28. januar 2007
bitte macht sehr viele sichtbare absätze (= 1 leerzeile), wenn ihr lange texte schreibt, sonst lese ich nur quer. es ist mir einfach zu anstrengend, egal bei wem. ich möchte gar nicht wissen, wieviel gutes mir deshalb schon entgangen ist.
ähnlich anstrengend ist eine allzu breite textlaufweite. dauernd mit den augen von links nach rechts zu rollen strengt auch furchtbar an. schließlich will ich vor allem faul herumliegen und mich erholen.
und bei heller schrift auf dunklem hintergrund markiere ich zum lesen immer den kompletten text, damit ich dunkle schrift auf hellem hintergrund habe. dadurch sehe ich diese seiten, die mutmaßlich aus ästhetischen erwägungen diese farbzuordnung haben, immer in einer ziemlich hässlichen darstellung, die bestimmt nicht angedacht ist. macht das noch jemand?
29. januar 2007
28. januar 2007
komme gerade schwer ins grübeln, wie unrepräsentativ meine gesamte sinneswahrnehmung der welt sein könnte. wenn es bei der organischen sehfähigkeit beginnt, wo hört das auf. hört es überhaupt auf. das erklärt vielleicht so manches.
ich denke gerade sehr scharf darüber nach, wieviele menschen ich kenne, die ohne sehhilfe gut sehen können. mir ist gar nicht dauernd bewusst, wie wenige es sind – beinah niemand. es ist mir deshalb nicht dauernd bewusst, weil heutzutage mindestens zwei drittel, wenn nicht mehr, kontaktlinsen tragen. sogar mein bruder war kurzsichtig, obwohl er genetisch auch gute augen hätte haben sollen (es gibt in meiner familie sowohl mütterlicher-, als auch väterlicherseits soweit ich es rekonstruieren kann, nur alters- weitsichtigkeit, lesebrille im reiferen lebensalter ab etwa 50, wenn die arme beim lesen immer länger werden).
mein geruchssinn sei zum ausgleich dafür unterentwickelt, dachte ich sehr lange. das scheint aber auch nicht pauschal zu stimmen. ich nehme bestimmte gerüche überdeutlich wahr und andere wiederum verschwindend, die andere stark wahrnehmen. sehen, riechen, schmecken, hören. dass das alles subjektiv gefärbt ist, ist schon klar.
wenn man alleine bedenkt, wie häufig es angeblich bei männern ein verdrehtes unterscheidungsvermögen gibt, was rot und grün angeht (die sog. mir sehr faszinierend erscheinende farbenblindheit – sieht man dann nicht auch andere farben komplementär?). aber wie stark mögen die unterschiede bei den anderen sinnen sein. wahrscheinlich kann ich mich niemals angemessen mit irgendwem verständigen, der nicht ähnlich verteilte sinneswahrnehmungen hat. schade.
vielleicht ist das überhaupt ein grund für viele missverständnisse zwischen menschen. wir sind eben nicht aus demselben holz geschnitzt. auf jeden fall muss man sich über mehr als nur bildungsstand und sozialisation austauschen. nicht zur abgrenzung sondern zur verständigung.
verdammt, ich überlege immer noch, ob ich jemanden außerhalb meiner familie kenne, der ohne brille sehen kann. ah. zwei meiner freundinnen haben keinen angeborenen sehfehler. die eine hat schon eine weile eine lesebrille, altersbedingt und die andere drückt sich noch.
und ich war in den achtziger jahren mal in einen mann verliebt, der keine brille aufhatte. aber vielleicht kontaktlinsen. nein, ich glaube nicht. leider bin ich ihm niemals nah genug gekommen, um es zu wissen. der rest der männer, die ich näher kannte, trug brille oder haftschalen (blödes wort – gibt es eigentlich auch kontaktschalen oder haftlinsen?).
na ja. spätestens vor dem schlafengehen wusste man dann ja bescheid. obwohl es heutzutage auch linsen gibt, die man über nacht trägt und nach einer woche wegschmeißt.
28. januar 2007
komme gerade schwer ins grübeln, wie unrepräsentativ meine gesamte sinneswahrnehmung der welt sein könnte. wenn es bei der organischen sehfähigkeit beginnt, wo hört das auf. hört es überhaupt auf. das erklärt vielleicht so manches.
ich denke gerade sehr scharf darüber nach, wieviele menschen ich kenne, die ohne sehhilfe gut sehen können. mir ist gar nicht dauernd bewusst, wie wenige es sind – beinah niemand. es ist mir deshalb nicht dauernd bewusst, weil heutzutage mindestens zwei drittel, wenn nicht mehr, kontaktlinsen tragen. sogar mein bruder war kurzsichtig, obwohl er genetisch auch gute augen hätte haben sollen (es gibt in meiner familie sowohl mütterlicher-, als auch väterlicherseits soweit ich es rekonstruieren kann, nur alters- weitsichtigkeit, lesebrille im reiferen lebensalter ab etwa 50, wenn die arme beim lesen immer länger werden).
mein geruchssinn sei zum ausgleich dafür unterentwickelt, dachte ich sehr lange. das scheint aber auch nicht pauschal zu stimmen. ich nehme bestimmte gerüche überdeutlich wahr und andere wiederum verschwindend, die andere stark wahrnehmen. sehen, riechen, schmecken, hören. dass das alles subjektiv gefärbt ist, ist schon klar.
wenn man alleine bedenkt, wie häufig es angeblich bei männern ein verdrehtes unterscheidungsvermögen gibt, was rot und grün angeht (die sog. mir sehr faszinierend erscheinende farbenblindheit – sieht man dann nicht auch andere farben komplementär?). aber wie stark mögen die unterschiede bei den anderen sinnen sein. wahrscheinlich kann ich mich niemals angemessen mit irgendwem verständigen, der nicht ähnlich verteilte sinneswahrnehmungen hat. schade.
vielleicht ist das überhaupt ein grund für viele missverständnisse zwischen menschen. wir sind eben nicht aus demselben holz geschnitzt. auf jeden fall muss man sich über mehr als nur bildungsstand und sozialisation austauschen. nicht zur abgrenzung sondern zur verständigung.
verdammt, ich überlege immer noch, ob ich jemanden außerhalb meiner familie kenne, der ohne brille sehen kann. ah. zwei meiner freundinnen haben keinen angeborenen sehfehler. die eine hat schon eine weile eine lesebrille, altersbedingt und die andere drückt sich noch.
und ich war in den achtziger jahren mal in einen mann verliebt, der keine brille aufhatte. aber vielleicht kontaktlinsen. nein, ich glaube nicht. leider bin ich ihm niemals nah genug gekommen, um es zu wissen. der rest der männer, die ich näher kannte, trug brille oder haftschalen (blödes wort – gibt es eigentlich auch kontaktschalen oder haftlinsen?).
na ja. spätestens vor dem schlafengehen wusste man dann ja bescheid. obwohl es heutzutage auch linsen gibt, die man über nacht trägt und nach einer woche wegschmeißt.
28. januar 2007
bitte macht sehr viele sichtbare absätze (= 1 leerzeile), wenn ihr lange texte schreibt, sonst lese ich nur quer. es ist mir einfach zu anstrengend, egal bei wem. ich möchte gar nicht wissen, wieviel gutes mir deshalb schon entgangen ist.
ähnlich anstrengend ist eine allzu breite textlaufweite. dauernd mit den augen von links nach rechts zu rollen strengt auch furchtbar an. schließlich will ich vor allem faul herumliegen und mich erholen.
und bei heller schrift auf dunklem hintergrund markiere ich zum lesen immer den kompletten text, damit ich dunkle schrift auf hellem hintergrund habe. dadurch sehe ich diese seiten, die mutmaßlich aus ästhetischen erwägungen diese farbzuordnung haben, immer in einer ziemlich hässlichen darstellung, die bestimmt nicht angedacht ist. macht das noch jemand?
27. januar 2007
endlich jemand, der die dinge beim namen nennt und sich auch nicht scheut, einmal ein heißes eisen anzupacken!
27. januar 2007

I’D LIKE TO TAKE A WALK BUT NOT AROUND THE BLOCK
27. januar 2007
ich habe wieder was ganz tolles entdeckt! wenn mir langweilig ist, lerne ich tolles englisch mit der automatischen seitenübersetzung von google. das zum beispiel habe ich gestern selbst geschrieben:
„leonard amber. oh ever. also only straight one rode me, because straight freshly supplied. did not come at all well today.“
und auch die kommentare werden übersetzt! einfach super.
leonard amber. oh ever.
25. januar 2007
tage wie dieser oder so ähnlich. schwer enttäuscht im kaufhaus in der puppenabenteilung. keine kleinen lammlederanoraks, keine fell- stiefelchen für michaela. hässlicher babykrempel mit schleimigen applikationen. man schämt sich schon beim hinschauen.
gut versteckt schwarzrote inlineskater. immerhin. sogar in ihrer größe. der eine geht ohne die radkufe als stiefel für den winter. und ein weicher roter schal mit fransen. die komische mütze dazu kann sie als poncho anziehen. aus der alten schwarzen baumwollsocke, die das sockenmonster wie üblich in der waschmaschine übrig gelassen hat, ein schönes warmes strickkleid bis übers bein gemacht, für die große schneeballschlacht. wir hatten nämlich schnee heute. ist zwar schon wieder weg aber er kommt ja vielleicht noch mal und dann geht’s natürlich zur abhärtung gleich raus.
saublöd vorhin bei butter lindner. hole ich immer den rothschildwein für die gesundheit. stehe ewig mit zwei auf den glastresen gepackten flaschen und den scharfen nüssen, vier verkäufer hinterm tresen, stehe mir ungefähr zehn minuten, gefühlte hundert, die beine in den bauch, längst schon die scheine in der hand. die sehen immer nur die, die neu zur tür von links rein kommen.
ich überlege schon, ob ich einfach gehe, merkt ja keine sau. kann ich mein geld behalten. man will ja auch die hochwichtigen verkaufsverhandlungen mit den neuen kunden nicht durch unqualifizierte zwischenrufe unterbrechen. dann langt’s mir. ich teile der langweiligen kompanie gut hörbar mit, dass ich mich ganz ausgezeichnet ignoriert fühle, zumal hier in dem laden, in dem ich regelmäßig einkaufe. ich kann meinen wein auch woanders kaufen! rufe ich erbost und irgendwie entgegen meiner absicht.
erst fünf minuten vorher noch mit dem gedanken gespielt, einen trotzigen abgang zu machen und als kindisch verworfen. gucken mich vier verkäufer und innen mit offenem mund an. nicht, dass mich einer zurückgehalten hätte. kenne ich sonst nicht, von dem laden, die sind eigentlich immer sehr zuvorkommend. das personal wechselt aller- dings in einem rhythmus, den ich noch nicht ganz durchschaut habe. an manchen tagen sind ganz zauberhaft zuvorkommende junge frauen und männer im verkauf. aber heute halt nicht. blöderweise dann im spar nebenan ein gesöff erstanden, dass man lieber nicht weiter erwähnt.
daheim die drei gekauften apfelsinen auf den küchentisch geknallt. gegrübelt, ob ich sonst über gebühr verwöhnt und hofiert werde in dem laden und deswegen so ungehalten war. beschlossen, dass da heute einfach blöde verkäufer waren. die guten werfen einem während man wartet, einen geistesgegenwärtigen blick zu, um ihre wahrnehmung aus dem augenwinkel zu zeigen.
tage, an denen einem dauernd das messer ausrutscht und man sich morgens den kaffee über die nackten beine gießt. dabei war der eigentlich erst gegen abend so. ich sollte dringend meine astrologin konsultieren.
im fernsehen dann allerletzter, aber wirklich hinterletzter versuch altmans shortcuts irgend etwas abzugewinnen. noch langweiliger als vor zig jahren beim ersten anlauf. was für ein haltloses geschwätz. und die gruselige synchronisation. ton weg, musik an. mozarts requiem, leonard bernstein. oh je. hat mich auch nur gerade geritten, weil gerade frisch geliefert. kam gar nicht gut heute. der blöde film nervt sogar ohne ton. fernseher ganz aus. andere musik an.

dann selten dämlich und ungeschickt in der küche rumgebrutzelt. abgehackte bewegungen. leicht versalzen. das gegenteil von was man als virtuos bezeichnet. dabei kann ich das eigentlich. beim griff zu den zwiebeln mehr so zufällig hinter den ungelesenen bücherstapel geschaut. schon irgendwie toll gestreift, so eine apfelsine. komischer abend irgendwie. na ja, hauptsache gesund.

25. januar 2007
es ist wichtig, dass michaela frühzeitig lernt, sich zu wehren. heute haben wir geübt, wie man schöne feste schneebälle macht, damit man ordentlich treffen kann, wenn die großen kinder einen bewerfen. das hat schon recht gut geklappt. ich selber war als kind ein kleiner angsthase und wollte nicht getroffen werden, deswegen bin ich meistens davongelaufen. eigentlich hat sich daran nicht viel geändert. ich ducke mich immer noch, wenn stöckchen sachen geflogen kommen. aber michaela ist aus anderem holz geschnitzt und lässt sich nichts gefallen!

25. januar 2007
tage wie dieser oder so ähnlich. schwer enttäuscht im kaufhaus in der puppenabenteilung. keine kleinen lammlederanoraks, keine fell- stiefelchen für michaela. hässlicher babykrempel mit schleimigen applikationen. man schämt sich schon beim hinschauen.
gut versteckt schwarzrote inlineskater. immerhin. sogar in ihrer größe. der eine geht ohne die radkufe als stiefel für den winter. und ein weicher roter schal mit fransen. die komische mütze dazu kann sie als poncho anziehen. aus der alten schwarzen baumwollsocke, die das sockenmonster wie üblich in der waschmaschine übrig gelassen hat, ein schönes warmes strickkleid bis übers bein gemacht, für die große schneeballschlacht. wir hatten nämlich schnee heute. ist zwar schon wieder weg aber er kommt ja vielleicht noch mal und dann geht’s natürlich zur abhärtung gleich raus.
saublöd vorhin bei butter lindner. hole ich immer den rothschildwein für die gesundheit. stehe ewig mit zwei auf den glastresen gepackten flaschen und den scharfen nüssen, vier verkäufer hinterm tresen, stehe mir ungefähr zehn minuten, gefühlte hundert, die beine in den bauch, längst schon die scheine in der hand. die sehen immer nur die, die neu zur tür von links rein kommen.
ich überlege schon, ob ich einfach gehe, merkt ja keine sau. kann ich mein geld behalten. man will ja auch die hochwichtigen verkaufsverhandlungen mit den neuen kunden nicht durch unqualifizierte zwischenrufe unterbrechen. dann langt’s mir. ich teile der langweiligen kompanie gut hörbar mit, dass ich mich ganz ausgezeichnet ignoriert fühle, zumal hier in dem laden, in dem ich regelmäßig einkaufe. ich kann meinen wein auch woanders kaufen! rufe ich erbost und irgendwie entgegen meiner absicht.
erst fünf minuten vorher noch mit dem gedanken gespielt, einen trotzigen abgang zu machen und als kindisch verworfen. gucken mich vier verkäufer und innen mit offenem mund an. nicht, dass mich einer zurückgehalten hätte. kenne ich sonst nicht, von dem laden, die sind eigentlich immer sehr zuvorkommend. das personal wechselt aller- dings in einem rhythmus, den ich noch nicht ganz durchschaut habe. an manchen tagen sind ganz zauberhaft zuvorkommende junge frauen und männer im verkauf. aber heute halt nicht. blöderweise dann im spar nebenan ein gesöff erstanden, dass man lieber nicht weiter erwähnt.
daheim die drei gekauften apfelsinen auf den küchentisch geknallt. gegrübelt, ob ich sonst über gebühr verwöhnt und hofiert werde in dem laden und deswegen so ungehalten war. beschlossen, dass da heute einfach blöde verkäufer waren. die guten werfen einem während man wartet, einen geistesgegenwärtigen blick zu, um ihre wahrnehmung aus dem augenwinkel zu zeigen.
tage, an denen einem dauernd das messer ausrutscht und man sich morgens den kaffee über die nackten beine gießt. dabei war der eigentlich erst gegen abend so. ich sollte dringend meine astrologin konsultieren.
im fernsehen dann allerletzter, aber wirklich hinterletzter versuch altmans shortcuts irgend etwas abzugewinnen. noch langweiliger als vor zig jahren beim ersten anlauf. was für ein haltloses geschwätz. und die gruselige synchronisation. ton weg, musik an. mozarts requiem, leonard bernstein. oh je. hat mich auch nur gerade geritten, weil gerade frisch geliefert. kam gar nicht gut heute. der blöde film nervt sogar ohne ton. fernseher ganz aus. andere musik an.

dann selten dämlich und ungeschickt in der küche rumgebrutzelt. abgehackte bewegungen. leicht versalzen. das gegenteil von was man als virtuos bezeichnet. dabei kann ich das eigentlich. beim griff zu den zwiebeln mehr so zufällig hinter den ungelesenen bücherstapel geschaut. schon irgendwie toll gestreift, so eine apfelsine. komischer abend irgendwie. na ja, hauptsache gesund.

21. januar 2007

heute ist der tag gekommen, an dem ich endlich von michaela erzählen muss. leider weiß ich nicht mehr genau, wann ich sie gekriegt habe. ich glaube mit fünf oder so zum geburtstag. aber dass ich mich mächtig gefreut habe, weiß ich noch genau. sie hat mir gleich sehr gut gefallen, weil sie kein baby mehr war, mit dem man immer nur fläschchen geben und windeln wechseln spielen kann, und ich war auch gleich in ihre blonden haare und die stupsnase mit den treuen kulleraugen verliebt.
was mich gerade ein bißchen durcheinander bringt ist, zusammenzukriegen, wieso michaela michaela heißt. als kind hat mir das lied von bata illic supergut gefallen und ich hätte gedacht, vielleicht deswegen, aber das lied ist erst zweiundsiebzig rausgekommen und ich glaube nicht, dass ich meine michaela so spät gekriegt habe. auf jeden fall hat mir der name gut gefallen.
leider ist dann ziemlich bald was ganz dummes passiert. michaela hat beim spielen einen blöden unfall gehabt. sie ist irgendwie aus- gerutscht oder was und runtergefallen. dabei hat sie sich das bein gebrochen. genau genommen sogar den oberschenkel. wenn man es ganz genau nimmt, sogar noch mehr. also warum lange um den heißen brei reden: das rechte bein war ganz ab. natürlich wurde gleich der notarzt gerufen und operiert. aber das gewebe war wohl nicht mehr gut genug durchblutet und deswegen ist das bein nicht mehr angewachsen. es wurde dann noch zwei oder dreimal transplantiert aber es wollte einfach nicht mehr festwachsen. das hat mir natürlich großen kummer bereitet. ich habe extra dicke verbände angelegt und alles und immer eine strumpfhose drüber, damit es schön hält. aber es hat alles nix geholfen. mist.
irgendwann habe ich dann mit michaela gesprochen und habe ihr beigebracht, dass das bein nicht mehr anwachsen will und dass sie aber trotzdem nicht traurig sein soll, weil sie die schönste für mich ist. und sie war ja auch wirklich die schönste, trotz abm bein. sie hat mir sehr aufmerksam und tapfer zugehört und sehr verständig gewirkt.
von da an habe ich mir besonders viel mühe gegeben, ihr schöne kleider zu machen. meine mama habe ich darum gebeten, ein großes seidentuch für michaela zu spenden, damit ich ihr ein schönes langes kleid machen kann, wo man nicht sieht, dass sie bloß ein bein hat. es war so ein großes glänzendes tuch mit verschiedenem grün drin, mit großen urwaldblättern drauf.
in den siebziger jahren war es mal mode, dass man große stofftücher als partykleid anzieht. so rückenfrei und die beiden stoffzipfel vorne über kreuz und im nacken gebunden. so ein partykleid habe ich dann für michaela gemacht und es hat ihr super gestanden. weil sie so toll ausgesehen hat und ich auch gerade einen fotoapparat gekriegt habe, habe ich dann sensationelle mode- photos mit ihr gemacht, vor dem rhododendronbusch im garten.
ich habe gleich gemerkt, dass sie dafür talent hat. und seitdem hat sie auch gewusst, dass sie sich nicht schämen muss, weil sie nur ein bein hat. wir haben auch so ganz raffinierte bilder gemacht, die ich leider nicht mehr finde, wo ein schlitz im kleid ist und das eine bein vorguckt. ganz schön sexy!
blöderweise haben wir uns in den achtziger jahren dann irgendwie aus den augen verloren. ich bin ausgezogen und michaela ist im haus bei meinen eltern geblieben. obwohl ich sie sehr geliebt habe, waren dann wohl auf einmal mehr so jungens wichtiger. wir haben uns dann sehr lange nicht mehr gesehen, aber ich habe sie nie vergessen.
vor dreieinhalb jahren musste ich immer öfter an sie denken und machte mir große sorgen, wie es ihr wohl ergangen ist, in all den jahren und wo sie überhaupt ist. ich bin dann kurzerhand zu meinen eltern gefahren und habe den ganzen dachboden auf den kopf gestellt. vor meinem kinderzimmer unterm dach ist so ein vorraum, in dem aller möglicher krempel und alte möbel und zeug herumstehen. da war die spielzeugtruhe aus meinem kinderzimmer mit dem dunkelroten lederdeckel und ich habe die truhe aufgemacht und es war ein fürchterliches durcheinander. aber ich habe ihren blonden haarschopf gesehen. dann habe ich sie vorsichtig herausgenommen und ihr gut zugeredet. sie war ein bißchen struppig aber sonst ganz munter. ich war total froh, dass ich sie gefunden habe. sie hat gar nichts angehabt.
daheim habe ich sie dann schön lange gebadet und die haare gewaschen (mit shampoo) und gekämmt und ihr aus so einem indischen hippietuch ein neues kleid gemacht. sie mag zur zeit so ein bißchen urwaldlook, deswegen wollte sie auch unbedingt die kette mit den holzzähnen umhaben. am liebsten sitzt sie im schlafzimmer auf dem holztiger und schaut zu, was ich so mache. ich glaube, es macht ihr nichts mehr aus, dass sie nicht so wie die anderen ist. zum beispiel darf jetzt jeder sehen, dass sie nur ein bein hat. das erfüllt mich natürlich mit großem stolz auf meine kleine tapfere kriegerin.
wollte ich nur mal erzählt haben.
[mehr bildchen]
21. januar 2007

heute ist der tag gekommen, an dem ich endlich von michaela erzählen muss. leider weiß ich nicht mehr genau, wann ich sie gekriegt habe. ich glaube mit fünf oder so zum geburtstag. aber dass ich mich mächtig gefreut habe, weiß ich noch genau. sie hat mir gleich sehr gut gefallen, weil sie kein baby mehr war, mit dem man immer nur fläschchen geben und windeln wechseln spielen kann, und ich war auch gleich in ihre blonden haare und die stupsnase mit den treuen kulleraugen verliebt.
was mich gerade ein bißchen durcheinander bringt ist, zusammenzukriegen, wieso michaela michaela heißt. als kind hat mir das lied von bata illic supergut gefallen und ich hätte gedacht, vielleicht deswegen, aber das lied ist erst zweiundsiebzig rausgekommen und ich glaube nicht, dass ich meine michaela so spät gekriegt habe. auf jeden fall hat mir der name gut gefallen.
leider ist dann ziemlich bald was ganz dummes passiert. michaela hat beim spielen einen blöden unfall gehabt. sie ist irgendwie aus- gerutscht oder was und runtergefallen. dabei hat sie sich das bein gebrochen. genau genommen sogar den oberschenkel. wenn man es ganz genau nimmt, sogar noch mehr. also warum lange um den heißen brei reden: das rechte bein war ganz ab. natürlich wurde gleich der notarzt gerufen und operiert. aber das gewebe war wohl nicht mehr gut genug durchblutet und deswegen ist das bein nicht mehr angewachsen. es wurde dann noch zwei oder dreimal transplantiert aber es wollte einfach nicht mehr festwachsen. das hat mir natürlich großen kummer bereitet. ich habe extra dicke verbände angelegt und alles und immer eine strumpfhose drüber, damit es schön hält. aber es hat alles nix geholfen. mist.
irgendwann habe ich dann mit michaela gesprochen und habe ihr beigebracht, dass das bein nicht mehr anwachsen will und dass sie aber trotzdem nicht traurig sein soll, weil sie die schönste für mich ist. und sie war ja auch wirklich die schönste, trotz abm bein. sie hat mir sehr aufmerksam und tapfer zugehört und sehr verständig gewirkt.
von da an habe ich mir besonders viel mühe gegeben, ihr schöne kleider zu machen. meine mama habe ich darum gebeten, ein großes seidentuch für michaela zu spenden, damit ich ihr ein schönes langes kleid machen kann, wo man nicht sieht, dass sie bloß ein bein hat. es war so ein großes glänzendes tuch mit verschiedenem grün drin, mit großen urwaldblättern drauf.
in den siebziger jahren war es mal mode, dass man große stofftücher als partykleid anzieht. so rückenfrei und die beiden stoffzipfel vorne über kreuz und im nacken gebunden. so ein partykleid habe ich dann für michaela gemacht und es hat ihr super gestanden. weil sie so toll ausgesehen hat und ich auch gerade einen fotoapparat gekriegt habe, habe ich dann sensationelle mode- photos mit ihr gemacht, vor dem rhododendronbusch im garten.
ich habe gleich gemerkt, dass sie dafür talent hat. und seitdem hat sie auch gewusst, dass sie sich nicht schämen muss, weil sie nur ein bein hat. wir haben auch so ganz raffinierte bilder gemacht, die ich leider nicht mehr finde, wo ein schlitz im kleid ist und das eine bein vorguckt. ganz schön sexy!
blöderweise haben wir uns in den achtziger jahren dann irgendwie aus den augen verloren. ich bin ausgezogen und michaela ist im haus bei meinen eltern geblieben. obwohl ich sie sehr geliebt habe, waren dann wohl auf einmal mehr so jungens wichtiger. wir haben uns dann sehr lange nicht mehr gesehen, aber ich habe sie nie vergessen.
vor dreieinhalb jahren musste ich immer öfter an sie denken und machte mir große sorgen, wie es ihr wohl ergangen ist, in all den jahren und wo sie überhaupt ist. ich bin dann kurzerhand zu meinen eltern gefahren und habe den ganzen dachboden auf den kopf gestellt. vor meinem kinderzimmer unterm dach ist so ein vorraum, in dem aller möglicher krempel und alte möbel und zeug herumstehen. da war die spielzeugtruhe aus meinem kinderzimmer mit dem dunkelroten lederdeckel und ich habe die truhe aufgemacht und es war ein fürchterliches durcheinander. aber ich habe ihren blonden haarschopf gesehen. dann habe ich sie vorsichtig herausgenommen und ihr gut zugeredet. sie war ein bißchen struppig aber sonst ganz munter. ich war total froh, dass ich sie gefunden habe. sie hat gar nichts angehabt.
daheim habe ich sie dann schön lange gebadet und die haare gewaschen (mit shampoo) und gekämmt und ihr aus so einem indischen hippietuch ein neues kleid gemacht. sie mag zur zeit so ein bißchen urwaldlook, deswegen wollte sie auch unbedingt die kette mit den holzzähnen umhaben. am liebsten sitzt sie im schlafzimmer auf dem holztiger und schaut zu, was ich so mache. ich glaube, es macht ihr nichts mehr aus, dass sie nicht so wie die anderen ist. zum beispiel darf jetzt jeder sehen, dass sie nur ein bein hat. das erfüllt mich natürlich mit großem stolz auf meine kleine tapfere kriegerin.
wollte ich nur mal erzählt haben.
[mehr bildchen]
16. januar 2007
baden vor dem schlafengehen ist toll. komisch, mache ich ganz selten. und man riecht so gut. als ob man in ein frisch bezogenes bett kriecht, obwohl es überhaupt gar nicht frisch bezogen ist.
ich geh dann mal, mit dem buch mit dem (sau)blöden titel von der mir irgendwie unsympathischen witwe. vielleicht ändert sich das noch und sie wird mir sympathisch. bisher merkwürdig kalt sezierender tonfall. hat mich noch nicht wirklich tief berührt. ich lese vom wunsch der autopsie und dieser beizuwohnen, trotz erkennbarer todesursache. wiederholtes befremden. vielleicht auch unzulänglich übersetzt. ich meine den tonfall. wer weiß.
es gibt ja einige bücher zu dem thema, zum beispiel connie palmens i.m. ischa meijer in margine. in memoriam oder keine zeit zum abschiednehmen von beatrix gerstberger. mal schauen. aber schon spannend. das ist das thema ja immer. immanent. eh kloa
18. januar 2007
„Wenn wir über einen Todesfall informiert werden, setzen wir uns mit den Angehörigen des Verstorbenen in Verbindung. (…) Bei Horn- häuten besteht der Vorteil, daß sie noch bis zu 76 Stunden nach dem Tod entfernt werden können. (…) Oft ist für eine positive Zusage entscheidend, daß mit einer Organspende einem Lebenden geholfen werden kann. (…) Wenn sich die Hinterbliebenen positiv entscheiden, werden die Spenderorgane entfernt und in die Hornhautbank gebracht. Der Transport erfolgt in kleinen Plastikgefäßen. Dem Verstorbenen werden Glasprothesen eingesetzt. Sie unterscheiden sich äußerlich kaum von den natürlichen Augen und haben auch die gleiche Farbe.“

werden die spenderorgane entfernt.
18. januar 2007
18. januar 2007
„Wenn wir über einen Todesfall informiert werden, setzen wir uns mit den Angehörigen des Verstorbenen in Verbindung. (…) Bei Horn- häuten besteht der Vorteil, daß sie noch bis zu 76 Stunden nach dem Tod entfernt werden können. (…) Oft ist für eine positive Zusage entscheidend, daß mit einer Organspende einem Lebenden geholfen werden kann. (…) Wenn sich die Hinterbliebenen positiv entscheiden, werden die Spenderorgane entfernt und in die Hornhautbank gebracht. Der Transport erfolgt in kleinen Plastikgefäßen. Dem Verstorbenen werden Glasprothesen eingesetzt. Sie unterscheiden sich äußerlich kaum von den natürlichen Augen und haben auch die gleiche Farbe.“

werden die spenderorgane entfernt.
16. januar 2007
baden vor dem schlafengehen ist toll. komisch, mache ich ganz selten. und man riecht so gut. als ob man in ein frisch bezogenes bett kriecht, obwohl es überhaupt gar nicht frisch bezogen ist.
ich geh dann mal, mit dem buch mit dem (sau)blöden titel von der mir irgendwie unsympathischen witwe. vielleicht ändert sich das noch und sie wird mir sympathisch. bisher merkwürdig kalt sezierender tonfall. hat mich noch nicht wirklich tief berührt. ich lese vom wunsch der autopsie und dieser beizuwohnen, trotz erkennbarer todesursache. wiederholtes befremden. vielleicht auch unzulänglich übersetzt. ich meine den tonfall. wer weiß.
es gibt ja einige bücher zu dem thema, zum beispiel connie palmens i.m. ischa meijer in margine. in memoriam oder keine zeit zum abschiednehmen von beatrix gerstberger. mal schauen. aber schon spannend. das ist das thema ja immer. immanent. eh kloa
16. januar 2007
14. januar 2007

die kleine einradfahrerin war nicht alleine, ihre freundin war dabei, auch mit einrad. ich wohne an einem spielplatz, da ist man immer gut auf dem laufenden, was die kids so treiben. gerade eben diskret aus dem fenster geknipst.
14. januar 2007
02. januar 2007
ganz aufgewühlt.
so nah, so entblößt . die nierenschale bei der geburt
susan sontag. die graue strähne. immer ihr gesicht. aufgebahrt.
dann läuft sie aus dem bild, noch einmal ihr rücken, von hinten. zum vulkan. dann wasser. nur wasser. die lagune. und dann
monument valley ganz unscharf, schwarz weiß
ewigkeit. nur so, genau so. monument valley, unscharf, schwarz weiß.
die bilder tun weh. richtig weh.
viel mehr als – – was ja, was.
da war dieses zitat in diesem einpersonen-film. mein letzter film. da erinnert sie ein zitat von einem regisseur. jetzt ist, wenn es weh tut. und wenn es das einzige wäre, was man von dem film mitnimmt, diesen satz.
ja, annie. jetzt ist, wenn es weh tut.

14. januar 2007
14. januar 2007
14. januar 2007

die kleine einradfahrerin war nicht alleine, ihre freundin war dabei, auch mit einrad. ich wohne an einem spielplatz, da ist man immer gut auf dem laufenden, was die kids so treiben. gerade eben diskret aus dem fenster geknipst.
10. januar 2007
10. januar 2007
06. januar 2007
gestern. delphi. ich setze mich meistens in die zehnte bis zwölfte reihe oder weiter hinten, vorzugsweise die leerste. immer ganz an den rand, rechts. im delphi gleich beim ausgang. am äußeren rand hat man eine bessere wahrscheinlichkeit, dass kein kopf vor einem in die leinwand ragt. auf dem sitz links von mir mein zeug. sicherheitsabstand. schön leer meine reihe. die siebzehnuhrfünfzehn-vorstellung. ich bin kurz vorher da. bis halbsechs kommen noch einige besucher dazu.
jemand setzt sich zwei reihen vor mir, auch nah am rechten rand aber eher zur mitte. der kopf ragt ein wenig in die leinwand. mir dämmert, dass ich diesen kopf kenne. sehr gut kenne. oh je er. oder doch nur eine ähnlichkeit? der hinterkopf, die brille. das passt. eine flüchtige handbewegung, die ihn endgültig identifiziert. er streicht sich mit der rechten handfläche ein paar mal über den hinterkopf. eine geste, die ich oft an ihm sah. auf eine bestimmte art. so, wie sich manche räkeln.
er dreht sich nur einmal kurz um, um die ausgezogene jacke irgendwie auf den sitz zu drapieren. eine flüchtige bewegung. ich verdecke meine augen, mein gesicht mit der rechten hand, so wie man sich den kopf hält, weil er schmerzt. ich überlege, ob mir die distanz ausreicht. ob die wahrscheinlichkeit gering genug ist, dass er sich ein weiteres mal umdreht und mich erkennt. ich rutsche tiefer in den sitz. nein. das ist mir zu nah. viel zu nah.
ich muss jede möglichkeit einer begegnung auschließen. ich nehme mein zeug und gehe drei reihen weiter nach hinten. immer noch gute sicht. aber immer noch sein kopf in der leinwand. ausgerechnet. er ist nicht der größte für einen mann. so groß wie ich. irgendwas um eins- achtzig. muss mir jetzt ausgerechnet auch noch in den kopf kommen, wie es mit ihm in gewisser hinsicht lief. und wenn nichts mehr ging. das lief wie geschmiert. media luna nannte er mich dann, was eine versaute anspielung war, die man nicht ohne weiteres versteht. wie mir das gefiel. die erinnerung daran ist wie eine nötigung, die eine körperliche wahrnehmung beschwört, die mir lästig ist. ich muss mich schütteln. wie konnte ich. skorpion natürlich. 26. oktober 42.
dominante waage-zwillingsaspekte, so weit ich erinnere. ein hoch- gradig akademisch gebildeter, sinnenfroher schwätzer. treffliche belei- digung war, mir goldhagens willige vollstrecker zum geburtstag in die hand zu drücken. unverpackt. nichts gegen konfrontation mit dem horror und dem unsagbaren. aber nicht zum geburtstag. überhaupt bücher. jemand, der bücher verschenkt, die er selbst gerade unge- heuer bedeutend findet, ungeachtet der besonderen interessen des zu beschenkenden. über die weiße göttin von ranke-graves zu beginn des ganzen hatte ich mich noch halbwegs gefreut, aus neugier.
ich stehe wieder auf. gehe ganz weit nach hinten, wo alle reihen unbesetzt sind. in die vorvorletzte reihe. ach was. ich stehe wieder auf. wenn schon, denn schon. mal sehen, wie es in der letzten reihe mit der sicht ist. gut. erstaunlich gut. sein kopf ragt nicht mehr in mein sichtfeld. ich kann kaum mehr ausmachen, wo er sitzt. gut. sehr gut. schnell vergessen. er würde versuchen, so viel ist sicher, mich beso hier beso da, an sich zu drücken, mit laszivem augenzwinkern die laue temperatur zu erhöhen. schon aus prinzip, schon aus gewohnheit. bloß nicht. desinteresse. langeweile. zeitverschwendung.
gut da hinten. wie gut man sieht. ganz erstaunlich. bestimmt zehn reihen vor mir völlig leer. auf die entfernung ist auch drohendes geraschel und geknusper nicht mehr so stark zu hören. wie ich das verachte, diese uneingeladenen nebengeräusche körperlicher be- dürfnisbefriedigung. grobschlächtige naturen, die keine sekunde darüber nachdenken, welche geräusche sie produzieren, die den kinosaal mit ihrem verpupsten sofa zuhause verwechseln. guter platz. sehr, sehr guter platz. kaum werbung. dann der film.
ausgerechnet ein spanisch sprechendes kindermädchen taucht auf. deutsche untertitel. ich hatte gerade vergessen, wer da vorne sitzt, jetzt muss ich wieder daran denken. seine muttersprache ist spanisch. er wird da vorne sitzen und heimatgefühle haben, weil eine mexikanische kinderfrau in der sprache seiner mama auf der leinwand spricht. ich denke noch, wie absurd das leben ist, die situation, die befremdung darüber, dass man sich einst nah war. größte körperliche nähe zuließ. zum glück katapultiert der film kurz darauf jeden gedanken an meinen eigenen film weg. nichts bleibt davon übrig.
latent im hinterkopf, dass ich möglichst als letzte den saal verlassen muss. ich werde warten, bis er gegangen ist und noch eine kleine weile. es könnte sein, dass er unten kurz im wc verschwindet, oder im foyer bekannte entdeckt. er kennt ja gott und die welt. also nochmal gut fünf minuten dazu. abspann. er steht noch beim abspann auf, nimmt eilig seine jacke und ist weg. ich warte in ruhe den abspann ab, die musik ist ohnehin zum sitzenbleiben. ich stehe langsam auf, nehme meine handschuhe, ziehe den fellmantel über. reißverschluss. player an, auf die ohren. die schwarzen lederhandschuhe. tasche. über den weichen teppich zum ausgang.
06. januar 2007
gestern. delphi. ich setze mich meistens in die zehnte bis zwölfte reihe oder weiter hinten, vorzugsweise die leerste. immer ganz an den rand, rechts. im delphi gleich beim ausgang. am äußeren rand hat man eine bessere wahrscheinlichkeit, dass kein kopf vor einem in die leinwand ragt. auf dem sitz links von mir mein zeug. sicherheitsabstand. schön leer meine reihe. die siebzehnuhrfünfzehn-vorstellung. ich bin kurz vorher da. bis halbsechs kommen noch einige besucher dazu.
jemand setzt sich zwei reihen vor mir, auch nah am rechten rand aber eher zur mitte. der kopf ragt ein wenig in die leinwand. mir dämmert, dass ich diesen kopf kenne. sehr gut kenne. oh je er. oder doch nur eine ähnlichkeit? der hinterkopf, die brille. das passt. eine flüchtige handbewegung, die ihn endgültig identifiziert. er streicht sich mit der rechten handfläche ein paar mal über den hinterkopf. eine geste, die ich oft an ihm sah. auf eine bestimmte art. so, wie sich manche räkeln.
er dreht sich nur einmal kurz um, um die ausgezogene jacke irgendwie auf den sitz zu drapieren. eine flüchtige bewegung. ich verdecke meine augen, mein gesicht mit der rechten hand, so wie man sich den kopf hält, weil er schmerzt. ich überlege, ob mir die distanz ausreicht. ob die wahrscheinlichkeit gering genug ist, dass er sich ein weiteres mal umdreht und mich erkennt. ich rutsche tiefer in den sitz. nein. das ist mir zu nah. viel zu nah.
ich muss jede möglichkeit einer begegnung auschließen. ich nehme mein zeug und gehe drei reihen weiter nach hinten. immer noch gute sicht. aber immer noch sein kopf in der leinwand. ausgerechnet. er ist nicht der größte für einen mann. so groß wie ich. irgendwas um eins- achtzig. muss mir jetzt ausgerechnet auch noch in den kopf kommen, wie es mit ihm in gewisser hinsicht lief. und wenn nichts mehr ging. das lief wie geschmiert. media luna nannte er mich dann, was eine versaute anspielung war, die man nicht ohne weiteres versteht. wie mir das gefiel. die erinnerung daran ist wie eine nötigung, die eine körperliche wahrnehmung beschwört, die mir lästig ist. ich muss mich schütteln. wie konnte ich. skorpion natürlich. 26. oktober 42.
dominante waage-zwillingsaspekte, so weit ich erinnere. ein hoch- gradig akademisch gebildeter, sinnenfroher schwätzer. treffliche belei- digung war, mir goldhagens willige vollstrecker zum geburtstag in die hand zu drücken. unverpackt. nichts gegen konfrontation mit dem horror und dem unsagbaren. aber nicht zum geburtstag. überhaupt bücher. jemand, der bücher verschenkt, die er selbst gerade unge- heuer bedeutend findet, ungeachtet der besonderen interessen des zu beschenkenden. über die weiße göttin von ranke-graves zu beginn des ganzen hatte ich mich noch halbwegs gefreut, aus neugier.
ich stehe wieder auf. gehe ganz weit nach hinten, wo alle reihen unbesetzt sind. in die vorvorletzte reihe. ach was. ich stehe wieder auf. wenn schon, denn schon. mal sehen, wie es in der letzten reihe mit der sicht ist. gut. erstaunlich gut. sein kopf ragt nicht mehr in mein sichtfeld. ich kann kaum mehr ausmachen, wo er sitzt. gut. sehr gut. schnell vergessen. er würde versuchen, so viel ist sicher, mich beso hier beso da, an sich zu drücken, mit laszivem augenzwinkern die laue temperatur zu erhöhen. schon aus prinzip, schon aus gewohnheit. bloß nicht. desinteresse. langeweile. zeitverschwendung.
gut da hinten. wie gut man sieht. ganz erstaunlich. bestimmt zehn reihen vor mir völlig leer. auf die entfernung ist auch drohendes geraschel und geknusper nicht mehr so stark zu hören. wie ich das verachte, diese uneingeladenen nebengeräusche körperlicher be- dürfnisbefriedigung. grobschlächtige naturen, die keine sekunde darüber nachdenken, welche geräusche sie produzieren, die den kinosaal mit ihrem verpupsten sofa zuhause verwechseln. guter platz. sehr, sehr guter platz. kaum werbung. dann der film.
ausgerechnet ein spanisch sprechendes kindermädchen taucht auf. deutsche untertitel. ich hatte gerade vergessen, wer da vorne sitzt, jetzt muss ich wieder daran denken. seine muttersprache ist spanisch. er wird da vorne sitzen und heimatgefühle haben, weil eine mexikanische kinderfrau in der sprache seiner mama auf der leinwand spricht. ich denke noch, wie absurd das leben ist, die situation, die befremdung darüber, dass man sich einst nah war. größte körperliche nähe zuließ. zum glück katapultiert der film kurz darauf jeden gedanken an meinen eigenen film weg. nichts bleibt davon übrig.
latent im hinterkopf, dass ich möglichst als letzte den saal verlassen muss. ich werde warten, bis er gegangen ist und noch eine kleine weile. es könnte sein, dass er unten kurz im wc verschwindet, oder im foyer bekannte entdeckt. er kennt ja gott und die welt. also nochmal gut fünf minuten dazu. abspann. er steht noch beim abspann auf, nimmt eilig seine jacke und ist weg. ich warte in ruhe den abspann ab, die musik ist ohnehin zum sitzenbleiben. ich stehe langsam auf, nehme meine handschuhe, ziehe den fellmantel über. reißverschluss. player an, auf die ohren. die schwarzen lederhandschuhe. tasche. über den weichen teppich zum ausgang.
05. januar 2007
02. januar 2007
ganz aufgewühlt.
so nah, so entblößt . die nierenschale bei der geburt
susan sontag. die graue strähne. immer ihr gesicht. aufgebahrt.
dann läuft sie aus dem bild, noch einmal ihr rücken, von hinten. zum vulkan. dann wasser. nur wasser. die lagune. und dann
monument valley ganz unscharf, schwarz weiß
ewigkeit. nur so, genau so. monument valley, unscharf, schwarz weiß.
die bilder tun weh. richtig weh.
viel mehr als – – was ja, was.
da war dieses zitat in diesem einpersonen-film. mein letzter film. da erinnert sie ein zitat von einem regisseur. jetzt ist, wenn es weh tut. und wenn es das einzige wäre, was man von dem film mitnimmt, diesen satz.
ja, annie. jetzt ist, wenn es weh tut.

02. januar 2007
01. januar 2007
ergebnislos nach abbildungen der teppiche gesucht, die greta garbo entwarf. schade. sehr schade. das hätte mich interessiert, zumal diese nichte so von den farben angetan ist. aber davon abgesehen, zum teil wirklich interessant und unterhaltsam, was an virtueller ehrerbietung gemacht wird. dieses buch zum beispiel, von diesem schweden, der tatsächlich in späten jahren ihre erlaubnis erhielt, sie zu fotografieren. überhaupt diese fülle. stunden, tage, wochen – ach monate hat man noch vor wenigen jahren gebraucht, um an so viele informationen und bilder zu kommen. wenn es überhaupt möglich gewesen wäre. sagenhaft. ich bin gerade wieder sehr angetan von diesem internet.
oder diese dreitausendsiebenhundertirgendwas bilder umfassende sammlung in zum teil großartiger auflösung von audrey hepburn, dem zauberhaften, mageren vögelchen. gestern wieder einmal hinterein- ander frühstück bei tiffany und zwei auf gleichem weg gesehen. audrey im badeanzug. haut und knochen. wie ein großäugiger, gerupfter vogel, der aus dem nest gefallen ist.
eines fiel mir auch vor ein paar tagen auf, als ich zufällig in charade zappte – diese sehr seltsame art von ihr, essen in die hand zu nehmen, als wäre es ein fremdkörper. es gibt da dauernd szenen, in denen sie mit spitzen, spillrigen fingern essen anfasst. eine szene, mehrere szenen mit walter matthau. sie läuft hin und her und antwortet auf alle fragen, ihren mysteriösen toten mann betreffend, ‚ich weiß nicht‘, wie ein papagei oder eine schallplatte, und pickt dabei fahrig und unablässig nach irgendeiner essbaren sache in einer tüte. als wäre es nur ein gegenstand, um die nervösen finger zu beschäftigen. man glaubt, die neurose zu spüren. kann man natürlich auch auf die rollenanforderung schieben, aber essen als übersprungshandlung sieht normalerweise nicht so umständlich aus.
komisch, habe ich früher gar nicht darauf geachtet. dabei habe ich den film seit kindesbeinen schon so oft gesehen. vielleicht, weil man als kind die ikonen nicht in frage stellt, man einfach hinnimmt, was einem präsentiert wird. da dachte man dann eben, na ja die ist halt ein filigraner typ. zumal ich als kind auch immer von allen tanten und onkeln besorgt gefragt wurde, warum ich denn so dünn sei. dabei wuchs das kind nur so schnell und kam mit dem essen nicht hinterher. das hat sich allerdings in der pubertät recht schnell geändert. heute muß ich auch ab und zu ein bißchen aufpassen, gerade um die hüften. ach ich komme schon wieder ins plaudern.
01. januar 2007
ergebnislos nach abbildungen der teppiche gesucht, die greta garbo entwarf. schade. sehr schade. das hätte mich interessiert, zumal diese nichte so von den farben angetan ist. aber davon abgesehen, zum teil wirklich interessant und unterhaltsam, was an virtueller ehrerbietung gemacht wird. dieses buch zum beispiel, von diesem schweden, der tatsächlich in späten jahren ihre erlaubnis erhielt, sie zu fotografieren. überhaupt diese fülle. stunden, tage, wochen – ach monate hat man noch vor wenigen jahren gebraucht, um an so viele informationen und bilder zu kommen. wenn es überhaupt möglich gewesen wäre. sagenhaft. ich bin gerade wieder sehr angetan von diesem internet.
oder diese dreitausendsiebenhundertirgendwas bilder umfassende sammlung in zum teil großartiger auflösung von audrey hepburn, dem zauberhaften, mageren vögelchen. gestern wieder einmal hinterein- ander frühstück bei tiffany und zwei auf gleichem weg gesehen. audrey im badeanzug. haut und knochen. wie ein großäugiger, gerupfter vogel, der aus dem nest gefallen ist.
eines fiel mir auch vor ein paar tagen auf, als ich zufällig in charade zappte – diese sehr seltsame art von ihr, essen in die hand zu nehmen, als wäre es ein fremdkörper. es gibt da dauernd szenen, in denen sie mit spitzen, spillrigen fingern essen anfasst. eine szene, mehrere szenen mit walter matthau. sie läuft hin und her und antwortet auf alle fragen, ihren mysteriösen toten mann betreffend, ‚ich weiß nicht‘, wie ein papagei oder eine schallplatte, und pickt dabei fahrig und unablässig nach irgendeiner essbaren sache in einer tüte. als wäre es nur ein gegenstand, um die nervösen finger zu beschäftigen. man glaubt, die neurose zu spüren. kann man natürlich auch auf die rollenanforderung schieben, aber essen als übersprungshandlung sieht normalerweise nicht so umständlich aus.
komisch, habe ich früher gar nicht darauf geachtet. dabei habe ich den film seit kindesbeinen schon so oft gesehen. vielleicht, weil man als kind die ikonen nicht in frage stellt, man einfach hinnimmt, was einem präsentiert wird. da dachte man dann eben, na ja die ist halt ein filigraner typ. zumal ich als kind auch immer von allen tanten und onkeln besorgt gefragt wurde, warum ich denn so dünn sei. dabei wuchs das kind nur so schnell und kam mit dem essen nicht hinterher. das hat sich allerdings in der pubertät recht schnell geändert. heute muß ich auch ab und zu ein bißchen aufpassen, gerade um die hüften. ach ich komme schon wieder ins plaudern.
01. januar 2007
klarer vorteil der astrologiekunde: man findet immer irgendeinen ange- nehmen aspekt in dem ganzen durcheinander, auf den man sich dann einfach konzentriert. hausfrauenastrologisch platt gesehen wäre es so, dass ich kaum anlass hätte zu jubeln, wenn ausgerechnet meine sonne in jungfrau durch das aufeinandertreffen mit saturn in die schranken verwiesen wird und auch noch jupiter im schützen unspek- takulär bis irritierend im unschönen quadrat zu meiner jungfrausonne, -uranus und pluto steht.
kann man aber auch anders sehen. ich bin sehr verliebt in das zeichen schütze an sich und jupiter kommt in diesem zeichen endlich nach hause. in meinem geburtshoroskop steht die jungfrausonne im neunten haus und auch das ist die heimat von jupiter. damit bin ich eigentlich eine auszubildende schützin mit jungfrauenbesteck im skorpionkostüm. die sonne entfaltet die ganze kraft ihrer hauptrolle, wenn das stück gespielt wird, für das die rolle geschrieben wurde, was einleuchtend scheint, aber nicht immer der fall ist. mein stück heißt jupiter. der weite horizont, ein freudensprung ins ganze universum. und saturn gibt dem ganzen gehampel irdisch sichtbare struktur, mit einer starken dosis plutonium versteht sich.
so ist das.
01. januar 2007
mal ganz neue saiten aufziehen.
man sollte nie versäumen, sich selbst zu überraschen. sonst wird so eine beziehung zu sich selbst schnell langweilig. und langweilen kann man sich schon woanders. bin schon sehr gespannt, was ich mir für mich ausdenke!
01. januar 2007







