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Ich musste endlich einmal wieder auf der Museumsinsel nach dem Rechten sehen, den Kolonnadenhof beim Eingang zum Neuen Museum inspizieren. Und das neue Neue Museum selbst natürlich.

Lange mussten die Mitarbeiter auf meinen Besuch warten, es war mir schon langsam ein bißchen peinlich. Insbesondere, nachdem mein Nachbar, Herr Chipperfield, schon wieder lauter andere Sachen gebaut und fertig gestellt hat. Sein Haus in der Baulücke schräg gegenüber von meinem Adlerhorst ist auch schon längst fertig. Schön ist es geworden. Aber weil ich viel Respekt, ja geradezu Ehrfurcht vor dem Neuen Museum und dem, was er daraus gemacht hat, hatte, konnte ich nicht einfach mal so husch husch bei nächster Gelegenheit vorbeischauen. Ich wollte es schon ein bißchen zelebrieren. Mit ausgiebig Zeit und Muße und Hingabe.



Man sollte keinesfalls davon ausgehen, dass ich zufällig Sachen anhatte, die farblich mit dem Elbsandstein der Säulen korrespondieren. Ich mache so etwas bewusst. Stellen Sie sich vor, ich hätte einen mintgrünen Sport-Anorak aus abwaschbarem Nylon mit lila Rallyestreifen angehabt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Nofretete gefallen hätte. Die Mitarbeiter müssen sicher auch viele schlimme Jacken sehen, so einen langen Museumstag über. Ich wollte da gerne ein bißchen Abwechslung fürs Auge bieten. Wobei ich bei der Durchsicht meiner Bilder lobend festhalten muss, dass viele Passanten schlichte schwarze Wintermäntel getragen haben. Das ist relativ unproblematisch fürs Bild. Danke dafür. Ich kenne einige Berliner, die zwar schon mehrfach auf der Museumsinsel waren, über die Jahre hinweg, aber nicht unbedingt in jedem Museum und auch nicht unbedingt im Neuen Museum, seit Herr Chipperfield dieses verblüffende Meisterwerk aus Restaurierung und Modernisierung abgeliefert hat, das die weltweit bedeutendsten Architekturpreise bekommen hat. Wenn man es betritt, weiß man warum. Ich war noch niemals zuvor in einem Museum, in dem so eine starke Aura von Geschichte und Vergänglichkeit in den Räumen liegt. Die Intensität des alten Gemäuers mit den freigelegten, verblichenen Fresken, die die Exponate umgeben, kann man kaum in Worte fassen. Ich war vorher ehrfürchtig und danach bin ich es noch mehr. Ich kann die Bilder nicht in einer einzigen Strecke zusammenfassen. Es gibt viele Höhepunkte, die ich irgendwie auseinanderdividieren muss.


Der Kolonnadenhof ist natürlich historisch, vom Schinkel-Schüler August Stüler, wie das ganze Neue Museum. Die Nofretete macht sich gut, da zwischen den Säulen. Sie hat im Museum einen Ehrenplatz unter einer Kuppel. Der einzige Bereich, in dem man nicht fotografieren darf, sehr sakral inszeniert. Aber das gilt auch für die anderen Abteilungen. Das Licht ist grandios gesetzt, besonders im Ägyptischen Hof. Ich habe erwartet, ein ehrwürdiges Museum zu sehen, aber ich fand mich in einem Tempel wieder.


Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur, Mies-van-der-Rohe-Preis (2011)
Deutscher Architekturpreis (2011)
Philippe Rotthier European Prize for Architecture (2011)
Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe Europa Nostra Award (2010)
Große Nike (Hauptpreis) und Nike für Detailvollkommenheit vom Bund Deutscher Architekten (2010)
Travel + Leisure Design Award, Kategorie Bestes Museum (2010)
BDA-Preis Berlin (2009)
Sonderpreis zum Architekturpreis Berlin (2009)
BZ-Kulturpreis Berlin (2009)
RIBA Award sowie den RIBA Crown Estate Conservation Award des Royal Institute of British Architects (2009)
Excellence in Design Award in der Kategorie „Historical Preservation/Restoration des American Institute of Architecture UK Chapter (2009)
Stellen Sie sich vor, ich hätte einen mintgrünen Sport-Anorak aus abwaschbarem Nylon mit lila Rallyestreifen angehabt.
Das ehrt Sie wirklich, daß Sie trotz wechselhaften Wetters und pfeifendem Wind dem Anlaß entsprechend den mintgrünen Sport-Anorak aus abwaschbarem Nylon und lila Rallyestreifen nicht getragen haben. (Sie sind nach wie vor meine Modeikone unter den Bloggern.)
Oh wie schön, Frau Gaga! Und ein paar jener „freigelegten, verblichenen Fresken, die die Exponate umgeben…“ haben liebe und langjährige Kollegen von mir bearbeitet. Hatten sich sogar eigens dafür eine Wohnung in Steglitz angemietet. Ich selbst war leiderleider nicht dabei, da in diesen Zeiten bei mir Dinge wie Trennung und Scheidung und Kirschkernumzüge auf den wandgroßen Zetteln standen. Es ging sogar einmal darum, ob nicht vielleicht abgenommene Wandfragmente in meinem Atelier in Schöneberg bearbeitet hätten werden können. Mich ärgert mein Nichtdabeigewesensein noch heute und ich habe den Ort daher und seither immer gemieden. Aber Ihr Bericht macht mir Lust, endlich auch einmal dorthin zu gehen und mir alles nun anzusehen.
Interessante Neuigkeiten: das Metropolitan Museum of Art in New York hat David Chipperfield am 11. März zum Architekten der Renovierung erwählt.
„(…) in making the announcement, Mr. Campbell said: “We based the final selection of an architect on three criteria: vision, experience, and compatibility. David Chipperfield’s global architectural experience and sensibility, along with his commitment to the collaborative aspect of creating architecture, make him a perfect partner on this milestone project. His museum projects are brilliantly coherent, elegant, and accessible – from the Neues Museum in Berlin to Museo Jumex in Mexico City, the Saint Louis Art Museum, and The Hepworth in Wakefield, England.”
Brilliantly coherent, elegant, and accessible.