfahrgast.
In meinem persönlichen Umf entfernteren Bekanntenkreis gab es in den letzten Monaten ebenfalls Kindersegen. Ist leider auch keines dabei, das ich unbedingt hüten möchte. Ich habe da wahrscheinlich auch komische Vorlieben. Mich selber fand ich als Kleinkind außerordentlich putzig. Auch die Kinderfotos, die Blogger neulich von sich gepostet haben, waren überraschend attraktiv. Man bekam gleich Adoptionsgefühle. Ich bin ein bißchen hin- und hergerissen bei der Babygalerie in der Mopo. Einerseits tun mir die betreffenden Babies leid, dass ich sie nicht niedlich finden kann, andererseits denke ich, da sieht man mal, dass das mit der Reinkarnation vielleicht doch kein Humbug ist. Als ob jede Menge alte Gesichter in der Wiege liegen würden. Ich sehe bei einigen* eher alte Männer und Frauen als unbefleckte unschuldige Kinderseelen. Zum Teil gruselt es mich da sogar. Ob das anderen auch so geht? Ist ja auch eines dieser Tabus, Babies nicht wahllos herzig zu finden und auch nicht höflichkeitshalber so zu tun als ob.
Hab noch mal geguckt. Die Rubrik heißt „Willkommen in Berlin“ und der Anteil ist doch etwas höher. Neun von achtundvierzig Babies sehen ganz niedlich aus. Die Idee mit der Rubrik finde ich aber sehr trotzdem anrührend. Eine schöne Geste, wenn man frisch ausgeschlüpft ist, gleich einen begeisterten Zeitungsartikel geschrieben zu kriegen. Ich wollte damit im Übrigen auch nicht zum Ausdruck bringen, dass unattraktive Babies abgeschafft gehören. Das müsste man dann schon auf alle Altersgruppen ausweiten und das Spektrum macht die Welt ja auch wieder interessant. Wenn alle gleich attraktiv wären, wäre die Welt ja auch langweilig auf Dauer. War jetzt eigentlich mehr so eine Selbstbeobachtung, Ausdruck einer gewissen Irritation oder besser Erhellung, was meine eigenen Hinwendungs-Ambitionen angeht.
Man könnte auch sagen: eine schöne Tradition, wenigstens die kleinsten Menschen lückenlos glauben zu machen, sie sind hochgradig liebenswert, so wie sie halt zufällig sind. Eine barmherzige kleine Schwindelei, die niemandem wehtut. Erklärt allerdings vielleicht auch, das Gefühl der Frustration beim fortschreitenden Älterwerden, wenn es nicht mehr gemäß unausgesprochener gesellschaftlicher Vereinbarung gepflegt wird, die Mitmenschen wahllos mit Zuneigung und Komplimenten zu beglücken. Ich unterstelle mal, dass es keinen derart grausamen pubertären Mutationsprozess gibt, der aus superlativen Engeln durchschnittliche Erwachsene gebiert. Glaube ich zumindest nicht.
Ich denke, die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Die scharfen Kanten der Babypersönlichkeit sind nicht so sehr weit von denen der Erwachsenenpersönlichkeit entfernt. Immerhin geben die meisten Eltern von mehreren Kindern zu, dass der Nachwuchs schon im frühesten Lebensalter dezidierte und oft sehr unterschiedliche Charaktereigenschaften an den Tag legt. Na ja, big news. Dank Internet und Bloggerei können wir als Erwachsene die abhanden gekommene, lückenlose Begeisterung über die eigene Person einigermaßen ausgleichen, indem wir uns möglichst toll mit schlauen Texten und tollen Bildchen präsentieren. Quasi für Erwachsenen-Duzi-Duzi. Also ich bin froh drum!
Jetzt wollte ich eigentlich mal etwas leicht Konsumierbares schreiben, na ja.
* Nr. 6., 15., 29., 44.
14. November 2011
Der Hahn auf dem Hof
und die Spatzen vorm Haus
die lachen die kleinen
Langschläferchen aus
Nun schnell in die Strümpfchen
in Höschen und Kleid
„Guten Morgen, Frau Sonne
jetzt sind wir so weit!“
(Verf. unbek.)
13. November 2011
Chuzpe? Chuzpe ist also zum Beispiel, wenn ein Elternmörder bei Gericht auf mildernde Umstände plädiert, da er Vollwaise sei.
Friedrich Hollaender, Von Kopf bis Fuß, S. 54
(Falls der Nachwuchs mal fragt)
13. November 2011
Ich wusste nicht, was es damit auf sich hat. So weit gingen meine Recherchen nicht, bevor ich hinging, zu dieser Langemarckhalle. Könnte man im ersten Moment denken, vielleicht irgendso ein Turnvater, der alte Langemarck. Wird schon seine Verdienste um den Sport gehabt haben. Klingt auf jeden Fall markig. Haha. Nun ja. Scherz beiseite. Das ist in der Tat das Bauwerk, in Anbetracht dessen originärer Bestimmung mir das Lachen vergeht. Ich weiß, dass nicht nur ich da eine Bildungslücke habe oder besser hatte, insofern kann ich mein Unwissen jetzt ganz ungeniert eingestehen.

Fragen Sie mal irgendeinen Berliner oder eine Berlinerin unter Siebzig, wo die Langemarckhalle steht und was es damit auf sich hat. Ein großes Fragezeichen wird auf der Stirn stehen. Was einem als naiven Besucher wie mir schon auffallen kann ist, dass es kaum Hinweisschilder gibt, wo die Halle namentlich erwähnt ist. Eigentlich gar keine. Ich hab keines gesehen. Es heißt immer „zum Glockenturm“. Oder „historic olympic grounds“. Oder das Schild ist gut versteckt. Es steht auch nicht außen dran. Ich habe den Namen der Halle erstmalig registriert, als ich anfing in Wikipedia etwas über den Glockenturm und das Maifeld zu lesen. Man muß sich vorstellen, dass man die Langemarckhalle vom olympischen Gelände aus, beim Blick auf das Maifeld in der Ferne sieht. Der vielzitierte „Führerstand“ erwächst aus der ersten Etage der Halle wie eine Terrasse. Man muss allerdings eine Wanderung um mehrere Ecken machen, bis man zum rückwärtigen Zugang der Halle gelangt. Kurz und gut: ich betrat die Halle, vorbei an den schießschartenschmalen alten Kassennischen und ging zuerst in die Ausstellung zur Geschichte der olympischen Spiele zu ebener Erde. Wuchtige Pfeiler aus dem allseits verwendeten Muschelkalk schon in der Halle im Eingangsbereich. Die Ausstellung zeigt einige großformatige Tafeln mit alten Fotografien und Erklärungen zur Verstrickung der Spiele mit dem nationalsozialistischen Regime. In einem Nebenraum läuft ein Film, eine Dokumentation.

Man kann die Treppe nehmen oder den gläsernen Fahrstuhl nach oben. In der ersten Etage landet man in einer großzügigen Halle, von der aus offenkundig der Zugang zum ‚Führerstand‘ ist. Man kann leider nicht raus. Die Glastüren sind verschlossen. Der Bereich zur Terrasse wirkt mit seiner großen Glasfront wie eine exklusive Wohnhalle in einem Hitchcockfilm. Nur die Möbel, der Kamin und die Teppiche fehlen. Und Tippi Hedren. Durch die Scheibe sehe ich das Olympiastadion wie einen fernen Tempel, ein Kolosseum vor mir liegen. Ich begreife das System der Blickachsen. Furios, Herr March. Sehr gelungen. Erhaben schweift der Blick über das Maifeld zum Stadion. Parallel zur Terrasse ist eine Art Caféteria ohne Personal. Mit ein paar Freischwingern und einem Kaffeeautomaten. Es gefällt mir. Auch so schön leer. Außer mir ist niemand da. Keine großartigen Hinweistafeln. Ich ziehe mir einen Becher Kaffee und beginne diese große Halle auszuloten, die sich über die ganze Länge zu erstrecken scheint. Seltsame mattschwarze Gedenktafeln in der Form von Ritterschilden reihen sich aneinander, auf denen irgendwelche Reservekorps- und Regiment-Divisions-weiß-der-Geier-Nummern in Goldbuchstaben graviert oder aufmontiert sind. Darüber der Reichsadler. Spätestens da ist auch mir klar, dass hier keine Kollegen von Turnvater Jahn geehrt wurden. Offensichtlich eine hehre Gedenkhalle für alte Militaristen. Ich stehe irgendwie beklommen davor und wundere mich gleichwohl über den ungenutzen Platz. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass da früher irgendwelche Möbel drin waren. Es ist einfach nur eine leere, monumentale, sehr hohe Halle mit zahllosen dicken Quader-Säulen, den unvermeidlichen Fackelhaltern reihum und eben diesen düsteren Tafeln. Nur die schmaleren Wände zu beiden Seiten sind noch wert genauer betrachtet zu werden. Das Licht gleißt über die hintere, westliche Steinwand und man sieht die Schlagschatten der eingemeißelten Großbuchstaben. Die Typen klar und modern. Sie entsprechen gar nicht dem Klischee der Nazi-Ästhetik. Von Fraktur keine Spur.

Ich lese
IHR HEILIGEN
GRAUEN REIHEN
GEHT UNTER WOLKEN
DES RUHMS
UND TRAGT
DIE BLUTIGEN WEIHEN
DES HEIMLICHEN KÖNIGSTUMS
Walter Flex
Aha. Ich bin viel zu gefangen von der gesamten Architektur und der Typographie und den Schatten und dem intensiven Sonnenlicht, um den Spruch verstehen zu wollen. Ich will das lieber gar nicht so genau wissen. Als ich fotografiere, sehe ich eigentlich nur die beiden Wörter „heimlichen Königstums“. Die beiden Wörter sind zwar auch schon mysteriös in der Kombination aber mit denen kann ich für die Dauer des Aufenthalts und auf meinen Fotos leben. Worum es eigentlich geht, ahnt man ja ohnehin schon dunkel. Dass es eine Hymne an den Heldentod ist, der ganze Langemarck-Mythos sich um die Verherrlichung des Todes für das Vaterland dreht, erfahre ich erst viel später zu Hause, als ich im Internet auf den Begriff Langemarck-Mythos stoße. Kein Turnvater. Ein Schlachtfeld. Keine Nazi-Erfindung. Viel älter, aber ganz in deren wirrem Sinn. Die Saat, die hier aufging, wurde schon früher gelegt, lese ich später. Aber in diesem Moment gelingt es mir noch das Licht der warmen Spätsommersonne auf dem Stein zu genießen. Es kommt mir beinah vor, als stände ich sonstwo in Ägypten vor einer monumentalen Wand des Pharaonenkults. Da ist ja auch immer alles Mögliche in Steinwände eingemeißelt. Und immer riesig. Und immer scheint die Sonne. So sieht es wenigstens auf den Bildern aus, die man kennt. Ich war noch nie in Ägypten, aber habe mich als Kind intensiv zu diesen Pharaonenstätten geträumt. Ich fahre mit der Hand darüber. Der Stein hat eine angenehme Ausstrahlung. Solche Wände hätte ich auch gerne im Wohnzimmer. Ohne die Sprüche. Die Sonne bringt mich für einen Moment zum Lachen, und dass es nur noch historische Kulissen sind, von einem eingemotteten Stück mit abgelaufener Spielzeit.

Bei meinen Recherchen daheim finde ich diesen Blogeintrag. Der Verfasser weiß ein paar Sachen, die ich nirgendwo anders gelesen habe. Über die teilweise Zerstörung der Halle bei der Sprengung des Glockentrums durch die Briten und den erstaunlich widerstandslosen Wiederaufbau nach dem Krieg durch Werner March. Und er schreibt: „Was der Weltöffentlichkeit vorenthalten wurde: bevor der Führer die Spiele des Friedens eröffnete, zog er sich privat zum Heldengedenken in eben jene Halle zurück.“ Ich nehme an, man findet solche Hinweise in Hitler-Biographien. Ich habe nie eine gelesen. Jedenfalls genug Stoff zum Nachdenken. Kein anderer Bereich des Olympiageländes hat mich derart befremdet, wie die historisch unveränderte Sinngebung dieser Halle. Die Architektur an sich hat dennoch viele gelungene Aspekte. Das ist also die Halle, deren Namen kaum noch einer kennt. Die Berliner, die ich später danach fragte, egal ob gebürtig oder zugezogen, wussten rein gar nichts davon. Und ich habe keine jungen Menschen danach gefragt. Eigentlich auch kein Wunder, denn sie ist kaum zweckzuentfremden, außer vielleicht für andere Ausstellungsexperimente. Oder als kommerziell genutzte Partylocation. Abgeschieden genug wäre es für hohe nächtliche Dezibel, dagegen stünde aber sicher der Denkmalschutz. Wer den Glockenturm nicht besucht oder die Ausstellung, kommt niemals zufällig daran vorbei. Ich weiß natürlich nicht, ob sich nicht irgendwelche Nazi-Spinner oder Neo-Militaristen zu Hitlers Geburtstag oder am 10. November, um dieser Schlacht zu gedenken, heimlich dort verabreden und der Erinnerung huldigen.

Ich hatte eine gewisse Befangenheit, diesen Eintrag anzugehen. Mir war gefühlsmäßig eher nach Drüberzappen. Aber wenn man diesen ungemütlichen Aspekt schon in Bildern berührt, darf man im Eintrag nicht fahrlässig drübertänzeln, über den Abgrund. Mal schnell husch husch ist nicht bei dem Ganzen. Dafür wiegt dann eben doch alles zu schwer. Man muss nach unten schauen, sich ein Bild der Lage machen und dann mit einem beherzten Schritt über den Abgrund schreiten. Auf die sichere Seite mit dem festen Boden. Nun habe ich diese Etappe endlich hinter mir. Wer diesen Eintrag gelesen hat, kann jetzt jedenfalls mitreden und weiß mehr über die Langemarckhalle als die meisten Berliner. Ich habe zwar hier in meinem Blog eine kleine Pause eingelegt, zwischen meinen olympischen Begehungen, aber in der Realität hat das alles an einem einzigen Tag stattgefunden. Will sagen, ich bin nicht zehnmal mit meiner militärisch anmutenden Tarnkappe und der blauen Sonnenbrille los, falls jemand befürchtet, ich ziehe zu jeder Gelegenheit dieselben Klamotten an. In vier Stunden kann man eine Menge sehen und festhalten. Und dann hat man eine Menge zu verarbeiten. Auf vielen Ebenen. Und das ist noch nicht alles.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
13. November 2011
Ich wusste nicht, was es damit auf sich hat. So weit gingen meine Recherchen nicht, bevor ich hinging, zu dieser Langemarckhalle. Könnte man im ersten Moment denken, vielleicht irgendso ein Turnvater, der alte Langemarck. Wird schon seine Verdienste um den Sport gehabt haben. Klingt auf jeden Fall markig. Haha. Nun ja. Scherz beiseite. Das ist in der Tat das Bauwerk, in Anbetracht dessen originärer Bestimmung mir das Lachen vergeht. Ich weiß, dass nicht nur ich da eine Bildungslücke habe oder besser hatte, insofern kann ich mein Unwissen jetzt ganz ungeniert eingestehen.

Fragen Sie mal irgendeinen Berliner oder eine Berlinerin unter Siebzig, wo die Langemarckhalle steht und was es damit auf sich hat. Ein großes Fragezeichen wird auf der Stirn stehen. Was einem als naiven Besucher wie mir schon auffallen kann ist, dass es kaum Hinweisschilder gibt, wo die Halle namentlich erwähnt ist. Eigentlich gar keine. Ich hab keines gesehen. Es heißt immer „zum Glockenturm“. Oder „historic olympic grounds“. Oder das Schild ist gut versteckt. Es steht auch nicht außen dran. Ich habe den Namen der Halle erstmalig registriert, als ich anfing in Wikipedia etwas über den Glockenturm und das Maifeld zu lesen. Man muß sich vorstellen, dass man die Langemarckhalle vom olympischen Gelände aus, beim Blick auf das Maifeld in der Ferne sieht. Der vielzitierte „Führerstand“ erwächst aus der ersten Etage der Halle wie eine Terrasse. Man muss allerdings eine Wanderung um mehrere Ecken machen, bis man zum rückwärtigen Zugang der Halle gelangt. Kurz und gut: ich betrat die Halle, vorbei an den schießschartenschmalen alten Kassennischen und ging zuerst in die Ausstellung zur Geschichte der olympischen Spiele zu ebener Erde. Wuchtige Pfeiler aus dem allseits verwendeten Muschelkalk schon in der Halle im Eingangsbereich. Die Ausstellung zeigt einige großformatige Tafeln mit alten Fotografien und Erklärungen zur Verstrickung der Spiele mit dem nationalsozialistischen Regime. In einem Nebenraum läuft ein Film, eine Dokumentation.

Man kann die Treppe nehmen oder den gläsernen Fahrstuhl nach oben. In der ersten Etage landet man in einer großzügigen Halle, von der aus offenkundig der Zugang zum ‚Führerstand‘ ist. Man kann leider nicht raus. Die Glastüren sind verschlossen. Der Bereich zur Terrasse wirkt mit seiner großen Glasfront wie eine exklusive Wohnhalle in einem Hitchcockfilm. Nur die Möbel, der Kamin und die Teppiche fehlen. Und Tippi Hedren. Durch die Scheibe sehe ich das Olympiastadion wie einen fernen Tempel, ein Kolosseum vor mir liegen. Ich begreife das System der Blickachsen. Furios, Herr March. Sehr gelungen. Erhaben schweift der Blick über das Maifeld zum Stadion. Parallel zur Terrasse ist eine Art Caféteria ohne Personal. Mit ein paar Freischwingern und einem Kaffeeautomaten. Es gefällt mir. Auch so schön leer. Außer mir ist niemand da. Keine großartigen Hinweistafeln. Ich ziehe mir einen Becher Kaffee und beginne diese große Halle auszuloten, die sich über die ganze Länge zu erstrecken scheint. Seltsame mattschwarze Gedenktafeln in der Form von Ritterschilden reihen sich aneinander, auf denen irgendwelche Reservekorps- und Regiment-Divisions-weiß-der-Geier-Nummern in Goldbuchstaben graviert oder aufmontiert sind. Darüber der Reichsadler. Spätestens da ist auch mir klar, dass hier keine Kollegen von Turnvater Jahn geehrt wurden. Offensichtlich eine hehre Gedenkhalle für alte Militaristen. Ich stehe irgendwie beklommen davor und wundere mich gleichwohl über den ungenutzen Platz. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass da früher irgendwelche Möbel drin waren. Es ist einfach nur eine leere, monumentale, sehr hohe Halle mit zahllosen dicken Quader-Säulen, den unvermeidlichen Fackelhaltern reihum und eben diesen düsteren Tafeln. Nur die schmaleren Wände zu beiden Seiten sind noch wert genauer betrachtet zu werden. Das Licht gleißt über die hintere, westliche Steinwand und man sieht die Schlagschatten der eingemeißelten Großbuchstaben. Die Typen klar und modern. Sie entsprechen gar nicht dem Klischee der Nazi-Ästhetik. Von Fraktur keine Spur.

Ich lese
IHR HEILIGEN
GRAUEN REIHEN
GEHT UNTER WOLKEN
DES RUHMS
UND TRAGT
DIE BLUTIGEN WEIHEN
DES HEIMLICHEN KÖNIGSTUMS
Walter Flex
Aha. Ich bin viel zu gefangen von der gesamten Architektur und der Typographie und den Schatten und dem intensiven Sonnenlicht, um den Spruch verstehen zu wollen. Ich will das lieber gar nicht so genau wissen. Als ich fotografiere, sehe ich eigentlich nur die beiden Wörter „heimlichen Königstums“. Die beiden Wörter sind zwar auch schon mysteriös in der Kombination aber mit denen kann ich für die Dauer des Aufenthalts und auf meinen Fotos leben. Worum es eigentlich geht, ahnt man ja ohnehin schon dunkel. Dass es eine Hymne an den Heldentod ist, der ganze Langemarck-Mythos sich um die Verherrlichung des Todes für das Vaterland dreht, erfahre ich erst viel später zu Hause, als ich im Internet auf den Begriff Langemarck-Mythos stoße. Kein Turnvater. Ein Schlachtfeld. Keine Nazi-Erfindung. Viel älter, aber ganz in deren wirrem Sinn. Die Saat, die hier aufging, wurde schon früher gelegt, lese ich später. Aber in diesem Moment gelingt es mir noch das Licht der warmen Spätsommersonne auf dem Stein zu genießen. Es kommt mir beinah vor, als stände ich sonstwo in Ägypten vor einer monumentalen Wand des Pharaonenkults. Da ist ja auch immer alles Mögliche in Steinwände eingemeißelt. Und immer riesig. Und immer scheint die Sonne. So sieht es wenigstens auf den Bildern aus, die man kennt. Ich war noch nie in Ägypten, aber habe mich als Kind intensiv zu diesen Pharaonenstätten geträumt. Ich fahre mit der Hand darüber. Der Stein hat eine angenehme Ausstrahlung. Solche Wände hätte ich auch gerne im Wohnzimmer. Ohne die Sprüche. Die Sonne bringt mich für einen Moment zum Lachen, und dass es nur noch historische Kulissen sind, von einem eingemotteten Stück mit abgelaufener Spielzeit.

Bei meinen Recherchen daheim finde ich diesen Blogeintrag. Der Verfasser weiß ein paar Sachen, die ich nirgendwo anders gelesen habe. Über die teilweise Zerstörung der Halle bei der Sprengung des Glockentrums durch die Briten und den erstaunlich widerstandslosen Wiederaufbau nach dem Krieg durch Werner March. Und er schreibt: „Was der Weltöffentlichkeit vorenthalten wurde: bevor der Führer die Spiele des Friedens eröffnete, zog er sich privat zum Heldengedenken in eben jene Halle zurück.“ Ich nehme an, man findet solche Hinweise in Hitler-Biographien. Ich habe nie eine gelesen. Jedenfalls genug Stoff zum Nachdenken. Kein anderer Bereich des Olympiageländes hat mich derart befremdet, wie die historisch unveränderte Sinngebung dieser Halle. Die Architektur an sich hat dennoch viele gelungene Aspekte. Das ist also die Halle, deren Namen kaum noch einer kennt. Die Berliner, die ich später danach fragte, egal ob gebürtig oder zugezogen, wussten rein gar nichts davon. Und ich habe keine jungen Menschen danach gefragt. Eigentlich auch kein Wunder, denn sie ist kaum zweckzuentfremden, außer vielleicht für andere Ausstellungsexperimente. Oder als kommerziell genutzte Partylocation. Abgeschieden genug wäre es für hohe nächtliche Dezibel, dagegen stünde aber sicher der Denkmalschutz. Wer den Glockenturm nicht besucht oder die Ausstellung, kommt niemals zufällig daran vorbei. Ich weiß natürlich nicht, ob sich nicht irgendwelche Nazi-Spinner oder Neo-Militaristen zu Hitlers Geburtstag oder am 10. November, um dieser Schlacht zu gedenken, heimlich dort verabreden und der Erinnerung huldigen.

Ich hatte eine gewisse Befangenheit, diesen Eintrag anzugehen. Mir war gefühlsmäßig eher nach Drüberzappen. Aber wenn man diesen ungemütlichen Aspekt schon in Bildern berührt, darf man im Eintrag nicht fahrlässig drübertänzeln, über den Abgrund. Mal schnell husch husch ist nicht bei dem Ganzen. Dafür wiegt dann eben doch alles zu schwer. Man muss nach unten schauen, sich ein Bild der Lage machen und dann mit einem beherzten Schritt über den Abgrund schreiten. Auf die sichere Seite mit dem festen Boden. Nun habe ich diese Etappe endlich hinter mir. Wer diesen Eintrag gelesen hat, kann jetzt jedenfalls mitreden und weiß mehr über die Langemarckhalle als die meisten Berliner. Ich habe zwar hier in meinem Blog eine kleine Pause eingelegt, zwischen meinen olympischen Begehungen, aber in der Realität hat das alles an einem einzigen Tag stattgefunden. Will sagen, ich bin nicht zehnmal mit meiner militärisch anmutenden Tarnkappe und der blauen Sonnenbrille los, falls jemand befürchtet, ich ziehe zu jeder Gelegenheit dieselben Klamotten an. In vier Stunden kann man eine Menge sehen und festhalten. Und dann hat man eine Menge zu verarbeiten. Auf vielen Ebenen. Und das ist noch nicht alles.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=109615
12. November 2011
08. November 2011
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06. November 2011
08. November 2011
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06. November 2011
04. November 2011
Ab 21.
All of the clips used in this film came from a reel of 35mm nitrate found in an old theater somewhere in Pennsylvania. The projectionist clipped these scenes to meet local moral standards of the time.
04. November 2011
Ab 21.
All of the clips used in this film came from a reel of 35mm nitrate found in an old theater somewhere in Pennsylvania. The projectionist clipped these scenes to meet local moral standards of the time.
